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Gruppentherapie nach über 10 Jahren Erfahrung im Einzel

W

WriteLikeMe
Gast

Zu meiner Historie: Vor gut 12 Jahren wurde mir eine rezidivierende Depression bzw. eine depressive Persönlichkeitsstörung attestiert. Mit der ersten Psychologin, bei der ich vorstellig wurde, hat es auf Anhieb gut gepasst, sodass ich (im Schnitt) alle zwei Jahre immer wieder bei ihr in Behandlung war. Hatte bei ihr in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie viele Aha-Momente, von der Kindheit über Todesfälle in der Familie bis hin zu aktuellen Problemen wurde alles beackert, was mir eigentlich auch immer geholfen hat.

2023 war ich (nach Suizidgedanken, die mir zu dieser Zeit Angst eingejagt haben) für kurze Zeit stationär in einer psychosomatischen Klinik. Da ich mit dem mir zugeteilten Therapeuten partout nicht klarkam, ihm das auch ganz offen sagte und meinem Wunsch nach einem Wechsel nicht nachgekommen werden wollte, habe ich mich selbst entlassen. Nach einer Weile ging es mir dann auch wieder besser. Auch da gab es schon Gruppentherapie, allerdings mit verschiedenen Krankheitsbildern, sodass es mir nicht viel gebracht hat.

Letztes Jahr (2025) habe ich mich, als es mir mal wieder nicht so gut ging, erneut bei „meiner“ Psychologin in Behandlung begeben, was auch „okay“ war. Spätestens da hatte ich aber das Gefühl, dass ich mit ihr nicht mehr so richtig weiterkomme. Kann halt leider passieren, dass man, wenn man sich schon länger kennt, oft schon weiß, was das Gegenüber worauf antworten wird. Da die Dame auch schon ein bisschen älter ist, reifte in mir der Gedanke, dass ich gerne bei einer jüngeren Psychologin unterkommen würde, die vielleicht ein paar modernere Ansätze verfolgt – und weil es eben ein anderer Mensch ist, der grundsätzlich anders tickt.

Nachdem ich nun dieses Jahr (nach etlichen Sprechstunden in verschiedenen Praxen) bei der Praxis gelandet bin, die ich auf dieser Suche als Erstes aufgesucht hatte und mir eine Verhaltenstherapie nahegelegt wurde, bin ich dort jetzt in Behandlung bei einer Psychologin, mit der es wirklich gut passt. Hatte jetzt drei Einzeltermine bei ihr, die mich schon gut weitergebracht haben. Allerdings bin ich bei ihr leider nicht langfristig im Einzelsetting, sondern habe dort jetzt eine Verhaltenstherapie in der Gruppe angefangen, weil es keine Einzelplätze gibt. Kurzum, ich habe neben fünf Einzelterminen also die Gruppentherapie, die (inkl. kurzen Pausen) noch bis Anfang Dezember geht.

Habe jetzt zwei Gruppenstunden hinter mir, in der es eigentlich nur um Psychoedukation geht. Das heißt, dass mir bisher alles schon lange bekannt ist, was mir bzw. uns da vermittelt wurde. Man merkt auch an den Reaktionen, dass anscheinend fast alle noch keine Therapieerfahrung haben – im Gegensatz zu mir. Was auch die Vermutung „meiner“ Psychologin war, die die Gruppe zusammen mit einer Kollegin leitet. Sie meinte aber, dass ich (da es eine andere Therapieform ist) vielleicht doch was Neues lernen könnte und es mir eventuell auch was bringen könnte, wenn ich anderen mit meiner Erfahrung helfe.

Allerdings habe ich nach den ersten zwei Stunden so meine Zweifel, ob das wirklich noch was wird. Ich weiß auch nicht, ob mir der Austausch mit den Mitpatienten hilft, die mit ihrer Erkrankung noch ganz am Anfang stehen. Auch bei den „Hausaufgaben“, die wir mitbekommen haben, kenne ich die Antworten für mich schon lange. Jetzt bin ich am Überlegen, ob ich die beiden Einzeltermine noch mitnehme und dann die Gruppe beende, zumal es mir ohnehin schon besser geht. Oder ob ich weitermache, falls dann doch noch was Hilfreiches dabei rumkommt.

