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Hausarzt will sofort Antidepressiva absetzen - Was tun?

Mas83

Mas83

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Liebe Leute,

Ich nehme seit ein halbes Jahr Venlafaxin und Amitriptalyn. Das letzte habe ich jetzt abgesetzt. Kurz danach folgte viele Beschwerden und ich konnte endlich mein Psychiater gestern erreichen (er war im Urlaub). Er sagte, es sei alles "sehr ungewöhnlich", "das hat er noch nie gehört" und ich sollte es beim Hausarzt abklären lassen.

Beschwerden:
-Jeder Tag mehrmals übergeben, ca 5 oder 6 Stunden nachdem ich was gegessen habe.
- mir ist immer schlecht
-Schmerzen links unter im Bauch
- Verstopfung
- Gewichtsabnahme
- niedrige Blutdruck
- mir ist manchmal so kalt, dass ich zitterte.

Ich war gerade bei meinem Hausarzt und er sagte, das sind alle Nebenwirkungen vom Venlafaxin. Ich sollte es von heute auf morgen komplett weglassen. Mein Psychiater ist nicht mehr erreichbar (Freitags hält). Ich habe riesen Angst dafür, dass einfach so zu machen. Ich habe ein halbes Jahr noch nie Probleme mit dem Medikament gehabt.

Mein Vater hat Medizin studiert, hat sich spezialisiert im Chinesischen Medizin und Akupunktur. Er ist zufällig auf Besuch. Er hat mich sehr lange untersucht und er glaubt, ich habe eine Entzündung im Dickdarm. Da er aber jetzt im Rente ist, sagte er aber auch dass er sich nicht mit dem modernen Medikamenten wie meine auskennt. Er hat mich geraten zum Arzt zu gehen.

Ich hatte das Gefühl, der Arzt hat mich überhaupt nicht zugehört ("sie nehmen doch kein Venlafaxin mehr?" "doch! Nur keine Amitriptalyn"). Er hat auch mein Bauch nicht abgetastet.

Jetzt sollte ich es also einfach so absetzen und Donnerstag zum Blutabnahme, Bauchultraschall und EKG kommen. Freitag habe ich einen Termin beim Psychiater.

Ich bin mir voll unsicher und habe echt Angst. Was meint ihr?

LG Mas

04.09.2020 11:04 • x 1 #1


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Heideblümchen

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Hallo @Mas83 mein Vorschlag wäre, dass du umgehend (!) in die nächste Notaufnahme fährst und deinen Bauch untersuchen lässt.
Außerdem, dass du dort nachfragst, ob du tatsächlich über das Wochenende einfach so (!) deine Medikamente absetzen darfst (was ich persönlich für sehr riskant ansehe, auch wenn ich diese Medikamente selber nicht kenne). Das Absetzen kann nur ein Fachmann (in dem Fall dein Psychiater) entscheiden und begleiten, sicher nicht alleini der Hausarzt! ......Alles Gute!

04.09.2020 11:52 • x 3 #2


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Mayke1

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Liebe @Mas83 ,
ich kann deine Ängste total gut verstehen! Zumal es Freitagnachmittag ist, und du höchstens noch zu einem Notfallmediziner gehen kannst. Gibt es so eine Anlaufstelle bei euch? Ich habe mit den Feiertags-und Wochenenddiensten immer GUTE Erfahrungen gemacht. Wenn fachärztliche Hilfe nötig war, wurde ein Fachmediziner dazugerufen, bzw. ich konnte dort in die Praxis gehen.
Ich finde, du brauchst jetzt eine Auskunft, die vertrauenswürdig ist.

