Hey Yahila,
nun bin ich mal dazu gekommen, dir endlich auch mal zu schreiben. Ich finde auch immer emhr Parallelen zwischen uns (auch wenn mein Freund ja zumindest schon medikamentös eingestellt sit und sein Depressionsschub derzeit vorerst überstanden scheint)
Auch ich bin mit meinem Kinderwunsch und der Tatsache, dass mein Freund an Depressionen litt/leidet immer wieder an meine Grenzen gestossen. Und auch ich habe die Regeln für Angehörige gelesen und mich immer wieder beim Brechen dieser Regeln etappt.
Man soll keine schweren Entscheidungen treffen, heisst es beispielsweise.
Aber wenn der depressiv erkrankte Partner selbst aus der Wohnung, in der wir leben raus will, wie soll ich dann den Umzug vermeiden ??? Der zählt für mich zu den längerfristigen Entscheidungen.
Wie em auch sein, man KANN nicht alle Regeln beachten. Sehr positiv überrascht wwar ich über die Antwort von Sonnenblume20, die zuerst die Ich-Botschaften betont hat (kommt in einem Streit wirklich ganz anders rüber, als es Du-Botschaften tun, die oft als Vorwurf und Mahnung empfunden werden. Das geht einem ja ähnlich. Sagt jemand zu dir :
" Du bist Schuld daran, dass unsere Freundschaft zerbricht!!!" , klingt es wesentlich zugänglich, wenn gesagt wird :" Ich habe das Gefühl, unsere Freundschaft verliert ihren Halt. Das verletzt mich" (oder ähnlich)
Den Satz mit dem sekundären Krankheitsverlauf habe auch ich aufmerksam durchgelesen, denn auch ich erwische mich immer wieder dabei, wie ich meinem Freund sein Leben rund um den Haushalt sehr einfach mache. Aber ich bin nicht der Typ dazu, der Besuch empfängt und es dann aushalten kann, dass das Geschirr sich (trotz Geschirrspülmaschine) in der Spüle stapelt, auf dem Tisch Brötchenkrümel liegen oder nicht durchgesaugt ist.
Ich kann dich sooo gut verstehen, dass du dich manchmal so fühlst, als würdest auch du nicht mehr lange gesund bleiben bzw dass dein eigentlich fröhliches Wesen sich so zum negativ denkenden, dauertraurigem Menschen ohne Zukunftsperspektive entwickeln.
Mir ging es in der Zeit, wo ich mich hier angemeldet habe, ganz genauso. Ich hatte das Gefühl, selbst im Supermark losweinen zu müssen und nicht mehr ein noch aus zu wissen. Umso besser, dass man hier die Möglichkeit hat, sich auszusprechen.
Ich wünsche dir, dass die Therapie deines Freundes sich als Glücksgriff herausstellt und ihm dauerhaft etwas bringt. Gehe am besten erstmal ohne große Erwartungen an die Sache heran. Die Therapie wird auch für deinen Freund anstrengend. Es wird ihm Stück für Stück in seine Seele geschaut, vielleicht kommen ganz ungeahnte, oder unterbewusst verdrängte Gefühle und Lebenserfahrungen zum Vorschein, die deinen Freund überfordern. Vielleicht wird er dir gegenüber unfair, weil er seinen Schmerz auf dich transportiert.
Aber nimm ihm das dann nicht so übel. Lass es so gut es geht von dir abprallen. Irgendwann wird er wissen, welchen wahren Schatz er in dir gefunden hat! Das würde nämlich nur eine besondere Frau unter vielen machen, die schon längst die Flucht ergriffen hätten.
Aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen, dass es auch von Vorteil ist, als Angehöriger nach dem Arztbesuch (in deinem Fall der Therapiestunde) nicht gleich mit "Wie war es?" fragen auf ihn einzustürmen. Ich weiss, wie schwer das ist. Aber dein Freund muss die geführten Gespräche vermutlich erst einmal selbst verdauen. Und wenn ihm danach zumute ist, dann wird er selbst anfangen, mit dir drüber zu reden. Vielleicht besteht sogar die Möglichkeit, dass du mit der Zeit immer mal wieder mit anm den Sitzungen teilnimmst oder dir selbst einen Termin holen kannst. Damit auch du mal mit Fachleuten sprechen könntest. Ich denke, mir würde das helfen, ihn besser zu verstehen. Bücher sind toll und wertvoll, aber sie können nie deine eigene Situation erfassen sondern immer nur die die Zielgruppe ansprechen.
Überlege dir gut, wie lange du deinen Kinderwunsch zurückhalten kannst, und ob du das möchtest. Da ich in einer ähnlichen Situation stecke, weiss ich, wie viel Kraft es kosten kann, eigene Wünsche und Bedürfnisse immer wieder zurückzustecken. Ich habe auf dem Dachboden schon eine Spieldecke, einen MaxiCosi und zahlreiche Babysachen von Freunden. (Ich bin im übrigen also NICHT abergläubisch

)
Bis bald und alles Liebe!!!
Deine Rebecca