Habe immer nur Pech im Leben / bin einsam

Löffelei

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Ich weiß, dass jeder Mensch Probleme hat und ich bin mir sicher, dass viele Menschen auch größere Probleme haben als ich. Aber das hilft mir nicht dabei, mit den Geschehnissen des letzten halben Jahres oder meines ganzen Lebens fertig zu werden. Ich habe mein Leben nie als einfach empfunden, vermutlich schon deshalb, weil ich seit meiner Kindheit "anders" war, von meiner Mutter von Arzt zu Arzt bzw. Psychologen geschleppt wurde, ohne konstante Behandlung oder auch nur gesicherte Diagnose. In meinem Erwachsenenleben habe ich mehrmals versucht, eine Therapie anzufangen, aber es ist nie wirklich etwas daraus geworden. Zum einen habe ich Angst davor, ehrlich zu sein, weil ich den Satz: "Gehen Sie in die Psychiatrie" fürchte und zum anderen wartet man ja oft so lange auf einen ambulanten Platz, dass die Akutsituation dann schon wieder vorbei ist und man - oder besser gesagt ich - immer geglaubt habe, mir schon selbst iwie geholfen zu haben. Dass es immer nur notdürftig war habe ich zwar erkannt, aber nicht wahrhaben wollen. So schleppe ich die Probleme meines Lebens unbearbeitet mit und mit jeder neuen Stresssituation merke ich, dass ich kaum Widerstandskräfte habe. Im Raum standen Diagnosen wie ADHS, Borderline oder einfach nur erst einmal "Persönlichkeitsstörung". Alle Geschehnisse während meines bisherigen Lebens zu erzählen, würde glaube ich den Rahmen sprengen, nur so viel: ich bin schon mit 16 von zuhause weg gegangen und ich habe zusätzlich zu den psychischen Problemen eine chronische Krankheit, die mir regelmäßig starke Schmerzen verursacht und die noch nicht heilbar ist.

Zum letzten halben Jahr - eine einzige Akutsituation... Im April gab es einen Todesfall in der Familie, das habe ich am Tag meiner Prüfungen (ich studiere) erfahren und das Semester ging quasi mit der Beerdigung los. Das Studium ist sehr lernintensiv und da ich nebenbei arbeite, ist es nicht einfach zu organisieren. Kurz nach der Beerdigung wollte ich in ein Studentenwohnheim ziehen (ich hatte vorher als Notlösung in einem kleinen Zimmer in der Wohnung eines Freundes gelebt, zwei Wochen nach Einzug stellte ich aber Kakerlaken in der Wohnung fest und zog zurück. Zwei Umzüge während des Semesters innerhalb eines Monats sind auch nicht unbedingt ein Traum und sie kosten natürlich auch Geld. Kurz danach hat mein Freund (Fernbeziehung) sich getrennt und das hat mir ziemlich den Boden unter den Füßen weggezogen. Ich war jedes Wochenende bei ihm und plötzlich saß ich hier fest, wo ich mich ohnehin nicht wirklich wohl fühle. Ich habe versucht, mich auf das Studium und die Arbeit zu konzentrieren, aber ich konnte nicht mal mehr richtig lachen und auch vor Freunden nicht mehr so tun, als wäre alles in Ordnung. Ich fühlte mich von Tag zu Tag einsamer. Diese Woche wurde mir dann auf der Arbeit mein Rucksack u.a. mit Portmonee, Schlüssel und Handy geklaut, während ich kurz im Büro nebenan war. Es muss alles sehr schnell gegangen sein, als ich zurück kam, waren die Sachen weg und es bestehen kaum Chancen, etwas davon wieder zu sehen. Den Rest der Woche habe ich mich iwie um alles gekümmert bzw. alles in die Wege geleitet, stehe aber halt trotzdem mit einem Schaden von ca. 1500€ da und 2-3 Wochen ohne EC-Karte oder Krankenversicherungskarte. Mein Umfeld gibt mir das Gefühl, ich würde übertreiben. Mein "bester Freund" konnte keine halbe Stunde bei mir bleiben bis mein Mitbewohner gekommen wäre, weil er zu seiner neuen Freundin musste, die wohl komisch geguckt hatte, als er losgefahren war. Eine "Freundin" aus der Uni sagte mir, ich solle mich nicht so anstellen, ich würde schließlich in ***** leben und da passiere sowas ständig. Heute ist Freitag, ich bin zur Ruhe gekommen und ich fühle mich so wahnsinnig einsam, weil sich einfach niemand dafür interessiert, wie es mir jetzt geht. Ich meine, warum darf ich nicht mal darüber reden, dass ich traurig bin? Es ist mies, was mir passiert ist, warum darf ich das nicht einfach mal so sagen, ohne dass scheinbar gleich der Eindruck entsteht, ich würde den Kopf in den Sand stecken? Merken die anderen denn nicht, dass ich mich dadurch nur noch einsamer fühle und noch trauriger werde?

