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Panik bei dem Gedanken bald wieder arbeiten zu gehen

Dini86

Dini86

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Hallo zusammen,
Mittlerweile bin ich schon einige Zeit krank geschrieben. Nachdem ich nach langer Zeit einen Psychotherapeuten gefunden habe bei dem ich mich sehr gut aufgehoben fühle, haben wir festgestellt das mein Burn out nicht nur an der Arbeit liegt sondern auch einigen andere Faktoren zu Schulden ist. Nicht desto trotz beschäftige ich mich immer wieder damit wie es weiter geht und denke das ich bald mal wieder arbeiten gehen muss. Sobald ich mich damit auseinandersetze (z.b die Firmenseiten meines Arbeitgebers besuche) bekomme ich richtig Panik. Mein Brustkorb schnürt sich zu, habe Herzrasen, ganz viele Gedanken gehen durch meinen Kopf (z.b das ich mir im Moment gar nicht vorstellen kann dort wieder ganz normal, so wie früher zu arbeiten. Ich weiß nicht warum das so ist, aber irgendwie Dreh ich bei diesen Gedanken einfach durch. Hatte jetzt einige Zeit ein anderes Thema was mich ziemlich extrem belastet hat und im Vordergrund stand (das ich in der Therapie aber gut in den Griff bekommen und verarbeitet habe) und so ist das Thema mit der Arbeit erstmal so ins Abseits gerückt. Allerdings jetzt wo ich merke das mich das andere Thema nicht mehr so sehr belastet kommt wieder das Thema Arbeit in meinen Kopf. Ja und dieses Thema bereitet mir grad wieder richtig Panik.

Geht es jemandem von euch ähnlich wie mir?

Bin ich vielleicht noch nicht so weit und brauche noch Zeit?

Warum nimmt mich das so mit und ich denke jedesmal das ich wieder vor einem neuen Scherbenhaufen stehe?

Am Freitag habe ich meine nächste Therapie Stunde und werde das Thema aufjedenfall ansprechen.

Ich sage aufjedenfall schonmal danke für eure Antworten.

Lg
Dini

11.08.2020 12:46 • #1


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Mayke1

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Zitat von Dini86:
Bin ich vielleicht noch nicht so weit und brauche noch Zeit?


Liebe Dini, das glaube ich aber ganz stark! Kannst du benennen, was dich anteilig an der Arbeit in den Burnout gebracht hat?
Ich war lange dem Irrtum erlegen, in meinem Beruf gerne zu arbeiten, bis ich erkennen musste, dass es nur Teilbereiche betraf. Ich war gern mit den Kindern zusammen und war immer dann glücklich, wenn ich mit meiner Fantasie und Kreativität zum Unterricht beitragen konnte. Aber wenn es um andere Dinge rund um Schule ging, schwächte mich das so sehr, dass ich 2x eine längere Phase wegen Erschöpfung krank geschrieben war. Einmal 8 und einmal 12 Wochen. Die Erholung hatte aber nicht lange angehalten. Die Zeiten hätten länger bemessen sein müssen.
Schreibe doch mal wieder, wie es bei dir weitergegangen ist!
Viele Grüße von Mayke

11.08.2020 18:20 • x 2 #2


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Heideblümchen

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Ich bin natürlich kein Therapeut, aber ich denke auch, dass es in dem Fall gut wäre, auf die Signale, die dir dein Körper gibt (Ablehnung, Angst, Zurückweichen beim bloßen Gedanken) zu hören. Es scheint, dass du noch nicht soweit bist, Dini.
Klar, man hat immer Panik, ob man den "richtigen" Zeitpunkt verpasst, dass man dauerhaft krank bleibt, was auch immer. Aber wenn sich derzeit alles in dir so sträubt, würde ich das auf keinen Fall ignorieren.
Ich war letztes Jahr nach einer schweren Vorerkrankung nach 10 Wochen wieder das erste Mal arbeiten. Das habe ich genau 7 Werktage durchgehalten. Dann hat es mich wieder erwischt....weil ich die Anzeichen nicht sehen wollte. Es ist tatsächlich ein erstaunlicher Mechanismus des Körpers, solche Zeichen zu senden. Ignoriert man sie, kann sich das rächen.

Vielleicht machst du dir mal Gedanken, ob dieser Job auf Dauer überhaupt gut für dich ist. Was gibt es für Alternativen? Was kannst du mit deinen Fähigkeiten woanders bewirken? Muss es DER Job sein? Muss es bei DEM Arbeitgeber sein? Oder kann dir nicht jemand helfen, auf andere Gedanken zu kommen?

