16

Kein Verständnis mehr für Freund mit Depression

Hallo zusammen,

Mein Freund leidet (ich denke schon sein Leben lang) an seiner Depression. Als wir vor 8 Jahren zusammen gekommen sind, habe ich gemerkt das etwas bei ihm nicht stimmt. Daraufhin habe ich ihm zu einer Therapie Geräten, da ich selbst damit gute Erfahrungen gemacht habe. Ich war auch immer der Meinung zu einer Therapie muss man selbst wollen und darf niemanden zwingen. Innerhalb dieser 8 Jahren hat sich die Depression immer mehr herauskristallisiert und ich habe ihm weiterhin Therapien empfohlen. Vor 3 Jahren hab ich angefangen ihm diverse Therapeuten heraus zu suchen, er hat sich nicht weiter darum gekümmert.
Vor einem Jahr habe ich dann aktiv angefangen Therapeuten anzurufen und es hat sich jetzt ein Jahr hingezogen bis er einen Platz hatte. Ich habe das alles gemacht und nehme ihm ansonsten auch alles ab (Haushalt, bei Ärzten Termine machen, Frei nehmen um Möbellieferungen anzunehmen obwohl er Zeit hätte, Bei Vermietern oder Internetprovider anrufen, ect.) Es laugt mich alles sehr aus (auch wenn ich immer Versuche Abstand zu allem zu halten um mich um mich zu kümmern). Nun steht er kurz vor seiner IHK Prüfung (da kann ich nicht helfen) und er "jammert" Rum er müsse alles unter einen Hut bekommen. Also arbeiten, lernen, Abschlussprojekt machen, seine gesundheitlichen Sachen (Migräne) usw. Mein Problem ist, ich habe kein Verständnis mehr, andere müssen auch lernen und währendessen arbeiten evt noch Haushalt /Kinder unter einen Hut bekommen.
Ich weiß das es einem depressiven Menschen schwer fällt solche "banalen" Dinge zu Meistern, aber ich hab langsam das Gefühl er will in einem depressiven Loch hängen bleiben. Ich will für ihn da sein und Verständnis haben, weiß aber nicht wie ich das schaffen soll.
Vor allem habe ich inzwischen selbst eine leichte Depression bei der ich nicht weiß ob es "nur" eine Winterdepression ist oder vom ganzen Stress kommt.
Um jeden Ratschlag wie ich Verständnisvoller werden kann wäre ich sehr dankbar.

20.03.2019 15:52 • x 1 #1


Resi
Hallo Sojasprosse und herzlich willkommen!

Zitat von Sojasprosse:
. Daraufhin habe ich ihm zu einer Therapie Geräten, da ich selbst damit gute Erfahrungen gemacht habe. Ich war auch immer der Meinung zu einer Therapie muss man selbst wollen und darf niemanden zwingen. .

Ja, eine Therapie muß man selbst wollen.

Wenn ich mir aber diesen deinen Beitrag durchlese habe ich den Eindruck gewonnen, daß du willst, daß er eine Therapie macht, du kümmerst dich aktiv darum und ich persönlich finde, du bist weit übers Ziel hinaus geschossen, wenn du sogar Therapeuten für ihn anrufst, die Wahl eines Therapeuten ist eine ganz persönliche, wenn nicht sogar intime Angelegenheit, bei der viele Faktoren stimmen müssen.

Und dann möchte ich dich noch fragen:
Warum soll dein Freund irgendetwas ändern, wenn du ihm doch alles "abnimmst"?
Wo hat er Verantwortung, wo nimmst du ihn ernst?
Ist er so lebensuntüchtig, daß er eine Betreuerin, nämlich dich, braucht, die sich um "ALLES" kümmert?
Was siehst du in ihm?

Und:
Du bist mehr bei ihm, als bei dir- ist das nicht ein wenig distanzlos für eine gesunde Beziehung?

Ich weiß, daß klingt provokant, aber vielleicht sind das ein paar Denkanstöße für dich.

Alles Gute!

20.03.2019 16:04 • x 4 #2


Zitat von Resi:
Wenn ich mir aber diesen deinen Beitrag durchlese habe ich den Eindruck gewonnen, daß du willst, daß er eine Therapie macht, du kümmerst dich aktiv darum und ich persönlich finde, du bist weit übers Ziel hinaus geschossen, wenn du sogar Therapeuten für ihn anrufst, die Wahl eines Therapeuten ist eine ganz persönliche, wenn nicht sogar intime Angelegenheit, bei der viele Faktoren stimmen müssen.

