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Raus aus dem Burnout -Eure Erfahrungen

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Fina
Mitglied

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Hallo liebes Forum,
Ich bin aktuell krank geschrieben mit Stresssymptomen/Erschöpfungssyndrom
Obwohl es Blödsinn ist warte ich dennoch jeden Tag darauf, dass es mir etwas besser geht. Ich habe einen Therspieplatz bekommen und der aktuelle Abstand zur Arbeit tut mir gut.
Ich würde gerne mal fragen wie Eure Erfahrungen mit der Thematik sind. Wie lange hat es bei Euch gedauert, bis die Erschöpfung nachgelassen hat ubd ihr euch einigermaßen stabil gefühlt habt.
Noch zu mir: körperliche Symptome habeb deutlich abgenommen (Tinitus, Unruhe), aber ich fühle mich vor allem im Vormittags und Mittagsbereich sehr erschöpft und wie in Watte, die Abende sind stabiler. . passt natürlich zu einem überreizten Nervensystem.
Vielen Dank schon mal für Eure Antworten
LG, Fina

x 3 #1


Wuslchen
Hallo Fina,

erstmal Gratulation, dass du den Schritt der Krankschreibung plus den Gang zur Therapie erfolgreich für dich gegangen bist! Alleine das braucht schon sehr viel Energie und Einsicht, dass nichts mehr geht.

Ich hab das Ganze zweimal durch. Beim ersten Mal hat es bei mir sehr lange gedauert bis ich mich wieder ansatzweise menschlich gefühlt habe. Mit Sicherheit über ein halbes Jahr. Wirklich wieder auf die Beine gekommen bin ich erst zwei Jahre später.
Beim zweiten Mal waren es vielleicht so 3-4 Monate, schätze ich, bis wieder irgendwas bei mir ging. Erneut in die Arbeit bin ich dann aber nur, weil ich zwischenzeitlich Erwerbsminderungsrente beantragt und bewilligt bekommen habe (nach einem ekelhaft langen Kampf). Somit hatte ich die Möglichkeit mit einem Minijob ein Jahr nach dem Zusammenbruch wieder vorsichtig ins Berufsleben einzusteigen. Das war 2023. Voll berentet bin ich immer noch, aktuell in der Arbeitserprobungsphase, das heißt in einem halben Jahr werde ich voraussichtlich in die Teilrente herabgestuft.
Sprich, so richtig raus aus all dem bin ich immer noch nicht.

Dazu war bei mir jeder Zusammenbruch das Ende dieses Berufes, ich bin jedes Mal danach in einen neuen Beruf als Quereinsteigerin rein. War jetzt nie komplett fachfremd, aber eben trotzdem ein neues Berufsfeld.

Bei mir sind allerdings während der ersten langen Krankschreibungszeit auch richtig üble Kindheitstraumata aufgebrochen, die ich verdrängt und - meiner Meinung nach - die Folgen davon mittels Arbeit kompensiert habe. Das ist ja nicht bei jeder/m so.

Ich wünsche dir auf jeden Fall eine gute und vollständige Erholung und die darf ihre Zeit brauchen. Das alles ist ja auch nicht von heute auf morgen in dir passiert, das hat sich lange angebahnt; und genauso braucht es jetzt viel Zeit, um das zu ver- und bearbeiten. Lass dir diese Zeit. Da jetzt "schnell schnell" wieder rauskommen zu wollen, wäre nur ein Burnout vom Burnout. zwinkern

Liebe Grüße
vom Wuslchen

x 3 #2


A


Hallo Fina,

Raus aus dem Burnout -Eure Erfahrungen

x 3#3


F
Ganz lieben Dank, Wulschen!
Ja genau, die Krankschreibung war für moch ein großer Schritt wegen diesem überzogenen Verantwortungsgefühl, das ich verspüre. Jetzt in meiner Situation merke ich: ich hab ich gar nichts davon. Ich erkenne gerade, dass Gesundheit das Wichtigste ist und vor allem, dass ich wichtig bin

x 2 #3


Dys
Zitat von Fina:
Obwohl es Blödsinn ist warte ich dennoch jeden Tag darauf, dass es mir etwas besser geht

