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Burnout? Lebensgefährte schmeißt alles hin!

Heideblümchen

Heideblümchen

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Liebe Forengemeinde,

ich bin verzweifelt. Seit 12 Jahren lebe ich mit meinem Traummann zusammen, wir sind nicht verheiratet. Wir haben in diesen 12 Jahren gemeinsam viele Up´s und Down´s erlebt und gemeinsam gemeistert. Auch, dass ich vor 3 Jahren sehr krank wurde, mich danach aber, anders zwar, aber immerhin wieder gut erholt habe. Vielleicht zu gut? Nachdem es mir so schlecht ging und mein Partner sich viel um mich gekümmert hatte (wofür ich ihm unglaublich dankbar bin und er weiß das!) habe ich mein Leben nach und nach wieder selber in die Hand genommen. Ich bekam einen neuen Job, konnte nach und nach gesunden, war Anfang diesen Jahres in einer 6wöchigen psychosomatischen Reha (zu der mich mein Freund überredet hatte, was rückblickend aber sehr gut war).
Während dieser Reha, bei einem seiner Besuche, hat er mir - zum ersten Mal in 12 Jahren - eine klare, sehr lieb gemeinte Ansage gemacht. Er würde nicht mehr zusehen, wie ich mich schon wieder aufarbeiten würde (zu der Zeit hatte ich 2 unterschiedlich anstrengende Jobs, weil ich ihm nicht auf der Tasche liegen wollte). Ich solle den Nebenjob kündigen, wir würden das auch so schaffen mit dem, was er verdient. Es war das beste Gespräch, das wir in 12 Jahren hatten. Hatten wir früher hin und wieder Unstimmigkeiten, war ich immer diejenige, die versucht hat, zu reden. An ihn ran zu kommen. Er hat mich - teils wochenlang - angeschwiegen, selbst noch, wenn ich gebettelt und geheult habe, dass er mich bitte wieder beachtet und mit mir spricht, denn Nichtbeachtung ist einfach nur Folter. Oft waren die Gründe für unsere Streitereien auf seiner Seite zu suchen. Trotzdem habe ich immer wieder eingelenkt, vergeben und mich für das, was ER gemacht hat, entschuldigt, um die Beziehung wieder zu kitten. Ich bin eine recht starke Persönlichkeit, aber für diesen Kampf bin ich tatsächlich auf die Kniee gegangen, weil mir der Mann einfach zu wichtig war, egal, was er ausgefressen hatte.
Nach der Reha habe ich seinen Rat sofort befolgt, habe den Zweitjob geschmissen und bekam kurz danach eine größere Summe ausbezahlt (von extern), die mich sowieso etwas unabhängiger gemacht hat. Trotzdem hat mein Freund viele Dinge (Anschaffungen, Urlaub) für mich mitgezahlt, auch wenn ich ihm Unterstützung angeboten habe. Gut, fand ich sehr lieb von ihm. Die nächsten Wochen liefen prima, fand ich. Im August waren wir eine entspannte Woche im Urlaub, danach stand ein für alle beteiligten sehr anstrengender Umzug meiner Mutter von Bayern in unsere Stadt in NRW an. Auch hier haben wir Seite an Seite geackert, als Team, für das Ziel, es meiner Mutter so schön wie möglich zu machen. Zeit für uns blieb da nicht viel.
Als der Umzug vorbei war und es in den letzten Tagen etwas kühler wurde draußen, habe ich, nach längerer Zeit, versucht, mich einfach mal wieder an meinen Partner zu kuscheln, damit er mich in den Arm nimmt, damit wir wieder UNS sehen. Und er reagierte nicht! Machte die Augen zu und ließ mich zwar sein Gesicht streicheln, blieb aber total teilnahmslos. Ich war sehr traurig. Am nächsten Tag habe ich ihn darauf angesprochen und hab ihm gesagt, dass ich gehofft hatte, dass jetzt, nach all der anstrengenden Zeit, wieder eine Zeit für uns gekommen wäre, wo wir wieder kuscheln und küssen und alles könnten und dass ich sehr traurig war in der letzten Nacht, dass er so gar keine Regung gezeigt hat.
Und dann wurde er laut. Und warf mir vor, ich hätte ihn schon länger aus dem Blick verloren, es ginge nur immer um mich, für ihn und seine Probleme hätte ich gar keinen Blick und kein Gehör mehr. . ich war wie vor den Kopf geschlagen. Ich habe ihn immer, wirklich immer unterstützt. Probleme haben wir immer gemeinsam besprochen und gelöst. Wir waren immer ein Team. Ich wäre ihm zu mütterlich, zu kümmernd geworden, sagte er. Hä? Einerseits wäre ich angeblich nur auf mich bezogen, andererseits würde ich ihn bemuttern? Ich verstehe die Welt nicht mehr.

