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Angst zu Arbeiten nach Burnout

Werback

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Hallo, ich bin 21 Jahre alt und habe ca. 2 Jahre an Depressionen hinter mir, welche sich am Schluss auch in meiner Ausbildung/Beruf als Burnout gezeigt haben. Ich habe noch vor weniger Monaten und Jahren ohne jegliche Probleme Vollzeit gearbeitet/gelernt, und war immer bemüht sehr erfolgreich zu sein. Das habe ich aber in Kombination mit meinen Depressionen nicht lange durchgehalten. Ich habe einen massiven Rückgang psychsicher und physicher Leistung erfahren, während ich mich mit meinen Ehrgeiz trotzdem weiter angetrieben habe. Ich könnte am Schluss nicht mehr schlafen, hatte Angstzustände bis zur Panik, und ständige Suizdgedanken. An diesem Punkt habe ich Hilfe geholt.

Das ist jetzt zwei Monate her, ich hatte, Gott sei dank, die finanziellen Mittel um ohne Arbeit über Wasser zu bleiben. Ich fühle mich immer noch extrem erschöpft, und es fällt mir immer noch schwer ganz alltägliche Dinge zu erledigen. Ich habe Angst, dass ich sobald ich wieder arbeite wieder in eine solche Abwärtsspirale gerate.

Hat jemand Erfahrungen mit dieser Angst? Und wie sind Sie das Problem angegangen?

03.08.2021 14:54 • #1


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Greta

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Lieber @Werback,

zunächst einmal ein herzliches Willkommen hier im Forum

Ich nehme an, mit "Hilfe geholt" meinst du, dass du bei einem Arzt oder Therapeuten in Behandlung bist ... ?
Zwei Monate sind nicht viel, wenn es einen so richtig erwischt hat. Es ist also völlig normal, dass du dich immer noch erschöpft und antriebslos fühlst.
Glaubst du, es ist jetzt schon der rechte Zeitpunkt, wieder an die Arbeit zu denken?
Damit solltest du dich wirklich erst beschäftigen, wenn du dich wieder einigermaßen gesund und belastbar fühlst.

Hast du deinen alten Job noch? Dann bekommst du wahrscheinlich Krankengeld und könntest irgendwann ganz allmählich mit der Wiedereingliederung starten. So kannst du langsam wieder ins Arbeitsleben einsteigen und deine Belastungsgrenze austesten.

Ich selbst bin im Mai diesen Jahres nach sechs Monaten Arbeitsunfähigkeit auf eigenen Wunsch in die Wiedereingliederung gegangen. Damals fühlte ich mich schon wieder relativ fitt und dachte, wenn ich langsam wieder anfange, schaffe ich irgendwann das volle Pensum wieder.
Leider habe ich mich da vollkommen überschätzt. Nach einigen Wochen, in denen ich zunächst drei und dann vier Stunden täglich gearbeitet habe, war ich recht schnell wieder an dem Punkt, wo gar nichts mehr ging. Ich habe dann die Reißleine gezogen und die Wiedereingliederung abgebrochen.

Also, wenn irgendmöglich, nimm dir die Zeit um wieder gesund zu werden.
Erst danach solltest du ganz langsam wieder mit der Arbeit beginnen.

Liebe Grüße
Greta

04.08.2021 09:10 • x 1 #2



Hallo Werback,

Angst zu Arbeiten nach Burnout

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Werback

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Hallo Greta,

vielen Dank für deine freundliche Antwort.

Um die "Rahmenhandlungen", so nenne ich mal Arbeitsplatz, finanzielle Mittel etc., hab ich mich gekümmert und mache mir da wenig Sorgen.
Mein großes Problem ist eher zu akzeptieren, dass einfach im Moment nichts geht. Ich denke ich mache mir da selbst den meisten Druck und ich muss noch lernen es als etwas zu akzeptieren, für das ich nicht unbedingt etwas kann ... zumindest in dem Sinne, dass ich "Schuld" habe.
Es ist besonders schwierig wenn man erst 21 ist und sich nach 2Monaten "ausruhen" immer noch nicht in der Lage fühlt zu arbeiten. Um auch deine Fragen zu beantworten: ich habe noch 2Monaten "Pause", hoffe dass das dann wieder klappt.
Was mir schwierig fällt ist eine Zukunft zu sehen, in der ich ohne Probleme arbeiten gehen, obwohl das ja sonst immer der fall war.
Aber ich denke diese positive Zukunftsperspektive bekommt man allmählich wider, auch über dieses Forum.
Deswegen vielen Dank für die nette Antwort.

