Panikattacke durch Burnout

Hallo Ihr Lieben,

ich war vor zwei Jahren hier im Forum schonmal ziemlich aktiv. Habe damals stark unter Panikattaken gelitten und mir war nicht bewusst woher die kamen. Auf euer Raten hin habe ich eine Therapeutin aufgesucht bei der ich dann auch 1,5 Jahre in Behandlung war. Diagnose war "irgendwas zwischen Burn-Out und Depression oder auch beides. Sie konnte es nicht klar trennen. War auch "EGAL". Die Verhaltenstherapie hat mir sehr geholfen und mein Leben ging Bergauf....auf der Arbeit hab ich alles lockerer gesehen und ich war Alles in Allem wesentlich umgänglicher und vor allem Glücklich.

Seit letzter Woche Montag geht es nun wieder bergab...Schlaflose Nächte, eine Panikattake jagt die Nächste...habe schon bei meiner Therapeutin angerufen und einen "Notfallterim" für den 11.10 bekommen WUNDERBAR...könnte jetzt dringend einen gebrauchen....

Bei mir im Leben hat sich etwas ganz wichtiges geändert...damals war ich alleinstehend..nun wohne ich seit 2 Monaten mit meinem Freund zusammen (er ist zu mir gezogen) . Er tut mir so leid. Ich weiss wie schwierig es ist, wenn eine nahestehende Person depressiv und kaum ansprechbar ist...meine Mutter leidet seit Jahren an Depressionen und hat auch einige Selbstmordversuche hinter sich...

Aber ich schweife ab...zum Thema zurück...warum schreibe ich im "Burn Out" forum?

Ich geh stark davon aus, das ich genau dieses habe...ich arbeite seit 10 Jahren in einem kleinen Familienunternehmen und bin tatsächlich in der heutigen Zeit die einzige die mit einem Computer umgehen kann (unser Unternehmen macht 68% seines Gewinnes durch Internethandel). Das letzte mal 2 Wochen am Stück Urlaub hatte ich vor 9 Jahren....ich könnte mir quasi in den A... treten das ich die immer häufiger werdenden Anzeichen nicht richtig analysiert habe...ab und an wieder eine Panikattake die aber schnell verging und "die ich ja im Griff " hatte....nun ja...jetzt hab ich mich durchgesetzt und habe nächste Woche eine woche Urlaub..aber ganz ehrlich? ich weiss nicht wie ich morgen früh aufstehen soll und wieder hier hin kommen soll...ich bin jetzt auch auf der Arbeit und will einfach nur noch ins Bett...im Grunde bin ich optimistisch das ich es wieder hinbekomme, aber wie schnell wird das gehen? Tabletten lehne ich strickt ab...ich habe Angst davor (hat auch was mit der Geschichte meiner Mutter zu tun)...

Aber wie komme ich nun darauf das ich burn - out habe?

1) ich arbeite 6 Tage die Woche
2) wenn ich abends zu Hause bin, bin ich immer an den Rechner gegangen um nach dem Rechten zu sehen
3) ich bin/war der Meinung das diese Firma ohne mich nicht kann (nun denk ich sie müssen ohne mich, ich kann nicht mehr)
4) ich habe über einen langen Zeitraum immer mehr die Lust an diesem Job verloren
5) wenn im Büro das Telefon klingelt hab ich Angst was nun wieder ist (erboste Kunden???)
6) mein Handy war immer an und dieses wurde auch von der "Geschäftsleitung" nur zu gerne genutzt....

Aber wird diese eine Woche reichen? Ich habe so eine Angst das ich die Woche nicht nutzen kann...das ich einfach nur daliege und nichts mache ausser Angst zu haben...

Ich glaub ich hab jetzt ziemlich viel durcheinander geschrieben und es ist für einige überhaupt nicht nachvollziehbar...aber irgendwie ist es das, was mir gerade so schrecklich und durcheinander im Kopf rumschwirrt....

