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Depression, Leere und fehlendes Netzwerk

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Kate

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Liebe Tulip,

ich kenne Deine Gefühle auch nur zu gut. Ich leide auch enorm darunter und habe noch keine richtige Lösung dafür gefunden.
Man müsste theoretisch im Inneren so für sich sorgen und sich selbst das geben können, was man aktuell am meisten vermisst.
Theoretisch klingt das gut, aber die Umsetzung ist enorm schwer.

LG Kate

23.05.2020 15:36 • x 3 #31


Tulip

Tulip

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Lieber Bernhard,

Ich danke dir sehr für diesen Bewusstseinsanstoss. Du hast damit recht und jetzt wo ich deine Zeilen lese, erinnere ich mich daran, dass das schonmal in einer Therspie Thema war und ich mir immer wieder mein aktuelles Alter bewusst machen und mich in der Gegenwart verankern sollte.
Ich glaube ich bin viel zu nah dran an diesen Gefühlen, es ist trügerisch zu glauben, sie könnten sich auflösen indem ich sie immer wieder durchlebe.

Teile gern dein Wissen mit mir, ich bin dankbar über jeden Impuls und für deine große Zuversicht!

Liebst, Tulip

24.05.2020 14:10 • x 1 #32


Tulip

Tulip

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Liebe Kate,

Man hört von Therapeuten und liest in Ratgebern oft, dass man für sich sorgen muss und sich das geben sollte was man braucht. Ja, das klingt fantastisch und einfach, doch wie macht man das?
Ich habe das Gefühl es fehlte mir dahingehend an guten Vorbildern. Meine Mutter hatte oft nur Arbeit und Leistung im Sinn, bis sie dann erschöpft umfiel, sich erholte und wieder von vorne begonnen hat. Davon hat sie mir einiges mitgegeben.. Wie betreibt man gute Selbstfürsorge? Woher weiss man, was man überhaupt braucht? Theoretisch helfen einem an der Stelle ja Gefühle, da sie Mangel und Bedürfnisse anzeigen können. Praktisch ist das alles sehr schwer...

Liebe Grüße,
Tulip

24.05.2020 14:19 • x 2 #33


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Kate

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Liebe Tulip,

das ist auch für die Frage der Fragen. Ich denke, man muss anfangen sich selbst zu lieben. Ich trage nur Selbsthass in mir, weshalb ich alles was ich mir gutes tue, unmittelbar selbst wieder zerstöre, bevor es ein anderer macht.
Man sollte wirklich anfangen sich selbst zu lieben, dann spürt man glaube ich was man braucht.

LG Kate

24.05.2020 14:45 • #34


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buddl1

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wenn ich mich kurz mit einbringen kann...
man sollte sich nicht nur selbst lieben können,
Selbstachtung und eigene Anerkennung seiner Leistung ist genau wichtig,
dann ja dann kann man sich auch lernen zu lieben so wie man eben ist.

wenn man der Arbeit gerecht wurde,
wenn man sein Tagesziel erreicht hat,
ja dann sollte man sich loben und anerkennen,
weil man es selbst oder auch mit Hilfe von andern geschafft hat.

wir wissen doch alle, dass es ewig dieser Menschen gibt,
die uns dem widersprechen, ignorieren oder alles ins schlechte Licht stellen
und zum Überdruss unsere Erfolge für die eigenen ausgeben.

also was ist zu tun?
sich selbst belohnen,
sei es ein Eis, oder eine sonstige Versuchung zu erliegen,
weil man es darf, weil man es kann und ja
es einem gut tut!
buddl1,

24.05.2020 15:01 • x 1 #35


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Pilsum

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Zitat von Tulip:

Ich danke dir sehr für diesen Bewusstseinsanstoss.
Ich glaube ich bin viel zu nah dran an diesen Gefühlen, es ist trügerisch zu glauben, sie könnten
sich auflösen indem ich sie immer wieder durchlebe.

Teile gern dein Wissen mit mir, ich bin dankbar über jeden Impuls und für deine große Zuversicht!


Zu nah kann man meiner Meinung nach wohl kaum an Gefühlen sein.
Und sie immer durchleben wird sie wohl kaum abschwächen und erst recht nicht auflösen.


