Mein Sohn hört Stimmen - Psychose bei Kindern

David Spritz

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Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich lieber hier im Bereich "Persönlichkeitsstörungen" oder im Bereich "Psychosen" posten soll, da hier beide Themen berührt werden:

Meine Ex-Frau leidet an Borderline, unser Sohn (10) lebt nach Gerichtsbeschluss gegen meinen Willen bei ihr. Mein Sohn hat mir am Wochenende erzählt, dass er bereits seit 5 Jahren Stimmen in seinem Kopf hört, die zu ihm sprechen. Er kann manchmal nicht unterscheiden, ob die Stimmen real oder eingebildet sind. Er konnte sich sogar an das erste Mal erinnern: Da hörte er die Stimme seiner Mutter, die seinen Namen sagt. Er ist dann aus dem Schlaf hochgeschreckt und hat ihr geantwortet, dann aber gemerkt, dass da niemand ist. Inzwischen sind es viele Stimmen geworden, die alle durcheinander sprechen, so dass er mir nicht sagen konnte, was die Stimmen ihm sagen. Sie führen aber manchmal dazu, dass er sich nicht konzentrieren kann, und manchmal demotivieren sie ihn auch und sorgen dafür, dass er sich minderwertig vorkommt und dann verzweifelt und traurig wird. Manchmal wird er auch scheinbar grundlos wütend, was möglicherweise auch mit den Stimmen zusammenhängen könnte.

Er trägt dieses Geheimnis seit 5 Jahren mit sich herum, ich bin der erste Mensch, dem er davon erzählt hat. Ich musste ihm versprechen, es niemandem weiterzusagen. Ich habe den Eindruck, dass er sich dafür schämt. Ich habe ihm erstmal gesagt, dass das mit den Stimmen gar nicht so ungewöhnlich ist und er sich keine Sorgen machen soll. Dafür mache *ich* mir aber jetzt sehr, sehr große Sorgen um ihn.

Da er kürzlich für 9 Monate überwiegend bei mir gelebt hat und sich in dieser Zeit wesentlich besser konzentrieren konnte und auch bedeutend mehr Selbstvertrauen hatte als in der Zeit davor und danach, fürchte ich, dass er unter dem Einfluss des Borderline seiner Mutter möglicherweise eine Schizophrenie entwickelt haben könnte.

Hat hier jemand einen Rat für mich, außer zu einem Kinderpsychologen zu gehen, was ich selbstverständlich parallel auch tun werde?

27.11.2013 15:40 • #1


David Spritz

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Ich habe inzwischen in einer Borderline-Angehörigen-Selbsthilfegruppe von anderen Eltern gehört, dass ihre Kinder ebenfalls Stimmen hörten, diese aber nach einigen Monaten intensiver Arbeit mit den Kindern (mit den Stimmen in Kontakt treten etc.) wieder abklungen und sich auch nicht zu einer Psychose oder Schizophrenie entwickelt haben. Wichtig sei, die Stimmen nicht abzulehnen oder "wegmachen" zu wollen, sonst können sie schnell zum Problem werden.

Mit der Mutter kann man über solche Themen leider nicht sprechen. Sie ist weder in Behandlung noch akzeptiert sie, dass sie überhaupt krank ist, nachdem ich sie damit vor einigen Monaten konfrontiert hatte. Hatte ich aber auch nicht erwartet. Alle Anderen sind immer Schuld und alle anderen sind krank, aber niemals sie, war schon immer so bei ihr. Und vertrauliche Informationen von unserem Sohn, die ich ihr weitergebe, weil ich es für sie als Mutter wichtig zu wissen finde, behandelt sie leider auch nicht vertraulich, so dass ich ihr solche Dinge nicht mehr erzählen kann. Sie würde mit solchen Informationen, wie schon mehrere Male zuvor, auf destruktive Weise umgehen und die Situation dadurch verschlimmern. Wahrscheinlich würde mein Sohn sich von mir verraten fühlen (zu Recht!) und mir in Zukunft nichts mehr über seine Stimmen erzählen, und dann könnte ich ihm gar nicht mehr helfen.

