Bin ich manisch depressiv? Wie ein glückliches Leben führen

Seelenwelt

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Hallo,

ich bin 16 Jahre alt und gehe momentan noch zur Schule. Ich weis, dass man von jungen Leuten wie mir erwartet, dass sie noch voller Energie und purer Lebensfreude sind, doch ich war noch nie wie die Kinder und Jungendlichen meines Alters.

Als kleines Kind war ich immer schüchtern und zurückhaltend. Trotzdem hatte ich eine schöne Kindheit, in der ich eigentlich immer glücklich war.
Der Anstoß zum Nachdenken über den Tod und die erste Leiderfahrung hatte ich mit ca. 10 Jahren in der vierten Klasse, als mein Großvater verstarb. Mein heiles Weltbild blieb aber weiterhin.

In der fünften Klasse wurde mir meine Verschlossenheit dann zum Verhängnis. Ich wurde von meinen neuen Mitschülern geärgert und sie machten sich über mich lustig. Ich wusste mir nicht zu helfen...wusste ja noch nichtmal wie man die hand zu einer faust ballt, andere in ihre Schranken weist.
Dieses Problem behielt ich für mich. Ich blieb trotzdem glücklich und führte weiterhin eine einigermasen normale Kindheit.
Mit den Jahren wurde ich immer mehr zum Aussenseiter. Musste mich mit Leuten abgeben, die ich überhaupt nicht mochte um nicht vollkommen allein zu sein. Es waren natürlich auch gute Freunde dabei.

Die Neue Klasse in die ich zur siebten klassestufe kam war da nicht gerade von Vorteil. Mein sowieso schon zerrütetes Selbsbewusstsein wurde hier zu Nichte gemacht. Ich musste mit Ansehen wie andere Mitschüler aus der Klasse gemobbt wurden und wurde selber fertig gemacht.

Die achte Klasse war dann der reinste Horror. Jeden Tag machten sie sich über mich lustig und ich verfiel langsam in eine Depression. Das Leben ergab für mich keinen Sinn mehr und nachdem ich aus der Schule kam legte ich mich meistens sofort schlafen, weil ich das Leid nicht ertrug. Hinzu kam der Leistungsdruck und die schlechten Noten. Ich flüchtete mich in virtuelle Welten, lebte mein eigenes Leben. Meine Eltern nahmen all das nicht so ernst. Auch den Wasserfall aus Tränen den ich in der sechsten Klasse ergross schoben sie auf die Pubertät. Ich gab meinen Eltern darüber Bescheid wie meine Mitschüler mit mir umgingen doch konnte ihnen nie alles anvertrauen. Die Leere in mir wurde immer größer und erst jetzt bin ich mir sicher dass ich seelisch krank bin.

Zur neunte Klasse wechselte ich dann die Schule. Runter vom Gymnasium in die Realschule.
Ich veränderte mein Äußeres, machte einen Neustart. Die negativen Bermerkungne hörten hier langsam auf und ich traf nettere Menschen (mädchen) die mir zuhörten und ein offenes Ohr für meine Probleme hatten.

Bis heute fällt es mir schwer glücklich zu sein. Ich kann in der Öffentlichkeit nicht lächeln und habe ständig diese Ängste im Hinterkopf dass ich wieder fertig gemacht werde. Jede kleinste negative Bemerkung reißt mich sofort wieder in ein tiefes Loch und ich werde wieder depressiv. Seit Jahren habe ich keinen Tag mehr an dem ich vollkommen Glücklich bin.

Seit einiger Zeit habe ich jetzt Phasen in denen ich total verrückt spiele und die Aufmerksamkeit geniesse, vor der ich sonst diese panische Angst habe. Selbstmordgedanken und Niedergeschlagenheit wechseln sich mit krankhaftem Verhalten und Verrücktheit ab.

Bin ich vieleicht manisch depressviv? Wie kann ich diese Probleme bewältigen und ein glückliches Leben führen? Wie sehr werden mich diese Probleme in meiner beruflichen Zukunft behindern?