Letzlich hat er mich dann zwei-einhalb Wochen angeschwiegen. Ist mir komplett aus dem Weg gegangen. Wenn ich verzweifelt versucht habe, mit ihm zu reden, meinte er, ich solle ihn in Ruhe lassen. Kam ich in einen Raum in unserem Haus, ging er aus dem Zimmer. Nach einer Woche zog er ins Gästezimmer, aß nicht mehr mit mir zu Abend, kaufte seine eigenen Lebensmittel und schwieg sich aus, schaute einfach über mich hinweg, als wäre ich nicht da. Ich habe ihm einen langen Brief geschrieben, um zu ihm durchzudringen. Habe gebettelt, er soll mir doch bitte sagen, wo er meint, dass ich Fehler gemacht habe, die scheinbar so schlimm sind, dass er sich total abkapselt. Es kam ein Gegenbrief, der einige Beispiele enthielt, wo ich mich in seinen Augen hätte anders verhalten können/sollen. Ich schrieb einen weiteren Brief und habe MEINE Gedanken zu diesen Beispielen aufgeschrieben, warum ich so oder so agiert habe, was doch auch Sinn ergeben müsste, weil ich es immer nur gut gemeint habe, auch auf Rücksicht auf seine totale Überarbeitung im Job und dem aktuellen Stress mit seinen drei erwachsenen Kindern (die älteste versucht gerade, ihn auf Unterhalt zu verklagen, die anderen beiden melden sich deswegen nicht mehr und ihm blieb damit nur meine Familie, die er sehr lieb hat und die ihn auch sehr liebt).

Letzter Stand ist, dass er mir vor 2 Wochen, als ich ihm sagte, ich möchte gerne noch mal mit ihm reden, wie es denn jetzt weiter gehen würde, sagte, er ist AM ENDE, er kann nicht mehr, er hätte eigene große Probleme und er möchte das Ganze hier und jetzt beenden. Peng! Ich war und bin bis heute am Ende. Da sich für mich eine Möglichkeit ergeben hat, eine Wohnung im Nachbarhaus zu bekommen, die ich mir leisten kann (was ja auch wichtig ist, wenn man quasi gehen soll), habe ich ihn gebeten, mich aus dem gemeinsamen Mietvertrag zu lassen. Das kam nach 2 Wochen Streit (Oder nicht-reden) für ihn dann doch überraschend. Als ich ihn fragte, wie er sich das denn sonst vorgestellt hätte? Ob ich hätte warten sollen, bis er vielleicht irgendwann wieder mit mir redet. .wusste er nichts darauf zu antworten. Ich musste ja nun auch irgendwie reagieren, wenn er mich nicht mehr an sich ran lässt.

