Bekomme ich ALG1 ohne Rentenantrag?

Hallo,

ich hoffe hier kann ich mal mein Leid ausschütten, ich weiß momentan nicht wo mir der kopf steht und meine Depression verschlimmert sich täglich.

Ich habe seit 10 Jahren einen Arbeitgeber und bin seit Mai 2012 erneut Arbeitsunfähigkeit.
Ich bin zur Zeit Woche 3 erneut in einer Tagesklinik (das dritte mal in 4 jahren). Nun steuere ich am 12. November aus und habe mich beim Arbeitsamt schon einmal vorsorglich um den Antrag auf ALG1 gekümmert. Auch habe ich es endlich geschafft, auf meine 30% Schwerbehinderung wegen Depressionen gleichzeitig einen Gleichstellungsantrag zu stellen.
FRAGE 1: bekomme ich überhaupt ALG1 nach §125 SGB ohne einen Rentenantrag gestellt zu haben?

Meine Therapeutin wies mich schon vor ca. 1 Jahr darauf hin, ob ich mir eine Teilberentung vorstellen könne. Ich habe das immer weit von mir gewiesen, ich wollte wieder gesund werden. Nun könnte ich es mir jedoch vorstellen, trotz der finanziellen Einbußen. In der Tagesklinik meinte man nun, ich sei ja mit dem Kopf schon ganz woanders als beim gesund werden und ich habe das Gefühl, dass die mich nicht ernst nehmen. Ich habe die letzten Jahre alles gegeben um wieder dauerhaft gesund zu werden, ich kann wirklich nicht mehr täglich 8 Stunden.
FRAGE 2: macht ein Rentenantrag Sinn, wenn eine Klinik das womöglich gar nicht für sinnvoll hält?

Da man ja nach einem jahr ALG1 sofort in Hartz IV fällt, habe ich ein unheimlich gehetztes Gefühl, mich zu irgendwas entscheiden zu müssen. Ich weiß nur nicht zu was. arbeitsfähig bin ich zur Zeit nicht, es wird täglich schlimmer. Es wurden schon Überlegungen angestellt, mich in eine psychosomatische Klinik zu überweisen. Auf der anderen Seite soll/darf ich mir keine Gedanken über die Zukunft machen, sondern soll versuchen gesund zu werden ... mich drückt aber das nur eine Jahr Arbeitslosengeld.

Kann jemand mein Dilemma verstehen? ich komme keine minute mehr in meinem Kopf zur Ruhe, weil ich Angst habe eine Fehlentscheidung zu treffen, weil sich alles dreht in meinem Kopf. Ich habe Angst alles zu verlieren. Eigentumswohnung, Auto alles. Ich glaube dann wäre es ganz vorbei.

Vielleicht mag mir ja jemand Licht ins Dunkel bringen, der Sozialarbeiter der Klinik sagte, er kenne sich damit auch nicht so aus, ich solle doch versuchen erst einmal gesund zu werden. das würde ich sehr gerne, aber die zeit läuft irgendwie weg und ich fühle mich gefangen im paragraphendjungel.

Ich kann mich nicht auf die tagesklinik konzentrieren weil ich Angst habe wieder zu früh arbeiten zu gehen und erneut auszufallen oder irgendwie plötzlich alles wegen hartz IV zu verlieren ... ich habe momentan gar nichts von der tagesklinik :(

Sorry für Tippfehler, mir verschwimmt schon alles vor den Augen.

13.09.2012 16:28 • #1


Albarracin
Hallo milena,

mit Deinen Problemen müssen sich viele Menschen (leider) herumschlagen. Du bist nicht alleine damit.

Frage 1: Ohne Rentenantrag bekommst Du kein ALG I auf Grundlage von § 125 SGB III. Solange Du nach der Aussteuerung noch in der Klinik bist, erhältst Du ohne laufenden Rentenantrag kein ALG I, da Du dem Arbeitsamrkt nicht zur Verfügung stehst. Deswegen könnte ein Rentenantrag schon sinnvoll sein, um "Zeit" zu gewinnen.

Frage 2: Das man Dich nicht ernst nimmt in der Klinik, ist aus der von Dir zitierten Äußerung nicht zu schließen
Zitat:
In der Tagesklinik meinte man nun, ich sei ja mit dem Kopf schon ganz woanders als beim gesund werden

Das beschreibt in Kurzfassung wohl eher Deinen tatsächlichen Zustand: Du hast vor lauter sonstigen Problemen keine Möglichkeit, Dich auf Deine Genesung zu konzentrieren.

Teilerwerbsminderungsrente + Teilzeitarbeit (auf die Du bei erfolgreicher Gleichstellung einen einklagbaren Rechtsanspruch hast bei Deinem alten AG) ist ein bewährtes Mittel, um bei schweren Erkrankungen Beschäftigung zu akzeptablen finanziellen Bedingungen zu sichern bzw. einen leichteren Wiedereinstieg ins Arbeitsleben zu wagen.

Falls Dein Betrieb einen BR/PR oder gar eine SBV hat, solltest Du Dich auch mit denen in Verbindung setzen, wenn es um Dinge wie Teilzeitarbeit geht.

13.09.2012 18:22 • #2


Hallo,

vielen lieben Dank für deine Antwort. Dann weiß ich da schon einmal Bescheid dass ich den Antrag auf jeden Fall stellen sollte. Ich werde das wohl direkt bei der Entlassung tun.

13.09.2012 21:24 • #3


Zitat:
In der Tagesklinik meinte man nun, ich sei ja mit dem Kopf schon ganz woanders als beim gesund werden

Zitat:
Das beschreibt in Kurzfassung wohl eher Deinen tatsächlichen Zustand: Du hast vor lauter sonstigen Problemen keine Möglichkeit, Dich auf Deine Genesung zu konzentrieren.


da ich schon seit nunmehr 4 jahre darunter leide, und ich einfach nicht mehr richtig auf die beine komme (immer nur ca. 10 Monate durchgehalten zu arbeiten trotz depression) habe ich wirklich nicht mehr so die Hoffnung, durch den Aufenthalt in der Tagesklinik diesmal gesund zu werden.

Ich habe es geschafft, den Schwerbehindertenbeauftragten anzurufen. Er wird mir bei der Antragsstellung helfen. Wenigstens ein kleiner Lichtblick. Den antrag auf arbeitslosengeld habe ich zitternd und weinend abgeben müssen, ich habe es nur mit letzter Kraft dort hin geschafft. Aber ich bin froh, die papiere und fristen nicht einfach verschludert zu haben. Ein wenig Fürsorge für mich konnte ich noch mobilisieren. Aber trotzdem muss ich kurz jammern, dass man da ganz alleine durch muss, obwohl man in der tagesklinik schweestern hat die sehen, wie schlecht es einem gerade geht ;( Manchmal denke ich mit meinem naiven kopf noch immer, dass einem dort geholfen wird in form von Unterstützung, aber nein. Ich würde ohne Geld dastehen ab 12.November wenn ich mich da nicht regelrecht hingeschleift hätte ganz allein.

genug gejammert! wollte dir nur kurz sagen, dass ich den tipp mit dem SBB umsetzen konnte. danke.

15.09.2012 23:09 • #4





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