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Ich bin nicht nur ausgebrannt

mmchen77

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Zunächst mal : Nein ich bin nicht suizidal ( ich werde mich nicht anzünden - es ist nur eine Metapher )

Ich habe hier einiges durchgelesen und finde mich in einigen Dingen was Depri und Bournout angeht absolut wieder.

Ich komme mit mir und den Gefühlsschwankungen und dieser Leere nicht mehr klar.

Sorry schon wieder das erste Wort : Ich .

Ich fühle mich gar nicht mehr. Alles fing an vor 11 Jahren an. Pflege von Angehörigen -Begleitung über Jahre - mit starken Schmerzeindrücken - Tod ( nein nicht durch mich, sondern jedesmal im Krankenhaus). Für 3 Leute habe ich diese Pflege gemacht. Dabei musste ich immer 600 km von einem Ort zum anderen fahren- zwei Haushalte und einen Fulltime-Job.
Meine Geschwister haben null geholfen.
Ich habe alles so organisiert, daß sie null arbeit damit hatten und null Kosten.
OK!

Mein Mann hat einen 16-Stunden-Tag, den will ich auch nicht immer vollheulen . . .

Ich komme aus diesem Loch nicht raus. . .gestern hatte ich die wahnwitzige Idee, weil mein Mann ein glückliches Leben haben soll, irgendwo abzutauchen. .
Mein Mann ist der liebste Mensch überhaupt und ich möchte nicht immer so -unmöglich traurig - sein!

Diese schwarze Phase dauert jetzt eine Woche an. Ich habe versucht öfter mit meinen Bruder zu telen. Ja - wir haben dann zwei-dreimal geplaudert auch lange . .
Gestern ist ihm der Kragen geplatzt : Ich sollte mal jetzt runterkommen von meiner Psychose!
DANKE ! Dann ist mir der Gaul durchgegangen, weil er sich nicht die Zeit für mich nimmt- das ist ihm, zuviel ! ich bin wütend geworden - und habe ihm dann die Fakten hingeknallt: Er hat null Probleme bisher mit allen damaligen Pflegedings- Sachen gehabt . Organisation = ich , Bezahlung =ich, Erbschaftssachen =ich.

Diese Situation ( meine Wut ) und dass ich Ihn angemacht habe, katapultiert mich absolut ins Schwarze Loch.

Was kommt denn noch ?
Ich meine es geht uns guuuut. Wir haben keine gesundheitlichen Probleme ( hab neulich die Doku einer Frau gesehen, die beide Beine amputiert bekommen hat ---- das sind Probleme !)
Aber es wird einfach nicht besser.

Was soll ich denn noch machen ?
Bücher habe ich hier stapleweise. Tolle Dinge mit Selbstliebe usw, aber das klappt alles nicht. .
Bin ich einfach nur zuuuu sensibel ?
Meine Umwelt sagt Sachen zu mir, die echt teilweise granatenmässig reinhauen ( Beispiel : Ich besuchte jemanden im Krankenhaus - der sagt: Im Nachbarbett ist auch so'n Psycho wie Du )
Ahhhhh jaaaaaaaaaaaa - Danke ! ). Mit mir kann man über alle Themen reden - auch Quantenphysik oder Rezept für Erdbeertorte . . weil ich intelligent bin, bin ich ein Psycho ?

Ich kriege aber kein "Dickes Fell" hin .
Und ICH fühle mich schlecht über eventuelle härtere Antworten von mir darauf.

Mein Bruder sagte neulich : Du bist eine Dramaqueen. Jetzt komm aus der Opferrolle raus. Ähhhh ja !

Ich bin echt NUR traurig und am heulen ( auch jetzt kullern die Tränen )!

09.06.2020 16:45 • x 3 #1


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Pilsum

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Hallo mmchen,

hier im Forum sei herzlich willkommen.

Sehr viel hast Du geleistet, um immer wieder zu helfen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schnell man dabei ausbrennen kann.
Dies ist Dir auch passiert. Hättest Du nicht früher die Notbremse ziehen sollen?
Den Punkt zu sagen, "Ich kann nicht mehr oder Ich will nicht mehr", hast Du irgendwann vermutlich nicht mehr gefunden.
Andere kannst Du schlecht dafür verantwortlich machen.
Dir wünsche ich, dass Du schnell Deine frühere Stärke wiederfindet.
Bestimmt können Dir dafür hier auch einige Anregungen helfen.

Viele Grüße
Bernhard

09.06.2020 17:08 • x 1 #2


laluna74

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Hm, das kommt mir alles sehr bekannt vor. Immer für andere da, die anderen halten sich raus und die Anerkennung bleibt auf der Strecke.

Natürlich macht das wütend. Man ist ja nicht blöd und spürt, dass da etwas nicht ganz richtig läuft.