Was tut dir in deiner momentan unbehandelten Situation gut? Hinlegen? Wärme? Kälte? Tee und Zwieback? Überleg mal, was es sein könnte und das tue. Kennst du deinen Hausarzt gut? Vertraust du ihm bei anderen Behandlungen auch? Sind deine Beschwerden schlimmer geworden, seitdem du weißt, dass wieder Wochenende ist?
Du kannst auch in der Apotheke nach vom Medikament ausgelösten Symptomen fragen. Oft kennen sich auch Apotheker gut aus.
Zumindest hättest du einen Anhaltspunkt bis die neue Woche beginnt.

Ich nehme keines deiner Medikamente. Bin aber zügig am Ausschleichen und zwar in so großen Schritten, wie es der Körper mitmacht. Es klappt ganz gut und ich fühle mich prima.
Ich drücke dir die Daumen für ein entlastendes Ergebnis!
Liebe Grüße von Mayke

04.09.2020 12:05 • x 2 #3


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Eis

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Liebe Mas,

ich würde mich der Empfehlung von @Heideblümchen anschließen und den Bauch vom Arzt untersuchen lassen. Es wird sehr davor gewarnt, Venlafaxin abrupt abzusetzen. Das kann zwar unter bestimmten Bedingungen nötig sein, und vielleicht ist das bei dir auch der Fall. Ich würde das aber nicht alleine ohne Rücksprache mit dem Psychiater übers Wochenende machen.

    Mehr zum Thema: https://www.gesundheit.de/medizin/wirks...itriptylin

    Amitriptylin absetzen

    Amitriptylin sollte nie einfach so abgesetzt werden ansonsten können Nebenwirkungen wie Schlaflosigkeit, Schweißausbrüche, Angstgefühle, Unruhe sowie Übelkeit und Erbrechen auftreten. Stattdessen sollte die Dosis des Medikamentes über einen längeren Zeitraum langsam verringert werden. Besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt, wie Sie die Behandlung mit Amitriptylin am besten beenden können.


Nachdem die Beschwerden nach dem Absetzen von Amitriptylin anfingen könnten es Absetzsymptome sein. Ich hatte auch nur eine sehr geringe Dosis und hatte v.a. mit Schlaflosigkeit und Unruhe zu kämpfen. Hast du das Amitriptylin langsam abgesetzt?

Wenn die Beschwerden, v.a. die Bauchschmerzen stark sind geh bitte ins Krankenhaus, nicht dass eine Erkrankung vorliegt, die u.U. gar nichts mit deiner Depression und der damit zusammenhängenden Medikation zu tun hat. Vielleicht hat dein Arzt ja Recht, und es kommt vom Venlafaxin. Aber dass so massive Beschwerden nach 6 Monaten auftreten halte ich persönlich eher für unwahrscheinlich, wenn du es vorher gut vertragen hast.

LG Eis

04.09.2020 12:32 • x 2 #4


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Das Venlafaxin wird dir warscheinlich ordentlich absetzerscheinungen machen wenn du es einfach weglässt.
Ich würde eher sagen, es kommt vom Absetzen der Amitriptylin, denn damals ging es mir beim Absetzen dieses Medis ähnlich.Außerdem warum sollten jetzt solche Nebenwirkungen nach so langer Einnahme des Venlafaxin auftreten, sie nehmen erfahrungsgemäß eher ab, je länger man sie nimmt.
Ich nehme auch Venlafaxin und die NW die ich am Anfang hatte sind bis auf das ständige Hungergefühl , weg.
Fahr in die Notfallambulanz und lass deinen Bauch untersuchen.
LG Sternchen

04.09.2020 13:05 • x 2 #5


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Eis

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Liebe @Mas83

Wie geht es Dir heute?

VG Eis

05.09.2020 06:50 • x 1 #6


Mas83

Mas83

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Liebe Heideblümchen, Mayke, Sternchen und Eis,

Danke danke für eure Antworten! Sie haben mir darin bestärkt, daß Venlafaxin nicht einfach ohne Absprache mit meinem Psychiater ab zu setzen. Also, ich nehme es noch.

