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Gehe ich richtig mit meinem depressiven Partner um?

Lilly80

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Liebe milla,
Ich habe im Leben IMMER alle Entscheidungen getroffen. Ich dachte, ich könnte mal was abgeben an Verantwortung. Stattdessen bekomme ich weitere oben drauf.
Ich bin innerlich zerissen. Weiss nicht wie es weiter geht.

06.04.2021 09:01 • x 1 #3181


radysa

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Hallo zusammen,

ich möchte mich auch gerne mal wieder hier einklinken und mal kurz von meinem seelischen Tief seit dem Wochenende berichten.

Ich habe zu meinem depressiven LG das Problem, dass es bei mir auf der Arbeit seit Wochen zusätzlich nicht läuft. Bin auf eine neue Position hochgerückt in meiner Firma, aber da fehlt es mir seit Wochen an Arbeitspensum, was mich zusätzlich noch belastet.

Ich habe die letzten Wochen gemerkt, dass es mir zusehends schwieriger fiel, morgens aufzustehen und den Weg zur Arbeit anzutreten. Nicht unbedingt vor Erschöpfung, aber ich habe das Gefühl, dass ich es einfach nicht kann.
War jetzt seit diesem Jahr etwas mehr als eine Woche deshalb krank geschrieben und habe mir hier und da Urlaub kurzfristig dazwischen schieben lassen.

Jetzt am Wochenende gab es hier daheim wieder ein Wenig Tohuwabohu.
Ich hatte mich die ganze letzte Woche darauf gefreut, dass das lange Wochenende vor der Tür steht. Nach den ganzen letzten Wochen, in denen auch ich, wie es der ein oder andere vielleicht schon mitbekommen hat, mit den neuen Lebensumständen bzgl. meines kranken Partners zu kämpfen hatte und der momentanen Situation auf der Arbeit, wollte ich einfach das Wochenende mal für mich nutzen, um ordentlich Luft holen und für die nächsten weiteren Wochen Kraft tanken zu können.

Mein Freund, der damit zu kämpfen hat, seine Kinder aus der getrennten Ehe nicht mehr regelmäßig sehen zu können, kann in unserer Beziehung zur Zeit nicht mehr viel geben.
Jetzt waren die Kinder kurzfristig von Donnerstag auf Freitag hier und ich wusste, sie würden gestern wiederkommen und dachte, somit hätte ich zwei Tage zum Durchschnaufen, denn ich merke, dass mir manchmal alles zu viel wird und ich manchmal einfach nur alleine sein will.

Sonntag morgen offenbarte er mir, dass seine Ex am Abend kurzfristig was vor und gefragt hätte, ob er die Kinder holen könnte.
Es gab schon einige Diskussionen, in denen er einfach über mich hinweg entschieden hat. Dieses Mal hat er mich darüber in Kenntnis gesetzt.
Ich aber natürlich, die jetzt ausnahmsweise selbst mal den Sonntag für sich und eventuell ihren LG haben wollte - wobei ich da die Ansprüche schon so gut wie habe fallen lassen - hat daraufhin aber gemeint, dass es mir lieber wäre, wir würden die Kinder dann gestern erst holen.
Wie so oft reagierte er darauf trotzig. Jetzt hätte er mich schon mit eingebunden und ich würde trotzdem nein sagen. Ich wüsste doch, wie sehr er im Moment wegen des Themas Kinder daran zu knabbern hätte und würde ihm das dann quasi verwehren - er sagte es nicht direkt so, allerdings indirekt. Da ist mir der Kragen geplatzt.. Wochen voller Selbstlosigkeit, in denen es nur nach ihm ging, weil er im Moment mit Depressionen nichts anderes sehen kann. Wochen voller fehlender Zuneigung, weil er sich selbst im Moment nicht leiden kann. Wochen voller Themen, die mich verletzt haben, aber die ich nie wirklich ansprechen konnte und wollte und es deshalb meistens geschluckt habe. Wochen, in denen er Freiraum brauchte und ich ihm den immer eingeräumt habe. Wochen, in denen die Kinder nur an mir hingen und ich für sie gesorgt hatte, wo es ging und ihm alles Mögliche abgenommen habe.. Und dann sagt er sowas.
Er stellte mich als Egoistin hin, obwohl es seit diesem Jahr nur noch nach seinen Bedürfnissen läuft. Ich weiß, dass das in dem Moment das Gesicht seiner Depression war und er nichts dafür kann. Aber ich bin auch nur ein Mensch und es hat mir wirklich gereicht.
Ich habe ihm, zum tausendsten Male, erläutert, wie sehr auch ich seine Kinder lieb habe. Wie oft ich für sie da war, als er es nicht konnte und das für mich selbstverständlich ist. Dass seine zwei Mädels und ich eine Verbindung haben, von der ich an manchen Tagen das Gefühl habe, dass mein Leben nie ohne sie stattgefunden hätte. Aber dass auch ich, wo ich schon auf alles verzichte, doch einfach nur einen weiteren Tag wollte, in dem ich Kraft tanken konnte.

Er meinte, ich würde mich widersprechen, woraufhin ich ihm erklärte, dass das eine das andere doch nicht ausschließen würde.

Also fing ich an bitterlich zu weinen und ihm zuzurufen, dann solle er halt die Kinder holen. Ich würde dann eben den ganzen Tag mit meiner Konsole im Büro verbringen.

