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Perfektionismuszwang oder was ist das?

Caro66
Ich stelle fest, mich hat wieder einmal so etwas wie der Perfektionismuszwang eingefangen.
TV Sender wurden gestern abgestellt. auf HD und es klappte nicht. Weder Suchlauf, Kabelwechsel, Zurücksetzen TV auf Werkseinstellg. 3 Sender, die ich gern sehe, nixda .Hat mich fast wahnsinnig gemacht, dass der Fehler nicht zu finden war, den TV ist HD fähig
Heute mittag dann, ich hab s gefunden, die Dose TV isses, ätzend.
Ok,wir brauchen Techniker nicht bezahlen, dennoch war ich letztendlich voll im Stress deshalb.
Ich kriege das einfach nicht hin, so etwas zu lassen, ich m u s s das Problem finden, woran etwas liegt.
Das baut sich dann auch auf wie ein Zwang, die Lösungsfindung , kennt das jemand von euch?
Ich weiss, dass mich das voll triggert und meinem Herz/Puls nicht guttut.
Leider weiss ich keine echte Lösung, was mich davon abhalten könnte, so fanatisch dann vorzugehen.

Das ärgert mich für mich selbst, die notwendige Gelassenheit bekomme ich einfach nicht hin.

Kann es evtl.sein, dass man sich da selbst etwas beweisen will?

Ist man evtl.ein schlechter Verlierer, weil man eine Situation oder eine Sache nicht wirklich zu kontrollieren vermag?

Ist es evtl.eine Art Zwang, in die man da gerät?

Ich würde mich da ja lieber selbst aus dem Weg nehmen wollen, funktioniert allerdings nicht.
Man beisst sich da völlig fest und alles andere ringsrum scheint dann in solchen Situationen nebensächlich zu werden.

Bin da ernstlich in Sorge um meine Gesundheit, die eh abgeschlagen ist.

Es würde mich wirklich interessieren, was Ihr da für Erfahrungen habt oder selbst an Euch festgestellt habt .
und vor allem:

Wie kann man sich da selbst helfen?

19.11.2025 21:15 • x 5 #1


Dys
Zitat von Caro63:
Es würde mich wirklich interessieren, was Ihr da für Erfahrungen habt oder selbst an Euch festgestellt habt .
und vor allem:

Wie kann man sich da selbst helfen?

Persönlich sehe ich da nichts krankhaftes, wenn man die Lösung eines Problems anstrebt und sich auch reinhängt. Es hat auch in Deinem konkreten Beispiel nichts mit Perfektionismus zu tun, einen „Zustand“ zu erreichen, der zufriedenstellend wäre.

Perfektionismus wäre es ja nur, wenn Du jetzt beispielsweise die Dose selbst austauschen würdest und Du stundenlang daran bastelst, bis sie absolut gerade sitzen würde, obwohl es technisch betrachtet egal wäre, wenn sie einen Millimeter davon abweichen würde, hundertprozentig gerade und im Lot zu sitzen. Denn dann säße sie ja nicht „Perfekt“

Auch ist Perfektionismus an sich nichts schlimmes. Krankhaft wäre es eher, wenn etwas das man allgemein schon als perfekt empfinden kann, keine Zufriedenheit generieren kann und sogar dafür sorgt, dass man sich schlecht fühlt oder verteufelt. Besonders wenn es etwas ist, das man selbst gemacht hat und sich nur noch daran runterziehen würde.

Oft ist ohnehin das Bessere der Feind des Guten und was ist überhaupt Perfekt, wenn es lediglich um die Sichtweise und subjektive Beurteilung geht?

20.11.2025 06:57 • x 2 #2


A


Hallo caro66,

Perfektionismuszwang oder was ist das?

x 3#3


Stromboli
Zitat von Caro63:
Kann es evtl.sein, dass man sich da selbst etwas beweisen will?
Ist man evtl.ein schlechter Verlierer, weil man eine Situation oder eine Sache nicht wirklich zu kontrollieren vermag?
Ist es evtl.eine Art Zwang, in die man da gerät?
Ich würde mich da ja lieber selbst aus dem Weg nehmen wollen, funktioniert allerdings nicht.
Man beisst sich da völlig fest und alles andere ringsrum scheint dann in solchen Situationen nebensächlich zu werden.
Bin da ernstlich in Sorge um meine Gesundheit, die eh abgeschlagen ist.
Es würde mich wirklich interessieren, was Ihr da für Erfahrungen habt oder selbst an Euch festgestellt habt .
und vor allem:
Wie kann man sich da selbst helfen?