Nach einer sehr langen Einleitung nun meine eigentliche Frage: Hat hier jemand (mit einer ähnlich langen Behandlungs-Historie) auch schon mal eine Gruppentherapie absolviert und daraus Erfahrungen oder neue Erkenntnisse mitgenommen, die einen nachhaltigen Nutzen hatten? Oder ist die Chance eher gering, dass ich daraus noch etwas Hilfreiches mitnehmen kann?

Habe jetzt für kommenden Montag einen Termin bei meiner Psychologin, wäre dann der vorletzte Einzeltermin bei ihr. Den letzten Termin will ich nach Möglichkeit aber auf jeden Fall auch noch wahrnehmen, ganz egal, wie ich mich in Sachen Gruppentherapie entscheide.

Vor allem will ich aber wissen, was in den nächsten Stunden noch drankommt. Thematisch ist die Gruppe ja ziemlich klar abgesteckt, deswegen sollte es eigentlich kein Problem sein zu sehen, ob sich die weitere Teilnahme für mich noch lohnt. Aber wie gesagt, mich würde interessieren, ob hier jemand in einer ähnlichen Situation war.

• x 1 #1


17 Antworten ↓
Dys

Dys
Mitglied

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Zitat von WriteLikeMe:
Nach einer sehr langen Einleitung nun meine eigentliche Frage: Hat hier jemand (mit einer ähnlich langen Behandlungs-Historie) auch schon mal eine Gruppentherapie absolviert und daraus Erfahrungen oder neue Erkenntnisse mitgenommen, die einen nachhaltigen Nutzen hatten? Oder ist die Chance eher gering, dass ich daraus noch etwas Hilfreiches mitnehmen kann?

Persönlich stand ich Gruppentherapie immer offen gegenüber und werde es auch weiterhin bleiben, obwohl ich für mich momentan keinen Bedarf sehe. Schon seit der ersten, an der ich teilnahm war mir bewusst, ich werde mit Dingen konfrontiert werden, die mir gefallen oder nicht, die mich gefühlsmäßig berühren oder nicht, die ich anders sehe oder nicht und mit Menschen, die ich vielleicht noch mal sehe oder nicht.

Deswegen war jede Gruppe eine eigene Erfahrung, die nicht mit der vorherigen vergleichbar war, abgesehen davon, dass sie in einem Raum mit anderen Menschen und einem Therapeut oder einer Therapeutin stattgefunden hat und ein paar grundlegenden Regeln unterlag, wie man bitte untereinander kommunizieren und miteinander umgehen sollte.

Etwas hilfreiches konnte ich für mich immer mitnehmen. Es ist ja auch hilfreich, wenn man es schafft, sich von Menschen oder Dingen distanzieren zu können, die einem nicht gut tun. Oder mal etwas aushalten zu können, obwohl man reagieren will, aber es eben nicht muss. Spannend ist es ohnehin nur, was Etwas mit einem selbst macht und vielleicht kann man das auf‘s Leben im Alltag adaptieren, wenn es was Gutes mit einem macht und natürlich auch wenn es was weniger Gutes macht.

Heilung habe ich nicht erfahren, aber es wurde ja auch nicht versprochen, dass Gruppentherapie dies erreichen wird.

09.09.2026 15:17 • x 2 #4


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Hallo WriteLikeMe,

Gruppentherapie nach über 10 Jahren Erfahrung im Einzel

x 3#3


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Nelly30
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@WriteLikeMe ich hatte auch schon viel Erfahrung vorher mit Einzeltherapie als ich , wie du wegen Mangel an Einzelplätzen , bei einer Gruppentherapie teilnahm. Die Gruppe hat mir einiges gebracht . Allerdings auch, weil die Therapeutin an sich schon sehr gut war. Bei ihr habe ich auch endlich die passende Diagnose erhalten. Ich war die mit der heftigsten Thematik da von allen , würde ich so sagen , wenn man es denn bewerten wollte. Das für mich häufig nicht so schön ! Ist aber auch Teil der Gruppendynamik. Sich zu erkennen am Unterschied der anderen. Aber das wäre auf jeden Fall etwas, wo neue Erkenntnisse kommen können. Je nachdem wie der Raum gehalten werden kann von der Therapeutin.
Ob dir dieses Setting insgesamt mehr bringt als es dich kostet ist eine sehr individuelle Abwägung. Häufig saß ich auch da und habe nicht raus ziehen können - aber auch das ist Realität bei einer Gruppentherapie in der mehrere Menschen zum Sprechen kommen.
Insgesamt ist Gruppe wircklich gut um zwischenmenschliche Dynamiken aufzuzeigen. Der Raum ist weniger kontrolliert und sicher als im Einzel. Auch wenn du jetzt nach zwei Sitzungen das Gefühl hast , du bist schon weiter, kann sich das noch ändern. Mit der Erfahrung die du schon hast, bist du auch eine Bereicherung für die anderen. Und ihr könnt euch noch aneindender angleichen.

