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Ich sehe alles nur noch negativ - wozu leben?

Mila

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Hallo,

mir geht es schlecht. Ich spüre mich selbst kaum noch. Zwar stehe ich jeden Morgen auf und erledige Dinge, gehe manchmal arbeiten oder einkaufen, schreibe und telefoniere usw. aber ich frage mich die ganze Zeit, was das eigentlich soll.

Wenn man sich so lange Zeit schon dumpf und leer und wertlos gefühlt hat, dass man sich nicht einmal mehr daran erinnern kann, wie sich Lebensfreude anfühlt, worin liegt dann noch der Sinn, zu leben?Jeden Tag aufs Neue aufzustehen, in den Spiegel zu schauen, sich durch den Alltag zu schleppen und sich nachts hin und her wälzen, energielos und einsam vorzuheucheln, dass man schon irgendwie klarkommt - was soll das Ganze?

Es geht hierbei nicht um Selbstmordgedanken. Suizid scheint für mich keine gute Alternative zu sein. Meiner Meinung nach gibt es einen großen Unterschied zwischen nicht existent sein - sprich: nie entstanden zu sein - und tot sein - sprich: einmal gelebt haben und dann gestorben sein. Ich hoffe, dass klingt nicht vollkommen sinnfrei, aber ich denke, es ist klar, dass man seine Existenz, wenn sie einmal da ist, nicht mehr rückgängig machen kann. Man kann sein eigenes Dasein nur zugrunde richten und ich denke bei mir und, so wie ich das hier mitbekommen habe, vielen anderen auch, ist dass der Fall. Wir sind am Ende, wir sind leblos, nur noch eine Hülle dessen was wir einst waren. Mir jedenfalls geht es so. Innerlich bin ich längst abgestorben und ich beginne ernsthaft daran zu zweifeln, dass das rückgängig gemacht werden kann.

Eine verwelkte Blume kann sich schließlich auch nicht mehr aufrichten. Auch mit viel Wasser nicht.

Es tut mir leid, dass ich so negativ bin und mir ist klar, dass dieser Text nicht gerade aufbauend ist. Aber vielleicht kann mir ja der ein oder andere von euch sagen, wozu es in einem solchen Zustand gut sein soll zu leben? Wozu das Ganze? Man kann doch nicht nur dafür leben, um kein Loch in das Leben seiner Familie und Freunde zu reißen.

22.01.2019 23:04 • x 1 #1


Pilsum

Pilsum

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Hallo Mila,

schön, dass Du hier im Forum bist.

Zitat:
Wenn man sich so lange Zeit schon dumpf und leer und wertlos gefühlt hat, dass man sich nicht einmal mehr
daran erinnern kann, wie sich Lebensfreude anfühlt, worin liegt dann noch der Sinn, zu leben?


In einer depressiven Phase werden viele Menschen genau so denken wie Du es hier beschreibst.

Der Sinn zu leben, liegt meiner Ansicht nach immer etwa gleich.
Der Sinn ist etwa, für sich selbst etwas Gutes zu machen und wenn es möglich ist,
die Zufriedenheit noch weiter zu steigern, indem man seine Gedanken und seine Zeit
mit einem anderen Menschen oder mit einer Gruppe von Menschen teilt.

Immer allein leben macht selten glücklich, weil man sehr bald schon weiß, was man im nächsten Moment denken wird.
Das macht zunächst langweilig und leicht auch depressiv, weil wie Du richtig schreibst, woher kommt dann die
Lebensfreude, woher kommen die gedanklichen, neuen Anreize?

Zitat:
und ich beginne ernsthaft daran zu zweifeln, dass das rückgängig gemacht werden kann.

Zitat:
Eine verwelkte Blume kann sich schließlich auch nicht mehr aufrichten. Auch mit viel Wasser nicht.


Da schreibst Du einen tollen Vergleich. Ein unzufriedener Mensch und eine verwelkte Blume haben nichts, aber
auch gar nichts gemeinsam.

Du kannst mit viel Aufwand eine depressive Stimmung wieder zum Positiven ändern.

Zitat:
Aber vielleicht kann mir ja der ein oder andere von euch sagen, wozu es in einem solchen Zustand gut sein soll zu leben?