Danke für euer "zuhören"

28.09.2010 15:37 • #1


uniquenessy
Hallo Steffi....( das warne zu viele Zahlen für meinen Kopf)

hast du damals auch schon so viel gearbeitet und hat die nie jemand geraten kürzer zu tretten?
Also der erste Gedanke den ich beim lesen hatte, schraub die Arbeit zurück..
Hast du dir für den Urlaub etwas vorgenommen?
Vielleicht sind die Panikattacken auch ne Reaktion auf die Veränderung ( zusammen ziehen..)

Gruß
Uniquenessy

28.09.2010 18:24 • #2


Liebe Steffi,

danke für Deine Offenheit, welche gleichzeitig eine Warnung für mich ist. Denn auch ich erkrankte Anfang diesen Jahres an Burn out oder Depressionen oder an Beidem.....Man wusste es nicht genau.
Nun arbeite ich seit über vier Monaten wieder und zu Beginn fiel ich von einem Loch ins nächste (wahrscheinlich doch zu früh mit arbeiten begonnen?). Die Löcher wurden weniger - ich hatte das Gefühl, dass ich mich stabilisiere. Und nun? Es passiert nicht oft, aber schon ein kleines Telefonat kann mich zur Zeit völlig aus der Bahn werfen.
Also erste Anzeichen bei mir, dass es wieder losgehen könnte?

Du schreibst ('tschuldigung, ich weiß nicht, wie man das mit dem Zitat einfügen macht):
"Aber wird diese eine Woche reichen? Ich habe so eine Angst das ich die Woche nicht nutzen kann...das ich einfach nur daliege und nichts mache ausser Angst zu haben.."

Nein, ich glaube nicht, dass diese eine Woche reichen wird. Wozu sollte sie denn reichen? Das Du völlig erholt und entspannt an Deinen Arbeitsplatz zurückkehrst? Das gelingt wohl niemanden, der solange keinen Erholungsurlaub hatte wie Du.
Wozu möchtest Du diese Woche nutzen? Hausputz? Wäscheberge verkleinern? Sport? Wahrscheinlich wirst Du gedanklich an Deine Arbeit sein, kannst nicht abschalten.
Nutze diese Woche für Dich: tue nichts. Oder betreibe Sport, führe den Nachbarshund spazieren....geh shoppen mit einer Freundin (oder Deinem Freund?). Katapultiere Dich gedanklich so weit wie möglich von Deiner Arbeit weg (leicht gesagt - ich weiß).

Leider kann ich Dir nichts zu Deinen Ängsten schreiben, da ich damit (zum Glück) keine Erfahrungen machen musste. Vielleicht hat hier jemand anderes einen guten Erste-Hilfe-Tipp für Dich.

Viele Grüße
FreieHeide

28.09.2010 18:47 • #3


Ja, ich denke auch, dass 1 Woche wohl nicht reichen wird steffi!
Du müsstest statt dessen vielleicht eher lernen, Dich genau abzugrenzen.
Dich genauer beobachten, wenn Du in eine Überforderung reinkommst- der Körper gibt da schon Signale. Dann auch wirklich STOP sagen können wäre meines Erachtens wichtig.
Das lernt man aber nicht so schnell- ist doch vieles sehr automatisiert.
Lass Dir Zeit damit und versuche bestimmte strukturen zu verändern. schritt für schritt.
Tja, und in Deinem Urlaub- ein gutes Buch lesen, ins Kino, zum tanzen, Freunde besuchen.................