Ich für meinen Teil bereue diese Zeit in der Gruppe nicht. Sie hat mir Halt gegeben und dafür war es nicht von Bedeutung, dass die anderen Teilnehmer weniger weit als ich waren. Am Ende habe ich Sie fast bis zu Ende geführt als Langzeittherapie- 3 Sitzungen früher beendet. Dann war ich nämlich tatsächlich ungeduldig und hatte eine Einzel Traumatherapie in Aussicht. Leider nichts geworden.

Es braucht einfach wircklich ein bisschen mehr Zeit bis die ganze ''Kiste'' in Bewegung kommt und die Leute dort mit ihren Themen den Raum auch tatsächlich betreten. Wenn dann die Dämme brechen und du mit deinem Schmerz da sitzt und heulst hat das etwas wircklich entlastendes. Ich bin häufig ''vorgegangen '' und die Gruppenschwestern haben mich mit meinem Mut respektiert. Das war eine der guten Erfahrungen.

09.09.2026 12:39 • x 1 #3


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Fritz
Hi WriteLikeMe
Erstmal willkommen!
Ich kann mich in deiner Lebenseinstellung sehr gut wiederfinden.
Ich habe ähnliches wie du mitgemacht.
Durch REHA Maßnahmen, Klinikaufenthalte, medikamentöse Einstellungen, Gruppentherapie
und 14 Jahre Selbsthilfegruppe, habe ich meine Psyche sehr gut in Griff.
Das hat aber Jahre gedauert, von heute auf morgen klappt gar nix,
Heute lebe ich sehr zurückgezogen, aber keinesfalls ohne dem Allgemeinwissen.
Ich mache täglich Entspannungsübungen, Atemübungen und Meditation und das werde ich nie mehr ändern.
Ich lebe sehr bewusst, ernähre mich vegan und bin zufrieden und dankbar mit dem, was ich so besitze.
Servus und bedenke, nur einen Brief gibt man auf, sonst nix.

• x 1 #2


N
@WriteLikeMe ich hatte auch schon viel Erfahrung vorher mit Einzeltherapie als ich , wie du wegen Mangel an Einzelplätzen , bei einer Gruppentherapie teilnahm. Die Gruppe hat mir einiges gebracht . Allerdings auch, weil die Therapeutin an sich schon sehr gut war. Bei ihr habe ich auch endlich die passende Diagnose erhalten. Ich war die mit der heftigsten Thematik da von allen , würde ich so sagen , wenn man es denn bewerten wollte. Das für mich häufig nicht so schön ! Ist aber auch Teil der Gruppendynamik. Sich zu erkennen am Unterschied der anderen. Aber das wäre auf jeden Fall etwas, wo neue Erkenntnisse kommen können. Je nachdem wie der Raum gehalten werden kann von der Therapeutin.
Ob dir dieses Setting insgesamt mehr bringt als es dich kostet ist eine sehr individuelle Abwägung. Häufig saß ich auch da und habe nicht raus ziehen können - aber auch das ist Realität bei einer Gruppentherapie in der mehrere Menschen zum Sprechen kommen.
Insgesamt ist Gruppe wircklich gut um zwischenmenschliche Dynamiken aufzuzeigen. Der Raum ist weniger kontrolliert und sicher als im Einzel. Auch wenn du jetzt nach zwei Sitzungen das Gefühl hast , du bist schon weiter, kann sich das noch ändern. Mit der Erfahrung die du schon hast, bist du auch eine Bereicherung für die anderen. Und ihr könnt euch noch aneindender angleichen.

Ich für meinen Teil bereue diese Zeit in der Gruppe nicht. Sie hat mir Halt gegeben und dafür war es nicht von Bedeutung, dass die anderen Teilnehmer weniger weit als ich waren. Am Ende habe ich Sie fast bis zu Ende geführt als Langzeittherapie- 3 Sitzungen früher beendet. Dann war ich nämlich tatsächlich ungeduldig und hatte eine Einzel Traumatherapie in Aussicht. Leider nichts geworden.

