Liebe monty,
vielen Dank für deinen Mut, so viel von dir zu erzählen. Das ist schon eine ganze Menge an Informationen, die du preis gibst. Ich meine zu spüren, wieviel Kraft es dich gekostet hat.
Wie man diese Anfälle unterbrechen kann, kann selbst ich dir, die so viele Jahre Therapie hinter sich hat, nicht sagen. Denn wenn ich in einem Anfall war, gab es kein Entrinnen. Und selbst heute, wenn "ES" wieder Raum einnimmt, läuft parallel ein Film ab, der mir genau analysiert, was ich da mache. Irgendwie verlaufen die Anfälle, die jetzt nur noch eher selten auftreten, ganz anders als damals. Mein Körper macht "ES" schwer. Mittlerweile meldet er sich in einem Anfall und sagt, nichts geht mehr rein. So esse ich halt nie mehr diese Mengen wie damals, als "ES" noch ganz viel Raum eingenommen hatte. Deshalb bin ich heute so stolz, das Therapie mindestens das mit "ES" und mir gemacht hat, mich wahrzunehmen, zu beobachten, zu analysieren und letzt endlich dazu zu stehen.
Es ist so vertraut und warm, wenn "ES" mich wieder beherrschen will und dann lasse ich es zu, jedoch im Hinblick darauf, dass ich mir längst nicht mehr so schade wie vor vielen Jahren.
Du kannst doch sicherlich in der Therapie ansprechen, dass du darunter leidest, dass du diese Anfälle hast. So hast du es ausgesprochen und der/die begleitende Therapeut/in wissen, was dich noch alles quält.
Eine Strategie kann ich dir auch nicht wirklich mitteilen. Ich habe für mich nicht wirklich eine gefunden, nur dass es irgendwann immer weniger wurde mit den Anfällen. DAs ist mir im Laufe der Jahre dann irgendwann aufgefallen, weil ich durch die Therapie manches verändert habe und die "ES" stellenweise nicht mehr notwendig war. Als ich z. B. früher Streit mit meinem Exmann hatte, der mich sehr oft gedemütigt und mißachtet, um nicht zu schreiben, mißbraucht hat, habe ich gefressen, bis ich platzte. H eute habe ich Wege gefunden, wenn ich meine, jemand muß mir zu nahe treten, mich zu behaupten, zu wehren, zu agumentieren, dass es mir gut geht. Und ich brauche "ES" dann nicht.
Angst-Panikattaken sind mir auch nicht fremd, sie haben einige Zeit begleitet, als mein Leben zusammen brach. Heute lebe ich , meine ich zumindest, relativ angstfrei, vermeide jedoch oft Kontakt nach "draußen".
Manchmal tut es gut, seine Angst herunter zu schreiben. Ich brauchte recht lange, um hier zu tippen, ich las zu Anfang immer nur mit und auch heute fällt es mir oft schwer, in die Tiefe zu gehen. Ich habe in Therapie auch gelernt, dass es manchmal keine Antworten gibt oder geben kann seitens anderer, jedoch hatte ich immer gemeint, man kann mit mir nicht umgehen. Deine Angst, andere mit deiner Problematik zu nerven, kenne ich deshalb auch.
Beste Voraussetzung ist natürlich, Menschen zu finden, die die gleiche Problematik haben, man fühlt sich sicherer. Das ist mit deinem Thema sicherlich genauso. Letzt endlich kann es aber auch helfen, andere Meinungen zu lesen. Auch wenn man sie zunächst nicht annehmen will. Manachmal steckt in allem ein wenig Wahrheit, weil gerade die verletzten Seelen sich in ihrer Wahrheit gleichen. Ich habe oft Meinungen anderer nicht hören wollen, habe Ratschläge nicht annehmen wollen, sie waren mir oft nicht einen Gedanken Wert. Aber auch das ist legitim.
Du stehst ja noch irgendwo ganz am Anfang, dich anzunehmen. Und ich glaube, es bedarf auch großes Mutes, sein Leben zu ändern. Endlich das leben zu können, wonach man sich sehnt. Ich kann das so gut verstehen.
Ich habe meine Weiblichkeit nie gespürt und habe erst mit 40 angefangen, sie zu entdecken, und das stellenweise mehr als heftig, ich bin überall hinein gekrochen, in tiefste Abgründe, um zu wissen, wer und was ich bin.Ich habe mich gegen die anerzogene Moral gewehrt, ich habe all diese Dinge getan, die meiner Mutter so verhasst waren, ich war die *beep*, über die sie gehetzt hatte, über Frauen, die sich selbstbewußt lebten. Ich habe Dinge getan, die ich nie glaubte, je tun zu können. Vorher hasste ich meinen Körper. Erst als ich mich lebte, konnte ich ihn annehmen und heute sind wir schon recht befreundet, er und ich
Ich schicke dir einen Sonnenstrahl in diesen dunklen Tagen und will noch einmal zum Ausdruck bringen, wie mutig ich dich finde. Hab Geduld mit dir, du kannst nicht von heute auf morgen 53 Jahre gelebtes Dasein ändern, das braucht ganz viel Zeit. Und die hast du ....
LG
Angelika