Lange Rede, kurzer Sinn, bei unseren letzten, sehr kurzen und knappen Gespächen hat er angedeutet, dass er massive andere Probleme hat, die mich aber nichts mehr anzugehen hätten. Er hätte noch Gefühle für mich, ja, aber er könne nicht mehr. Ich selber sehe einfach nicht, an welchem Punkt ich noch mehr hätte unterstützen können/müssen. Probleme löst man doch in einer Partnerschaft gemeinsam. Warum schließt er mich plötzlich aus, komplett? Gefragt, ob er gesundheitliche Probleme hätte, von denen er mir - auch vorher schon - nichts gesagt hat, das verneint er. Er schottet sich total ab, starrt ins Leere, vernachlässigt das, was ihm bisher Spaß gemacht hat, zieht sich total zurück, schläft früh und dann viel, ist aber beruflich total eingespannt, so dass er seine Kraft brauchen müsste. Er isst kaum noch. Ich mache mir totale Sorgen, habe auch schon den Verdacht, dass es ein Burnout ist, habe gegoogelt, dass in so einem Fall oft die Logik ausfällt und sich Betroffene lieber von ihren Partnern trennen, statt sich helfen zu lassen oder wenigstens zu reden. Reden war noch nie sein Ding, da fühlt er sich schon immer mit dem Rücken an der Wand und kann dann nicht mehr aus dieser Situation raus (er sagte selber schon mal, dass er eigentlich mal eine Therapie machen müsste). Tja, ich bin am Ende meiner Weisheit, fühle mich total schuldig, dass ich ihm nicht helfen kann, dass er mich nicht lässt, auch wenn ich mich damit beruhige, dass ich zwar TEIL seiner Probleme sein könnte, aber sicherlich nicht DAS Problem. Meiner Mutter hat er gesagt, die Trennung wäre endgültig, wenn ich ausgezogen bin, will er keinen Kontakt mehr. Ich habe eine riesen Angst, dass er was Dummes macht und ich bin hilflos, was ich machen kann. Sorry für den extrem langen Roman, aber ich hoffe, dass mir Betroffene einen Tipp geben können, ob das ein Burnout ist oder bei einem 53jährigen eine Lebens-/Midlife Crisis oder wie ich das werten soll. Natürlich muss ich jetzt versuchen, an mich selber zu denken. Der Umzug ins Nachbarhaus läuft, aber glücklich werde ich dort nicht. Er wird, denke ich, unser gemeinsames gemietetes Häuschen zum Jahresende verlassen. Es ist seinerseits alles gesagt, er hilft mir noch hier und da beim Umzug, redet immer sehr leise mit mir, als hätte er ein schlechtes Gewissen, dann wieder wird er verzweifelt laut oder ungehalten. .auch für mich ein Schleuderkurs, den ich hoffentlich gut überstehe. Was könnt ihr mir raten? Kann ich da überhaupt etwas tun? Wie kann ich damit umgehen, mich nicht mehr verantwortlich für ihn zu fühlen, auch nach der Trennung? Ich will es einfach nur verstehen können. .

20.09.2022 09:30 • x 4 #1


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Trinidat

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Hallo Heideblümchen,
ein paar Sachen kommen mir sehr bekannt vor. Mein Exmann war ähnlich drauf, wurde auch schnell laut, und deine Reaktion darauf, indem DU dich entschuldigst,obwohl ER sich falsch verhalten hat, kenne ich auch. Das kann ich mir im Nachhinein nur mit meiner starken Abhängigkeit erklären. Welcher Mensch mit Selbstachtung würde sich sonst zu sowas hinreißen lassen und sich wochenlang anschweigen lassen? Egal, welche Probleme er hat, hat er nicht das Recht dazu, dich so zu behandeln. Mit einer selbstbewussten Frau wäre er nicht im Ansatz klar gekommen. Er braucht eine Frau, die sich klein macht, die glaubt, alleine nicht im Leben klar zukommen und die deshalb alles mit sich machen lässt. Das ist einfach nur traurig. Da fehlt komplett die Achtung dir gegenüber. Das hat mit Beziehung auf Augenhöhe absolut nichts zu tun.
Auch mein Mann hat sich von mir getrennt, aber mittlerweile bin ich sehr dankbar dafür. Ich bin regelrecht aufgeblüht und hatte endlich das Gefühl von Selbstwirksamkeit. Auch du kannst froh sein, dass er diesen Weg gegangen ist. Niemand schreit dich mehr an, das ist doch super. Du kannst dein Leben so gestalten, wie DU es willst.
Verantwortlich für ihn musst du dich wirklich nicht fühlen, er ist ein erwachsener Mann und ganz allein für sein Leben und seine Handlungen verantwortlich.
Wie sieht denn dein Leben sonst aus? (Arbeit, Freunde, Geld...)
VG

20.09.2022 13:48 • #2



Hallo Heideblümchen,

Burnout? Lebensgefährte schmeißt alles hin!

