Freund ist gefühlskalt - er will keinen Kontakt mehr

Hallo,
mein Freund hat unsere Beziehung beendet weil er mich nicht mehr liebt. Er war bei einer Psychologin die ihm erklärt hat das diese Gefühlskälte von einer Depression kommt. Vor 10 Tagen hat er mich jedenfalls noch geliebt. Nun ist er total verändert. Ich habe das Gefühl er hasst mich. Er will keinen Kontakt mehr. Ich habe so schreckliche Angst ihn zu verlieren. Wir waren total glücklich bis auf die letzten 4 Wochen wo wir viel Streit hatten, da beide angespannt waren. Ich verstehe nicht wie seine Gefühle einfach weg sein können. Ich weiß das er mich geliebt hat, wie niemand je zuvor. Ich würde gerne wissen wie und ob ich ihm überhaupt helfen kann. Ich würde ihm gerne beistehen in dieser Zeit, weil ich so gerne daran glauben möchte das seine Gefühle wiederkommen. Und ich habe Angst wenn wir nun gar keinen Kontakt mehr haben, dass wir uns für immer voneinander entfernen. Über Antworten von Männern, die in seiner Situation sind oder waren würde ich mich sehr freuen, viell. kann ich ihn dann besser verstehen. Über jede sonstige Antwort und Hilfe natürlich auch.
Viele Grüße
freyja

15.10.2010 18:03 • #1


Hallo freyja,

ich habe deinen Beitrag in den Angehörigenbereich verschoben, weil er hierhin gehört.

Serafina

15.10.2010 18:41 • #2


Hallo freyja,

wir haben mal Richtiges und Falsches Verhalten Angehöriger hier zusammengefaßt:
richtiges-falsches-verhalten-von-angehoerigen-t11543.html

Du kannst leider i.M. nicht viel tun. Du kannst ihm deine Hilfe anbieten, daß du für ihn da bist, wenn er dich braucht. Leider ist das oft so, daß sich Partner bei/nach solch einer Diagnose trennen.

Lies dich etwas hier durch und du wirst feststellen, daß du nicht alleine damit bist.

Alles Gute für dich.

Serafina

15.10.2010 18:57 • #3


Hallo Freya,

es tut mir von Herzen leid, dass du das erleben musst. Mein Mann ist seit über einem Jahr schwer depressiv, und ich muss sagen, das würde ich meinem ärgsten Feind nicht wünschen. Die Gefühlskälte ist wohl leider ein völlig normales Krankheitsbild. Leider fällt es mir noch heute schwer damit umzugehen. Ich bin mit meinem Mann jetzt 17 Jahre zusammen, er war noch nie ein Mensch der grossen Gefühle, aber in dem letzten Jahr habe ich keinerlei Liebe von ihm erfahren dürfen. Immer nur Vorwürfe, schlechte Laune oder eben diese furchtbare Sprachlosigkeit.

Trotz alledem bin ich der Meinung, dass es sich lohnt zu kämpfen. Auch wenn ich es im moment kaum noch aushalten kann, bin ich mir bewusst, dass es an der Krankheit liegt, und hoffe jeden Tag, dass die Krankheit endlich ein Ende hat. Ich jedenfalls, werde kämpfen bis zum Ende. Und ich hoffe, auch Du wirst die Hoffnung und vorallem Deinen Freund nicht aufgeben. Auch wenn es wehtut, immer zurückgestossen zu werden, irgendwann wirst Du vielleicht den Lohn für Deine geduld ernten.

Ich denke auch, dass es für deinen Freund ganz wichtig ist, jemanden an seiner Seite zu wissen. Wahrscheinlich hat er nur mit dir Schluss gemacht, um Dich vor ihm zu schützen. Ganz viele Depressive handeln so, weil sie der Meinung sind, sie hätten es nicht verdient, geliebt zu werden.
Ich wünsche dir alle Kraft der Welt, um die nächste Zeit so gut es geht zu überstehen.

LG, Daniela

15.10.2010 20:17 • #4


Hallo Daniela,

danke für deine antwort. es muss die hölle für dich sein wenn du es schon so lange mitmachst. es tut mir sehr leid. ich weiß jetzt schon nicht mehr wie ich das überstehen solll. ich würde so gerne kämpfen. aber er wohnt 250 km von mir entfernt und er will weder mails, noch sms, noch anrufe. er sagt das sobald er was von mir hört stress und anspannung in ihm ausgelöst wird. ich wünschte mir so sehr ich dürfte kämpfen, aber ich will auch seinen wunsch respektieren. das ist ja das grausame. ich kann nicht mal in seiner nähe sein. es ist als ob er mich hasst, dabei war unsere liebe so groß, ich verstehe das nicht. er ist immer noch der mann mit dem ich mein leben verbringen will, aber er wirft mich einfach aus seinem raus. ich glaube auch nicht das er mich schützen will. er kann mich nicht mehr leiden. innerhalb von einem tag. ich verstehe nicht was er mit seinen gefühlen gemacht hat. ich weiß das er mich geliebt hat, ich bin doch nicht total verblödet. das konnte er nicht spielen.