Alles Fragen auf die ich keine Antwort weis. :


Falls sich diesen Beitrag wirklich jemanden durchgelesen haben sollte, bedanke ich mich von ganzen Herzen für die Mühe.
Seelenwelt

18.12.2011 23:33 • #1


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Eisbärchen

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Hallo Seelenwelt,

warst Du schon beim Arzt Deines Vertrauens (Hausarzt oder Psychiater)? Du solltest mit den Befürchtungen, die Dir im Kopf herumspuken nicht alleine bleiben, sondern Dich untersuchen lassen. Sobald eine Diagnose feststeht, kann man auch etwas dagegen machen.

Deine Eltern sind wahrscheinlich mit Deinen Äusserungen überfordert. Such Dir bitte fachlich kompetente Hilfe!

Alles Gute!

Viele Grüße
Eisbärchen

19.12.2011 13:00 • #2



Hallo Seelenwelt,

Bin ich manisch depressiv? Wie ein glückliches Leben führen

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Seelenwelt

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Ich danke dir vielmals für deine schnelle Antwort. Meine Mutter hat schonmal gesagt, dass ich wohl doch mal zu einem Arzt müsste.
Habe ihr vor einiger Zeit von meinen Stimmungschwankungen erzählt und sie gebeten mich zum Arzt zu schleppen, falls irgendwann die EInsicht fehlt.
Seit sie es weis fällt es ihr auch immer häufiger auf wenn ich zum Beispiel einen Tag die ganze Zeit niedergeschlagen bin und am nächsten Tag ohne Grund unnormal fröhlich nach Hause komme.

Danke, Seelenwelt

19.12.2011 14:42 • #3


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achtsamkeit

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Liebe Seelenwelt,

prima, dass du hier aufschreiben konntest wie du dich fühlst. Das ist schon viel wert.
Wie schon geraten solltest du auf alle Fälle zu deinem Hausarzt gehen. Dieser wird dich dann auch gegebenfalls zu einem Facharzt überweisen.
Zudem hast du schon gemerkt, dass du auch Beachtung bekommst, sobald du dich öffnest. Das siehst du ja an dem Verhalten deiner Mutter.
Verrückt bist du sicherlich nicht. Deine seelischen Schwankungen sind auch für dein Alter nicht ungewöhnlich!
Bezüglich der Schulprobleme wäre es auch möglich mit dem Vertrauens oder auch Klassenlehrer zu sprechen.
Weiterhin gibt es ja auch den schulpsychologischen Dienst der hilft.
Insofern hat dein Alter auch Vorteile, da du dann noch viele Möglichkeiten hast Hilfe zu bekommen.
Also auf alle Fälle zum Arzt gehen!
LG Pelle

19.12.2011 16:10 • #4


Seelenwelt

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Danke. Ich werde auf jedenfall mal einen Arzt/Psychater aufsuchen, da ich mit großer Sicherheit ein soziales Problem habe.

19.12.2011 16:46 • #5


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Pyxidis

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Hallo Seelenwelt,

Zitat:
Ich werde auf jedenfall mal einen Arzt/Psychater aufsuchen


das ist eine ausgezeichnete Idee! Ich glaube auch so reflektiert wie Du schreibst, daß Du auch von einer Therapie sehr profitieren könntest.

Bals steht ein neuer Lebensabschnitt mit dem Ende der Schulzeit vor Dir. Mit neuen Chancen und Möglichkeiten auch neuen Menschen.

Hast Du Dir schon überlegt, was Du nach der Schule machen möchtest.

Alles Gute
Scorpio

27.12.2011 14:05 • #6


Seelenwelt

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Ja, ich habe schon ca. 5 Bewerbungen geschrieben. Bis jetzt sind es 4 Absagen ohne Einladnung zum Vorstellungsgespräch und 1 ausstehende Antwort.

Eine Option für mich ist im moment auch weiter zur schule zu gehen (2 Jahre in Sprachen weiterbilden). Dann müsste ich aber auf jedenfall meine Psychischen Probleme los werden.

27.12.2011 17:47 • #7


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Pyxidis

1045
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Zitat:
Eine Option für mich ist im moment auch weiter zur schule zu gehen


Die Option finde ich ausgezeichnet. Dann könntest Du auch gut nebenher eine Therapie machen und so wie Du es Dir wünscht Deine psychischen Probleme loswerden.