Ich rannte hoch und brach schluchzend und weinend am Bürotisch zusammen. Ich war so enttäuscht. Ich strauchel' seit Wochen, habe jetzt angefangen, für mich selbst zu sorgen und mehr auf mich zu achten, statt auf ihn. Er kam hinterher, streichelte mich, entschuldige sich bei mir dafür, dass er so laut und gemein geworden war und bat mich, wieder mit runter zu kommen.

Das tat ich und er deckte mich liebevoll zu und streichelte mich. Offenbarte mir dann aber in einem Nebensatz, dass er dann gleich die Kinder holen würde.

Ich dachte, ich falle aus allen Wolken.
Ich sprang auf, sagte ihm, dass das doch jetzt nicht sein ernst sei. Rief ihm zu, er solle mich einfach in Ruhe lassen und dass ich glauben würde zu spinnen.

Darauf sackte ich erneut im Büro zusammen. All die Kraft, die ich mir angeeignet hatte, all die Selbstfürsorge.. Sie erschien mir wie weggeblasen. Ich wartete einige Minuten und wurde zunehmends wütender. Packte aus einem Impuls heraus meine Sachen und ging zu ihm runter.

Er war im Zuge, zu fahren, als ich ihm erklärte, dass ich meine Sachen gepackt und gehen würde. Dass es doch hier nicht nur um ihn ginge, bei aller Liebe und bei all dem Verständnis, dass ich für ihn aufbringe. Dass ich weiß, dass er selbst im Moment mit sich selbst genug zu tun hat, aber dass er mir das letzte Stück Luft zum Atmen nimmt. Es ging mir um den einen Tag, den ich gerne noch gehabt hätte. Die Kinder wären am nächsten Tag gekommen. Die Kinder sind dieses Wochenende da und darauf die ganze Woche. Aber wenn ich am straucheln bin, für mich einen Weg gefunden habe, mit allem umzugehen, mir selbst treu zu bleiben und dabei noch bei ihm sein zu können und DANN ein mal darum bitte, selbst Luft holen zu dürfen, es einfach ignoriert wird.
Er meinte dann, dass ich ihm doch gesagt hätte, er solle die Kinder holen.
Weinend und schluchzend, eigentlich ein Zeichen für das Gegenüber, dass derjenige eigentlich gerade nicht damit klarkommt.
Ich habe ihm gesagt, dass ich mich so sehr bemühe und es mir in solchen Momenten einfach reicht. Auch habe ich ihm gesagt, dass er wohl nicht mehr richtig tickt.
Aber dass ich jetzt nicht gehen werde. Dass ich dafür an diesem Tag keine Kraft mehr habe und er einfach dankbar dafür sein soll, denn dass ich es beim nächsten Mal tun werde.

In diesem Moment hat man in seinem Gesicht die Angst, Verzweiflung und Trauer gesehen. Es hat mir im selben Moment so leid getan, aber wie gesagt.. auch ich bin nur ein Mensch.

Daraufhin bin ich wieder hoch und habe gesehen, wie er, obwohl er gerade fahren wollte, Minuten lang regungslos am Esszimmertisch saß. Irgendwann kam er wieder zu mir hoch, klopfte an. Stand vor der Tür und sagte mir, er würde jetzt noch da und dort hinfahren, dies und das erledigen und die Kinder holen. Daraufhin zuckte ich nur mit den Schultern und sagte ihm, dass er das machen solle. Dann stand er da, schaute mir nur traurig in die Augen und sagte nichts. Auf meine Frage, was wäre, bekam ich keine Antwort. Er ging auf mich zu, streichelte mich links und rechts an den Armen, drückte meinen Kopf an seine Brust, gab mir einen Kuss auf die Stirn und den Mund und sagte mir, er würde mir was Schönes zu Essen machen, wenn er heim käme.

Ich verbrachte daraufhin den halben Tag im Büro, auch, als die Kinder da waren. Hatte mich dann aufgerafft, um mit meinem LG die Ostersachen für sie zu verstecken und bin mit raus zum Suchen.

So gerädert, wie ich aussah, fühlte ich mich auch. Als die Kinder dann im Wohnzimmer waren, saß er regungslos im Esszimmer. Er wollte, dass die Kinder kommen, damit er endlich genug Zeit mit ihnen hätte. Er muss sich so schon immer von der Arbeit aus Zeit freischaufeln und wenn er sie dann hat, ist trotzdem kaum Zeit, um vielleicht wenigstens mal was mit ihnen zu spielen. Und dann saß er da. Und machte nichts.

Ich riss mich also zusammen und schlug vor, mit den Kindern und ihm Geocachen zu gehen. Das haben wir dann auch gemacht, aber danach fühlte ich mich wie erschlagen.

Den Tag über gab es dann hier und da mal einen kleinen Annäherungsversuch von ihm. Kurz bevor es Essen gab, kam er zu mir, streichelte mich sanft am Arm und sagte mir, dass das Essen gleich fertig wäre.

Das ist schon mehr als an manch einem anderen Tag der letzten zwei Wochen. Denn seit diesem Zeitraum ungefähr ist es bei ihm wieder schlimmer geworden und die Zeit zieht sich für mich unendlich.

Danach verbrachte ich den Abend oben im Bett vor dem Laptop. Ich konnte einfach keinen Trubel, keine Nähe ertragen. Seine Distanz bin ich mittlerweile gewohnt, aber zu sehen, wie liebevoll er mittlerweile - Gott sei Dank endlich wieder - mit seinen Kindern umgeht, versetzt mir trotzdem einen Stich.