Hi Fina,
naja, vermutlich wartet jeder der krank ist irgendwie darauf das es besser wird, ob dies nun Blödsinn wäre oder nicht. Das spannende daran ist, zu spüren ob oder das es einem besser geht. Dennoch ist ein guter Zustand oder eine Besserung ja auch nur etwas das sich nur in diesem Moment fühlen lässt und nichts dass andauernd so bleiben müsste oder würde. Wenn sich also der Zustand nicht ändert, ließe sich natürlich darauf warten, dass er sich ändert. Ob das zielführend sein kann, müsste man selbst beurteilen. Ich persönlich denke, dass man selbst so aktiv wie möglich an seinem Zustand „arbeiten“ sollte, statt auf eine wundersame „Heilung“ zu warten, aber das muss man selbst entscheiden. Wie man dann dabei vorgeht ist individuell sowieso unterschiedlich.
Eine Therapie ist sicher nicht die schlechteste Option und ob es eine gute ist, lässt sich währenddessen oder im Nachhinein erst einschätzen oder beurteilen.

x 1 #4


Kate
Hallo Fina,
auch von mir ein herzliches Willkommen.
Ich habe es unter anderem so gemacht, mich immer aufzuraffen wenn mir danach war, wenn nicht, dann nicht. Ich habe mich zu nichts gezwungen.
Es ist dann aber tatsächlich so, dass man sich besser fühlt, wenn man in irgendeiner Weise tätig wurde. Klingt vielleicht blöd, aber ich war ganz oft bei uns auf einem wunderschönen großen Friedhof und hab Bücher gelesen. Erstens quatscht Dich keiner an, man muss nicht lächeln, und dort stundenlang zu sitzen und zu lesen erschien mir auch nicht ungewöhnlich.

Ich wünsche Dir dass Du einen Weg findest.

LG Kate

x 2 #5


Caro66
Hallo Fina,
Schön, dass du den Weg in solch ein Forum hier gefunden hast.
Du liest sicher bereits, es geht einigen ähnlich.
Auch ich bin in der workaholic Spirale versunken, aus damaliger Unkenntnis des Warum und Wieso.
Fokussierung nur noch über und auf die Arbeit war mein Problem und daraus resultierend die Nichtbeachtung zahlreicher Signale des Körpers.
Gedauert hat es erstmal 6 Wo totaler Rückzug ins Krank und völlige Abschirmung nach aussen.
Mit psychologischer Unterstützung(Gespräche )habe ich den Einstieg dann wieder gewagt, da mir Nichtstun auch nicht gut tat.
Viel Nachlesen, Kontakt in einem online Forum und zahlreiche kleiner und größere Ausfälle folgten, nach 5 weiteren Jahren im geliebten Job, dann doch der totale Ausstieg und Neubeginn mit neuer Orientierung mit Fokus mein Körper- mein eines Leben.
Recherchiere und ließ in Ruhe nach...gönne dir die Zeit, nur für dich.
Alles Gute...
Caro66

x 3 #6


mecca
Was mich in meinem derzeit zweiten Erschöpfungstief irgendwie richtig gekickt hat, war das "Loslassen"
Wirklich einmal loslassen, nicht ständig steuern, glätten, regulieren, planen und kontrollieren....let it go....
Lass es geschehen, lass das Leben fließen.

Der Tipp mit dem Friedhof. Top.
Auch ich verbringe viel Zeit auf dem Friedhof bei schönem Wetter. Es erdet. Es erinnert Dich daran, das Dein Leben nicht ewig geht. Und die meisten Friedhöfe sind einfach hübsche und friedliche Orte.
Lohnt sich, da mal zu sein. Man kann jederzeit losweinen wenn man in Gedanken an schmerzliche Punkte kommt. Man ist für sich. Kann vielleicht Vögel und Eichhörnchen beobachten.

Desto mehr du schiebst und drückst und willst. Desto länger dauert es, weil Du nicht in die Entspannung kommst. Weil Dein Nervensystem nicht runterfahren kann unter ständiger Anspannung und Druck.

Lass los....Genieße die Zeit und höre in Dich hinein.
Hörst Du Deine innere Stimme noch? Spürst Du Dich? Siehst DU Dich?
Weißt Du noch wer Du bist und was Du möchtest? Weißt Du noch wozu Du lebst?

Gute Reise,
am besten zurück zu Dir selbst.