Alles Gute
Scorpio

28.12.2011 11:30 • #8


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Tiernogalvan

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Sprachen sind eine tolle Sache und dann, wenn man die Sprache so einigermaßen kann, einen langen Urlaub in dem entsprechenden Land machen. Mir tut ein Tapetenwechsel immer sehr gut, vielleicht probierst du das einfach mal aus. Vor allem wir ein Auslandsaufenthalt bei vielen Arbeitgebern als sehr positiv beachtet.

28.12.2011 16:11 • #9


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David Spritz

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Hey Seelenwelt!

Stimmungsschwankungen sind nicht nur in Deinem Alter normal, sondern es würde jedem so gehen, der das gleiche durchgemacht hat wie Du.

Manisch-depressiv bist Du meiner unqualifizierten Meinung nach nicht, da sich die Hoch- und Tiefphasen bei der bipolaren Störung (so nennt man manisch-depressiv heute) nicht so schnell abwechseln. Es dauert für gewöhnlich Wochen oder Monate, bis man vom Manischen ins Depressive wechselt oder umgekehrt. Ich habe mal in der psychiatrischen Tagesklinik eine Frau mit bipolarer Störung kennengelernt. Sie war mehrere Wochen depressiv und wurde erst danach im Verlauf einiger Tage immer manischer. Deine schnellen Stimmungsschwankungen deuten nur darauf hin, dass Du Dich unglücklich und überfordert fühlst und vielleicht auch die seelischen Grausamkeiten, die Du durch Deine Mitschüler erleiden musstest, noch nicht verarbeiten konntest. Gibst Du Dir selbst die Schuld dran, wie Du behandelt wurdest?

Einen Psychiater würde ich an Deiner Stelle trotzdem aufsuchen. Das kostet vielleicht ein bisschen Überwindung, aber es kann Dir nur nützen, nicht schaden. Und wenn Du gar nichts Schlimmes hast - um so besser!

28.12.2011 22:21 • #10


Seelenwelt

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Ich bin überrascht, dass sich hier so viele Menschen für meine Probleme interessieren und versuchen mir zu helfen. Das ist etwas völlig Neues für mich . Bis jetzt bin ich immer nur auf Desinteresse und Ignoranz gestoßen.

@Scorpio Da hast du wahrscheinlich recht.

@Tiernogalvan Ein Tapetenwechsel würde mir wohl wirklich mal ganz gut tun. Mein Leben gestaltet sich nämlich ziemlich eintönig: Schule, Pc und selten mal aus dem Haus kommen...

@David Spritz Ja, eine manische Depression ist es laut meinen eigenen Nachforschungen wirklich nicht. Meine Psyche ist vermutlich "einfach" nur instabil. Mit deiner Vermutung, dass ich meine Vergangenheit noch nicht verarbeiten konnte liegst du richtig. Und ja ich habe mir jeden tag aufs Neue die Schuld daran gegeben, wie ich behandelt wurde. Ich habe mir Vorwürfe gemacht....mir eingeredet, dass sie nur weil ich so bin wie ich bin überhaupt einen Grund hatten mich fertig zu machen. Anstatt etwas zu tun habe ich den Kummer immer weiter in mich hinein gefressen. Wie in meinem Käfig habe ich mich sozusagen gefühlt: Die Freiheit zum greifen nahe und doch unerreichbar. Aus dieser Trauer ist jetzt mittlerweile Hass auf die Welt und alles was dazugehört geworden.

Mir ist in letzter Zeit eine weitere Eigenschaft an meinen Gedanken aufgefallen. Ich denke immer häufiger über den Tod nach. Habe ständig Angst, dass ein Familienmitglied sterben könnte und denke daran, dass es eines Tages zu einem weiteren Schicksalschlag kommen kann...
Auch werde ich die Angsterfüllte Vorstellung nicht los irgendwo eingesperrt zu sein und dort qualvoll zu ersticken oder zu verhungern und unglücklich zu sterben. Zum Beispiel habe ich oft das Bild vor mich lebendig begraben worden zu sein und im Sarg wieder aufzuwachen. Deshalb habe ich meinen Eltern schon gesagt, dass ich im Falle eines frühen Todes eingeäschert werden möchte.

