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Ist Depression wirklich eine individuelle Krankheit?

vonundzu

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Seht ihr Depression als Krankheit der gesamten Gesellschaft in der wir alle Leben an
oder
als individuelle Schwäche eurer Persönlichkeit?

Mich persönlich bewegt diese Frage sehr stark, weil ich in dieser Gesellschaft seit Jahren das Gefühl habe es nur mit Verrückten zu tun zu haben.
Oder anders ausgedrückt ich mir die Frage stellen muss bin ich oder die anderen verrückt.

Ich selbst habe schon mehrfach Psychotherapien hinter mich gebracht. Und hatte hinterher immer das Gefühl es ginge mir besser bis.

15.11.2020 12:05 • #1


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Kate

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Zitat von vonundzu:
Seht ihr Depression als Krankheit der gesamten Gesellschaft in der wir alle Leben an
oder
als individuelle Schwäche eurer Persönlichkeit?

Hi, ich denke weder noch. Es betrifft weder die gesamte Gesellschaft noch ist es eine Schwäche der Persönlichkeit. Es ist eine Krankheit die halt viele Menschen betrifft. Sicherlich auch bedingt durch die Einflüsse der Gesellschaft und deren Handeln.
LG Kate

15.11.2020 12:11 • x 5 #2



Hallo vonundzu,

Ist Depression wirklich eine individuelle Krankheit?

x 3#3


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Kate

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Willkommen übrigens im Forum
LG Kate

15.11.2020 12:15 • x 1 #3


vonundzu

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hallo und danke,
das denke ich auch, die Frage ist dann aber was bringt es immer nur am Individium herum zu doktern ohne das sich die Gesellschaft mal irgendwie mit Bewegt.

15.11.2020 12:22 • #4


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Kate

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Zitat von vonundzu:
hallo und danke,
das denke ich auch, die Frage ist dann aber was bringt es immer nur am Individium herum zu doktern ohne das sich die Gesellschaft mal irgendwie mit Bewegt.

Wie könntest Du denn die Gesellschaft verändern? Man kann sich nur soweit lernen anzupassen, dass man gut mit leben kann.
Die Gesellschaft bekommst Du nie in Deinem Interesse geändert zumal ja auch jeder andere Ansprüche an die Gesellschaft stellt.

15.11.2020 12:25 • x 2 #5


vonundzu

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Ich allein kann gar nichts verändern und nur Anpassung ist für mich auf Dauer auch kein Weg.
Mir geht es aber hier aber nicht blos um meine Interessen.

Anhand der ständig zunehmenden Zahlen von psychischen Erkrankungen in unser Gesellschaft empfinde es als sehr abenteuerlich wie darauf reagiert wird. Nämlich wenig bis garnicht und wenn doch geht es immer um individuelle Hilfe.
Teilweise habe ich auch immer das Gefühl es handelt sich garnicht um ernsthafte Hilfe sondern nur die Möglichkeit Geld zu verdienen aber das ist ein anderes Thema.

Meiner Meinung nach müsste es zumindest bei den bestehenden Hilfsangeboten viel mehr Mitbestimmung seitens der Betroffenen geben.
Genauso wie die Gesellschaftliche Akzeptanz (die in Wirklichkeit gar nicht vorhanden ist) viel mehr gesetzlich geregelt werden müsste.

15.11.2020 13:27 • #6


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LeLion

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Die Frage ist doch was oder ab wann ist man depressiv (immerhin gibt es ja schon mal die Unterteilung in leicht, mittelschwer und schwer und dazu kommen noch weitere Diagnosen).

Krankheiten gibt es ja nur weil etwas nicht in der Norm liegt, aber was ist die Norm und wie definiert man gesund?
Ich würde sagen wenn jemand seinen Alltag nicht mehr alleine bewältigen kann dann ist er zumindest durch eine Krankheit eingeschränkt, diese kann natürlich körperlicher Natur oder psychischer Natur sein.