Ein wenig anders sehe ich das, was Du hier schreibst. Unser Kopf macht uns aufmerksam, wenn er befürchtet,
dass wir beim Denken falsche Wege einschlagen.
Du schreibst, Dir geht es schlecht und Du spürst Dich kaum noch.
Dann sorge dafür, dass Du Dich bald wieder besser spürst.
Was wirst Du in der nächsten Zeit dafür tun?

Viele Grüße

Bernhard

23.01.2019 00:12 • x 2 #2


Theodore-Finch

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Hallo Mila,
Ich kann dir zwar nicht sagen wofür es gut ist zu leben denn ich bin wie du. Ich lebe täglich diese Qual des Lebens. Für Familie und Freunde da zu sein ist zwar schön und gut aber wer ist für dich da? Hast du jemanden mit dem du reden kannst? Es wird zwar schwer denn Tag zu überstehen und doch sagen alle die ich kenne man soll denn Kopf nicht hängen lassen. Man so eine Sprüche sind immer wieder lustig. Man kann seine Existenz zwar rückgängig machen aber das ist kein sehr schöner weg. Ich gebe dir einen kleinen Rat obwohl ich nicht weiss ob er das ist was du hören möchtest. Lebe denn Tag so wie du es willst. Kümmere dich nicht um andere um das zu machen was du willst. Das hört sich vielleicht für Menschen doof an die noch Gefühle haben aber das ist das was jeder machen sollte. Ich mache jeden Tag das was ich will. Ich gehe ins Kino wann ich will. Ich gehe schwimmen wann ich will. Ich mache immer was ich will. Denn wenn ein Mensch jeden Tag das gleiche macht dann kann das nicht gut werden. Man muss sich nicht für Familie und Freunde zusammenreißen und so tun als wenn es einen gut geht. Denn wenn es wirklich Familie und Freunde sind dann sollten sie sehen das es einen nicht gut geht obwohl man nix sagt.

23.01.2019 00:22 • x 1 #3


Ex-Mitglied

Zitat von Mila:
Mir jedenfalls geht es so. Innerlich bin ich längst abgestorben und ich beginne ernsthaft daran zu zweifeln, dass das rückgängig gemacht werden kann.

Rückgängig nein, das denke ich auch nicht. Man kann aber versuchen das Leben wieder lebenswerter zu machen.
In dem man die Krankheit annimmt und dann schaut, was kann ich tun damit es mir besser geht, was tut mir gut.
Natürlich ist es mühsam und anstrengend - aber da man den Weg nicht bis zum Anfang zurück gehen kann, bleibt nur einen neuen Weg zu finden.

Zitat von Mila:
Man kann doch nicht nur dafür leben, um kein Loch in das Leben seiner Familie und Freunde zu reißen.

Also das sehe ich bei mir nicht als "nur" an. Ich weiß wenn ich den anderen noch möglichen Weg gehe, wäre ich zwar fein raus aus der Nummer, aber ich habe 2 Kinder und einen Mann.
Und ich bin mir sicher - ich würde ihnen ein sehr schmerzvolles Erbe hinterlassen - und das kommt für mich nicht in Frage - egal wie beschi*** es mir manchmal geht.


Zitat von Theodore-Finch:
Man muss sich nicht für Familie und Freunde zusammenreißen und so tun als wenn es einen gut geht. Denn wenn es wirklich Familie und Freunde sind dann sollten sie sehen das es einen nicht gut geht obwohl man nix sagt.


Auch das sehe ich anders.
Manchmal reiße ich mich auch innerhalb der Familie zusammen. Denn ich bekomme von ihnen Verständnis, sie sorgen sich um mich und für mich.
Und dann kann ich es auch manchmal "zurück geben" - wenn etwas sehr wichtig ist für sie - dann gehe ich dahin oder höre zu, auch wenn das mich an manchen Tagen viel Kraft kostet.
Oder wenn mein Mann Sachen macht - mir zuliebe - und es ihm schwer fällt - aber er macht es für mich.
Dann bin ich auch in der Lage mich zusammen zu reißen - auch wenn seine Sachen in dem Moment nicht geholfen haben.

