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Bin in ein emotionales Loch gefallen - wie rauskommen?

Waldschreck

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Hallo an alle. Am besten ich fange mal von ganz vorne an. Im Juli 2013 verstarb mein geliebter Vater nach langer Krankheit an multiplen Organversagen. Meine Mutter, Schwester und ich saßen bei ihm am Bett und haben sein letzten Atemzug miterlebt. Ich wollte ihn noch so viel erzählen aber es kam leider nicht mehr dazu. Meine Gedanken waren von dem Tag an nur noch bei ihm habe geweint was ich heute noch mache wenn wieder die Gedanken aufkommen. Im August 2013 hatte ich einen schweren Arbeitsunfall wobei ich vom Gerüst gestürzt bin nicht sehr hoch, hatte aber vollkommen ausgereicht Hüfte kaputt und der Fuß diesen kann ich nach einer vollständigen Versteifung nicht mehr bewegen geschweige die Zehen. Wurde danach mehrfach operiert was aber nicht viel half. Ich Träume heute noch wenn ich mal schlafe, vom Unfall und natürlich auch von mein Vater und manchmal habe ich das Gefühl er stünde manchmal bei mir im Schlafzimmer um was sagen zu wollen.

Seit 2014 bin ich in Einer Schmerzterapie weil ich sehr starke Schmerzen habe im fuß sowie Hüfte kann nicht lange stehen, liegen, laufen Max 150 m dann muss ich Pause machen und sitzen kann ich auch nicht lange. Bis dahin ging es mir noch relativ gut aus meiner Sicht. Die Schmerzen wurden mehr die Tabletten wurden auch mehr und stärker und meine gute Laune wurde immer weniger was ich selber gar nicht mitbekommen hatte. 2017 konnte ich von der BG aus zu einen Psychologen das hatte auch ein wenig geholfen aber dann war Schluss mit der Frau Doktor weil, laut Gutachten der BG konnte nicht richtig festgestellt werden ob meine Psyche vom Unfall herkommt oder auf Privater Basis her stammt. Vor dem Unfall war ich ein völlig lustiger Typ mit mir konnte man Kirschen mausen gehen.

Aber seit dem ich jeden Tag 14, 15 Tabletten einnehme ist mein liebesleben so tief im loch vergraben und meine gute Laune gleich mit. Nichts kann mich ablenken hatte auch schon des öfteren daran gedacht das Leben zu nehmen weil meine Frau wo auch keine Kraft mehr hat bei mir zu bleiben ist ja auch verständlich kein liebesleben mehr, weil es klappt einfach nicht und wenn dann nur unter Schmerzen. Ausgehen ist so gut wie auch nicht mehr, weil ich nicht mehr lange laufen kann Berg auf nur im griechgang weil das Bein völlig nach außen gedreht ist. Nun ja meine zwei kinder 12 und 6 Jahre bekommen es ja auch alles so mit. Meine Kleine Tochter sagt mir immer . .ach Papa ich streichel Dein Fuß und Bein wieder gesund. Sorry aber mir stehen mal wieder die Tränen gerade im Auge. Nun war ich bei einen Psychologen in der Nähe völlig zitternt fragte ich ob ich ein Termin bekommen könnte aber leider gibt es Wartezeiten von knapp 2 Jahren.

Mehrere Anrufe bei anderen ergab das selbe. Ich Frage mich wie soll das weitergehen mit mir habe absolut keine Lust mehr auf irgend was hatte mir ein Aquarium gekauft, in der Hoffnung das es wird besser wird einen Hund haben wir uns zugelegt, damit ich mit ihn rausgehen kann selbst das, wird auch immer weniger. Meine Angst mir was an zu tuhen wird immer größer meine Kraft lässt stark nach. Freunde haben sich mittlerweile von mir zurückgezogen keine Ahnung warum denke mal es liegt an mir weil ich nicht mehr so gut wie rausgehe.

Oh Mann vielleicht sollte ich doch Platz machen für die, die noch Freude am Leben haben . . Und wieder sind diese Gedanken da. Hoffe das ich hier ein paar Strohhalme zum rausziehen aus meinen Loch bekomme, würde mich sehr freuen weil, ich kann nicht mehr meine Kraft ist weg.

