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Dissoziation - habe das Gefühl für Realität verloren

Bio_Ger_Mania
Hallo Leute,
Ich bin eine 20-jährige Uni-Studentin mit Borderline Persönlichkeitsstörung. Es wurde letztes Jahr diagnostiziert, als ich (schon nicht zum ersten Mal) einen Selbstmordversuch hatte. Seitdem versuche ich jeden Tag die gleiche Dämonen zu überwinden. Aber in den vergangenen zwei Monaten konnte ich meinen Therapeut nicht treffen, und bin immer mehr durcheinander. es wird immer schwieriger morgens aufzustehen, und es fühlt sich so als hätte ich all meiner Kraft verloren. Ich kann nicht mehr auf meine Studien konzentrieren, doch bin ich in der Mittel der Prüfungszeit. Ich bin irritiert und übersensibel. Meine Familie kann mich schwierig ertragen, und ich weiß genau, dass ich der Ursprung der Konflikte bin. Obwohl ich mich nur um Frieden und Ruhe sehne. Ich habe mein Realitätsgefühl verloren, und kann meistens nicht logisch Denken. Ich will nicht so sein. Ich hasse mich, aber kann einfach nichts dagegen tun. Sie können es nicht verstehen. Dafür gebe ich ihnen keinen Schuld, weil sie keine Ahnung haben, wie es sich fühlt, jeden Tag gegen dich selbst zu kämpfen. Aber ich weiß, dass ich ihnen nerve. Dass sie schon frustriert werden, wenn ich in der Nähe bin.
Und die schlimmste vielleicht ist, dass ich langsam aufhöre zu kämpfen. Ich bin überfordert und enttäuscht. Ich weiß nicht mehr, wie ich in eine bestimmte Situation reagieren will. Ich verderbe alles, womit ich anfange. ich bin verwirrt, und oft passiert es, dass ich gar nicht weiß, was und warum ich gerade tue. Ich habe schon wieder das kalte und grausame Nichts-Gefühl. Und dass ich nur eine Belastung bin. Und die beste wäre, wenn ich nur umkommen könnte. Ich habe immer weniger "klare Momente".
Ich will frei werden. Wirklich. Nun scheinen meine Hoffnung und Kraft mich zu verlassen.
Ich weiß nicht, was ich von diesem Beitrag erwarte. Nun vielleicht dass jemand es lesen wird. Oder es fühlte sich irgendwie. lebendig mitzuteilen.
Danke, wenn du es wirklich durchgelesen hast!

26.01.2019 21:28 • #1


Alexandra2
Bist Du nicht in ärztlicher Behandlung?

26.01.2019 21:46 • #2


Bio_Ger_Mania
Ich habe einen Therapeut, und wir planten eine Behandlung anzufangen, aber seit 2 Monaten sagt er alle besprochene Termine ab.

26.01.2019 21:48 • #3


Hallo.

2 Monate Absagen oder wie-auch-immer-hinhalten ist krass.

Bevor es unerträglich wird, wäre mein Rat, in eine psychiatrische Akut-Station im Krankenhaus zu gehen - so es hoffentlich eine in der Nähe gibt. Dort müßte man dich zumindest erstmal stabilisieren können.

26.01.2019 22:08 • x 4 #4


Alexandra2
Ich schließe mich Hardymeis Meinung an. Solange Du keine Basistherapie hast, ist es sehr schwer 'ohne Alles' wieder auf die Beine zu kommen.
Recherchiere gleich im Internet nach einem niedergelassenem Psychiater, einer Klinik und Therapeuten. Da es Wartezeiten gibt, solltest Du Dich umgehend anmelden. Und Montag bitte zum Hausarzt, ich weiß nicht, ob 'übergangsweise' Medikamente verordnet werden können. Aber er kann sicher weiter helfen.
Liebe Grüße

26.01.2019 22:21 • x 2 #5


Hallo Bio_Ger_Mania,

ich kann deine Schilderungen gut nachempfinden, da ich mich in in vielem, das du schreibst, wiederfinde. Deine dunklen Gedanken und auch die Selbstablehnung sind mir nicht fremd. Dass die Familie dann zusätzlich eher ablehnend reagiert ist irgendwie verständlich, aber in dieser Lage eine absolute Katastrophe für einen selbst. Momentan ist es bei mir auch die Hölle und ich denke so oft, ich kann nicht mehr bzw. frage mich, wie lange ich das so noch aushalten kann.
Nimmst du zur Zeit Medikamente? Im akuten Notfall solltest du wirklich, wie oben geraten, zu einer psychiatrischen Notambulanz gehen. Hausarzt ist auch möglich, allerdings ist die geeignete Medikamentengabe dort eventuell etwas beschränkt. In deinem Profil steht, dass du im "Ausland" bist? Ist das tatsächlich so, oder ist dein "persönliches Ausland" im Kopf gemeint?
Wie kommst du zur Zeit mit deinem Studium zurecht?

