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Was hilft euch beim Begleiten depressiver Angehöriger

Fannny

Fannny

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Hallo an alle,

Ich wohne mit meinem Partner zusammen der an Depressionen erkrankt ist. Inzwischen bin ich erschöpft und nervlich sehr angespannt. Ich bin überfordert von der ständigen Angst und Verantwortung die ich alleine tragen muss. Ständig habe ich Angst, dass es wieder schlechter wird. Ich schaffe den Alltag am Wochenende gut, sobald ich arbeiten muss überlastet es mich total und ich schaffe die Arbeit nur noch mit sehr großer Mühe. Habt ihr Ideen wie ich A) meinem Partner eine Stütze sein kann und auch nachhaltig helfen kann B) was ich tun kann damit ich nicht mehr so am Ende meiner Kräfte bin?

Ich habe außerdem Angst wenn ich mir therapeutische Hilfe suche und ehrlich über die Situation spreche, dass der Therapeut, meinen Partner einweisen könnte. Geht sowas? Weiß jemand wie das rechtlich geregelt ist?

Ist vielleicht jemand in einer ähnlichen Situation?
Über Tipps und Ideen und Austausch würde ich mich sehr freuen.

05.01.2022 15:15 • x 2 #1


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Jedi

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@Fanny

Zitat von Fannny:
Habt ihr Ideen wie ich A) meinem Partner eine Stütze sein kann und auch nachhaltig helfen kann

Indem Du Dich selbst, gut um Dich kümmerst - gut für Dich sorgst !
--
Zitat von Fannny:
B) was ich tun kann damit ich nicht mehr so am Ende meiner Kräfte bin?

Selbstfürsorge ! - Sorge jetzt gut für Dich u. kümmere Dich um Deine Bedürfnisse !
---
Zitat von Fannny:
Ich habe außerdem Angst wenn ich mir therapeutische Hilfe suche und ehrlich über die Situation spreche, dass der Therapeut, meinen Partner einweisen könnte.

Geht sowas?

Nein , weil Du der Klient bei Deinem Therapeuten bist u. nicht Dein Partner !

05.01.2022 16:02 • x 2 #2



Hallo Fannny,

Was hilft euch beim Begleiten depressiver Angehöriger

x 3#3


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Jana7

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Therapeuten unterliegen der Schweigepflicht.
Eine Einweisung kann nur bei Eigen- oder Fremdgefährdung erfolgen. Und die Gefährdung muss akut - also in dem Moment - bestehen.

Ich weiss jetzt nicht, wie das bei Ehepartnern wäre. Aber ihr seid ja sowieso scheinbar nicht verheiratet. Du bist nicht vertragliche Betreuerin.

Leider wird diese Selbst-u. Fremdgefährung oft gerne konstruiert und von Richtern blind durch gewunken.

Verbal können einem Fallstricke gebaut werden, um dies zu ermöglichen: ZB: Ich habe Angst, Sie tun sich was an. Patient: Wenn das so weitergeht, bleibt mir kaum eine Wahl, bleibt mir nix übrig.
Das sollten Betroffene wissen.

Hmm -mich wundert ein bisschen, warum Dich die Depression Deines Partners derart mitnimmt. Ich frage mich, wie sie sich im Detail äußert...

Du kannst die Telefonseelsorge anrufen, wenn es zu viel wird, Du reden willst. Wenn einer nicht passt: Sie wechseln alle paar Stunden. Und es gibt auch eine Möglichkeit, bundesweit verbunden zu werden.

05.01.2022 17:22 • #3


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Lilly-18

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Zitat von Jana7:
mich wundert ein bisschen, warum Dich die Depression Deines Partners derart mitnimmt

mich wundert das nicht. Mein Partner war auch letztes Jahr sehr depressiv und es hat mich arg mitgenommen. Man möchte helfen, fühlt sich hilflos. Man versucht Verständnis zu haben, hat Geduld, dann wieder gar nicht. Es ist ein Wechselbad der Gefühle, wie ein Strudel, der dich mitzieht.

Wie Jedi schon geraten hat, sorge gut für dich selbst, mach etwas Schönes, das dir Freude macht. Du darfst dich nicht nur auf ihn fokussieren. Triff dich mit Freunden. Du musst ja nicht über ihn reden, lenke dich ab.
Und sei da für ihn. Er wird dir signalisieren, wenn er dich braucht.
Helfen kann letztlich nur er sich selbst. Unterstütze ihn, wenn er das möchte.
Und wenn du selbst Hilfe brauchst, geh zu einem Therapeuten. Mir hilft das immer sehr. Denn der kümmert sich um DICH und das tut dir gut.

