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Habe keine Zukunft im Leben - immer Hartz 4?

Norby1809
Hallo Zusammen, Ich bin der Norbert, 43Jahre jung, verheiratet, zwei Kinder (15&18) aus dem LK Northeim. Eigentlich bin ich keine Typ der mit seinen Problemen an die Öffentlichkeit geht, aber es ist nun die Zeit gekommen, wo ich mir kein Rat mehr weiß. Selbst meine Familie hat einfach keine Chance etwas dagegen zu tun. Mit meinen Lauf in die Depressionen & HartzIV muss ich leider weit ausschweifen. Angefangen hat es bereits 2012. Ich war als KFZ-Mechaniker in einer Deutschlandweiten Werkstattkette tätig. Im Allgemeinen ist diese Werkstattkette bekannt, kranke Menschen zu machen. In diesem Jahr passierte etwas mit meinen Körper. Mein Körper war nicht mehr wirklich belastbar, der Kampf gegen Gebiets- und Vertriebsleiter wurde immer härter. Schmerzen taten sich in meinem rechten Armgelenk auf. Ich kämpfte dagegen an um die Befehlshaber weiterhin zu beglücken. Irgendwann war mein rechter Arm trotz Schmerztabletten völlig außer Funktion. Diagnose: extrem starker Golf- und Tennisarm. Da die Schmerzen nicht zurückgingen, Chronisch. Es wurde viel rumgedoktert bei verschieden Ärzten. Schmerzen blieben bis heute. In meiner Firma wurde ich zusätzlich völlig unter Druck gesetzt wegen dem langen Krankenschein. Ich bekam Angstzustände und Panikattaken, begleitet von wochenlangen Magenkrämpfen. Existenzängste kamen auf. Mein Hausarzt des Vertrauens verschrieb mir Antidepressiver und schrieb mit mir umgehen einen Kurantrag auf den schmerzhaften Arm sowie Depressionen.

Die Reha tat mir zwar recht gut aber mein Arm konnten die natürlich nicht herstellen. Abschlussbericht, dass ich meinen Beruf als Kraftfahrzeugmechaniker nicht mehr ausführen kann. Die deutsche Rentenversicherung wurde mit ins Boot genommen. Nach einer Berufsfindung entschied ich mich dafür in einem BFW (Berufsförderungswerk) eine Umschulung zum Technischen Produktdesigner (ehem. Techn. Zeichner) zu machen. Ich konnte endlich nach einem 10 monatigen Krankenverlauf in der Firma kündigen und meine Umschulung im Sommer 2013 beginnen.

Mir ging es viel besser, die Depressionen wie weggeblasen. Die Tabletten habe ich langsam abgesetzt und entsorgt. Finanziell war ich mit der Familie halbwegs abgesichert. Ich machte zwei Jahre die Umschulung und klotze ordentlich rein. Mein Facharbeiterbrief ist der Hammer, ich bin Megastolz drauf!
Leider ein paar Monate vor meiner Prüfung, kam es zur politische Wende mit Russland. Russland wurde Sanktioniert, was sich auf dem Arbeitsmarkt entscheiden bemerkbar machte. Viele Industrien in meinen Umkreis hatten mit Verlusten zu kämpfen, was mir viele Chefs bestätigten. Technische Zeichner bzw Produktdesigner waren plötzlich nicht mehr gefragt. Es kam also so wie es kommen musste. Von der Prüfung direkt in die Arbeitslosigkeit. Dann kam die VW-Affäre dazu, ein weitere Nackenschlag in der Industrie. Trotz unzählige Anrufe und Bewerbungen blieb ich ein Jahr Arbeitslos bevor ich in den HartzIV viel. Bereits da war meine Stimmung mehr als Depressiv. Zu alt, zu Unerfahren im neuen Beruf, keine Leute werden gebraucht…ICH werde nicht gebraucht!