LG Stephan

08.12.2018 00:48 • #1


florica

florica

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Zitat von Waldschreck:
Oh Mann vielleicht sollte ich doch Platz machen für die, die noch Freude am Leben haben . . Und wieder sind diese Gedanken da. Hoffe das ich hier ein paar Strohhalme zum rausziehen aus meinen Loch bekomme, würde mich sehr freuen weil, ich kann nicht mehr meine Kraft ist weg.


Ne solltest Du nicht - Du hast Kinder und eine Frau - und egal was Du jetzt denkst oder fühlst:
Wenn Du Platz machst hinterlässt Du deiner Frau und besonders deinen Kindern ein sehr schweres Erbe.
Und auch wenn Du denkst das wäre besser - wäre das nur egoistisch gedacht - denn deine Angehörigen müssten dann mit dieser Last leben. Und sie wollen dir auch noch ganz viel erzählen - also solltest Du daran gar nicht mehr denken.
Tu ich auch nicht mehr - weil das echt ne fiese Nummer wäre.

Und nun kommen wir mal zu den Strohalmen.
Eine Möglichkeit wäre sicher noch eine Tagesklinik oder so richtig stationär.
Und wenn Dir alles zu viel wird - kannst Du auch mit deinem Waschbeutel direkt als Notfall in eine Klinik gehen.
Ich persönlich finde stationär gut - aber da hat man auch Wartezeiten. Aber mir hat das geholfen.

Dann ist recht hilfreich Atemübungen und Meditation - da findest Du viel im Internet.
Atemübungen helfen gut wenn die Angst kommt - aber du solltest sie vorher üben - damit du im Notfall drauf zurück greifen kannst - und nicht lange lesen oder überlegen musst.

Es gibt auch gute Literatur - ich schreibe mir immer die Sachen aus - die ich interessant finde und teste das.
Viel ist für mich irgendwie nicht das richtige - aber einige "Perlen" die ich für mich nutzen kann, habe ich schon gefunden.
Aber da ist ja jeder anders, was dem einen hilft - hilft dem anderen so gar nicht.

Und versuch z.B. deiner Frau mal einen Strauß Blumen oder ähnliches zu holen oder einfach irgendwo eine Blume pflücken - damit du ihr zeigst das sie wichtig für dich ist.
.

Und wenn Du mir hier antworten möchtest - wäre es super toll - wenn du einfach mal kurze Absätze reinhaust.
Ist eigentlich egal wo - Hauptsache ich habe immer mal Luft zwischen den Zeilen. Sonst bin ich wie erschlagen beim lesen.

Eben habe ich es mir damit erleichtert das ich mir immer Teile markiert habe :)

08.12.2018 03:50 • x 1 #2


Ylvi13

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Hallo Stephan, ich leide seit 6 Jahren an Depressionen und ich denke, manche Entscheidungen kann man nur mit sich allein " besprechen " und treffen. Ich habe es bisher noch nie geschafft, jemandem zu erklären oder zu verdeutlichen, wie gross mein Leid war und ist. Manchmal gibt es keine Worte.
Ich kann dir was von mir erzählen ...
Zu meinen schlimmsten Zeiten habe ich in einem schwarzen Loch gesessen , ich war völlig leer, da war nichts mehr, null. Die einzige Lösung schien Schluss zu machen. Mein Kind kam mit was ganz alltäglichem und wollte eine Antwort. Ich weiss nicht warum und letztlich ist es auch egal, aber ich wusste in dem Moment, dass ich nicht gehen kann. Mein Kind braucht mich . Vielleicht war noch soviel Leben in mir, dass ich meinem Kind diesen Verlust nicht zufügen wollte.
Das ist jetzt ca. 5 Jahre her, lange, schwere Jahre, es ist nicht mehr so schlimm, ich kämpfe jeden Tag. Aber es gibt wieder schöne Momente.
Die Tipps von florica (Atemübungen, Therapie, sich belesen) haben auch bei mir geholfen. Man muss vieles ausprobieren , irgendetwas hilft weiter. Ich mache zur Zeit meine zweite Verhaltenstherapie.
Mein Freundeskreis ist auch weggebrochen, ich versuche den Tatbestand zu akzeptieren. Momentan ordne ich mich selbst, was will ich und was nicht, ganz wichtig -Selbstfürsorge, kleine positive Erlebnisse schaffen ...Und vielleicht finde ich auch wieder Freunde ...
Ich wünsche dir Mut und Kraft für deine Entscheidungen.
LG