x 3#3


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Jedi

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@Heideblümchen

Eine schwierige Situation, die Du gerade da erlebst u. durchgehen musst.
--
Zitat von Heideblümchen:
hat er angedeutet, dass er massive andere Probleme hat,

Nun, was könnten es für massive Probleme sein ? - oder sieht er diese Probleme nur als so massiv an ? -
alles nur Spekulation u. Du solltest Dich aus meinen Verständnis heraus, Dich damit auch nicht weiter beschäftigen.
Denn es werden nur Spekulationen bleiben u. nur Deine ganz eigenen gedanklichen Konstruktionen.
- Deshalb sind sie auch nicht hilfreich für Dich - !
Es sind nun einmal seine Probleme u. es ist seine Verantwortung, diese irgendwie zu lösen.

Ob psychische Erschöpfung (Burnout) oder eine Midlife Crisis oder Oder, alles bleibt Spekulationen !
---------
Zitat von Heideblümchen:
Ich habe eine riesen Angst, dass er was Dummes macht und ich bin hilflos, was ich machen kann.

Du wirst da keine Kontrolle haben u. es liegt in seiner Verantwortung, die Du ihm auch nicht abnehmen kannst,
was er tut !
------------------
Zitat von Heideblümchen:
Was könnt ihr mir raten?

Kann ich da überhaupt etwas tun?

Einen Rat geben, ist in solchen Fällen immer schwierig, da gar nicht abzuschätzen ist, was gerade mt ihm passiert,
bzw. passiert ist, warum er sich so verhält ?

Du kannst etwas für Dich tun !
Kümmere Dich jetzt sehr um Dich selbst - gestalte Dir Deine Wohnung so, dass Du Dich darin wohlfühlst -
hör auf, Dich um seine Angelegenheiten einen Kopf zu machen (er möchte es auch nicht, wie Du ja schriebs) -
bleib in Deinen Angelegenheiten u. sorge gut für Dich - bleibe mal eine Zeitlang in völliger Distanz, denn
das kann Heilbar für Deine Psyche sein !
Wenn sich etwas bei ihm ändern sollte, kann er sich ja bei Dir melden.
--------------------
Zitat von Heideblümchen:
Probleme löst man doch in einer Partnerschaft gemeinsam.

Nun das wäre im besten Fall so - nun hat er sich anders entschieden.
Zitat von Heideblümchen:
Reden war noch nie sein Ding, da fühlt er sich schon immer mit dem Rücken an der Wand und kann

Dies wäre eine Erklärung, warum eine gemeinsame Lösung schwierig , gar villt. unmöglich ist ?
---
Zitat von Heideblümchen:
Tja, ich bin am Ende meiner Weisheit, fühle mich total schuldig, dass ich ihm nicht helfen kann,

Nun gibt es Menschen (Betroffene), die gar nicht geholfen werden wollen - denen man auch nicht helfen kann u.
die Gründe dafür können sehr variieren.
Somit solltest Du Dich nicht für etwas schuldig fühlen, was Du nicht beeinflussen, bzw. kontrollieren kannst !
---
Zitat von Heideblümchen:
ich zwar TEIL seiner Probleme sein könnte,

Auch hier befindest Du Dich in der Spekulation u. die Wahrheit darüber, ließe sich nur in einem gemeinsamen
respektvollen u. offenen Gespräch klären.
Es ist eh immer schwierig, später seiner Partnerin eine Mitschuld für etwas mitzugeben, denn dann hätte
er mögliche Unzufriedenheiten auch früher Ansprechen sollen - mit Dir zusammen !

Teil eines Partnerschaftlichen Problems zu sein, weißt Du, wer über eine längere Zeit etwas anzusammelt u.
dann irgendwann einem Partner/Partnerin dies dann vor die Nase zuhalten, dass finde ich schon Würdelos !
Deshalb finde ich Deinen Gedanken, ob Du Teil seines Problems sein könntes falsch u. überflüssig,
denn dann hätte es zu einem früheren Zeitpunkt ansprechen u. klären sollen.

Ich wünsche Dir Mut u. Kraft, jetzt Deinen Fokus nur auf Dich zu rchten !