Es braucht einfach wircklich ein bisschen mehr Zeit bis die ganze ''Kiste'' in Bewegung kommt und die Leute dort mit ihren Themen den Raum auch tatsächlich betreten. Wenn dann die Dämme brechen und du mit deinem Schmerz da sitzt und heulst hat das etwas wircklich entlastendes. Ich bin häufig ''vorgegangen '' und die Gruppenschwestern haben mich mit meinem Mut respektiert. Das war eine der guten Erfahrungen.

• x 1 #3


Dys
Zitat von WriteLikeMe:
Nach einer sehr langen Einleitung nun meine eigentliche Frage: Hat hier jemand (mit einer ähnlich langen Behandlungs-Historie) auch schon mal eine Gruppentherapie absolviert und daraus Erfahrungen oder neue Erkenntnisse mitgenommen, die einen nachhaltigen Nutzen hatten? Oder ist die Chance eher gering, dass ich daraus noch etwas Hilfreiches mitnehmen kann?

Persönlich stand ich Gruppentherapie immer offen gegenüber und werde es auch weiterhin bleiben, obwohl ich für mich momentan keinen Bedarf sehe. Schon seit der ersten, an der ich teilnahm war mir bewusst, ich werde mit Dingen konfrontiert werden, die mir gefallen oder nicht, die mich gefühlsmäßig berühren oder nicht, die ich anders sehe oder nicht und mit Menschen, die ich vielleicht noch mal sehe oder nicht.

Deswegen war jede Gruppe eine eigene Erfahrung, die nicht mit der vorherigen vergleichbar war, abgesehen davon, dass sie in einem Raum mit anderen Menschen und einem Therapeut oder einer Therapeutin stattgefunden hat und ein paar grundlegenden Regeln unterlag, wie man bitte untereinander kommunizieren und miteinander umgehen sollte.

Etwas hilfreiches konnte ich für mich immer mitnehmen. Es ist ja auch hilfreich, wenn man es schafft, sich von Menschen oder Dingen distanzieren zu können, die einem nicht gut tun. Oder mal etwas aushalten zu können, obwohl man reagieren will, aber es eben nicht muss. Spannend ist es ohnehin nur, was Etwas mit einem selbst macht und vielleicht kann man das auf‘s Leben im Alltag adaptieren, wenn es was Gutes mit einem macht und natürlich auch wenn es was weniger Gutes macht.

Heilung habe ich nicht erfahren, aber es wurde ja auch nicht versprochen, dass Gruppentherapie dies erreichen wird.

• x 2 #4


W
@Dys Auf „Heilung“ hoffe ich auch nicht, allerdings wird immer wieder behauptet (auch von den Praxen selbst), dass Gruppentherapie auf jeden Fall so wirksam ist wie Behandlungen im Einzelsetting. Daran habe ich aber erhebliche Zweifel. In meinem Fall schon alleine schon deswegen, dass ich die Gruppe nicht wirklich als Therapie wahrnehme, eher als Workshop.

Zitat:
Es ist ja auch hilfreich, wenn man es schafft, sich von Menschen oder Dingen distanzieren zu können, die einem nicht gut tun. Oder mal etwas aushalten zu können, obwohl man reagieren will, aber es eben nicht muss.


Wobei das zwei Dinge sind, die ich fast schon perfektioniert habe. Nicht zuletzt auch wegen den tiefenpsychologischen Therapien, die ich gemacht habe. Wobei ich auch nicht komplett ausschließe, dass ich aus der aktuellen Gruppentherapie nicht auch was mitnehmen kann. Frage mich halt nur, ob es sich für den zeitlichen und finanziellen Aufwand lohnt. Ich muss eine Dreiviertelstunde mit der Bahn fahren, wobei das jetzt gar nicht so schlimm ist, weil ich ohnehin oft in der Stadt bin. Könnte ich mir ohne die Therapie aber auch sparen, ebenso das Deutschlandticket.

Aber gut, ich spreche kommende Woche noch mal mit meiner Psychologin, auf die ich große Stücke halte, und werde dann eine Entscheidung treffen.

