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@maya60
Ich habe den Artikel aus der Süddeutschen noch nicht gelesen, aber bevor meine Vergesslichkeit wieder zuschlägt: Es gab vor Jahren in der Beilage "Aus Politik und Zeitgeschichte" der Zeitung "Das Parlament" drei Hefte: "Unten", "Mitte" und "Oben", die ich aufschlussreich fand, was die Frage des Selbstverständnisses und der gesellschaftlichen Gerechtigkeit betrifft.
Sosehr die Frage der Geschlechtergerechtigkeit drängend weiterzudiskutieren ist, so sehr finde ich, dass Fragen von Verteilungsgerechtigkeit und Selektion durch soziale Herkunft - geschlechterübergreifend - mehr Beachtung finden sollten. Meines Erachtens nach werden viele echt wichtige Probleme, die daraus resultieren, auf die Geschlechterfrage reduziert, was jenen in die Hände spielt, die von struktureller gesellschaftlicher Ungerechtigkeit profitieren.
Der durch den Produktivitätszuwachs seit 50 Jahren entstandene Reichtum ist zu großen Teilen nicht in der Bevölkerung angekommen, obwohl ja auch diese meines Erachtens das Risiko der Rationalisierung mitgetragen hat - siehe Massenarbeitslosigkeit in den 80ern.
Wenn man den Kaufkraftverlust mit berücksichtigt, dann würde auch heute noch ein einziges Einkommen bei wesentlich mehr Familien ausreichen, um durchschnittlich gut Leben zu können, so meine eigenen Recherchen, die natürlich auch falsch sein können.
Anmerkung: dass ich von den letzten 50 Jahren spreche liegt daran, dass ich kürzlich aus persönlichen Gründen überlegt habe, wie meine Eltern das in meiner Kindheit denn hinbekommen haben, mit dem Einkommen meines Vaters - 1973 waren das 1200,- Westmark - eine vierköpfige Familie zu ernähren, einen Golf-Jahreswagen zu fahren, Raten für ein Reihenmittelhaus aufzubringen und einmal im Jahr mit uns auf dem Bauernhof Urlaub zu machen - ohne ein Riesenvermögen von deren Eltern mitbekommen zu haben.