Ich habe mich während meines Klinikaufenthaltes mit einer Sozialarbeiterin unterhalten und sie hat mir den Tipp gegeben, mich an Kolping Bildung und Integration in meiner Heimatstadt zu wenden. Dort werden psychisch vorerkrankte Menschen besonders unterstützt. Sie bekommen Hilfe, sich auch mit ganz neuen Lebens- und Berufswegen auseinander zu setzen. Eine Graphik-Designerin (60 Jahre alt, beruflich völlig ausgebrannt) arbeitet jetzt zum Beispiel auf einem Öko-Bauernhof im Hofladen. Hätte vorher nie einer für möglich gehalten und natürlich hat sie sich auch vorher gefragt: schaffe ich das finanziell? Hat das Zukunft? Soll ich den Sprung wagen? - in deinem Fall, liebe Dini....egal, ob ein krasser Schritt oder nur ein kleiner: jeder Schritt, jede Hilfestellung kann dich auf andere Gedanken bringen und es gibt teils sehr gute Hilfsangebote. Man muss sie nur annehmen und einen ersten Schritt in eine andere Richtung wagen....vielleicht macht dir das ein bisschen Mut, mal einen Schritt von deinem vorgesehenen Weg abzuweichen und auch dich selber zu hören, was dir gut tut und was DU wirklich willst, um auch auf Dauer glücklich zu sein! Alles Gute!

12.08.2020 12:02 • x 1 #3


Dini86

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Hallo zusammen

@Mayke1

Zitat von Mayke1:
Kannst du benennen, was dich anteilig an der Arbeit in den Burnout gebracht hat?


-Zum einen diesen ganzen Überstunden
-Eine 6 Tage Woche ( häufig sind dann auch 13 Tage draus geworden)
- also schlichtweg zu wenig Freizeit, Urlaub und Ruhezeiten
-Firmenhandy was 24/7 an meiner Seite war
-einfach keine geregelten Arbeitszeiten, es war alles immer spontan und von jetzt auf gleich (ich wusste nie wann mein Tag beginnt bzw endet wenn ich mir zb vorgenommen habe das ich um 7 Uhr anfange und um 15 Uhr Feierabend mache weil ich noch was vor hatte heißt das nicht das es so auch war und das ging vom einen Tag zum nächsten Tag so)

Allerdings habe ich in der Therapie die ich seit ein paar Wochen mache herausgefunden das es eben nicht nur Arbeitsbedingt ist, sondern es noch Probleme in meiner Ehe gibt und mich Sachen von früheren Zeiten beschäftigen die ich schlichtweg verdrängt habe.
Ich kann schlecht nein sagen deswegen war ich immer die erste die angerufen wurde ob ich hier und da einspringen kann und ich habe zu 99% immer ja gesagt. Mittlerweile denke ich auch das es so gekommen weil ich so von zu Hause geflüchtet bin und um Eheprobleme zu verdrängen, naja und wenn ich nicht auf der Arbeit war habe ich was mit meinem Mädels gemacht, oder meine Familie versorgt. Also immer nur unter Strom.


@Heideblümchen

Zitat von Heideblümchen:
Vielleicht machst du dir mal Gedanken, ob dieser Job auf Dauer überhaupt gut für dich ist. Was gibt es für Alternativen? Was kannst du mit deinen Fähigkeiten woanders bewirken? Muss es DER Job sein? Muss es bei DEM Arbeitgeber sein? Oder kann dir nicht jemand helfen, auf andere Gedanken zu kommen?


Habe auch schon überlegt den Job zu wechseln, aber im Moment weiß ich einfach nicht was richtig und was falsch ist. Was ich wirklich will und was das beste für mich ist.
Eigentlich kann ich in ziemlich viele verschiedenen Berufen arbeiten da ich 2 Ausbildungen und mehrere Weiterbildungen gemacht habe. Bei meinem derzeitigen Arbeitgeber bin ich 10 Jahre beschäftigt und er hat mir auch ziemlich viel ermöglicht zwecks Weiterbildungen usw.

Leider habe ich im Moment einige Baustellen die ich quasi fertigstellen muss damit es bei mir weitergehen kann.
Baustellen die ich vorher nie gesehen hab und erst durch die Therapie zum Vorschein kamen.
Das quält mich irgendwie so sehr.
Hab auch gedacht das es so langsam in die richtige Richtung geht. Hab mir letzte Tage extra neue Schuhe für die Arbeit bestellt und gedacht das ich in den nächsten Wochen wieder loslegen kann, aber als ich mich dann mit unserer Firmenseite auseinandergesetzt habe hat sich einfach alles in mir gesträubt.
Zum Glück ist es nicht mehr lange bis zu meiner Therapiestunde.