Momentan kann ich also nur versuchen, in den 2 Tagen, wo mein Sohn bei mir ist, den Schaden, den die Mutter in den 12 Tagen davor angerichtet hat, so gut wie möglich wieder auszugleichen. Das gelingt mir bisher recht gut, glaube ich. Er kommt immer mit großen inneren Spannungen und Konflikten bei mir an, hat dann ein paar Ausbrüche von Wut oder Traurigkeit und wird dann im Verlauf des Wochenendes immer ruhiger, gelassener und fröhlicher. Das ist zwar für mich anstrengend, aber ich habe zwischendurch ja immer die 12 Tage, um mich wieder zu sammeln, was mehr als ausreichend für mich ist, um das auch langfristig durchhalten zu können.

Liebe Borderliner, die das lesen, bitte versteht mich nicht falsch, das soll kein Vorwurf sein, nicht gegen die Mutter und erst recht nicht gegen alle Borderliner. Sie kann nichts dafür, aber der Schaden passiert trotzdem, auch wenn sie davon selber nichts merkt.

28.11.2013 08:37 • #2


David Spritz

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Leider ist sie in dieser Hinsicht eine Lehrbuch-Borderlinerin, da sie nicht nur nichts davon hören will, wenn man sie mit ihrer Persönlichkeitsstörung konfrontiert, sondern auch im Gegenteil sogar versucht, den Spieß umzudrehen und den "Aggressor" als den wahrhaft Kranken hinzustellen. Und sie wechselt auch ständig ihren Freundeskreis und ihre Bezugspersonen, damit ihr niemals jemand "auf die Schliche" kommen kann.

Die einzige Freundin, die sie bereits seit der Schulzeit hat, ist zufälligerweise auch die Patentante unseres Sohnes. Vielleicht wäre das eine Chance!? Mir wird ganz übel bei dem Gedanken, mit ihr zu sprechen. Aber ich muss das ernsthaft in Betracht ziehen, wenn ich meiner Verantwortung als Vater gerecht werden möchte.

Ein Gespräch mit der Mutter über das Geheimnis meines Sohnes kommt wie gesagt nicht in Frage. Dazu ist das Thema mit den Stimmen zu heikel für ihn. Das wäre wie mit einem Streichholz nachschauen, ob noch Benzin im Tank ist.

30.11.2013 12:02 • #3


David Spritz

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Zitat von Moonlightwoman:
Mh, mh, was ist denn ein Lehrbuch-Borderliner?


Mit "Lehrbuch-Borderliner" meine ich jemanden, der 1:1 die Klischees erfüllt, wie sie in gängiger Literatur wie z.B. "Schluss mit dem Eiertanz" beschrieben werden. Man sagt dann immer zu Unrecht, "die Borderliner" sind so und so, obwohl das ja gar nicht auf jeden zutrifft. Aber in den genannten Fällen trifft es auf meine Ex-Frau halt genau so zu, wie man es in der Literatur findet. "Lehrbuch-Borderliner" halt!

Das mit dem "auf die Schliche kommen" war vielleicht blöd ausgedrückt von mir, da es einen bösen Willen ihrerseits nahelegt, den ich aber nicht unterstellen wollte. Ich weiß, dass so etwas auf unbewusster Ebene passiert und kein böser Wille sondern Angst dahintersteckt. In der Auswirkung auf ihre Umwelt macht das aber leider keinen Unterschied. Einen Unterschied macht es nur in der Hinsicht, dass ich für sie eher Mitleid als Hass empfinde, was schonmal gut ist.

Mein Mitgefühl reicht aber nicht so weit, dass ich es riskieren würde, das Vertrauen meines Sohnes zu missbrauchen, nur damit sich die Mutter später nicht von mir verraten fühlt. Sie hatte viele Chancen, es richtig zu machen. Ich habe ihr häufig Dinge anvertraut, von denen mein Sohn nicht wollte, dass ich sie ihr erzähle. Sie ist nie verantwortungsvoll mit solchen Informationen umgegangen, so dass es sehr wahrscheinlich ist, dass sie es auch diesmal nicht tun würde. Mein Vertrauen zu ihr als Mutter ist in dieser Hinsicht jetzt leider erschöpft.

Der Gedanke mit der Patentante muss noch ein wenig in mir reifen, bevor ich dazu bereit bin. Aber ich glaube, dass es unausweichlich ist, auch wenn ich damit riskiere, dass sie der Mutter gegenüber plaudert. Die Patentante ist aber ein komplett anderer Typ Mensch als die Mutter und eher bereit, Verantwortung zu übernehmen und das Richtige zu tun, so dass ich da mehr Vertrauen habe, dass sie verantwortungsvoll mit diesen Informationen umgeht.

