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Konsum, um sich besser zu fühlen

Buddhi

Ich habe bei mir ja schon vor langer Zeit festgestellt, dass ich oftmals zu Impulskäufen neige, wenn es mir nicht gut geht und die Depressionen mal wieder hart zuschlagen. Dass solche Belohnungskäufe vor allem wegen der Dopamin-Ausschüttung glücklich machen, hat die Forschung zu Genüge bewiesen. Und erwiesenermaßen setzt dann irgendwann hinterher, wenn der Kick vergangen ist, die Ernüchterung ein. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft es mir in der Vergangenheit so ergangen ist.

Kennt ihr das auch? Wann habt ihr euch das letzte Mal mit einem Kauf (vielleicht auch Impulskauf) für etwas belohnen oder entschädigen wollen? Und wir habt ihr euch hinterher gefühlt?

Dieser Tage bin ich echt froh, dass ich die dämlichen Black Fridays ohne Käufe überstanden habe. Liegt vermutlich auch daran, dass ich mich schon seit ein paar Jahren mit Minimalismus befasse und auch schon viele der Philosophien in mein Leben implementieren konnte. Hätte mir z.B. jetzt gerne ein paar Blu-rays gekauft, habe mit dem Kauf aber gewartet und mir erst mal genau überlegt, ob ich das Zeug wirklich brauche oder ob ich mich hinterher schlecht fühlen würde, wenn ich das Geld ausgegeben habe. Und tatsächlich war ich von Letzterem überzeugt. Das Glücksgefühl hätte nur kurz angehalten. Deswegen bin ich wirklich ein bisschen stolz auf mich, dass ich in letzter Zeit diesen Konsumversuchungen immer öfter widerstehen konnte.

06.12.2021 03:47 • x 6 #1


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Feindbild

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Bei mir ist das ähnlich. Ich kaufe oft spontan etwas, wenn's mir emotional nicht gut geht. Meistens sind das Kleinigkeiten, die kaum ins Gewicht fallen. Am Wochenende war's ne Handyhülle, die DVD Edition von Bezaubernde Jenny und ein T-Shirt mit Spruch. Mich lenkt das stöbern von negativen Gedanken ab. Ein schlechtes Gewissen habe ich dabei selten. Ich kaufe oft auch gar nichts für mich, sondern überrasche meine Frau mit irgendwas, das sie vorher mal erwähnt bei Gelegenheit haben zu wollen - wie die DVD Edition.

06.12.2021 15:17 • x 5 #2



Hallo Buddhi,

Konsum, um sich besser zu fühlen

x 3#3


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Kitten

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Zitat von Buddhi:
Kennt ihr das auch? Wann habt ihr euch das letzte Mal mit einem Kauf (vielleicht auch Impulskauf) für etwas belohnen oder entschädigen wollen? Und wir habt ihr euch hinterher gefühlt?

Interessantes Thema! Ich kann mich sehr gut identifizieren, was du so schreibst und erzählst.

Bei mir ist es auch so, dass ich ab und zu Käufe tätige, um ein Frust- oder negatives Gefühl zu überspielen. So ist dies gerade letzte Woche passiert, nachdem ich einen enttäuschenden Bescheid erhalten habe. War sehr wütend an diesem Tag und habe mir etwa 3 Sachen gegönnt. Das waren kleinere Dinge, u.a. Bücher. Oft ist es so, dass ich mir ein paar Bücher aufs Mal bestelle oder im Laden kaufe. Bei dir sind es Filme. Es können auch Klamotten sein oder andere Artikel. Zum Glück konnte ich das in den letzten 1-2 Jahren ziemlich einschränken. Ich habe mir sämtliche Käufe auch meist länger überlegt und stark reflektiert, ob ich das Ding wirklich brauche. An Black Friday war ich zum Glück resistent und habe - wie du - nicht zugeschlagen!