Rücksprache mit der deutschen Rentenversicherung ergab keine große Hoffnung. Die konnten mir nur ein Institut mit Bewerbung und Praktikum anbieten. Also bin ich dort hin und seit August 2016 beim BNW (Bildung der Niedersächsischer Wirtschaft). Dort lernte man nochmal Bewerbungstraining und sucht sich ein Praktikumsplatz mit Anstrebung auf einer Festanstellung.

Ein Praktikumsplatz hatte ich nach wochenlanger Suche gefunden. Leider stellte sich nach kurzer Zeit bereits raus, dass ich dort keine Anstellung bekomme und selbst wenn dann bei 1500-1600 Brutto!!! Als Facharbeiter! Entspricht ungefähr Mindestlohn. Leider kann weder ich noch meine Familie davon existieren. Dazu käme noch Verschleiß am Auto, da am Tag 84km. Für das BNW aber völlig in Ordnung. Man sollte halt auch mal ein „bisschen“ verzichten können.

Anstatt Hilfe bekommt man im BNW leider nur Kritik. Bewerbungen habe ich vorher im BFW falsch gelernt. Das Bewerben an sich selber war auch falsch. Die Umschulung im BFW ist eine Fehlinvestition gewesen. Man muss mehr nach rechts und links schauen. Man wird halt weniger Geld verdienen als vorher. Ist halt alles so. Da ich keinen Job als Technischen Produktdesigner finde, soll ich mir endlich mal selber klar werden was ich möchte! Mein Herz schlug als Kraftfahrzeugmechaniker, musste ich aufgeben. Lernte den Beruf des Techn. Produktdesigner kennen, der mir auch sehr viel Spaß macht und nu soll das auch vorbei sein?

Es ist der Punkt angekommen, wo ich mir nur noch selbst im Wege stehe. Ich habe keinen Plan mehr, nichts kann mich irgendwie begeistern, dann noch die gesundheitliche Einschränkung mit dem Arm. Menschen und Institute die einen Helfen sollten, wühlen einen nur noch mehr auf. Dadurch das ich noch bis Februar im Praktikum bin, um wenigstens Erfahrungen zu sammeln, und ich früh Morgens bereits um 6:00 Uhr am Steuer sitze, sind Antidepressiver jetzt völlig fehl am Platz. Aber ich leide unter Schlafstörung, Ende Februar geht es wieder ins HartzIV, Existenzängste machen sich doppelt und dreifach bemerkbar. Ich kapsel mich vom sozialen Umfeld ab. Man hat keine Lust mehr sich zu rechtfertigen, was man selber nicht beeinflussen kann. Mein Selbstvertrauen welches ich vor ca. fünf Jahre noch so strotze, ist völlig weg. Ich weiß mir kein Rat mehr…. War es das jetzt? Ein Lebenlang HartzIV?

LG Norby

15.01.2017 16:36 • #1


Hallo Norby,

also erstmal willkommen hier im Forum und ein Dank dafür, dass du deine Geschichte so ausführlich offen gemacht hast. Für jemanden, der es immer gewohnt war, für sich selbst gerade zu stehen ist es sicher besonders schwer, nach außen zu schildern, wie man in eine solche Krise geraten konnte.
Die Geschichte ist besonders deshalb so bitter, weil du dir eigentlich nichts vorwerfen kannst und jetzt trotzdem mit 43 in einer solch tiefen Krise steckst :/.
Meiner Meinung nach, auch wenn es dir nicht helfen wird, bist du ein Opfer unserer immer mehr verkommenen Gesellschaft, in der auf Schwächen (wie deiner Verletzung oder von psychischen Problemen die oft aus solchen Ursachen resultieren) einfach keine Rücksicht genommen wird. Die Gesundheit für einen Job zu opfern und dafür auch noch in den Ar. getreten zu werden ist mehr als ungerecht, das es dir psychisch nicht gut gehen kann mit einer solchen Situation ist also total verständlich.