Da gebe ich dir auch Recht, das ist ja der Grund warum ich 7 Jahre lang nichts gemacht habe. Ich wollte das er eine Therapie macht weil er es selbst wollte aber nichts gemacht hat. Ich habe meine eigenen Prinzipien (jeder muss es selbst wollen) über Bord geworfen weil er immer öfter und deutlicher über Suizid Gedanken gesprochen hat.
Ich sehe deinen Beitrag nicht als Provokation. Vielen Dank für die Antwort

20.03.2019 16:12 • x 2 #3


Zitat von Sojasprosse:
andere müssen auch lernen und währendessen arbeiten evt noch Haushalt /Kinder unter einen Hut bekommen.

ich sehe diesen Satz als den Schlüssel zu deinem Problem.
Mir persönlich stösst dieser Satz ganz übel auf. Er ist nicht wie andere, er ist nicht wie du, wäre er es, wäre er wohl gesund.

20.03.2019 16:35 • #4


Leuchtturm765
Hallo Sojasprosse,
ich finde es sehr bewundernswert, dass du das schon so lange mitmachst. Da gehört wirklich viel zu.
Ich finde es gut, dass du die Therapeuten angerufen hast. Du kämpfst scheinbar nicht nur für ihn, sondern auch für eure Beziehung.
Hast du ihm bereits deutlich gesagt, wie es dir geht?
Ich bin selber depressiv und schaffe es oft nicht, den Alltag zu bewältigen, aber eine Depression ist nicht Entschuldigung für alles, finde ich.
Liebe Grüße
Leuchtturm

20.03.2019 16:55 • x 2 #5


Alexandra2
Liebe Sojasprosse,
Ich finde Dich sehr mutig, so schonungslos zu schreiben.
Und Du bist in die Falle getappt (ich mache alles für ihn) und hast den Absprung verpasst (das wird mir zuviel), was Dir jetzt verständlicherweise 'um die Ohren' fliegt.
Wichtig ist, daß Du quasi für die erlernte Hilflosigkeit gesorgt hast. Du hast zuviel, Dein Mann zu wenig getan. Er verliert dadurch den Überblick, Strukturierung, das Tun an sich und ganz wichtig die Erfolgserlebnisse.
Auch in der Depression kann der Haushalt erledigt werden, ich kann mir keine Perle leisten.
Um den Umschwung hinzukriegen, würde ich ein Gespräch suchen.
Ich mag nicht mehr (z.B. alles alleine machen). und wünsche mir von Dir. (z.B. gemeinsam einkaufen und kochen 2x Woche). Setz Dir vorab zum Ziel, Deine minimalsten Wünsche durchzusetzen, die maximalen wären noch besser. Mache Dir Gedanken, welche Gegenwehr kommen kann:
Ich kann das nicht-dann lernst du das
Das ist mir zuviel-10 Minuten von deiner Zeit möchte ich haben
Das kann ich jetzt nicht wegen der Prüfungen- es hilft, den Kopf frei zu bekommen, wenn Du kurzzeitig etwas anderes machst. etc.

Es ist wichtig, ihn zu fordern und Dich zu fördern, daß Du Zeit/ Energie für Deine Hobbies findest. Lass los, er ist erwachsen.
Liebe Grüße Alexandra2

20.03.2019 17:40 • x 2 #6


Ylvi13
Hallo sojasprosse,
ich kann mich Leuchtturm nur anschliessen. Auch ich bin depressiv und für mich galt und gilt - Depression ist eine Krankheit und kein Freibrief.
Es ist ganz wichtig, dass du dich abgrenzt und etwas für dich tust.
Liebe Grüsse

20.03.2019 18:23 • x 3 #7


Acon
Liebe Sojasprosse,

Ich gebe Alexandra vollkommen Recht. Suche das Gespräch, fordere von ihm auch seinen Betrag für die Gemeinsamkeit ein. Eine Beziehung ist immer eine Sache von mindestens zwei Partnern. Jeder muss seinen Beitrag leisten. Prüfung hin oder her. Zu viel Rücksicht von Deiner Seite ist da total unangebracht. Du ziehst Dir da einen Pascha ran. Lege im Gespräch Wert auf klare Ansagen und auf Konsequenzen. Zeige Grenzen auf, Du bist auch nur ein Mensch und keine Maschine, die seinem, nur seinem Wohl dient.

Bitte lass Dich nicht unterbuttern, sondern vergiss Dich selbst nicht.

Ganz liebe Grüße
Andrea

20.03.2019 19:52 • x 2 #8




Ähnliche Themen

Hits

Antworten

Letzter Beitrag