• x 1 #5


Dys
Ich denke, Therapie darf auch Workshop sein. Es ist ja eigentlich auch immer ein educativer Anteil in einer Therapie vorhanden. Wobei dieser Anteil bei verhaltenstherapeutischen Therapien wie ACT oder Schematherapie mehr zum tragen kommt, als bei psychodynamischen oder tiefenpsychologischen Gruppentherapien. Und es hängt auch sicher davon ab, wie sehr man generell daran interessiert ist, zu erfahren womit Andere belastet sind und wie sie damit umgehen.

Lehrreich ist es dann, wenn es hilft Erkenntnisse zu erlangen, die dann durch das Anwenden im Alltag etwas positiv verändern. Bei sich selbst und idealerweise im Umgang mit Anderen. Das sehe ich so bei Einzel und Gruppentherapie.

• x 1 #6


W
@Nelly30 Tatsächlich bin ich schon in der ersten Stunde bei der Vorstellungsrunde „vorgeprescht“, was mir gezeigt hat, wie offen ich mittlerweile mit dem Thema umgehe. Einfach aus dem Grund, weil ich schon so lange damit zu tun habe.

Ich bin da ja grundsätzlich wirklich offen für neue Impulse und Anregungen, obwohl die Gruppe damals in der Klinik alles andere als „erquicklich“ war... Meine auch die Psychologin zu mir, dass das unter diesen Umständen schon bemerkenswert wäre, dass ich mich trotzdem ohne Vorbehalte darauf einlassen würde.

• x 1 #7


W
@Dys Das Interesse an den anderen ist ja definitv vorhanden. Ich war sogar der Einzige, der genau das in der Vorstellungsrunde als Erwartung formuliert hat: zu erfahren, welche Coping-Strategien die anderen (bis jetzt schon und abseits von „allgemeingültigen“ psychotherapeutischen Empfehlungen) für sich herausgefiltert haben.

Der Workshop-Charakter nervt mich eher bzw. zieht mich sogar ein bisschen runter, weil es sich zu sehr nach Schule anfühlt – die ich immer gehasst habe. Wenn ich so darüber nachdenke, ist das sogar der Punkt, der mich am meisten stört. Werde ich meiner Psychologin auch genau so sagen.

• #8


Dys
Zitat von WriteLikeMe:
Der Workshop-Charakter nervt mich eher bzw. zieht mich sogar ein bisschen runter, weil es sich zu sehr nach Schule anfühlt – die ich immer gehasst habe. Wenn ich so darüber nachdenke, ist das sogar der Punkt, der mich am meisten stört

Wenn es darum gehen würde etwas zu lernen um Wissen zu erlangen, dürfte es sich immer wie Schule anfühlen können, wenn jemand einem das beibringen will. Die Frage könnte aber sein, warum nervt mich Schule?

Nehme ich Workshop aber als das was er ist, nämlich eine Veranstaltung in der mehrere Menschen themenorientiert etwas erarbeiten, müsste mich ein Hass auf Schule nicht hindern, daran teilzunehmen. Vor allem wenn ich etwas lernen, beziehungsweise mir unter Umständen aneignen kann, dass mich im übrigen Leben weiter bringen kann.
Denn der klare Unterschied zu Schule ist, es wird kein Zeugnis mit Noten ausgestellt.

• x 1 #9


W
@Dys Warum mich Schule immer genervt hat, habe ich vor langer Zeit rausgefunden, auch mithilfe meiner damaligen Psychologin: Weil ich (auch weil ich hochsensibel bin) die Dinge nie in meinem Tempo machen konnte. Was ich auch durch die damalige Therapie erkannt habe, ist, dass ich meinen beruflichen Weg als Freelancer wohl irgendwie unbewusst eingeschlagen, um die für mich idealen Arbeitsbedingungen zu schaffen.

Davon mal abgesehen: Ich muss auch nicht allem auf den Grund gehen, nur weil sich mal eine Frage auftut. Ich bin dieses Jahr 50 geworden, und Schule ist nun mal kein Thema mehr in dem Alter. 😉 Also, selbst wenn ich noch nicht wüsste, warum ich Schule immer gehasst habe, müsste ich dem nicht zwangsläufig auf den Grund gehen. Ich finde, man muss nicht immer alles hinterfragen, schon gar nicht, wenn es im aktuellen Leben oder in einem bestimmten Alter eigentlich keine Relevanz mehr hat. Man kann oder muss Dinge auch einfach mal so akzeptieren, wie sie sind – und damit auch sich selbst.

