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Mein Umfeld distanziert sich von mir

anonymenudel

anonymenudel

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Seitdem ich wegen des Studiums in einer anderen Stadt lebe, merke ich, dass sich meine engsten Kindheitsfreunde langsam aber stetig von mir distanzieren. Ich habe mich in den letzten 2 Jahren nicht verändert, außer dass ich selbstständig geworden bin und deutlich unabhängiger - vom Charakter her bin ich aber immer noch dieselbe.
Dennoch merke ich, dass meine drei Herzensfreunde nichts mehr mit mir zu tun haben wollen.

Mit Ach und Krach habe ich damals meine Kindheitsfreundin dazu gebracht, dass sich mich mal besucht, damit ich ihr meine kleine Wohnung und die neue Stadt mal zeigen kann. Die anderen zwei sind bis heute nicht gekommen - hundert Gründe haben sie parat warum sie mich nicht besuchen können, obwohl sie nur 90 Minuten Zugfahrt von mir entfernt sind und definitiv keine finanziellen Probleme haben.
Jedesmal wenn ich in der Heimat zurück bin melde ich mich bei allen und schlage vor, dass man gemeinsam etwas unternimmt - doch sie wollen lieber Zeit mit ihren neuen Freunden verbringen, die sie sowieso durchgehend um sich herum haben.
Trotz Einladungen, Whatsapp Nachrichten etc. meinerseits muss ich mir Vorwürfe anhören von wegen "Du pflegst die Freundschaft nicht" obwohl sie diejenigen sind, die meine Einladungen nicht annehmen, mich als Sonderling und Fremde behandeln weil ich nun in einer anderen Stadt lebe, und auf meine Whatsapp Nachrichten gar nicht bis halbherzig antworten. Vor allem melden sie sich nie - ich tanze jedesmal an. Aber ich soll diejenige sein, die die Freundschaft nicht pflegt? Ich verstehe es nicht.

Mir ist bewusst, dass wir mit unseren 22 Jahren an einem Lebensabschnitt angekommen sind wo wir alle unterschiedliche Wege im Leben gehen, aber neue Wege einschlagen und neue Menschen kennenlernen war für mich NIE ein Grund meine Kindheitsfreunde zu vergessen und zu vernachlässigen. Wir kennen uns seit 22 Jahren und sind zusammen aufgewachsen. Wir kannten uns mal in und auswendig, doch nun entfremden wir uns Tag zu Tag mehr.

Ich habe keine Energie mehr und es macht mich fertig zu wissen, dass ich meine Freunde verliere. Es tut weh verdammt weh, dass sie mich bei Treffen (wenn sie mal zustande kommen) wie eine Fremde behandeln. Ich merke, dass wir die Bindung zueinander verlieren.

Ich weiß nicht was ich machen soll. Sollte ich für die Freundschaften kämpfen oder den Kontakt im Sande verlaufen lassen und mich nicht mehr melden, so wie sie es tun?

08.11.2020 02:00 • #1


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Hoffnung21

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Die meisten Freundschaften gehen nur einen Teil des Lebens mit uns. Dieser Teil ist bei dir vermutlich jetzt vorbei. Ein großer Kampf wird sich nicht lohnen, aber ein loser Kontakt schon. Akzeptiere, dass sie neue Freunde finden und melde dich trotzdem von Zeit zu Zeit. Vielleicht gelingt es dir, dass ihr euch weiterhin trefft, wenn du mal wieder nach Hause kommst. Baue keinen Druck auf, indem du sie wieder und wieder einlädst. Akzeptiere, dass sie neue Freunde haben, das ist völlig normal und freue dich, wenn ihr euch nur ab und zu trefft.

Ich habe das bei mir selbst genauso erlebt, als ich zum Studium wegging und sehe es auch bei meiner Tochter. Mit ihrer liebsten Freundin von Kindesbeinen an trifft sie sich alle paar Monate noch, mit anderen hat sie keinen Kontakt mehr. Die Interessen ändern sich, die Menschen selbst ändern sich. Auch wenn du glaubst, dass du dich nicht verändert hast, selbständiger zu sein, einen Beruf erlernen, ein Studium durchzuführen, das alles verändert einen.

Sieh es als Chance, neue Freunde zu finden. Ich hab im Studium eine ganz liebe Freundin gefunden, die ich zwar nur noch selten sehe (Vielleicht 1x pro Jahr), mit der ich auch sonst nur wenig Kontakt habe, aber wenn ich sie brauche ist sie zu 100% für mich da. Sie hält mir auch nicht vor, wenn ich mich mal ein Jahr nicht bei ihr gemeldet habe, sondern freut sich riesig, wenn ich mal anrufe.

Und zuletzt was zum Nachdenken, wenn du dich mit deinen "alten" Freunden triffst, eines meiner Lieblingsgedichte:
Zitat:
"Schön, Dich zu sehen ", wollte ich sagen,
doch du hieltest mir die Zeit,
die wir uns nicht gesehen haben
hin wie eine Lanze.
So dass mein Arm nicht deine Schulter,
mein Mund nicht Deine Wange berührte,
durch die Glasscheibe Distanz
sagte ich ganz steril,
"Wie geht es Dir "


VG und viel Glück in der neuen Stadt
Eis

08.11.2020 09:17 • x 2 #2

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