05.01.2022 17:31 • x 6 #4


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bones

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Zitat von Jana7:
Hmm -mich wundert ein bisschen, warum Dich die Depression Deines Partners derart mitnimmt. Ich frage mich, wie sie sich im Detail äußert...


nun wieso wundert dich das? So wie du schreibst, hattest du noch nicht die Erfahrung machen brauchen. Man bzw ich sehe es bei dir häufiger , dass du was schreibst, Wo man sich die Frage schon stellt, weshalb dj eigentlich hier bist.

mich wundert es auch nicht. Es kostet enorm Kraft , da jemand leiden zu sehen und viele vergessen sich sehr schnell selber um sich zu sorgen.

05.01.2022 17:49 • x 5 #5


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Kate

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Zitat von bones:
So wie du schreibst, hattest du noch nicht die Erfahrung machen brauchen. Man bzw ich sehr es bei dir häufiger , dass du was schreibst, Wo man sich die Frage schon stellt, weshalb dj eigentlich hier bist.

Sehe ich auch so. Diese vorgespiegelte Allwissenheit und dieses belehrende von oben herab finde ich ehrlich gesagt nicht wirklich hilfreich und angebracht.
Als wären wir alle Versager. Dabei ist jeder "Erkrankte" Experte seiner Erkrankung selbst. Da können vermeintlich "Gesunde" meist nur wenig mitreden, oder sie sind wirklich spezialisiert.

05.01.2022 17:54 • x 5 #6


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maya60

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Zitat von Fannny:
A) meinem Partner eine Stütze sein kann und auch nachhaltig helfen kann B) was ich tun kann damit ich nicht mehr so am Ende meiner Kräfte bin?

Ich habe außerdem Angst wenn ich mir therapeutische Hilfe suche und ehrlich über die Situation spreche, dass der Therapeut, meinen Partner einweisen könnte. Geht sowas? Weiß jemand wie das rechtlich geregelt ist?

Hallo @Fanny , Herzlich Willkommen hier im Forum und ich wünsche dir einen guten Austausch und eine gute Unterstützung im Forum und sehe, dass beides ja schon in all den Antworten an dich begonnen hat.

Ich möchte mich da nur Jedi und Lilly und Kate und bones anschließen und aus meiner eigenen Erfahrung sowohl als selber Depressive als auch als Angehörige depressiver Verwandter zuvor als Kind und Jugendliche und Erwachsene bis heute besonders bekräftigen, wie wichtig es ist, dass du dir psychologische Hilfe holst, sobald du merkst, dass dich die Krankheit deines Partners selber zuviel stresst und psychisch belastet und das ist klar der Fall, wie du ja selber beschreibst!

Und in diesem Zusammenhang deiner Frage B ist aus meiner eigenen Erfahrung b e s o n d e r s wichtig, dass du zum Thema Depression deines Partners dein Verantwortungsgefühl und deine Mental Load (Kopfkarussel dazu) lernst, auszustellen!

Eine Depression ist eine schwere Erkrankung, auch schon bei leichter Ausprägung, und sie braucht Fachärzte und Fachtherapeuten und das bist du nicht. Zudem bist du als Partnerin sowieso viel zu nahe dran und zu zu verstrickt, um da aus nötiger Fachdistanz helfen zu können. Das ist keinesfalls deine Verantwortung und Aufgabe und das muss dir und genauso klar deinem Partner bewusst sein.
Du kannst auch nicht neben deinen eigenen vollen Alltagsaufgaben noch mal locker seine mit übernehmen! Das macht krank! Da müssen andere Lösungen her und andere Menschen und Fachleute!

Vor allem aber musst du diese ständige Gedankenlast dazu verlernen. Ich habe das geschafft innerhalb eines halben Jahres, also das geht, ist schon Jahre her.
Dabei kann dir eine Therapeutin helfen. Ich habe mir einfach immer, wenn ich angstvoll grübeln und mich sorgen wollte, ein spannendes Buch gegriffen und immer eines dabei gehabt, aber nicht jede ist so ein Lesefan wie ich, da gibt es dann andere Wege.

Und Selbstfürsorge darf nicht zu sehr anstrengen, wenn du eh schon so angestrengt bist. Einfach Rückzug oder Geselligkeit, je nachdem, was dir besser tut, ohne viel Aufwand ganz für dich allein.