Denn auch wenn ich es nicht mehr so in Worten, Umarmungen, Gesten zeigen kann - weil ich blockiert bin.
Und andere Menschen - Bekannte-Verwandte-Ex-Kollegen usw - mir recht egal geworden sind, trotzdem liebe ich immer noch meine Kinder und meinen Mann - und ich hoffe und denke auch - das bleibt so.

23.01.2019 00:57 • x 1 #4


Ex-Mitglied

Zitat von florica:
Denn auch wenn ich es nicht mehr so in Worten, Umarmungen, Gesten zeigen kann - weil ich blockiert bin.



Versuch, es wieder zu lernen. Du weißt, es kann alles so schnell vorbei sein. Du wirst es ewig bereuen, diese Dinge nicht getan zu haben. Du bekommst doch auch etwas Positives dadurch zurück, was Dir evtl. auch mehr Kraft gibt.

23.01.2019 09:13 • x 1 #5


Ex-Mitglied

Willkommen, Mila.

Vielleicht hilft es Dir, hier zu schreiben oder andere Gedanken zu lesen.

Alles Gute für Dich.

23.01.2019 09:16 • x 2 #6


Juju

Juju

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Hallo Mila.Willkommen hier im Forum.

Ja, lass mal alles raus. Du wirst hier sicher einige gute Ratschläge bekommen. Probiere sie einfach mal aus. Immer wieder. nicht gleich aufgeben. Natürlich nur die Dinge, zu denen Du auch ein gutes Gefühl haben kannst.
Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du einmal wieder Freude empfinden kannst.
Fühl Dich umarmt

23.01.2019 10:07 • x 1 #7


Matt_iu

Matt_iu

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Hallo Mila,

du hinterfragst deine Situation und dein Leben in einer Weise, auf die ich mit einigen Sätzen eingehen möchte, da deine Gedanken der meinen vor vielen Jahren nicht unähnlich sind.

Zitat:
Zwar stehe ich jeden Morgen auf und erledige Dinge, gehe manchmal arbeiten oder einkaufen, schreibe und telefoniere usw. aber ich frage mich die ganze Zeit, was das eigentlich soll


Diese Erkenntnis hat eine Besonderheit: Sie wirft Menschen aus der Bahn in die man sich anschließend nicht mehr eingliedern kann, sie ist schwerwiegend, als dass sich diese Erkenntnis nicht einfach oder gar nicht wieder vergessen lässt. Und sie hat eine philosophische Tragweite, dass man beginnt - einer Kaskade gleichend - weitere grundsätzliche Fragen an das Leben, bzw. an die eigene Existenz zu stellen. Viele Menschen kommen leider an dieser Stelle nicht weiter, denn sie stellen sich mitunter zwar Fragen mit der richtigen Intention, aber insofern falsch formuliert, als dass sie darauf die falschen Schlüsse ziehen.
Zwar hast du, wie du schreibst, keine suizidalen Gedanken, obwohl du über den Lebenssinn grübelst, aber ich möchte hier trotzdem ein Beispiel anführen: Es gibt Menschen, die sich für den Freitod entscheiden, weil sie im Leben auf die Fragen nach dem Sinn keine Antworten finden, oder dem Leben aus unterschiedlichen Schlussfolgerungen keinen Sinn (Wert) beimessen. Das Problem an solchen scheinbar natürlichen Fragen oder Erkenntnissen (Der Bewertung also, dass das Leben sinnlos und absurd ist) besteht in ihrem Widerspruch zum Leben selbst. Hier ein indirektes Zitat: Es sei absurd den Wert des Lebens beurteilen zu wollen, da das Leben erst die Bedingung der Möglichkeit dieser Beurteilung sei und selbst nicht gemessen werden könne. Anders gesagt, wir müssten aus der Existenz (Leben) erst hinaustreten, sie aus einem Hochsitz betrachten, um sie bewerten zu können.

