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Einfach das Herz ausschütten

Guten Tag zusammen.
Mein erstes Forum, in dem ich mich aussprechen werde, denn seit einer Woche habe ich ein paar große Erfolge erzielt und möchte auf diesen Weg weiter gehen. Ich möchte gerne ein paar Tipps/Einschätzungen von euch. Etwas, das mir künftig den Besuch bei einem Facharzt vielleicht erleichtern kann.

Also folgendes Problem: Ich habe sehr viele Fehler gemacht in meinem noch kurzem Leben, bzw hatte niemals den Antrieb es zu probieren. Um es Mal so zu formulieren. Ich würde seit ich im Kindergarten war gehänselt, gemobbt und ausgestoßen. Als Einzelkind ist es erst Recht schwierig, wenn man als kleines Kind noch vom Vater verwöhnt wird und diese Gedanken auch hegt, wenn man mit anderen Kindern zusammen ist (zb nicht teilen gelernt und deshalb unbeliebt gemacht. In der Grundschule wurde dann mein Nachname Programm zum Mobbing und sogenannte Freunde haben hinter meinen Rücken gelästert oder mir das Leben schwer gemacht. Meine Eltern waren geschieden und ich buhlte mit meinem Stiefvater um die Aufmerksamkeit meiner Mutter. Sie versuchte mich all die Jahre bis ich 16 war, von meinem Vater fern zu halten und ich stand ständig dazwischen und litt darunter, das sie niemals miteinander sprechen.

Die meiste Zeit war ich alleine und hatte sogar eine Therapie gemacht, in der eine Betreuerin mir half mich besser mit anderen zu verstehen und soziale Kontakte zu knüpfen. Das Resultat war, das ich dadurch wieder mehr Selbstvertrauen schöpfte, doch der Erfolg blieb nicht lange. In der 10. Klasse fing ich an die Schule zu schwänzen, verletzte mich (und es blieb bis heute meinen Eltern verborgen), fing mich aber wieder halbwegs und machte den Abschluss. Für jemanden, der gemobbt wurde für manche, ein gutes Zeugnis (abgesehen der unentschuldigten Fehltage)

Es folgten danach aber Jahre, die ich lieber Rückgängig machen würde. Ich wusste nicht welchen Beruf ich einschlagen sollte, war auf eine höhere Handelsschule, in der alte Klassenkameraden auch waren und vergangene Dinge über mich erzählten. Klasse wieder würde ich gemobbt, stürzte auch notentechnisch in die Tiefe und schwänzte erneut. Solange bis die Schulleitung drohte Anzeige zu erstatten, denn mein Vater, zu dem ich gezogen war, arbeitete und bekam es nie mit. Hinterher gab es dann ein Praktikum zur Berufsvorbereitung. So schön so gut. Aber da bemerkte ich, wie verunsichert ich wurde. Ich machte das Praktikum im Einzelhandel und Kunden machten mich nervös. Meistens suchte ich mir nur eine Ecke und räumte Ware ein, vermied Gespräche. Nachdem die Praktika vorbei waren folgten wieder zwei Jahre ohne Arbeit. Ich bemühte mich nicht einmal, denn ich hatte Angst zum Amt zu gehen, wichtige Entscheidungen alleine zu treffen, meinem Vater wollte ich damit nicht auch noch belasten. Ich traute mich zwischendurch internetbekannschaften zu treffen. Nach monatelangem schreiben und telefonieren. Ich lernte meinen Exfreund kennen und zog schließlich zu ihm.
Neuen Mut gefasst begann ich vorerst auf geringfügige Basis zu arbeiten, weil ich im darauffolgenden Jahr die Ausbildung anfangen wollte. Leider hat man mich im Sommer nur zu einer anderen Filiale gesteckt, weiterhin als geringfügig Beschäftigte. Doch ich traute mich nicht etwas dagegen zu unternehmen und akzeptierte es. Mein Ex brachte mich aber dazu zu kündigen, da wir in finanzieller Notlage geraten sind und ich nahm eine Vollzeit Stelle bei einer Zeitarbeit an. Dort behandelte man uns alles andere als nett, für die selbe Arbeit angemacht zu werden, wie Dreck ist nicht motivierend.
Naja, letztlich endete der Vertrag auch und ich fand eine Ausbildung, die ich als Einstiegsqualifizierung begonnen habe. Im Einzelhandel. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt sehr viel Spaß an den Job, doch. Ich war weiterhin verunsichert, ich fragte ständig, nervte Kollegen und musste mir mehrmals vom Chef ne Standpauke anhören. Doch ich hatte Angst, Angst etwas falsch zu machen. Ich wurde in der Vergangenheit oft sehr stark bemeckert, habe eine bescheuert bekommen, wenn ich Mist gebaut habe und reagierte äußerst stark darauf, wenn man mich anbrüllt. Naja ich sollte nach dem EQJ neu im ersten Lehrjahr anfangen, weil ich auch noch nervös war. Kunden zu bedienen war die Hölle, ich war die einzige, die gerne alles saubermachte um nicht zu bedienen.
Wenn ich so darüber nachdenke. Ich bekam Schweißausbrüche, wenn eine Situation sich anders entwickelte, als ich erwartete. Reagierten Kunden sauer oder verärgert stammelte ich nur unverständliches Zeug.