Viele Fragen und Gedanken, liebe Caro sie spiegeln wohl das Kopfkino, das aufgrund dieser perfektionistischen Ader in dir abläuft?

Auf die einzelnen Fragen antworten zu wollen, fühlt sich für mich gerade nicht so zielführend an, aber etwas von meinen persönlichen Erfahrungen zu diesem Thema schreibe ich gerne. Auch wenn sie vermutlich aufgrund unterschiedlicher Biografien und Entstehungsbedingungen nur bedingt vergleichbar sind.

Es klingt schon einiges an bei mir, was du beschreibst. Mich in eine Sache verbeissen und sie nicht loslassen können, bis sie nach meinem (oft realitätsfernen) Ermessen gelöst oder geklärt ist, das ist mir schon auch vertraut. Und die damit einhergehende Strenge mit mir selbst, von der du zwar nicht explizit schreibst, die ich aber dahinter vermute - d.h. mich selbst als Versager zu erleben, wenn ich mit dieser Sache nicht fertig werde, egal wie unbedeutend oder banal sie vielleicht ist. Du beschreibst das Beispiel des Fernsehers, der nicht funktioniert. Bei mir könnte es vielleicht eine Schranktüre sein, die klemmt, oder eine Deckenlampe, deren Fassung nicht ganz einfach zu lösen ist. Und ja, ich erlebe das auch als etwas Zwanghaftes.

Soweit die Symptomatik. Um einen Ausweg daraus zu finden, kommen wir wohl nicht darum herum, uns mit den Wurzeln zu beschäftigen. Und da wird es Unterschiede geben. Ich kann nur von mir reden: In den letzten 10 Jahren habe ich dazu einiges erkennen dürfen, was die Schärfe dieses Perfektionszwangs bis heute deutlich abgemildert hat. So habe ich erkannt, wie schambesetzt es für mich war, wenn ich solche Hürden nicht nehmen konnte - je banaler sie waren, desto schlimmer. Dass ich mich so in etwas verbissen habe, hing eng damit zusammen, dass ich mich total fürchtete davor, jemanden um Hilfe oder um einen Tipp zu bitten - tief drin sass da die Überzeugung, ich würde dann eben als Versager dastehen, man würde mich belächeln, abschätzig reden oder mich abkanzeln. Und nachdem ich ja über Jahre und Jahrzehnte meine Lebensgeschichte gründlich aufgearbeitet habe, weiss ich heute auch von zahllosen kleinen Alltagssituationen, in denen ich das genau so erlebt habe vor allem in Kindheit und Jugend. Ein Paradebeispiel: Etwas, vor dem ich mich panisch fürchtete als Junge, war ein Loch im Schlauch meines Velos. Denn ich war überzeugt, dass ich das nicht würde flicken können, wieder auf die gnädige, herablassende Hilfe meines grossen Bruders angewiesen wäre und mich in Grund und Boden schämte. Und da gab es vieles, dem ich gerade als Junge offenbar nicht genügte.
Später als Erwachsener hatte das zur Folge, dass ich in solchen Situationen erstmal panisch mied, jemanden einzuweihen - oder wenn es deutlich einen Fachmann brauchte, ging ich halt hin, schämte mich aber trotzdem. Erstmal versuchte ich aber im Verborgenen alles, um es selbst zu lösen. Über lange Zeit lernte ich dabei schliesslich auch manches (u.a. auch einen defekten Fahrradschlauch zu flicken), was meine Minderwertigkeitsgefühle und die Scham langsam weniger werden liess. Aber ganz einfach jemand Nahestehenden um Hilfe zu bitten, das dauerte noch sehr lange und auch wenn es heute einfacher ist, kann ich immer noch in dieses Muster zurückfallen: Ich müsste eigentlich perfekt sein und alles selbst stemmen können - so wie ich es z.B. auf meinen Bruder projizierte damals.

Wie gesagt, die Wurzeln deines Perfektionismus sind vielleicht ganz andere, aber die Auswirkung ist vermutlich ähnlich destruktiv. Es ist tatsächlich sehr ungesund, da sind deine Sorgen um die angeschlagene Gesundheit absolut begründet.

