Beide Partner depressiv

Tho

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Ich habe lange überlegt, ob ich dieses Thema hier schreiben soll.

Kurz und knapp:
Während meiner Reha habe ich jemanden kennen gelernt. Uns beiden ist durchaus bewusst, dass eine Reha eine Ausnahmesituation darstellt, alle wurden am Anfang der Maßnahme sogar darauf ausdrücklich hingewiesen und dass eine Beziehung unter Patienten den Erfolg der Maßnahme gefährden bzw. zum sofortigen Abbruch der Reha führen kann.

Zu uns beiden, wir sind beide depressiv und zeigen beide ein SVV, wir führen im Moment eine Fernbeziehung. Trotz der Verliebtheit ist für uns beide die Welt nicht nur rosarot, sondern wir versuchen soweit wie möglich sachlich zu bleiben (wahrscheinlich bleibe ich schon wieder zu sachlich, bzw. grübele zu viel).

Daher meine Frage, hat jemand hier im Forum schon ähnliche Erfahrungen gesammelt, vor allem in Hinblick auf Krisensituationen? Kann ein Partner den anderen unterstützen oder zieht einer den anderen mit runter?

01.05.2011 16:20 • #1


Serafina

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Hallo Tho,

ich habe mal dein Thema hierher verschoben, weil es ja um eine Frage bezügl. der Partnerschaft geht.

Serafina

01.05.2011 17:47 • #2


Bäumchen

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Ich denke dafür gibt es keine richtige pauschale Antwort.

Mein Expartner war oder ist auch krank und an sich ist es gut, weil man versteht halt immernoch am besten wie man sich in bestimmten Situationen fühlt, wenn man selbst mal drin gesteckt hat und kann sich dem entsprechend auch gegenseitig wieder herausholen.

Jedoch kann dies auch den gegenteiligen Effekt haben und wenn man zum Bsp.mal wieder launisch ist auch Streit hervorrufen.

01.05.2011 20:43 • #3


Rainer

Hallo Tho,

ich denke auch, dass es keine pauschale antwort auf deine frage gibt und man diese nicht mit "es geht gut" oder "es geht nicht gut" beantworten kann.

natürlich kann ein selbst betroffener nachempfinden, wie es einem geht, was oft ein angehöriger, der diese gefühle nicht kennt, nicht kann.

mit aus diesem grund ergeben sich oft beziehungen in rehas oder bei stationären aufenthalten.

mein früherer therapeut hatte dazu einen schönen spruch:

es geht immer gut, solange es einem von beiden gut geht und man sich gegenseitig aufbauen kann.

sollte es jedoch beiden schlecht gehen, ist es so, wie wenn sich zwei betrunkene stützen :-)

tho, eine beziehung kann man theoretisch bis ins kleinste detail analysieren.

ob es funktioniert kann man nur herausfinden, in dem man es (praktisch) versucht.

wenn es klappt, dann ist es gut und wenn nicht, dann sollte man dies akzeptieren.

aber das ist auch bei beziehungen der fall, bei dem beide partner "gesund" sind.

01.05.2011 22:10 • #4


Tho

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Hallo Rainer,

uns ist bewusst, dass es keine allgemein gültigen Antworten gibt. Jede Beziehung ist individuell. Ich bin halt an Erfahrungen anderer interessiert, vor allem, was diesen Punkt betrifft:u

Zitat von Rainer:
sollte es jedoch beiden schlecht gehen, ist es so, wie wenn sich zwei betrunkene stützen :-)


Das ist der Punkt, der mir am meisten Sorge bereitet. Momentan sind wir beide mehr oder weniger stabil, also keiner steckt im Loch, es geht auch keinem supergut. Ich habe halt Angst davor, wieder ins Loch zu fallen und meinen Partner mit zu ziehen, bzw. von ihm ins Loch gezogen zu werden. Ich weiß, dass die Erfahrungen anderer in dieser Situation wahrscheinlich nicht helfen, aber ich weiß nicht wie ich mich darauf sonst eventuell vorbereiten könnte.

Bin halt ein sehr vom Verstand geprägter Mensch.

02.05.2011 11:07 • #5


Bäumchen

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@Tho

Ich denke, da musst du mit deiner Partnerin darüber sprechen, wie ihr gemeinsam in Krisensituationen agieren wollt. Sprich eine gemeinsame Lösung dafür finden.

Dies kann zum Bsp, sein, dass ihr euch aus dem Weg geht, wenn der andere mal wieder eine schwierige Phase hat oder Ähnliches.

02.05.2011 12:23 • #6


Tho

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Die Krisensituation ist leider nun eingetreten.

Ich habe nach 3 Wochen meinen Partner endlich wieder getroffen und ich musste feststellen, dass die Symptome der Depression leider schlimmer geworden sind. Wir konnten zwar offen darüber sprechen und er versucht Hilfe zu erhalten (im Moment bekommt mein Partner weder Therapie noch Medikamente), aber ich habe Angst dass diese Hilfe zu spät kommt und ich ihn an die Depression verliere. Ich weiß leider aus eigener Erfahrung wie stark man abstumpfen kann und jegliches Interesse (auch am Partner) verlieren kann.

Ich muss nun aufpassen, nicht selber mit herunter gerissen zu werden. Eine sehr belastende Situation, aber ich möchte meine Partner nicht verlieren.

05.05.2011 19:23 • #7


Tho

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Ich denke, ich habe sie verloren.