Gruß.

27.01.2019 09:55 • x 1 #6


Pilsum
Hallo Bio_Ger_Mania,

schön, dass Du hier im Forum bist.
Zitat:
Ich kann nicht mehr auf meine Studien konzentrieren, doch bin ich in der Mittel der Prüfungszeit.
Ich bin irritiert und übersensibel.


Prüfungszeit ist Höchststress. Dir wünsche ich, dass Du Dich zwischendurch immer mal kurz runterfahren und
entspannen kannst. Musik und Spazierengehen helfen da besonders gut, in Gedanken wieder frei zu werden.
Zitat:
Und die schlimmste vielleicht ist, dass ich langsam aufhöre zu kämpfen. Ich bin überfordert und enttäuscht.


Das mag ja sein. Wir Menschen fühlen uns häufig schnell überfordert. In Wirklichkeit sind wir es aber nur sehr selten.
Zitat:
Ich verderbe alles, womit ich anfange. ich bin verwirrt, und oft passiert es, dass ich gar nicht weiß, was und warum
ich gerade tue.


Du irrst Dich. Weder bist Du verwirrt, noch verdirbst Du alles.
Zitat:
Ich habe mein Realitätsgefühl verloren, und kann meistens nicht logisch Denken. Ich will nicht so sein.
Ich hasse mich, aber kann einfach nichts dagegen tun.


Kannst Du rechnen? Wenn ja, kannst Du auch logisch denken. Möglicherweise willst
Du aber oft gar nicht logisch denken, weil dann würde sich einiges etwas anders darstellen.

Du kannst nach und nach etwas dafür tun, dass Dein Realitätsgefühl wieder zurückkommt.
Dies braucht jedoch etwas Übung, also auch Zeit.

Für Deine Prüfung wünsche ich Dir Die erforderliche innerliche Ruhe, um Dich weiter konzentrieren zu können.
An Deiner psychischen Stabilität kannst Du dann nach Deiner Prüfung weiter arbeiten.

Viel Erfolg

Bernhard

27.01.2019 11:41 • x 3 #7


Bio_Ger_Mania
Erst mal würde ich mich bei alle von Euch bedanken!
@rik4 Meine Familie tut ihr bestes, ich denke. Ich nehme keine Medikamente seitdem ich vor zwei Jahren inkorrekt diagnostiziert wurde, und mir falsche Tabletten verschrieben wurden. Ich habe praktisch die Hölle durchgemacht bis sie es erkannten. Seitdem vertraue ich nur meinem Therapeut. Ich lebe tatsächlich in Ausland (was wahrscheinlich leider auch in meinem Sprachgebrauch erkennbar ist)
Zur Zeit versuche ich meine Prüfungen zu bestehen, und mich ständig zu erinnern, dass diese Ergebnisse jetzt nicht mein bestes beweisen. Dass ich es besser könnte, und einmal werde ich darauf fähig.

27.01.2019 14:15 • #8


Bio_Ger_Mania
Es fühlt sich irgendwie beruhigend, dass andere ähnliche Situationen erleben/überleben. Ich ahnte gar nicht, dass mein Beitrag Antworte bekommen wird. Es ist komisch so was auszusprechen, aber jetzt fühle ich mich ein bisschen weniger allein. Danke Euch!

