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Kollegen raten zur Dienstunfähigkeit, was tun?

MichaelB_

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Hallo Forum,

tja, mein erster Eintrag hier.
Kurz zur mir: Bin 1966 geboren und Verwaltungsbeamter im gehobenen Dienst beim Bund.

Meine erste behandelte Depression war 1994, seit der Zeit habe ich immer wieder rezividierende Episoden unterschiedlicher Dauer und Schweregrade. Kritisch war ein Phase um die Jahrtausendwende von ingesamt etwa drei Jahren, in denen ich zwei Rehas hatte. Mit Wiedereingliederung die fast schief gefangen wäre und die erste Dienstunfähigkeit drohte. Diagnose: Neurose, Erschöpfungdepression, dann akute Depression (Sofort in die Reha gekommen). Irgendwie habe ich es geschafft. Zu dem Zeitpunkt war die Devise auch Rehabitilation vor Zurruhesetzung.

Die folgenden Jahre hatte ich immer wieder mittelschwere und drei schwere depressive Episoden. In den letzten Jahren kamen vermehrt Winterdepressionen hinzu, nicht jeder Winter hartnäckig, aber spürbar. Hier hilft mir Vitamin D, B9, B12, Johanniskraut (wenn leicht) oder ein Antidepressiva (mittelschwer/schwer), Tageslichtlampen, Spaziergänge.

Im Jahr 2017 hatte ich nach langer Zeit wieder eine Reha beantragt und genehmigt bekommmen. Es lief danach, bis auf die Winterdepressionen und gelegentlichen Einbrüchen relativ gut. Meist bekomme ich ein SSRI verschrieben; da war ein lange Zeit Citalopram.

Alles in allem während meiner beruflichen Laufbahn sind 8 depressive Episoden zusammengekommen. Davor, während des Verwaltungstudiums war auch eine Phase, die unbekandelt bliebt und ich damals auf Stress schob. Auch nach Ende des Abi war so eine Phase, Depression war mir und meinen Eltern unbekannt. Es ging nachdem ich Ersatzdienst leistete.

Aktuell bin ich wieder seit Mitte November krankgeschrieben. Diesmal ist es Escitalopram, Diagnose Depressive Epsisodem nicht näher bestimmt Der behandelte Arzt rät zu einer vierten Reha und seitens des Arbeitgebers ist mir eine BEM angeboten worden. Mein Arzt meinte ich könne ab nächsten Monat es mit zunächst 4h täglich versuchen, nächster Termin ist Ende dieser Woche.

Nun das Problem was mich beschäftigt: Kollegen sind die vielen depressiven Phasen nicht entgangen. Auch Vorgesetzen nicht. Ein ehemaliger Vorgesetzter, der nicht mehr im aktiven Dienst ist, sieht meine Probleme und meinte eher beiläufig und ohne es böse zu meinen, angesichts meines häufigen Erkrankungen zu überlegen wie lange ich noch im Dienst bleiben könne. Sprich ich sei wohl in absehbarer dienstunfähig. Kollegen aus der Dienststelle sagten mir etwas ähnliches, da sie sehen wie oft ich damit zu kämpfen habe.

Das hat mich etwas geschockt

In der Tat wird es von Jahr zu Jahr schwieriger den Anforderungen standzuhalten. Immerhin habe ich es bis in die A12 geschafft, weiter komme ich nicht mehr, Bisher kam ich irgendwann wieder aus den depressiven Episoden raus. Doch der Zweifel an mir selbst ist da, wie lange ich tatsächlich noch standhalten kann. Alles in allem habe ich noch gut 7 Jahre bis 63. Angesichts der langen Dienstzeit von etwas über 30 Jahren überlege ich auf eine 4-Tagewoche zu gehen. Doch auch das mag mir irgendwann nicht mehr helfen. Mein behandlender Arzt will noch neben einem Antidepressiva Lithiumsalz probieren. Das Lithium werde ich einnehmen.

Ein Beamter gilt dann als Dienstunfähig wenn er innerhalb eines halben Jahres mehr als drei Monate keinen Dienst getan hat und keine Aussicht auf Besserung besteht. Von der Prognose her falls die angedachte Wiedereinglierung fehltschlägt würde mein Arzt mich krank in die Reha senden. D.h. die Fristen beginnnen gegen mich zu laufen und früher oder später muss ich zum Gesundheitsamt bzw. Amtsarzt.

