Liebe @Caro63
das, was du da bei dir erlebst, kenne auch ich nur zu gut.
Zitat von Caro63: Ich kriege das einfach nicht hin, so etwas zu lassen, ich m u s s das Problem finden, woran etwas liegt.
Das baut sich dann auch auf wie ein Zwang, die Lösungsfindung , kennt das jemand von euch?
Mich macht es ganz verrückt, wenn die Dinge nicht so funktionieren, wie sie sollen.
Ich kann dann kaum noch an etwas anderes denken und suche stundenlang verbissen nach einer Lösung.
Erlebst du diesen Perfektionismus auch bei anderen Gelegenheiten?
Bei mir ist es z.B. so, dass auch mein Papierkram immer perfekt abgelegt sein muss; nach Gruppen, nach Datum, und immer mit einer selbsterstellten aktuellen Gesamtübersicht. Auch fertige ich Finanzpläne für die Zukunft an, die ich dann regelmässig aktuallisiere.
Wenn ich Briefe und Mails schreibe, müssen sie absolut korrekt sein. Selbst dann, wenn sie nur für eine gute Freundin sind. Kein Rechtschreibfehler, keine Wiederholungen, und alles soll möglichst gut klingen.
Fehler in Briefen und Mails, die ich von anderen bekomme, fallen mir direkt ins Auge. Bei privater Post bin ich da ja noch tolerant, aber bei Schreiben von Ämtern und Behörden kriege ich die Krise, wenn ich darin einen Fehler entdecke.
Damals in meinem Beruf hatte ich viel mit Tabellen und Plänen zu tun. Selbst wenn die nur für den internen Gebrauch gedacht waren, war ich erst zufrieden, wenn alles hundertprozentig war, nicht nur inhaltlich, sondern auch hinsichtlich Aufbau und Formatierung.
Und heute, in meinem Minijob im Vereinsarchiv, ärgere es mich total, wenn mal irgendetwas nicht korrekt abgeheftet ist; selbst wenn's der richtige Ordner, das richtige Stichwort ist, aber das Schriftstück eben nur vor dem nachfolgenden muss statt dahinter.
Dabei bin ich ansonsten überhaupt nicht besonders ordentlich.
Mein unaufgeräumter Haushalt z.B. stört mich nur äusserst selten.
Zitat von Caro63: Kann es evtl.sein, dass man sich da selbst etwas beweisen will?
Was könnte das sein?
Musst du dir beweisen, dass du die Probleme selbst lösen kannst?
Fühlst du dich unzulänglich, unfähig, wenn du es nicht alleine schaffst?
Oder ist es vielleicht so, dass es dich verunsichert, wenn etwas nicht so funktioniert, wie es soll?
Bei mir selbst, denke ich, liegt der Grund für meine Perfektion wohl vor allem darin, dass ich für meine Eltern nie genug war. So sehr ich mich auch bemühte, es reichte nie aus für Lob und Anerkennung, sondern es gab immer irgendetwas zu kritisieren. Und es blieb überdies nicht bei einer sachlichen Kritik, sondern wurde stets persönlich. Große Klappe, nix dahinter, war so ein Spruch. Und die Zwei in Sport auf dem Zeugnis wurde lediglich damit kommentiert, dass XY kaum älter sei als ich, aber schon drei Goldmedallien gewonnen habe (um nur mal ein Beispiel zu nennen).
Auch heute fühle ich mich immer noch irgendwie unzulänglich und versuche vermutlich ständig, mir selbst das Gegenteil zu beweisen. Aber auch allen anderen. Ich habe das Gefühl, ich darf keine Fehler machen.
Ein weiterer Grund liegt wohl darin, dass ich mich immer dafür verantworlich fühle, dass alles funktioniert und auch, dass es allen anderen gut geht. Woher dieses hohen Verantwortungsgefühl kommt, habe ich allerdings noch nicht ergründen können.
Vielleicht hilft es ein bisschen, zu akzeptieren, dass man so ist, wie man ist und sich nicht auch noch selbst dafür zu geißeln.
Und dann, wenn du wieder bei Kräften bist, mal nach der Ursache für deinen Perfektionismus schauen.
Aber jetzt darfst du dich erstmal einfach nur ausruhen und gut für dich sorgen
Alles Liebe
Greta