Streng sein mit dir selbst, würdest du das auch damit verbinden?
Falls ja, bei mir hat vor rund 8 Jahren ein Prozess begonnen, der bis heute anhält und den ich als das wohl wichtigste Element empfinde dafür, dass ich von dem selbstzerstörerischen Perfektionsanspruch an mich selbst doch deutlich wegkommen konnte. Ausgelöst wurde es am Anfang meiner Peer Ausbildung durch ein Buch von Andreas Knuf: Sei nicht so streng zu dir selbst! Es gehört du den seltenen Büchern, die mich wirklich fesseln. Ich las danach auch das Buch Selbstmitgefühl von Kristin Neff, auf das sich Knuf oft bezog. Und genau das - Selbstmitgefühl - war und ist für mich der wichtigste Schlüssel, um mich aus dieser Perfektionsfessel doch soweit zu lösen, dass ich sie heute nicht mehr als grosse Beeinträchtigung erlebe. Mich mit meinen Schwächen nicht mehr zu schämen, sondern mich selbst zu trösten und zu ermutigen - wie man das jedem Kind wünschen würde und wie wir wohl beide auch mit einem Kind umgehen würden, wenn wir es in einer solchen Situation antreffen.

Das ist, was mir dazu einfällt. Vielleicht passt etwas auch für dich, vielleicht nicht, das weisst du am besten.
So oder so wünsche ich dir von Herzen, dass du dieses Joch abschütteln kannst.

Darf ich dir diesen Song dazu mitgeben:

20.11.2025 09:23 • x 9 #3


Fleur-Blume
Hallo Caro,
anhand deiner Beschreibung scheint es mir, das du doch sehr darunter leidest zu meinen, das du immer alles perfekt machen müsstet. Das kostet viel Energie, Kraft und vor allem Nerven. Dieser Drang nach Perfektionismus kann einen das Leben ganz schön schwer machen. Aber musst du/ müssen wir denn immer perfekt sein ? Weshalb setzt du dich/ und andere Menschen sich immer dermaßen unter Druck ? Wem müssen wir uns beweisen ? Im Grunde genommen doch niemanden.
Ich denke mal, wir wollen uns selbst beweisen, das wir perfekt sein müssen und gelingt dies nicht ist die innere Entäuschung
über uns selbst versagt zu haben groß. Dabei bist weder du, noch andere Menschen deshalb Versager.

Ein Beispiel von mir:
Ich merke oft, dass ich einen inneren Zwang verspüre, alles perfekt hinzubekommen. Neulich habe ich es beim Gestalten eines Projekts erlebt, egal wie zufrieden andere damit waren, ich habe ständig nach einem Makel gesucht und war nie wirklich zufrieden. Es war für mich ungewohnt, einfach mal etwas so zu lassen, wie es ist, und zu akzeptieren, dass es nicht komplett fehlerfrei ist. Aber jedes Mal, wenn ich in diese Perfektionismusspirale gerate, spüre ich, wie es meine Energie und Freude daran beeinträchtigt.

20.11.2025 15:05 • x 3 #4


Caro66
Dankeschön für eure ausführlichen Antworten
@Stromboli
@Dys
@Meer-aus-Tränen .
Ich bin heute total überfordert darüber nachzudenken und etwas brauchbar zu reagieren, entschuldigt daher mein Nichtreagieren...
Irgendwie zieht s mich gerade total runter und wird schwindelig um die Augen.
Ich lass es erst einmal hier liegen und muss mich neu sortieren. So erschrocken war ich gestern über meine eigne Art und Weise mit einem mir so erscheinenden
' Problem'so gefangen zu sein und mich selbst damit zu triggern.
Ich war heute unfähig, trotz schönem Wetter, überhaupt etwas zu tun im Haushalt bzw.gar vor die Tür zu gehen.
Die Couch und Schweigen ....mehr geht heute nicht.

20.11.2025 20:34 • x 4 #5


Fleur-Blume
Hallo liebe Caro, alles gut,.....
und es tut mir wirklich leid, dass du dich zurzeit so überwältigt und ausgebrannt fühlst. Es ist absolut akzeptabel, dass du dir die Zeit nimmst, die du brauchst, um dich neu zu ordnen und mit deinen Gedanken ins Reine zu kommen. Gelegentlich ist es von Bedeutung, einen Moment auszusetzen und sich selbst Raum zu geben, anstatt sich zu etwas zu drängen, wozu man momentan nicht in der Lage ist. Mach dir deshalb bloß keine Vorwürfe – solche Tage sind auch normal.
Ich hoffe, dass du die Ruhe findest, die du gerade brauchst, und dass du ganz langsam wieder Kraft tanken kannst.
Denk jetzt einfach nur mal an dich und was dir gut tut.