Mein Vorsatz fürs neue Jahr: Einen Psychater aufzusuchen und am Ende des Jahres 2012 mein Leben in neue Bahnen gelenkt zu haben.

31.12.2011 04:28 • #11


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Gummitwist78

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Guten Morgen!

Erst mal Wünsche ich dir ganz ganz viel Kraft fürs Jahr 2012

Und ja die Menschen die hie runs Antworten sind schon ganz ganz Toll.Denn ich habe genau wie du ganz viel Ignoranz und Ablehnung erfahren müssen.
Und dank den Menschen hier habe ich auch mal einen andere Sicht von meinen Probleme und Gedanken bekommen.

Ich danke euch allen!

Einen Guten Rutsch ins Neue Jahr!

31.12.2011 10:56 • #12


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David Spritz

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Es kommen hier auch nicht so oft 16-Jährige vorbei. Bei Euch jungen Leuten ist "noch was zu retten", vielleicht daher die vielen Antworten!

Das mit dem Tod, den Ängsten und dem Eingesperrt-Sein könnten ebenfalls Symptome der selben Sache sein, also der emotionalen Misshandlung und sich selbst die Schuld dafür geben. Frag den Psychiater mal, ob er Dir dazu raten würde, einen Psychotherapeuten zu suchen, und wenn ja, welche Art Therapie. Ich glaube echt, dass man in Deinem Fall ganz viel machen kann. Und da Du noch so jung bist, wird die Therapie wahrscheinlich auch nicht so lange dauern wie bei uns "alten Säcken".

Guten Rutsch allerseits!

31.12.2011 11:40 • #13


Seelenwelt

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Ja, ich denke mir auch dass es noch nicht zu spät ist und habe trotz der vielen Niederschläge immer noch Hoffnung in mir. Aber meiner meinung nach kann jedem Menschen geholfen werden, auch so "alten säcken" wie euch. Für jeden gibt es,denke ich, im Leben Hoffnung, besonders wenn ein neues Jahr beginnt.

Wünsche euch schonmal einen guten Einstieg ins Neue Jahr!

31.12.2011 17:21 • #14


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David Spritz

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Danke! Fühlt sich sehr gut an, das zu lesen.

01.01.2012 20:50 • #15


Seelenwelt

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Habe heute Nacht einiges geträumt. Würde gerne hören was ihr von den Träumen haltet.

1. Ich habe in der Schule meinen Gefühlen freien Lauf gelassen. Der Lehrer hat mich mehrere male ohne wirkliche Begründung ermahnt und ich habe mich gewehrt. Je weiter ich mich versucht habe durchzusetzen um so größere Extraaufgaben, Ermahungen und Missbilligungen wurde mir aufgetischt. Als er dann auch noch sagte "Ich werde mich mal mit deinen Eltern in Verbindung setzen, so ein Verhalten können wir hier nicht tollerieren", bin ich vollkommen ausgerastet und spürte wie die Wut ins Unermessliche stieg-

Fazit: Der Traum hat mir gezeigt wie sich meine Emotionen äußern würden, die ich sonst täglich unterdrücke.

2.In der Schulpause habe ich wie immer versucht mich in die Gruppe einzufügen. Leider ohne großen Erfolg...ich war mal wieder das Ziel aller boshaften Scherze und wurde als Einziger vollkommen erniedrig. Das War der Grund warum ich mich in diesem Traum selber von der Gruppe abgegrenzt habe. Das Seltsame: Ich empfand ein wohliges Gefühl als ich alleine dasaß.

Fazit: Ich denke, der Traum will mir klar machen, dass ich vorerst meinen eigenen Weg gehen sollte, falls mir eine Situation unangenehm ist.

3. Dieser Traum hatte seltsamerweise etwas positives. Ich habe mein bestes gegeben auf andere Menschen einzugehen und dabei auch einigermasen Erfolg gehabt. Es handelete sich hierbei immer nur um Erwachsene denen ich zum Beispiel auf der Straße begegnet bin. Es fiel mir hier sehr viel leichter im Gespräch zu bleiben.

