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Probleme mit dem Erwachsenwerden

Hallo Ihr Lieben,

ich bin neu hier und bitte zunächst mal um Entschuldigung, falls mein Thema nicht ganz richtig platziert sein sollte

Nun zu meinem Anliegen:
Ich bin Mitte 20, habe eine abgeschlossene Ausbildung und einen festen Job. Soweit so gut.

Andererseits lebe ich noch bei meinen Eltern und habe das Gefühl, dass irgendwas in meinem Inneren sich dagegen wehrt, erwachsen zu werden. Wenn ich nur ans Ausziehen denke, könnte ich losheulen. Ich hatte noch nie eine Beziehung und wenn ich so daran denke, auch überhaupt kein Interesse daran, eher Angst davor.

Durch den Glauben, in meinem Alter ganz anders sein zu müssen, als ich es bin, habe ich eine Depression entwickelt. Seit einigen Monaten befinde ich mich in Therapie und nehme ein Antidepressivum ein.

Es bleiben jedoch die Gedanken, dass ich irgendwie ein Problem mit einer Sache habe, die für alle anderen selbstverständlich erscheint.

Gefühlt haben sich alle ehemaligen Mitschüler und Bekannten an mir vorbei entwickelt und leben ihr eigenes Leben. Ich hingegen fühle mich am Wohlsten, wenn ich Zeit mit meinen Eltern verbringe.

Bisher hab ich nur Ratschläge, wie: Zieh doch einfach aus, du gewöhnst dich schon dran usw. bekommen, die mir nicht helfen, da ich das momentan einfach nicht umsetzen KANN, von wollen kann da gar keine Rede sein.

Ich würde so gerne mit gutem Gewissen mein bisheriges Leben, mit dem ich vor Kurzem auch noch extrem glücklich war, weiterleben wie bisher, habe aber das belastende Gefühl tief in mir entwickelt, dass ich dafür viel zu alt bin.

Das musste einfach mal raus.

Kennt das jemand von Euch oder kann es wenigstens jemand nachvollziehen? Ich fühle mich so außerirdisch mit meinem Problem.


Vielen Dank, dass Ihr meinen doch etwas längeren Beitrag lest und danke für Eure Kommentare.

Liebe Grüße
Picolina

04.06.2019 05:56 • x 1 #1


Mayke1
Liebe Picolina,
ganz herzlich willkommen hier im Forum!
Weißt du, dass ich mich bei deiner Schilderung in meine Zeit als junge Frau versetzt gefühlt habe? Ich war ganz genau so wie du im Denken und Fühlen und bin erst ausgezogen, als für mich die genau richtige Zeit gekommen war.
Hast du zu Hause einen eigenen Bereich?
Setze dich nicht unter Druck, weil du dich "anders" als deine Bekannten fühlst.Deren Lebensstil muss nicht deiner sein! Muss nicht besser sein. Da gibt es keinen Maßstab.
Sonnige Grüße sendet dir Mayke

04.06.2019 06:31 • x 1 #2


Hallo Mayke,

ganz lieben Dank für deine schnelle Antwort! Und vor allem Danke für deine Lieben Worte.

Ehrlich gesagt lebe ich noch richtig im Kinderzimmer. Da habe ich aber meine Ruhe.

Es fühlt sich für mich so an, als ob diese genau richtige Zeit zum Ausziehen niemals kommen wird. und das macht mich so traurig.

Schöne Grüße
Picolina

04.06.2019 06:45 • #3


Ylvi13
Liebe Picolina,
mein erster Gedanke beim Lesen war " das genaue Gegenteil, von dem, was ich gemacht habe ".
Mein Erfahrung ist, dass ganz häufig die Meinungen, Vorstellungen oder Ansichten von anderen mein Handeln oder meine Vorstellung in Frage gestellt haben, oder sogar falsch erscheinen liessen. Ich habe fast mein ganzes Leben lang versucht, es anderen recht zu machen und mich dabei vergessen.
Du bist der wichtigste Mensch in deinem Leben . Wenn du glücklich bist, so wie du lebst, dann ist das doch wunderbar. Du wirst etwas in deinem Leben verändern, wenn der richtige Zeitpunkt für dich gekommen ist, das fühlst du.
Alter ist doch nur eine Zahl .
Liebe Grüsse

04.06.2019 07:07 • x 1 #4


Vielen Dank, Ylvi13. Das tut gut, sowas zu lesen. Das sind auch alles Gedanken, die ich selbst zwischenzeitlich habe, bis vor einem halben Jahr konnte ich mir das auch glauben. Aber plötzlich hat sich meine Sichtweise auf mich selbst ohne ersichtlichen Grund geändert.

Ich frage mich, ob das vielleicht auch schon eine kleine Veränderung sein könnte?
Irgendwie bin ich momentan nichts Halbes und nichts Ganzes, bei jeder Kleinigkeit habe ich ein Aber.

Das fühlt sich wie so eine Phase der Schwebe zwischen zwei Welten an.

