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Peer Ausbildung , wer hat Erfahrungen?

Lunatica

Lunatica
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Hat jemand von euch Erfahrungen mit der Peer Ausbildung oder selber eine machen dürfen?
In meiner Region (Österreich) kennt sich keiner aus, auch wissen die meisten nicht was das ist, nicht mal die Jobcenter Beraterin.
Das wäre jetzt ein Job den ich gerne machen würde, anderseits wird mir das wohl mit fast 55 nicht mehr bewilligt werden oder? Traurig
Wie stehen die Chancen so eine Ausbildung zu bekommen?
Man muss jahrelange Erfahrung mit psychischen Problemen, Medikamenten oder Alk. haben und
trocken sein ist klar, aber wie sieht es mit Medikamenten aus? Darf man Antidepressivas selber einnehmen oder muss man komplett psychisch und mental fit sein. Sehr wahrscheinlich auch gut belastbar und kommunikativ.
Und wie lange dauert die Ausbildung, gibt es finanzielle Förderungen?
Viele Fragen ich weiß, aber vielleicht habe ich Glück und es kennt sich hier jemand aus herz

x 4 #1


Stromboli
Hi Lunatica

Ich konnte die Peer Ausbildung 2017/18 machen, war also sogar schon 60, als ich mich dafür beworben und einen Platz bekommen habe. Versuchen würde ich es auf jeden Fall, wenn dich das interessiert.
Mit den Chancen weiss ich nicht, wie das in Österreich ist - hier war damals die Nachfrage deutlich grösser als die angebotenen Ausbildungsplätze und entsprechend musste man erstmal das Selektionsverfahren absolvieren und bestehen. War aber ziemlich klar strukturiert und vorgegeben, man wusste also, worauf es ankam und was man dafür zu tun hatte. Und möglicherweise ist das heute auch nicht mehr so krass mit wenig Plätzen bei vielen Interessierten.
Ja klar, Grundvoraussetzung ist die eigene psychische Krisenerfahrung, wobei es keine Rolle spielt, in welchem Bereich. Sie haben die Ausbildungsgruppe auch bewusst so ausgewählt, dass die verschiedenen Erkrankungsbereiche vertreten waren (im Wesentlichen Depressionen/Angststörungen, Bipolar, Psychosen und Stimmenhören, Borderline, Suchterkrankungen).
Ob man Medikamente einnahm oder nicht, spielte keine Rolle. Betr. Belastbarkeit waren sie recht flexibel, es gab in der Gruppe durchaus Leute, die während der Ausbildung auch mal wochenlang ausfielen und sogar temporär in eine Klinik mussten, ohne dass sie deswegen ausgeschlossen worden wären. Wichtig war ihnen, dass man anderweitig psychotherapeutisch begleitet wurde, wenn man nicht genügend stabil war. Das war auch bei den meisten Teilnehmenden so. Die Leitung hat also klar das Kriterium der persönlichen Betroffenheit zur Priorität gemacht, jenes der stabilen Belastbarkeit war doch eher relativ. Schliesslich wollte man lieber Leute, denen die Krisenerfahrung noch präsent genug war, um sich in andere Betroffene zu versetzen - nicht Leute, die sich fast nicht mehr daran erinnern konnten ...
Gedauert hat das Ganze knapp anderthalb Jahre, verteilt auf 12 Module à 3 Tage, Lerngruppentreffen dazwischen, mind. 150 Stunden Praktika, eine Diplomarbeit, und 2 Supervisionen. Finanzielle Unterstützung war grundsätzlich möglich, aber an restriktive Bedingungen geknüpft. Sie haben aber in Härtefällen einen Sozialtarif angeboten.

Das gilt alles für die Schweiz, war aber meines Wissens stark an den deutschen Strukturen orientiert. Ich vermute, dass das in Österreich nicht sehr viel anders sein wird.

Hoffe, das hilft etwas weiter.

LG Ok

x 5 #2


A


Hallo Lunatica,

Peer Ausbildung , wer hat Erfahrungen?

x 3#3


Lunatica
Hi Stromboli,

wow, das tönt alles sehr spannend! daumen hoch

Ich habe mich nochmals erkundigt im Internet, bei uns im Westen Österreichs wird diese Ausbildung anscheinend nicht anerkannt, außer in Oberösterreich.
Es gibt auch kaum Möglichkeiten, ein Praktikum zu erlangen. Eine Umschulung wurde mir trotz ärztlicher Empfehlung von der PVA abgelehnt letztes Jahr. Hier wird sehr gespart was Förderungen betrifft, wie auch im Gesundheitswesen.
Das hat mich auch in eine tiefe Sinnkrise gestürzt. Traurig
So richtig belastungsfähig bin ich noch nicht, ich werde das Thema trotzdem bei meiner Jobberaterin ansprechen. Fragen kostet ja nix.
Recht herzlichen Dank für deine rasche und ausführliche Antwort! daumen hoch

LG

x 3 #3


Dakota
Mit Österreich kenne ich mich nicht aus, aber wenn Du jemanden findest, der Dir bescheinigt, dass er Dich nach der Umschulung/Ausbildung einstellen und beschäftigen will, hast Du bessere Chancen auf die Übernahme der Finanzierung.

x 1 #4


Lunatica
Ja das kann ich mir vorstellen, nur jemanden zu finden wird schwierig.