Der Punkt Zunahme psychischer Erkrankungen sehe ich anders, primär erst durch Freud erfolgte eine mehr oder minder Aufklärung über die Psyche des Menschen und was Sie ist (und hier ist die Forschung noch längst nicht zuende). Ebenfalls wurde früher mit Personen die eine psychische Erkrankung hatten ganz anders umgegangen, bei Personen die sehr schlimm betroffen waren kam es nicht selten vor das diese von Ihrer Familie "versteckt" wurden und bei denen, die nicht so schlimm betroffen waren führte es meist zu Dro. und/oder Alk. Missbrauch.

Daher denke ich erst einmal sollten wir uns glücklich schätzen das wir zumindest in einer aufgeklärteren Zeit leben und sich der Umgang mit dieser Art Erkrankungen verbessert hat (auch wenn hier nach wie vor noch viel Aufklärungsbedarf herrscht), sowie die Forschung auch noch ziemlich am Anfang steht.

Das vieles auf der Welt sagen wir mal besser laufen könnte brauchen wir wohl nicht im Detail zu evaluieren.
Eine Gesellschaft kann nur funktionieren wenn sich an gewissen Spielregeln gehalten wird, weicht man davon ab gibt es Sanktionen, so funktioniert das Prinzip.
Leider und da wären wir dann auch beim Individuum, könnten viele Menschen etwas mehr Akzeptanz an den Tag legen, aber wenn ich immer alles akzeptieren muss was um mich herum passiert bleib ich auch wieder auf der Strecke.
Wenn man jetzt noch die Frage evolutionär betrachten würde, könnte man sagen du bist so eingeschränkt das du dich nicht mehr verteidigen kannst, ja dann freut sich der nächste Löwe schon auf sein Mittagessen.

15.11.2020 16:47 • x 1 #7


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Kate

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Zitat von vonundzu:
Ich allein kann gar nichts verändern

Da muss ich Dir widersprechen. Du kannst sogar sehr viel ändern. Dein Umgang damit, man kann lernen sich abzugrenzen, man kann lernen Dinge anzunehmen die man nicht ändern kann.
Zitat:
Meiner Meinung nach müsste es zumindest bei den bestehenden Hilfsangeboten viel mehr Mitbestimmung seitens der Betroffenen geben.

Ich finde, das ist schon so. Man hat so viele Wahlmöglichkeiten. Wo und wie fühlst Du Dich da fremdbestimmt?
LG Kate

15.11.2020 17:10 • x 1 #8


Michi87

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Zitat von vonundzu:
Seht ihr Depression als Krankheit der gesamten Gesellschaft in der wir alle Leben an
oder
als individuelle Schwäche eurer Persönlichkeit?

Ich glaube es ist beides. Die moderne Zivilisation hat meiner Meinung nach einen großen Anteil an der Zunahme von psychischen Krankheiten. Trotzdem kommen die meisten Menschen damit zurecht und sind nicht depressiv. Es gibt also noch weitere Einflussfaktoren. Diese sind sehr individuell. Oft liegen dem gestörte Verhaltens- und Gedankenmuster zugrunde.

Zitat von vonundzu:
Mich persönlich bewegt diese Frage sehr stark, weil ich in dieser Gesellschaft seit Jahren das Gefühl habe es nur mit Verrückten zu tun zu haben.

Das Gefühl kenne ich auch. Es ist aber eher Ausdruck einer hilflosen Wut. Ich glaube nicht, dass die Gesellschaft mehrheitlich verrückt ist.

Zitat von vonundzu:
Oder anders ausgedrückt ich mir die Frage stellen muss bin ich oder die anderen verrückt.

Ich habe mal eine Doku gesehen in der ein Psychiater auf der geschlossenen Station gesagt hat: "Der Unterschied zwischen den Patienten und den Ärzten ist nur, dass wir die Schlüssel haben und die nicht."

Zitat von vonundzu:
das denke ich auch, die Frage ist dann aber was bringt es immer nur am Individium herum zu doktern ohne das sich die Gesellschaft mal irgendwie mit Bewegt.