Die Kinder wollten unbedingt an dem Abend bei uns mit im Bett schlafen. Das wollen sie schon länger. Sie hatten mich gefragt und gemeint, mein LG hätte "ja" gesagt. Da hatten sie aber wohl was falsch verstanden, denn als er von ihrem Vorhaben erfuhr, hatte er bei mir und in Anwesenheit der Kinder mehrmals beteuert, dass er nicht einfach ohne mich irgendwas entscheiden würde.

In der Nacht kam er dann also hoch, ohne Kinder, legte sich neben mich und nahm meine Hand.

Gestern dann hat er sie am Nachmittag heim gebracht. Gab mir vorher einen lieben Kuss. Er hatte mir am Morgen auch nochmals ohne, dass ich es ansprechen musste, nochmal gesagt, dass er den Kindern das mit dem bei uns übernachten nicht erlaubt hätte ohne meine Zusage.

Als er nachhause kam, legte er sich zu mir auf die Couch. Ohne Nähe zu suchen. Das tat ich aber auch nicht, ich war noch viel zu kaputt.
Irgendwann suchte er aber hinter sich meine Hand, fand sie und nahm sie daraufhin in seine.

Ich glaube, das deutet daraufhin, dass es ihm irgendwo in seinem Innern, wo manchmal noch der ein oder andere klare Moment herrscht, leid tat.

Allerdings bin ich heute morgen wieder völlig kraftlos aufgewacht. Ich werde mich diese Woche wieder krank schreiben lassen. Auch, wenn der Moment, in dem ich erleichtert bin, nicht auf die Arbeit zu müssen, nur kurz andauert und dann meinem schlechten Gewissen Platz einräumt..

Liebe Grüße

radysa

06.04.2021 13:58 • x 3 #3182


Lilly80

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@radysa
Es tut einem sehr leid sowas zu lesen.
Denn die gleichen Situationen sind mir auch passiert.
Man ist nur noch fertig. Körperlich und emotional.
Man fragt sich dann : wieso muss man so leiden. Warum zerfrisst es einen so ?
Warum macht man das immer wieder mit ?
Ich warte auch noch auf Antworten

06.04.2021 15:18 • x 2 #3183


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Jedi

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Zitat:
Man fragt sich dann :
- wieso muss man so leiden.
- Warum zerfrisst es einen so ?
- Warum macht man das immer wieder mit ?

Ich warte auch noch auf Antworten

Die Antworten findest Du nicht im Außen - Du findest sie in Dir !

LG Jedi

06.04.2021 15:25 • x 1 #3184


radysa

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@Lilly80 das glaube ich dir und wir zwei haben uns ja auch schon gelesen.

Ich weiß, wofür ich das mitmache.. So, wie jeder von uns. Ich halte an meinem Freund fest, denn normalerweise ist er völlig anders. Wir haben einen Haufen voller Probleme vor uns liegen und auch, wenn er es noch nicht sehen kann, wir werden das gemeinsam schaffen.
Nur leider ist die Zeit, bis es Schritt für Schritt mit der Therapie bei ihm besser werden wird, verdammt kräftezehrend. Es ist völlig okay, immer mal wieder an diesen Punkt zu gelangen, an dem ich jetzt mal wieder bin, denke ich..
Wichtig ist, wieder aufzustehen und sich aufzuraffen.

Ich kann meinem Leiden Abhilfe schaffen. Damit, mich irgendwie abzukapseln und für mich zu sorgen. Mir das nicht persönlich zu nehmen, wenn er mal doof ist und meine Nähe nicht mehr so sucht und zu warten, bis der erste Termin bei der Psychiaterin am Donnerstag ansteht.

Aber das gelingt leider nicht immer, dann falle ich zurück. Ich hoffe, ich schaffe es dieses Mal wieder zügiger zurück nach oben..

06.04.2021 15:27 • x 1 #3185


Milla

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Zitat von Lilly80:
einen so ?
Warum macht man das immer wieder mit ?
Ich warte auch noch auf Antworten



Weil du liebst.
Ich denke aber es wäre gut, wenn du dich mehr auf dich und darauf was in deinem Leben schön ist konzentrierst.

Dein Partner hat klar gesagt, dass er Abstand will/ braucht.

06.04.2021 17:21 • x 2 #3186


Lilly80

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Zitat von Milla:
Dein Partner hat klar gesagt, dass er Abstand will/ braucht.


Und den gebe ich ihm. Er wohnt doch eh schon weit weg von mir.
Und ich reisse mich absolut zusammen um ihn keine whats app zu schreiben.

Denn alleine nur das tägliche "Guten morgen " löst in ihm das beengende Gefühl aus wie : jetzt denkt sie an mich und ich kann es ihr nicht recht machen.
So irgendwie.
Also ...so schwer es auch ist. Ich lasse los.....
Wie lange ich die Einsamkeit allerdings ertrage, das kann ich nicht sagen. Ich Kämpfe.

06.04.2021 18:04 • x 2 #3187


Milla

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Liebe Lilly,

ich verstehe wie doof das ist.
Vielleicht kannst du dich ablenken und dein Leben ohne ihn ausrichten?
Wenn es ihm besser geht kann er ja wieder dazukommen.

Das müssen wir glaube ich alle lernen die mit einem depressiven Leben wollen.