20.11.2025 20:49 • x 4 #6


Grenzgaenger
Zitat von Meer-aus-Tränen:
Dieser Drang nach Perfektionismus kann einen das Leben ganz schön schwer machen.

kann das Leben schwer machen ist nett gesagt - im Grunde genommen weiß der Verstand Durchaus das Perfektiomismus garnicht erforderlich ist - weder für einen selber und schon gar nicht für die anderen....
Zitat von Caro63:
mich hat wieder einmal so etwas wie der Perfektionismuszwang eingefangen.

Als wäre es ein Fiber - aber in Wahrheit schlummert es in einen drin, und kann jeder Zeit nach vorne...
Zitat von Caro63:
Wie kann man sich da selbst helfen?

Doch dann sage ich zu mir selber:
Habe ich das Nötig? NEIN
Muß ich was beweisen? NEIN
Also Tee Trinken - runter kommen,
und dann ganz locker weiter machen....

Das klingt jetzt vielleicht sehr Theoretisch doch man kann das Durchaus lernen - zumindest ich habe es irgendwann gelernt und auch verinnerlicht. Und wenn ich das konnte, dann können das mit Sicherheit auch andere...

Und @Caro63 : Die Couch ist immer eine gute Idee - vielleicht noch einen dazu - und gut!

20.11.2025 23:50 • x 5 #7


Lilly-18
Liebe Caro,
ich fühlte mich förmlich ertappt, als ich deine Schilderung gelesen habe. Das kenne ich so gut!
Wo die Wurzeln eines solchen Verhaltens sind kann ich nur ahnen. Bei mir weiß ich es ganz genau.
So oft in meinem Leben hätte ich liebevolle Unterstützung und Hilfe gebraucht und habe sie nicht bekommen. Man lernt, sich auf niemanden mehr zu verlassen, nur noch auf sich selbst zu vertrauen.
Man möchte sich selbst etwas beweisen: ich brauche niemanden, ich kann alles selbst. Das ist so mein Lebensmotto.
Daraus resultiert auch der Zwang, allen zu beweisen (vor allem mir selbst) dass man perfekt ist und dass man alles prima hinbekommt und niemanden braucht.
Ich bin auch eine die sich in etwas, wovon ich keine Ahnung habe, hineinfuchst solange bis ich es hinbekomme. Oder auch nicht
Manchmal ist es einfacher jemanden zu fragen der sich damit auskennt, aber nein, das kann ich ja selber.
Ist sowohl im Privaten als auch in der Arbeit so.
Das hat sicher etwas zwanghaftes. Aber man ist eben so wie man ist. Ich stehe dazu und kann darüber sogar inzwischen lachen.

21.11.2025 06:28 • x 8 #8


Fritz
Hi Caro63
Das ist doch eine wunderbare Eigenschaft!
Jeder Mensch möchte sich doch beweisen, dass er ein wichtiger Mensch ist!
Es gibt viele Andere, die nicht besonders viel auf die Reihe kriegen und jammern und jammern.
Ich beglückwünsche dich!
Für mich ist so ein Verhalten einfach nur Super!
Respekt und Anerkennung!
Servus

21.11.2025 06:33 • x 1 #9


A
Lieber Stroboli.
Danke für das Lied.

21.11.2025 07:56 • x 2 #10


Greta
Liebe @Caro63
das, was du da bei dir erlebst, kenne auch ich nur zu gut.
Zitat von Caro63:
Ich kriege das einfach nicht hin, so etwas zu lassen, ich m u s s das Problem finden, woran etwas liegt.
Das baut sich dann auch auf wie ein Zwang, die Lösungsfindung , kennt das jemand von euch?

Mich macht es ganz verrückt, wenn die Dinge nicht so funktionieren, wie sie sollen.
Ich kann dann kaum noch an etwas anderes denken und suche stundenlang verbissen nach einer Lösung.

Erlebst du diesen Perfektionismus auch bei anderen Gelegenheiten?