LG Jedi

20.09.2022 14:09 • x 2 #3


Heideblümchen

Heideblümchen

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Hallo ihr Lieben,
vielen lieben Dank, ihr macht mir wirklich Mut, zu versuchen, mich jetzt auf mich zu konzentrieren. Es ist ein echter Scheuderkurs. Er hilft mir beim Umzug, fährt mit mir zu Läden, um die nötigsten Elektrogeräte mit dem Hänger zu transportieren, redet dabei aber kein Wort mehr mit mir. Er verzieht sich danach sofort wieder ins Gästezimmer, zieht sich die Decke über den Kopf und blendet mich und alles andere aus. Natürlich fällt es mir schwer, nach so vielen Jahren kein Mitleid zu haben. Mir keine Gedanken zu machen, was ihn so belasten könnte, dass ihm offenbar nichts anderes übrig bleibt, als sich von mir zu trennen. Ich schleudere zwischen dem Gefühl, einfach aus seinem Leben entfernt zu werden, nicht helfen können, Schuldsuche auch bei mir (ja, trotzdem ist das halt ein Zug von mir, weil ich mich wirklich kümmern möche, das habe ich schon immer und für alle gemach) und der Wut, so abgeschoben zu werden. Und ja, ich werde mir meine neue Wohnung schön machen. Wieder lernen, das Leben zu genießen, auch wenn ich das in den 4 Monaten meines Lebens, als ich mal Single war, nicht wirklich genießen konnte und.......wieder zu ihm zurück gegangen bin, obwohl er Anlass für unseren großen Krach war. Schon viele Jahre her, aber das schwebte auch immer wieder mal über mir und hat viel von Vertrauen zerstört.
@Trinidat .....im Moment muss ich mir (noch) keine Sorgen machen. Ich habe meine Arbeit, ich habe ein bisschen was auf der hohen Kante, von dem ich eventuelle Nachzahlungen nächstes Jahr leisten kann, ich halte mich an dem Gedanken fest, dass es demnächst vielen nicht mehr so gut geht und die Zeiten ganz allgemein schwerer werden und ja, ich habe meine Familie um mich herum, die mir zuhören, mit mir reden (!) und mit mir zusammen aufdröseln, woran es gehakt haben könnte. Wir werden auch keine Lösung finden, sondern es wird, wie du @Jedi gesagt hast, nur reine Spekulation bleiben. Aber zusammen arbeiten wir das auf und ich hoffe, das hilft mir über die Zeit der Abnabelung hinweg, die im Moment furchtbar weh tut mit jeder Erinnerung an gemeinsame Dinge, die ich in einen Karton stopfe.

Wirkliche Freunde hatten wir in den letzten Jahren jeweils nicht unbedingt. Wir waren tatsächlich mehr auf uns bezogen, hatten aber nette Bekanntschaften in der Nachbarschaft und außerhalb. Im Moment lasse ich manche Kontakte wieder aufleben, die ich nie so ganz gekappt hatte und merke, dass sich die Leute freuen, wenn sie wieder von mir hören, auch wenn ich vermeide, sie gleich mit meinen Problemen zu überfallen. Auch hier höre ich mir erst mal ihre Sorgen an, bevor ich rausplatze, was bei mir los ist. Ich merke aber immer mehr das Unglauben, dass UNSERE Beziehung, die nach auén wie die perfekte Partnerschaft rüber kam, in die Brüche gegangen ist. Als würde ich anderen Paaren damit den Glauben an ihre eigenen Beziehung unterspülen. Naja, ist nur mein Eindruck. Allzeit eitel Sonnenschein gibts wohl in meiner Fantasie. Ja, ihr Lieben, ich werde eure Ratschläge befolgen, versuchen, mir klar zu machen, dass er erwachsen ist, dass er hätte reden können, dass er Hilfe annehmen könnte, wenn er es einsieht, dass ich erst mal an mich denken muss und mich selber schützen muss. Das dicke Ende kommt Ende des Monats, also ich 1,5 Wochen, wenn es dann wirklich vorbei ist. Ich muss versuchen, aus dem Kopf zu bekommen, dass er dann nach einer anstrengenden Messe-Woche allein in ein leeres Haus zurück kommt und ihm dann wohl klar wird, dass man vielleicht mit Reden vieles hätte anders machen können, retten können, besprechen können. Danke euch, dass ihr das alles gelesen habt. Das bedeutet mir sehr viel! Wir lesen uns sicher bald mal wieder, denn ich denke, ich brauche einfach auch die Gemeinschaft dieses Forums hin und wieder und wenn es nur zum Thema heute bin ich dankbar für..... ist. Bleibt gesund und stark. Euer Heideblümchen.

