7

Mein Mann hat eine PTBS und Depressionen

misss-piggy

9
2
4
Hallo zusammen,

ich muss einfach mal mit "Gleichgesinnten" sprechen.
Mein Mann hat seit ca. 7 Jahren eine diagnostizierte PTBS mit Depressionen. Er war seitdem in mehreren Kliniken und hat eine wöchentliche Therapie. Er ist inzwischen teilerwerbsgemindert und arbeitet 4 Stunden pro Tag.
Er war jetzt letzte Woche wieder in einer Klinik und war extrem zuversichtlich und hat super bei den Therapien mitgemacht. Durch einen Vorfall in der Klinik, wo mein Mann eigentlich gar nichts für kann, wurde er nach einer Woche psychisch labil noch vor dem Wochenende entlassen. Zu Hause hatte er einen kompletten Zusammenbruch. Er weiß nicht mehr weiter, immer wieder werden ihm Steine in den Weg gelegt. Immer wieder von vorne anfangen zu erzählen. Jetzt muss er wieder zu Hause warten. Eine ständige Schleife.
Für mich war das diesmal richtig schlimm, diese Hilflosigkeit, diese Ohnmacht, dann selber klar zu denken, weil wir auch Kinder haben. Dann die Frage, wie lange ich das noch mitmachen kann, diese ständige Ungewissheit, wann es ihm beim nächsten Mal wieder schlecht geht, diese ständige Angst, dass er sich was antun kann.
Das hat schon viel kaputt gemacht in den letzten Jahren, ich würde mir wünschen, dass einfach wieder alles ist wie am Anfang. fühle mich so gefangen in meiner Situation. Kennt das jemand?

23.02.2021 09:49 • x 1 #1


Avatar

Greta

348
9
528
Hallo @misss-piggy

deine Hilflosigkeit kann ich gut nachvollziehen, denn ich habe ähnliches lange Jahre mit meinem erwachsenen Sohn durchgemacht.
Letztendlich kann man als Angehöriger nicht viel tun, außer für den Erkrankten da zu sein und ihn in Alltagsdingen zu unterstützen.

Ich denke, es ist sehr wichtig, dass du gut für dich selbst sorgst.
Freundschaften und Hobbys pflegen, damit du etwas Abstand gewinnst und auch mal was anderes siehst.
Hilfreich könnte auch eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von psychisch Kranken sein.

Hast du schon mal darüber nachgedacht, eine Kur für dich zu beantragen?
Es gibt ja die klassischen Mutter-Kind-Kuren, aber auch sogenannte "Schwerpunktkuren" für Angehörige psychisch Kranker.

Liebe Grüße
Greta

23.02.2021 21:37 • x 3 #2


misss-piggy

9
2
4
Nachgedacht habe ich da schon oft drüber, aber noch nie so mit beschäftigt, weil ich bisher dachte, ich schaffe es selber. Das werde ich sicherlich mal mit meiner Ärztin besprechen. Danke Dir.

24.02.2021 08:00 • #3


Avatar

Greta

348
9
528
Guten Morgen misss-piggy,

Hilfe bei der Antragsstellung bekommst du auch bei den Kurberatungsstellen der Caritas, der Diakonie oder der AWO.

https://www.muettergenesungswerk.de/kur...h/beratung

Viel Erfolg und alles Liebe!
Greta

24.02.2021 09:53 • x 1 #4


misss-piggy

9
2
4
Vielen Dank!

24.02.2021 12:05 • #5


Wunschgedanke

10
1
7
Hallo misss-piggy,
aus den selben Gründen habe auch ich mich hier angemeldet.
Mein Mann leidet seit 9 Jahren an Depressionen und einer bipolaren Störung. Zu Beginn standen wir kurz vor der Trennung, da er der Meinung war, dass er mich nicht mehr liebt. Zu diesem Zeitpunkt war ich mit unserem zweiten Kind schwanger. Ich konnte ihn zu einer Therapie bewegen und wir haben wieder zusammengefunden. Die Gefühle füreinander waren noch da.
In den darauffolgenden Jahren gab es immer mal wieder Hochs und Tiefs. Jedoch kam die Depression letztes Jahr mit Wucht zurück und mein Mann war 5 Monate in stationärer Behandlung, was das Ganze, meiner Meinung nach, noch schlimmer gemacht hat. Alles wurde aufgewühlt, es gab neue Medikamente und das wars. Das Chaos in seinem Inneren ist größer als zuvor. Eine ambulante Weiterbehandlung wurde empfohlen, jedoch hat er noch keinen Platz gefunden bzw. steht auf verschiedenen Wartelisten.
Ich würde ihm so gerne helfen. Aber er lässt mich nicht an sich ran. Er redet kaum. Sein Verhalten erinnert mich oft an die erste große Krise und ich fühle mich hilflos und einsam. Ich fühle mich allein. Alleingelassen. Ich wünsche mir die Zeit ohne die Krankheit zurück. Als wir einfach glücklich waren. Und ohne Sorgen. Wir haben Kinder. Die Pandemie und die damit verbundenen Lockdowns machen es nicht einfacher. Ich bin erschöpft. Ich möchte unsere Familie zurück - ist das egoistisch? Ich weiß nicht, wie lange ich das alles noch schaffe. Aber ich kämpfe - um ihn, um uns. Aber oft zweifle ich auch.
Ich kann deine Gefühle gut nachvollziehen. Melde dich gerne, damit wir uns austauschen können.