Mein Freund schweigt seit langer Zeit. Also er reagiert auf kein gutes Wort. Aber ich hoffe, dass er mich noch mag, wenn er wieder auftaucht.

06.04.2021 18:11 • x 4 #3188


Sunnygirl

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Ich denke auch, dass wir alle das lernen und akzeptieren müssen.
Es fällt verdammt schwer und ist sehr schmerzhaft, aber einen anderen Ausweg gibt es nicht.

Ich war heute bei einer Therapeutin und genau das ist das Ziel: glücklich werden, egal wie sich die Beziehung entwickelt.

Ansonsten werden wir auf lange Sicht wahrscheinlich alle daran zerbrechen.
Wir sind alle aus dem gleichen Grund hier, vielleicht kann das auch etwas Kraft geben. Keiner ist komplett allein.

06.04.2021 21:03 • x 4 #3189


selly

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Es ist ja schon hilfreich, wenn man liest, dass all die Symptome und Veränderungen der jeweiligen Partner fast gleich sind, so sieht man dann , ja es gehört dazu und so ist die Veränderung während einer Depression.
Man kann es ja sonst nicht fassen wie ein Mensch der der Liebste Mensch war, plötzlich so kalt und desinteressiert wird.
Ich habe erst hier gesehen, ach sie sind ja alle plötzlich so in der Depression..... vorher wusste ich gar nicht was los ist und hab alles persönlich genommen.

Es ist einfach schlimm- für beide Seiten. Und egal wie sehr es weh tut, man muss sich ernsthaft überlegen, ob man so eine Beziehung ertragen kann, wenn es immer und immer wieder passiert und nicht aktiv daran gearbeitet wird, die Depression zu heilen

06.04.2021 21:15 • x 3 #3190


Johnedone

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Ja es ist schwer und es tut im Herzen weh weil man den Partner anders kennen gelernt hat. Leider kann man nur für ihn da sein wenn er es möchte aber manchmal frage ich mich kann er das über Haupt.
Bei mir ist es ja auch so das ich der EX bin und ich möchte nicht der EX sein der hinterher läuft. Mir ist aber der Menschh wichtig und das es ihr gut geht. Sie hat neue Schlaftabletten bekommen, weil die anderen nicht mehr so wirkten.
Jetzt hatte sie sie nur mit einen Video zu Ostern gemeldet und Persönliches und ich überlege sollte ich es einfach lassen aber da ist noch eine Stimme bei mir.

07.04.2021 18:53 • x 2 #3191


radysa

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Hallo zusammen,

@Johnedone nimmt sie denn therapeutische Hilfe in Anspruch? Denn, wie @selly das bereits sagte, macht es auf Dauer leider keinen Sinn, an der Verbindung festzuhalten, wenn der Partner sich keine Hilfe für Heilung sucht. Die Depression geht nicht von alleine weg.. Und wenn der Betroffene es doch für eine Zeit lang schafft - mein LG hatte es im Dezember für einen Monat geschafft - dann kommt sie, wie bei meinem Partner, danach umso härter zurück und irgendwann hat derjenige keine Kraft mehr, sich da selbst rauszuholen..

Gestern Abend lagen wir auf der Couch. Ich wollte seinen Arm um mich legen - Nähe kann er im Moment selbst kaum geben, wenn er sie bisher doch trotzdem von mir aus immer irgendwie zugelassen hat - aber dieses Mal wehrte er sich irgendwie dagegen. Das ist mir die Woche schon öfters aufgefallen. Zusätzlich hat er seit 'nem kleinen Unfall auf der Arbeit Schmerzen im betroffenen Arm und geht nicht zum Arzt. Der arme Kerl.. Wenn ich objektiv auf ihn schaue, ist er nur noch ein Wrack auf seelischen und körperlichen Schmerzen. Ich sprach ihn dennoch darauf an, ganz sachlich, dass mir dieser Umstand, dass er sich in letzter Zeit zusätzlich irgendwie dagegen wehrt, aufgefallen ist. Ob es ihm unangenehm wäre oder ihm garnicht auffiele.
Da kam die Antwort: "Ich brauch' das im Moment nicht."

Ich atmete innerlich gefühlte tausend Mal ganz, ganz tief durch, merkte aber, wie mein Hals anfing zu brennen und der Klos immer dicker wurde.

Ich legte mich, leicht aus Gekränktheit, leicht aus Selbstschutz, mit den auch davon gezeichneten Worten:" Wieso bin ich auch immer noch so doof und frage." neben ihn von ihm weggewandt. Ich wusste, dass ich nichts erwarten konnte.. Er ließ mich einfach von sich wegliegend liegen.

Dennoch drängte mich das Verlangen zur Kommunikation, sodass ich mich entschied, lieber in dem Moment zu platzen, als es sich aufstauen zu lassen. Ich sagte ihm also, zunächst noch äußerst aufgeregt, dass mich die Aussage schwer verletzt hat. Ich verzichte schon auf alles und dennoch möchte ich wenigstens dieses kleine Zeichen behalten - dass er wenigstens Abends auf der Couch seinen Arm um mich legen lässt. Ich bat ihn, auch, wenn es verdammt leicht gesagt und für ihn verdammt schwer umzusetzen ist, sich nicht von der Depression alles gefallen zu lassen. "Ich brauche das im Moment nicht".. Ich fragte ihn, ob er wüsste, was ich im Moment alles nicht bräuchte, aber es trotzdem mitmachen würde. Trotzdem bei ihm bleiben würde. Für unsere Beziehung. Und auch, dass es okay ist, dass ich im Moment die Einzige an der Front bin, weil er es einfach kräftetechnisch nicht schafft. Aber dass er es bitte nicht zulassen soll, dass die Depression unsere Beziehung gänzlich zerstört. Er muss mir nicht mehr sagen, dass er mich liebt. Keine Späße mehr mit mir machen. Auch auf Intimitäten und liebe Worte oder Nachrichten verzichte ich, wenn er es nicht kann. Aber ein bisschen Nähe, das müssen wir uns irgendwie bewahren.

