Kur beantragt, Angst das zu sagen - Erfahrungen

Hallo an alle im Forum,

ich habe ja meine Arbeit gekündigt und jetzt erst mal eine Kur für mich beantragt. Ich habe meiner psychisch kranken Schwester das jetzt noch nicht gesagt, ich traue mich nicht so recht. Oder soll ich vielleicht eine ambulante machen, dann kann ich ja wenigstens abends noch nach hause und nach ihr sehen? Vielleicht gibt es ihr aber auch Ansporn, vielleicht mal auch was für sich zu tun? Ich habe selbst auch Angst vor der Kur, aber mein Mann drängt darauf, damit ich auch mal zur Ruhe komme. Mehr wie drei Wochen würde ich eh nicht nehmen, mehr kann ich nicht ohne meine Schwester zu sehen.

Wie sind eure Erfahrungen mit einer Kur und wie hat der Angehörige dazu gestanden?

Ich habe extra nicht so viel Text geschrieben, wird sonst so lang meine Geschichte.

Gruß
Marion

14.09.2010 20:35 • #1


Hallo Marion,

grundsätzlich gehe ich davon aus, dass du ja nicht ohne Grunde eine Kur beantragt hast. Also brauchst du sie auch.

Ich habe dir schon in einem anderen Thread geschrieben, dass du an dich denken mußt, um auch für deine Schwester da zu sein. Wenn du nicht funktionierst, kannst du auch nicht für sie sorgen.

Auch den Mann hat ein Recht auf dich. Ich kann aus deinen Beschreibungen nicht wirklich erkennen, was da bei euch abläuft. Fakt ist, dass ich erstmal hellhörig werde und nach deinen Beiträgen glaube, dass du für deine Schwester lebst. Nicht für dich und nicht für deinen Mann.

Was passiert, wenn du zu Kur fährst mit deiner Schwester? Hat sie eine Betreuung? Was wäre, wenn du dich nicht mehr so um sie kümmern könntest? Und warum machst du das zu deiner Lebensaufgabe?

Wir brauchen mehr Information, um dir zu helfen.

Serafina

14.09.2010 21:18 • #2


Ups, hat sich überschnitten!

Hallo Marion,

im Moment sehe ich das so, dass jetzt DU an erster Stelle stehen solltest. Ich gehe mal davon aus, dass es Dir nicht gut geht, sonst hättest Du keine Kur beantragt.
Ich würde Dir auch raten, keine ambulante Kur zu machen. Wenn du tagsüber in einer Klinik bist und abends noch nach Deiner Schwester sehen musst, dann würde Dir die Kur nicht viel bringen.
Du könntest nicht abschalten und auch nicht zur Ruhe kommen. Und das ist gaz wichtig, wenn Du wieder neue Kraft bekommen möchtest.

Was würde denn passieren, wenn Du Deiner Schwester sagst, dass Du eine Kur beantragt hast, weil es Dir nicht gut geht?
Wenn ihr so ein inniges Verhältnis habt, dann würde Deine Schwester es doch bestimmt verstehen und würde es gutheißen, dass Du etwas für Dich tust.

Magst Du vielleicht noch ein bisschen über Deine Schwester schreiben?
Welche Art von psychischer Erkrankung hat sie? Wie lebt sie? Kann sie sich alleine versorgen oder ist sie auf Hilfe angewiesen? Kann sie arbeiten oder ist sie arbeitsunfähig? Und in welchem Umfang kümmerst Du Dich denn um sie?

Falls Sie auf Hilfe angewiesen ist, dann kann man ihr eine Betreuerin zur Seite stellen.

Ich glaube, es wäre sehr gut für Dich, wenn Du im Rahmen einer stationären Kur Dein Thema, dass Du Dich für andere aufopferst, einmal angehen könntest. Wenn man sich immer nur aufopfert, dann verliert man sehr viel Kraft, die einem für sich selbst dann fehlt. Und wenn man daran nichts ändert, dann kann man die Kraft, die man verloren hat,auf Dauer auch nicht wieder erlangen.

14.09.2010 21:24 • #3


Danke für die Antworten.

Ich habe gerade eine Rückantwort geschickt. Die finde ich aber hier nicht. Hab ich wohl was falsch gemacht. Mal sehen, ob diese Mitteilung ankommt, dann schreib ich noch mal

Gruß
Marion

14.09.2010 21:58 • #4


Hat geklappt also dann nochmal.