Zuerst muss ich aber einen Termin mit unserer ehemaligen Familienberaterin machen. Auch das wird ein schwerer Gang werden. Allerdings ein risikoloser, denn sie hat ja Schweigepflicht.

02.12.2013 08:37 • #4


Martina

Martina

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Hallo David,

vielleicht kannst du deinen Sohn dahin bringen, dass er sich selber seiner Mutter anvertraut?

Egal, wie du zu deiner Ex-Frau stehst - der Junge lebt nun mal bei ihr.

02.12.2013 18:08 • #5


David Spritz

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Er lebt momentan bei ihr! Darauf lege ich großen Wert.

Aber Du hast natürlich Recht, sie sollte es von ihm selbst erfahren. Allerdings befürchte ich auch da, dass sie ihn zum Arzt schleppen und mit Medikamenten ruhigstellen würde. Sie kann mit solchen "Unregelmäßigkeiten" einfach nicht umgehen. Verständnis, Geduld und Anerkennung, die mein Sohn jetzt eigentlich bräuchte, sind auch nicht gerade ihre Stärke. Seinen neuerdings schlechten Noten in der Schule (letztes Zeugnis Schnitt 1,8 und jetzt nur noch Vieren und Fünfen!) begegnet sie zum Beispiel damit, dass sie ihn tierisch unter Druck setzt und täglich büffeln lässt, auch am Wochenende. Es ist für mich offensichtlich, und er sagt sogar selbst, dass das genau das Gegenteil bewirkt, nämlich dass er unter dem Druck zusammenbricht und seine Noten noch schlechter werden. Die schlechten Noten sind doch nur ein Symptom für seine allgemeine Verunsicherung und sein Verlorenheitsgefühl im Leben. Außerdem sind sie kein Weltuntergang, sondern nur Spiegelbild einer schwierigen Lebensphase meines Sohnes! Aber die Mutter macht gleich einen Weltuntergang draus und kämpft dagegen an!

Es tut mir weh zu sehen, wie sie mit ihrem derzeitigen Privileg, die Kinder allein betreuen zu dürfen, umgeht. Diese Ignoranz, diese Engstirnigkeit, diese "Betriebsblindheit"! Und so einer gibt der Richter meine Kinder! Ich kann nur verständnislos den Kopf schütteln über die deutsche Justiz.

Passenderweise spielt mein MP3-Player gerade per Zufallsauswahl die Klaviersonate Nr. 2 von Grigory Sokolov, auch bekannt als "Marche funèbre" oder "Funeral March". Passt irgendwie grad gut zu meiner Stimmung!

Es gibt aber auch was Positives zu berichten: Die Mutter ist mit den Kindern endlich, nach 3 Monaten in der viel zu kleinen Wohnung ihres Next, in eine neue, größere Wohnung gezogen. Mein Sohn bekommt ein eigenes Zimmer, das zwar momentan noch leer ist und gestrichen werden muss, aber er darf schon auf einer Matraze auf dem Boden dort schlafen, worauf er mächtig stolz ist. Er hörte sich gestern am Telefon auch nach langer Zeit endlich das erste Mal wieder einigermaßen fröhlich an. Zwar verringert es meine Chancen, dass mein Sohn zu mir zurückkommt, wenn er dort glücklich ist, aber das wird sofort zweitrangig, wenn ich an seiner Stimme höre, wie gut es ihm in dem Moment gerade ging.

03.12.2013 07:59 • #6


David Spritz

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Am vergangenen Wochenende wirkte mein Sohn wieder viel fröhlicher und konnte sich auch beim Üben für einen Englisch-Test wieder viel besser konzentieren. Vielleicht ist die akute Notlage ja momentan ersmal überstanden!

12.12.2013 15:27 • #7


Knoten

Knoten

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Hallo David!

