Hämatokritwert erhöht - was bedeutet das? Habe Angst

BigBearFear

Hallo zusammen,

bin ganz neu hier und hoffe, Tipps oder andere Sichtweisen zu meinem Angstdenken zu erhalten.

Ich leide seit Jahren immer wieder unter Depression. Vor 1,5 J. nahm ich Antidepressiva mit der NW, dass mein Libido stark sank.
Ich informierte mich und ließ mir vom Hausarzt Testosteron-Gel (privat) verschreiben. Da es mir auch psychisch extrem gut ging damit, setzte ich das Antidepressiva schleichend ab und blieb beim Gel.

Da sich nach 7 Monaten an Unterschenkeln Ödeme und Rötungen gebildet haben, dachte ich das käme vom vielen Sitzen und Bewegunsmangel. Erst als die Rötungen kamen, ging ich zum Arzt (Mitte März d. J.). Beim Blutbild sah ich dann:
Hämatokrit: 57 % (Jahre zuvor konstant 49 %)
Hämoglobin: 20 (J. zuvor 17)
Erythrozyten: 6,4 (J. zuvor 5,6/5,7)

Sprich: mein Blut ist etwas zu dickflüssig. Das Testo habe ich sofort abgesetzt. Laut Beipack und nach Recherche sind o. g. NW auf das Testo-Gel zurück zu führen. Seitdem plagen mich Todesängste. "Wann geht der Wert zurück? Geht er zurück? Wie wahrscheinlich sind Thrombosen? Ist das Blut viel zu dick oder noch im nicht gefährlichen Rahmen?".

Der Arzt meinte, ich solle mir keine Sorgen machen, der Wert sei noch ok bei meiner Körpergröße und kräftigen Statur. Er hätte schon was unternommen, sei es notwendig gewesen. Ich könnte höchstens mal viel trinken. Nächstes Blutbild dann Ende April.

Das hat mich nur kurz für 1 - 2 Tage beruhigt. Seitdem beobachte ich meinen Körper aber noch extremer, obwohl ich da schon mein Leben lang penibler bin als andere Menschen. Das Wasser ist raus (Arzt verschrieb mir Diuretika). Seit 1 Woche ohne Diuretika bildet sich kein neues Wasser mehr. Die Rötungen sind noch da - ich meine aber minimal besser geworden. Die Haut wird normal, wenn ich die Beine hoch lege. Sieht für mich aus, als ob das Blut dann zurück fließt und wieder in die Gefäße fließt, wenn ich die Beine wieder runter nehme. Keiner kann mir erklären, was das ist. Der Arzt vermutet, es käme vom erhöhten Wert der roten Blutkörperchen. Aber wieso dann sind nur Gesicht und Unterschenkel und manchmal Hände betroffen?

Ich kontrolliere zwanghaft stündlich, ob sich was verändert, trinke 4 Liter Wasser, gehe fast täglich 1 h schnell walken und jeden Abend, wenn es dunkel wird, habe ich Ängste und teilw. Panikattacken. Habe das gefühl, meinem Körper mit dem Gel übelst geschadet zu haben. Jeder Kopfschmerz ist die Hölle, bei jedem unregelmäßigen Puls-Schlag kriege ich Schauer und schlimme Panik. Die Kopfschmerzen könnten die Anspannung sein, sie kommen vom Hinterkopf und manchmal bis zu den Schläfen durch. Sie sind Abends am stärksten und Tagsüber eher mild und mal da, mal weg. Habe niemanden, mit dem ich darüber reden kann.

Meine Fragen nun:
1.) Kennt sich jemand mit o. g. Blutwerten aus? Gibt es tageszeitl. Schwankungen? Wie schnell regenerieren die sich?
2.) Wie schaffe ich es, dem Arzt zu vertrauen?
3.) Wie schaffe ich es, meine negativen Gedanken zu kontrollieren? "Es ist alles gut, du bist gesund" hilft mir nicht wirklich, da ich ein Mensch bin, der sehr auf Fakten und Plausibilitäten aus ist.

Ich danke schon mal für jede Hilfe, die ich kriegen kann.