Meine Schwester hat seit 10 Jahren Morbus Basedow, das ist eine Autoimmunkrankheit. Nachdem unsere Mutter 2005 an Krebs gestorben ist, ist sie völlig zusammengeklappt, war auch eine schreckliche Zeit und ist eine schreckliche Krankheit. Vor ca. 2 Jahren ist dann die Blaseninkontinenz dazu gekommen. Nach einem Ärztemarathon, meint nun der behandeldene Neurologe, das ihr Nervensystem total kaputt ist. Sie bekommt Tabletten gegen die Blaseninkontinenz und Tabletten zur Stabilisierung des Nervensystem, also Psychopharmaka. Sie weigert sich zu anderen Ärzten zu gehen, sie hat das Vertrauen einfach verloren. Ich hatte mal eine Klinik in Süddeutschland rausgesucht, die speziell für Nervenerkrankungen da sind. Will sie aber im Moment nichts von wissen. Meine Schwester und ich sind wie Zwillinge aufgewachsen - wir sind 1 Jahr auseinander - daher auch die Starke Bindung. Sie ist beruftstätig und wohnt im Hause von meinem Vater, wohl mit getrennten Wohnungen. Die beiden verstehen sich aber überhaupt nicht. Mein Vater ist noch die Generation, was von alleine kommt geht auch von alleine, und so Krankheiten gab es früher nicht. Wir stecken wohl in einer Sackgasse. Ich will immer helfen und mach wohl nur Fehler. Aber das ist wohl ein Teufelskreis, in dem viele hier stecken. Meine Schwester würde sich schon freuen wenn ich mir helfen lasse, aber ich habe dann in der Kur diese ständige Unruhe. Wenn es ihr schlecht geht, geht es mir schlecht geht es ihr gut geht es mir gut.

So, das wars in Kürze
Gruß Marion

14.09.2010 22:14 • #5


hallo Marion,

wie Du schreibst, ist Deine Schwester noch berufstätig und lebt alleine in einer Wohnung, braucht also keine Hilfe zur Unterstützung im Alltag.
Umso besser, dann ist es also auf jeden Fall möglich, dass Du diese Kur antreten kannst.

Zitat von maulwürfel:
Meine Schwester würde sich schon freuen wenn ich mir helfen lasse, aber ich habe dann in der Kur diese ständige Unruhe. Wenn es ihr schlecht geht, geht es mir schlecht geht es ihr gut geht es mir gut.

Ich habe schon vermutet, dass nicht Deine Schwester das Problem ist, dass sie Dich nicht gehen lassen würde, sondern dass Du Schwierigkeiten hast, für eine Zeit von ihr weg zu gehen.

Es ist schön, wenn sich Schwestern gegenseitig unterstützen und sich umeinander sorgen, keine Frage.
Auch wenn ihr wegen des geringen Altersunterschiedes wie Zwillinge aufgewachsen seid, seid ihr doch getrennt voneinander eigenständige Persönlichkeiten, die sich auch unanbhängig voneinander entwickeln sollten. Ihr beide habt doch ein eigenes Leben und das sollte eigentlich im Vordergrund stehen.

Gerade wenn Du in der Kur bist, hast Du die Möglichkeit, über dieses Problem zu sprechen und es auch angehen zu können.
Es wäre für Dich superwichtig, denn Du steckst in diesem Teufelskreis und es kann nur besser werden, wenn Du anfängst, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.
Dein Verhältnis zu ihr scheint sehr eng zu sein, wahrscheinlich zu eng!

Zitat von maulwürfel:
Ich will immer helfen und mach wohl nur Fehler.

Hast Du Dir schon einmal Gedanken gemacht, warum Du IMMER nur helfen möchtest? Was würde denn passieren, wenn Du Deine Hilfe ein bisschen einschränken würdest?

14.09.2010 23:14 • #6


shebone
hallo marion

bei mir war meine kur der anfang eines bisher erfolgreichen weges für mich und meine eigene person.hätt ichs nicht getan wäre ich niemals rausgekommen aus meiner krankhaften selbstlosigkeit.ich selbst brauchte hilfe.nicht nur mein kranker angehöriger.das klingt hart,ist es aber nicht.denn nur gesund kann ich auch für andere da sein.auch mein mann ist mehr wie glücklich das ich es gewagt habe damals.hätt ichs nicht getan wäre unsere ehe zum scheitern verurteilt gewesen.muß bei dir nicht so sein.so war es bei mir.meine erfahrung.nimm dich wichtiger,das kann man lernen,so blöd es sich auch anhört

lg shebone

16.09.2010 08:17 • #7





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