Das sind gute Neuigkeiten! Danke für die Meldung

12.12.2013 17:27 • #8


David Spritz

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Mein Sohn und ich haben schon öfter darüber gesprochen, dass wenn Erwachsene mit Kindern schimpfen, dies nicht unbedingt immer heißen muss, dass das Kind etwas falsch gemacht hat, sondern dass es auch damit zusammenhängen kann, dass der Erwachsene gerade eine Stimmungsschwankung hat. Allerdings gilt das ja unabhängig von etwaigen Persönlichkeitsstörungen für alle Erwachsenen, ich schließe mich selbst da nicht aus. Dass seine Mutter sehr extrem zu diesen Stimmungsschwankungen neigt und außerdem eine außergewöhnlich und manchmal unangemessen heftige Art des Schimpfens hat, darüber waren mein Sohn und ich uns allerdings einig. Ich mache ihm also schon bewusst, dass seine Mama anders ist als die anderen, ohne das allerdings als Krankheit darzustellen. Ich befürchte nämlich, dass er das als Angriff von mir gegen sie werten könnte und dann Partei für sie ergreift, weil er sie beschützen möchte. Trotz aller Erklärungen nimmt er es aber glaub ich sehr persönlich, wenn seine Mama mit ihm schimpft, egal ob er objektiv betrachtet was falsch gemacht hat oder nicht, so wie Kinder das nunmal so machen.

Was sich Borderline-Kinder im Nachhinein vom Nicht-Borderline-Elternteil gewünscht hätten, das ist für mich momentan ein ganz großes Thema. Ich stelle mir ab und zu so vor, wie mein erwachsener Sohn mir sagt, ich hätte ihn da rausholen müssen, und ich ihm antworte, dass ich das ja versucht hätte, er selbst mich aber ja gebeten hat, meine Bemühungen einzustellen. Und er antwortet dann, ich hätte ihn da ignorieren und mich trotzdem weiter bemühen müssen. Ich sage ihm dann, dass er mich gehasst hätte, wenn ich das getan hätte, und er antwortet, dass das nur eine billige Ausrede sei. Von daher bin ich recht ratlos, wie ich mich jetzt weiter verhalten soll und wie ich aus meiner momentanen, relativ machtlosen Position trotzdem einen positiven Beitrag für die Entwicklung und den Schutz meiner Kinder leisten kann. Wenn Du da also einen Literatur-Tipp für mich hättest, wäre ich dafür sehr dankbar.

16.12.2013 09:27 • #9


David Spritz

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Zitat von Moonlightwoman:
* Es kommt auch vor: räumliche Trennung.
* andere Erwachsene als Bezugsperson
* Therapie
* erklären des verwirrenden Verhaltens der Mutter
* zu wissen, dass die Ma krank ist
* Bestätigung der eigenen Wahrnehmung
* Mut von Außenstehenden gegenüber meiner Mutter
* Fähigkeiten entwickeln, um den eigenen Gefühlen Ausdruck zu verleihen (Sport, Musik, Kreativität)
* vermittelt zu bekommen, dass man nicht Schuld oder schlecht ist
* Selbsthilfegruppe für minderjährige Borderline-Kinder


Danke für dieses "Destillat"! Ich werde mal laut denkend die einzelnen Punkte durchgehen und schauen, was davon für mich umsetzbar ist:

1.) räumliche Trennung:
Das ist sowieso mein Fernziel, da ich ohne meine Kinder sehr unglücklich bin. Mit einem Wechselmodell oder als alleinerziehender Vater würde ich also nicht nur ihnen, sondern auch mir einen Gefallen tun. Allerdings haben wir gerade einen, durch die Mutter initiierten, Sorgerechtsstreit hinter uns, und ich will den Kindern mindestens bis zu den Osterferien noch Ruhe gönnen. Und mir selber auch. Es sei denn, es würde sich sehr bedenklich entwickeln, dann natürlich schon früher! Aber danach sieht es momentan nicht aus.

2.) andere Erwachsene als Bezugsperson:
Das war mir schon immer wichtig. Diese Bezugsperson musste auch nicht zwangsläufig immer ich sein. Durch den Umzug hat die Mutter natürlich für sich erreicht, dass die Anzahl der festen Bezugspersonen für meine Kids geringer und ihre eigene Relevanz und Unentbehrlichkeit für die Kids höher wird. Im Prinzip haben sie nur noch mich und den Next ihrer Mutter, der zum Glück beruflich Erzieher für Kinder ist, selbst 3 Kinder hat und auf mich einen sympathischen und kompetenten Eindruck macht. Natürlich bin ich auch eifersüchtig, aber gäbe es ihn dort nicht, wäre es definitiv schlimmer für meine Kids. Daher ist es gut, dass er da ist.