Diese Hilfsangebote...Bewerbungstraining etc., damit habe ich in meinem Leben ebenfalls schon Erfahrungen machen dürfen und es deckt sich mit deiner Einschätzung. Konstruktive Hilfe ist da leider eher selten angesagt, immer nur Kritik und die Menschen klein machen, hauptsache sie verschwinden aus der Statistik, egal ob die Psyche dabei zerbricht. Bei solchen Sprüchen wie dem "auch mal verzichten" können sind übel. Hier würde ich dir raten, erwarte von solchen Institutionen nichts und nimm dir nicht zu Herzen, was man dir dort sagt. Für solche Institutionen bist du nur eine Nummer. Ob du an der Lage zerbrichst oder dir alle Mühe gibst, dort wird man es dir nicht danken. Und die fachliche Kompetenz, so jedenfalls meine Erfahrung, wächst dort ebenfalls alles andere als in den Himmel. Praktika machen und ein Job von 1.600 € Brutto für einen gestandenen Mann aus dem Arbeitsleben ist ein Witz.

Jetzt zum Ist-Zustand. Trotz der Verletzung und dem schweren Gang ins Hartz-Leben ist das Ende noch lange gekommen. Mag dir die Situation gerade auch so erscheinen, Möglichkeiten gibt es auch weiterhin, sie werden nur schwer zu bekommen zu sein. Hartz 4 zu bekommen mag nach außen hin stigmatisiert sein, besonders wenn man immer gearbeitet hat, es bietet aber auch Chancen. Du musst dich dafür aber auf jeden Fall schlau machen, was es für Möglichkeiten gibt und besonders wie du dich vor Schikanen und dem Drängen in die erstbeste Arbeit (vermutlich auch wieder 1.600 Brutto) schützt. Die Chancen, die dir der Ausstieg gibt, betreffen eher dich. Du wirst mehr Zeit haben und die bestimmt auch brauchen um all die Schläge zu verarbeiten und wieder den Mut zu fassen neu anzugreifen. Hier würde ich dir raten, Dinge auszuprobieren, für die du bisher nie Zeit gehabt hast. Versuche einen Sport zu finden, den du trotz Verletzung machen kannst, hole deine Familie mit ins Boot. Wie bereits gesagt, du trägst nicht die Schuld an der Lage und wirst Unterstützung und leider auch Geduld brauchen, um zu einem neuen Anfang zu kommen.
Nun noch zu den Existenzängsten, vermutlich das schlimmste für dich. Ob du einen Gurkenjob annimmst, der dir 1.100 € Netto einbringt und dich psychisch richtig platt walzt oder den Gang in Hartz 4 gehen wirst, die finanziellen Mittel werden eng. Hält deine Familie trotzdem zu dir? Wenn ja, dann macht einen Finanzplan, man kann sich auch bei H4 problemlos Gelder dazuverdienen um jedenfalls etwas mehr zu haben, aber Einschränkungen werden sich erstmal nicht verhindern lassen. Versuche dich darauf einzustellen und erstmal mit so wenig wie möglich auszukommen und dann in Ruhe wieder anzugreifen, wenn du die neue Lage voll und ganz realisiert hast.
Direkt nach einer Niederlage muss man sich die Zeit nehmen um seine Wunden zu *beep* und in Ruhe einen neuen Plan zu entwickeln.
Vielleicht ergibt sich ganz durch Zufall eine neue Chance, irgendeine Art der Selbstständigkeit vielleicht oder auch ein guter Job, wenn du einfach zur rechten Zeit am rechten Ort bist. Erzwingen lässt sich sowas aber nicht, daher ist Geduld entscheident. Auch um die depressiven Phasen nicht stärker werden zu lassen, sondernd eher zu entschleunigen.