Meine Situation würde nicht besser, als wir aufgrund von Problemen mit dem Vermieter, umziehen mussten, die Eltern meines Ex nahmen uns auf und dort entwickelten sich rasch Konflikte, die es bereits teilweise gab als wir alleine lebten. Die Wohnung war oft unordentlich und die Mutter war eine Putz Fanatikern. Nicht leicht ,wenn man keinen Antrieb hat etwas zu tun und jede freie Sekunde nach der Arbeit Ruhe haben will, anstatt noch groß zu putzen.
Ach ja, zwischendurch gab es auch noch die Situation, dass mein Ex mich verlassen wollte, weil ich ihn immer mehr von mir stieß. Aber nicht weil ich ihn nicht liebte, sondern weil ich ihn nicht belasten wollte. Diese Annahme war sein Bruder und bat ihn mich zum Psychologen zu bringen. Das Erstgespräch hatte ich nach vielem einreden auch angenommen. Doch danach habe ich mich nicht mehr drum gekümmert und es wurde vergessen. Das endete damit dass die Beziehung beendet wurde, weil es ihm zuviel war.
Ich musste innerhalb einer Woche raus aus der Wohnung, bzw habe es auch nicht länger ertragen können, denn die ganze Familie, außer dem Vater und meinem Ex hat mich von vornherein gehasst. Ich sei nur eine "Faule *beep*, die ihren geliebten Sohn/Bruder ausnutzt" keiner kam auf den Gedanken, dass ich emotional ein Wrack war und ich es nur einem gegenüber schaffte meine Liebe zu zeigen. Doch als das fort war brach alles zusammen. Ich hatte nur einen Weg, beim zu wohnen. Also zog ich zurück, es war zu weit um die Ausbildung fort zu führen, ohne Führerschein.
Mir begann alles egal zu werden und ich verkroch mich in der Wohnung und wollte nicht mehr raus. Ich schaffte es nicht mich arbeitssuchend zu melden, manche Angelegenheiten zu klären, sondern lebte von meinem Vater. Das ist vier Jahre her. Aufgrund dessen war ich nicht versichert, konnte also nicht zum Arzt und da ich ja keine Beweise für Leistungen vom Amt habe belaufen sich meine Schulden nun in enormer Höhe, bei der Krankenkasse. Ohne Geld kann man diese ja nicht zahlen.
Da mein Vater aufgrund der extra Kosten auch nun Probleme hat, nahm er ein Gespräch bei einer Beratung an und diese bot mir an es ihm gleich zu tun. Schließlich bin ich nun 27 und könnte jederzeit auf der Straße landen.
Letzte Woche war das Gespräch. Zuerst wollte ich nicht hin, ich traute mich nicht, doch ich hatte Angst davor zuzugeben, dass ich wieder etwas nicht geschafft habe. Lustigerweise befürchtete die Dame auch, ich würde absagen.
Naja ich sprach mit ihr und schließlich schlug sie vor mir einen Betreuer zur Seite zu stellen, der mir etwas unter die Arme greift. Als ich mit ihm sprach und zugab, seit vier Jahren nicht mehr versichert zu sein, fiel ihm buchstäblich die Kinnlade auf den Tisch. Ich hatte Glück, das ich nur Mal erkältet war, meinte er. Aber er hat mich überzeugen können den Weg zum Jobcenter zu gehen um dort endlich erstmal den Schritt zu gehen, der mich wieder in die Versicherung bringt.