07.03.2021 01:05 • x 1 #6


misss-piggy

9
2
4
Nein, das ist absolut nicht egoistisch. Der Wunsch nach einem friedlichen, glücklichen Familienleben ist doch einfach nur normal, finde ich. Bei uns ist es auch so, dass sich im Laufe der Jahre viele Einstellungen entgegen gesetzt verändert haben, das macht das ganze nicht einfacher.
Was macht diese bipolare Störung genau mit einem Menschen?
Ich finde das schlimmste ist, dass die Kinder sicherlich einiges mitbekommen und sie auch sicherlich prägen. Ich bin momentan so reizbar und empfindlich und meckere öfters, obwohl ich das gar nicht möchte... es ist einfach sch.!

07.03.2021 16:50 • x 1 #7


Wunschgedanke

10
1
7
Das ist die Kurzbeschreibung der bipolaren Störung:
Bipolare Störungen sind schwere chronisch verlaufende psychische Erkrankungen, die durch manische und depressive Stimmungsschwankungen charakterisiert sind. Die Manie stellt sich als übersteigertes Hochgefühl dar und die Betroffenen sind gleichzeitig meist überaktiv, euphorisch oder gereizt.

Mein Mann fängt in den manischen Phasen verschiedene Projekte an, bestellt und kauft sich Sachen, die er eigentlich nicht braucht.
Momentan ist er oft gereizt, aber auch abwesend und gefühlskalt. Er ist da, aber nicht anwesend. Er zieht sich total zurück und vermeidet jede Nähe zu mir. Selbst als ich ihm total fertig meine momentane Gefühlslage mitgeteilt habe und in Tränen ausgebrochen bin, hat er es nicht geschafft mich in den Arm zu nehmen. Er sagt, er brauch einfach nur Ruhe. Und das seit Wochen, sogar Monaten. Ich verstehe, dass es anstrengend sein kann in einer Familie mit drei Kindern, vor allem wenn es einem nicht gut geht. Aber man kann sich doch nicht komplett aus dem Familienleben zurückziehen? Außer unregelmäßig gemeinsame Mahlzeiten verbringen wir kaum noch Zeit als komplette Familie. Geschweige denn als Mann und Frau. Vor allem auch für die Kinder tut es mir so leid.
Ich möchte ihm helfen. Er sagt, er weiß nicht wie, er kann sich ja selbst nicht helfen. Besteht noch eine Chance? Ist es nur wieder so ein krasses Tief wie vor neun Jahren. Kommen wir aus dem Tief wieder heraus? Ich bin der Meinung, dass man immer kämpfen sollte, vor allem wenn auch Kinder im Spiel sind. Oder steckt noch was anderes dahinter? Ich weiß es nicht...
Es tut mir leid, dass ich dir hier mein Herz ausschütte, aber ich weiß gerade nicht mit wem ich sonst reden soll.

07.03.2021 22:39 • #8


misss-piggy

9
2
4
Genau dieses Gefühl kenne ich. Als Partner ist man in einer absolut beschissenen Position, weil man einfach nicht weiß welcher Schritt der richtige ist. Ich habe mir in den letzten Jahren auch immer wieder gesagt, dass es sich lohnt zu kämpfen, hab immer an den guten Ausgang geglaubt. Wenn die Batterie von einem selber dann so langsam leer ist, wird es immer schwieriger. Man ist aber auch irgendwie so "gefangen" in der Sache. Ständig stelle ich mir vor, was passiert, wenn man sich trennen würde. Meist schiebe ich den Gedanken schnell wieder beiseite.
Wie alt sind denn eure Kinder und wie gehen sie damit um? Das ist auch nochmal eine zusätzliche Belastung finde ich, den richtigen Weg zu finden, wie man mit den Kindern kommuniziert...

10.03.2021 14:36 • #9


Wunschgedanke

10
1
7
Du hast Recht, je mehr Zeit vergeht, umso weniger Kraft hat man selbst. Ich bin mittlerweile sehr nah am Wasser gebaut und stelle mir oft die Frage, was richtig ist. Ich möchte keine Trennung, möchte mit ihm alt werden, unsere Kinder gemeinsam aufwachsen sehen, später auch unsere Enkel. Wäre es aber vielleicht doch richtig getrennte Wege zu gehen? Die Frage kommt ab und an auf. Aber ich möchte nicht und ich glaube, ich würde daran zerbrechen. Auch unseren Kindern möchte ich das nicht antun.
Unsere Kids sind zwischen 6 und 11. seit dem Klinikaufenthalt wissen sie, dass der Papa krank ist und deshalb oft nicht so gut gelaunt und seine Ruhe braucht. Besonders das Mittelkind leidet sehr darunter und zeigt sich öfter auffällig, wie z. B. mit unkontrollierten Wutausbrüchen, etc.
Wie alt sind eure Kinder und wie geht ihr damit um, dass der Papa krank ist?

10.03.2021 23:58 • #10

Pfeil rechts




Ähnliche Themen

Hits

Antworten

Letzter Beitrag