Ich hoffe sehr für dich, dass du einen Weg aus der schei. findest und du bald wieder die Gelegenheit bekommst dein Selbstvertrauen zu stärken. Gib nicht auf, der Ist-Zustand muss sich nicht in die Zukunft übertragen lassen, und solange die Chance auf ein Comeback da ist muss man kämpfen :)

15.01.2017 18:39 • #2


Norby1809
Hallo FoxMulder,

erst einmal herzlichen Dank für Deine nette und hilfreiche Worte. Ja, ich sehe mich genauso als Opfer der Ellenbogengesellschaft. Egal wo man hinkommt, Du bist nix, Du kannst nix, Du wirst nix und wir werden auch dafür sorgen das es so bleibt...friss oder stirb. Dazu die politische und wirtschaftliche Entscheidungen, die den Arbeitsmarkt weiter negativ beeinflussen. Eigentlich möchte ich nur einen Leidens gerechten Arbeitsplatz mit einem Leistungsgerechten Gehalt. Es geht nicht um Reich zu werden, man möchte nur (Über)Leben und hin und wieder mal sich etwas gönnen. Ich möchte eine innere Ruhe finden um endlich wieder normal ohne Tabletten schlafen zu können.

Meine Familie steht voll hinter mir. Meine Frau verdient auch einen Obolus dazu. Mit HartzIV geht es uns nicht viel schlechter als zu meinen Kraftfahrzeugmechaniker-Zeiten. Man kann damit bescheiden klar kommen. Aber es sollte alles anders sein. Man rennt seinen Träumen hinterher, keine Anspruchsvolle aber trotzdem nicht erfüllbare. Träume um an einem normale sozialen Umfeld mit teilzunehmen. Man kommt im Sozialen Umfeld immer wieder in Situationen die einem Unangenehm sind...."Schau mal die Fotos, waren wieder im Urlaub" " Was sagst Du zu meinen neuen Auto?" "Wir haben uns eine neue Küche bestellt" ...Dinge über die ich bis heute noch nie mitreden konnte. Man hat einfach nie die Chance, trotz Bemühungen, bekommen etwas besseres aus dem Leben zu machen. Vielleicht liegt das auch an mir selber, vielleicht stellt man sich auch einfach nur zu dumm an. Es zieht einen einfach nur noch weiter runter. Man zieht sich immer weiter zurück. Zum Glück gibt es wenigstens noch zwei drei sehr gute Freunde die unsere Situation kennen und auch helfen wenn die können.

Vom BNW hatte ich mir im Vorfeld nichts versprochen, es war ein Versuch und eine Möglichkeit wieder unter Leute zu kommen. Ein Versuch vielleicht erhört zu werden und die nötige Hilfe zu bekommen. Das man alles so dreht, dass man wieder in der Opferrolle ist, habe ich so nicht wirklich erwartet. Das Vertrauen zu der Sozialpädagogin ist völlig hin, man spricht nicht mehr über alles, man hält vieles hinterm Baum. Dort schaut man den Leuten nur vor dem Kopf, dass aber jemand innerlich völlig zerbrochen ist, fällt leider niemanden von denen auf und streut meist weiter Salz in die Wunde. Man dachte eigentlich, man tut genau das was die Rentenversicherung, BFW und BNW von einem verlangen um auf die Bestmöglich Hilfe zurückzugreifen. Aber es scheint so nicht zu sein. Leider hat mich der Mut komplett verlassen, um gewisse Sachen zu hinterfragen oder vielleicht gegen anzukämpfen.

Vor dieser Maßnahme war ich bereits knappe drei Monate im HartzIV. Der Mitarbeiter (Arbeitsvermittler) vom Jobcenter war ganz in Ordnung. Leiharbeit bzw. Mindestlohnjobs fallen bei mir wegen Unzumutbarkeit weg. Erstens weil ich insgesamt vier Köpfe zu Ernähren habe und zweitens, da ich meist diesen körperliche hart Arbeiten nicht mehr gewachsen bin. Macht die Gesamtsituation trotzdem nicht viel leichter. Ein tollen Jobangebot von denen wäre mir lieber, aber selbst die haben für mich nichts.