29.09.2010 07:37 • #4


Hallo Ihr Lieben,

erstmal entschuldigung das ich mich jetzt erst melde. Aber denke viele wissen wie das ist..und vor allem DANKE für eure Antworten. Nun mal dazu wie es mir ergangen ist...ich bin Montag wieder arbeiten gegangen so wie es geplant war. (Hatt vorher früh morgens allerdings einen Termin bei meiner Therapeutin). Nun ja, ich war also arbeiten mit dem "offiziellen Urteil" Burn Out gemischt mit Depressionen (Genau wird das wohl nie jemand sagen können). Das war es dann auch...hab die ganze Nacht von Montag auf Dienstag kein Auge zu gemacht, nicht einmal. Bin dann am Dienstag morgen direkt um sieben zu meiner Hausärztin und die hat mich 2 Wochen krank geschrieben. GOTT ich dachte das wäre mein Untergang. ICH UND KRANKENSCHEIN?? Undenkbar. Mag für manche komisch klingen..aber für mich war das ein Zeugniss des Versagens...ich habe alleine zwei Tage gebraucht mich von diesem Schock zu erholen, zu meinem Arbeitgeber zu gehen und dort erstmal richtig rumzuheulen. OH WUNDER...der hatte sogar Verständnis und nocham OH WUNDER die Firma steht nach zwei Wochen noch obwohl ich nicht da war Weiss noch nicht wirklich ob ich das als gut oder schlecht bezeichnen soll...bin in der zweiten Woche dann mal für 4 Stunden arbeiten gegangen um zu gucken ob es geht. (Man merkt, wirklich abschalten war nicht). Aber ich habe einen ersten Schritt gemacht und gesagt das ich in Zukunft zwei Wochen Sommerurlaub und zwei Wochen Winterurlaub nehmen werde...und OH WUNDER auch das wurde akzeptiert....
Naja, aber wie geht es mir jetzt?? Ganz ehrlich richtig mies...nachdem ich dann jetzt wohl zumindest körperlich ausgeruht war bin ich es noch lange nicht psychisch...stecke irgendwie in einer schrecklichen Depression und wühle andauernd nach dem Grund. Man sucht irgendwie nach Erklärungen. Meine momentane Erklärung ist meine neue Situation: Sprich auf einmal andauernd jemanden um sich rum haben. Aber sollte ich mich darüber nicht eigentlich freuen??? Schliesslich liebe ich diesen Mann ja. Er hat alles was sich eine Frau nur wünschen kann. Aber ich habe immer das Gefühl, daß ich jetzt für zwei Menschen verantwortlich bin und zusehen muss, daß wir über die Runden kommen. Er studiert noch (Sozialwissenschaften im vorletzten Semester), hat zwar einen Nebenjob (auch bei mir in der Firma). Aber für Miete und alles drum und dran bin ich verantwortlich. Wenn er Besuch von seinen Freunden bekommt lauf ich 2 Tage vorher Amok um die ganze Wohnung auf vordermann zu bringen. Was los ist wenn seine Eltern kommen möchte ich gar nicht erwähnen. Letzte mal hab ich sogar die Küchenschränke ausgewaschen. Früher habe ich mir öfter mal neue Klamotten gekauft. Heute denke ich...NEEE lieber nicht...wir müssen ja den ganzen Monat hinkommen. Das was er verdient fliesst genauso in die Haushaltskasse wie mein Verdienst...das mal vorne weg...mir ist durchaus bewusst das ich mich da in irgendwas reinsteiger und definitiv lockerer werden muss...ABER WIE????? Wie komm ich da nur wieder raus?
Meine Therapeutin meinte, das dies eine enorme Umstellung ist. Und SIe teilweise Frauen bei sich hat, die ungefähr ein halbes Jahr brauchen um sich zu "gewöhnen". Aber irgendwie ergibt das alles keinen Sinn. Ich versuch mir immer zu überlegen worüber ich mich im Moment so richtig freuen würde..Ganz Ehrlich? Mir fällt nichts ein, aber auch gar nichts..und das macht mir am meisten Angst

Herjeeee....jetzt hab ich aber ne Menge geschrieben. Falls sich jemand die Zeit nimmt und das alles durchliest...Danke schonmal...

29.10.2010 20:40 • #5





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