Hi Lunatica
Ich konnte die Peer Ausbildung 2017/18 machen, war also sogar schon 60, als ich mich dafür beworben und einen Platz bekommen habe. Versuchen würde ich es auf jeden Fall, wenn dich das interessiert.
Mit den Chancen weiss ich nicht, wie das in Österreich ist - hier war damals die Nachfrage deutlich grösser als die angebotenen Ausbildungsplätze und entsprechend musste man erstmal das Selektionsverfahren absolvieren und bestehen. War aber ziemlich klar strukturiert und vorgegeben, man wusste also, worauf es ankam und was man dafür zu tun hatte. Und möglicherweise ist das heute auch nicht mehr so krass mit wenig Plätzen bei vielen Interessierten.
Ja klar, Grundvoraussetzung ist die eigene psychische Krisenerfahrung, wobei es keine Rolle spielt, in welchem Bereich. Sie haben die Ausbildungsgruppe auch bewusst so ausgewählt, dass die verschiedenen Erkrankungsbereiche vertreten waren (im Wesentlichen Depressionen/Angststörungen, Bipolar, Psychosen und Stimmenhören, Borderline, Suchterkrankungen).
Ob man Medikamente einnahm oder nicht, spielte keine Rolle. Betr. Belastbarkeit waren sie recht flexibel, es gab in der Gruppe durchaus Leute, die während der Ausbildung auch mal wochenlang ausfielen und sogar temporär in eine Klinik mussten, ohne dass sie deswegen ausgeschlossen worden wären. Wichtig war ihnen, dass man anderweitig psychotherapeutisch begleitet wurde, wenn man nicht genügend stabil war. Das war auch bei den meisten Teilnehmenden so. Die Leitung hat also klar das Kriterium der persönlichen Betroffenheit zur Priorität gemacht, jenes der stabilen Belastbarkeit war doch eher relativ. Schliesslich wollte man lieber Leute, denen die Krisenerfahrung noch präsent genug war, um sich in andere Betroffene zu versetzen - nicht Leute, die sich fast nicht mehr daran erinnern konnten ...
Gedauert hat das Ganze knapp anderthalb Jahre, verteilt auf 12 Module à 3 Tage, Lerngruppentreffen dazwischen, mind. 150 Stunden Praktika, eine Diplomarbeit, und 2 Supervisionen. Finanzielle Unterstützung war grundsätzlich möglich, aber an restriktive Bedingungen geknüpft. Sie haben aber in Härtefällen einen Sozialtarif angeboten.
Das gilt alles für die Schweiz, war aber meines Wissens stark an den deutschen Strukturen orientiert. Ich vermute, dass das in Österreich nicht sehr viel anders sein wird.
Hoffe, das hilft etwas weiter.
LG