Natürlich ich beantrage Geld vom Staat, das will ich eigentlich nicht, doch ich glaube ich muss erstmal diesen Schritt gehen und dann einen Arzt aufsuchen, um zu klären, ob ich eine psychische Erkrankung habe.
Der Betreuer schien sogar sehr sicher zu sein, das dies das erste sein sollte, was ich machen kann. Damit ich wieder arbeitsfähig bin, denn mit den letzten drei Jahren wurde meine Situation immer schlimmer.
Ich gehe nur hinaus, weil mein Vater möchte, dass ich einkaufe, für ihn etwas erledige, wenn er arbeitet. Doch selbst das einkaufen verlangt sehr viel von mir ab. Erstens schieb ich es den ganzen Tag vor mich hin bis ich mir denke "Geh verdammt nochmal, dann hast du es hinter dir!" Doch angekommen im Markt, breche ich in Schweiß aus, werde verdammt nervös und ich meide Blickkontakt. Wenn ich zahle und Kleingeld Zusammensuche entschuldige ich mich kleinlaut und ertappe mich dabei zu glauben, das alle anderen mich jeden Moment deshalb ankeifen. Jeder Blick, zu mir den ich erhasche, weckt in mir den Gedanken, dass sie mich verabscheuen. "Wie sieht die denn aus? Man ist die dick" oder andere Dinge. Ständig trage ich Taschentücher bei mir, ohne die trau ich mich nicht raus, weil ich schon nach wenigen Minuten Nass-geschwitzt bin. Nicht weil mir warm ist, das passiert auch bei -20 Grad. Ich habe mittlerweile Angst vor Menschen, denke ich, denn ich meide sie sooft es geht. Mal eben in die Innenstadt gehen? Fehlanzeige, da ist die volle Fußgängerzone. In einem Bus einsteigen? Bloß nicht!
Seit drei Tagen gehe ich mir durch, was ich haben könnte. Denn zu den genannten Symptomen folgen, das ich jeden Kontakt zu Familie und alten Freunden abgebrochen habe. Ich will meiner Mutter zb nicht sagen, das ich immernoch keine Arbeit habe. Ich höre dann eh nur ein "Was kannst du eigentlich ausser faul rumsitzen?" Mit meinem Vater gibt es auch ab und zu Streit und dann sage ich Dinge, die ein Psychologe alarmieren würde und verschwinde ich ins Zimmer. Abends lieg ich oft wach, denke daran es zu beenden. Suizidgedanken sind in den letzten Monaten häufiger der Fall. Doch noch sind es nur Gedanken. Lustigerweise helfe ich meinem Vater, weil er auch Für manches keine Lust hat. Ist auch egal, diese Dinge halten mich davon ab es zu lassen. Er hat nur mich und ich im Moment nur ihn.
Ich weiß, dass ich Hilfe benötige, und sobald ich das mit den Anträgen hinter mir habe, wird das mein erster Anlaufpunkt sein. Allerdings denke ich werde ich überfordert sein, Wie ich das dann beim Arzt ansprechen soll. Da kommt wieder diese Angst, der Drang keine Hilfe anzunehmen. Denn etwas zu sagen und es dann zu tun sind zwei verschiedene Dinge.
Schließlich könnte das mehr verändern als ich glaube, ich habe mich an meine Situation gewöhnt und nun daraus zu entkommen ist ein großer Schritt.