wie war das bei dir? ging das auch so schnell? und wie nur kannst du das aushalten? ich wünsche dir unendlich viel kraft.
lg, freyja

16.10.2010 10:48 • #5


laEsmeralda
Hallo,
das ist schlimm, was du da gerade erlebst. Mein Freund ist auch depressiv und ich erlebe seit Monaten wie schwer das ist. Ich persönlich bin auch der Meinung, dass es sich lohnt zu kämpfen, aber man darf sich selbst dabei nicht aufgeben. Ich war schon soweit mich nicht mehr um mich zu kümmern, aber das bringt deinem Partner auch nichts. Denn wenn es dir schlecht geht, geht es ihm unter Umständen auch schlechter, weil er die Schuld oft bei sich sucht. Ich denke nicht, dass er dich auf einmal hasst. Er ist nun sehr mit sich selbst beschäftigt. Das ist oft so bei depressiven Menschen. Sie brauche ihre Ruhe und nehmen dann keine Hilfe an. Es fällt ihnen schwer über Probleme zu reden, darum ziehen sie sich häufig zurück. Das liegt aber nicht an dir. Wenn du ihm helfen willst, brauchst du vor allem Geduld. Irgendwann wird er vielleicht merken, was er dir antut. Das kann ich dir nicht versprechen, aber ich denke es ist durchaus möglich. Es kann aber auch sehr lange dauern, da er, wie gesagt, vor allem mit sich selbst beschäftigt ist. Du kannst immer nur den Menschen helfen, die dich helfen lassen wollen. Dass er sagt, er sei gestresst, wenn er etwas von dir hört ist bestimmt auch nicht deine Schuld. Er denkt vielleicht, er ist nicht gut für dich und steht unter Druck, da er alles richtig machen will, was ihm gar nicht möglich ist durch die Krankheit.

Ich wünsch dir viel Kraft!
Nici

16.10.2010 14:24 • #6


Hallo, auch ich möchte mich hier einklinken. Ich antworte prinzipiell nur, wenn ich weiss von was ich schreibe.
Als ich zum Ersten mal an Depressionen erkrankte hatte ich genau dieses Gefühl , was anscheinend dein Freund hat. Ich empfand auf einmal für die Menschen die mir am nächsten standen keine Liebe mehr, Und was war ich damals verliebt. Auch ich war soweit, dass ich mit meinem damaligen Freund Schluss machen wollte. So hatte mich diese Krankheit im Griff.
Ich wusste gar nicht mehr, was ist jetzt schuld an diesem Gefühl. An die Krankheit dachte ich gar nicht, da ich ja damals nicht wusste, was eine Depression auslösen kann. Ich habe es hier schon oft geschrieben. Ich kam zu einem Nervenarzt eben wegen der Depression und die erste Frage die er mir stellte lautete: " Empfinden sie für manche Menschen keine Liebe mehr".
Eine grosse Erleichterung machte sich in mir breit und ich wusste, es ist Bestandteil dieser Erkrankung.
Ich bin nahezu fest davon überzeugt, dass es bei deinem Freund ähnlich ist. Glaube mir, dieses Gefühl kommt wieder, aber es braucht Zeit, Zeit ,Zeit.
Du kannst im Moment gar nichts tun. Vielleicht kannst du ihm schreiben, das finde ich immer eine gute Alternative.
Schildere ihm wie du dich fühlst. Natürlich geht es ihm nicht gut wenn er erfährt, dass du dich auch schlecht fühlst.
Biete ihm Hilfe an, wenn er Hilfe braucht. Das können alltägliche Dinge sein, die du für ihn erledigen kannst.
Ich würde dann warten, bis er auf mich zukommt. Aufdrängen hilft da nicht wirklich. Ich weiss wie schlimm es für dich sein muss, aber du kannst im Moment denke ich, wenig für ihn tun. Serafina hat dir ja schon einen Linke empfohlen, der sehr hilfreich für dich sein kann.
Ich wünsche dir, dass er sich proffesionelle Hilfe holt und gegebenfalls vielleicht auch Medikamente bekommt. Schreibe wann immer es dir danach ist. Hier im Forum hat man immer ein offens Ohr. Und viele sprechen aus eigenen erlebten Erfahrungen und man hat das Gefühl, man ist nicht alleine.
Ganz liebe Grüsse
Hüpfi
Tu du dir etwas Gutes!!!

16.10.2010 15:26 • #7


Liebe Freya,

Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass du das jetzt wahrscheinlich als allerletztes hören willst. Aber bitte vergiss nicht selbst! Du musst versuchen für Dich einen Weg zu finden um Kraft zu sammeln und den Kopf freizukriegen. Du brauchst die Kraft, um die kommende, so schwierige zeit zu überstehen.