Fazit: Vieleich ein Zeichen, dass mir der Einstieg in die Erwachsenenwelt leichter fallen könnte.


Wie würdet ihr diese Hirngespinste interpretieren? Träume sollen ja angeblich immer etwas Wahres beinhalten. Die Frage ist nur wie viel vom Gehirn wirklich realitätsgetreu berechnet wurde und wie viel Informationen aus dem Bereich der Wünsche und Hoffnungen herausgefiltert wurden.

02.01.2012 17:44 • #16


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David Spritz

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Träume sind ja für jeden etwas anderes. Manche sehen sie als Vergangenheitsbewältigung, Andere als Vorahnungen für die Zukunft, wieder andere nehmen Träume überhaupt nicht ernst. Ich halte es so, dass ich Träume als Kommunikationsmedium unseres Unterbewusstseins sehe. Mein Arzt sagt, dadurch, dass ich daran glaube, ermuntere ich quasi mein Unterbewusstsein, auf diesem Weg mit mir zu sprechen. Eine self-fulfilling Prophecy, sozusagen!

Mein Therapeut arbeitet auch immer viel mit Träumen und sagt mir, dass alle Personen, die im Traum vorkommen, in Wirklichkeit Teile von mir selbst sind, so nach dem Motto: "Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?"

Auf Deine Träume bezogen könnte das vielleicht bedeuten, dass Du selbst einen strengen Teil in Dir hast (den Lehrer), der Dir Deine Emotionen verbieten will. Welchen Grund könnte er dafür haben? Vielleicht fühlt er sich damit überfordert und knüppelt aus Hilflosigkeit alles brutal nieder, was jemals in Dir aufkeimt. Der Teil ist ja recht übermächtig. Egal, wie sehr Du wütend wirst, er setzt immer noch einen oben drauf, um Dich weiter klein zu halten. Das ist bei Dir der Ist-Zustand, darauf wollte Dich der Traum vielleicht aufmerksam machen. Das heißt aber nicht, dass Du Dir das für immer gefallen lassen musst.

Deine Mitschüler in der Pause waren vielleicht die Echos Deiner realen Mitschüler aus Deiner schmerzhaften Vergangenheit. Es ist ja oft so, wenn man von anderen Menschen, selbst wenn diese einem gar nichts bedeuten, immer wieder das Gleiche zu hören kriegt, dass man es dann irgendwann selbst glaubt, aus Angst, dass einen sonst keiner mehr mag. Hier will Dein Unterbewusstsein Dir aber wohl sagen, dass Du solche Menschen nicht brauchst und ganz allein sein dann das kleinere Übel wäre. Oder anders: Umgib Dich nur mit Menschen, die es gut mit Dir meinen.

Die erfolgreichen Gespräche mit den Erwachsenen könnten tatsächlich bedeuten, dass Du den verletzten, kindlichen Anteilen in Dir nicht so viel Macht geben solltest, sondern Dich um mehr Objektivität bemühen sollst. Eine kognitive Verhaltenstherapie könnte Dir dabei helfen, Deine eigenen "bösen" Gedanken über Dich aufzuspüren und dadurch zu entkräften. Wenn Du das erreicht hast, dann kannst Du vielleicht auch einen "erwachseneren" Umgang mit Deinen Gefühlen erlernen, in der kein engstirniger Oberlehrer alles Emotionale brutal im Keim erstickt.

Der Lehrer tritt zwar als Erwachsener auf, verhält sich aber keineswegs erwachsen. Vielleicht denken manche Menschen, Erwachsensein bedeutet, seine Gefühle im Griff zu haben, nur den Verstand zu benutzen, seine Pflichten zu erfüllen, Verantwortung für andere Menschen und Dinge zu übernehmen und immer fleißig zu sein. Aber das stimmt nicht. Auch seine Gefühle in sein Leben zu integrieren und sich einen fröhlichen, kindlichen Teil im Herzen zu bewahren gehört mit zum Erwachsenwerden.