Er hörte sich das alles an und ich merkte, wie es ihn wieder runterzog. Er klopfte dann neben sich auf die Couch, streichelte meinen Kopf und sagte: "Komm'. Leg' dich zu mir." Das tat ich und er legte leicht den Arm um mich.

Als ich mich fing, nahm ich seine Hand, schaute ihm in die Augen und meinte: "Wir schaffen das. Hörst du? Ich weiß, dass wir das tun. Ich werde mich nicht von deinem Depressionsmonster vertreiben lassen.. Eher friert die Hölle zu. Und du glaubst nicht, wie sehr ich mich auf den Moment freue, an dem es dir wieder allmählich besser geht und wir unsere schöne Beziehung fortführen können. " Das nahm er unkommentiert und regungslos hin. Ich bat ihn, auch daran zu glauben, und er nickte kraftlos.

Das reicht mir auch. Ich weiß, mehr schafft er im Moment sowieso nicht.
Ich raffe und raffe und raffe mich immer wieder auf. Aber "Ich brauche das im Moment nicht.", das kann ich nicht akzeptieren. Ich weiß, dass ich mit meinem Tatendrang und meiner Kraft ihm gegenüber, der das nicht mehr hat und nicht mehr spüren kann, vorsichtig sein muss, glaube aber auch, dass es wichtig ist, gerade dann hier und da mal an ihn zu appellieren.

Er sagte mir, er befürchte, er könne die nächsten drei, vier Monate keine ordentliche Beziehung führen. Und das glaube ich auch nicht. Es geht sicherlich der Mehrheit der depressiven Menschen so, die wirklich tief reinrutschen. Ich mache mir da nichts vor, zu lange sehe ich schon, wie sich unser Leben verändert hat. Aber das ist okay. Ich weiß, dass er dazu nicht wirklich fähig ist. Umso wichtiger ist es, die Zeit, bis es wieder bergauf geht, irgendwie zu überbrücken und doch irgendwie mit dem letzten Stückchen Kraft noch aneinander festzuhalten.

Ich versuche mich daran, das habe ich gestern an den Worten gemerkt, die ich an ihn gewandt hatte, die Depression als etwas von ihm Abgespaltenes zu sehen. Eine zweite, personifizierte, fiese und deprimierte Person, die von ihm Besitz ergreift. So versuche ich, zu differenzieren: Ist es mein Schatzi, oder dieses diese Depressionsmonster?
Ich glaube, das macht es mir etwas einfacher, das Verständnis für sein Verhalten aufrecht zu erhalten.

Seit einer Stunde hat er seinen ersten Termin bei seiner Psychiaterin. Ich bin sehr gespannt, wie es läuft, weiß aber auch, dass ich mich unbedingt in Geduld üben muss. Es wird besser werden, aber auch die Therapie braucht ihre Zeit. Es wird nicht von heute auf morgen spürbar sein, und vielleicht auch noch nicht in zwei Monaten, aber es wird werden.

Dennoch habe ich irgendwie Angst, dass ihm die Psychiaterin von einer momentanen Beziehung mit mir abrät. Natürlich kostet ihn das noch zusätzlich Kraft, wenn auch ich diejenige bin, die uns und unsere Liebe, die noch existiert, nicht aufgeben wird. Ich kämpfe an allen Fronten, auch mit mir selbst und glaube, dass ich ihm Kraft geben kann. Neulich sagte er mir, ich erwähnte es glaube ich schon mal, dass er durchaus noch spüren würde, an dem ein oder anderen Tag, dass er mich liebt.

Ich habe auch gelesen, dass gerade an Depression erkrankte Menschen keine wichtigen Entscheidungen in dieser Phase treffen sollen, weil sie nicht sie selbst sind.
Ich denke, das weiß die Psychiaterin auch und wird hoffentlich von seinen Erzählungen her erkennen, dass ich eine gute, Kraft gebende, liebevolle Partnerin bin und er an mir festhalten soll..

Euch noch einen schönen Tag,

radysa

08.04.2021 09:48 • #3192


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ZeroOne

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Guten Morgen @radysa !

Zitat von radysa:
Dennoch habe ich irgendwie Angst, dass ihm die Psychiaterin von einer momentanen Beziehung mit mir abrät.

Zitat von radysa:
Ich denke, das weiß die Psychiaterin auch und wird hoffentlich von seinen Erzählungen her erkennen, dass ich eine gute, Kraft gebende, liebevolle Partnerin bin und er an mir festhalten soll.


Da solltest du dir keine Sorgen machen.
Es gibt zwar auch schlechte Therapeuten, aber in der Regel folgen die schon gewissen Prinzipien.