Gute Besserung dir und deinem Partner und Liebe Grüße! maya60
Zitat von Lilly-18:
Wie Jedi schon geraten hat, sorge gut für dich selbst, mach etwas Schönes, das dir Freude macht. Du darfst dich nicht nur auf ihn fokussieren. Triff dich mit Freunden. Du musst ja nicht über ihn reden, lenke dich ab.
Und sei da für ihn. Er wird dir signalisieren, wenn er dich braucht.
Helfen kann letztlich nur er sich selbst. Unterstütze ihn, wenn er das möchte.
Und wenn du selbst Hilfe brauchst, geh zu einem Therapeuten. Mir hilft das immer sehr. Denn der kümmert sich um DICH und das tut dir gut.

05.01.2022 18:33 • x 4 #7


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ZeroOne

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Hallo @Fannny ,

vielleicht hilft dir ja auch dieser Thread weiter, in dem sich weitere Angehörige austauschen: klick!

05.01.2022 19:03 • x 1 #8


Just_me

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Liebe @Fanny ,

Auch von mir ein herzliches Willkommen hier im Forum, schön das du da bist.

Ich selbst bin Angehörige, also auch Laie und kann dir aus meiner Sicht sagen, das es mich auch über eine lange Zeit sehr belastet und runtergezogen hat. Mit der Zeit ist es mir dann gelungen Abstand zwischen mich und die Erkrankung meines Freundes zu bringen. Aber das dauerte eine ganze Weile, davor gab es all das Gefühlskarussell was du auch schilderst.

Wenn dir danach ist zu reden, dich auszutauschen oder einfach mal Dampf abzulassen, da hast du hier einen Platz gefunden. Ich denke die meisten hier kennen all diese Gefühle genau.

Aber ich will dir auch raten die Hoffnung zu bewahren das es wieder besser werden kann. Denn genau diese Erfahrung durfte ich machen und so geht es mir bzw. uns gut und uns hat diese Erfahrung rückblickend nur noch mehr zusammen geschweißt.

Liebe Grüße
Just_me

05.01.2022 23:42 • x 1 #9


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selly

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Zitat von Jana7:
Du kannst die Telefonseelsorge anrufen, wenn es zu viel wird, Du reden willst. Wenn einer nicht passt: Sie wechseln alle paar Stunden. Und es gibt auch eine Möglichkeit, bundesweit verbunden zu werden.

Das hatte ich auch mal zu Beginn der Depression meines Expartners probiert, da hatte ich dieses Forum noch nicht gefunden und wusste nicht weiter. Jedoch kommt man da kaum durch, fast unmöglich.

06.01.2022 10:31 • x 1 #10


Fannny

Fannny

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Vielen Dank für eure vielen tollen Antworten! Schön wenn man sich verstanden fühlt ohne viel sagen zu müssen! Es waren so viele schöne Tipps dabei! Ihr habt mir sehr viel Mut gemacht
Ich werde mir aufjedenfall Unterstützung suchen! Was habt ihr da für Erfahrungen gemacht, wie findet man jemand der zu einem passt? Und würdet ihr das mit eurem Partner teilen? Eigentlich würde ich das schon gerne erzählen weil es ja zu mir gehört und ich müsste ja auch sonst immer Termine geheimhalten. Ich möchte ihm aber auch nicht das Gefühl geben, dass ich wegen ihm psychologische Unterstützung in Anspruch nehmen möchte.
Besonders schwer finde ich, dass die Verantwortung so ganz bei mir liegt weil er sonst quasi keine Kontakte hat. Und dass man sich so zurück nimmt mit seinen eigenen Gefühlen weil ich ja nicht noch zusätzliche Belastung sein will. Aber dadurch, dass ich meine Ängste, Sorgen, Probleme nicht teilen kann fühle ich mich oft einfach nur wie der Umsorger und es geht viel Nähe verloren. Oft bin ich auch innerlich einfach nur sehr wütend und dann fühle ich mich schuldig weil ich so wütend bin.
Ich wünsche euch einen schönen Sonntag!

09.01.2022 12:29 • #11



Hallo Fannny,

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Just_me

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Liebe Fanny,

ich würde es nicht geheim halten, ihm aber auch nicht "direkt auf die Nase binden" während er noch tief im Loch ist. Irgendwie beiläufig erwähnen wenn es sich aus der Situation heraus ergibt.

Mal davon abgesehen das es zwischen mir und meinem Freund keine Geheimnisse gibt und ich gerade dieses vollkommene Vertrauen und die Offenheit so sehr schätze, hat er dann auch, nachdem er aus dem tiefsten Loch raus war auch gesagt, das er es gut findet das ich mich über die Krankheit und den Umgang damit informiert hab.

Liebe Grüße und schönen Sonntag
just_me

09.01.2022 12:37 • #12

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