Was das Lernen und das Aneignen neuen Wissens angeht, lerne ich grundsätzlich wesentlich besser, wenn ich es in meinem Tempo machen kann. Und als Hochsensibler kann ich mich wunderbar tief in Themen einarbeiten und sie regelrecht durchdringen. Das funktioniert bei mir am besten mit Büchern, Podcasts, Videos oder im Fall von Psychologie mit Fachliteratur. Habe z.B. ein Abo der „Psychologie heute“. Wenn mir jemand was „vortanzt“, passiert es wesentlich eher, dass ich zumache.

Wie gesagt – deswegen hatte ich es auch genau so formuliert –, ist es nun mal mein Gefühl. Deine Einwände mögen objektiv alle richtig sein, tun letztlich aber auch nicht viel zur Sache, wenn das Gefühl dabei für mich nicht so wirklich passt. Trotzdem bin und bleibe ich ja offen für neuen Input. Die Frage ist nur, ob das für mich der richtige Weg ist.

• #10


Dys
Zitat von WriteLikeMe:
Wie gesagt – deswegen hatte ich es auch genau so formuliert –, ist es nun mal mein Gefühl. Deine Einwände mögen objektiv alle richtig sein, tun letztlich aber auch nicht viel zur Sache, wenn das Gefühl dabei für mich nicht so wirklich passt

Es geht ja nicht darum ob etwas das ich äußere richtig sein muss. Ich lege nur meine Ansichten oder Erfahrungen dar. Was übrigens in einer Gruppentherapie ja auch passieren kann, dass Andere Teilnehmende Ihre Ansichten darlegen. Es bedarf auch keiner Rechtfertigung, weshalb Du Schule hasst.

Aber bezüglich Gefühlen ist ja gerade Therapie das Mittel der Wahl, wenn man selbst mal betrachten möchte, ob Gefühltes und Verhalten so miteinander einhergehen muss, wie es das tut und Dich dabei gegebenenfalls negativ beeinflusst, oder es möglich sein kann, da was zum positiven zu verändern. Und gerade in der Therapie kann man in seinem eigenen Tempo daran arbeiten. Es ist sowieso ein durchaus langer Prozess und vielleicht endet er nie.

Wenn Du autodidaktisch Wissen erlangen kannst, ist das doch gut. Besser wäre es nur, wenn Du es schaffst, Dich aufgrund dieses Wissens selbst so zu behandeln, dass es Dir dann auch besser geht. Denn der Therapeut könnte Dir eh nur etwas Vorschlagen, dass Du selbst leisten musst. Was Therapie aber ausmacht ist ja die Beziehung zwischen Klient und Therapeut, das spiegeln und reflektieren. Das konstruktive Gespräch. Der educative Teil einer Therapie wird aber nicht unwichtig, nur weil Du ihn nicht brauchst, denn Andere könnten ihn benötigen. Deswegen wäre Gruppentherapie dann vielleicht doch nicht sinnvoll für Dich. Und wäre es so, braucht man auch nicht groß darüber nachdenken.

• x 1 #11


W
@Dys Was das Thema Schule betrifft, ging es mir auch nur darum zu zeigen, dass ich viele Dinge einfach schon für mich erörtert habe. Eine Rechtfertigung sollte das auch nicht sein. Aber der Punkt war jetzt nun mal erwähnenswert.

Ich danke dir für deinen Input, aber die grundsätzliche Wirkweise von Psychotherapie musst du mir nicht mehr erklären. 😉 Dass es um die Klient-Therapeut-Dynamik geht und die Therapie nach 50 Minuten nicht aufhört, ist ja klar. Ich frage mich nur, ob diese Dynamik nicht allein durch die schiere Teilnehmerzahl „verwässert“ wird. Und ob die Dynamik in der Gruppe das am Ende „auffängt“.

Mir ist auch bewusst, dass es in der Gruppe natürlich nicht um mich geht. Ich sehe ja auch, dass die anderen da anscheinend wertvolle Informationen für sich mitnehmen. Ich habe ja auch nicht gesagt, dass die Psychoedukation unwichtig ist.