Ich bin ein Mensch, der immer für andere da ist, wenn sie Probleme haben und ihnen zuhört, ohne sofort zu sagen, sie sollen sich zusammenreißen. Warum werde ich jetzt emotional so alleine gelassen? Was stimmt nicht mit mir, dass ich scheinbar keine wahren Freunde habe, wenn ich sie brauche? Ich möchte nicht mehr auf den Campus (meine Arbeit befindet sich auch dort), ich möchte weg von hier! Ich schlafe oft mit dem Gedanken ein "Bitte lass mich nicht wieder aufwachen". Ich habe in meinem Leben immer wieder neu angefangen, wenn etwas schief gegangen ist und immer weiter gemacht und versucht, mich nicht hängen zu lassen, aber ich habe iwie das Gefühl, ich kann jetzt einfach nicht wieder aufstehen. Das da oben liest sich für Außenstehende vielleicht banal, aber es ist gefühlt nur ein Teil einer nicht enden wollenden Pechsträhne und ich weiß nicht, was ich noch versuchen soll, damit sie endet. Und ich habe das Gefühl, ich ziehe auch alle, die mir nahe stehen mit hinein... sie müssen mir jetzt zB Geld leihen, damit ich erst einmal über die Runden komme. Mein Mitbewohner musste heim kommen, weil der Schlüssel ja weg war und hatte deshalb Stress auf der Arbeit. Und weil es nur sehr wenige sind, die mir wirklich zuhören wollen, wenn ich über meine Gefühle reden möchte, bekommen die paar Personen natürlich viel ab und ich habe Angst, sie zu überfordern und noch einsamer zu werden.

Ich weiß, dass ich mir selbst helfen muss, aber ich sehe einfach keinen Sinn mehr darin, es zu versuchen, denn bisher ist immer alles nur wieder und wieder schief gegangen. Ich kann nicht mehr so tun, als wäre alles ok, aber lasse ich es mal raus, heißt es nur, ich bemitleide mich. Das mag vielleicht sogar sein, aber ich kann einfach nicht mehr anders. Ich kann nicht mal mehr weinen und ich habe Angst vor jedem neuen Tag, vor neuen Menschen, davor wieder verletzt oder abgelehnt zu werden. Es ist eine Schranke in meinem Kopf, die meine Gedanken auf engem Raum zusammensperrt und sie kreisen lässt und nicht zulässt, dass ich etwas verarbeite. Sport hilft nicht, rausgehen hilft nicht, Musik hören hilft nicht, Trinken hilft erst recht nicht... Ich stehe wieder auf der Warteliste für einen Therapieplatz, aber was, wenn mir da auch nur wieder gesagt wird, ich bemitleide mich oder ich soll doch in die Psychiatrie gehen? Mein Leben ist bestimmt von Angst, Trauer und Einsamkeit und dem Versuch, irgendwie den Schein zu wahren, irgendwie das Studium zu schaffen und mich weniger selbst zu verachten.

12.09.2014 22:05 • #1


butterfly

butterfly

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Hallo Löffelei,

ich kann Dir leider nicht viel schreiben, da es mir selber beschissen geht. Nur soviel: Das, was die Menschen in Deiner Umgebung "Selbstmitleid" nennen, ist in Wirklichkeit das Bedürfnis, Dich auszusprechen, damit es Dir ein bisschen leichter wird. Das ist absolut legitim! Ich nenne es: Sich die Wunden *beep*. Kennst Du das Buch "Selbstmitgefühl" von Kristin Neff? Was Dir alles geschehen ist, ist ganz einfach viel Leid. Du musst Dich nicht "zusammenreißen". Du bist schon diszipliniert genug, wenn Du trotz Deiner schweren Krankheit studierst und arbeitest. Da reißt du dich schon genug zusammen. Das Tragen von Leid ist auch eine Leistung, sieh das Ganze von diesem Blickwinkel aus.
Es gibt auch Beratungsstellen von Kirchen, wo Du hingehen kannst, wenn Du noch länger auf einen Therapieplatz wartest.
Ich würde Dich jetzt so gerne trösten, ich krieg aber selber nix auf die Reihe. Ich habe den Eindruck, dass Du eine sehr tapfere Frau bist, die immer wieder aufsteht, auch wenn Du Momente hast, in denen das Ganze für Dich keinen Sinn mehr hat. Diese Gefühle kenne ich auch, aber dann kommen immer wieder Zeiten, in denen ich ganz viel Hoffnung habe. Vielleicht geht es Dir auch so. Aber in den Momenten, wo man ganz am Boden ist, kann man das Licht am Ende des Tunnels nicht sehen. Das ist ganz normal.
Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und dass es bald wieder aufwärts geht!

Lg butterfly

13.09.2014 09:48 • #2


achtsamkeit

achtsamkeit

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Hallo Löffelei,
du steckst in einer tiefen Trübsinnigkeit (Depression) und alleine kommst du meiner Meinung nach nicht da raus.
Du hast ja ein paar wenige Freunde, die dir zuhören. Das reicht doch! Die anderen wollen sich nicht mit deinem Kummer belasten und reagieren entsprechend mit Ablehnung. Es macht auch keinen Sinn oberflächlichen Freunden etwas von dir zu offenbaren.
Konzentriere dich lieber auf sehr wenige gute Zuhörer!
Wie Butterfly schon geschrieben hat bietet die Kirche Sprechstunden an, an manchen Orten gibt es da auch Notfallpsychotherapeuten.
Du hast Angst davor, dass dein Schmerz nicht ernst genommen oder als Anstellerei definiert wird.
Die Angst brauchst du meiner Erfahrung nach bei Psychotherapeuten nicht zu haben!!! Und so schnell wirst du auch nicht in die Psychiatrie überwiesen.
Vielleicht würde dir aber eine psychosomatische Klinik gut tun. (Schau es dir mal im Internet an. zB. Berus Klinik im Saarland).
Du kannst auch deine Krankenkasse um Rat fragen. Zudem bekommst du da auch einen Schrieb, dass du Krankenversichert bist, bis neue Papiere da sind.
Und dann könntest du auch auf der Uni zum Psychologischen Studentendiesnt gehen. Auch dort kann dir geholfen werden.

LG Achtsamkeit

13.09.2014 13:01 • #3




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