Von meinem Wissen gebe ich Dir gern möglichst viel ab.
Du müsstest mich aber da hinführen, wo Du etwas verändern möchtest. Weil sonst rede
ich eventuell an Dir völlig vorbei.
In der Zusammenarbeit von unserem Bewusstsein und unserem Unterbewusstsein, da
liegt fast immer die Lösung unserer Probleme.
Hier kannst Du sehr viel beeinflussen und leider auch leichte Fehler machen.

Zitat:
Wie betreibt man gute Selbstfürsorge? Woher weiss man, was man überhaupt braucht? Theoretisch
helfen einem an der Stelle ja Gefühle, da sie Mangel und Bedürfnisse anzeigen können.
Praktisch ist das alles sehr schwer...


Was ist praktisch schwer? Zu sagen, dass Du Bedürfnisse hast? Oder etwas zu ändern?
Ich versuche gleich einmal etwas zu unserem Unterbewusstsein zu beschreiben.

24.05.2020 15:08 • x 1 #36


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Pilsum

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Zitat von Tulip:


Jetzt versuche ich mal ein bisschen Licht in unsere Denkweise zu bringen.
Ich hoffe, Dir hilft das etwas. Wenn Du von mir nichts mehr dazu hören möchtest, dann sage
mir das einfach. Ansonsten frage und versuche zu verstehen, wie unser Denken funktioniert.

Wir denken mit zwei Teilbereichen in unserem Kopf. Das ist einmal unser Unterbewusstsein
und dann unser Bewusstsein. Diese beiden Bereiche unterscheiden sich sehr, sehr
grundlegend. Der Mehrzahl der Menschen weiß gar nicht, dass sie diese beiden Bereiche ständig
benutzt.

Die Hauptunterschiede sind etwa. Unser Unterbewusstsein speichert alles was wir mal erlebt haben.
Vom Anfang unseres Lebens bis zu unserem Ende. Das ist so etwas wie ein großes Lexikon.
Da steht also alles drin.
Besonders wichtig ist. Da steht nicht nur drin, was wir mal erlebt haben, sondern da steht auch drin,
welche Gefühle wir dabei hatten. Also ist unser Unterbewusstsein auch ein Lexikon der Gefühle.
Bei vielen Menschen sind sehr viele Erinnerungen mit einem Angstgefühl verbunden.
Das ist ziemlich belastend und man fühlt sich oft diesen Gefühlen hilflos ausgeliefert.

Möchtest Du daran etwas verändern, solltest Du beginnen neben die Angstgefühle auch
freudige Gefühle zu speichern. Damit bekommst Du immer mehr positive Gefühle in Dein Unterbewusstsein.
Nun fragt man sich. Wie geht so etwas? In den ersten Jahren lernt das Unterbewusstsein
rasend schnell. Wir lernen sprechen. Niemand würde heute überlegen, wie er seinen Mund formen muss,
um ein bestimmtes Wort zu sagen. Das geschieht unterbewusst, wie automatisch.
Wir lernen aufrecht zu gehen. Es geschieht unterbewusst. Niemand würde überlegen, welche Muskeln
er betätigen muss,
um gerade zu gehen. Noch mehr brauchen wir das Unterbewusstsein
beim Treppensteigen. Alles geht wie automatisch.
Und so geht auch vieles mit unseren Gefühlen. Wir überlegen selten, ob wir das Richtige fühlen.
Wir fühlen einfach wie automatisch.
Ungünstig ist das, wenn wir viele Erlebnisse mit negativen Gefühlen verbunden haben.
Dann kommt wie automatisch, immer etwas Negatives in unsere Stimmung.
Und wir verstehen nicht so recht, warum.
Noch schwieriger scheint es, diese Denkweise zu verändern. Das geht nur über den beschwerlichen Weg, dass
wir auch im Erwachsenen-Alter neue Erlebnisse und die damit verbundenen Gefühle in unser
Unterbewusstsein hineinschreiben.
Dabei gibt es einige Schwierigkeiten, die dafür zu überwinden sind. Eine große Schwierigkeit ist, das
Unterbewusstsein lernt immer langsamer, je älter es ist.
Es glaubt nämlich, es weiß schon alles und hat genug erlebt.
Also versucht es einen Widerstand gegen weiteres Lernen aufzubauen.
Wenn Dich das Thema interessiert, dann beschreibe ich später mal wie das mit unserem bewussten
Denken funktioniert.