Wie seht ihr das? Ist es wirklich um mich so schlimm bestellt das ich mich mit einer vorzeitigen Ausscheiden aus dem Dienst abfinden sollte? Bisher habe ich alles getan um Dienstfähig zu bleiben, ich möchte mich wenigstens bis Ende 50 halten, doch ich ich ehrlich gesagt nicht mehr ob ich das noch packe. Gerade wenn andere anfangen an mir zu zweifeln und mir den Rat geben mich mit einer Dienstunfähigkeit abzufinden. Es stimmt schon, ich habe da einiges auf dem Buckel. Aber ich zweifele auch ob das beim Amtsarzt reicht. Nichts wäre schlimmer ich müsste irgendwann wieder zurück in den Dienst, wenn ich monate- oder jahrelang ausgefallen wäre.

Ratlos

Micheal

18.01.2022 10:31 • #1


Hexe4269

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@MichaelB_

Ich würde mich nicht gegen Dienstunfähigkeitbwehren.
Was bringt dir die Quälerei? Lebensqualität ist so wichtig! Nachdem, was ich lese, hast du diese nicht mehr!
Auch solltest du nicht auf deine Kollegen hören, sondern dich selbst fragen was dir gut tut.
Sie mögen es gut meinen, aber letztendlich musst du für dich entscheiden!
Setze dich mit dieser weitreichenden Entscheidung nicht zu sehr unter Druck! Was sagt dein Bauchgefühl?
Ich kann das alles 1:1 nachvollziehen. Momentan stehe ich auch vor der Entscheidung, meinen Betrieb zu verkaufen oder wieder zu arbeiten. Ich habe mich entschlossen, wenn mein Fuß wieder heile ist, erst mal für 4 Stunden wieder zu arbeiten um zu sehen, was das mit mir macht. Erst dann werde ich mich entscheiden.

Ich wünsche dir alles Gute!

18.01.2022 10:56 • #2



Hallo MichaelB_,

Kollegen raten zur Dienstunfähigkeit, was tun?

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MichaelB_

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Zitat von Hexe4269:
@MichaelB Sie mögen es gut meinen, aber letztendlich musst du für dich entscheiden!
Setze dich mit dieser weitreichenden Entscheidung nicht zu sehr unter Druck! Was sagt dein Bauchgefühl? [/pid]


Danke für deine Wünsche

Ja, das ist wohl wahr.

Mein Bauchgefühl sagt mir bis 63 halte ich es definitv nicht mehr durch. Vielleicht noch 2-3 Jahre.

Offengestanden weiß ich aber nicht ob mein jahrzehntelanges Krankheitsbild von einen Amtsrzt als so schwerwiegend eingeschätzt wird dass ich gehen muss. Da Depression phasenweise sind mag es sein das der Dienstherr / Amtsarzt sagt ich müsse in jedem Fall wieder kommen.

Vielleicht hat jemand im Forum auch so häufig damit zu tun gehabt und arbeitet entweder noch oder ist nicht im im aktiven Dienst.

Gruß

Michael

18.01.2022 11:11 • x 1 #3


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Jana7

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Hallo,

das Angebot mit den 4h ist doch eigentlich gut. Der Übergang zur Pension wäre weicher.
Bist Du sicher, dass Du im Ruhestand nicht noch depressiver wirst? Weißt Du was mit Dir anzufangen?
Hast Du Hobbies, Freunde?

Irgendwie fragte ich mich beim Lesen, ob Du denn kein wirklich passendes Medikament hast.
Du hast Antidepressiva während der Episoden genommen und dann stets abgesetzt?
Ich würde allerdings selbst nicht durchgehend, jahrzehntelang Antidepressiva's nehmen wollen.

Trotzdem - man scheint keines gefunden zu haben, was Dir hilft.
Vllt. würdest Du doch länger arbeiten wollen, wenn Du endlich ein Antidepressiva findest, das hilft.
Das könntest Du dann ja jedes Mal nehmen.
Es gibt wirklich sehr viele Medikamente.
Manchmal helfen nur Kombinationen.

18.01.2022 12:30 • #4


MichaelB_

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Hallo Jana,

bin ich nicht auf ein schnelles Dienstende vorbereitet. Um saisonalen Depression vorzubeugen bin ich bei verschiedenen Sport- und Wandergruppen als Teilnehmer. Tatsächlich habe ich einem Verein dann und wann ausgeholfen und bin der Städtepartnerschaft gefragt worden.