Ich bin sicher nicht die einzige, deren Leben bereits durch Trauma im Kindesalter so verlaufen ist. Vielleicht hat jemand ähnliches erlebt und Anregungen, Tipps, wie ich mich weiter motivieren kann? Ich habe Angst, das die letzten Tage nur eine der "fröhlichen" Phasen sind , in der ich meine Ziele zu hoch stecke und voller Elan dabei bin und sobald diese endet, wieder in dem Loch lande aus dem ich mich gerade erst Herauskämpfen konnte.

Ganz schön langer Text, aber es tat gut das ganze niederzuschreiben.

14.10.2019 01:57 • x 1 #1


Eis
Hallo Jackyw

Herzlich willkommen im Forum hier. Normalerweise lese ich mir so lange Texte nicht durch, das ist mir zu viel. Aber nachdem ich gerade nicht schlafen kann, habe ich mal bis zum Ende durchgehalten. Du hast ja in deinem Leben schon eine ganze Menge durchgemacht, und ich bin froh über den Schritt mit dem Betreuer, den du jetzt gemacht hast. Entschuldige, aber es ist mir ein Rätsel, wie deine Eltern sich das so lange mit anschauen konnten ohne etwas zu unternehmen, aber ich gehe wohl von einem intakten Elternhaus aus, das ich hatte. Drum bin ich dankbar über deinen Betreuer. Die ganzen Angelegenheiten zu regeln, damit du versichert bist und zumindest finanzielle Unterstützung vom Amt bekommst ist jetzt mal das Wichtigste. Sei stolz, dass du jetzt mal angefangen hast, dein Leben in den Griff zu bekommen und wende dich vertrauensvoll bei allen Fragen an deinen Betreuer.
Deine Frage bezieht sich auf den Arzt. Schreib dir vorher deine Symptome auf und schildere dem Arzt, wie ein normaler Tag bei dir aussieht. Er wird dich vermutlich zum Psychiater schicken wegen einer genauen Diagnose. Du wirst auch einen Psychotherapeuten brauchen, mit dem du den ganzen Schlamassel aufarbeitest. Frag deinen Betreuer mal, ob er dich zum Arzt begleiten möchte, falls du dich alleine nicht traust. Ich kenne mich da jetzt nicht soweit aus, wie weit die Aufgaben des Betreuers reichen, aber Fragen kostet nichts.
VG Eis

14.10.2019 02:26 • x 1 #2


@eis. Danke schön
Ja meine Eltern haben sich irgendwann nicht mehr ausgetauscht,wenn ich mich doch seltsam verhalten habe. Ich war auch nur alle zwei Wochen bei meinem Vater und in der Zeit war ich Glücklich, war auch Wochenende.Meine Mutter arbeitete Volltags und litt eher darunter, das ich Mist gebaut habe, weil ich anders so oder so eher im Hintergrund stand. Sie bekam es nicht wirklich mit, seit ich ihr vom Mobbing erzählt habe. Das hat sie dann eher mir zugeschrieben. Weil ich ausgerastet bin und damit erst Recht Futter für das mobben gab.

Ja ich werde schauen, welche Betreuung ich erhalten werde. Ohne ein ärztliches Gutachten wird das leider noch nichts und der Betreuer arbeitet ehrenamtlich und wird hinterher helfen, mit zu entscheiden ob ich Ambulante Hilfe bekomme, jemand der zwischendurch zu Besuch kommt und sich ein Bild von dem aktuellen Stand macht, oder einen, vom Gericht bestellten. Welche Unterschiede genau dazu kommen, wird noch besprochen.
Zuerst habe ich mir selbst auch in den Kopf gesetzt, dass die Sicherung der Leistungen und Versicherung Priorität hat.
Ich habe auch tierische Angst vor Bewerbungsgesprächen, was das Jobsuchen im allgemeinen nicht gerade fördert. Trotzdem sag ich niemanden, woran es wirklich liegt. Bzw. Sagte es nie.
Doch darum gekümmert habe ich mich jetzt erst, weil mir selbst bewusst geworden ist, dass ich meinen Vater mit herunterziehen, der darunter leidet, es aber nicht zeigen kann.
Morgen geht es weiter und zum Glück ist das auch kein weiter Weg, damit sinkt die Chance, dass ich doch wieder nen Rückzieher mache. Das ist meine größte Sorge. Da ich vieles beginne, und nicht die Kraft hatte es bis zum Schluss durchzuziehen.
Mal sehen wie es letztlich wird.