24.05.2020 15:26 • x 1 #37


Tulip

Tulip

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Zitat:
Zu nah kann man meiner Meinung nach wohl kaum an Gefühlen sein.
Und sie immer durchleben wird sie wohl kaum abschwächen und erst recht nicht auflösen

Ich denke schon dass man zu nahe dran sein kann. Dies ist der Fall wenn ich ganz eins werde mit dem Gefühl und mich nicht davon distanzieren kann. Wenn ich nicht fühle was ich fühle, sondern bin was ich fühle. Ich habe lange geglaubt, wenn ich ein Gefühl nur oft genug fühle löst es sich irgendwann auf. Doch die Erfahrung zeigt, dem ist nicht so. Es braucht noch mehr. Du hast die Theorie des Unbewussten sehr gut und verständlich erklärt. Danke.

Zitat:
Du müsstest mich aber da hinführen, wo Du etwas verändern möchtes


Nun, eines meiner Ziele ist es, um es positiv zu formulieren, mich sicher und verbunden zu fühlen, Zuversicht zu entwickeln, Freude zu finden, innere Ruhe zu spüren... und so einiges mehr. Leichtigkeit als grosses Ziel... wo wir wieder beim Thema Befreien wären...

Zitat:
Was ist praktisch schwer? Zu sagen, dass Du Bedürfnisse hast? Oder etwas zu ändern?



Ich finde es schwer überhaupt zu erkennen, welche Bedürfnisse ich habe und wenn ich sie erkenne, sie mir zu erfüllen.

Zitat:
Wenn Dich das Thema interessiert, dann beschreibe ich später mal wie das mit unserem bewusste


Gerne

24.05.2020 20:36 • x 1 #38


Tulip

Tulip

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Zitat von buddl1:
wenn ich mich kurz mit einbringen kann...
man sollte sich nicht nur selbst lieben können,
Selbstachtung und eigene Anerkennung seiner Leistung ist genau wichtig,
dann ja dann kann man sich auch lernen zu lieben so wie man eben ist.

wenn man der Arbeit gerecht wurde,
wenn man sein Tagesziel erreicht hat,
ja dann sollte man sich loben und anerkennen,
weil man es selbst oder auch mit Hilfe von andern geschafft hat.

wir wissen doch alle, dass es ewig dieser Menschen gibt,
die uns dem widersprechen, ignorieren oder alles ins schlechte Licht stellen
und zum Überdruss unsere Erfolge für die eigenen ausgeben.

also was ist zu tun?
sich selbst belohnen,
sei es ein Eis, oder eine sonstige Versuchung zu erliegen,
weil man es darf, weil man es kann und ja
es einem gut tut!
buddl1,



Dem stimme ich voll und ganz zu

24.05.2020 20:37 • #39


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Pilsum

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Zitat von Tulip:
Ich denke schon dass man zu nahe dran sein kann. Dies ist der Fall wenn ich ganz eins werde mit dem Gefühl und mich nicht davon distanzieren kann. Wenn ich nicht fühle was ich fühle, sondern bin was ich fühle. Ich habe lange geglaubt, wenn ich ein Gefühl nur oft genug fühle löst es sich irgendwann auf. Doch die Erfahrung zeigt, dem ist nicht so. Es braucht noch mehr. Du hast die Theorie des Unbewussten sehr gut und verständlich erklärt. Danke.



Nun, eines meiner Ziele ist es, um es positiv zu formulieren, mich sicher und verbunden zu fühlen, Zuversicht zu entwickeln, Freude zu finden, innere Ruhe zu spüren... und so einiges mehr. Leichtigkeit als grosses Ziel... wo wir wieder beim Thema Befreien wären...




Ich finde es schwer überhaupt zu erkennen, welche Bedürfnisse ich habe und wenn ich sie erkenne, sie mir zu erfüllen.