21.09.2022 08:14 • x 3 #4


Heideblümchen

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Hallo zusammen,
da ich weiß, dass hier auch andere Betroffene (leise) mitlesen und vielleicht auf Lösungen, Erklärungen etc hoffen, möchte ich meine bisherigen Erkenntnisse einfach mal aufschreiben, denn inzwischen weiß ich mehr über die Hintergründe, aber nach wie vor NICHT, warum man (er) nicht darüber mit mir hätte reden können.
Corona war eine Zeit des nirgendwo hinkommens. Für meinen Partner als Außendienstler ein Vollstop mit Homeoffice. Früher ist er oft ganze Tage weit weg gefahren und abends wieder gekommen. Aber er war in seinem Element und hat seine Arbeit genossen. Jetzt, wo alles wieder angelaufen ist und er wieder viel unterwegs ist, ist er damit offenbar sehr überlastet. Meine Infos dazu habe ich lediglich von Außenstehenden, die ihn frontal auf unsere Situation angesprochen haben. Mir hat er davon nie was gesagt, dass er es als Überanstrengung sieht, jetzt wieder so viel unterwegs zu sein. Ich habe es sehr wohl gemerkt, habe ihn an manchen Tagen, wenn er totmüde von einer Tour zurück kam, augenzwinkernd aufs Sofa geschickt und bisher gemeinsame Dinge wie kochen, später alles in die Spül-Masch räumen selber gemacht, damit er sich ausruhen kann. Zweimal hat er mir geholfen, da habe ich spaßeshalber gesagt (und den Unterschied kannte er!), dass er meine Arbeit nicht machen muss, er soll sich bitte gerade heute mal ausruhen nach seinem harten Tag. Vielleicht war das auch schon zuviel und er hat sich gefühlt, als würde ich ihn ausschließen. Dabei habe ich es wieder mal nur gut gemeint aus Rücksicht auf seinen Stress in der Arbeit.

Weiter oben hatte ich geschrieben, dass seine Tochter in aktuell auf Unterhalt verklagen will. Als das erste Anwaltsschreiben im März kam, sind wir beide aus allen Wolken gefallen, haben aber GEMEINSAM eine Strategie entwickelt, was sein Anwalt dem gegnerischen Anwalt schreiben kann. Es war keinesfalls eine böse Absicht dahinter, die Unterhaltszahlungen unter Vorbehalt zurück zu halten, sondern mein Partner bekam von seiner Tochter eine knappe Aufforderung per Mail, noch ein weiteres Jahr zu zahlen, unter Angaben von völlig aus der Luft gegriffenen Gründen. Auf die Bitte, ihm zumindst ein paar Fragen zu beantworten, gerne am Telefon, wie denn überhaupt der Stand ihres Studiums wäre, kam nichts, außer dieser Brief vom Anwalt. Mein Freund war darüber erschüttert. Auch hier hat er nach außen den Harten markiert, an dem das abprallt, für den an diesem Punkt Schluss mit lustig ist. Auch, als sich seine anderen 2 Mädels an seinem Geburtstag nicht bei ihm meldeten hat er weggesteckt. Und mir war damals schon klar, dass ihn das unglaublich belastet - innerlich. Aber nach außen hat er das nicht gezeigt. Wir haben wirklich viel geredet, zusammen, als Paar. Auch meine Familie war in dieser Zeit - auch vorher schon - immer für ihn da, hat zugehört, Tipps gegeben. Mein Sohn liebt ihn wie einen Vater und die beiden hatten bisher ein mega gutes Verhältnis und mein Sohn war insofern auch immer sein Sohn. Jetzt habe ich erfahren, dass das Ganze vors Gericht geht. Und dass die Tochter letzlich noch weniger Anspruch auf Unterhalt hat als vorher. Aber das war meinem Freund schon klar, bevor er mit mir Schluss gemacht hat. Auch das hätten wir gemeinsam besprechen und durchstehen können. Ich vermute, es hat ihn innerlich noch mehr getroffen als gedacht. Das war also auch EINS der Probleme, die er hatte und hat und dass ihn runterzieht.