Ich erkenne mich irgendwie nicht mehr wieder.

Gibt es vielleicht Methoden, die alten Stärken zurückzuholen?

Liebe Grüße

04.06.2019 07:28 • x 1 #5


Mayke1
Liebe Picolina,
ich kenne die Phase zwischen zwei Welten ganz genau, wenn auch nun aus anderen Gründen.
Seit längerer Zeit war ich krank geschrieben und nun bin ich dienstunfähig verrentet. Schreckliches Wort, aber so nennt man das wohl.
Ich bin in Gedanken und Gefühl immer noch und immer wieder mal bei meinen Schülern, mal in der beruflichen Freiheit, die ich nun habe. Mal fühle ich mich gesund, dann wieder krank. Aber genau die Zweifel, die Hoffnungen, die Erleichterung, sein zu dürfen, wie ich bin, machen Stärke aus.
So ähnlich stelle ich es mir bei dir vor. Du bist am Sortieren, Einordnen deines jetzigen Standpunkts auf deinem Lebensweg. Du denkst nach, wägst ab, kommst zu Ergebnissen, die sowohl gefestigt, als auch wieder verworfen werden dürfen. Das sind vielleicht nicht die alten Stärken, aber neue.
Ich finde deine Entwicklung spannend!
Und im Übrigen soll doch bitte jeder Mensch gemäß seinem eigenen Lebenstempo voranschreiten dürfen, ebenso auch stehenbleiben, um sich umzuschauen.
Kann es sein, dass auch deine Eltern es genießen, dich in der Nähe zu haben? Wie geht ihr miteinander um? Eher wie in einer WG oder wirst du als Kind gesehen?
Lieber Gruß von Mayke

04.06.2019 07:43 • x 1 #6


Liebe Mayke,

danke für deine Worte! Es macht Mut zu hören, dass auch andere zwischen den Welten stehen. Und schön, dass du einen Weg gefunden hast, damit umzugehen.

Ich denke schon, dass auch meine Eltern es in gewisser Weise genießen, dass ich noch bei Ihnen wohne. Wir helfen uns gegenseitig, machen vieles zusammen. Ich würde es eher als WG bezeichnen, auch wenn man dann doch mal mit Kind angesprochen wird das wird sich aber auch in 20 Jahren nicht ändern und das ist auch gut so!

Hauptsächlich macht mir auch die Außenwirkung Angst, ich mache mir so viele Gedanken, was andere denken könnten. und wie das aussieht, wenn ich mit 30 immer noch in meinem Kinderzimmer wohne.

04.06.2019 08:20 • #7


PaulaBaumann
Hallo liebe Picolina,

Du musst Dich mit niemanden vergleichen. Vielleicht kannst Du es als Geschenk sehen, dass Du Dich im Elternhaus noch so wohl fühlst.
Liebe Grüße Paula

04.06.2019 08:49 • x 1 #8


Ylvi13
Liebe Picolina,
dem, was Mayke geschrieben hat kann ich nur voll und ganz zustimmen.
So richtig erwachsen bin ich wohl erst mit der Geburt meiner Tochter geworden und da war ich schon vierzig. Ich habe Verantwortung für einen anderen Menschen übernommen. Ich glaube, erwachsen werden hat was mit dem Inneren, mit dem Charakter eines Menschen zu tun. Und ein bisschen Kind bleiben ist doch toll.
Das mit der Aussenwirkung kann ich verstehen, ich habe auch immer darauf geschaut. Dabei ist es völlig egal. Es ist dein Leben und du entscheidest. Lass dir Zeit.
Ich habe Verhaltenstherapie gemacht und dort so einiges gelernt, was mir den Rücken stärkt.
Und wenn ich das so lese, du in einer WG mit deinen Eltern, so stelle ich mir das mit unserer Tochter auch vor. Jetzt ist sie 16 und wenn wir mit uns klarkommen, leben wir zusammen in einer WG solange es jeder möchte.
Jeder nach seiner Fasson.
Liebe Grüsse

04.06.2019 08:52 • x 1 #9


Danke Euch! Ihr seid hier wirklich alle so lieb und sorgt damit dafür, dass es mir etwas besser geht

Es war definitiv die richtige Entscheidung, das Thema hier anzusprechen.

Habt ihr Methoden, diese leidigen Vergleiche mit anderen abzustellen? Das macht mein Kopf ganz automatisch aber leider nur mit Vergleichen, bei denen ich dann schlechter abschneide.

Ich war auch noch nie ein Mensch, der leicht Entscheidungen treffen konnte. Ich würde ja gerne auch an mir arbeiten, um mich wieder besser fühlen zu können, aber ich weiß nicht wie.

Ich kann mir gut Dinge vornehmen, wenn es dann aber darum geht, diese anzugehen, gehts mir schon Tage vorher schlecht. Bedeutet das, dass ich noch nicht bereit dazu bin, oder muss ich mich überwinden?

Liebe Grüße

04.06.2019 09:05 • #10




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