3.) Therapie:
Davon halte ich nicht so viel. Ich war selbst lange in Therapie, und ich weiß, wie unzulänglich und "defekt" man sich fühlt, wenn man da immer hingehen muss. Mein Sohn war einmal für ein paar Wochen in Therapie bei unserer Familienberaterin, und sie war mit mir einer Meinung, dass er gar keine Therapie braucht, sondern nur jemanden, der ihm das Gefühl gibt, dass mit ihm alles in Ordnung ist. Und derjenige möchte ich jetzt sein. Mein Junge ist ein guter Junge, und das soll er auch spüren, wenn er bei mir ist.

4.) erklären des verwirrenden Verhaltens der Mutter:
Nachdem ich "Schluss mit dem Eiertanz" gelesen habe, kann ich mir einige früher unerklärliche Verhaltensmuster der Mutter nun gut erklären. Aber ich wüsste nicht, wie ich dafür passende Worte finden sollte, die verständlich für Kinder sind. Hast Du da einen Tipp für mich? Kann da vielleicht eins der Kinderbücher helfen, die Du empfohlen hast?

5.) zu wissen, dass die Ma krank ist:
Die Ma weiß ja selber nicht, dass sie krank ist. Wenn ich meinen Kindern *das* sage, rennen sie gleich zu ihr und sagen: "Papa hat gesagt, Du bist krank." Sie weiß zwar, dass ich das glaube, nimmt das aber für sich nicht an. Würde ich es den Kindern sagen, würde sie das sicher als Angriff gegen ihre Person interpretieren und zu extremen Gegenmaßnahmen greifen. Und wenn ich meinen Kindern sage, sie dürfen mit ihrer Mutter nicht drüber reden, dann tragen sie ein Geheimnis mit sich herum, dass man 10- und 8-jährigen Kindern einfach nicht zumuten kann. Wie soll ich mich da also verhalten?

6.) Bestätigung der eigenen Wahrnehmung:
Wie gesagt rede ich viel mit den Kids, unter Anderem auch über ihre Erlebnisse mit der Mutter, und versuche dann immer zu relativieren. Wenn ich das immer und immer wieder wiederhole, bleibt vielleicht zumindest ein kleines Bisschen davon hängen und macht es etwas leichter für meine Kids!

7.) Mut von Außenstehenden gegenüber meiner Mutter:
Diesen Punkt verstehe ich nicht so ganz. Bedeutet das, der Mutter Kontra zu geben und sich nicht von ihr kleinmachen zu lassen, damit die Kids sehen, dass Mama eben nicht immer Recht hat und alles machen darf, was sie will?

8.) Fähigkeiten entwickeln, um den eigenen Gefühlen Ausdruck zu verleihen (Sport, Musik, Kreativität):
Mein Sohn spielt Querflöte und hat daran viel Freude. Meine Tochter würde gerne reiten, was die Mutter ihr auch versprochen hat, aber das hat sie bisher nicht eingelöst. Aber meine Tochter liest viel und malt gerne, und außerdem ist die Mutter nicht so fixiert auf sie, so dass sie gar nicht so sehr in Gefahr ist. Sie hat auch eine stabilere Persönlichkeit als mein Sohn.

9.) vermittelt zu bekommen, dass man nicht Schuld oder schlecht ist:
wie ich schon unter 3.) geschrieben habe

10.) Selbsthilfegruppe für minderjährige Borderline-Kinder:
Selbsthilfegruppen finde ich grundsätzlich sehr gut. Ich gehe ja selbst auch 1x im Monat in eine Borderline-Angehörigen-Gesprächsgruppe. Aber meinen Sohn zu einer Selbsthilfegruppe zu schicken, sofern so etwas überhaupt am Wochenende stattfindet, würde ja erstmal 5.) bedingen, was wie gesagt problematisch ist.

Dass die Mutter Andere, auch Behörden oder z.B. den Gutachter, mit ihrem Charme auf ihre Seite ziehen kann, habe ich leider auch schon schmerzhaft erfahren müssen. Sie ist halt eine charismatische Persönlichkeit, das hat mich ja auch damals so an ihr fasziniert. Sie ist wie Dieter Bohlen, man kann sie nur lieben oder hassen, dazwischen gibt es nichts. Bei mehr als der Hälfte der Menschen schafft sie es, dass man sie liebt, nur wenige erkennen gleich die Zeichen. Die meisten merken erst Monate später, dass da bestimmte Dinge nicht zusammenpassen, aber das kriegt die Mutter dann mit, und diese Personen werden dann sofort gegen neue "ausgetauscht", ein ständiger fliegender Wechsel!