Die Gesellschaft als ganzes kann man nicht ändern. Man kann im Leben nur einen Menschen ändern. (Der, den man morgens im Spiegel sieht.)

Zitat von vonundzu:
Anhand der ständig zunehmenden Zahlen von psychischen Erkrankungen in unser Gesellschaft empfinde es als sehr abenteuerlich wie darauf reagiert wird. Nämlich wenig bis garnicht und wenn doch geht es immer um individuelle Hilfe.

Ja, das finde ich auch. Mir fällt während meiner Therapie gerade auf, dass ich grundlegende Dinge über menschliches Verhalten nicht kenne (Verhaltensmuster, Bewältigungsstrategien). Obwohl das alles sehr einleuchtend ist. Ich finde sowas gehört in die Lehrpläne. Allgemein finde ich, dass deutlich mehr Softskills in den Schulen unterrichtet werden sollten. Die Schulen sind genau dazu da, um die Kinder auf das spätere Leben vorzubereiten und die Defizite, die im Elternhaus da sind, auszugleichen. Und dazu gehört nicht nur, welche grammatikalischen Fälle es gibt und von wann bis wann Bismarck Kanzler war. Gerade vor der Hintergrund der Zunahme von psychischen Krankheiten.

Zitat von vonundzu:
Ich allein kann gar nichts verändern und nur Anpassung ist für mich auf Dauer auch kein Weg.
Mir geht es aber hier aber nicht blos um meine Interessen.

Ich glaube, das ist die falsche Sichtweise. Es geht nicht darum sich anzupassen und seine eigenen Interessen denen anderer unterzuordnen. Genausowenig geht es darum, dass andere sich an deine Bedürfnisse anpassen.

15.11.2020 22:32 • x 3 #9


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Kate

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Zitat von Michi87:
Die Gesellschaft als ganzes kann man nicht ändern. Man kann im Leben nur einen Menschen ändern. (Der, den man morgens im Spiegel sieht.)

Das hast Du wirklich schön geschrieben.
Zitat:
Ich glaube, das ist die falsche Sichtweise. Es geht nicht darum sich anzupassen und seine eigenen Interessen denen anderer unterzuordnen. Genausowenig geht es darum, dass andere sich an deine Bedürfnisse anpassen.

Kann ich so unterschreiben.
LG Kate

15.11.2020 22:37 • x 1 #10



Hallo vonundzu,

x 4#11


vonundzu

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hallo,
erstmal die Klarstellung zum Thema "Ich allein kann gar nichts verändern "
dieses Bezog sich auf die Gesellschaft, selbstverständlich kann ich bei mir etwas verändern (tue ich gefühlt aber schon seit Jahren genug). Die Gesellschaft aber kann ich als Einzelperson jedoch nicht verändern.

wenn ich das was ihr hier schreibt richtig interpretiere tendiert ihr mehr dazu Depressionen als individuelle Schwäche eurer Persönlichkeit zu sehen oder habe ich da etwas nicht verstanden?

Den Satz, das wir uns glücklich schätzen können in einer aufgeklärteren Zeit leben kann ich leider nicht unterschreiben.
So viel Glück ist mir da bisher nicht untergekommen geschweige denn Verständnis für meine Erkrankung.

Ich habe viel mehr das Gefühl in einer Zeit zu leben wo Informationen und Aufklärung aufgrund von Überangebot komplett ihren Wert verloren haben.

Fremdbestimmt fühle ich mich immer sobald es um meine Erkrankung geht,
Ärzte entscheiden ob ich Arbeitsfähig bin, Ämter entscheiden ob mir eine Reha hilft, das Arbeitsamt denkt sich tolle Sachen für mich aus ohne mich einzubeziehen und allen Institutionen wo immer ich auch hinkomme ist es sch.gal was ich möchte oder mir helfen würde.
Rechte meinerseit hingegen Fehlanzeige

16.11.2020 21:38 • #11

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