Mutter hat eine Bipolare Störung - wird sie wieder normal?

Tja nun bin ich auch mal auf der Angehörigen-Seite. Bei meiner Mutter wurde nun eine bi-polare Störung diagnostiziert und sie bekommt Lithium, damit sie erstmal stabilisiert wird. Es wurde immer schlimmer und mein Vater verzweifelte schon fast. Ihre Stimmungsschwankungen wechselten plötzlich von 1 Stunde zur nächsten und sie bekam Angstattacken, ja regelrecht so eine Art Verfolgungswahn. Und alle wollen ihr nur was böses. Und zum Psychiater soll sie ja auch nur, damit mein Vater sie endlich loswerden kann. Das jedenfalls dachte sie als Letztes. Den Termin hatte sie übrigens selber gemacht, als sie (ich nenne es mal in einem wachen Moment) merkte wie schlecht es wirklich geht.

Jedenfalls bin ich sehr froh, dass sie nun endlich sich helfen lässt. Ich bin allerdings mit bi-polarer Störung völlig überfordert, da ich selber ja "nur" depressiv bin und mir manische Phasen nur schwer vorstellen kann. Aber irgendwie kriege ich jetzt eine Erklärung für meine Kindheit, denn meiner Meinung nach ist sie schon immer bi-polar, konnte es bisher aber immer gut verstecken. Aber eine wirklich verlässliche Mutter war sie nie, weil ich Stimmung urplötzlich kippen konnte. Versteht mich nicht falsch, sie hat mich nicht geschlagen oder so, aber wenn sie auf mich sauer war (und das war sie oft, meist wegen den läppischsten Dingen), dann strafte sie mich mit Liebesentzug und stellte es so hin, als ob ich ihr etwas böses wollte. Sie ist auch immer eifersüchtig auf mich, wenn ihc etwas mit meinem Vater alleine unternehme. Sie fühlt sich dann ausgeschlossen und glaubt, dass sie keiner lieb hat.

Meine Frage ist nun folgende, passen diese paar geschilderten Erlebnisse zu einem bi-polaren? Stimmt da meine Einschätzung (ist irgendwie auch für mich wichtig, ich bekomme endlich so viele Antworten)? Sollte man dann auf diese manischen Phasen eingehen oder es mehr übergehen und warten bis sie wieder "normal" wird? Ich möchte halt meinem Vater ein paar Tipps geben, bin aber selber überfragt.

06.09.2010 17:14 • #1


Magda
Hallo ,

ob das bipolar ist, kann ich natürlich aus der Ferne nicht beantworten. Da Du nach Tipps für Deinen Vater fragst, ist mir aber wieder eingefallen, was mir seinerseits ein Psychiater für den Umgang mit einer manischen Person geraten hat: nämlich vor allem darauf zu achten, daß die Person regelmäßig schläft und ißt, sich bewegt und entspannt (z.B. Spaziergänge, oder was an Sport vielleicht sowieso ausgeübt wird), einen einigermaßen geregelten Tageslauf hat, und natürlich die Medikamente nimmt.
Das umzusetzen mag in der Praxis schwierig genug sein, ist aber für einen Angehörigen als Zielsetzung einfacher und einleuchtender als die heikle Frage, wie man mit den Inhalten einer Manie umgeht. Und kann viel zur "Deeskalation" beitragen.
Also nur so als Tipp - obs in Deinem Fall praktikabel ist, weiß ich nicht!

Liebe Grüße

Magda

08.09.2010 07:19 • #2


@ Magda,

danke für deine Tipps.


@ all,

gestern habe ich lange mit meinem Eltern gesprochen und mir vor allem die Sicht meiner Mutter angesehen. Sie gibt zu, dass sie schon immer manische Phasen hatte und wir überlegten an welche Phasen wir uns alle erinnern können. Und nach jeder manischen Phase kam der freie lange Fall in die tiefste Depression. Oha, das ist wirklich hart gewesen. Mein Vater ist leider sehr reserviert was das Thema Therapie angeht und es kostet ordentlich Überzeugungsarbeit ihm die Vorzüge einer Therapie zu erklären. Er glaubt es ist immer überall so wie in den 60er Jahren. So à la "durchgeknallt". Das war echt anstrengend ihm die Vorurteile zu nehmen. Er sah keinen Sinn hinter Therapie und hoffte mit dem Lithium ist jetzt alles erledigt. Er sträubt sich insgesamt und will sich auch nicht informieren, obwohl ich ihm anbot, ihm ein kleine Potpourri an Infos zusammenzustellen. Ich hoffe er öffnet sich noch.

Ich muss für mich aufpassen, mich nicht zu sehr hineinziehen zu lassen. Ich muss auch auf meine Bedürfnisse achten. Zuhören ja, helfen bedingt. Für mich als schwarz-weiß-Seherin ein schweres Unterfangen. Die kleinen Graustufen zwischen Zuhören und totale Aufopferung und Hilfe sehe ich häufig nicht. Aber ich habe in der Therapie inzwischen gelernt, dass ich darauf achten muss, wenn ich wieder nur das Schwarze oder nur das Weiße sehe. Das klappt schon ganz gut.

08.09.2010 09:35 • #3


hallo ,

ob das verhalten immer bi-polar war, wage ich zu bezweifeln. nicht jedes handeln - sei es auch mal merkwürdig - ist gleich krank.

ich glaube, sonst wären wir alle krank.

des weiteren bin ich auch der meinung, dass die vergangenheit ausschliesslich der analyse dient, euch aber in der gegenwart kaum hilfreich sein wird.

aus erfahrung kann ich sagen, dass bei einer bi-polaren krankheit eine gute medikation das "a" und "o" ist.

es gibt wirklich gute medikamente, die einen bipolaren in ein gleichgewicht und auch in eine mitte bringen können.

die manischen und auch depressiven extremphasen werden gekappt und sind bei regelmäßiger einnahme der medikamente bei langem nicht mehr so schlimm.

therapienen können unterstützend wirken.

ihr arzt wird das sicherlich bestätigen.