Dazu gehört, dass sie den Patienten keine Handlungsempfehlungen, Tipps und Ratschläge für ihr Leben geben.
Und auch, dass sie ihre Meinung für sich behalten, auch wenn die Patienten (nach ihrem subjektiven Gefühl) noch sehr auf dem Holzweg sind.
Ein guter Therapeut sollte ein Begleiter sein, der den Patienten lediglich professionell dabei unterstützt, mit und an sich selbst zu arbeiten, Themen für sich selbst aufzulösen und den richtigen Weg für sich selbst zu finden.

LG
ZeroOne

08.04.2021 10:24 • x 2 #3193


radysa

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@ZeroOne vielen Dank für deine Antwort, das beruhigt schon mal.

Hier direkt das nächste Problem. Ich hoffe, jemand von euch hat damit schon Erfahrungen machen können: Er ist eben von der Psychiaterin heim gekommen. Hat Venlafaxin verschrieben bekommen und den nächsten Termin im Juli. Jetzt hatte er letztes Jahr erst eine Therapiesitzung als tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie in Anspruch genommen. Die Psychiaterin sagte, dass er für gewöhnlich zwei Jahre warten muss, um wieder Anspruch auf eine Therapie zu bekommen. Habe mich eben belesen, dass dies NICHT der Fall ist, wenn er die Therapieform wechselt.
Sie sagte auch, dass das leider nun mal so wäre und die Patienten in dem Fall leider Pech hätten und ein weiteres Jahr warten müssten.
Er soll jetzt heute nochmal bei der Krankenkasse anrufen und sich erkundigen, wie das in seinem Fall aussieht.

Jetzt kommt in mir die Panik hoch: Noch ein Jahr auf Therapie warten? Das schafft er nicht, und vorallem schaffen WIR das nicht. Er braucht ganz dringend Hilfe.

Weiß da jemand von euch Rat? Ein weiteres Jahr auf Hilfe zu warten ist eine absolute Horrorvorstellung.

Womöglich ist das hier auch nicht der richtige Thread. Hatte eben in dem Thema "Therapie" schon grob nach einem passenden Thread gesucht, aber auf die schnelle keinen gefunden und viele davon wurden auch nicht mehr aktiv genutzt..

Vielen Dank schonmal!

radysa

08.04.2021 11:51 • #3194


Lilly80

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Hallo radysa ...
Ich bin geschockt ! Nächster Termin im Juli ?
Und ein Jahr warten ? Unvorstellbar

Ich hoffe es antwortet hier noch jemand, der dir Rat geben kann !

08.04.2021 12:02 • x 1 #3195


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ZeroOne

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Hi @radysa !

Zitat von radysa:
Jetzt hatte er letztes Jahr erst eine Therapiesitzung als tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie in Anspruch genommen.


Meinst du damit wirklich eine (!) Therapiesitzung (50 Minuten), oder eine komplette Therapie?

LG
ZeroOne

08.04.2021 12:14 • x 1 #3196


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Machara

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Zitat von radysa:
Jetzt hatte er letztes Jahr erst eine Therapiesitzung als tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie in Anspruch genommen.

Ich habe eine Frage hat er eine Sitzung gehabt oder eine Therapie gemacht mit mehreren Terminen ?
Das ist ein Unterschied. Sollte er nur einen Termin gehabt haben wird das bei der Krankenkasse anders bewertet.

LG und alles gute euch
Machara

08.04.2021 12:18 • x 1 #3197


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Machara

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Zero war schneller

08.04.2021 12:19 • x 1 #3198


radysa

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Oh, entschuldigt.

Da ist mir in der Nervosität die richtige Begrifflichkeit abhanden gekommen.
Es handelte sich um mehrere Sitzung, nicht nur eine.

Liebe Grüße


radysa

08.04.2021 12:20 • #3199


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Machara

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Ok du hast von @Krizzly in dem anderen Thread ja schon eine Antwort bekommen.

LG

08.04.2021 12:25 • x 2 #3200


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ZeroOne

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Zitat von Machara:
Ok du hast von in dem anderen Thread ja schon eine Antwort bekommen.


Ah, ok! Danke für die Info, @Machara !
Wenn das Thema an anderer Stelle im Forum schon doppelt gelaufen und beantwortet ist, dann muss ich hier ja nicht mehr groß schreiben.
Es gibt ja auch genug Möglichkeiten (z.B. erstmal über Probatorik, ggf. Akuttherapie, Therapie-Switch, etc.). Wobei ich die destruktive Ansage von der Psychiaterin schon ziemlich schwach fand.

LG
ZeroOne

08.04.2021 13:30 • x 1 #3201


radysa

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Hey @ZeroOne sorry, dachte, ich lasse das Anliegen hier trotzdem erst nochmal liegen, falls jemand den Beitrag im anderen Thread von hier aus nicht findet.

08.04.2021 13:41 • x 1 #3202


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Machara

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Das ist doch ok Zero hat dir ja noch ein paar Tips gegeben.
Ich war nur zu bequem darauf hinzuweisen das es durchaus auch die Möglichkeit gibt früher als " normal " eine neue Therapie beginnen.

LG Machara

08.04.2021 13:56 • x 2 #3203


ohneFunktion

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Zitat von radysa:
Ich fragte ihn, ob er wüsste, was ich im Moment alles nicht bräuchte, aber es trotzdem mitmachen würde. Trotzdem bei ihm bleiben würde.


Leider kann man Eure beiden Situationen nicht so einfach vergleichen: Als "Gesunder" kann man frei entscheiden, kann man Perspektiven, Hoffnung und Zuversicht haben. Und Kraft zum Ertragen und Aushalten hat man auch. Der Verstand funktinioniert. Man kann denken und fühlen.

