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Reizüberflutung Syndrom - Hilfe bei Überforderung

Hallo,
Ich hatte mal eine Frage.
Ich habe unglaublich mit Reizüberflutung zu kämpfen.

Wem geht's genauso und habt ihr vielleicht Tipps wie man damit umgehen kann?

Z.b.
-kann ich kaum ein Produkt im Supermarkt kaufen, weil die ganze Farben, Buchstaben, Produkte und Marken mich erschlagen (Wocheneinkauf macht meinen Mann deswegen)

-ich kann nur kurz Freunde sehen (wenn überhaupt). Gestern waren welche da und ich konnte nach eine Stunde losheulen, nur weil ich Gläser hingestellt habe und ein Freund mir gleichzeitig gefragt hat, wo er ein bestimmte Getränk finden könnte und Leute im Hintergrund geredet haben.

-ich habe versucht im Wald spazieren zu gehen, aber das entfernte Geräusch von der Schnellstraße (das ich vorher nie wahrgenommen habe) und das Gezwitscher der Vogel machte mich total gestresst.

- mein Mann räumte gestern die Spülmaschine aus. Ich saß weinend auf der Couch mit meinen Hände über meine Ohren und meine Auge zu, weil das Legen von dem Besteck in die Schublade (für mich soooo laut!) und der Ansicht von Spielzeug meiner Tochter (was nicht viel ist) mir zu viel ist.

-als wir einmal im Auto 1,5 Stunden gefahren sind, ist mir schlecht geworden. Die ganze Schilder und anderes Verkehr sorgte dafür, dass als wir angekommen waren, ich mich übergeben müsste.

-etc. etc.

Ich habe einfach keine Filter mehr und suche dringend nach Rat.

Danke schön im Voraus.

03.06.2019 09:44 • x 1 #1


Du machst sicher keinen Fehler, wenn Du mal einen Neurologen oder Psychiater aufsuchst.

03.06.2019 09:49 • x 1 #2


Zitat von mutmacher:
Du machst sicher keinen Fehler, wenn Du mal einen Neurologen oder Psychiater aufsuchst.


Habe überall versucht Termine zu bekommen und jetzt habe ich einen vor ende Juli. Dauert also aber noch.

03.06.2019 10:12 • #3


Rowi
Hallo Mas83,
als erstes denke ich das Mutmachers Tipp wichtig ist. Denn ein Psychiater oder Neurologe kann herausfinden was die Ursache der Reizüberflutung ist.

Ich selbst nutze folgende Möglichkeiten zur Reizregulierung:
- Gegenreiz mit Konzentration darauf (z.B. in Supermärkten genutzt wenn es mir absolut zu laut wurde, habe dann mit dem Handy Musik über Ohrstöpsel gehört, brauchte auch gar nicht so laut sein, da wichtig war das ich mich auf die Musik konzentriere)
- ganz wichtig genügend Pausen machen um wieder zur Ruhe zu kommen
- wenn etwas wichtiges Ansteht vorher und danach zeit zum Entspannen einplanen, bei mir war das meist eine halbe Stunde
- Amts- oder Arzttermin nur noch einen pro Tag gemacht und den Rest des Tages so organisiert das es mir damit gut ging
- Einkäufe auch mal über Onlineversand bei Rewe, getnow, oder was in deiner Gegend zur verfügung steht getätigt
- mit meinem Partner darüber geredet und Notfallpläne ausgearbeitet. Er hat z.B. ein gutes Gespür dafür entwickelt wann er mich aus einer Situation raus begleitet oder wann er mir zutrauen kann das ich es schaffe.
- mir auch mal die Freiheit nehmen und aus einer Situation raus gehen wenn sie einfach zu überfordernd ist, wichtig später die situation nochmal versuchen oder langsam wieder rantasten, damit keine Vermeidungsstrategie daraus wird
- bestimmte Ohrstöpsel mit denen Grundgeräusche gedämpft werden, menschliche Sprache aber noch verständlich ist, sind glaub welche für Musiker, gibt es die verschiedensten arten
- Reizgedämpfter Raum zum runter kommen, habe in meiner Wohnung einen Raum der nur für mich ist und den ich so eingerichtet habe wie ich ihn brauche um runter zu kommen und mich wohl zu fühlen
- Entspannungsübungen
- Achtsamkeitstraining