10.04.2019 11:45 • #1


aki02

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Soweit ich dein Beitrag verstehe, könntest du an Hypochondrie leiden. Das solltest du von einem Spezialisten z.B. Psychiater prüfen lassen.
Hat Dein Hausarzt dir einfach so Testosteron gel gegeben? Ohne vorher den Testosteronspiegel zu prüfen? Das finde ich seltsam. Gerade bei Antidepressiva ist das ja eine typische nw die nicht unbedingt was mit dem Testosteronspiegel zu tun hat.

10.04.2019 22:54 • #2


BigBearFear

Ja, ich gehe auch fest davon aus, dass ich an Hypochondrie leide. Hatte auch schon eine Therapie wegen Depressionen, bei der aber raus kam, dass diese angstbasiert ist. Bis zu dem Blutbild ging es mir auch recht gut. Seitdem aber jeden Tag Angst, Abends am schlimmsten.

Mein Hausarzt hatte mich damals zum Urologen geschickt. Der Urologe hatte aber keinen Testosteron-Mangel festgestellt und hat mir demnach das Medikament nicht verschreiben wollen. Ein Schreiben vom Urologen ging dann auch an den Hausarzt. Hätte ich bloß auf den Urologen gehört.
Ich hatte meinen Hausarzt trotzdem gebeten, mir das privat zu verschreiben, da es mir damit so viel besser ging als mit Anti-Depressiva.

Hätte ich mich besser informiert, hätte ich das Gel nie genommen. Nun plagen mich Angst, Selbstvorwürfe und Verzweiflung.
Ich bekomme auch nicht so schnell einen Termin bei einem Psychiater und habe im Moment keinen Ausweg aus der Angst.

11.04.2019 20:02 • #3


aki02

3
Ich würde den Hausarzt wechseln. Wenn es keinen Grund gab Testosteron zu verschreiben und er hat es doch getan, finde ich das schon merkwürdig. Mit Testosteron ist nicht zu spaßen und bedarf regelmäßiger kontrollen.
Vielleicht hilft es auch wieder etwas vertrauen zu bekommen.
Und konntest Du in der Therapie an deinen Ängsten arbeiten? Auch wenn du eine Weile auf einen Termin warten solltest, würde ich einen machen. Wenn es gar nicht geht gibt es diverse Anlaufstellen, die sind hier im Forum auch aufgelistet.
Meine Erfahrung gibt es kein 5 Minuten Heilmittel.

11.04.2019 21:48 • #4


mutmacher

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Dein Hämatokritwert ist doch mit 57 % ganz o.k., was soll diese Angst ? Trinke genügend und er wird weiter sinken (54 % wären suboptimal). Für den Hb mit 20 fehlen Referenzwerte, hast Du die vlt. ? weil das von Labor zu Labor anders gehandhabt wird.
Ansonsten vertraue Deinem Arzt - er trägt die Verantwortung für Deine Behandlung und er hat Recht.

12.04.2019 00:08 • #5


BigBearFear

Zitat von aki02:
Ich würde den Hausarzt wechseln. Wenn es keinen Grund gab Testosteron zu verschreiben und er hat es doch getan, finde ich das schon merkwürdig. Mit Testosteron ist nicht zu spaßen und bedarf regelmäßiger kontrollen.
Vielleicht hilft es auch wieder etwas vertrauen zu bekommen.
Und konntest Du in der Therapie an deinen Ängsten arbeiten? Auch wenn du eine Weile auf einen Termin warten solltest, würde ich einen machen. Wenn es gar nicht geht gibt es diverse Anlaufstellen, die sind hier im Forum auch aufgelistet.
Meine Erfahrung gibt es kein 5 Minuten Heilmittel.


War mir alles bekannt damals, allerdings wollte ich das ja nur "ausprobieren" und fühlte mich damit so extrem gut, dass der Beipack an Relevanz verlor. Ich hatte auch eine Überweisung zum Endokrinologen, damit der das genauer Untersucht. Ich würde auch nicht dem Arzt die Schuld geben, im Grunde habe ich ihn überredet und den Bericht des Uro auseinander genommen (die Messung war nur punktuell und für eine zuverlässige Messung müssen mind. 3 Werte im Abstand von 30 Min. erfolgen - er hatte den relevanteren Wert, nämlich das freie Testo (DHT), auch überhauput nicht bestimmt).