03.01.2012 15:07 • #17


Seelenwelt

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Das klingt wirklich sehr weise. Mit den unterdrückten Emotionen und dem Lehrer muss ich dir recht geben. In meiner Kindheit hatte ich nur wenige Zweifel was mein selbst betraf. Es hat mich zwar schon bedrückt wenn ich bei einem Spiel oder im Sport verloren habe aber ich war trotzdem immer glücklich. Meine Emotionen unterdrücke ich seit sie mir von meinen ehemaligen Mitschülern sozusagen "verboten" wurden. Immer wenn sie sahen, dass ich glücklich bin haben sie sich wieder über mich lustig gemacht.

03.01.2012 15:43 • #18


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SorrowMan

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Hallo, Seelenwelt,

nach dem zu urteilen, was und auch wie Du schreibst, bist Du ein sensibler und intelligenter Typ. Als ich in Deinem Alter gewesen bin (vor gut 30 Jahren also), war es für solche Menschen auch nicht unbedingt einfach, aber auf keinen Fall so schwierig wie heute. Obwohl der Begriff "Mobbing" noch nicht existierte, wurde natürlich auch damals gemobbt, doch nicht so heavy wie heutzutage. Die Menschen waren allgemein fähiger, Mitleid zu empfinden, und selbst die übelsten Schläger (in der Schule) kannten irgendwo ihre Grenzen.

Das mit Deinen - wie Du es so nett umschreibst - "Verrücktheiten" kann ich gut nachempfinden, nur sind die in meinem Fall später im frühen Erwachsenenleben etwas ausgeufert. Ich soff, nahm alle verfügbaren Dro. und begab mich in die irrwitzigsten Situationen, um meine Gefühlswelt zu plätten. Mit 16 wäre ich nicht davon ausgegangen, dass es mal so weit kommen würde. Ich finde, dass Du genau den richtigen Schritt unternimmst, um eine solche (oder eine andere) negative Entwicklung abzuwenden. Und weil Du allem Anschein nach den Eindruck erweckst, reifer als die meisten Deiner Altersgenossen zu sein, wirst Du die Sache nach meinem Dafürhalten auch gebacken kriegen .

Gruß, Sorrow

03.01.2012 16:52 • #19


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David Spritz

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Zitat von Seelenwelt:
Das klingt wirklich sehr weise.

Das kommt Dir nur so vor, weil ich 22 Jahre älter bin als Du und meine erste große Krise bereits zum größten Teil hinter mir habe. Von Weisheit bin ich aber noch weit entfernt, sonst müsste ich mich nicht mehr im Depressions-Forum rumdrücken!

03.01.2012 21:40 • #20


Seelenwelt

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@David das mag sein ;)

@sorrow Mit deiner Einschätzung liegst du richtig, ich bin nicht auf den Kopf gefallen. Durch meine seelischen Problem kann ich mein Potenzial nur leider nicht ausschöpfen. Da ich schon beim Aufwachen wirklich null motivation hab und mich den Schultag über nicht auf den Unterricht konzentrieren kann, sind meine Noten im Moment echt mieserabel. Entweder bin ich total kaputt und "down" oder ich verhalt mich wie ein Clown und bekomm überhaupt nichts mehr vom Unterrichtsstoff mit.
In diesen Verrückten/Hyperaktiven Phasen merke ich, dass ich nicht ich selber bin, kann mich aber auch nicht dagegen wehren.

04.01.2012 00:29 • #21


Seelenwelt

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Zitat von Seelenwelt:
verhalt mich wie ein Clown und bekomm überhaupt nichts mehr vom Unterrichtsstoff mit.
In diesen Verrückten/Hyperaktiven Phasen merke ich, dass ich nicht ich selber bin, kann mich aber auch nicht dagegen wehren.


Was mich für die Umwelt eher unreif erscheinen lässt, obwohl es hinter diesem scheinbar sorgenlosen, kindlichen Trugbild vollkommen anders aussieht.
Meine Klassenkameraden und Saufkumpanen geben mir den Titel "Psycho" und ich selber würde mich als einen traurigen, seelisch kaputten Clown bezeichen.

Oben habe ich meine Saufkumpanen erwähnt. Das sind meine so gesehen Freunde, wegen denen ich ausserhalb der Schulpflichten überhaupt mal aus dem Haus komme.