LG Norby

16.01.2017 10:38 • x 1 #3


Deine Beschreibung der allgemeinen Gesellschaft (zum Glück gibt es Ausnahmen) trifft es sehr gut. Besonders der Punkt "und wir werden dafür sorgen, dass es so bleibt"... das Gefühl habe ich oft auch, deshalb misstraue ich Menschen schon sehr grundsätzlich. Nur, glücklich macht einen diese Erkenntnis eben auch nicht geschweige denn sorgt sie für ein angenehmeres Leben. Man muss es einfach realistisch sehen, das Leben ist ungerecht und man kann nur versuchen trotzdem das beste rauszuholen und sich seine Chancen weiter zu erkämpfen.
Das dir dafür aktuell der Mut und auch die Kraft fehlt ist total verständlich. Kann man mit einem Boxer vergleichen, wenn man 15 Runden (vom Leben) durchgeprügelt wurde, dann wie du auch noch eine körperliche Verletzung davon trägt und am Ende trotzdem k.o geht, dann kann man einfach nicht direkt wieder in den Ring und angreifen. Zumal bei solchen Niederlagen die Psyche eben auch empfindlich geschwächt wird, bei einigen weniger, bei anderen eben mehr.
Zum Glück hast du deine Familie und ein paar gute Freunde, das ist heute schon eine ganze Menge wert und viele haben soetwas nicht. Und wenn es finanziell mit Einschränkungen für eine Weile funktioniert, dann solltst du echt versuchen für eine Weile aus dem Hamsterrad auszusteigen. Auf die Leute geschissen, die einem mit neuen Autos etc. zeigen wollen, wie toll sie sind und einfach mal auf Stur schalten. Für die Ämter nur das nötigste und dir in der Zeit einfach mal Zeit für dich nehmen. In Ruhe die Situation aufarbeiten und überlegen, was dir vielleicht wieder Freude machen könnte und ob es andere Bereiche gibt, die dir beruflich zusagen könnten. Wenn man so festgefahren ist, dann muss man sich manchmal neu erfinden um wieder eine Chance zu kriegen, das zu bekommen, was einem eigentlich zusteht.
Tolle Jobangebote von der Arge...da kann man lange warten. Da ist es aussichtsreicher einen Lottoschein auszufüllen .

17.01.2017 15:29 • #4


Lara80
Ich sehe gerade, dass Du online bist und habe mir dein Thema durchgelesen. Was hat sich bei Dir ergeben?

27.03.2018 16:12 • #5


Norby1809
Hallo,

ich bin durch die E-Mail vom Forum nochmals aufmerksam geworden und musste mich direkt noch mal einloggen. Ja, bei mir ist einiges passiert.

Ich hatte das Praktikum beim BNW letztes Jahr mit einem vernichtenden Urteil beendet. Die "Sozial"arbeiterin erklärte mir zum Schluss dass ich mich in einer Opferrolle befinde! Manometer...bin ich sauer aus dem "Laden" raus. Die beiden Praktikumsplätze haben mich schlecht beurteilt. Ich sei wenig motiviert, mein soziales Verhalten wäre mangelhaft und meine Leistung gerade noch ausreichend. Natürlich kann ich mich schlecht selber beurteilen, aber ich war wie immer....energisch, wollte immer mehr, hatte Ziel vor den Augen. Meiner Meinung nach, haben die Praktikums"chefs" eine kostenlose Arbeitskraft gebraucht. Und sei das alles nicht schlimm genug, habe ich noch von der Deutschen Rentenversicherung eine drüber bekommen. Sie gab mir die Schuld daran, dass ich immer noch keine Arbeit habe. Die Sachbearbeiterin wiederholte mir den gleichen Kontext wie die "Sozial"arbeiterin vom BNW. Da zwei Chefs über mich schlecht geurteilt haben, "muss also etwas dran sein"! Das war der Moment wo ich nicht mehr hätte genug essen können, wie ich k***en könnte! Freunde und Verwandte konnten das Urteil überhaupt nicht nachvollziehen, die wissen wie ich ehrgeizig ich arbeiten kann. Die Rente distanzierte sich vor möglichen weiteren Leistungen. Ich fiel wieder ins HartzIV und habe mich gleichzeitig krank schreiben lassen. Abends habe ich kleine Wunderpillen (Name weiß ich nicht mehr) geschluckt um halbwegs vernünftig schlafen zu können. Meine Tochter fing August eine Ausbildung an und durfte mich dank Jobcenter, von Ihren Lehrlingsgehalt mit verpflegen! Grauenvoll so etwas!