Dass er schon länger gesundheitliche Probleme hat, habe ich mitbekommen. Er hat in den letzten 6-7 Monaten mehrere Zähne verloren. Einen habe ich beim Bettenmachen gefunden und mich fürchterlich erschreckt, aber statt ihm Vorwürfe zu machen (warum auch) habe ich ihn gefragt, ob ich ihm - da ich nachmittags viel Zeit habe - bei der Suche nach einem Zahnarzt helfen soll. Ich habe ihm eine Liste gemacht mit Ärzten in der Umgebung seines Büros und hab sie ihm hingelegt. Gekümmert hat er sich nicht.Ich habe lediglich 2 x nachgefragt, ob er schon einen Termin ausgemacht hat und bekam immer nur ein kurzes nö zu hören. Überhaupt waren Ein-Wort-Sätze in den letzten Monaten gang und gäbe bei ihm.

Und dann hat mir meine Nachbarin nach einem Gespräch mit ihm letzte Woche gesagt, dass er ihr schon im Februar, als ich in der Reha war, gesagt hat, wenn sich nach der Reha nichts an meinem Verhalten ändern würde, würde er mich rausschmeißen. Ich war total geplättet. Inzwischen weiß ich auch, was ihn so gestört hat. Vermutet hatte ich das schon. Ich habe mich nach meiner Erkrankung (3 Schlaganfälle und danach durch diese und meinen Jobverlust und natürlich auch Zukunftsängste eine schwere Depression mit 2 Moanten Klinik) voll in mein neues Leben gestürzt. Ich war auf der Überholspur, weil ich einfach nur froh war, wieder - fast - alles machen zu können. Wieder für alles und jeden da zu sein. Alles wieder zu schaffen. Und durch die agitieren Phasen der Depression habe ich oft Dinge gemacht, die für mich Stress-Abbau waren. Am Wochenende, wenn er seine Ruhe wollte, habe ich im Garten gesessen und Unkraut gezupft. Oder Hausputz gemacht. Und ihm damit vielleicht das Gefühl gegeben, er müsse mithalten, mitmachen oder ich würde denken, er wäre faul und würde mir nicht helfen. Schlaganfälle, das wusste er durch ein Gespräch mit meiner Psychologin, verändern einen Menschen. Manche werden körperlich und verbal aggressiv. Manche geben plötzlich Gas und machen mehr als für sie gut ist und sehen nicht, dass sie sich körperlich verausgaben. Ich selber habe mich nach meiner Reha in die Vorbereitung und die spätere Umsetzung des Umzuges meiner Mutter gestürzt. Aber aus Rücksicht auf ihn habe ich das alles allein gemacht und mir hat das tatsächlich auch Freude gemacht, der Stressabbau tat mir gut, weil ich beschäftigt war. Für ihn muss sich das angefühlt haben, als würde ich an ihm vorbei ziehen. Dabei fand ich selber den Ausgleich zwischen meinem Tun und dem, was ich für ihn getan habe und auch für uns absolut okay. Er wohl nicht. Für ihn war und wurde ich einfach zu anstrengend, zu engagiert.

