Heute mal ein kleiner Nachtrag...noch immer beschäftige ich mich viel mit der Frage, wie es zu dieser verfahrenen Situation kommen konnte.
Immer wieder versuche ich, innezuhalten und mich erst in Toleranz zu üben, bevor ich etwas Unüberlegtes tue und dabei vielleicht jemanden vor den Kopf stoße, der mir gar nichts böses wollte. Ich versuche, mir zu sagen, dass ich nicht von allen erwarten kann, dass man mich mag. Aber dann überkommt mich wieder diese Traurigkeit und Enttäuschung. Jahrelang war meine Devise "Alles für die anderen". Was ist davon geblieben? Bin ich aus lauter Verbitterung zu einem Egoisten geworden, der gar nicht mehr merkt, dass er andere belastet? Warum hatte ich früher diese Probleme nicht? Ich war sehr anpassungsfähig und habe meine schlechte Laune und meine Probleme permanent überspielt. Das hat sehr viel Kraft gekostet, und irgendwann war ich fertig. So müde. So leid, es immer allen recht zu machen und dabei auf der Strecke zu bleiben.
Vor drei Wochen habe ich einer ehemaligen Freundin, die sich auch schon monatelang nicht mehr gemeldet hat, ne Mail geschrieben, ob sie noch Kontakt möchte. Ich hab versucht, es locker zu formulieren, damit sie sich nicht gezwungen fühlt, was falsches zu schreiben. So nach dem Motto "möchte bloß mal Bescheid wissen, ich kann auch ne negative Antwort verkraften". Aber ich war ihr noch nicht mal ne Antwort wert, bis zum heutigen Tag. Ich fühl mich behandelt wie Dreck.
Wie finde ich bloß einen Mittelweg? Neulich bin ich nachts aufgewacht und fühlte mich mit einem Mal so verlassen, dass ich nur zitternd dalag und geweint habe. Selbst mein Freund konnte mir nicht helfen. Er lag hilflos neben mir und hat mich in den Arm genommen, aber es hat kaum was gebracht. Ich denke noch immer: Was ist schon eine Beziehung, Beziehungen gehen, nur auf Freunde kann man sich verlassen. Und nachdem meine Freunde mich im Stich gelassen haben, heißt das wohl, dass ich immer allein und einsam sein werde. Auf meine Familie verlasse ich mich nicht. Noch nie. Ich hatte nie starke Wurzeln. Ich war so stolz, erreicht zu haben, dass burchstäblich alle mich lieben und schätzen. Zu sehen, wie sie mir diese Zuneigung wieder entziehen, ist und war für mich ein ultimatives Scheitern, ein persönlicher Super-Gau.
Mir fehlt mein früheres Selbstbewusstsein, auch wenn es nur gespielt war. Oft ertappe ich mich dabei, "negativ daherzureden". Ich weiß gar nicht mehr, wie ich ein Gespräch über was Normales führen soll, ich finde, ich jammer nur rum, kein Wunder, dass mich nie wer fragt, ob ich was machen will. Kein Wunder, dass die Leute auf mich gleichgültig reagieren, wenn sie mich kennenlernen.
Selbst hier im Forum merke ich, dass alle anderen - sogar die, deren Probleme viel größer sind als meine - es schaffen, sympatische Beiträge zu schreiben, auf die andere gern reagieren. Nur ich nicht.
Ich hab mir also für eine Woche ein Redeverbot über persönliche Themen verordnet. Denn sobald ich das Fass öffne, kann ich es nicht wieder zumachen. Und offenbar hassen alle meine Probleme und mein Gejammer. Offenbar nimmt mich keiner so an wie ich bin. Offenbar muss man sich immer verstellen, um anerkannt zu sein. Wenn ich eines aus der Sache gelernt habe, dann das. Bitter, aber nicht zu ändern.
Mal schauen, ob es tatsächlich so ist, wie ich meine. Vielleicht sollte ich mir nen Vorrat an unverbindlichen Themen zurechtlegen und diese Notizen dann vor jedem Treffen mit anderen durchlesen. Damit ich bloß nicht in Versuchung komme, was von mir selbst zu zeigen. Oh Gott, ist das armselig. Aber nicht zu ändern, ich kann einfach nicht mehr.