Es gibt Menschen, die können sich einfach nicht in unsereins hineinfühlen. Es gibt eben solche und solche Menschen. Grundsätzlich gibt es auch die Menschen, die sich für nichts zuständig fühlen und dann im Nachhinein große Sprüche machen können.

Sicher sind das Lektionen, die einem neue Erkenntnisse gewährleisten.

Jetzt kommt es darauf an im rechten Maße in Zukunft damit umzugehen.

Auch das Bild, das man sich von dir gemacht hat ist mir nicht ganz unbekannt. . .

Und auch das macht unendlich wütend, weil man eben falsch bewertet wird und nicht das anerkennt, was man geleistet hat.

Welche Kraft man investiert hat und vielleicht genau deswegen nun oft nicht so funktioniert, wie es gerne gesehen wird, nämlich unauffällig, aber betriebsam.

09.06.2020 17:15 • x 2 #3


mmchen77

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Danke für deine tolle Antwort - die tut gut !

Ja man wird wütend - aber wenn es EINMAL aus mir rausbricht, dann fühle ich mich total schlecht!

Ich muss damit jetzt weiter umgehen lernen. Ich suche nach der richtigen Coping-Strategie, aber mir ist noch nichts eingefallen. Es hat bisher nichts funktioniert.

09.06.2020 17:23 • #4


laluna74

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sorry, etwas wirr geschrieben. . .

wollte eigentlich nur sagen es tut gut daran aus allem was einem widerfährt eine logische Konsequenz zu ziehen.

Das soll natürlich geübt sein, doch halte ich das für den einzigen Weg etwas in Zukunft zu ändern.

Menschen, die mehr geben als sie zurückbekommen geraten aus dem Gleichgewicht. Da hilft es wenig, wenn man noch zusätzlich doofe Sprüche zu hören bekommt . . .

Es geht darum, dass man wieder zurück zu sich selbst findet. Gut für sich sorgt, um dauerhaft zurück in die eigene Kraft zu kommen.

09.06.2020 17:27 • x 2 #5


laluna74

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Die Wut ist berechtigt und kann konstruktiv genutzt werden. Lass die Wut unbedingt zu.

Versuche so neue Wege zu finden, in Zukunft besser auf dich zu achten, auch mal die anderen teilhaben zu lassen.

Es wird dir sowieso nicht gedankt!

09.06.2020 17:30 • x 1 #6


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maya60

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Hallo mmchen und Willkommen im Forum!

Dein Titel über deinem Thema habe ich als schwarzen Humor aufgefasst und musste schmunzeln, denn er sagt sofort alles aus, was auch so viele von uns, wie Pilsum ja auch schon schreibt, selber kennen.

Irgendwie haben wir in unserer Leistungsgesellschaft nie gelernt, unsere Belastungsgrenzen zu kennen und zu wahren und erst, wenn gar nichts mehr geht und unser ausgebrannter Organismus das körperlich und seelisch auch deutlichst zeigt, dann schauen wir zurück, sehen unsere "Burnout-Karriere", obwohl wir doch eigentlich wissen, dass der Tag nur 24 Stunden inklusive Schlaf und Freizeit und Ruhepausen hat, haben wir Vollzeit gearbeitet und nebenher nochmal in der Summe Vollzeit, wo haben wir das denn alles hingesteckt, all diesen Einsatz?

Mein Vater sagte immer: "Sowas bleibt nicht in den Kleidern stecken.", wenn man sich total und ständig übernimmt.

Und das hast du, mmchen, wie viele von uns anderen im Forum hier auch, auch getan.

Verständnis von der Familie gibt´s oft auch nicht, weil die ja selber sich und andere nicht in ihren Grenzen kennen und spüren und darum nur irgendwelche "Sprüche" als Kommentar dazu wissen, oft genug auf Stammtischniveau.

Wir konnten uns selber nicht genug und rechtzeitig in uns einfühlen, andere konnten sich nicht in sich und in uns einfühlen und wenn wir nun gesundheitlich STOP erleben und unser ganzer Organismus nicht mehr kann, dann ist unsere eigene, aber auch die Ratlosigkeit der Familie groß und da Burnout eine schwere psychische Stresserkrankung ist, die sehr nahe an der Erschöpfungsdepression liegt, ist es ja am einfachsten für deinen Bruder, erstmal alle Ratlosigkeit weit von sich wegzuschieben und dich als "Psycho" zu bezeichnen.

Was du ihm geantwortet hast, stimmt, wenn du alle Altenfürsorge und Pflege eurer Eltern gemacht hast und er nichts, aber er wehrt das offenbar alles ab, denn dazu muss man ja über sich selber nachdenken und das lassen die allermeisten Menschen so lange sein wie möglich.

Also sorge du für dich selbst und sieh zu, dass du gute psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung bekommst, um wieder gesünder zu werden und deine Belastungsgrenzen kennen zu lernen und zu wahren zu lernen.