All das kann man in einer schwereren depressiven Episode nicht mehr. Es fehlt an allen Ecken.

Zitat von radysa:
Ich weiß, dass ich mit meinem Tatendrang und meiner Kraft ihm gegenüber, der das nicht mehr hat und nicht mehr spüren kann, vorsichtig sein muss, glaube aber auch, dass es wichtig ist, gerade dann hier und da mal an ihn zu appellieren.


Ich kann nur für mich sprechen:
Appele in jeglicher Form waren zu viel für mich. Erwartungen an mich, zu viel.
Der innere Druck war so groß, dass alles was von außen kam zu viel war.

Es ist toll, dass Du das durchziehen willst und für Deinen Partner da sein möchtest, aber nimm es ihm nicht krumm, wenn er nicht diesen Enthusiasmus an den Tag legt und Dir im Moment auch nicht dankbar dafür sein kann. Später vielleicht.

Die Erwartung, man möge ihn wenigen Monaten wieder der Alte sein, wäre und war für mich unerträglich gewesen.

Leider, fällt mir nur das dazu ein.

Ich habe nicht vergessen wie furchtbar diese Zustände waren und wie unangenehm es in der Beziehung war.

08.04.2021 23:42 • x 3 #3204


Johnedone

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Radysa

Sie war in therapie, nur leider hat sie keine Stunde mehr. Aber die zwei Jahre sind vorbei sie könnte wohl wenn sie möchte. Sie ist beim Psychiater, mit den Redet sie nicht, hat aber Antidepressiva bekommen gehabt.
Ich werde mich von ihr zurückziehen weil sie mit ihrer EX Affäre ( Verheiratet und Kinder ) wieder stärken Kontakt hat. Mit denn war sie schon vor meiner Zeit zusammen und er hatte sich nicht von seiner Frau getrennt, so wie er versprochen hat. Sie hatte ihn verlassen weil sie nur benutzt wurde. Sie hatte bei der Therapeutin angegeben das sie vor mir 3 sehr negative und Prägende Beziehungen hätte. Jetzt hat sie halt wieder jeden Tag und das mehrmals Kontakt zu ihm. Da glaube ich nicht mehr das es nur Freundschaft ist. Bei mir kann sie sich nicht Melden.

Da sie sich nicht mehr meldet will sie nicht mehr oder bzw nur ein Video ohne Kommentar.

09.04.2021 00:39 • #3205


radysa

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Zitat von ohneFunktion:
Ich habe nicht vergessen wie furchtbar diese Zustände waren und wie unangenehm es in der Beziehung war.


Ohje, das kann ich mir vorstellen. Wie habt ihr das überstanden?

@Johnedone dann hast du, denke ich, recht und es wäre besser, sich zurückzuziehen. Einfach dir zu Liebe, damit du wieder auf die Beine kommen kannst.

09.04.2021 08:09 • #3206


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Louisida

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Guten Morgen.
Ich habe grad wieder (das 3.mal?) bei der Therapeuten von meinem Mann angerufen, aus Verzweiflung.
Ich weiss, das sie ihm normalerweise davon erzählen muss/will.
Ich habe hier im Forum meine Geschichte mal geschrieben, vor ein paar Wochen.
Da ich hier öfter mal gelesen hab, dass sich die depressiven Partner zurück ziehen und /oder trennen, auch vom Partner, und auch evtl wieder "zurück kommen" wenn es ihnen besser geht.

Ich wollte eigentlich von der Therapeutin wissen, ob sie das auch so sagen kann, dass Chancen bestehen, wenns dem Partner besser geht.
Sie sagte, den Rückzug kann sie bestätigen aber vom Freundeskreis, nicht aber vom Partner.
Und, dass die Partner zurück kommen kann sie so auch nicht sagen!
Das wollte ich tatsächlich gar nicht hören!
Aber mein Gedanke ist auch, bekommt sie es denn auch immer mit? Also wenn eine Therapie mal vorbei ist und die Partner danach zurück kommen z.b.?

Und hat sie vielleicht eher Menschen da, die sowieso schon länger unglücklich sind in der Partnerschaft bzw wo die Partnerschaft mit zu den "Ursachen" gehört?

Bei uns ist es ja so, dass 2016 schon eine Trennung war. Nach 8 Wochen kam er wieder, es fühlte sich nicht richtig an für ihn.
Der Grund der Trennung waren Schuldgefühle mir gegenüber.

Dieses mal (vor genau 8 Wochen getrennt, 2 Wochen vorher ein heul-zusammenbruch, extrem Stress auf der Arbeit, viele körperliche Beschwerden mittlerweile usw) der Grund Schuldgefühle und er fühle sich nur als Last und an mir liegt es ja nicht, er wäre das Problem.
Ich hab ihm deutlich gemacht, dass ich da sein will und mit ihm den Weg gehen will auch, dass er Abstand haben kann mit Wohnung usw. Er sagt dazu, er sehe JETZT nicht, dass es je besser wird und will mir keine weiteren Monate nehmen.