Etwas verstehe ich noch nicht. Vielleicht kannst Du mir das aber erklären.
Ein Gefühl ist doch eine Stimme aus meinem Inneren, die mir etwas sagen will.
Ich habe Hunger
Mir ist Kalt
Ich fühle mich benachteiligt
Ich habe Angst
Ich möchte Kontakt zu einem bestimmten Menschen haben
Ich möchte lieber allein sein

Nun sagst Du:
Zitat:
Wenn ich nicht fühle was ich fühle, sondern bin was ich fühle.

Wie ist das gemeint? Du kannst ja nicht ein Gefühl sein.

Zitat:
Ich habe lange geglaubt, wenn ich ein Gefühl nur oft genug fühle löst es sich irgendwann auf.
Doch die Erfahrung zeigt, dem ist nicht so.


Wenn Du Dich allein fühlst, wird das Gefühl kaum aufhören, wenn Du es nur lange genug fühlst.
Ich denke da braucht es etwas anderes.
Kannst Du darüber sprechen, was Du nicht mehr fühlen möchtest?


Schöne Ziele beschreibst Du, finde ich. Dafür lohnt es sich zu leben.


Warum findest Du es schwierig, Deine Bedürfnisse zu beschreiben? Ergeben sie sich nicht automatisch
aus den Zielen, die Du zuvor genannt hast?

24.05.2020 21:44 • x 1 #40


Tulip

Tulip

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Zitat von Pilsum:
Wie ist das gemeint? Du kannst ja nicht ein Gefühl sein.


Es ist schwer zu beschreiben. Ich bin mein Gefühl wenn es mich vollständig überrollt, so dass ich gar nichts anderes mehr wahrnehmen kann, wenn mir die Distanz dazu fehlt, es als Gefühl zu erkennen. Wenn ich völlig darin aufgehe. Oft weiss ich nicht so richtig was es mir sagen will.

Zitat von Pilsum:
Wenn Du Dich allein fühlst, wird das Gefühl kaum aufhören, wenn Du es nur lange genug fühlst.
Ich denke da braucht es etwas anderes.
Kannst Du darüber sprechen, was Du nicht mehr fühlen möchtest?


Vermutlich braucht es innere Arbeit und die passenden Menschen dazu...
Ich möchte die Einsamkeit nicht mehr fühlen, habe zugleich Angst mich auf andere einzulassen, etwas aufzubauen, zu vertrauen. Gestern wieder habe ich gemerkt dass ich auch starke soziale Ängste habe. Ich möchte die Angst nicht mehr spüren, die Leere und Niedergeschlagenheit.. all das Negative...

Zitat:
Warum findest Du es schwierig, Deine Bedürfnisse zu beschreiben? Ergeben sie sich nicht automatisch
aus den Zielen, die Du zuvor genannt hast?


Ich finde es schwierig sie überhaupt wahrzunehmen.

26.05.2020 11:02 • x 2 #41


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Pilsum

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Hallo Tulip,
Zitat:
Ich bin mein Gefühl wenn es mich vollständig überrollt, so dass ich gar nichts anderes mehr wahrnehmen kann,
wenn mir die Distanz dazu fehlt, es als Gefühl zu erkennen. Wenn ich völlig darin aufgehe.


Diese Aussage lasse ich einfach mal unkommentiert. Ich glaube ich kenne keine
Situation, wo ich mich nicht klar von meinen Gefühlen distanzieren kann.
Zitat:
Oft weiss ich nicht so richtig was es mir sagen will.


Was Dir grundsätzliche Gefühle, wie Durst, Hunger, Einsamkeit, Sympathie und andere
sagen wollen, weißt Du aber sicher schon. Oder nicht?
Zitat:
Ich möchte die Einsamkeit nicht mehr fühlen, habe zugleich Angst mich auf andere einzulassen, etwas
aufzubauen, zu vertrauen. Gestern wieder habe ich gemerkt dass ich auch starke soziale Ängste habe.
Ich möchte die Angst nicht mehr spüren, die Leere und Niedergeschlagenheit.. all das Negative...