27.01.2019 14:21 • x 2 #9


Cleofee
Eine BPS ist für einen selbst nur schwer erträglich. Ich habe selbst eine und kann sehr gut nachvollziehen, wie es in dir aussieht. Natürlich kann deine Familie das alles nicht verstehen, da sie selbst Teil des Problems ist. Eine BPS kommt nicht einfach vorbeigeflogen, sondern entwickelt sich, wie andere Persönlichkeitsstörungen auch, schon in der Kindheit. Die Eltern tragen eine erhebliche Verantwortung daran. Das soll jetzt nicht heißen, dass Eltern von Kindern mit einer Persönlichkeitsstörung irgendwie bösartig oder lieblos sind. Leider hatten unsere Eltern auch psychische Probleme.
Wichtig finde ich nur, dass man jetzt die Verantwortung für sein Leben übernimmt und sich z.B. in Behandlung begibt. Ein Therapeut, der einen immer wieder vertröstet ist da nicht wirklich hilfreich.
Mir haben tatsächlich verschiedene Klinikaufenthalte geholfen, und zwar Kliniken, wo spezielle Therapien für BPS angeboten werden, also die Dialektisch Behaiviorale Therapie, oder Schema-Therapie. Erst dort habe ich begriffen, wie ich eigentlich ticke und wie ich mir selbst helfen kann.
Um noch mal kurz auf Bernhards Post einzugehen: mal eben runterfahren ist für einen Menschen mit BPS schlichtweg nicht möglich. Es gibt Untersuchungen, bei denen nachgewisen wurde, dass bei dieser Persönlichkeitsstörung das Gehirn das Anspannungsniveau eben nicht schnell wieder senken kann, so wie bei Gesunden. Und wer im Hochstress ist kann auch nicht logisch denken. Hinzu kommen dann noch die Dissoziationen. Da erscheint die Realität anders, verzerrt, irreal. Zu behaupten die eigenen Wahrnehmung wäre dann falsch ist nicht gerade zielführend. Solche Behauptungen machen mich einfach nur wütend.
Umso wichtiger ist es, dass man sich in eine Therapie begibt, bei der man lernt, wie man mit solchen Situationen, wie in einer Dissoziation, umgeht.

L.G.

Cleofee

27.01.2019 15:33 • x 6 #10


Bio_Ger_Mania
Zitat von Cleofee:
Natürlich kann deine Familie das alles nicht verstehen, da sie selbst Teil des Problems ist. Eine BPS kommt nicht einfach vorbeigeflogen, sondern entwickelt sich, wie andere Persönlichkeitsstörungen auch, schon in der Kindheit. Die Eltern tragen eine erhebliche Verantwortung daran. Das soll jetzt nicht heißen, dass Eltern von Kindern mit einer Persönlichkeitsstörung irgendwie bösartig oder lieblos sind. Leider hatten unsere Eltern auch psychische Probleme.

Cleofee


Na, das ist bei mir ein komplizierter Fall. Die Leute, die meine Familie wurden, haben damit nichts zu tun.
(Langer Komment Alarm)
Als ich 7 war habe ich meine Eltern verloren. Mein Vater hat meine Mutter vor meine Augen ermordet. Dann sind wir (mit meinen Geschwistern) bei immer grausamere Stiefeltern gelandet. Wir hatten nie eine richtige Familie. Alk., Gewaltige Leute, Missbrauch, etc. meine ältere Schwester begann ihr Leben zu leben praktisch ohne Rücksicht, mein jüngerer Bruder ist in Kinderheim. Mit 16 Jahren musste ich in einer Schülerheim einziehen und begann neben Gymnasium zu arbeiten, weil mich meine Stiefeltern überhaupt nicht unterstützten.
Mit 18 wurde ich auch offiziell selbstständig, (was praktisch nichts neues bedeutete, als ich seit Jahren auf meine eigene Füße stand) und hatte nur meine Gemeinde als Familie. Ich wohnte in dasselbe Schülerheim als eine Mieterin.
Aber alle meine Illusionen zerfielen, als alle Mieter, (weil es da auch andere gaben außer mich) also ich auch, in einer bestimmten Zeit wegziehen mussten. Als alles zu Ende sein schien, kamen diese Leute, die ich noch gar nicht kannte.
Sie tauchten aus nichts auf, und suchten mich auf, um Hilfe anzubieten. (Noch heute kann ich es fast nicht glauben.) Ich lehnte sie natürlich höflich ab. Denkend, so was darf man einfach nicht annehmen, und überhaupt. Sachen wie diese passieren nur in Filme. Sie gaben es aber nicht auf. Es ließ sich herausfinden, dass sie schon mehrere solche Leute wie ich zu ihr genommen haben, und sogar auch Jugendliche unterstützen.
Dann konnte ich aber gar nicht ahnen, dass sie mich als eine echte Familienmitglied bezeichnen würden.
Und sie lieben mich tatsächlich! Womit ich heutzutage immer noch nichts anfangen kann. Liebe war mir immer was unbekanntes.
Also ich fühle mich noch schuldiger, weil ich trotz alle Wundern jeden Tag gegen Dämonen meiner Vergangenheit kämpfe und unfähig bin, einfach fröhlich zu sein. Ich bin unbeschreiblich dankbar. Und mir ist bewusst, dass ich so ein Wunder erlebt habe, von dem man nicht mal träumt. Und das macht mein Schuldgefühl noch tiefer und unerträglicher.
Tut mir Leid wegen der Länge des Beitrags!