14.10.2019 06:19 • x 1 #3


111Sternchen222
Guten Morgen Jackyw123 und Herzlich willkommen hier im Forum.was du alles mitgemacht hast in den letzten Jahren ist wirklich kein Zuckerschlecken.Ich hoffe es geht jetzt alles seinen Weg. Nimm dir nicht zu viel auf einmal vor, ein Schritt nach dem anderen.
LG Sternchen

14.10.2019 07:07 • x 1 #4


Lighty
Hallo Jacky

Erstmal fande ich es interessant deine Geschichte zu lesen, weil es mich doch ziemlich an meine eigene erinnert.
Ein paar Fragen hätte ich an dich.
Du beschreibst recht ausführlich die Symptome die du hast.
Aus dem was du schreibst würde ich vermuten, dass du seit Kindheit bzw Jugend an schon mehr oder weniger an Depressionen leidest.
Was ich aus der aktuellen Situation heraus lese, es könnte ua eine Angststörung bzw Sozialphobie bei dir vorliegen.
Ist aber nur eine spontane Vermutung, will dir nicht irgendwas einreden.
Anscheinend hast du ja noch keine ärztliche Diagnose.
Hast du noch andere Symptome welche man auf Depression zurückführen könnte?
Wie sieht es mit Svv aus hast du das immernoch oder war es nur das eine mal?
Hast du dich selber schon intensiv mit der Krankheit beschäftigt oder einfach nur gedacht es ist halt so wies es ist und so gut wie möglich versucht zu verdrängen?
Was hast du die letzten 4 Jahre gemacht? Wie sah so dein Tagesablauf aus?

