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Depression geheilt? Wer hat das geschafft / Erfolgsgeschichten

Mas83

Mas83

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Hallo meine Lieben,

Ist da hier jemand der schon aus die Depression raus gekommen ist? Ich bräuchte heute mal Erfolgsgeschichte um die Hoffnung nicht zu verlieren.

Danke schön.

LG Mas

25.11.2019 23:32 • x 1 #1


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Eis

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Hallo Mas

Wenn dir ein mittlerer Erfolg reicht, dann kannst du dir an mir ein Beispiel nehmen. Meine Depression begann vor 2,5 Jahren, ca. 1 Jahr Arbeitsunfähigkeit, dann hatte ich etwa 3 Monate nach Arbeitsaufnahme ( mit Wiedereingliederung 6 Monate) einen Rückfall, erwa 3 Monate Arbeitsunfähigkeit, dann etwa 1 Jahr gearbeitet, dann leider wieder Rückfall, aber jetzt sehr gute Entwicklung. In 3 Wochen ist mein offizieller Arbeitsbeginn, aber durch Resturlaub ist der richtige Start im Januar.

Ein langer, harter Weg liegt hinter mir, es hat gedauert, bis die Medikation gepasst hat und 2 Jahre Psychotherapie, um meine Verhaltensmuster zu durchbrechen. Auch eine 6 wöchige Reha liegt hinter mir. Im Moment hat die TMS den Durchbruch gebracht, wie es im Arbeitsleben geht, sieht man erst dann, aber ich bin hoffnungsvoll. Du kannst gern in meinem TB stöbern und die Berichte am Anfang und am Ende vergleichen. Es gibt immer wieder Rückschläge, aber sie nicht nicht mehr so schlimm wie am Anfang.

Du brauchst Geduld, aber das weißt du ja schon.

LG Eis

26.11.2019 00:29 • x 1 #2


Mas83

Mas83

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Danke, liebe Eis, das werde ich machen. Ich verstehe manchmal einfach nicht, dass es mir so slecht geht, und dann kommen wieder noch viel schlechtere Tagen und wünschte ich mich quasi die "nur schlechte Tagen" zurück. Ich bin so müde und glaube kaum noch dran, dass es mal aufhört, daß ist das schlimmste.

Du kannst richtig stolz sein auf dich! Darf ich fragen, was TMS ist?

LG

26.11.2019 08:21 • x 2 #3


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Eis

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TMS ist Transcranielle Magent Stimulation
Ich schreibe meine Erfahrungen damit in einen eigenen Thread in etwa 2 Wochen, wenn ich fertig bin, aber soviel jetzt: Eine Magnetspule wird vorne an der linken Kopfseite positioniert und man wird mit Magnetimpulsen "beschossen". Es fühlt sich an, als würde ein Specht an deinen Kopf picken, auch die Geschwindigkeit. Es dauert 20 Minuten, mit 40 Serien "Beschuss", dazwischen kurze Pausen. Es tut nicht weh, anfangs bekommt man etwas Kopfschmerzen, sonst tut es nicht weh, es gibt sonst keine Nebenwirkungen. Es wird täglich über 3 Wochen werktäglich durchgeführt, dann ist ein Arztgespräch und es wird entschieden, ob verlängert wird. Maximal sind 6 Wochen möglich. Nach der 6. Behandlung habe ich eine DEUTLICHE Verbesserung gespürt. Ich bin jetzt in Woche 5. Durchgeführt wird es in einem psychiatrischen Krankenhaus ambulant. Laut Arztgespräch ist die Erfolgsquote bei Depressionen etwa 70%. Die Nachhaltigkeit ist sehr unterschiedlich, es können Wiederholungen nötig sein. Das wird sich zeigen.

Deine extreme Müdigkeit hatte ich auch, ich nehme als Antidepressiva Jatrosom, das ist das am stärksten antriebssteigernde Medikament, das es gibt, ein irreversibler MAO-Hemmer. Man muss auf die Ernährung achten, aber das mache ich gerne, weil es mir dadurch viel besser geht. Sprich doch mal deinen Arzt darauf an, dass dein Antrieb so schlecht ist, vielleicht musst du dein Antidepressiva wechseln oder mit etwas anderem kombinieren. Ich hab etliche Antidepressiva durchprobiert, bis ich bei Jatrosom gelandet bin.