#5


Stromboli
Nochmal ich: Wenn du im Westen Österreichs lebst (Tirol oder sogar Vorarlberg?), wäre vielleicht die Peer Ausbildung von EX-IN Bodensee für dich eine Option. Das ist zwar in Deutschland, ich kenne aber einige Leute aus der Schweiz, die dort ihre Peer Ausbildung machen konnten, also nehmen sie nicht nur Deutsche.
Link: https://www.ex-in-bodensee.de/

x 1 #6


Lunatica
Zitat von Stromboli:
Nochmal ich: Wenn du im Westen Österreichs lebst (Tirol oder sogar Vorarlberg?), wäre vielleicht die Peer Ausbildung von EX-IN Bodensee für dich eine Option. Das ist zwar in Deutschland, ich kenne aber einige Leute aus der Schweiz, die dort ihre Peer Ausbildung machen konnten, also nehmen sie nicht nur Deutsche. ...


oh vielen dank lieber Stromboli daumen hoch Das werde ich mir auf jeden Fall anschauen!

x 1 #7


Dakota
Zitat von Stromboli:
also nehmen sie nicht nur Deutsche.

Die nehmen alle, die dafür bezahlen. 🤣
Sry für den Kommentar, aber mit EX IN habe ich negative Erfahrungen gemacht.

#8


Lunatica
Zitat von Dakota:
Die nehmen alle, die dafür bezahlen. 🤣 Sry für den Kommentar, aber mit EX IN habe ich negative Erfahrungen gemacht.


oha. erzahl mal @Dakota

#9


Stromboli
Zitat von Dakota:
Die nehmen alle, die dafür bezahlen. 🤣 Sry für den Kommentar, aber mit EX IN habe ich negative Erfahrungen gemacht.


Nehmen sie nicht, nein.
Alle, die ich kenne, die dort waren, haben es positiv erlebt.
Und meines Wissens gibt es in dieser Welt nichts, was für jeden immer positiv ist. So what?

x 2 #10


O
Habe mir jetzt nocht alles durchgelesen, aber suche mal nach EX-IN. 😉🍀

x 2 #11


Dakota
Bei EX IN habe ich den Kurs zur Genesungsbegleitung vor einigen Jahren gemacht und Frau Tönnes empfand ich als sehr "dominant". Kritische Nachfragen gefielen ihr nicht, Konkretes bekam ich nicht an die Hand. Man wurde in ein Praktikum geschickt ohne zu wissen, wie man Krisengespräche führt, wie man eine Gruppe anleitet oder moderiert, was man da überhaupt macht. Es reicht eben nicht, immer wieder die eigene Geschichte zu erzählen, es geht auch um Beratung. Wurde auch immer wieder erwähnt, aber wirklich gelernt hat man da nichts in der Richtung. Am Ende hatten alle den Abschluss und wenige einen bezahlten Job (von zweien weiß ich, dass sie stundenweise einen Job fanden). Für mich war es im Nachhinein eher als Selbsterfahrung zu verbuchen. Das Geld war zum Fenster rausgeworfen.

x 1 #12


Lunatica
War das in Deutschland?

Ja, ich habe mir die Seite mal angeschaut, ich glaube wenn du keinen Praktikumsplatz hast wird es schwierig. Es war vor zwei Jahren mein Traum etwas in dieser Richtung zu machen.
Allerdings weiß ich auch nicht ob ich stabil genug bin.
Man muss schon sehr kommunikativ sein in dem Job, das bin ich zur Zeit leider nicht mehr so, da ich mich durch die Depression sehr zurückgezogen habe. Obwohl ich mich besser fühle als vor einem Jahr ist die Angst zu versagen und den Erwartungen nicht zu entsprechen doch sehr groß.
Aber wie gesagt, fragen kostet nichts. Werde ich das nächste mal erwähnen bei meiner Job Beraterin.
Eine kleine Ausbildung in Psychologie und Beratung wäre schon nicht schlecht gewesen, da stimme ich dir zu! daumen hoch

#13


A


Hallo Lunatica,

x 4#14


Dakota
Ja das war in Deutschland.

Bei Deiner Jobberaterin, falls es staatlich ist und Du Leistungen beziehst etc. Gefördert werden meist Schulungen, Qualifizierungen etc., die eine Jobaussicht haben. Das wird zumindest hier bei uns in Deutschland in Bezug auf EX IN häufig nicht geteilt, weil man einfach danach in der überwiegenden Mehrheit keine Stelle findet, von der man leben kann. Da ist wie gesagt, wenn man denn möchte, ratsam, in solch ein Gespräch möglichst einen Schrieb mitzubringen z.B. von einer Psychotherapiepraxis, wo die Person ausstellt, dass man nach Abschluss eingestellt wird. Kontrolliert wird es später nicht, zudem Dinge sich immer ändern können und plötzlich kann eine Praxis es sich doch nicht mehr leisten, eine Stelle zu vergeben. Vielleicht kennst Du jemanden der jemanden kennt.

x 1 #14

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