PS:
Zumeist liegen einem Burnout bestimmte Dinge zugrunde.
Ein dauerhaftes Verharren in einer konflikthaften Situation - Beruflich, Privat, Beziehung, Familie
& Dann daraus folgend der Verlust der Verbindung zu sich selbst.

Ergebins - Emotionale Erschöpfung, Innere Leere, Gefühllosigkeit, Verlieren der eigenen Lebendigkeit etc. etc. etc....
Irgendwann zieht der Körper dann den Stecker. Connection lost.

x 2 #7


F
Habt ihr Erfahrungen mit einer medikamentösen Unterstützung? Falls ja, hat es euch gut geholfen bzw vorerst stsbilisiert? Natürlich muss Veränderung auf verschiedenen Ebenen stattfinden, dennoch frage ich mich, ob es zur ersten Stabilisierung sinnvoll ist
Danke im Vorraus und lieben Gruß

#8


Caro66
Zitat von Fina:
Habt ihr Erfahrungen mit einer medikamentösen Unterstützung? Falls ja, hat es euch gut geholfen bzw vorerst stsbilisiert? Natürlich muss Veränderung auf verschiedenen Ebenen stattfinden,

Ja und anfangs war das auch gut aus heutiger Sicht.
Wahrscheinlich hätte es bei mir sonst viel länger gedauert, von dem hohen Belastungslevel, in dem ich damals war, herunter kommen zu können.
Sicher ist das bei jedem Menschen allerdings auch unterschiedlich in Wirkung und Eigenwahrnehmung.
Ich konnte dann anfangs überhaupt erstmal wieder etwas schlafen, was dringend notwendig war.
Und später führten die Antidepr.zu einer gewissen leichten Gleichgültigkeit, die mich gelassener werden liessen.Nur so konnte ich zurück zu mir selbst finden und habe dann genauso langsam nach letztendlich 7 Jahren komplett alles ausgeschlichen.(Rückschläge eingerechnet).

x 1 #9


F
@Caro66 lieben Dank für Deine Antwort.

x 1 #10


Wuslchen
Das ist wirklich total individuell und von den jeweiligen Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) abhängig. Antidepressiva helfen, soweit ich das bisher aus Zusammenfassungen von Studien verstanden habe, vor allem bei schweren Depressionen und das auch nur in Kombination mit Therapie. Bei leichten und mittelschweren Depressionen ist wohl keine signifikante Wirkung nachweisbar. Das ist natürlich ohne Garantie, aber ich meine das so gehört zu haben.

Ich habe das ohne Medis gemacht; das hatte bei mir mehrere Gründe. Ich habe erstens immer noch ein - völlig irrationales - Misstrauen gegenüber Psychopharmaka. Ich weiß, dass das Blödsinn ist, bekomme es aber nicht aus mir raus. Zweitens hätte ich gar nicht gewusst wobei die mir hätten helfen sollen. Antriebssteigernd? Ne, ich hatte wenig Probleme mit dem Antrieb, ich war nur völlig fertig die immer häufiger auftretenden Flashbacks in der Arbeit auszuhalten. Es ging schlicht nicht mit diesen Symptomen zu arbeiten. Eine dämpfende Wirkung? Auf keinen Fall, denn aufgrund der Depression fiel es mir auch nicht sonderlich schwer einfach liegen zu bleiben. Das klingt vielleicht komisch, aber genau so war es bei mir. Ich konnte mich immer zwingen aufzustehen, während ich gleichzeitig permanent am Boden liegen und heulen hätte können. Auch mit dem Schlafen hatte ich prinzipiell keine Probleme, da wäre vielleicht ein Medikament hilfreich gewesen für einen besseren Rhythmus; und etwas zur Stimmungsstabilisierung hätte ich probieren können - aber, wie bereits gesagt, meine irrationalen Vorurteile gegenüber Psychopharmaka haben mich immer davon abgehalten.

Für mich war es viel wichtiger eine zuverlässige Therapeutenperson zu haben, bei der die Chemie stimmt. Und so jemanden habe ich glücklicherweise gefunden. Die Aussage "das Einzige, das passieren kann, ist, dass ich sterbe, ansonsten werde ich immer für Sie da sein" war für mich so viel mehr wert als jedes Medikament.