Zu einem großen Teil gelingt es mir ja auch schon, das erlangte Wissen so anzuwenden, dass ich mit den Depressionen besser umgehen kann. Wenn ich so darüber nachdenke, dann habe ich mich aus dem Tief, in dem ich zuletzt gesteckt habe und das mich wieder zur Therapie geführt hat, dann doch besser rausgehievt als gedacht. Womöglich war ich einfach nur zu ungeduldig. 🤔

• #12


Dys
Zitat von WriteLikeMe:
Ich danke dir für deinen Input, aber die grundsätzliche Wirkweise von Psychotherapie musst du mir nicht mehr erklären.

Nun, ich muss hier im Forum garnichts und trotzdem schreibe ich hier, weil ich es kann und will. Dazu ist ein Forum ja gedacht.
Zitat von WriteLikeMe:
Dass es um die Klient-Therapeut-Dynamik geht und die Therapie nach 50 Minuten nicht aufhört, ist ja klar. Ich frage mich nur, ob diese Dynamik nicht allein durch die schiere Teilnehmerzahl „verwässert“ wird. Und ob die Dynamik in der Gruppe das am Ende „auffängt“.

Ich weiß nicht was Du mit „verwässert“ genau ausdrücken möchtest, aber wäre eine Suppe verwässert, dann wäre sie nicht gehaltvoll und da hängt es natürlich davon ab, was man erwartet hat, an „Gehalt“. Auch auffangen ist etwas, dass unterschiedlich definiert werden kann. Gerade im Bezug auf eine psychische Verfassung, die ja in einer akuten Krise anders wäre, als die tägliche wenn sie einen noch handlungsfähig sein lässt.
Zitat von WriteLikeMe:
Mir ist auch bewusst, dass es in der Gruppe natürlich nicht um mich geht

Nun hast Du ja gesagt, dass Du viel Wissen über Therapie hast und dass sehe ich auch so.
Aber dass elementare scheint dann doch irgendwie nicht bewusst zu sein, denn es geht in jeglicher Therapieform natürlich nur um Dich und das soll es auch. Es bedeutet in einer Gruppe lediglich, dass es den Anderen auch um sich geht, oder gehen sollte. Therapie ist eben Arbeit an und für sich selbst. Und die muss man auch leisten, beziehungsweise leisten wollen, denn sonst kann man sich jedwede Therapie auch sparen. Das Du an Dir arbeitest, entnehme ich ja dieser Aussage:
Zitat von WriteLikeMe:
Zu einem großen Teil gelingt es mir ja auch schon, das erlangte Wissen so anzuwenden, dass ich mit den Depressionen besser umgehen kann. Wenn ich so darüber nachdenke, dann habe ich mich aus dem Tief, in dem ich zuletzt gesteckt habe und das mich wieder zur Therapie geführt hat, dann doch besser rausgehievt als gedacht.

Und auch das Du damit schon erfolgreich warst.
Zitat von WriteLikeMe:
Womöglich war ich einfach nur zu ungeduldig.

Womöglich ist das so und Deine Frage nach Erfahrungen in Gruppentherapie war eher rhetorisch angelegt um eine Ungeduld zu überbrücken. Und vielleicht weniger darauf hin angelegt, etwas Dir unbekanntes zu erfahren, im Bezug darauf was einen in einer Gruppe erwarten könnte, oder wie die Therapie gestaltet sein könnte, je nach Therapieform.

Deine gegebenenfalls vorhandene Ambivalenz, ob Du eine Gruppe besuchen solltest oder nicht, ließe sich ohnehin nur durch eine Entscheidung durchbrechen, indem Du alleine eine triffst. Und dann spielen Erfahrungen Anderer ohnehin keine Rolle, außer das sie rein als Information gewertet werden können, darüber welche Erfahrungen jemand Anderer mal gemacht hat. Für jemanden der noch nie eine Gruppe besucht hat, oder auch sonst noch keine Therapieerfahrung hat, ist es aber vielleicht hilfreich zu wissen, wie Gruppentherapie gestaltet sein kann. Und dann können entsprechende Antworten unter Umständen Bedenken zerstreuen oder schüren, je nach dem welches gesichertes Wissen bereits vorhanden wäre und ob bedarf besteht, etwas erklärt bekommen zu wollen.