Ja, die Therapie war ein voller Erfolg, war allerdings eine TPT und behandelte hauptsächlich meine Depression. Die Hypochondrie ist erst seit dem Blutbild eingeschlagen. Eine 5-Minuten-Heilung erwarte ich auch nicht. Eher erhoffe ich mir hier paar "beruhigende Worte" und evtl. weiß jemand aus Erfahrung mit Blutwerten oder hat med. Hintergrund und kann mir da paar Tipps geben.

13.04.2019 13:56 • #6


BigBearFear

Zitat von mutmacher:
Dein Hämatokritwert ist doch mit 57 % ganz o.k., was soll diese Angst ? Trinke genügend und er wird weiter sinken (54 % wären suboptimal). Für den Hb mit 20 fehlen Referenzwerte, hast Du die vlt. ? weil das von Labor zu Labor anders gehandhabt wird.
Ansonsten vertraue Deinem Arzt - er trägt die Verantwortung für Deine Behandlung und er hat Recht.


Genau, "was soll diese Angst?" frage ich mich jeden Abend. Leider habe ich in meiner Recherche lediglich heraus gefunden ,dass die 57 % "erhöht" sind und 52 % als "geringfügig erhöht" gelten. Das hat mir einfach Angst gemacht und ich werde sie nicht los.

Danke, die Info bringt mich aber etwas weiter, da ich nicht weiß, ab wann man z. B. einen Aderlass machen muss und ob z. B. gerinnungshemmende Medis (Ar.) eingenommen werden müssen. Mit dem HKT war ich mir halt einfach nicht sicher und die Normwerte variieren halt je nach Messmethode. Leider habe ich auch nur eine kumulierte Tabelle mit 5 Messungen der letzten 3 Jahre, bei der keine Referenz angegeben wurde. Ich sehe nur, dass 51,8 % vom selben Labor 03/2017 als "erhöht" markiert wurde, 50,2 % vom selben Labor 06/2017 nicht markiert war.

13.04.2019 14:09 • #7


aki02

3
Also ich kenne mich im Bereich Testosteron etwas aus und ja das freie Testosteron sollte unter bestimmten Umständen bestimmt werden. Wird übrigens sehr selten direkt bestimmt, sondern aus zwei Werten errechnet. Aber im Normalfall reicht es aus das gebundene Testosteron zu bestimmen und wenn das im normbereich liegt, dann sollte man da nicht rumfuschen. Und drei Messungen, das ist auch nicht das regeläre Vorgehen.
Was mich wundrt ist das der Arzt nach der Verschreibung keine regelmäßigen bluttest angeordnet hat. Um genau die Auswirkungen zu kontrollieren.
Ein guter Arzt tut nicht etwas was den Patienten schadet, auch wenn dieser es möchte!
Wie gesagt, ich würde mir einen anderen Arzt suchen. Der kann Dich vielleicht auch noch mal aufklären über deine Werte und Vertrauen schaffen.

13.04.2019 14:48 • #8


BigBearFear

Ich würde nicht sagen, dass ich mich damit sehr gut auskenne (dafür ist Endokrinologie in medizinischer Hinsicht doch zu komplex), aber ich hatte damals - bevor ich es genommen habe - viel recherchiert und mich generell damit befasst, leider aber wohl nur die positiven Aspekte betrachtet und die NW außer Acht gelassen.

Ich frage mich, wie Sportler, die regelmäßig mit Testosteron dopen (was ja heutzutage nicht unüblich ist) - wie z. B. Bodybuilder - die noch weitaus stärkere und hunderfach höhere Dosen nehmen, das mit den NW handhaben. Ich habe ein Bodybuilder-Forum gefunden, bei dem Leute regelrecht von erhöhtem Hämatokrit und anderen NW berichten. Und das ist für die teilweise als wäre es harmlos.
Und es sind Leute, die - subjektiv - anscheinend ein gewisses endokrinologisches Wissen haben (von Hormonen wie LH und FSH sprechen) , wo ich staune, wie locker die das mit den Nebenwirkungen sehen oder als harmlose "Kur" titulieren.

14.04.2019 14:32 • #9