Nun zum Gefühl danach: Kurzfristig stellt sich ein gutes Gefühl ein. Aber dies dauert maximal 1-2 Tage bei kleineren Dingen. Danach erfreue ich mich nicht mehr so am Neuzugang. Es ist also bereits sowas wie gleichgültig geworden. Anders bei grösseren Anschaffungen: Da hält wohl die Freude länger an. Oder das Schuldgefühl, wenn ich merke, ich hätte es gar nicht kaufen sollen....

06.12.2021 16:42 • x 3 #3


Träumer59

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Ich finde auch, dass das ein interessantes Thema ist. Natürlich springt das Dopamin-Belohnungssystem an, wenn man sich was Neues kauft, das ist wie Beute machen. Und leider hält das bei mir auch nur 1-2 Tage.
Aber, ich habe für mich herausgefunden, wie die Freude und das gute Gefühl wesentlich länger halten: Indem ich erstens nicht sofort kaufe, sondern vorher überlege und ausschliesse. Das gibt mir eine gewisse Vorfreude. Und ich kaufe in den meisten Bereichen dann nichts Billiges, sondern eher hochwertige Sachen, die auch in 10 Jahren noch Freude machen. Dann behandelt man die Sachen auch ganz anders, eben wie Wertgegenstände, und nachhaltiger ist es sowieso. Und jedesmal wenn man den Gegenstand in die Hand nimmt, stellt sich das gute Gefühl wieder ein.
Daher habe ich lieber weniger, aber gute Qualität.

06.12.2021 17:10 • x 2 #4


Bollefix

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Ich kaufe mir dann ein Stück Kuchen oder etwas Süsses. Oder ich gehe einen Kaffee trinken. An Läden komme ich selten vorbei. Wenn ich dagegen an Läden mit Hundesachen vorbeikämen, dann sähe es finster aus!
LG Bollefix

06.12.2021 18:46 • x 2 #5


Buddhi

Zitat von Bollefix:
Ich kaufe mir dann ein Stück Kuchen oder etwas Süsses. Oder ich gehe einen Kaffee trinken. An Läden komme ich selten vorbei.

Das ist genau das, was ich meine! Ich glaube, man ist mittlerweile durch die ständige Verfügbarkeit materieller Dinge so weichgekocht, dass man die kleinen Dinge kaum noch genießen kann.

Aktuell lerne ich auch, mich mehr an Genuss-Dingen zu erfreuen. Zum Beispiel nehme ich mir mehr Zeit für meine Tasse Kaffee, lege die Füße hoch und mache nebenbei nichts anderes, als einfach nur ein bisschen zu sinnieren. Oder was anderes: Seit ich mich vegan ernähre, befasse ich mich wesentlich mehr mit der Qualität von Lebensmitteln, was eben dazu. führt, dass ich mal etwas mehr für ein gescheites Olivenöl oder dergleichen ausgebe.

06.12.2021 20:30 • x 1 #6


Buddhi

Zitat von Kitten:
Oft ist es so, dass ich mir ein paar Bücher aufs Mal bestelle oder im Laden kaufe. Bei dir sind es Filme.

Waren bei mir lange Zeit tatsächlich auch Bücher, dann hat es sich mehr Richtung Filme entwickelt. Online-Shopping ist natürlich noch mal doppelt tricky, weil da eben die Barriere wegfällt, aus dem Haus und in Läden gehen zu müssen. Ich habe auch schon viel zu oft, bei solchen Aktion zugeschlagen, bei denen man zu einem guten Preis eine bestimmte Mange nehmen muss. Beim großen Versandriesen gibt es immer mal solche 10-Blu-rays-für-50Euro-Aktionen - mit dem Ergebnis, dass ich nun etliche Filme im Regal stehen habe, von denen ich nicht weiß, ob ich sie überhaupt mehrfach gucken werde.

Das mit der Freude danach kann ich sehr gut nachvollziehen. Meist liegen die Filme ein paar Tage auf meinem Schreibtisch, und dann packe ich sie ins DVD-Regal. Und tatsächlich ist es so, dass die Filme, die mich wirklich interessieren, vorher schon im Player landen.