Mit meinen eigenen "Tankstellen" tue ich mich momentan ein bisschen schwer, aber das ist mir bewusst und ich arbeite dran. Ich versuche unter Anderem auch, mich in dieses Thema hier, auch wenn die Versuchung groß ist, nicht allzu sehr reinzusteigern und es zwar beharrlich aber langsam anzugehen, um mich nicht selbst zu überfordern. Außerdem gibt es momentan noch weitere wichtige "Fronten" in meinem Leben, die meiner Aufmerksamkeit bedürfen. Ich muss also sehr haushalten mit meinen Kräften. Aber das gelingt mir nach meinen 2 Total-Zusammenbrüchen 2008 und 2010 mittlerweile glaub ich ganz gut.

19.12.2013 11:12 • #10


David Spritz

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Danke für die Tipps. Ich habe mir mal die Mühe gemacht, bei Amazon den "Blick ins Buch" zu machen und die Links abzutippen bzw. die, die es nicht mehr gab, durch die Richtigen zu ersetzen.

Lesen werde ich das alles später. Heute ist schließlich Weihnachten! Frohe Weihnacht Euch allen!

25.12.2013 14:06 • #11


Tussideluxe

Tussideluxe

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Hallo David,

ich habe es nicht geschafft den ganzen dialog zwischen Moon und dir zu lesen. Möglicherweise wiederhole ich etwas... Bitte verzeih mir das.
Meine Mutter war äußerst schwierig. Ich und auch im Nachgang ihre Ärzte sind sich nicht sicher ob da Borderline zum Tragen kommt oder etwas anderes aus dem weiten Bereich der seelischen Erkrankungen o, Störungen - wie man will.
Es ist erst mal egal, glaube ich welchen Namen das Kind trägt. Borderline ist austauschbar. Es gibt ähnliche seelische Erkrankungen. Und es gibt auch Eltern, seelisch erkrankte, die ihren Kindern gutes zukommen lassen. Das steht sicher außer Frage.

Nun, ich hörte seit meiner Kindheit Stimmen. Lassen wir es mal dahin gestellt welche Diagnose ich nun bekommen habe, aber wenn ich nur einen Menschen gehabt hätte, dem ich es hätte sagen können, wäre mir früher Sorge zugekommen. Da bin ich mir sicher. Dein Sohn hat sich dir anvertraut und das ist so wertvoll und sicher für ihn. Er hat dich. Was nun weiter gescheit will sorgsam abgewogen werden. Erst einmal sind Stimmen hören, auch bei älteren Kindern nicht ganz ungewöhnlich. Vielleicht mannifestiert sich das nicht. Die Stimmen können auch eine Möglichkeit sein seine eigene Ambivalenz in "Worte" zu fassen. Seine Seele sucht vielleicht wege um sich Luft zu machen. Das muss erst mal nicht heißen das das jetzt so bleibt oder das es etwas schlimmes ist. Kinderseelen haben einige Wege, um sich Luft zu verschaffen.

Ich will dich damit versuchen etwas zu beruhigen. Vielleicht ist das schon geschehen.

Außerdem würde ich denken, es wäre gut ihm eine KIndertherapie oder wenigstens Kontakt zu einem Kinderpsychiater zu verschaffen. Ggf kannst du das durchsetzen, falls ihr das gemeinsame Sorgerecht habt. Ich würde das erst mal als den Weg sehen, um das abzuklären, was als nächstes passieren sollte. Hast du die Möglichkeit dies in die Wege zu leiten?

LG
T*

31.01.2014 01:45 • #12


David Spritz

David Spritz


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Hey Tussi! ;-)

Danke für Deine lieben Worte! Auch wenn Du nicht alles gelesen hast, freue ich mich trotzdem darüber, dass Du etwas dazu schreibst.