Hier wirst Du sehr nah an das Problem herangekommen sein. Nicht nur Du, die größte
Anzahl der Menschen hat soziale Ängste. Dies hat vor allem damit zu tun, dass wir als Kinder
weder von unseren Eltern, noch von Schulen oder anderen Menschen in die Grundlagen
einer sinnvollen Kommunikation mit anderen Menschen eingeführt werden.
Wir wissen deshalb, was wir möchten, allerdings fehlt uns teilweise der Lösungsweg.
Beschäftige Dich mal damit, wie wir Menschen miteinander sinnvoll kommunizieren,
falls Dich das interessiert. Dabei kannst Du eigene Fehler aber vor allen viele Fehler erkennen,
die andere Menschen machen, wenn wir mit ihnen in Kontakt treten.

Dir wünsche ich, dass Du es in Zukunft einfacher findest, Deine Bedürfnisse zu erkennen.
Das Dumme ist, wenn Du beginnst Deine Bedürfnisse zu erkennen gibt es eine neue
Schwierigkeit. Wie kann ich denn nun meine Bedürfnisse befriedigen. Und vor allem,
was mache ich, wenn ich Bedürfnisse nicht befriedigen kann. Wie komme ich trotzdem damit klar.

Ich sende Dir nun mal einen weiteren Text zum Thema Unterbewusstsein/Bewusstsein.
Möglicherweise steckt da ja etwas für Dich drin.

Einen entspannten Tag wünsche ich Dir

Bernhard

26.05.2020 13:31 • x 1 #42


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Pilsum

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Nun mal etwas zu unserem Bewusstsein.

Nur unser Bewusstsein ist der Teil im Kopf, der denken kann. Unser Bewusstsein
trifft auch Entscheidungen. Richtige Entscheidungen machen gute Gefühle.
Falsche Entscheidungen werden mit unseren schlechten Erfahrungen im Unterbewusstsein
verglichen und mit Angstgefühlen, wie von früher bereits gewohnt, verbunden.
Vor allem ist aber unser Bewusstsein der einzige Bereich, der neue Erfahrungen machen kann.
Der Teil der lernen kann und der Teil, der dafür verantwortlich ist, dass die Gefühle und Erlebnisse,
die man gerade hat, in unser Unterbewusstsein, also unseren Speicher eingespeichert werden.

Unser Unterbewusstsein kann man mit der Google Datenbank im Internet vergleichen,
die wir fast alle benutzen.
Wie auch unser Unterbewusstsein, so kann Google nicht denken, auch wenn die Programmierer noch
so gut versuchen herauszufinden, was wir gerade suchen.
Das hat zur Folge. Wenn man Google zu Krankheiten fragt, wird die Suchmaschine fast
immer etwas von schlimmen Krankheiten anzeigen.
Fragen wir unser Unterbewusstsein wie wir etwas bewerten sollen, werden wir überwiegend
das Ergebnis bekommen.
Sei vorsichtig, achte besonders darauf wie gefährlich das werden könnte. Habe Angst!

Angst zu haben und sich wegen möglichen Risiken schlecht zu fühlen ist folglich ein
sehr normaler Vorgang. Das ist absolut risikofrei. Niemand kann uns später einen Vorwurf machen.

Alle diejenigen, die durch viele negative Erlebnisse häufig von Angst aus dem Unterbewusstsein
geplagt werden, haben nur zwei Möglichkeiten.
Entweder sie lassen alles so, wie es ist.
Oder sie beginnen Ihre früher gemachten Erfahrungen um neue Erfahrungen, die sie
heute machen zu ergänzen und da, wo es sinnvoll ist zu korrigieren.

Dieses zu korrigieren bedeutet viel Zeitaufwand und Denkarbeit.
Der Aufwand lohnt sich aber immer, weil dadurch Denkblockaden teilweise wie von Zauberhand
beseitigt werden.
In der Psychologie gibt es dafür Begriffe wie, Achtsamkeit und Im Hier und Jetzt bleiben.
Allerdings niemand erklärt, warum man das machen soll.