08.09.2010 10:14 • #4


Ich habe den Titel mal geändert, weil doch nicht sicher ist, dass meine Mutter bi-polar ist. Aber das ist eh uninteressant, da eine krankheitseinsicht von ihrer Seite nicht besteht.
Sie hatte das Litium ausprobiert, bekam starke Nebenwirkungen, der Psychiater wollte ihr nicht so recht glauben, daraufhin hat sie das Medikament eigenmächtig abgesetzt und ist zu ihrem Hausarzt gegangen. Die gute Dame hat ihr nun hochdosiertes Johanniskraut (!) aufgeschrieben und sie wieder nach Hause geschickt (ich bin immer noch geschockt darüber). Nun glaubt meine Mutter, dass ihr das Kraut ganz toll hilft (genau, Einbildung ist auch eine Bildung). In Wirklichkeit hat sich aber nichts geändert. Nur, dass mein Vater regelrecht routiert ihr jeglichen Stress (positiv wie negativ) vom Leib zu halten. Man könnte auch sagen, ihr eigentliche Antidepressiva heißt: Ehemann! Gestern nun kam es dazu, dass ein wenig (positiver) Stress nicht abgehalten werden konnte. Es kam die Steuerrückzahlung, die höher ausfiel als erwartet. Und bums, sie brach heulend zusammen (so hörte ich das am Telefon). Ich habe ihr dann noch einmal dringend ans Herz gelegt, sich helfen zu lassen, woraufhin sie mich mit den Worten "ach jetzt nicht" an meinen Vater weiterreichte (das liebe ich ja auch immer so, wenn man am Hörer so rumgereicht wird). Mein Vater nahm meine Arztempfehlung entgegen, resignierte aber ebenfalls, dass das ja sowieso nichts bringt.

Toll, ich war so froh, dass sie es endlich mal schaffte sich einem Arzt anzuvertrauen, dass da Bewegung reinkam, und nun ist alles wieder hinüber. Es ist alles wie immer. Mein ganzes Leben begleitet mich nun diese Uneinsichtigkeit und ich muss es in meiner Therapie aufarbeiten, dass ich von ihr nie das Gefühl von Sicherheit bekam, da sie selber viel zu labil dafür war/ist.

Ihr merkt schon, ich bin traurig und wütend zugleich. Und Hilflos oben drauf. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, aber so langsam geht mir die Hoffnung wirklich aus. Und ständig ihre Drohungen, dass sie sich umbringt. Ich war drauf und dran shcon zu sagen: dann mach doch. Aber das kann ich Gott sei Dank dann auch nicht. Aber ich kann diesen Druck nicht ertragen. Außerdem sehe ich immer mehr, wie meinen Vater die Kräfte verlassen. Er ist so gealtert in den letzten Jahren. Ich brauche ihn doch. Er ist eigentlich (neben meinem zukünftigen Ehemann) meine einzige Familie.

Ich weiß gar nicht, warum ich hier das jetzt schreibe. So richtig helfen könnt ihr mir eigentlich auch nicht und ich weiß ja eigentlich auch was ich machen kann und was nicht. Aber ich musste es einfach mal loswerden.

16.10.2010 12:54 • #5


Brave
Hallo ,
manchmal hilft auch schon nur das Aufschreiben. Und man kann dabei so schön die Gedanken sortieren und viell. Klarheit bekommen.
Ich wünsch Dir und auch Deinen Vater ganz viel Kraft und Geduld mit der Mama. ( und ihr - dass sie doch noch irgendwann Hilfe annimmt)
Brave

24.10.2010 16:32 • #6


Die Situation wird immer schwieriger. Gestern telefonierte ich mit meinem Vater, der mir erzählte, sobald ich mit der Diss fertig bin, würde er seine Koffer packen und meine Mutter verlassen. Er ist am Ende, er kann nicht mehr. Und ich kann ihn total verstehen. Meine Mutter ist wieder an dem Punkt angelegt (ja trotz des "tollen" Johanniskrauts"), wo sie wieder mit Selbstmord drohte. Ich kann das nicht mehr ernst nehmen. Ständig diese Sprüche: "Ich nehm gleich das Auto und dann fahre ich gegen einen Baum!", oder im Morgenmantel im Schnee zu stehen "Ich bleib jetzt hier draußen stehen und erfriere!". Das ist alles pure Erpressung von ihr, wenn sie ihren Willen nicht bekommt. Sie lässt aber auch niemand anderem seinen Willen.

Bei mir macht sie das nicht mehr, was aber wohl daran liegt, dass ihr mein Zusammenbruch damals ordentlich einen vor den Bug geknallt hat, dass sie mich damit nicht "belasten" will. Aber, wie ich schon sagte, ich kann es eh nicht mehr ernst nehmen. Manchmal bin ich versucht zu sagen (und mein Vater auch): "viel Spaß, mach doch!". Und dann? Dann macht sie es wirklich (wobei sie dazu viel zu feige wäre) und man ist der Buhmann (das würde ihr dann wieder gefallen).

Wenn sie wenigstens etwas einsichtiger wäre. Aber Pustekuchen. Die Wörter "Facharzt" und "Hilfe" brauch man gar nicht mehr anzufangen. Sie bügelt es sofort ab. Sind eh alle anderen Schuld. Wie kann man nur so verbohrt sein?!

03.12.2010 09:43 • #7




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