Zu den Medikamenten:
In schwachen Phasen war Jarsin, bis 1500mg. Das genügt schon lange nicht mehr im Winter oder Prophylaxe.

Mitte 1990-2010 war es meist Mirtazapin

Seit 2010 Citalopram bzw jetzt Escitalopram.

Testhalber bei Schlafstörungen Valdoxan.

Es gibt mal wieder Phasen die an sich gut laufen. Dann schleichen wir das SSRI aus. Es ist manchmal nicht genau vorhersehbar wann eine depressive Episode kommt.

Deshalb aktuell die Überlegung dauerhaft Lithiumsalz einzusetzen.

Es geht ja nicht um das arbeiteb wollen, solange es geht natürlich. Es geht darum wie lange ich das noch durchhalten kann. Bin bald 56 im nächsten Monat.

Michael

18.01.2022 12:59 • #5


MichaelB_

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Je mehr ich gegoogelt habe bin ich mir nicht sicher ob das was meine Kollegen wohlmeinend sagten überhaupt geht.

Depressionen sind in der Regel nicht chronisch. Hatte akute und schwere Phasen, die jetzige ist mittelschwer. Stabil bin ich noch nicht, es gibt Tage die sehr schlecht laufen.
Nächsten Monat, in dem ich 56 werde, soll sie Wiedereingliederung mit 4h täglich beginnen. Ich weiß noch nicht ob ich das schaffe.

Tatsächlich reiße ich ab März die ersten 90 Tage, gehe ich krank in die Reha dann bin ich vermutlich über ein halbes Jahr krank geschrieben.

Was die Prognose nach der Reha ist kann heute keiner wissen. Die Bedingungen des Gesetz sagen es muss keine Aussicht auf Besserung bestehen. Dann erst wäre Dienstunfähigkeit vom Amtsarzt festzustellen. Es hängt von einer Person ab? Wenn ich Arzt oder Arbeitgeber wäre würde ich selbst strenge Maßstäbe anlegen.

Die nächste Hürde ist ein Reaktivierungsversuch nach zwei Jahren.

Und sann wieder mit zwei Jahren, bis 63. Mindestens zwei Reaktivierungen.

Klingt nach Stress, Spießrutenlauf, sich Verdächtigungen von Faulheit wehren.

Letztlich muss ich es versuchen Fuß zu fassen, möchte ich auch. Dennoch nagt in mir der Zweifel es nicht mehr packen zu können.

Irgendwie bin ich sehr unsicher.

Glaube nicht das meine Kollegen recht haben, obwohl ich soviele Krankheitsphasen durchlaufen habe. Gehe es so weiter kommt die 10., 11,.12. depressive Episode. So oder so, entgehen kann ich denen nicht.

Gruß Michael

19.01.2022 10:09 • #6


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Mabaja

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Hallo Michael,
nee, da ist einiges durcheinander geraten. Ich hab gerade nicht die Zeit, um alles zu sortieren, aber werde es später nachholen und dir von meinen eigenen Erfahrungen berichten.
Schonmal vorweg: Der Amtsarzt entscheidet nicht über deine Dienstfähigkeit, sondern allein der Dienstherr.

Bis später,
Mabaja

19.01.2022 13:44 • x 1 #7


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Mabaja

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Zitat von MichaelB_:
Doch der Zweifel an mir selbst ist da, wie lange ich tatsächlich noch standhalten kann.

Das verstehe ich so, dass du dich momentan in guten Phasen durchaus für dienstfähig hältst.

Zitat von MichaelB_:
Ein Beamter gilt dann als Dienstunfähig wenn er innerhalb eines halben Jahres mehr als drei Monate keinen Dienst getan hat und keine Aussicht auf Besserung besteht.

Die Aussicht auf Besserung bezieht sich auf die folgenden sechs Monate nach der amtsärztlichen Untersuchung. Es geht darum, ob es Behandlungsmöglichkeiten gibt, mit denen innerhalb der sechs Monate deine Dienstfähigkeit wiederhergestellt werden könnte.

Zitat von MichaelB_:
Wie seht ihr das? Ist es wirklich um mich so schlimm bestellt das ich mich mit einer vorzeitigen Ausscheiden aus dem Dienst abfinden sollte?

Dies kann man aufgrund deiner Angaben nicht einschätzen. Dienstunfähigkeit ist ja nicht das gleiche wie Arbeitsunfähigkeit. Wie wirken sich deine psychischen Krankheiten auf deinen Dienst aus? Wie wirkt sich dein Dienst auf deine Psyche aus?