08.12.2018 11:53 • x 1 #3


florica

florica

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@Ylvi13

Das ist die schlimmste Zeit - wenn man total leer und auf Null gesetzt ist. Ohne Mann und Kinder wäre ich da gerne ganz gegangen.
Der Freundeskreis, der weggebrochen ist stört mich eigentlich gar nicht so sehr - aber ich habe auch meinen Mann, somit Glück.
Meine Kinder sind schon erwachsen, aber ich würde es meinen Kinder nie zumuten wollen, denn das wäre ein Schmerz an dem sie ihr Leben lang tragen würden.

Und es stimmt es gibt auch immer mal wieder schöne Momente. Ich wäre dankbar wenn es auch gut Phasen und nicht nur Momente geben würde - aber vielleicht kommt das ja irgendwann.
Auch für mich ist die Achtsamkeit ein guter Weg

08.12.2018 12:10 • x 1 #4


Ylvi13

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Ich persönlich glaube daran, dass auch gute Phasen kommen. Wenn ich mich daran erinnere, wie tief und schwarz das Loch war, aus dem ich gekrabbelt bin und wo ich heute stehe. Wie sagt man so schön " mühsam ernährt sich das Eichhörnchen". Ich glaube schon, dass mir richtige Freundschaften helfen würden, so in Sachen Motivation und Antrieb gedacht. In der letzten Therapiestunde war es Thema, dass positive Erlebnisse wichtig sind und man sich daran erinnern muss. Aber grade, wenn es nicht so gut steht, ist es mit Motivation und Antrieb nicht weit her.

08.12.2018 12:37 • x 1 #5


Waldschreck


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Hallo an alle
Sorry das ich nicht sofort zurück geschrieben habe. Habe jetzt einen Termin bei einem Psychologen geholt ( knapp 2 Jahre )
Aber ich schreibe

LG Stephan

12.12.2018 20:08 • #6


florica

florica

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Zwei Jahre sind heftig.
Du weißt aber das es ein Stelle gibt - dort sind sie verpflichtet dir einen Facharzt-Termin in den nächsten Wochen zu geben?

Hier ist mal etwas verlinkt:

http://www.kbv.de/html/terminservicestellen.php



Und ich weiß das das auch klappt, weil meine Therapeutin darüber nicht wirklich glücklich ist.

12.12.2018 20:30 • x 2 #7


Frederick1

Frederick1

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lieber Stephan,

auch von mir ein herzliches Willkommen hier im Forum. Das mit der Sinnlosigkeit kann ich verstehen, gerade als Mann, du möchtest doch deine liebe Familie versorgen, etwas tun, doch im Moment kannst du gar nichts tun.

Dann leben wir alle in dieser Leistungsgesellschaft, wo die am meisten Anerkennung bekommen, die scheinbar an meisten leisten.

Nur meine ich, den Wert eines Menschen darf ich nicht an seiner Leistung messen. Mein Hund bringt so gesehen auch keine Leistung, aber für mich ist er unendlich wertvoll.

Ja einen Menschen sterben zu sehen, das ist ganz arg schwer. Leider gehört das zu einem Leben dazu. Geboren werden, aber auch sterben...........kein Mensch lebt ewig. Aber vielleicht ist dein lieber Vater jetzt schon im Himmel oder so, hat keine Schmerzen mehr, im Himmel soll es ja kein Leid und keine Schmerzen mehr geben.

Dein Leben hat einen Sinn. Auch wenn wir Menschen nicht alles verstehen. Aber du bist wertvoll, so wie du bist, und nicht so wie du dich haben möchtest. Schaue dir mal wieder schöne Landschaften an, erfreue dich an der schönen Natur, lasse dir von Menschen die dich mögen, wieder Leben schenken, Trost, Hoffnung, Liebe, Annahme.