Im September plötzlich ein Anruf auf eine meiner Bewerbungen. Eine Firma würde mich gerne kennenlernen, die suchen einen technischen Zeichner. Jetzt war gute Miene zum bösen Spiel gefragt. Macht es Sinn sich vorzubereiten oder gibt es direkt die nächste negative Erfahrung. Ich entschied mich dafür, nochmals in meine Bücher aus der Umschulung zu schauen. Bei dem Vorstellungsgespräch konnte ich vor lauter zittern kaum stehen und sitzen aber versuchte trotzdem cool zu bleiben. Wir einigten uns auf zwei Probetage. Am ersten Probetag habe ich alles aufgefahren was ich gelernt habe und konnte die verantwortlichen Leute bereits zur Mittagspause sehr positiv überzeugen. Man verzichtete sogar auf den zweiten Probetag. Seit dem 01.11.2017 arbeite ich jetzt schon in dieser Firma. Meine Probezeit endet Ende April und ich fühle mich nach fünf Monaten bereits so, als wenn ich zum Inventar gehöre. Tolle Kollegen, toller Chef, toller Arbeitsplatz und die Arbeit wird geschätzt. Das Gehalt ist zwar verbesserungswürdig aber nicht so unterirdisch wie von den Praktikumsfirmen. Rundum macht es mir wahnsinnig viel Spaß dort zu arbeiten.

Auch wenn es alles sehr positiv klingt, habe ich immer noch einige nachwehen. Mit dem Schlafen ist es besser geworden, aber es gibt immer noch einige Nächte wo ich völlig unausgeschlafen aufstehe. Auch habe ich hin und wieder immer noch Panikattacken oder Stimmungsschwankungen. Auf der Arbeit versuche ich die Panikattacken zu überspielen, was dann auch fast immer funktioniert, so dass die Attacken wieder schnell verschwinden.

Aber im Allgemeinen fühle ich mich besser. Ich kann die Familie verpflegen und ich habe wieder eine Aufgabe! Auch gehe ich wieder "gerne" unter Menschen und versuche soziale Kontakte wieder aufzuleben. Der Tatendrang hat mich übermannt

LG Norby

27.03.2018 16:56 • #6


Saonserey
Hallo Norby,

wow, ich habe mir gerade eine ganze Geschichte durchgelesen und bin echt beeindruckt. Weitergehen, Augen zu und durch, Zähne zusammenbeißen, auch wenn es hart wird, und dann nicht lockerlassen.

Gratuliere dir herzlich zu dem, was du erreicht hast und freue mich, dass deine Geschichte einen so positiven Ausgang hat.
Das liegt aber vor allem an dir selbst und dass du nicht aufgegeben hast, trotz der widrigen Umstände! Wirklich stark und ein tolles Vorbild auch für andere, die vielleicht in einer ähnlichen Situation stecken.

Ich ziehe meinen Hut vor dir!

Liebe Grüße
Saonserey

P.S.: Es ist schön, auch mal positive Geschichten zu lesen. Das ist wirklich aufbauend.