Zitat von MichaelB_:
Offengestanden weiß ich aber nicht ob mein jahrzehntelanges Krankheitsbild von einen Amtsrzt als so schwerwiegend eingeschätzt wird dass ich gehen muss. Da Depression phasenweise sind mag es sein das der Dienstherr / Amtsarzt sagt ich müsse in jedem Fall wieder kommen.

Zitat von MichaelB_:
Was die Prognose nach der Reha ist kann heute keiner wissen. Die Bedingungen des Gesetz sagen es muss keine Aussicht auf Besserung bestehen. Dann erst wäre Dienstunfähigkeit vom Amtsarzt festzustellen. Es hängt von einer Person ab?

Ja, es hängt von einer Person ab. Das ganze Verfahren hängt von einer Person ab: Der Dienstherr leitet die amtsärztliche Untersuchung ein und entscheidet nach dem Gutachten des Amtsarztes.

Zu meiner Situation:
Ich bin seit 2019 im Ruhestand wegen Dienstunfähigkeit. Ich bin dein Jahrgang und Beamtin im mittleren Dienst. Mein Dienstherr schickte mich zur amtsärztlichen Untersuchung. Dort machte man große Augen, weil ich keine Fehlzeiten hatte. Fazit: dienstfähig.
Der wahre Hintergrund war ein sozialer Konflikt mit meinem Vorgesetzten. Dies wurde vom Amtsarzt schnell durchschaut.
Trotz des Konfliktes war ich 22 Monate lang jeden Tag zum Dienst gegangen. Aufgrund des Konfliktes musste ich versuchsweise die Dienststelle wechseln. Den Versuch musste ich irgendwann abbrechen, weil ich das Trauma durch den sozialen Konflikt nicht bewältigen konnte. Während des Konfliktes war ich Isolationsfolter ausgesetzt. Dieses Trauma führte zu Depression, Angststörung, Schlaflosigkeit, Herz-Kreislauf-Probleme und vieles mehr.
Nach dem Abbruch wurde ich für ein Jahr freigestellt. Danach folgte erneut eine amtsärztliche Untersuchung auf Dienstfähigkeit, obwohl ich ja wieder keine Fehlzeiten hatte. Diesmal zog der Amtsarzt einen psychiatrischen Gutachter hinzu. Fazit: Derzeit nicht dienstfähig, aber mit Therapie und Reha wäre einiges möglich. Es wurde auch eine exakte Angabe gemacht, welche Anforderungen ein zukünftiger Arbeitsplatz erfüllen müsse.

Der Dienstherr entschied wenige Tage nach dem Gutachten: Nö, das wird nix mehr, also Ruhestand. Mein Anwalt ging dagegen an, weil im Gutachten ja etwas ganz anderes prognostiziert wurde - aber das störte meinen Dienstherrn nicht.

Zitat von MichaelB_:
Die nächste Hürde ist ein Reaktivierungsversuch nach zwei Jahren.

Und sann wieder mit zwei Jahren, bis 63. Mindestens zwei Reaktivierungen.

Klingt nach Stress, Spießrutenlauf, sich Verdächtigungen von Faulheit wehren.

Die Personalstelle schrieb mich alle paar Monate an und fragte nach dem Gesundheitsstand - nicht erst nach zwei Jahren. Letztes Jahr (Juli) erfolgte eine weitere amtsärztliche Untersuchung. Diesmal wieder ohne psychiatrisches Gutachten. Diesmal entschied der Amtsarzt auf dauerhafte Dienstunfähigkeit, weil keine Aussicht auf Besserung der körperlichen Erkrankungen besteht. Reaktion des Dienstherrn auf das Gutachten: keine Reaktion. Ich weiß bis heute nicht, ob ich nun dauerhaft im Ruhestand bin oder in Bälde die nächste Nachfrage von der Personalstelle kommt.

Du siehst, es gibt etliche Variationen, wie so ein Verfahren laufen kann. Es kommt darauf an, wie wohlgesonnen dir dein Dienstherr ist.

Die Reaktivierungen sollen ja hauptsächlich dir dienen, damit du noch Dienstjahre ansammeln kannst. Du bist ja verpflichtet, der Personalstelle mitzuteilen, wenn du wieder gesund bist und dich für dienstfähig hältst. Sie kann dann die entsprechende Untersuchung einleiten. Du als Privatperson kannst das nicht.