Leben ist mehr als Geld verdienen und arbeiten. Mir persönlich hilft es immer dann, wenn ich mich immer wieder so gut es geht mit meinem Leben versöhnen darf. Ich konnte auch nicht bis zum letzten Tag arbeiten, durch meine Depression musste ich auch früher in Rente gehen. Das tut brutalst weh. Und manche Freunde und Bekannte verlassen dich, weil sie mit dir und deiner Depression nichts anfangen können. Heute sage ich mir, die waren es auch nicht wert.

Du ich wünsche dir da Mut zum Leiden, das ist es meine ich, worauf es ankommt. Wenn ich mich selbst zu arg bemitleide, dann zieht es mich in meiner Depression auch mehr runter. Als Postmann habe ich auch viel draußen und körperlich gearbeitet. War das alles frägst du dich dann. Aber ich hatte da auch viele Beziehungen zu Menschen. Und vielen meiner ehemaligen Kollegen geht es heute gerade körperlich schlechter als mir.

Aber es gilt, das du dich deinem Leben, deinem Schicksal stellst, ein JA für dich und deinem Leben zu haben, es immer wieder neu versuchen zu wagen. Jeder Tag ist ein neuer Tag, eine neue Chance für dich.

Das du nahe an die Wahrheit deines Lebens ran kommst, nicht vor dir selbst fliehst, vor deinen Leiden fliehst.

Weiche deinen Leiden nicht aus, du darfst einen Sinn in deinen Leiden sehen. Durch deine Leiden kannst du andere Menschen mit Leiden viel besser verstehen.

Wenn du das Leid ausklammerst, reduzierst du dich, Licht und Schatten, Hell und Dunkel, gehören wie in der Natur zum Leben. So wie Freude und Leid, Hohes und tiefes, Schönes und Leidvolles, das macht dein Leben aus, lieber Stephan.

Es kommt auf deine eigene Einstellung an. Dan macht das Leben immer und unter allen Umständen Sinn. Auch Menschen mit Behinderung haben ein Recht auf Leben.

Tue deiner lieben Frau etwas Gutes, tue ihr was Liebes, was du noch kannst. Gebe bitte bitte nicht auf, tue das Beste was du kannst für dich...................................DU darfst es dir wert sein.


Eine kleine Geschichte.

"Ein Tannenbäumchen war voll mit Schnee beladen, seine Zweige hingen runter. Da sprach das Bäumchen zum Schnee. "Ich bin eine Last, die dich zu Boden drücken wird......"Nein sagte das Bäumchen, die Sonne wird kommen und dich zum Schmelzen bringen. Deine Wasser wässern meine Wurzeln, am Schnee wachse ich.


in guten Gedanken für dich,

viele liebe Grüße,


Frederick.

13.12.2018 18:52 • x 1 #8


Waldschreck


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Danke lieber Frederick für die warmen und Herzlichen Worte.
So schön wie Du es auch beschrieben hast ist es im Moment bei mir nicht. Ich war heute mit meinen Kindern alleine an Silvester meine noch Frau im anderen Zimmer am Handy zocken. So ein Silvester wie heute hatte ich noch nie erlebt. Musste mich so zusammenreißen das ich nicht vor dem Kindern anfing, zu weinen.
Etwas positives gibt es ja nämlich, die BG hat mir 5 Terapiestunden bewilligt worüber ich mich auch sehr gefreut habe. Ab Januar kann ich wieder zu der Psychologin gehen wo ich schon mal war. Diese Frau hatte mir auch schon etwas geholfen aber leider war alles dann ausgeschöpft und konnte nicht mehr hin. Die BG versucht zu sparen wo es nur geht . Ich möchte nur hoffen, das ich bald einen Termin bekomme bei dem ich 2 Jahre warten muss.

Naja mal seh'n was noch alles auf mich zu kommt.

Wünsche euch allen ein gesundes neues Jahr und mögen all eure Wünsche in Erfüllung gehen.

LG Stephan

01.01.2019 00:55 • x 1 #9




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