Den Hausarzt wo ich war, war auch nicht mein eigene Ärztin, er arbeitet nur im gleichen Praxis (und ist sogar den Chef). Meine Ärztin ist gut. Es ist nicht schlimmer geworden, weil es Wochenende ist. Hinlegen, Tee trinken und ein bisschen frische Luft hilfen etwas.

Ich bin zu Hause geblieben und nicht in die Notdienst gefahren, da meine Eltern auf dem Ausland gekommen sind und nur ein paar Tage bei uns bleiben. Ich fühle mich sicher mit meinem Vater in der Nähe. Er sagte sogar:"nicht einfach so absetzen".

Mein Vater hat Akupunktur bei mir gemacht und da habe ich gut auf reagiert. Nur nachts habe ich mich einmal übergeben, aber da kam nichts raus. Heute habe ich sogar was gegessen. Ich habe gerade wieder Akupunktur bekommen und heute Abend werde ich es nochmal bekommen . Morgen noch 2 mal und Montag noch einmal. Ich hoffe, dass es gut wirkt. Auf jeden Fall gut genug um durch das Wochenende zu kommen.

Die Schmerzen sind gelindert. Ich bin aber komplett erschöpft und fühle mich, alsob ich ein Grippe habe. Montag werde ich mein Psychiater anrufen und wenn mir dann noch oder wieder so schlecht ist, einen Arzt aufsuchen.

Es könnte schon vom absetzen von Amitriptylin sein, mein Psychiater sagte aber, dass das wohl sehr ungewöhnlich wäre. Er kennt keinen bei wem das passiert ist. Ich habe auch nur 10 mg genommen, dann eine Woche 5 mg und die Woche danach aufgehört. Kann es dann so schlimm sein? Und wenn ja, müsste ich wieder damit anfangen oder jetzt durchhalten? Um ehrlich zu sein, habe ich keine Lust dies hier nochmal zu durchlaufen.

@sterrchnen, wieviel mg hast du gehabt? Was genau waren die Absetzterscheinungen und wie lange haben die angehalten?

Danke dass ihr dass alles gelesen habt und danke für euer liebe Antworten.

LG

05.09.2020 14:55 • x 3 #7


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111Sternchen222

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Zitat von Mas83:
sterrchnen, wieviel mg hast du gehabt? Was genau waren die Absetzterscheinungen und wie lange haben die angehalten?

Vom Amitryptilin? 15 Tropfen zur Nacht in Tropfenform. Beim runterdosieren war ich auch in 5er Schritten unterwegs, jede Woche 5tropfen weniger.
Die Absetzsymtome waren Erbrechen, übelkeit , Schmerzen im Unterbauch sehstörungen und migräneartige Kopfsmerzen
LG Sternchen

05.09.2020 16:02 • x 2 #8


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Eis

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Hallo Mas,
Ich hatte nur 4mg, also 2 Tropfen und dachte irgendwann, das kann doch in dieser Dosierung nicht wirken. Also hab ich es in Absprache mit meinem Psychiater abgesetzt. Ich hab sowohl die fehlende Wirkung wie auch leichte Absetzprobleme bemerkt. Leider weiß ich es nicht mehr ganz genau, weil ich schon so viele Antidepressiva durchprobiert habe und wieder absetzen musste, dass ich den Überblick verloren habe (außerdem ist mein Hirn ein Sieb, da bleibt nichts mehr drin). Jeder reagiert anders auf das Absetzen und ich würde es nicht wieder nehmen, wenn es dir jetzt so schlecht geht beim Absetzen. Es gibt genug andere Antidepressiva. Aber bei @111Sternchen222 sind es ja die gleichen Symptome wie bei dir gewesen. Nur lass bitte trotzdem die Bauchschmerzen untersuchen, falls es nicht besser wird.
Schön, dass dein Vater da ist und dich unterstützt und dass dir die Akupunktur hilft.
LG Eis

05.09.2020 17:14 • x 2 #9


bones

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Ich würde nicht raten wieder mit amitriptylin anzufangen. Und ja es kann davon kommen. Davon berichten sehr viele. Mit venlafaxin hat dies aber nix zu tun. Und auf kein Fall einfach so absetzen, außer du hast die niedrigste Dosis davon.