Zitat:
Wenn man sich so lange Zeit schon dumpf und leer und wertlos gefühlt hat, dass man sich nicht einmal mehr daran erinnern kann, wie sich Lebensfreude anfühlt, worin liegt dann noch der Sinn, zu leben?Jeden Tag aufs Neue aufzustehen, in den Spiegel zu schauen, sich durch den Alltag zu schleppen und sich nachts hin und her wälzen, energielos und einsam vorzuheucheln, dass man schon irgendwie klarkommt - was soll das Ganze?


Wir arbeiten und verrichten Dinge, wie du aufgezählt hast, ohne zu wissen, wofür wird das Ganze eigentlich machen. Wir kommen unweigerlich zur Erkenntnis, dass wir einem Hamster in einem Rad gleichen, der Tag ein Tag aus die gleichen Dinge verrichtet und im Gegensatz zu uns scheint es dem Hamster Freude zu bereiten - er ist glücklich. Die Analogie dieser Tätigkeit hat sogar eine frühere Entsprechung in dem Mythos des Sisyphos. Sisyphos ist der Mythologie nach bis in alle Ewigkeiten dazu verdammt, die gleiche Arbeit zu verrichten: Er rollt einen Stein einen Berg hinauf, der auf der anderen Seite wieder hinunterrollt.
Die zwingende Frage lautet, kann man unter diesen Umständen ein glückliches Leben führen?
Ein besonderer Mensch, den ich beginne kennenzulernen, schreib dazu einst: "So ist es", oder besser noch "so ist es eben".
Die Interpretation dieser und anderer Aussagen lautet wie folgt: "Damit soll jeglicher Versuch unterbunden werden, der Hoffnung nachzulaufen. Der Mensch soll nicht versuchen, der Welt so wie sie nun mal ist und dem eigenen Körper zu entfliehen, um auf etwas zu hoffen, dass sich nicht erfüllen wird. Er soll das Leben genießen mit all seinem Licht und Schatten."

Dazu gehört auch das Leid, der Kummer und der Schmerz. Albert Camus fordert hier das "mittelmeerische" Denken. Also das Denken des rechten Maßes vom Glück, von der Freiheit und von der Gerechtigkeit. Von denen wir fälschlich annehmen, dass wir sie erst erfahren, wenn sie vollständig verwirklicht sind. Doch wie diese Begriffe anzuwenden sind, hängt stark von den Umständen ab, in denen wir uns befinden. Wir können also ein glückliches Leben führen, wenn wir die Vorstellung davon und die Erwartungen darin den realen Bedingungen unserer Existenz anpassen und dazu gehört auch das vermeintliche sinnlose Leben - das Leid, der Kummer und der Schmerz.

Man kann sich gegen das Leben nicht auflehnen, wenn man es nicht gleichzeitig anerkennt. "Die Auflehnung setzt voraus, dass man etwas verteidigt, dass einen Wert hat. Camus ging davon aus, dass die Revolte die Bejahung der grundsätzlichen Werte der menschlichen Existenz bedeutet. Also kann man sich nicht auflehnen, indem man diese Werte ablehnt."

Ich wünsche dir noch einen angenehmen Abend.

23.01.2019 17:42 • x 1 #8


Frederick1

Frederick1

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liebe Mila,

von mir auch ein herzliches Willkommen hier im Forum. Oh dieser Depressionssumpf. Oft sind es alles nur Lügen, was dir deine Depression sagen möchte. Nein du bist wie jeder Mensch wertvoll. Auch wenn du das gerade überhaupt nicht so sehen kannst und empfindest.

Auch für dich gibt es Hoffnung. Selbst weiß ich auch nicht immer wie Hoffnung funktioniert, aber wenn du wieder hoffen kannst, und sei es nur ein ganz klein wenig, du dann wird es dir wieder besser gehen.

Du musst nicht mehr so weiterleben wie bisher, und auch deine Vergangenheit kannst du lernen zu verarbeiten.

Bitte bitte gebe nicht auf, es gibt heute so viele Möglichkeiten.

Und ich sende dir jetzt einen Samen der Hoffnung für dich, pflanze ihn ein, gehe gut damit um. pflege dich und deinen samen, vergesse nicht zu gießen.


in guten Gedanken für dich,

liebe Grüße,


Frederick

23.01.2019 18:04 • x 1 #9




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