Zitat von Schattentanz: Ich weiß zB rational auch, dass eine Depression eine echte, schwere Krankheit ist und würde das für jeden Erkrankten so annehmen und Verständnis haben.
Aber das ich diese Krankheit habe und nicht nur... nachlässig, bequem, faul bin - hm. Ich weiß das. Irgendwie aber irgendwie auch nicht.
Logisches Denken lässt auch ein sowohl als auch zu. Es wäre demnach möglich, nicht wegen einer depressiven Episode in einem zugegebenermaßen nicht erwünschten Handlungsspektrum zu agieren, sondern trotz diesem. Nachlässig, bequem und faul sein ist tatsächlich erlaubt und kommt dementsprechend auch vor. Mit und ohne Depression. Umgekehrt kann es auch passieren, in einer Depression handlungsfähig zu sein, weil das eben kein binäres System ist, wo es nur 0 und 1 gibt.
Letztlich kommt es nur darauf an, ob und wie man gegebenenfalls die eigene Handlungsweise gegenüber sich selbst und / oder Anderen rechtfertigen will, wenn es darum gehen würde, eine Bewertung vorzunehmen. Da wäre die Frage, muss dass sein?
Wenn jemand in der Hängematte liegt und die Beine baumeln lässt und sonst nichts macht, wäre ja wohl nicht die erste Frage, die man demjenigen stellen würde, hast Du eine Depression? Oder?
Beim Zugang und vor allem beim Umgang mit den eigenen Gefühlen hilft Logik unter Umständen dabei, wenn es darum gehen würde, eine Handlung daraus zu generieren. Aber zwingend notwendig wäre eine Handlung auch nur, wenn man unbedingt handeln will. Das Gefühlte anzunehmen, ist ja was ganz anderes und ob man dass wie auch immer bewerten will, liegt ohnehin an einem selbst, ändert aber nicht das Gefühl als solches.
Gefühle richten sich ja auch nicht nach einer Logik, die es zugrunde zu legen gelten sollte.
Das subjektive Empfinden folgt nicht einer Logik und auch die Wahrnehmung muss das nicht zwangsläufig. Wird man beschenkt und freut sich nicht darüber, dann ist das eben so. Ist man angesäuert, weil jemand etwas zu einem sagt, dass in keinster Weise kritisch oder böse gemeint ist, dann ist das so. Welche Reaktion es bei einem selbst hervorbringt, lässt sich aber unter Umständen mit Logik betrachten, wobei es trotzdem möglich ist, sowohl logisch als auch unlogisch zu handeln.
Hinzu kommt noch, dass die eigene Logik ja kein allgemein gültiger Standard ist. Schaue ich in die Welt, sehe ich vieles, das mir jeglicher Logik entbehrt, dass Menschen aber tun. Und da schließe ich mich ja nichtmal aus, weil ein „mir ist gerade danach“ nicht zwangsläufig erfordert, ob das jetzt eine logikbasierte oder absolut rationale Handlung wäre.
Falls Du deine Gefühle verstehen willst, helfen eigene Erfahrungen, Prägungen, der eigene Charakter und die eigene Biografie vielleicht besser, als die Frage, wo darin eine Logik zu sehen ist. Und erst wenn einigermaßen feststeht, wo man sich wie ändern will, ließe sich mit rationalem und logischen Denken vielleicht auch etwas ändern. Vorausgesetzt die Hirnchemie oder irgendetwas organisches oder genetisches hemmen das eigene rationale Denken nicht.
Auch in einer Therapie hilft Logik manchmal nicht weiter, wenn einem Etwas zu unkonventionell erscheint, weil man ja in der eigenen Logik verharren könnte. Da braucht es halt den Willen, es auszuprobieren und zu sehen, was es mit einem macht. Hilft es, ist es gut. Hilft es nicht sofort, könnte man es trotzdem noch eine Weile probieren. Hilft es nicht, dann hilft vielleicht was anderes.
Käme man zu der womöglich unlogischen Erkenntnis, mir hilft eh nichts, wäre zumindest eine logische Konsequenz, es dann auch nicht weiter zu versuchen. Ob das dann zu beklagen wäre, würde einem vielleicht die eigene Logik erklären können, wenn etwas damit erreicht werden soll.
Ich denke, Du bist auf einem guten Weg, weil Du Dich auf eine Therapie einlassen konntest. Ohne Pragmatismus würde man sowas vielleicht gar nicht in Betracht ziehen können. Denn wer nicht erkennen kann, dass Unterstützung eine Hilfe bieten kann, würde keine in Anspruch nehmen wollen. Gefühle zu offenbaren war auch mein größtes Problem in der Therapie, solange ich dachte, ich müsste sie rational begründen. Darüber bin ich zum Glück hinaus. Jetzt geht’s bei mir um die „Feinheiten“ im Umgang mit meinen Gefühlen, wobei mir bewusst ist, dass dieser Prozess mein Leben lang andauern und über die Therapie hinaus gehen wird.