14.10.2019 20:39 • #5


Hallo Lighty
Die "Diagnose" haben eher Bekannte gestellt und mich versucht zu animieren, zum Arzt zu gehen. Vorallem seit ich mich die letzten Tage mehr damit beschäftigt habe, denke ich das sie Recht hatten.weil ich es früher nicht wirklich Recht einsehen wollte, und es hätte alleine bewältigen müssen, habe ich mich nicht weiter darum gekümmert. Dieser Fehler kostete mir vor vier Jahren schließlich alles, denn mein Ex hat mich lieber verstoßen, als mir zu helfen. Er verstand es nicht, was an mir "Kaputt" war, wo ich mich doch ständig fröhlich und ergeizig in Dinge gestürzt habe.
Es gab Phasen an denen ich überhaupt nicht sehen wollte, das Hilfe nötig ist. Und dann Zeiten an denen ich nachts wach lag und einfach weinte, weil ich keine Hilfe bekam und mich für dieses sture verhalten hasste.
In den letzten vier Jahren hab ich bei meinem Vater gelebt, Der mir Tag um Tag sagte ich soll mir Arbeit suchen. Für eine kurze Weile habe ich das auch, allerdings war ich da bereits so unsicher und verängstigt, was sich an Probearbeiten bemerkbar machte, dass ich nie etwas fand. Damit habe ich eine gewohnte Routine verloren, mit der ich quasi abgelenkt wurde. Ich habe es da auch nicht geschafft Leistungen für den Übergang zu beantragen, ich konnte keine Hilfe erwarten, da mein Vater den ganzen Tag weg war und mir nur Vorwürfe machte, weil ich von seinem Gehalt durchgefüttert wurde. Klar war es mir unangenehm. Und als ich letzte Woche beim Amt war, wollten die mir das nicht glauben. Ich könnte jederzeit rausgeworfen werden, doch ich glaube mein Vater ahnt auch, dass er damit mehr Schaden an mir anrichten könnte, als er ahnt. Damit würde mich der letzte Mensch verstoßen, der mir bleibt.
Ich war die Jahre auch nicht versichert bzw bin es bis Heute nicht. Dh. Ich war auch nicht bei einem Arzt für eine Diagnose. Ich habe mich die letzten Tage ausführlicher mit Symptomen und Verläufen beschäftigt, dadurch dieses Forum entdeckt und endlich begriffen, das es Andere ebenso ergeht.
Ich habe gleich einen weiteren Termin, beim Jobcenter, für den Antrag und ein Gespräch zur Vermittlung, bei dem ich erklären werde, wieso ich noch nicht fähig bin sofort auf den Arbeitsmarkt geworfen zu werden. Denn sobald der Antrag genehmigt ist und ich wieder versichert bin, wird mich ein Betreuer der sozialen und ehrenamtlichen Stelle zu einem Arzt begleiten, sollte ich es alleine nicht schaffen.
Und ich habe endlich begriffen, dass ich das tun muss, auch wenn mich das ganze unheimlich stresst. Ich war schließlich immer daheim, ging kaum raus, schlief sehr viel und plötzlich renne ich durch die volle Innenstadt Versuch irgendwie die Menschen auszublenden, höre Musik dabei, denn das hilft mir diese Angst etwas im Schach zu halten. Ich gebe zu dass ich sogar neugierig bin, was der Arzt dann sagen wird. Denn dann habe ich einen Beweis der, die letzten vier Jahre vorallem, erklären kann. Ich wurde steht's als "Faule Schmarotzerin" bezeichnet. In meiner Familie sind alle tüchtige und fleißige Bienchen und aufgrund der Psyche nichts zu erreichen, ist für die unvorstellbar. Dss damit der Rückhalt oder das Verständnis fehlt, war all die Jahre auch nicht gerade zum Vorteil.
Ich habe in der letzten Woche zwar für manche nur "kleine " Erfolge geschafft, dass ich den Antrag besorgen könnte, mich dazu aufrappeln konnte, unter so vielen Menschen zu sein. Das war wirklich unangenehm, aber für mich war es ein großer Erfolg, mehr wert als alles andere.
Mal sehen es gibt war noch Dinge, um die ich mich kümmern muss, aber das ist erstmal zweitrangig, denn ich will was an meiner Situation ändern, habe es sogar geschafft nun durch den Hochschwung der Emotionen meinem Vater zu erzählen, wie es mir geht. Naja er hat erwartet reagiert, such eher nicht dafür interessiert, oder es einfach nicht zeigen können. Aber das ist mir egal, er sieht ja, das ich etwas unternehme, um dafür zu sorgen, das sich was ändert.

16.10.2019 07:19 • x 1 #6


Lighty
Das ist tatsächlich bei vielen so, dass sie lange erstmal nicht wissen was sie haben. Die Krankheit verdrängen oder nicht anerkennen wollen dass sie so etwas haben.
Vielleicht weil man denkt es ändert eh nichts, man bekommt dadurch auch nicht mehr Hilfe/Verständnis als ohne diese "Diagnose"
Vielleicht ist auch durch dein Umfeld dieses Denken entstanden dass sowas quasi nicht sein darf.
Vielleicht weiß dein Vater gar nicht was er mit dieser Info jetzt anfangen soll und reagiert deswegen distanziert.
Für Leute die selbst keine Depressionen kennen, ist es sehr schwer nachzuvollziehen wie es einem damit geht.
Die Frage wo sie sich meistens nicht stellen ist warum sollte jemand aus Vorsatz einfach jahrelang nichts machen und nur rumgammeln wenn er in der Lage wäre ein normales Leben zu führen?
Als ob sowas Spaß macht.

16.10.2019 12:13 • x 2 #7




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