Darum bin ich der Meinung man braucht nicht unbedingt Medikamente, damit das alles schneller vorbei geht. Gleichzeitig gibt es genug Erfahrungsberichte, die besagen, dass es die beste Entscheidung war Medikamente zu nehmen. Und ohne das jetzt damit herabwürdigen zu wollen, denke ich, dass gerade da der Placeboeffekt auch nicht zu verachten ist. Der kann das alles auch noch sehr verstärken und das meine ich absolut positiv. Außerdem nehme ich bei Kopfschmerzen ja auch eine Tablette. Drum, wenn du überlegst und denkst dir könnten Medis vielleicht helfen, warum dann nicht einfach mal ausprobieren? Absetzen oder (je nach Medikament) ausschleichen lassen kannst du sie immer noch.

x 1 #11


F
@Wuslchen ganz lieben Dank.
Mein Problem ist gerade ein absolut überreiztes Nervensystem mit Unruhe und Schlafstörungen. Durch diesen Daueralarm kommt dann Erschöpfung. Mein System ist gerade total überlastet und sensibel. Mit gutem Schlaf könnte sich das vielleicht verändern.
Ich werde mich definitiv langfristig auf den Weg machen, habe mir auch heute einem Achtsamkeits- und Entspannungskurs gebucht. Ich denke das wird mir gut tun, um zur Ruhe zu kommen. Ich möchte die Therapie starten und mich und eine Kur kümmern.
Ich möchte auf jeden Fall mehr zu mir und weg von Anforderungen und co

x 2 #12


Caro66
Zitat von Wuslchen:
Darum bin ich der Meinung man braucht nicht unbedingt Medikamente, damit das alles schneller vorbei geht. Gleichzeitig gibt es genug Erfahrungsberichte, die besagen, dass es die beste Entscheidung war Medikamente zu nehmen. Und ohne

Da gebe ich dir völlig Recht, es muss nicht zwangsläufig ein Medikament sein.
Ich habe von vornherein auch Widerwillen dagegen lautstark geäußert.
Nach einer zweiten Erschöpfungsphase mich dann überzeugen lassen, um wirklich erst einmal etwas zur Ruhe zu kommen.
Stimmungsaufhellung brauchte ich nicht, denn ich war ständig auf 150% , depressiv auch nicht, mein Selbstbewusstsein war nicht minder gut als vorher.
Ich war kaputt und dennoch ständig unter Strom.
Letztendlich war es der gute Psychologe ,der mich fragte: was wollen sie nun, zur Ruhe kommen, soll es ihnen besser werden oder was erwarten Sie weiter...?
Was kann denn passieren, ausschleichen kann man wieder, es sollte ja nur vorübergehend sein.

Es wird immer eine Überlegung sein, was man damit bewirken möchte bzw.erhofft davon.
Da die Psyche nicht so wirklich greifbar ist wie ein gebrochenes Bein oder Arm, wird es immer nur ein Versuch sein können.
Man muss und sollte das für sich hinterfragen und abwägen.

x 2 #13


A


Hallo Fina,

x 4#14


Caro66
Zitat von Fina:
Ich werde mich definitiv langfristig auf den Weg machen, habe mir auch heute einem Achtsamkeits- und Entspannungskurs

Das klingt gut, kann da auch Brainlightliege empfehlen( hatte ich im Fitnessclub lange genutzt...Massagesessel mit Brille /Lichtreflexen und verschiedensten Entspannungsmanövern...Musik...Vorträge über Kopfhörer).
Ich schlief da anfangs permanent ein, so gut war das.Zu Hause setze ich heute noch gern Kopfhörer auf, ziehe mich zurück und höre Entspannungsmusik bzw.mache Muskelentspannung nach Jacobsen.
Für mich prima empfand ich Vitametik *aus dem amerikanischen.), das google mal.Manch einer belächelt das, der Effekt der Entspannung über die vielen Nervenbahnen entlang der Wirbelsäule ,über einen im Nacken gesetzten manuellen Impuls wird erreicht ,nachgewiesen bei Tieren(besonders Reitpferden), gestressten Schulkindern, Säuglingen ...wenn es hilft, ist es allemal gut.
Entscheidend ist, daß für jeden selbst Richtige zu finden.

x 1 #14

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