Unser Bewusstsein arbeitet wie in Zeitlupe. Wer das nachvollziehen möchte, der kann mal versuchen sich
dabei genau zu beobachten, was alles erforderlich ist, eine Treppe hochzugehen, ohne
irgendwo hängen zu bleiben.

Das genaue Gegenteil ist unser Unterbewusstsein. Es zeigt uns nicht immer die beste Lösung.
Dafür ist es rasend schnell. Lieber macht es einen Fehler, als langsam zu sein.
Deshalb gibt es uns auch so oft den Hinweis Sei vorsichtig!
Schließlich kann man ja nie wissen, was kommt. Sicher ist sicher.
Dem Unterbewusstsein wird niemand einen Vorwurf machen, weil es in uns Blockaden aufbaut.
Schließlich ist unser Unterbewusstsein nicht für unsere Zufriedenheit zuständig.

Eine Feuersirene ist nur da, um uns zu warnen, wenn es brennt. Die ist nicht dafür da,
um in uns Glücksgefühle zu erzeugen.

Unsere Zufriedenheit entsteht im Bewusstsein, also im Hier und Jetzt.
Wer häufig vieles vermeidet und lange im Bett liegen bleibt. Wer immer überlegt,
Soll ich, oder soll ich nicht, der wird kaum zufrieden sein können.
Dauerhaft zufrieden kann ich nur dann werden, wenn ich immer wieder mal etwas mache.

Dies ist auch ein Grund, warum es Menschen gibt, die ständig irgendetwas tun und
zufrieden damit sind. Sie haben in ihrem Unterbewusstsein gespeichert, dass alles richtig ist,
was sie machen. Auch wenn sie andere dadurch benachteiligen.

Dies nennt man auch Prägung. Ein jeder Mensch hat durch seine ersten Lebensjahre eine Prägung.
Und an seiner Prägung ist jeder Mensch auch mit unterschiedlichen Anteilen selbst beteiligt.

Wie gesagt, hat diese Prägung einen ganz entscheidenden Einfluss auf unsere Gefühlslage.
Wer das möchte, kann sich jedoch auf den Weg machen und durch bewusstes leben und erleben
in Teilbereichen seine Prägung dort verändern, wo es ihm wichtig erscheint.

26.05.2020 13:39 • x 2 #43


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Michi87

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Hallo Tulip,

danke, dass du deine Geschichte mit uns teilst. Mir hat es ein wenig geholfen zu lesen, dass andere auch eine schwere Zeit durchmachen und ich nicht der einzige bin.

Ich war immer sehr auf meine Arbeit fokussiert, wollte alles perfekt machen und habe mein Selbstwertgefühl über meine berufliche Leistung definiert. Meine sozialen Kontakte habe ich dabei vernachlässigt und ich habe nach meinem Wohnungswechsel keine neuen sozialen Kontakte aufgebaut. Das ging eine Zeit lang gut bis vor ca. einem Jahr meine Arbeit sehr stressig geworden ist und mir anstatt Freude immer mehr Verdruss bereitet hat. Dann wurde ich im Herbst immer häufiger krank und war bei mehreren Ärzten. Die Ärzte konnten aber nichts finden.

Ich habe mich ein halbes Jahr lang mit diesem Zustand abgefunden. Erst dann habe ich gemerkt, dass ich mich fast vollständig isoliert habe und kaum noch Zeit mit meinen Freunden verbracht habe. Auch meine Hobbies waren mir nicht mehr wichtig, Sport war mir nicht mehr wichtig, ich habe mich den ganzen Tag über antriebslos gefühlt. Ich hatte Schlafprobleme. Dinge, die früher selbstverständlich für mich waren, wie z.B. meine Wohnung sauber zu halten, haben mich auf einmal sehr große Überwindung gekostet. Es war als ob die Quelle meiner positiven Energie versiegt ist und nichts mehr nachfließt.

Das einzige was mir im Moment noch Kraft gibt, ist der Gedanke daran, dass auch wieder bessere Zeiten kommen werden. Ich weiß, dass ich einmal ein fröhlicher junger Mann war und ich weiß auch, dass ich wieder ein fröhlicher junger Mann sein werde.

Kopf hoch und alles Gute!