Seit 01.04. hat er eine Wohnung. Gestern war er kurz bei mir in unserem 2 Jahre alten Haus (geheiratet vor 3 Jahren) und da hab ich erfahren, dass er noch nicht in der Wohnung ist....an Ostern hatte er frei, hatte theoretisch Zeit die Wohnung einigermaßen her zurichten.....aber so wie er mir mal erzählte, er ist abends nach der Arbeit nur fertig und kaputt, das Denken funktioniert manchmal gar nicht mehr weil der Kopf zu voll ist und nur noch brummt, er habe keine Kraft, "könne" nicht, er ist so dünn geworden, saß traurig hier auf dem Stuhl, geweint hat er dieses mal nicht aber die Woche zuvor hat er viel geweint.
Seine Therapeutin hat wohl auch von stationärer Therapie gesprochen....will er nicht....dann verdient er ja keine Provision und er könne sich das ja nicht leisten.....Tabletten will er auch nicht....
das macht einen nur hilflos, also mich, ich kann da nix tun.

Ich hoffe nur, dass er wie das letzte mal auch merkt, dass es nicht das richtige ist aber es ist wirklich verdammt hart....nach jedem Treffen bin ich immer ein emotionales Häufchen Elend...es tut immer so weh wenn er geht...ich hoffe jedesmal wenn er kommt, dass er mir sagt, dass er zurück kommt....versuch mich schon immer da vorher nicht rein zu steigern (Erwartung=Enttäuschung)
In 4 Wochen wäre der 3. Hochzeitstag...

09.04.2021 09:09 • #3207


Milla

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Finde die Aussage der Therapeutin ein bisschen kurzsichtig.

Mein Freund zieht sich vor allen zurück, sogar vor mir. Und zwar komplett. Er kommt dann wieder und alles ist wieder wie zuvor. Er sagte mal, dass er in den Phasen nicht sprechen kann.

Er macht nicht Schluss und es gibt leider kaum eine Vorwarnung, bevor er verschwindet.

Also ich denke da kann man von außen wenig sagen. Aber wenn ihr eine tolle Beziehung habt, warum sollte er dann wenn es ihm besser geht, nicht wieder anknüpfen wollen.

09.04.2021 09:23 • x 2 #3208


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ZeroOne

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Guten Morgen @Louisida !

Zitat von Louisida:
Ich habe grad wieder (das 3.mal?) bei der Therapeuten von meinem Mann angerufen, aus Verzweiflung.
Ich weiss, das sie ihm normalerweise davon erzählen muss/will.


Nicht nur das. Eigentlich bring sie sich in "Teufel´s Küche", wenn sie sich über einen Patienten (ohne dessen Zustimmung) gegenüber einem Dritten äußert, auch wenn es ein Familienmitglied ist.

Zitat von Louisida:
Sie sagte, den Rückzug kann sie bestätigen aber vom Freundeskreis, nicht aber vom Partner.
Und, dass die Partner zurück kommen kann sie so auch nicht sagen!

Zitat von Louisida:
Aber mein Gedanke ist auch, bekommt sie es denn auch immer mit? Also wenn eine Therapie mal vorbei ist und die Partner danach zurück kommen z.b.?


Ich schätze, sie hat dir da eher verallgemeinernd geantwortet und nicht in Bezug auf deinen Partner. Generell haben die Therapeuten schon ihren eigenen Erfahrungswerte, sowie die Daten aus den ganzen Studien, die überall durchgeführt werden.
Ich nahm zum Beispiel nach jeder meiner (teil-)stationären Therapien freiwiliig an Studien teil, die die Entwicklung der Teilnehmer bis ein Jahr nach der Therapie begleitet hatten. Dabei ging es auch um Themen wie Partnerschaft, etc.

Ich kann sehr gut verstehen, dass du aktuell nach jeder positiven Bestätigung greifen möchtest, die du finden kannst. Aber ich schätze, von der Therapeutin wird da nicht viel kommen.

Vielleicht verlässt du dich lieber auf dein Bauchgefühl und deine Wahrnehmung und ich finde, was @Milla geschrieben hat, trifft den Nagel auch auf den Kopf:

Zitat von Milla:
Also ich denke da kann man von außen wenig sagen. Aber wenn ihr eine tolle Beziehung habt, warum sollte er dann wenn es ihm besser geht, nicht wieder anknüpfen wollen.


LG
ZeroOne

09.04.2021 09:39 • x 1 #3209


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Laurien

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Hallo @Louisida ,

die Aussage von der Therapeutin kann ich gerade nicht so ganz nachvollziehen, in welchem Gesamtkontext hat sie das denn gesagt? Ansonsten, das Internet und auch dieser Thread hier ist voll davon, dass sich die Betroffenen auch, zumindest mehr oder weniger ausgeprägt, vom Partner zurück ziehen. Aber vielleicht antworten ja noch ein paar Betroffene zu diesem Thema.

Was das wieder zurück kommen angeht, da macht mein Ex anscheinend gerade den Versuch. Wie es letzten Endes ausgeht, wird man sehen, da es für mich ein paar Themen zu klären gibt. Wenn das nicht möglich sein sollte, wird es aus meiner Sicht keine Fortführung der Beziehung geben können, das wäre dann von vorneherein zum erneuten Scheitern verurteilt. Ansonsten, wir kennen uns schon ein paar Jahre, rückblickend ist das nicht seine erste Episode, und er hat jedes mal nach ein paar Monaten wieder den Kontakt zu mir gesucht. Was aber in einer Freundschaft noch gehen mag (z. B. kommentarlos ein paar Monate nicht melden), ist in einer Beziehung dann nicht mehr so einfach gerade zu biegen.

LG

09.04.2021 10:03 • x 3 #3210

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