Alles Gute

04.08.2021 17:13 • x 1 #3


MisterUnperfekt

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Moin,

Erstmal ist es großer Mist das es dich erwischt hat und ich wünsche dir viel Erfolg bei der Genesung.

Ich kann dir aus eigener Historie berichtet das es nicht am Alter liegt.
Mach dir keine Sorgen um die Arbeit, leichter gesagt als getan?!?
Nimm dir die nötige Zeit, ich selbst bin seit knapp einem Jahr unfähig der Arbeit nachzukommen.
So schnell wie möglich wieder arbeiten zu gehen ist nicht nur ein finanzieller Zwang, sondern auch ein gesellschaftlicher Zwang.
Auch als junger Mann bekommt zum Glück eine gewisse Akzeptanz.
Wichtig ist es das man seine Einstellung zur Arbeit ändert, Arbeit sollte nicht dein Leben sein.
Mit der Arbeit verdient man das nötige Geld um Leben zu können.
Was bringt mir ein volles Konto, wenn die Dinge, die ich damit machen könnte keinen Spaß machen.

Vielleicht sind ja ein paar nützliche Fragen, die du dir selber stellen kannst mit dabei.

Liebe Grüße

04.08.2021 18:10 • x 2 #4


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Kitten

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Hallo @Werback und alle anderen

Ich bin heute per Zufall auf das Forum gestossen und habe mich vorhin angemeldet
So versuche ich also, auch was Hilfreiches aus eigener Erfahrung beizutragen.
Ich schliesse mich Greta und MisterUnperfekt an: 2 Monate arbeitsunfähig sind noch keine lange Zeit. Burnout trifft ja meist diejenigen Menschen, die bei der Arbeit sehr leistungsfähig sind, über ihre Grenzen herausgehen, stets ihr Bestes geben wollen, nicht Nein sagen können, eine Tendenz zu Perfektionismus haben. So mag es nicht erstaunen, dass du dich mit dem Gedanken noch nicht anfreunden konntest, dass im Moment nichts geht. Drehe doch den Spiess um und sehe es als komfortable Situation: Du "musst" derzeit nicht arbeiten und hast auch keine finanziellen Sorgen. Kümmere dich also um dein Wohlergehen. Sehe es als persönliche Weiterbildung.
Ich denke, dass eine Fachperson dir dabei sehr behilflich sein könnte, dass du die Zukunft nicht so schwarz siehst. Auch im Zusammenhang mit den Depressionen.
Lebe im Moment: Heute ist heute, morgen ist morgen. Hab Vertrauen in die Zukunft, du bist tatsächlich noch so jung.

So erging es auch mir. Ich musste viel an meinem Mindset ändern seit meinem Burnout im letzten Herbst. Nach knapp einem Monat Krankschreibung wurde mir gekündigt - aus heiterem Himmel und total fadenscheinigen Gründen, die angeblich nichts mit dem Burnout zu tun hatten. Die Monate zuvor habe ich mich für die Firma abgerackert und die körperlichen Warnsignale ignoriert. Ein Danke habe ich natürlich nie dafür gekriegt.
So bin ich nun seit knapp 3 Monaten wieder auf Stellensuche. Ich musste mir eingesehen, dass ich nur mit maximal 50% arbeiten kann. Die teilweise Krankschreibung dauert deshalb weiterhin an. Und das ist OK so. Ich möchte langsam anfangen und wenn es geht, das Pensum steigern. Und ja, auch mich überkommen manchmal Ängste betreffend der Zukunft. Ich versuche sie wahrzunehmen, aber besinne mich dann auf meine Ratschläge, die ich dir oben gegeben habe: Lebe im Moment, Tag für Tag. Mal gibt es einen guten Tag, dann wieder einen schlechten Tag mit Erschöpfung etc. Das ist ok so, ich bin auf dem richtigen Weg. Auch ich bin derzeit noch in einer relativ komfortablen finanziellen Lage.

So wünsche ich dir, dass es dir gelingt, zu akzeptieren, dass dein Körper und deine Seele eine Zeit braucht, um wieder an Stärke und Zuversicht zu gelangen. Das geht nicht von heute auf morgen und man kann es auch nicht erzwingen. Sonst ist der Rückschlag nicht weit entfernt!

Beste Grüsse

19.08.2021 00:36 • x 2 #5


Werback

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Hallo Kitten,

danke für deine freundliche Antwort.
Ich lerne mit der zeit, wie du gesagt hast, dass es einfacher zu bewältigen ist wenn man es akzeptieren kann.
es wird allmählich besser.

Vielen Dank

21.08.2021 14:36 • #6

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