Danke für eure Antworten

Lg Dini

12.08.2020 12:41 • #4


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Heideblümchen

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Dini, deine Geschichte hört sich fast 1:1 wie meine an. Und ich kann dir nur empfehlen, das so nicht auf Dauer hinzunehmen. Das staut sich auf und irgendwann sagt dir dein Körper "Danke, das reicht!" - Ohne dir Angst machen zu wollen. Das ist nicht meine Absicht, sondern nur eine Anregung. Gut, dass du selber schon merkst, dass es SO nicht mehr lange weiter geht. Dein Kopf, dein Körper reagieren schon.....achte auf dich. Ich habs nicht gemacht und heute hab ich den Salat (will da jetzt nicht weiter drauf eingehen, was der Burnout letztes Jahr bei mir zusätzlich (!) zur schweren Depri ausgelöst hat). Aber so wie du hatte ich auch einen 24/7 Job mit Handy, Probleme in der Familie (gottlob nicht in der Partnerschaft) und habe bis zu 9 Stunden am Stück für meinen AG geschuftet. Das rächt sich! Und es immer Zeit, die Kurve zu kratzen.....aber es ist lästig. Es braucht Zeit und es fühlt sich anfangs unsicher an, sein Leben umzukrempel. Wir halten nun mal alle gerne an Gewohnheiten fest. Die sind aber nicht immer gut für uns und es gibt Kreuzungen, Abzweigungen. Man muss sich nur trauen, den ersten Schritt zu tun. Du bist auf einem guten Weg. Du denkst drüber nach.......

12.08.2020 12:47 • x 1 #5


Dini86

Dini86

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@Heideblümchen

Das kenne ich ich habe oftmals bis zu 12 Stunden ohne Pause am Tag gearbeitet.
Das hat sich alles einfach zu sehr aufgestaut deswegen kam auch mein Zusammenbruch.
Ich bin schon froh das ich nicht mehr ganz so schwarz sehe. Vor ein paar Monaten hab ich das Haus so gut wie gar nicht verlassen und es ist schon in heulattacken ausgeartet wenn ich nur was gekocht habe und ich liebe es eigentlich zu kochen, hatte nur die Decke angestarrt und mich regelrecht verkrochen, hatte ziemlich miese Gedanken über mich und mein Leben und wollte eigentlich nur von dem ganzen Schmerz erlöst sein, habe aber die Kurve gekriegt um an den Probleme zu arbeiten. Ich denke mir ich bin 34 und habe eigentlich das ganze Leben noch vor mir und ich will einfach so sehr mein Leben wieder genießen können. Mittlerweile unternehme ich sogar was mit meinen Mädels oder besuche auch meine Familie wieder und alle stehen hinter mir. Jeder sagt mir egal was du machst wir stehen zu 100% hinter dir und deiner Entscheidung. Naja nur bei meinem Mann bin ich mir nicht so sicher. Er merkt ja das ich mich durch die Therapie verändere und er hat auch Angst mich zu verlieren deshalb fängt er im Moment auch an zu klammern. Das ist nicht gerade hilfreich in der ganzen Situation. Und er merkt auch das er nicht ganz Unschuld an meiner Lage ist. Ja jetzt muss ich gucken das es weiter geht für mich egal in welche Richtung, denn ich möchte einfach wieder ein ganz normales Leben

12.08.2020 13:11 • #6


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Heideblümchen

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Das hört sich wirklich nach einem guten Start an, das Leben wieder neu in Angriff zu geben. Teils mit Änderungen, teils einfach nur mit mehr Energie. So eine Phase, egal, ob "gesund oder krank" ist immer auch mit Schmerzen verbunden, mit Unsicherheiten.....Aber es ist schön, dass du dich aufraffst, anfängst, etwas zu tun, die Dinge wieder schön findest....liest sich so, dass du die "Talsohle" langsam hinter dir lässt. Das ist toll! Und wie immer im Leben: Reden hilft. Das ist allerdings eine Sache, die du mit deinem Partner natürlich klären musst

12.08.2020 13:17 • x 1 #7


Dini86

Dini86

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Ja ich habe halt gedacht das ich schon etwas weiter bin und hab mich deswegen auch wieder mit der Arbeit auseinander gesetzt weil ich gedacht habe irgendwann muss ich das mal. Naja aber da hab ich echt gemerkt das ich dafür wohl noch nicht weit genug bin. Meine beste Freundin sagt auch zu mir das es noch dauern wird und ich mich nicht selbst unter Druck setzten soll (mache ich nämlich ziemlich gerne) Ich muss das jetzt alles auf mich zukommen lassen.
Ja reden hilft das merke ich immer wieder bei meinem Therapeuten auch wenn die Sitzung manchmal noch so Schmerzhaft und nervenaufreibend ist aber ich gehe immer mit einem guten Gefühl und neuer Kraft raus.

12.08.2020 13:37 • #8


sonnenbarke

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Hallo Dini,
ich habe gerade dein Thema durchgelesen und fühle mich dadurch angesprochen, auch bezüglich der Ängste und Sorgen gegenüber der Arbeit.
Darf ich dich fragen welche Lösung du für dich gefunden hast?

LG
Sonnenbarke

Vor 2 Stunden • #9

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