Aber gut, dass du mittlerweile potenzielle Neukäufe mehr reflektierst! Dazu bin ich zum Glück auch übergangen, was mich sicherlich einiges an Geld gespart hat.

06.12.2021 20:41 • x 1 #7


Buddhi

Zitat von Träumer59:
Aber, ich habe für mich herausgefunden, wie die Freude und das gute Gefühl wesentlich länger halten: Indem ich erstens nicht sofort kaufe, sondern vorher überlege und ausschliesse. Das gibt mir eine gewisse Vorfreude. Und ich kaufe in den meisten Bereichen dann nichts Billiges, sondern eher hochwertige Sachen, die auch in 10 Jahren noch Freude machen.

So halte ich es mittlerweile auch und fahre damit sehr gut.

Ich muss auch sagen, dass die letzten größeren Anschaffungen, die sinnvollsten waren, die ich in jüngster Zeit getätigt habe. Zum einen hatte ich mir dieses Jahr endlich mal einen Kaffeevollautomaten geholt, was ich schon länger geplant hatte, und zum anderen einen elektrisch höhenverstellbaren Schreibtisch. Beides benutze ich täglich, und besonders der Schreibtisch ist momentan (wegen meiner OPs und weil ich deswegen nicht so viel sitzen kann) äußerst hilfreich.

Die kleineren Dinge hingegen, die ich sich mit der Zeit so anhäufen, brauche ich im Grunde nicht. Und genau diese Käufe werde ich in Zukunft immer weiter einschränken.

06.12.2021 21:16 • x 1 #8


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blue_

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Ich kann mit Konsum so gar nichts anfangen.

Ich fühle mich danach auch nicht besser. Manchmal kann es mich sogar mehr belasten.

Für mich kann ich sagen

weniger ist mehr

06.12.2021 22:31 • x 2 #9


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Mira13

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Das Thema ist interessant.
Und ich kenn es natürlich auch... shoppen z.B. Das war jedoch früher so.
Man kann auch Essen (zuviel) konsumieren.
Irgendwann stellte sich jedoch die Ernüchterung immer schneller ein, nach dem Hochgefühl.

07.12.2021 14:09 • x 2 #10


Tierliebe

Bei mir ist eher so , das es mir ein Hochgefühl schenkt wenn ich meinem Mann
irgend etwas schönes kaufen gehe. Dann gleich mehrere Sachen die er selbst sich nicht gönnen will.
Ich gehe dann los kaufs ihm und bin richtig gut drauf ,da ich ihm eine Überraschung ,eine Freude machen kann.

Oder , ich ziehe los und kauf unserer Hündin mal wieder was schönes.
Neulich einen neuen Wintermantel gekauft obwohl sie schon einen hat, diesmal aber ein richtig süßes Teil .
Ein Wendemantel in Schwarz und Leolook und hinten mit Faketäschen. Dann neue Blinkis dazu, die passende Flexileine
zu den Farben der Blinkis für die dunkle Jahreszeit. Ist jetzt ihre vierte Flexileine, etliche Geschirre und und und.
Und eine ganz Spielzeugkiste hat sie voll . Meinen Mann passt das nicht, aber mir egal. Gekauft wirds trotzdem

07.12.2021 20:11 • x 2 #11


Bollefix

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Ich kaufe Spielzeuge und Apportel für die Hunde