Die guten und schlechten Tage habe ich mir, ein Tipp meiner Therapeutin so vorgestellt:
Erst mal musst du aus dem Loch krabbeln, in das du gefallen bist. Dann gehst du eine Straße hoch, auf dem Weg in dein Leben. Anfangs ist sie steil, dann wird sie flacher. In der Straße sind viele Schlaglöcher. An manchen geht man vorbei, in manche tritt man sehenden Auges, in manche tritt man unbewusst. Manche davon sind kleiner, manche größer. Die Aufgabe durch die Therapie ist es, die Schlaglöcher zu erkennen, bevor man hineintritt. Es wird auch nach der Depression immer wieder Schlaglöcher geben, aber sie werden im Lauf der Zeit kleiner und weniger. Mit diesem Bild kann ich mich sehr anfreunden, und wenn eine schlechte Zeit kommt, weiß ich, NEIN, es ist nicht das Riesenloch vom Anfang, sondern "nur" ein Schlagloch.
Vielleicht hilft dir dieses Bild ein wenig, geduldig zu sein.

Alles Gute
Eis

26.11.2019 08:54 • x 8 #4


Mas83

Mas83

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Vielen lieben Dank, Eis. Das mit der Straße kan man sich gut merken. Bin gespannt auf deinem Thread!

Antidepressiva nehme ich im Moment nicht, nur Johanniskraut.

26.11.2019 12:46 • x 1 #5


Shana1967

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ich nehme aurum apis regina comp (Homöopathie)

wenn man auf Bienenstich allergisch ist- bitte nicht nehmen!

26.11.2019 12:59 • x 2 #6


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Eis

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Mas, wìe lange bist du schon krank?

26.11.2019 13:15 • x 1 #7


Mas83

Mas83

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Ich bin Ende März zum Ärztin gegangen, da ich nur noch weinend im Bett liegen konnte, nachdem ich mindestens ein halbes Jahr schon die Hälfte der Zeit nicht arbeiten war wegen Kopfschmerzen, Erkältunge usw. Sie war diejenigen, die mir gesagt hat, vielleicht wäre alles zuviel. Das hat was getriggert glaube ich.
Es war unmöglich professionelle Hilfe zu bekommen (Warteliste von einem Jahr und länger) und erst im Juli konnte ich dann 4 Wochen stationär gehen.

Ich habe einmal Antidepressiva genommen, wodurch ich solche Panik und Herzrasen bekommen habe, das ich direkt damit aufgehört habe in Absprache mit meiner Ärztin in der Klinik.

Dann habe ich einmal ein Psychiater aufgesucht (nach 4 Monate Wartezeit) , er meinte, vor jetzt ist das Johanniskraut in Ordnung, ich sollte in 3 Monate wieder kommen. Dann hat er gekündigt. Weil ich weinend in der Praxis gestanden habe, haben die mir dann weitergeschickt zum anderen Psychiater. Da hätte ich im Januar einen Termin gehabt (anstatt Oktober.). Jetzt hat sie aber auch gekündigt und da ist kein Stellvertreter.

Sorry für mein ausführlicher Antwort, die Antwort lautet eigentlich nur: seit Ende März krank geschrieben. Diagnose wiederkehrende Depression (vorher immer weiter gemacht) , momentan schwere depressieve Episode.

26.11.2019 13:25 • x 1 #8


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Eis

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Hallo Mas

Das sind jetzt 8 Monate und du nimmst "nur" Johanniskraut? Wie hältst du das solange aus?

Ich verstehe es ehrlich gesagt nicht, ich habe das auch an anderer Stelle schon geschrieben. Es gibt ganz klare Therapieansätze:
Leichte Depression nur Psychotherapie
Mittelschwere Depression Psychotherapie allein oder in Kombination mit Antidepressiva
Schwere Depression Psychotherapie UND Antidepressiva

Ich verstehe, dass man es ohne Antidepressiva versuchen möchte, hab ich auch gemacht, aber doch nicht bei einer schweren Depression und nicht bei einer Dauer von mittlerweile 8 Monaten!

MEIN erster Versuch eines Antidepressiva hat nach etwa 5 Monaten stattgefunden und hat so ausgeschaut: 1 Tablette Milnacipran, dann ist mir sowas von schlecht geworden, dass ich mich hinlegen musste und der Blutdruck ist nach oben entgleist. Ich habe keine weitere Tablette genommen, hab es eigenmächtig abgesetzt. Dann hab ich mir gedacht, war ja klar, jetzt hast du dich überwunden und dann gleich in die Sch. gelangt. Der nächste Termin beim Arzt (war in der Reha), nächster Versuch, jetzt mit Sertralin. Da war mir nur leicht übel, das hätte ich eine Zeitlang tolerieren können, aber nach ein paar Tagen ist auch hier der Blutdruck nach oben gegangen. Nach Absprache mit dem Arzt habe ich es abgesetzt. Dritter Versuch war Bupropion, das hat dann im positiven Sinne eingeschlagen wie eine Bombe, mir ging es so viel besser damit, und v.a. waren soziale Kontakte wieder möglich, was für mich für ein lebenswertes Leben absolut lebenswichtig ist. Leider hat Bupropion mit der Arbeitsbelastung nicht gereicht, so dass ich noch einiges andere ausprobiert habe bis ich bei meiner jetzigen Therapie und Medikation angelangt bin.
Also Leute, gebt bitte nicht auf wenn das 1. Antidepressiva nichts ist. Es gibt so viele andere.