Bei meinem Mann kam es nicht ganz so spontan, es war eher ein schleichender Prozess. Da meine Schwester aber seit 14 Jahren immer wieder unter schweren Depressionen leidet, und ich somit die Symptome kenne, war mir relativ schnell klar was da los ist. Nur mein Mann wollte nicht so ganz dazu stehen, und er hat auch heute noch Probleme damit. Es fing ganz langsam an. Er war seit ca. einem halben Jahr selbständig, und es lief auch eigentlich alles zufriedenstellend. Plötzlich war er ständig krank. Er hat immer irgendwas gefunden, warum er gerade heute nicht arbeiten konnte. War die Erkältung überstanden, kam eben das schmerzende Knie oder Durchfall. Irgendwann war es dann soweit, dass er acht wochen am Stück im Bett lag, und die Decke anstarrte. Was um ihn herum passierte, nahm er garnicht mehr wahr. Unser Sohn und ich waren völlig egal. Trotzdem war er immer noch der Meinung, er hätte kein Problem! Auf mein Drängen hin hat er sich dann in eine Klinik einweisen lassen. Er war dort zwei monate in stationärer Behandlung, und es schien sogar, als hätte er die Krankheit in den Griff gekriegt. Manchmal frage ich mich, ob man so eine Krankheit überhaupt in den Griff bekommen kann??
Wie ich das aushalte weiss ich ehrlich gesagt selbst nicht. Manchmal ist mir danach, ihn einfach anzuschreien und ihm alles an den Kopf zu werfen, was er mir und unserem Sohn in dem letzten Jahr angetan hat. Aber dann kommt wieder der Gedanke, dass er ja krank ist, und eigentlich nichts für sein verhalten kann. Es ist diese Krankheit, die einen Menschen so sehr verändert. Seine Therapeutin hat mal einen Satz zu mir gesagt, der mir richtig nahe ging. Ich saß dort tränenüberströmt, weil ich nicht mehr weiter wusste, und der sicheren überzeugung war, dass mein Mann mich nicht mehr liebt. Da sagte die Therapeutin zu mir: "Ja, das stimmt. In den momenten, in denen es ihm so sehr schlecht geht, da liebt er sie wirklich nicht. Vielleicht hasst er sie dann sogar, weil sie immer wieder dafür sorgen, dass er noch am Leben teilnimmt. Wenn er aber einen moment hat, wo es ihm besser geht, da merkt er dann, was er ihnen eigentlich antut, und ihm tut das alles unendlich leid. Und dadurch fühlt er sich dann noch mehr als schlechter Mensch. Er kann ihnen im moment keine Liebe zeigen, und durch die Ablehnung versucht er nur, sie zu schützen."

Ich weiss, das tröstet nicht wirklich.... Aber es hat mir sehr geholfen, einiges zu verstehen. Natürlich sollte man damit nicht alles entschuldigen, aber ich denke, es lohnt sich immer zu kämpfen. Und so wie sich Deine Zeilen lesen, scheinst Du Deinen Freund doch sehr, sehr zu lieben. Und ich bin mir sicher, auch er liebt Dich noch immer. Sein Verhalten ist jetzt nur von seiner Krankheit gesteuert. Also gib ihm doch einfach das Gefühl, dass Du immer für ihn da bist. Aber alles ohne Druck aufzubauen. Druck ist für Depressive nicht gerade das beste. Zieh dich ruhig ein paar Tage zurück (auch wenn das noch so schwer ist), einfach damit er merkt, dass Du seine Wünsche respektierst. Aber versuche immer ihm das Gefühl zu vermitteln, dass Du für ihn da bist, wenn er dich braucht.

Ich hoffe jedenfalls, dass Du die harte Zeit überstehst. Nein, dass ihr die Zeit gemeinsam übersteht!
Wenn dir danach zumute ist, schreib ruhig immer wieder hier. Hier sind soviele Leute, die wissen wovon Du schreibst, die Dich verstehen.

Fühl Dich mal ganz lieb gedrückt!
Schick dir tausend Kraftpakete,
Daniela

17.10.2010 16:29 • #8


Hallo Ihr Lieben,
danke danke danke. für die langen antworten und die lieben wünsche. ich war gestern bei lieben menschen und hab mich so richtig ausgeheult. ich versuche positiv zu denken und eure ratschläge anzunehmen. ich werde versuchen einiges in meinem leben zu ändern und tun was gut für mich ist. ihr habt recht, ich darf ihn nicht unter druck setzen und ich werd mir alle erdenkliche mühe geben. heute geht es mir ein wenig besser, ich weiß morgen oder in einer stunde kann das wieder anders sein.

eure ratschläge helfen mir und machen mir mut. ich werde versuchen die hoffnung nicht zu verlieren ohne mich selbst aufzugeben. vielleicht mache ich selber eine therapie, die hatte ich schon mal wegen angststörungen und depressionen. ich bin also auch kein unbeschriebenes blatt. heute kann ich nicht mehr schreiben, wenn ich mich noch länger damit beschäftige geht das heulende elend wieder los. ich melde mich die tage mal wieder. und es würde mich sehr freuen zu erfahren wie es euch geht. ich wünsche euch allen viel kraft und viel liebe. in gedanken und unbekannterweise drücke ich euch ganz fest. liebe grüße, freyja

17.10.2010 16:49 • #9