07.12.2021 20:13 • x 2 #12


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Lilly-18

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Das Thema Konsum beschäftigt mich auch sehr. Die letzten Jahre war für mich Konsum auch immer eine Belohnung, weil ich immer sparen musste. Deshalb war es für mich etwas besonderes, wenn ich mir was leisten konnte.
Andererseits genieße ich es auch, auf etwas zu sparen und wenn ich das Geld zusammen habe mir diesen Wunsch erfüllen zu können. Das sind meistens Projekte an meinem Haus, die ja nicht ganz billig sind und an denen ich mich dann jeden Tag erfreue. Schließlich verschönere ich mein Zuhause.
Was mir richtig Stress macht sind sogenannte Rabattaktionen. Das versetzt mich richtig in körperliche Unruhe. Black Friday, Black Week, Schlussverkauf, Ausverkauf. Doch inzwischen habe ich es besser drauf, damit umzugehen.
Ich versuche es z.B. komplett zu vermeiden, etwas zu bestellen. Ständig bekomme ich Nachrichten hier gibt es 20 % auf alles, dort gibt es nur noch heute einen bestimmten Artikel. Ich frage mich dann, brauche ich das wirklich? Was ist wenn ich es mir nicht kaufe, wird es mir fehlen?
Oder die Werbung im Briefkasten. Einerseits finde ich es gut, zu wissen wo es was im Sonderangebot gibt. Ich kaufe oft danach ein und bestimmte Dinge kaufe ich NUR im Angebot. Aber es ist auch Stress, die Prospekte alle durchzuschauen. Das weckt Bedürfnisse, die man sonst gar nicht hätte.
Es ist schon sehr schwierig, eine Balance zu finden und sich nicht einwickeln zu lassen von irgendwelchen Versprechungen. Wie gesagt, ich weiß dass es auch mit sehr wenig Konsum geht, ohne dass mir etwas fehlt, aber ab und zu brauche ich auch das Gefühl, mir etwas zu gönnen.

07.12.2021 20:39 • x 2 #13


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blue_

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Zitat von Lilly-18:
Was mir richtig Stress macht sind sogenannte Rabattaktionen. Das versetzt mich richtig in körperliche Unruhe. Black Friday, Black Week, Schlussverkauf, Ausverkauf. Doch inzwischen habe ich es besser drauf, damit umzugehen.

das alles lässt mich völlig kalt. Wenn ich nichts brauche, dann brauche ich nichts, da kann das Ding noch so günstig sein.

Zitat von Lilly-18:
Ständig bekomme ich Nachrichten hier gibt es 20 % auf alles, dort gibt es nur noch heute einen bestimmten Artikel.


Ganz, ganz schrecklich. Ich mag keine aufdringliche, lästige, störende, ungefragte Informationen.

Zitat von Lilly-18:
Aber es ist auch Stress, die Prospekte alle durchzuschauen. Das weckt Bedürfnisse, die man sonst gar nicht hätte.


Ja Stress, absoluter Stress mich von solchen Prospekten belagern zu lassen. Dinge, die mich in keiner Weise interessieren. . . Bedürfnisse, die vollkommen fern von mir liegen. Ich fühle mich dann dermaßen genötigt, deswegen landen solche Dinge mittlerweile auch sofort in der Tonne. Keine Minute möchte ich mich damit befassen.

Zeit hingegen ist für mich das kostbarste Gut. Deswegen ist es mir wichtig meine Zeit sinnvoll zu nutzen.
Gut fühle ich mich, wenn ich meinen Tag konstruktiv leben konnte.

07.12.2021 21:00 • x 3 #14


Buddhi

Zitat von blue_:
Ich fühle mich danach auch nicht besser. Manchmal kann es mich sogar mehr belasten.

Kann ich absolut verstehen!

Ich habe auch schon viel zu viel auf diesen oder jenen Anschaffungen rumgedacht und mich dann hinterher geärgert, dass ich dafür so viel Zeit investiert habe. War meist bei Elektrogeräten der Fall. Aber am Ende ist es auch nur Kram, den man weiß Gott nicht mit ins Grab nimmt.

08.12.2021 04:27 • x 2 #15



Hallo Buddhi,

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Buddhi

Zitat von Lilly-18:
Das sind meistens Projekte an meinem Haus, die ja nicht ganz billig sind und an denen ich mich dann jeden Tag erfreue.

Das ist doch eine schöne Sache! Und wenn du dich täglich daran erfreuen kannst und/oder diese Dinge einen Zweck erfüllen, der deinem Leben einen Mehrwert gibt, dann ist es auch kein überflüssiger Kram, den man eigentlich nicht braucht.

08.12.2021 04:29 • x 1 #16

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