Erzähle kurz und sachlich deinen Nächsten, wie es ist. Das ist kein Grund für Scham oder Schuldgefühle, es ist eine Volkskrankheit geworden und wenn dein Mann 16 Stunden arbeitet, kann er ja vielleicht auch noch von dir lernen, bevor es ihn selber trifft.

Liebe Grüße! maya

09.06.2020 17:31 • x 2 #7


mmchen77

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Du findest die richtigen Worte.....sowas von .....das berührt mich !

09.06.2020 17:35 • x 1 #8


mmchen77

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Danke an alle ! ich lese eure Worte immer und immer wieder. Sie sind so treffend !

09.06.2020 17:42 • x 1 #9


mmchen77

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Ob eine Traumaklinik für mich angesagt wäre ?

09.06.2020 17:46 • #10


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mutmacher

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Traumaklinik - wenn Du die Gelegenheit u. Möglichkeit hast, wäre das doch eine supergute Möglichkeit für Dich, oder ?
Ich habe meine Mutter 3 Jahre gepflegt (in ihrem Haushalt), bis ich nicht mehr konnte, dann gab ich sie ins Altenheim- das war 2017. Sie wird jetzt 95 und ich zahle den Spaß! Wie immer man es anpackt- es ist einfach schwierig.
Wie haben das die Menschen denn früher gemacht ohne die vielen Hilfsmittel ?
Ich kann Dich so gut verstehen, man ist gestresst und gefrustet und sieht kein Licht am Ende des Tunnels. Die meisten Zeitgenossen können die Augen verschließen oder sich aus dem Staub machen, das sind meist die, die alles besser wissen und einen ständig korrigieren.
Aber irgendwie muss es weiter gehen.

11.06.2020 13:15 • #11


mmchen77

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Ich kann Dich so gut verstehen !

Du vollbringst eine tolle Leistung.

Es ist absolut nicht leicht jemanden zu pflegen. Das hat auch immer mit Schmerz und Verfall eines geliebten Menschen zu tun.

Das macht was mit einem !

Früher waren die alten Leute meistens irgendwie in der Familie / Großfamilie untergebracht.
Da konnten sich mehrere Familienmitglieder um Opa und Oma kümmern ( "Hier Jung- bring Opa mal eben das Essen ). Nicht zu vergessen : Opa und Oma hatten eine meistens noch das Gefühl gebraucht zu werden. Es waren ganz andere Strukturen.

Und Wertschätzung - die bekommst Du nur von bewussten und wertvollen Leuten. Ich spreche da aus Erfahrung !

Nochmal : Du machst alles so gut, wie du es kannst ( Du gibst 120% ) - würdest du es besser machen können - würdest Du es tun ! Sei mit Dir mehr als zufrieden ! Du hast Deine Ma bis hierher gebracht ! Sei stolz !

Alles Liebe und Gute !

Vor 30 Minuten • #12


mmchen77

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Ich habe viel gelernt in der letzten Zeit.

Intensive Pflege von Angehörigen macht was mit einem !
Dazu noch die Ignoranz und das Augen-Verschliessen von Angehörigen und Verwandten.

Ich musste erst an einem Tiefpunkt ankommen - und zwar ein absoluter Tiefpunkt.

Ich habe auf dem Friedhof gesessen ( nach einer ganz üblen Woche - in der ich mich ( wie auch immer ) FAST zu Tode gebracht habe ......nein ich bin nicht suizidal ).

Ich war zerrissen, kaputt, total "auf" !

Ich habe auf das Gräberfeld meiner Familie geschaut und eine Stunde lang geheult . Dieser Schmerz ! Ich pflege, ich mache, ich tue, ich fühle, ich leide - und andere "harken" noch mit einer Hacke in meine offenen Wunden ?

NEIN - ich habe den Schmerz abgelegt . Ich habe den Schmerz bildlich auf dem Friedhof abgelegt !

Nahe Verwandte ( oder andere Menschen ) können entweder respektvoll mit mir umgehen - oder ich lege auf oder gehe weg.....oder oder .....
Jeder hat so sein " Karma-Konto " - und ich habe getan was ich kann.
Wenn andere Menschen noch nicht hinschauen wollen oder können - ist das Ihr Lebensweg.

Wenn jetzt dann die dunklen Bilder oder Schmerzen aus der Vergangenheit aufkommen, sage ich zu mir selber : Nein - ihr liegt auf dem Friedhof. Das ist in der Vergangenheit. Da gehört Ihr hin!
JETZT will ich ein anderes Leben.

Die erste Woche war echt schwer. Es ist nicht, wie mit dem Zauberstab - PRINNNNGGGGG
Aber es wird besser !

Der Umgang oder die Wertschätzung der ANDEREN mir gegenüber - gegenüber dem geleisteten - ist nicht anders geworden. DA HAT SICH NICHTS GETAN.
ABER : MEIN UMGANG MIT MIR IST ANDERS GEWORDEN.
Das verändert etwas !

Vor 20 Minuten • x 2 #13

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