Soweit erstmal ...

20.01.2022 03:03 • x 1 #8


MichaelB_

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Guten Morgen, danke schön. Melde mich noch. Vorab bin ich betroffen was dir da mit Isolation und Ausgrenzung passiert ist. Der Vorgesetzte gehört abgelöst, aber ich weiß ja wie das ist.

Zu deinen Fragen an mich antworten ich noch.

Michael

20.01.2022 05:53 • x 1 #9


MichaelB_

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Über deine Fragen musste ich nachdenken.

Zitat von Mabaja:
Das verstehe ich so, dass du dich momentan in guten Phasen durchaus für dienstfähig hältst.


Betrachte ich die letzten ca 25 Jahre gab es Phasen, gar Jahre, in denen es eigentlich ganz gut lief.

Zitat von Mabaja:
Dies kann man aufgrund deiner Angaben nicht einschätzen. Dienstunfähigkeit ist ja nicht das gleiche wie Arbeitsunfähigkeit. Wie wirken sich deine psychischen Krankheiten auf deinen Dienst aus? Wie wirkt sich dein Dienst auf deine Psyche aus?


Auswirkungen auf den Dienst: Nun ja.... schwierig, ich bin in den letzten 15 Jahren deswegen zweimal umgesetzt worden auf einen anderen Dienstposten. Während der Depri-Phasen konnte ich jedoch noch mit eigener Kraft und Hilfe von Kollegen durchaus noch verwertbare Ergebnisse für die Dienststellle erbringen.
Wie wirkt der Dienst auf mich? Zur Zeit muss ich sagen zieht er mich mit runter. Solange ich ja noch krank geschrieben bin bin ich keiner Belastung ausgesetzt. Ein wenig Sorge habe ich wenn die Wiedereingliederung beginnt, ob ich die packe oder abbrechen müsste.

Zitat von Mabaja:
Die Aussicht auf Besserung bezieht sich auf die folgenden sechs Monate nach der amtsärztlichen Untersuchung. Es geht darum, ob es Behandlungsmöglichkeiten gibt, mit denen innerhalb der sechs Monate deine Dienstfähigkeit wiederhergestellt werden könnte.


OK, dann habe ich ja etwas Zeit mich in der Wiedereingliederung zu fangen. Im Moment wäre ich auf eine drohende Dienstunfähigkeit gar nicht vorbereitet. Bin ja durch den Ersatzdienst und das Verwaltungsstudium mehr als 30 anrechenbare Diensteiten im öD - ich kenne gar nichts anderes als arbeiten 5 Tage die Woche und Vollzeit. Das wäre ein Einschnitt mit dem ich klar kommen müsste.

Was ich mir jedoch selbst eingestehen muss: die Häufigkeit der depressiven Episoden, darunter schwere Verläufe, die zunehmende Angst mit Jüngeren mithalten zu können bringt mich irgendwie auch in Überforderungssitationen. Bislang hatte ich mir gesagt: du weißt , das geht vorbei. Nimm Medikamente, mach Sport, zwing dich zu Aktivtäten, zwing dich in den Dienst. Achte auf Regelmäßigkeiten: Aufstehen zur normalen Zeit, Essen, nicht auf die Couch zurückziehen. Im Moment reicht das nicht mehr... Das neue SSRI hat zudem seine Nebenwirkungen.

Im Moment sehe ich in einen Tunnel und weiß nicht mehr ob ich da raus komme. Im Moment hoffe ich die Reha wird mir helfen. Genehmigung ist wahrscheinlich easy, da die letzte 2017 war, also mehr als 4 Jahre her ist.

Michael

20.01.2022 09:01 • x 1 #10


MichaelB_

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Zitat von Mabaja:
Ich weiß bis heute nicht, ob ich nun dauerhaft im Ruhestand bin oder in Bälde die nächste Nachfrage von der Personalstelle kommt.


Dazu möchte ich die was schreiben: Klingt nicht schön, so als ob du in der Schwebe bist.
Ein Klassenkamerad ist Lehrer und hatte über ein Jahr auf die Versetzung in den Ruhestand gewartet, hier ist es ein orthopädisches Problem (er war auch Sportlehrer). Er hat den Antrag auf Prüfung der Dienstfähigkeit gestellt.

Gruß

Michael

20.01.2022 09:56 • #11


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Oli

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Hallo, @MichaelB_ ,

hast Du schonmal mit Deiner (örtlichen) Schwerbeinderzenvertretung gesprochen?