05.01.2012 17:43 • #22


Seelenwelt

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Es ist schon schlimm, wenn man wach ist während alle Anderen schlafen. Jetzt sitz ich hier wieder, höre Musik und philosophiere vor mir hin und morgen, am Tag, selbst wenn ich unterwegs bin oder in der Schule sitze, ist es alles wie ein Traum, ein Schlaf aus dem man nicht mehr erwacht.
Ich weis jetzt schon wie der Tag morgen ablaufen wird. Ein kriechen durch den Alltag, durch das Leid, wieder dieser endlose Kampf gegen die unbesiegbare Kraft die mich unten hält, mich lähmt. Und danach fall ich wieder in mein Bett und verschlafe den Tag. Ich bin zu schwach um etwas zu ändern...

Und das schlimmste von Allem...ich schreibe meinen Kummer hier in einem Forum nieder. Aber helfen kann ich mir nur selber. Ist das nicht erbärmlich? Ich kann mein Selbstmitleid schon selber nicht mehr hören. Es ist einfach so: Ich bin mein größter Feind.

Ich weine gerade seit Langem mal wieder Tränen.

12.01.2012 03:51 • #23


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Gummitwist78

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Zitat von Seelenwelt:

Ich weine gerade seit Langem mal wieder Tränen.


Guten Morgen!
Ich finde das garnicht schlimm wenn du mal weinst.
Einen Rat habe ich nicht wirklich für dich.Aber fühl dich mal.

12.01.2012 10:54 • #24


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Pyxidis

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Lieber Seelenwelt,

Zitat:
Ist das nicht erbärmlich? Ich kann mein Selbstmitleid schon selber nicht mehr hören. Es ist einfach so: Ich bin mein größter Feind.

Ich weine gerade seit Langem mal wieder Tränen


Ich finde Selbstmitleid ganz wichtig. Du machst doch gerade auch eine schlimme Zeit durch, warum solltest Du kein Mitleid mit Dir haben. Hast Du mal überlegt, nicht dagegen anzukämpfen, den Druck rauszunehmen. Ich gebe zu das ist nicht ganz einfach, denn man möchte ja daß es einem wieder gut geht. Aber Dein Körper wehrt sich ja offensichtlich gegen die Leistungsanforderungen der Gesellschaft.

Es soll jetzt nicht dazu führen, daß Du die Schule schmeißt und nur noch im Bett bleibst. Ich verspreche mir davon, daß Du wieder Spaß daran entwickelst was zu lernen. Aber mit Zwang und Druck geht das nicht.

Und ich finde es ganz wichtig, daß Du weiterhin auf Deine Gefühle hörst und Mitleid zu haben ist auch ein Gefühl. Oder willst Du ein funktionierender Roboter werden.

Ich glaube, Du könntest von einer Therapie sehr profitieren. Hast Du diesbezüglich schon etwas in die Wege geleitet?

Alles Gute
Scorpio

12.01.2012 13:58 • #25


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David Spritz

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Selbstmitleid ist vielleicht auch ein bisschen hart ausgedrückt! Aber Mitgefühl oder Sympathie für sich selbst sollte man sich schon ab und zu mal erlauben! Und weinen kann sehr befreiend sein. Sei froh, dass Du das noch bzw. wieder kannst! Als es mir ganz, ganz dreckig ging, konnte ich nicht mal mehr weinen, es war einfach gar nichts mehr da. Bevor ich wieder in *so* einen furchtbaren Zustand gerate, ist es mir sogar lieber, ich würde eine Woche durchgehend nur weinen.

Und erbärmlich finde ich Dich irgendwie überhaupt nicht. Nur verzweifelt, aber das macht Dich irgendwie menschlich und sympathisch, finde ich.

12.01.2012 17:43 • #26


Seelenwelt

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Danke, wie angedeutet habe ich es bis her noch nicht geschafft mich um etwas ärztliches zu kümmern. Halte mich jetzt gerade mit aller Kraft wach und versuche mich nicht hinzulegen. Eben wär ich schon fast wieder eingeschlafen. Umso schwerer fällt es mir in meinem ermüdeten Zustand jetzt noch nen Votrag vorbereiten zu müssen. Aber da muss ich wohl mal durch.