28.03.2018 08:57 • #7


Hallo Norby
Viel Glück weiterhin wünscht dir
col

28.03.2018 15:44 • #8


Norby1809
Danke für die Glückwünsche

Ich möchte aber noch eins anmerken. Die Erlebnisse der vergangenen Zeit haben ein ganz schön geprägt. Man ist nicht mehr der selbe wie vor ein paar Jahren. Auch wenn man versucht wieder soziale Kontakte aufzuleben, ist es leider nicht so einfach. Bei sehr guten Freunden und Verwandten geht es vielleicht noch, aber bei Mitmenschen die man nur so ein bisschen, nicht so gut oder gar nicht kennt, bin ich sehr schnell auf dem Baum wenn da irgendwas meines Erachtens nicht richtig läuft. Ich wurde ziemlich egoistisch, vielleicht weil die eigene Zeit rennt. Man verlernt Rücksicht zu nehmen, da man solches viele Jahre auch nicht bekommen hat. Ich dachte immer es legt sich vielleicht irgendwann wieder, aber bei der aktuellen "schrägen" Gesellschaft funktioniert es leider nicht. Fressen oder gefressen werden.

29.03.2018 16:54 • #9


Ich weiß natürlich nicht wie es bei dir ist.
Bei mir ist es so, dass ich einfach dünne nerven hab, seit es das erste mal richtig eingeschlagen hat.
Ich bin dünnhäutig (auf Stöße)
Unabhängig von Gesellschaftsentwicklung

col

29.03.2018 21:06 • #10


Wave77
Zitat von Norby1809:
Ich wurde ziemlich egoistisch, vielleicht weil die eigene Zeit rennt.


das würde ich bei deiner Vorgeschichte als positiv sehen. Tue was für Dich

30.03.2018 10:11 • #11


robbi
Zitat von Norby1809:
Auf der Arbeit versuche ich die Panikattacken zu überspielen


Wie schaffst Du es, die Panikattacken zu überspielen? Ich könnte das glaube nicht. Danke für Tipps.

30.03.2018 10:16 • #12


Norby1809
Moin zusammen

Zitat von col:
Ich weiß natürlich nicht wie es bei dir ist.
Bei mir ist es so, dass ich einfach dünne nerven hab, seit es das erste mal richtig eingeschlagen hat.
Ich bin dünnhäutig (auf Stöße)
Unabhängig von Gesellschaftsentwicklung

col


Dünnhäutig hauptsächlich nur durch die Gesellschaft. Dinge können mich nicht aus der Ruhe bringen. Die Gefahr verletzt zu werden finde ich schlimmer als alles andere.


Zitat von bernd77:

das würde ich bei deiner Vorgeschichte als positiv sehen. Tue was für Dich


Ja in meinen Gedanken habe ich nicht mehr so viele Platz für andere. Ich konzentriere mich wirklich lieber auf die eigenen Sachen und meinen sehr nahen Umfeld.


Zitat von robbi:

Wie schaffst Du es, die Panikattacken zu überspielen? Ich könnte das glaube nicht. Danke für Tipps.


Ich habe irgendwann irgendwo in den tiefen vom www gelesen, wenn man eine Panikattacke mit Luftnot hat soll man sprechen. Wenn man sprechen kann, bekommt der Körper genug Sauerstoff, egal was das Gehirn einem suggeriert. Mit Kollegen sprechen hilft mir da. Allein zu Hause hatte ich da schon kräftigere Panikattacken (obwohl da wohl Selbstgespräche auch gut helfen sollen). Nach dem sprechen versuche ich mich dann wieder auf die Arbeit zu konzentrieren und die Attacke ist nach kurzer Zeit wieder weg. Leider bin ich dem Auslöser noch nicht wirklich auf die Schliche gekommen Eventuell könnte das bei mir vom Nackenwirbel kommen, da ich ständig unter Verspannungen leide. Sind aber seit dem Arbeitsbeginn immer besser geworden.

31.03.2018 08:08 • #13


Saonserey
Hallo Norby,

das ist ja wirklich ein guter Tipp, den ich so noch nicht kannte. Und kommt uns Frauen ja entgegen. Einfach sprechen, erzählen, reden. Ich werde mich beim nächsten Anflug einer Attacke mal daran halten und es ausprobieren. Es scheint ja Sinn zu machen. Ablenkung ist immer gut.

03.04.2018 10:13 • #14




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