Daher ist es nicht verkehrt, wenn Fragen in einem Forum bezüglich dessen gestellt werden, dass man nicht weiß oder worüber man sich nicht im klaren ist, aber idealerweise auch dabei schon aufzeigt, was man gesichert weiß. Dass erspart dann auch Antworten auf Informationen die man ja kennt, im Format „das muss mir niemand erklären“.

Ich bin überzeugt, Du triffst Die für Dich wichtige Entscheidung bezüglich einer Teilnahme in einer Gruppentherapie zu Deinem Besten. Und wenn Du die Gruppentherapie machst, wirst Du zumindest Erfahrungen mit dieser Gruppe erlangen.

• #13


W
@Dys Ich glaube, wir reden hier ein bisschen aneinander vorbei.

Dass eine Therapie letztlich immer „für mich“ ist, ist schon klar. Es ging hier um deine Aussage, dass ja andere was von den vermittelten Infos hätten, auch wenn sie mir schon bekannt sind. Kurzum: Dass es mir klar ist, dass ich da nicht alleine sitze.

Worum es mir eben auch geht, ist die vielfach getätigte Aussage, dass Gruppentherapie genauso wirksam ist wie Psychotherapie im Einzelsetting. Und daran habe ich ehrlich gesagt so meine Zweifel. Gerade hier wären Erfahrungen von anderen interessant.

Und ja, natürlich muss ich diese Entscheidung alleine treffen – was ich ja auch tun werde. Ein Erfahrungsaustausch ist nun mal ein Einholen von Informationen, ob man die nun in seine Entscheidungsfindung berücksichtigt oder nicht.

• #14


A


Hallo WriteLikeMe,

x 4#15


Dys
Zitat von WriteLikeMe:
Worum es mir eben auch geht, ist die vielfach getätigte Aussage, dass Gruppentherapie genauso wirksam ist wie Psychotherapie im Einzelsetting.

Nun, wer auch immer diese Aussage gemacht hat, man kann sie glauben, oder eben nicht.
Zitat von WriteLikeMe:
Und daran habe ich ehrlich gesagt so meine Zweifel

Etwas anzuzweifeln ist ja erlaubt und gängige Praxis wenn man etwas nicht aufgrund einer Aussage glaubt.
Zitat von WriteLikeMe:
Gerade hier wären Erfahrungen von anderen interessant.

Durchaus, aber man müsste sie zunächst glauben oder einschätzen, ob sie über jeden Zweifel erhaben sind.

Erfahrungen Anderer lassen sich aber an sich nicht diskutieren sondern lediglich zu Kenntnis nehmen. Wenn man Meinungen erfragt ist das was anderes, denn über eine Meinung ließe sich diskutieren. Man kann sie teilen, oder nicht, als Bestätigung werten, oder als abwegig erachten. Und dann gibt es noch die Sachverhalte, die erklärend sein können wenn man sie bislang nicht kannte, die aber wenn man sie schon kennt, nicht unbedingt als solche zur Diskussion gestellt werden müssen, weil sie so sind, wie sie sind. Wobei man natürlich darüber diskutieren kann, ob ein Sachverhalt so sein oder bleiben sollte wie er nunmal ist, oder ob eine Änderung nötig sein könnte. Sachverhalte müssen einem auch weder gefallen noch nicht gefallen, um welche darzustellen. Sie existieren zunächst mal.

Meine Erfahrung mit Gruppentherapie ist die, dass sie bei mir so wirksam war, wie eine Einzeltherapie, aber trotzdem eben auf eine ganz andere Art. Ich bin aber nicht der Meinung, dass das auch bei Anderen so sein muss. Der Sachverhalt das Gruppentherapie auch educative Teile beinhaltet, ist so, wobei es sicher Ausnahmen geben dürfte, vor allem bei dem Umfang dieses Parts und wieviel Zeit er beansprucht.

Jetzt habe ich meine persönliche Erfahrung geschildert, meine persönliche Meinung und einen Sachverhalt. Ob Du mit diesen Informationen etwas anfangen kannst oder willst, bleibt natürlich offen.

Falls ich damit am Thema vorbei geredet habe, ist das ein Sachverhalt, den ich nicht mehr ändern kann. Ich kann auch verstehen, wenn es Dir deshalb natürlich nichts nutzt, dass ich mich geäußert habe. Für mich steht daher nun zweifelsfrei fest, dass ich auch dazu nichts mehr in diesem Thread antworten werde.

• #15

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