05.09.2020 17:42 • x 2 #10


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sundancere20j

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Zitat von Mas83:
Beschwerden:
-Jeder Tag mehrmals übergeben, ca 5 oder 6 Stunden nachdem ich was gegessen habe.
- mir ist immer schlecht
-Schmerzen links unter im Bauch
- Verstopfung
- Gewichtsabnahme
- niedrige Blutdruck
- mir ist manchmal so kalt, dass ich zitterte.


Bei mir hat ein Ultraschall des Bauchraums Aufschluss gegeben, als ich wegen ähnlicher Symptome schlussendlich in die Notaufnahme gebracht werden musste. Zudem wurde ein Blutbild gefertigt. Je nachdem, wie lange man die Medikamente nimmt, können die Organe mehr oder weniger in Mitleidenschaft gezogen werden.

Bei mir sind doch tatsächlich, obwohl ich vorher niemals etwas hatte, Gallensteine aufgetreten, die regelmäßig Koliken verursachen. Die können mal leichter auftreten, aber auch wahnsinnige Schmerzen machen, sowie Symptome hervorrufen, wie Du sie beschreibst.

Also noch mal ab zum Hausarzt, damit Du zum Psychiatertermin etwas in der Hand hältst, was ausschließt, bzw. bestätigt, dass es entweder eine organische Ursache hat, oder eben nicht, also reine Nebenwirkungen sind.

Der Psychiater rät zwar gern, was es denn jetzt sein könnte. Wenn man sich jedoch die Mühe macht, Dinge beim Hausarzt ausschließen, bzw. diagnostizieren zu lassen und die Ergebnisse beim Facharzt dabei zu haben, dann macht es diesem die Arbeit auch leichter.

Und für Dich ist es ggf. auch noch mal eine Beruhigung zu wissen, wenn nichts ist. Bzw. kann man Dir richtig helfen, falls man doch was findet. Besser als Rätselraten und ein Austausch darüber, wer welche Nebenwirkungen bei sich bemerkt hat.

06.09.2020 06:22 • x 4 #11


Mas83

Mas83

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Kurze Update: ich bin doch vorgestern in die Notaufnahme gefahren. Bin aber wieder nach Hause geschickt worden, weil "es alles sein konnte", "es Hausarzt Sache wäre" und ich einfach "mal Sport machen sollte".

Lange Rede, kurzer Sinn: jetzt bin ich als Notfall in einem anderen Krankenhaus aufgenommen worden. Ich habe akute Nierenversagen. Hoffentlich können die meine Nieren retten. Morgen folgen mehrere Untersuchungen.

Meine Ärztin und Frauenärztin sind super und haben alles in die Wegen geleitet und darauf bestanden, dass ich ins Krankenhaus fahre.

Die Situation ist nicht so toll.

11.09.2020 01:45 • x 3 #12


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Eis

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Hallo Mas,

Das ist ja schrecklich und spricht vor allem nicht für das erste Krankenhaus. So etwas muss man in der Notaufnahme doch erkennen! Ich würde mich da bei dem 1. Krankenhaus bei der Klinikleitung beschweren, das ist eine Sauerei.

Ich bin aber froh, dass du jetzt anscheinend gut aufgehoben bist. Ich drücke dir die Daumen, dass wieder alles gut wird. Du solltest mal fragen, ob eines deiner Medikamente auf die Leber geht, das könnte natürlich das Antidepressiva sein. Ist bei dir eine regelmäßige Kontrolle der Leberwerte gemacht worden? Mein Arzt macht das etwa alle 3 Monate.

Alles Gute
LG Eis

11.09.2020 19:38 • x 2 #13

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