26.05.2020 15:56 • x 2 #44


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Kate

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Hallo Bernhard,

logisch erklärt. Danke dafür.
Die Umprogrammierung (wie ich es brauch) ist leider sehr mühselig, anstrengend und mit vielen Rückschlägen verbunden. Aber ich denke, am Ende lohnenswert.

LG Kate

26.05.2020 16:12 • x 2 #45


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Pilsum

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Zitat von Kate+:
Hallo Bernhard,

logisch erklärt. Danke dafür.
Die Umprogrammierung (wie ich es brauch) ist leider sehr mühselig, anstrengend und mit vielen Rückschlägen verbunden. Aber ich denke, am Ende lohnenswert.

LG Kate


Überwiegend ist das so, wie Du es beschreibst. Meistens allerdings nur am Anfang.
Ich finde, dass Beste hast Du nicht gesagt.
Sobald Du merkst, dass Du es selbst in der Hand hast, ganz viel für Dich selbst und
Deine Gesundheit zu tun, sollte das Ganze beginnen eventuell sogar Spass zu machen.

26.05.2020 17:12 • x 1 #46


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Kate

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Stimmt. Ich führe leider noch zu viele Grabenkriege in mir, um was tatsächlich Gutes entstehen zu lassen, was auch bleibt. Aber ich bin dabei.

26.05.2020 17:20 • x 2 #47


Tulip

Tulip

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Danke Bernhard für die aufschlussreichen und ausführlichen Erklärungen. Es hat viel mit Selbstermächtigung, Eigenverantwortung, Loslassen und neu lernen zu tun..
Danke auch an Kate und Michi.

Ich bin nun ein paar Tage verreist und weiss noch nicht wie es um das WLan vor Ort steht. Ich nehme ganz viel neuen Input mit und Gemeinsamkeiten. Das ist sehr schön. Ich schreibe später was zu euren Zeilen.

Alles Liebe und bis dann,
Tulip

26.05.2020 23:46 • x 2 #48


Tulip

Tulip

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Hallo zusammen,

Ich übe mich seit deinen Worten, lieber Bernhard tatsächlich immer mehr darin alte Gefühle ins Jetzt und Hier einzuordnen und neu zu bewerten. Das hab ich früher auch schon getan, nur nicht bewusst. Es ist tatsächlich ein Prozess. Wenn ich z.b. voller Angst aufwache und wieder nicht weiss wie ich den Tag überleben soll, hilft es mir mich in Sicherheit zu Wissen und mich real zu verordnen. Wenn ich mich einsam fühle kann ich mir bewusst machen, dass ich Kontakte habe auch wenn sie nicht da sind. Das sind Verstandesleistungen und vermutlich geht es dir bei deinen Beschreibungen auch um derartiges.
Ich lese gerade Eckhard Tolle. Wir verstehen unter Bewusstsein ja bekanntlich unseren Verstand und dieser sichert uns unser Überleben und hilft uns Dinge einzuordnen. Herr Tolle geht einen Schritt weiter. Er beschreibt das Bewusstsein als etwas höheres und größeres als es der Verstand ist, etwas das erkennend wahrnimmt und unabhängig von Verstand existiert. Die Essenz unseres Seins... sehr interessant...

@ Michi
Das kommt mir sehr sehr bekannt vor. Ich habe mich auch extrem in die Arbeit gestürzt und dabei einen grossen Teil meines Lebens vernachlässigt, bis ich schliesslich zusammengebrochen bin. Es war wie ein Aufwachen und erkennen, wie einsam ich mich eigentlich fühle und was alles fehlt...

Liebe Grüsse,
Tulip

05.06.2020 20:46 • x 2 #49


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Pilsum

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Zitat von Tulip:
Hallo zusammen, Ich übe mich seit deinen Worten, lieber Bernhard tatsächlich immer mehr darin alte Gefühle ins Jetzt und Hier einzuordnen und neu zu bewerten. Das hab ich früher auch schon getan, nur nicht bewusst. Es ist tatsächlich ein Prozess. Wenn ich z.b. voller Angst aufwache und wieder nicht weiss wie ich den Tag überleben soll, hilft es mir mich in Sicherheit zu Wissen und mich real zu verordnen. Wenn ich mich einsam fühle kann ich mir bewusst machen, dass ich Kontakte habe auch wenn sie nicht da sind. Das sind Verstandesleistungen und und vermutlich geht es dir bei deinen Beschreibungen auch um derartiges. .