Nun, letztlich kam dann wohl auch dazu, dass ich nach 12 Jahren eine andere, tiefere Liebe zu ihm gefühlt habe als er zu mir. Für ihn war wohl die Luft schon länger raus und es war für ihn nur noch ein aushalten, schweigen, nicht mehr reden wollen und können. Mein Sohn sagte letztens zu mir, er und seine Freundin hätten schon vor über einem Jahr gemerkt, dass bei uns Spannung herrscht. Ich habe das absolut nicht so empfunden und jetzt, wo ich das weiß, denke ich mir, dass einer der Schlaganfälle vielleicht die passenden Synapse in meinem Hirn zerschossen hat, die solche Veränderungen im gesunden Zustand bemerkt hätte. Aber diese Antenne ist wohl dahin. Jetzt habe ich, nachdem ich mich die letzten 2 Wochen nur mit meinem Umzug beschäftigt habe, die Erkenntnis, dass es nichts mehr zu retten gab. Dass er einfach nicht mehr wollte. Und aufgrund seiner eigenen Probleme auch nicht mehr kann. Ich bin der Typ: Hallo Problem, ich komme und löse dich. Das schafft mein Partner im Moment wohl nicht mehr und hat sein Heil nur darin gesehen, wenigstens mich als hyperaktien und anstrengenden Part zu beseitigen. Glücklich wirkt er dadurch aber absolut nicht. Ich denke, er überlegt verzweifelt das Für und Wider der Trennung. Ich kenne ihn gut genug, um zu wissen, dass das nicht nur Spekulation ist, sondern dass er nur nicht weiß, wie man das alles anders hätte lösen können. Jetzt ist es so, wie es ist. Und ich glaube, ich kann ihn jetzt besser verstehen. Und inzwischen nabel ich mich auch emotional langsam ab. Ich will ihn in Ruhe lassen, ihn nicht mehr nerven. In meiner neuen Wohnung kann ich nur noch seinen Wagen sehen, wenn er auf dem Parkplatz steht, aber ich kann ihm nicht aufs Fell schauen, nicht in unseren herrlichen Garten, den wir mit viel Liebe angelegt haben. Das wird mir gut tun. Und ihm sicher auch.

Mein Fazit ist, nach diesem erneuten Roman, dass wir beide Fehler gemacht haben, dass ich mir aber nicht allein die Schuld (wenn man davon sprechen kann) geben muss. Dass es dann eben einfach nicht mehr hätte sein sollen. Und dass jeder jetzt seinen Weg allein weiter gehen muss. Auch die Tatsache, dass mich die Schlaganfälle verändert haben und er damit, mit den Folgen, meiner Veränderung nicht mehr klar kam, muss ich akzeptieren. Ich musste mich ja die letzten 3 Jahre selber erst wieder neu erfinden, nachdem ich damals so ganz unten und ohne einen Funken Logik gewesen bin. Meine heutige Logik passt nicht mehr zu seiner, die Wege sind auseinander gedriftet.

Was ich anderen hier mitgeben möchte: es ist, denke ich, ganz normal, wenn man sich bei einer Trennung an den anderen klammert, wenn es zuende geht. Es tut sehr, sehr weh, man schleudert mit seinen Gedanken. Aber es gibt verschiedene Phasen, das habe ich zumindest für MICH festgestellt. Zuerst das Unverständnis. Dann die Verzweiflung. Das nach Lösungen suchen, reden, klären wollen. Die Schuld bei sich suchen. Dann die Einsicht, dass es vorbei ist und auch, warum. Auch Wut ist dabei, dass nicht darüber geredet werden konnte, dass man quasi ausgebootet wird. Und letzlich dieses innerlich umdrehen und mit einem neuen Weg starten mit Rücksicht auf sich selber und dem zur-Ruhe-kommen und ablenken. Ob es sich bei meinem Partner um einen generellen Burnout handelt oder ob er einfach nur genug von mir, von uns hatte, werde ich nicht klären. Wie du @Jedi geschrieben hast, ist alles nur reine Spekulation, aber Anzeichen sind bei ihm zumindest zu erkennen. Aber ich kann und darf jetzt nicht mehr helfen, muss akzeptieren, dass der Mann erwachsen ist, dass ich mir keine Sorgen mehr machen darf und dass er, wenn er Hilfe brauchen sollte, sich selber darum kümmern muss. Ich bedanke mich bei euch, dass ich meine Gedanken hier mal in dieser Form und aus ausführlich niederschreiben konnte. Und der/die eine oder andere wird sich vielleicht hier wieder finden und denen wünsche ich viel Kraft dazu, diese Situation zu meistern. Danke fürs Lesen, ihr Lieben. Ich mache mich jetzt an die Arbeit an meinem neuen Leben als Single.

28.09.2022 09:18 • x 6 #5

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