In der Regel helfen die Schwerbehindertenbeauftragten auch weiter, wenn Du nicht von Schwerbehinderung betroffen bist.

Die Schwerbehindertenvertretung - so meine Erfahrung - berät Dich insofern unabhängig, als sie die Situation ohne eigenes Interesse betrachten kann. Der Rat der Kolleg*innen kann ja tatsächlich aufrichtig und mitfühlend sein. Dennoch haben sie ja auch bestimmte Wünsche, beispielsweise den nach einem Kollegen, der nicht so oft ausfällt. Und dann ist der Sachverhalt eben auch recht kompliziert.

Die Schwerbehindertenvertretung kann Dich auch beraten, was das BEM und die Gespräche dazu betrifft. Sie kann auch bei einem BEM-Gespräch dabei sein. Nach meiner Erfahrung will sie das auch gerne, weil sie sonst nachher mehr Arbeit hat, wenn man sich zu spät an sie wendet.

Wenn Du Fragen zur finanziellen Versorgung hast, kannst Du Dir von Deiner Bezügestelle ausrechnen lassen, wie hoch Deine Versorgung wäre, wenn Du zu einem von Dir gewählten fiktiven Datum dienstunfähig ausscheiden würdest (das macht die Bezügestelle allerdings nur alle paar Jahre). Je nachdem, wie alt Du bist, spielt dann aber tatsächlich die Frage nach der Schwerbehinderung eine Rolle hinsichtlich der Abzüge, die Du in Kauf nehmen musst. Meines Wissens muss aber die Schwerbehinderung vor dem Eintritt der Dienstunfähigkeit festgestellt worden sein., damit die Abzüge geringer ausfallen.

Was ich hier geschrieben habe, ist vielleicht nicht überall top-korrekt. Ich weiß nämlich nicht, ob das Beamtenrecht variiert je nachdem ob Du Bundes-, Landes- oder städtischer Beamter bist.

Hauptsächlich möchte ich Dich ermutigen, Fachleute zu fragen. Vielleicht bist Du ja in einer Gewerkschaft, die eine Rechtsberatung hat oder kannst Dir eine Beratung bei einem Anwalt für Beamtenrecht gönnen. Für mich war das auch erstmal eine Hürde, weil ich ja eigentlich arbeiten möchte. Mich haben aber die Informationen der Profis weiter gebracht.

Alles Gute und viele Grüße
Oli

20.01.2022 10:00 • x 1 #12



Hallo MichaelB_,

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MichaelB_

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Hallo Oli,

danke.

Ja, neben der Sozialberatung habe ich den Schwerbehindertenvertreter gesprochen. Sie stehen mir während der anstehenden BEM zur Seite. Und ich bin in einer Gewerkschaft.

Beiden (SchwerbV und Sob) habe ich reinen Wein in Bezug auf alle meine bisherigen depressiven Phasen eingeschenkt. Nur diese beiden wissen tatsächlich wie oft, denn der jetztige Arbeitgeber ist mein Zweiter, da ich der Partnerin willen den Wohnort und den Arbeitgeber wechselte.

Der SchwerbV meinte ich hätte wohl viel die Jahre getan um im Dienst zu bleiben. Er sieht aber auch zunehmend Schwierigkeiten mich auf einen anderen Dienstposten im Hause umzusetzen, da ich bereits zweimal gewechselt habe.

Verklausuliert hieß das in etwas so dass auch nicht mehr davon aussgeht dass ich noch 7 Jahre bis zum Antrag mit 63 durchhalten werde. Er empfiehlt dringend eine Reha. Ich habe bei meiner alten Klinik angerufen, nach Eingang der Verordnung ist mit einer Wartezeit von mindestens 4 Monaten zu rechnen.

Ich weiß im Moment nicht wie lange ich das jedoch in einer Wiedereingliederung durchhalten werde. Die Sob sagte mir die Wiedereinglierung würde mir nicht nachteilig angerechnet, obwohl ich in der Zeit krank gelte.

Versteht mich nicht falsch: Ich möchte solange es geht im aktiven Dienst bleiben. Ich zweifele an mir wie lange noch. Mein Bauchgefühl sagt mir mit 58/59 ist es jedoch aus. Es gibt keine Alterteilzeit mehr, wo ich mit 61,5 in die Passivzeit gehen könnte, das läuft mWn 2024 aus,

Gruß

Micheal

20.01.2022 10:18 • #13

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