LG Eis

26.11.2019 14:21 • x 5 #9


Mas83

Mas83

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Danke. Vielleicht sollte ich es mir überlegen. Manche Tage geht's mir auch einfach in Ordnung. Ich weiß nicht. Ich kann aber auch kein Psychiater finden, da ja jetzt alle abgesprungen sind und selbst wenn, hat man wenigstens 5 Monate Wartezeit. Ich habe jetzt nicht genug Kraft, die alle wieder abzutelefonieren, Listen zu machen wann die erreichbar sind etc.

Vielleicht ist es morgen etwas besser.

26.11.2019 14:39 • x 1 #10


Mas83

Mas83

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Ich weiß, dass das naiv ist.

26.11.2019 14:40 • x 1 #11


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Eis

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Hallo Mas

Das ist auch dir Trägheit in der Depression. Wohnst du in Deutschland? Dann kannst du einen Termin über die KV machen.

LG Eis

26.11.2019 16:07 • x 2 #12


Shana1967

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Danke Eis, für deine unermüdlichen ausführlichen Erklärungen.
Ich hab ähnlich wie du 2011 2 Versuche ganz kurz mit Antidepressiva gestartet, und wegen schlimmen Symptomen abgesetzt,
Diesmal gebe ich mir auch einen Zeitrahmen, wenn es nicht besser wird, dann kommt ein 3. Versuch- aber diesmal bin ich noch nicht so am Ende. und hoffe durch meine Selbstfürsorgetriebe kann ich vorzeitig oder eher rechtzeitig die Notbremse ziehen

Mas, ich weiss nicht wieviel der Tipp wert ist, soll es anscheinend überall geben und ich hab mir selbst vorgenommen, falls ich wirklich Antidepressiva brauchen sollte, mich hierhin zu wenden:
Psychiatrische Institutsambulanz (PIA)

Da soll man relativ flott Termin und Tabletten bekommen.
Weil monatelang auch 10-minütigen Psychiatertermin warten - furchtbar!

26.11.2019 16:19 • x 4 #13


glückwunsch

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Mein erster Beitrag hier im Forum und schon kann ich meine positiven Erfahrungen teilen.

Mir wurde erstmals vor ca. 6 Jahren eine Depression während eines Reha-Klinikaufenthalts als Akut-Patient gestellt. Über den Schweregrad schieden sich die Geister.

Mir hat der Klinikaufenthalt sehr gut getan und ich fand meine Klinik super. 5 Wochen hatte ich 2x die Woche Einzeltherapie und ich muss sagen, dass der Therapeut perfekt zu mir gepasst hat. Er hat mir den Rücken in der kurzen Zeit sehr gestärkt, hat kein Blatt vor den Mund genommen und mir Mut gegeben. Ich denke, ich hatte sehr viel Glück, dass die erste Erfahrung mit einem Therapeuten für mich so positiv war. Außerdem machte ich die Erfahrung, wie es ist, wenn andere sich um einen Kümmern, es einfach gut mit einem meinen. Ich durfte an Reittherapie, Maltherapie, Schreibtherapie, Massagen usw Teilnehmen, was mir wieder etwas Kraft gab. Ich habe auch gelernt, wie ich Entspannungstechniken anwenden kann.
Außerdem wurde mir Escitalopram eingeschlichen, was mir auch sehr gut half, auch da hatte ich sehr viel Glück, dass das erste Antidepressivum mir so gut geholfen hat.

Als ich aus der Klinik entlassen wurde, konnte ich schnell wieder mein (damals unterbrochenes) Studium wieder aufnehmen und weg von meinem anstrengenden familiären Umfeld in eine schöne Stadt ziehen. Das tat mir persönlich sehr gut. Ich habe so viel wie möglich von dem, was ich gelernt habe, in meinen Alltag integriert: Jeden Tag mehrfach - wenn auch nur ganz kurz - Entspannungstechniken angewandt, morgens eine schöne und gesunde Routine etabliert, darauf geachtet ein ausgeglichenes Verhältnis von Anspannung und Entspannung im Alltag zu haben und das Antidepressivum weiter genommen. Ich habe den Aufwind aus der Klinik genutzt. So gut, ging es mir mein Leben lang nicht.