27.01.2019 17:23 • x 1 #11


Zitat:
Und sie lieben mich tatsächlich! Womit ich heutzutage immer noch nichts anfangen kann. Liebe war mir immer was unbekanntes.
Also ich fühle mich noch schuldiger, weil ich trotz alle Wundern jeden Tag gegen Dämonen meiner Vergangenheit kämpfe und unfähig bin, einfach fröhlich zu sein. Ich bin unbeschreiblich dankbar. Und mir ist bewusst, dass ich so ein Wunder erlebt habe, von dem man nicht mal träumt. Und das macht mein Schuldgefühl noch tiefer und unerträglicher.


Ich kann das gut verstehen, dieses nicht-glauben-können, daß es jemand einfach nur gut mit einem meint. Das kann nicht sein, das kann nicht [i]mir[i] passieren, das habe ich nicht verdient. Oder sogar - das ist die obermißtrauische Variante - das glaube ich nicht, da gibt es bestimmt einen Haken, das dicke Ende kommt nach.

Das wird dir vermutlich nicht die spontane Lösung bringen, im Sinne von "Heureka-Fingerschnippen", aber ich kann dir sagen, daß es möglich ist, Vertrauen zu entwickeln. bzw zu lernen vielleicht. Es mag harte Arbeit sein, und man wünschte es sich auf quasi normale Weise, also daß es einfach da wäre. Wenn's denn nun aber halt mal nicht so ist .

Es braucht vor allem Geduld. Mit sich selbst.

Aber ich finde, du hast eine gute Voraussetzung dafür, daß es dir eines Tages gelingen wird, mehr Vertrauen zu haben in Menschen, die dich lieben, und zwar deswegen, weil du geschrieben hast
Zitat:
Ich bin unbeschreiblich dankbar. Und mir ist bewusst, dass ich so ein Wunder erlebt habe, von dem man nicht mal träumt.

Diese Sätze stehen wie beiläufig zwischen den zweifelnden Selbstvorwürfen. Wenn du es schaffst, diese Sätze autark zu schreiben, nichts davor, nichts danach, dann kannst du deine Arbeit am Vertrauen vielleicht mit einem quasi Mantra erleichtern.
Immer wieder mal aufschreiben
Zitat:
Ich bin unbeschreiblich dankbar. Und mir ist bewusst, dass ich so ein Wunder erlebt habe, von dem man nicht mal träumt.


Du hast Dinge erlebt, die nach meinem Verständnis hoch traumatisch sind. Und natürlich ist mir klar, daß meine Worte (siehe oben) dieses Trauma, vielleicht sogar Traumata, nicht beheben können. Das solltest du natürlich mit einer kompetenten therapeutischen Unterstützung bearbeiten.
Aber das kleine Mantra (siehe oben) kann dich dabei vielleicht positiv begleiten.

27.01.2019 17:49 • x 2 #12


Bio_Ger_Mania
Hallo!
Ich bins schon wieder. Bin jetzt aber nur neugierig. Hat jemand außer mich auch solche Erfahrungen, sich in einem völlich bekannten Gegend zu verlaufen? Ich meine, oft passiert es mir, dass ich auf dem Weg nach Hause (von der Uni, Arbeit, oder solche alltägliche Orte) plötzlich ganz verwirrt werde und nicht mehr weiß, wohin weiter. Obwohl ich jeden Tag dasselben Weg nehme. Oft kriege ich sogar Panik, was wahrscheinlich lächerlich klingt. Hat irgendjemand schon auch so etwas erlebt?

28.01.2019 00:26 • #13


In der von dir geschilderten Form habe ich es zum Glück nicht gehabt. Es gibt aber Phasen, in den vergesse ich Dinge oder kann mir etwas nur sehr schwer merken. Vermutlich kommt es daher, das bestimmte Hirnregionen überlastet sind und andere nicht richtig arbeiten können. Wenn es bei dir selten auftritt, würde ich es dennoch mal beobachten. Ist es permantent so, dann kann es natürlich auch nicht ungefährlich werden. Räumliche Orientierungslosigkeit macht Angst, das ist nachvollziehbar.

28.01.2019 08:25 • x 1 #14




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