Bei mir ist es z.B. so, dass auch mein Papierkram immer perfekt abgelegt sein muss; nach Gruppen, nach Datum, und immer mit einer selbsterstellten aktuellen Gesamtübersicht. Auch fertige ich Finanzpläne für die Zukunft an, die ich dann regelmässig aktuallisiere.
Wenn ich Briefe und Mails schreibe, müssen sie absolut korrekt sein. Selbst dann, wenn sie nur für eine gute Freundin sind. Kein Rechtschreibfehler, keine Wiederholungen, und alles soll möglichst gut klingen.
Fehler in Briefen und Mails, die ich von anderen bekomme, fallen mir direkt ins Auge. Bei privater Post bin ich da ja noch tolerant, aber bei Schreiben von Ämtern und Behörden kriege ich die Krise, wenn ich darin einen Fehler entdecke.
Damals in meinem Beruf hatte ich viel mit Tabellen und Plänen zu tun. Selbst wenn die nur für den internen Gebrauch gedacht waren, war ich erst zufrieden, wenn alles hundertprozentig war, nicht nur inhaltlich, sondern auch hinsichtlich Aufbau und Formatierung.
Und heute, in meinem Minijob im Vereinsarchiv, ärgere es mich total, wenn mal irgendetwas nicht korrekt abgeheftet ist; selbst wenn's der richtige Ordner, das richtige Stichwort ist, aber das Schriftstück eben nur vor dem nachfolgenden muss statt dahinter.
Dabei bin ich ansonsten überhaupt nicht besonders ordentlich.
Mein unaufgeräumter Haushalt z.B. stört mich nur äusserst selten.
Zitat von Caro63:
Kann es evtl.sein, dass man sich da selbst etwas beweisen will?

Was könnte das sein?
Musst du dir beweisen, dass du die Probleme selbst lösen kannst?
Fühlst du dich unzulänglich, unfähig, wenn du es nicht alleine schaffst?
Oder ist es vielleicht so, dass es dich verunsichert, wenn etwas nicht so funktioniert, wie es soll?

Bei mir selbst, denke ich, liegt der Grund für meine Perfektion wohl vor allem darin, dass ich für meine Eltern nie genug war. So sehr ich mich auch bemühte, es reichte nie aus für Lob und Anerkennung, sondern es gab immer irgendetwas zu kritisieren. Und es blieb überdies nicht bei einer sachlichen Kritik, sondern wurde stets persönlich. Große Klappe, nix dahinter, war so ein Spruch. Und die Zwei in Sport auf dem Zeugnis wurde lediglich damit kommentiert, dass XY kaum älter sei als ich, aber schon drei Goldmedallien gewonnen habe (um nur mal ein Beispiel zu nennen).
Auch heute fühle ich mich immer noch irgendwie unzulänglich und versuche vermutlich ständig, mir selbst das Gegenteil zu beweisen. Aber auch allen anderen. Ich habe das Gefühl, ich darf keine Fehler machen.
Ein weiterer Grund liegt wohl darin, dass ich mich immer dafür verantworlich fühle, dass alles funktioniert und auch, dass es allen anderen gut geht. Woher dieses hohen Verantwortungsgefühl kommt, habe ich allerdings noch nicht ergründen können.

Vielleicht hilft es ein bisschen, zu akzeptieren, dass man so ist, wie man ist und sich nicht auch noch selbst dafür zu geißeln.
Und dann, wenn du wieder bei Kräften bist, mal nach der Ursache für deinen Perfektionismus schauen.

Aber jetzt darfst du dich erstmal einfach nur ausruhen und gut für dich sorgen

Alles Liebe
Greta

21.11.2025 11:03 • x 4 #11


Caro66
Zitat von Fritz:
Jeder Mensch möchte sich doch beweisen, dass er ein wichtiger Mensch ist!

Das trifft s auf den Punkt!

Zitat von Fritz:
Ich beglückwünsche dich!

Das muss jetzt nun nicht wirklich sein, denn es nervt schon, sich so selbst unter Zugzwang setzen zu wollen, jedes Problem selbst lösen zu wollen.
Ich wünschte mir die mehr Leichtigkeit im Sein...


Zitat von Grenzgaenger:
Als wäre es ein Fiber - aber in Wahrheit schlummert es in einen drin, und kann jeder Zeit nach vorne...

...genau, ab und an guckt es raus und greift nach mir, um mich wieder beherrschen zu wollen


Zitat von Lilly-18:
So oft in meinem Leben hätte ich liebevolle Unterstützung und Hilfe

....genau, nur hat man bei mir immer so gedacht....sie ist Optimistin, ergo schafft sie eh alles...vonwegen.
Nur fragen oder Hilfe einfordern, das wäre auch früher nicht so mein Ding gewesen.