Mit dem Weinen gestern war leider auch kein richtiges Weinen, nur ein paar Tränen. Aber ich sehe das als Anfang meine Emotionen abzulassen, mich sozusagen für mich selbst zu öffnen und mir meine Situatuon einzugestehen.

LG Seelenwelt

12.01.2012 19:13 • #27


Seelenwelt

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Na toll, jetzt hab ich auch noch Stress mit meinen Eltern wegen meinen schlechten Noten. Gespräche mit den Lehrern um von denen zu erfahren, wie man mir helfen könnte. Aber auf die Idee, dass meine Psyche nicht ganz in Ordnung ist kommt keiner. Wahrscheinlich kriegen sie dann nur zu hören: Ihr Sohn träumt nur vor sich hin, ihr sohn wirkt desinteressiert, ihr sohn stört gelegentlich den unterricht, ihr sohn wirkt unglücklich.
Ich könnte ein guter Schüler sein, wenn ich nur mehr tun würde, aber all das erscheint mir einfach nur unwichtig. Und wenn ich irgendwo höre: "Das ist ungesund, davon stirbt man früher." Alk., Zig., Dro.. All diese Dinge schaden einem und verkürzen die Lebenszeit. Aber ist das nicht vollkommen egal, wenn man sowieso nicht mehr leben will?

Der Tod erscheint für mich wie eine willkommene Umarmung. Ich weis wirklich nicht mehr wofür ich überhaupt noch lebe.

12.01.2012 23:39 • #28


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Pyxidis

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Hallo Seelenwelt,

Zitat:
Der Tod erscheint für mich wie eine willkommene Umarmung. Ich weis wirklich nicht mehr wofür ich überhaupt noch lebe


das klingt für mich sehr alarmierend. Such Dir Hilfe, denn die brauchst Du. Ich fürchte alleine kommst Du aus diesem Zustand nicht mehr heraus.

Du kannst auch ohne Einwilligung Deiner Eltern zum Arzt gehen.

Aber tue's bald!

Alles Gute
Scorpio

13.01.2012 11:39 • #29



Hallo Seelenwelt,

x 4#30


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David Spritz

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Das mit den paar Tränen kann tatsächlich ein erster Schritt auf einem längeren Weg der Befreiung sein. Darüber habe ich auch diese Woche mit meinem Therapeuten gesprochen. Er meint, es braucht Zeit, sich wieder zu öffnen, und man soll dies in kleinen Schritten tun.

Ist ja lustig! Die ganze Zeit dachte ich, Du wärst ein Mädchen! Ich weiß gar nicht warum! Aber ist ja auch egal.

Mit Suizidalität hatte ich auch zu kämpfen. Deine Todessehnsucht ist der erste Schritt auf einer Skala, die nach oben sehr weit offen ist. Du solltest daher unbedingt *sofort* handeln, so lange es "nur" die Todessehnsucht ist und noch kein realer Suizidversuch. Gibt es in der Nähe bei Dir ein Krankenhaus? Geh doch mal bitte zur Notaufnahme und frag, ob es dort eine "psychiatrische Krisenintervention" gibt. Dort hilft man Dir sofort, ohne Monate Wartezeit. Schule ist jetzt nicht so wichtig, es geht hier um *Dich*.

Nur hier ins Forum zu kommen reicht nicht aus, Du brauchst dringend einen Arzt. Eins kann ich Dir aber aus meiner persönlichen Erfahrung sagen: Ich habe mir den Freitod auch als willkommene Umarmung und Erlösung vorgestellt. Als ich dann kurz davor war, es zu tun, habe ich aber sehr deutlich gespürt, dass dies ein Irrtum war. Der Tod durch die eigene Hand ist nicht warm und liebevoll, sondern eisig kalt und unendlich einsam. Ich hatte vor meinem geistigen Auge ein ganz klares Bild davon, was mich auf der anderen Seite erwarten würde. Und es war viel, viel schlimmer als alles Leid, das wir in dieser Welt jemals erfahren können. Also vergiss das ganz schnell wieder!

13.01.2012 15:29 • #30

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