Ja, ich wurde schon etwas beruhigt durch einige Texte, die ich über das Stimmenhören gelesen habe. Stimmen werden offensichtlich nur zum Problem, wenn man sie dazu macht. Ich habe meinem Sohn in meiner ersten Reaktion zum Glück instinktiv das Richtige gesagt, nämlich dass er sich darüber keine Sorgen machen soll und dass das gar nicht so ungewöhnlich sei. Momentan scheinen die Stimmen auch leiser geworden zu sein, jedenfalls beobachte ich immer weniger der Symptome, die sich durch die Stimmen erklären lassen (schlechte Leistungen in der Schule, willkürliches Aussteigen aus dem Schulbus, Wutanfälle scheinbar ohne Grund, plötzlicher Einbruch des Selbstvertrauens). Trotzdem will ich mich weiter mit dem Thema auseinandersetzen, denn es kann ja auch wieder schlimmer werden, und dann möchte ich gerne vorbereitet sein.

Das mit dem Kinderpsychiater geht leider nicht so einfach. Mein Sohn hat mich gebeten, niemandem was zu sagen, nichtmal seiner Schwester, und ganz besonders nicht der Mutter, und ich musste es ihm versprechen. Er ist nur alle 2 Wochen am Wochenende hier, und da haben die Arztpraxen natürlich geschlossen. Ich könnte natürlich einmalig in den Ferien heimlich jemanden mit ihm aufsuchen, aber regelmäßige Besuche in einer Therapie sind nicht möglich, ohne die Mutter einzuweihen. Einen Arzt oder die Mutter einweihen kann ich aber nicht, ohne mein Versprechen zu brechen. Ich kann nur, sollte es wieder schlimmer werden, meinen Sohn dazu bringen, dass *er* sich auch noch anderen Menschen außer mir anvertraut. Momentan halte ich das aber (noch?) nicht für notwendig.

31.01.2014 09:35 • #13


Tussideluxe

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Hallo David,

hat er dir mal erklärt wie es dazu kommt das er aus dem Bus aussteigt?
Kann er das gar nicht erklären oder hat er sozusagen geträumt bzw war er von seinen inneren Geschehnissen sehr massiv abgelenkt?

Ich denke dein Sohn würde bestimmt enttäuscht sein wenn du einfach jemanden einweihen würdest. Aber vielleicht kommt der Punkt an dem du ihm sagen musst das du und er es jemanden sagen müssen der euch unterstützt. Dann musst du einen Plan haben wohin du mit ihm gehen willst uns ganz klar die Führung übernehmen.

Ja, es macht Angst wenn Kinder bestimmte Symptome zeigen. Gerade wenn man ein wenig eingelesen ist und einiges zuordnen kann, wird das plötzlich ein riesen Ding im eigen Kopf und die Magengegend dreht sich. Hast du jemanden, der dich beraten kann? Wenn du konstant Anleitung und Unterstützung bekommst, kannst du deine Sicherheit, deine Kenntnisse und Startegien an deinen Sohn weitergeben. Quasi indirekte Unterstützung für ihn liefern.

lg
T*

31.01.2014 11:43 • #14


David Spritz

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So weit bin ich noch nicht. Es fällt mir schwer, das Thema anzugehen, zumal ich auch noch zahlreiche eigene Baustellen habe, innere wie äußere.

Warum er aus dem Bus ausgestiegen ist, hat er mir nicht gesagt. Er spricht nicht gerne über diese Themen, und ich will nicht zu aggressiv bohren, um ihn nicht unter Druck zu setzen und zu verschrecken. Ich beschränke mich lieber darauf, über akute Situationen mit ihm zu sprechen, und da gibt es momentan zum Glück keine.

Danke für den Hinweis, dass ich mein Versprechen möglicherweise eines Tages aus väterlicher Pflicht werde brechen müssen. Diesen Aspekt hatte ich bisher aus meinem Denken ausgeklammert.

Fachliche Beratung habe ich bisher nur in der Borderline-Angehörigen-Selbsthilfegrupppe. Dort sind zwei Diplom-Psychologinnen dabei, die ich um Rat fragen kann bzw. bereits um Rat gefragt habe. Aber wie gesagt, ich fange gerade erst langsam an, mich in das Thema reinzuarbeiten. Ich habe Angst, mich zu überfordern, wenn ich das zu schnell tue. Gleichzeitig ist mir natürlich auch klar, dass ich es nicht ewig vor mir herschieben kann, weil die nächste akute Situation sicher irgendwann kommen wird.

03.02.2014 10:17 • #15




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