Das ich wieder aufgehört habe auf mich zu hören und achtsam zu sein und in alte Muster zurück gefallen bin sind glaube ich ein riesiger Teil des Problems, weshalb ich im Anschluss weitere depressive Episoden hatte und nun aktuell auch habe. Ich habe die Krankheit auch nicht mehr akzeptiert und ernst genommen, also muss ich nun von vorn beginnen. Achso und leider habe ich mir nicht wie empfohlen wurde einen ambulanten Therapeuten besorgt, der mir hilft einem Rückfall vorzubeugen und habe auch - wie ich heute denke - zu schnell in Eigenregie mein Escitalopram abgesetzt.

Grundsätzlich bin ich sehr dankbar für meine positive Erfahrung mit meiner ersten Depressions-Diagnose, da ich ja auch bereits in guten Händen war und sich gut gekümmert wurde. Das würde ich jedem Wünschen.

26.11.2019 16:49 • x 5 #14


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Eis

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Willkommen @glückwunsch hier bei uns im Forum und danke, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst. In alte Muster zurückfallen, das passiert schneller als man glaubt. Da gibt es einen netten Spruch dazu:

    Alte Gewohnheiten kann man nicht aus dem Fenster werfen,
    Man muss sie die Treppe hinuntertragen, Stufe für Stufe

Und das ist mit einem Psychotherapeuten leichter zu lernen als allein.

LG Eis

26.11.2019 17:14 • x 4 #15


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Fisch611

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Der Tipp mit der Institutsambulanz ist gut! Ich wusste auch nicht, dass es sowas gibt. Aber die meisten psychiatrischen Kliniken haben das und man kann kurzfristig dorthin. Ich habe auch keinen Psychiater gefunden und bin jetzt dort in Behandung. Der Doc scheint ganz gut zu sein, auch wenn die Klinik ansonsten nix taugt. Er hat sich eine !ganze Stunde! Zeit für mich genommen.

27.11.2019 21:38 • x 3 #16


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Mandinka

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Ich schlage mich schon seit Jahrzehnten mit Depressionen rum. Das fing, wenn ich ehrlich bin, schon in meiner Kindheit und Pubertät an. Hilfe gesucht habe ich mir erst mit Anfang 30 nach dem Suizid meines Vaters, weil mich das so extrem aus der Bahn warf und mir Angst machte und aus Verantwortungsgefühl meinem damals noch sehr kleinem Kind gegenüber
Die erste Therapie, die psychoanalytisch ausgerichtet war, war ein völliger Reinfall. Ich war damals aber unerfahren, so daß ich das viel zu lange laufen ließ. Irgendwann steuerte ich immer mehr Richtung Burn out und schwere Depression - dazu kamen dann noch private Sorge wie Trennung, Scheidung etc. In dieser Krise ließ ich mich auf Antidepressiva ein und eine andere, neue Therapie. Und diese Therapie half mir tatsächlich weiter - ebenso die Antidepressiva. Irgendwann wurde ich übermütig und setzte die Medikamente von heute auf morgen ab. Schwerer Fehler, denn nach einiger Zeit stürzte ich heftig zurück in eine schwere Depression. Also wieder zum Arzt, wieder brav Antidepressiva, aber dann auch krank schreiben lassen und für längere Zeit raus aus dem Hamsterrad. Als es mir langsam besser ging, fing ich mit dem sogenannten Hamburger Modell ganz langsam wieder an zu arbeiten, und ich arbeite bis heute nicht mehr in Vollzeit - nach dem Motto: Lieber etwas weniger Geld, als eine kaputte Seele.

Irgendwann bemerkte ich, daß ich die Medikamente nicht mehr vertrug. Ich bekam massive Darmprobleme und schlich die Antidepressiva ganz vorsichtig und langsam aus. Gleichzeitig fing ich mit Johanniskraut an. Seit dem (ca. zwei Jahre) bin ich nun stabil. Außerdem habe ich die vielen Kilo, die ich durch die Antidepressiva zugenommen hatte, wieder abgenommen. Manchmal habe ich aber Angst, daß die Depressionen zurückkommen, weil ich sie immer latent in meiner Nähe spüre. Aber bisher konnte ich, auch bei Stress und Problemen, immer wieder zurückfinden zu Optimismus und Ausgeglichenheit. LG

28.11.2019 17:43 • x 4 #17

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