Hallo Tulip,

Du beschreibst es genau worum es mir geht.
Ich hoffe, Du kannst mit Deinen Verstandesleistungen Deine Ängste in erträglichen Grenzen halten.
Natürlich interessiert es mich auch, wie es Dir mit dieser Vorgehensweise in einigen Wochen und Monaten geht.

Ein schönes Wochenende wünsche ich Dir

Bernhard

05.06.2020 21:49 • x 1 #50


Giraffe

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Liebe Tulip,

mir ging es eine Zeit lang wie dir!

Rückblickend betrachtet glaube ich, es geht darum diese Zeit so gut es geht rumzukriegen und sich mit Dingen zu beschäftigen, die einem gut tun. Oft entstehen dadurch auch neue Kontakte oder zumindest neue Einsichten, die sich sehr hilfreich sein können.

Ich hab mich lange Zeit sehr einsam gefühlt aber das lag auch daran, dass ich mich von den damaligen "Freunden" nicht verstanden gefühlt habe und unsere Werte und Einstellungen immer weiter auseinander gingen. Nachdem ich dann den Kontakt abgebrochen habe war es noch schlimmer aber es war auch keine Alternative wieder zurück zu gehen.

Ich habe den Kontakt zu meiner Familie intensiviert und in der Klinik einen Partner gefunden der mich versteht und meine Werte teilt. Das ist nicht immer einfach weil wir beide an uns arbeiten müssen und mit einer Krankheit kämpfen aber es verbindet uns so sehr, dass wir daraus immer wieder neue Kraft schöpfen können. Alle anderen Klinikkontakte haben sich wie bei euch verlaufen aber ich glaube das liegt daran dass jeder sehr mit sich selbst beschäftigt ist und es einfach schwer ist in so einer Situation noch für andere da zu sein.

Ich glaube man muss dort suchen, wo sich die Interessen gleichen. Z.b. fühle ich mir hier seit langer Zeit von anderen Menschen verstanden und erkenne mich in so vielen Beiträgen selbst und mir gibt das Kraft auch wenn es nicht gleich enge Freundschaften sind.

Auch auf Facebook z.b. bin ich in mehreren Depressionsgruppen beigetreten und stoße dadurch immer wieder auf neue Einsichten oder Erkenntnisse, Tipps die mir weiterhelfen. Ich weiß nicht wann ich zuletzt dieses Gefühl von Zugehörigkeit hatte, mir hilft es sehr.

Du hast/hattest viele tolle Interessen. Mir hst es geholfen darauf aufzubauen. Vielleicht gibt es ja in deiner Nähe ein Tanzstudio, eine Malgruppe oder ein Fitnesstudio. Wahrscheinlich muss man aktuell noch etwas abwarten wegen Corona aber vielleicht könnte dir das in der Zukunft helfen, neue Kontakte unter Gleichgesinnten zu finden.

Ich drück dich aus der Ferne wenn ich darf, du bist nicht allein.

LG und einen schönen Abend

05.06.2020 22:27 • x 3 #51


Tulip

Tulip

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Lieber Bernhard,

Danke für deine Unterstützung. Ich werde berichten, wie sich die Lage weiterentwicklt.

Liebe Grüsse,
Tulip

09.06.2020 10:23 • x 1 #52


Tulip

Tulip

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Liebe Giraffe,

Ich hoffe es ist eine Phase die sich wandeln kann. Es freut mich, dass du einen guten Weg gefunden hast und optimistisch bist was die Entwicklung angeht. Corona ist schon sehr einschneidend und hemmend was den Aufbau neuer gemeinsamer Aktivitäten angeht. Das wirft uns alle etwas zurück, zu uns selbst und der Gegenwart...

Ich drück dich gern zurück wenn ich darf.

Liebe Grüsse,
Tulip

09.06.2020 10:33 • #53

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