LG
Rowi

03.06.2019 10:13 • x 2 #4


Alexandra2
Liebe Mas,
Ich sehe es so wie mutmacher, kläre ob es ADHS mit oder ohne H ist.
Reizüberflutung ist mein zweiter Vorname, das kenne ich so wie Du und schlimmer, kur vor Knall.
Regelmäßiger Stressabbau ist wichtig, um die gereizten Nerven zu beruhigen.
Vorhaben kann ich nur im unteren Stresslevel umsetzen. Es ist total schwierig, weil man auch spontan sein möchte. Finde erstmal raus, was für Dich ein guter Stresslevel ist und wo das Maximum liegt. In der schweren Depression konnte ich 1 Stunde alleine in Ruhe etwas machen, danach war ich völlig erschöpft.
Jetzt sind bis 3 Stunden in der Öffentlichkeit drin und privat länger
Rückzug, Ruhe und Pausen machen, hilftir sehr.
Ab vier Leuten wird es im privaten Raum zu viel. Viel Freunde wissen, dass ich beim Treffen eine Pause brauche.
Dazu musste ich mich selbst erstmal einschätzen. Das ist ein längerer Prozess, der bei mir nicht abgeschlossen ist.
Hilfsmittel gibt es auch, eigentlich sind sie nur für unausweichliche Situationen (zB im Flugzeug) sinnvoll. Denn wenn Du Hilfsmittel brauchst, ist die Gefahr groß, über eigene Grenzen zu gehen. Und das bringt mir immer ein Tief ein.
Liebe Grüße Alexandra

03.06.2019 10:20 • x 1 #5


Liebe Mitmachen, Rowi und Alexandra. Vielen lieben Dank für euer Tipps, ich gucke welche ich umsetzen kann.

Habt ihr das dann auch gehabt, als ihr euch gut gefühlt habt? Ich habe es erst seit ca. 2 Monate (Depression / Burnout). Dann hat es doch weniger mit A D (H) S zu tun, oder?

03.06.2019 10:44 • #6


Rowi
Also bei mir hat die Depression selbst gezeigt das ich ein Hochsensibler Mensch bin, der das eben immer Unterdrückt hat um "Normal" zu sein. In den ersten Monaten meiner Depression hat sich das Mega bahn gebrochen und ist Teilweise durch unempathische Therapeuten noch verschlimmert worden.

Erst als ich Selbst Verantwortung für mich und mein Wohlbefinden übernommen habe und genau geschaut habe, was tut mir gut was brauche ich gerade, wie weit kann ich gerade gehen? ist es auf dem Weg der Besserung.

03.06.2019 10:48 • x 2 #7


Alexandra2
Es ging mir trotz umfangreicher Behandlung in der Depression schlecht, deshalb bat ich um eine ADHS Untersuchung. Nach und nach lernte ich, die Symptome abzugrenzen und nahm in der Beschäftigung mit ihnen wahr, daß mein ewiges Streßgefühl vom Zurückdrängen der Reize (was mir nie gelingt) herrührt. Sehr entlastend war, daß ich eine Erklärung für meine Erschöpfung, tw Aggression hatte.
In einer Klinik hatte ich viele Ahaerlebnisse, welche Symptome ADHS haben kann und fand mich überall wieder. Das Buch 'eins nach dem anderen' von Lynn Weiss zeigte mir die ganzen Negativerlebnisse auf.
Insofern kann ich nur sagen, die Symptome kenne ich seit ich denken kann, in allen Phasen, meist ging es mir schlecht. Je besser es mir geht, umso erträglicher sind die Reize
Liebe Grüße Alexandra

03.06.2019 11:01 • x 1 #8


Alexandra, dann hoffe ich, dass er dir nicht allzu slecht geht! Ein Psychologen meinte erst auch A D S, ist da aber wieder von zurück gekommen, weil ich vorher nie so richtig mit den Symptome zu kämpfen gehabt hat. Hast du dann die Diagnose bekommen?