Zitat von Stromboli:
Darf ich dir diesen Song dazu mitgeben:

Einsehr schöner Song, der Vieles sagt.
Stromboli,genauso:
Und die damit einhergehende Strenge mit mir selbst, von der du zwar nicht explizit schreibst...
Nur sind es keine Versagensängste,
das Selbstbewusstsein habe ich schon, kann allerdings nicht gut verlieren.

Zitat von Stromboli:
Streng sein mit dir selbst, würdest du das auch damit verbinden?

Ja,das stimmt, Strenge mit sich selbst, das raubt mir dann den Nerv.

Zitat von Stromboli:
Buch von Andreas Knuf: Sei nicht so streng zu dir selbst! Es gehört du den seltenen Büchern, die mich wirklich fesseln. Ich las danach auch das Buch Selbstmitgefühl von Kristin Neff, auf das sich Knuf oft bezog. Und genau das - Selbstmitgefühl - war und ist für mich der wichtigste


Die Lektüre werde ich mir mal zu Gemüte führen über Weihnachten.
Dieses nicht verlieren können oder eine Situation nicht zu beherrschen, steckt wohl tief drin bei mir.
Erklärt letztendlich vllt.auch, dass ich Beziehungen zu meinen bisherigen Partnern stets beendet habe, was natürlich stets als unnormal angesehen wurde von aussen.

Zitat von Dys:
Oft ist ohnehin das Bessere der Feind des Guten und was ist überhaupt Perfekt, wenn es lediglich um die Sichtweise und subjektive Beurteilung geht?

Das ist auch so ein Ding,eigene Sichtweise und subjektive Beurteilung ,Selbtswahrnehmung und Wahrnehmung von aussen.
Da bin ich in einem Workshop schonmal völlig geerdet worden...wie ich mich selbst wahrnehme und wie man es von aussen sieht.
Damals fiel ich fast vom eignen Glauben ab, al ich erkennen lernte, dass mein Chef mich ganz anders sieht , meine Art, die Arbeitsweise uva.
Das war mir selbst sehr aufschlussreich und wir konnten danach ganz anders agieren miteinander und nicht mehr contra von beiden Seiten.
Dennoch ist dieser Perfektionismus immer wieder mal Stein des Anstoßes, dass man ausser Kontrolle gerät .Man lernt da nie aus, glaube ich.

05.12.2025 01:29 • x 3 #12


Caro66
Zitat von Greta:
Bei mir selbst, denke ich, liegt der Grund für meine Perfektion wohl vor allem darin, dass ich für meine Eltern nie genug war. So sehr ich mich auch bemühte, es reichte nie aus für Lob und Anerkennung, sondern es gab immer irgendetwas zu kritisieren. Und es blieb überdies nicht bei einer sachlichen Kritik, sondern wurde stets persönlich. Große Klappe, nix

Und das kenne ich auch ähnlich.
Als mittleres Kind von 3 und die Sportlerin, Abi usw.hiess es immer...Du machst das, du kriegst eh alles hin ,mach mal los...
Klar, ich hatte Medaillien, war ständig unterwegs in Trainingscamps, um mich musste man sich nie kümmern.Nur wehe, ich war da, dann war ich die Unbequeme,Anspruchsvolle, die anstrengend war.Ergo musste/hab ich mich eben gekümmert...um mich...die Messlatte war ja immer hoch angesetzt.
Führte zu zeitigern Selbständigkeit, Unabhängigkeit, was sich dann bei meinen Lebenspartnern anfangs auch bemerkbar machte.Und selbst dann hieß es von daheim immer, Du hast was Besseres verdient usw.
Dieses Muster prägte mit Sicherheit und nicht umsonst mussten 500km Distanz dann sein, um aus dieser Beeinflussung fort zu kommen.

05.12.2025 01:40 • x 3 #13


A


Hallo caro66,

x 4#14


Grenzgaenger
Zitat von Caro63:
nicht umsonst mussten 500km Distanz dann sein, um aus dieser Beeinflussung fort zu kommen.

bei mir sind es 300 - und das ist auch Gut so!
Zitat von Caro63:
Du machst das, du kriegst eh alles hin

Und natürlich ohne dabei zu Fragen, wie es dir dabei geht....
Zitat von Caro63:
Die Unbequeme,Anspruchsvolle, die anstrengend war.

vor allem Anstrengend - oh ja, das durfte ich mir unzählige mal anhören, obwohl ich der jüngste war (Von wegen Nesthäckchen- ganz im Gegenteil ) und dennoch meine Geschwister überbieten sollte oder musste...

05.12.2025 02:14 • x 2 #14

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