Vielleicht in leichtere Form: ich konnte keinen Musik nach ein Arbeitstag hören (zu laut) und ich kriegte Panik in Menschenmassen.

Rowi, wie hast du für dich rausgefunden dass du hochsensibel bist? Vieles trifft auch auf mich zu, aber trifft nivht sowieso vieles auf vielen zu? Hast du irgendwelche tests gemacht?

Trifft ihr euch noch mit Freunden?

03.06.2019 11:48 • #9


Alexandra2
Ja, die Diagnose hat meine Psychiaterin gestellt. Dann wurde auch klar, warum die Medikamente nicht ausreichten. Zum Medikamentenwechsel musste ich in die Klinik, ADHS spezifisch. Das neue Medikament war besser, aber das Ritalin war nichts für mich, es löste schwere Krisen aus.
Es war eine große Erleichterung, Menschen kennen zu lernen mit ähnlichen Erfahrungen in der Klinik.
Hier kannst Du mal schauen, die Seite ist ganz interessant.
https://www.adhs-ratgeber.com/index.htm.MXEALw_wcB

ADHS und Depression beeinflussen sich gegenseitig.
Liebe Grüße Alexandra

03.06.2019 12:04 • x 1 #10


Rowi
Ich habe mit meinem Psychiater einen Hochsensibilitätstest gemacht. Man kann ihn finden wenn man in Google: test hochsensibilität , eingibt. Erster Treffer HSP Test auf der Seite von zartbesaitet.net ist dann der mit dem mein Therapeut gearbeitet hat. Habe danach schon mehrer Bücher zu dem Thema gelesen und mein Psychiater hat den Test mit mir eigentlich nur gemacht damit es mir selbst klar wird. Das extrem Hohe Ergebniss hatte ihn zwar etwas überrascht, aber er hatte nach einem viertel Jahr Therapiesitzungen mit mir keinen Zweifel mehr daran das ich Hochsensibel bin.

03.06.2019 13:38 • x 3 #11


Eis
Hallo Mas
Ich war im ersten Jahr meines burnout/Depression auch extrem reizempfindlich, v.a. auf Lautstärke, anfangs auch auf zu viele Eindrücke. Ich hatte genau wie du Probleme, wenn gleichzeitig geredet wurde, wenn Hintergrundgeräusche zu hoch waren, oder es irgendwie chaotisch war. Ich habe beim Einkaufen anfangs dann nur noch in kleineren Geschäften eingekauft wo die Auswahl nicht so groß ist und ich habe nur kleine Einkäufe erledigt. Ich weiß noch wie ich mal vor einem Regal mit Speisestärke stand und einen Panikanfall bekam, nur weil da 3 oder 4 verschiedene Packungen waren und es mich schlichtweg überfordert hat zu entscheiden, welche ich nehme. Das war schrecklich. Die Sache mit den überempfindlichen Ohren hab ich durch Musikerohrstöpsel geregelt. Damit werden die Hintergrundgeräusche gedämpft, deinen Gesprächspartner verstehst du aber trotzdem. Erst seit ich die Stöpsel habe, hatte ich nicht mehr die Panik, wenn wir irgendwo hingehen wollten, dass ich jedes mal überlegen musste, wie laut ist es da, wie viel Leute sind wir, ist die Musik dort laut usw., wird das klappen?
Das war für mich sozusagen überlebensnotwendig, ich hab die Stöpsel heute immer noch dabei, brauch sie aber nur noch selten.
LG Eis

03.06.2019 19:14 • x 2 #12


Danke schön! Ich habe heute die Ohrstöpsel online gekauft. Bin gespannt!

04.06.2019 16:03 • x 2 #13


Eis
@Mas83 Bin gespannt auf deine Erfahrungen und ob es dir auch hilft.

05.06.2019 08:42 • x 1 #14


Zitat von Eis:
@Mas83 Bin gespannt auf deine Erfahrungen und ob es dir auch hilft.


Ich werde berichten!

05.06.2019 13:13 • x 1 #15




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