Mir geht es gerade nicht besonders gut, sollte schon seit ein paar Stunden schlafen, da ich morgen früh zu Wiedereingliederungsmaßnahme muss/darf.

Was ist das noch für eine Beziehung, wo sie tagelang ihre Ruhe haben möchte, egal wie es mir geht und obwohl sie mal sagte, ich kann jederzeit bei ihr anrufen? Wo sie auf bitten um eine kurze SMS nicht reagiert? Wo ich ihr nicht sagen darf, dass ich sie liebe, da es sie überfordert? Nur auf die Frage, ob ich ihr egal bin, wird sie wütend.

Für mich ist das keine (Fern-)Beziehung mehr, mit guten Willen vielleicht noch eine Freundschaft. Wahrscheinlich aber nicht einmal das.

Überlege, ob ich sie am nächsten Wochenende besuchen fahren soll, oder ob ich ihr nicht einfach schreiben soll, sie soll meine Sachen per Post an mich zurück schicken. Dann hat sie ihre Ruhe. Kann ihr ja einen frankierten Rückumschlag mit schicken (ist nicht viel, passt da rein).

Sorry, musste meinen Schmerz einfach mal los werden. Hoffe finde nun etwas Schlaf.

Das Tho

11.07.2011 00:42 • #8


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Knoten

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hallo tho,

ich denke du interpretierst das verhalten von "ihr" falsch. manchmal ist es wichtig sich vollkommen abzuschotten um wieder kraft zu finden.
wenn du ihr diese ruhe nicht lassen kannst, ist sie mit recht verärgert. auch die frage ob du ihr nichts bedeutest geht in diese richtung. es ist druck den du auf sie ausübst. versuche dich in ihre lage zu versetzen, schau dir die andere seite der medallie an und nicht nur deine.

gib ihr zeit und sag ihr das auch. erwarte keine antwort und kein "ich bin immer für dich da" von ihrer seite. fordere nichts ein was sie dir nicht freiwillig geben kann. du weisst doch selber wie schwierig es für uns ist, anderen immer gerecht zu werden. oder?

lg, knoten

11.07.2011 11:22 • #9


Tho

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Hallo zusammen,

meine Beziehung zu meiner Freundin ist weiterhin schwierig.

Zur Zeit geht es ihr nicht gut, sie soll in einer Fachklinik für das Borderlinesyndrom stationär behandelt werden. Ich schaffe zwar mich so gut es geht abzugrenzen, um nicht selber zurück ins Loch gezogen zu werden, aber das bringt auch eine gewisse Distanz mit sich. Rein von den "Fakten" ist die Beziehung zur Zeit eher eine gute Freundschaft denn eine Partnerschaft.

Hat jemand Erfahrungen mit einem stationären Klinikaufenthalt beim Borderlinesyndrom?

Das Tho.

13.08.2011 17:32 • #10


Tho

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Hallo zusammen,

leider musste ich mich letzte Woche von meine Freundin trennen. Ich bin leider nicht stark genug und wurde durch ihre Krankheit mit in den Strudel gerissen. Zum Glück fiel es mir selber auf, dass ich wieder depressiver wurde, auch hatten mich meine Bekannten auf meinen Stimmungswandel angesprochen.

Es ist mir nicht leicht gefallen. Ich liebe meine Freundin immer noch, zum Glück empfinde ich noch Gefühle, leider (oder zum Glück?) aber im Moment stark gedämpft.

Ich kann nur hoffen, dass bald ihre Therapie beginnt.

Ich möchte sie zurück haben und nicht endgültig an die Krankheit verlieren.

Das Tho

01.09.2011 17:16 • #11


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JeanLucca

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Hallo Tho.

Zitat von Tho:
Es ist mir nicht leicht gefallen.
Das glaube ich Dir gerne und bestimmt untertreibst Du auch Deshalb verdient Deine Entscheidung allen Repekt. Denn ich finde Du hast genau richtig gehandelt.

Zitat von Tho:
Ich möchte sie zurück haben und nicht endgültig an die Krankheit verlieren.
Sehr verständlich. Ich glaube mit dem Weg den Du gehst hast Du die grössten Chancen das sich Dein Wunsch erfüllt.

Zitat von Tho:
Hat jemand Erfahrungen mit einem stationären Klinikaufenthalt beim Borderlinesyndrom?
Ich nicht. Frag doch mal hier in unserem Unterforum dafür. https://www.depression-diskussion.de/bo . um-f7.html

Lieben Gruß und viel Kraft für Dich
JeanLucca

03.09.2011 05:52 • #12


Tho

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Hallo zusammen,

ich habe von der Schwester etwas über meine Ex-Freundin erfahren, was ich kaum glauben konnte. Meine Ex hat gar kein eigenes Kind, sondern das Kind ihrer Schwester als ihres ausgegeben. Das war für mich so unfassbar, dass ich mir ein Foto der Geburtsurkunde habe zumailen lassen. Leider stimmt es aber, auf der Geburtsurkunde steht der Name der Schwester.

Herausgekommen ist das ganze per Zufall, als sich die Schwester für das Geburtstagsgeschenk für ihren Sohn bedankt hat. Wo ich ja dachte, das Geschenk wäre für den Sohn meiner Ex.

Meine Ex meinte, ich solle ihrer Schwester nicht glauben, sie würde ihr immer schon nur schaden wollen. Leider macht das Foto der Geburtsurkunde auf mich keinen manipulierten Eindruck.

Ihre Schwester hatte dann noch einmal Kontakt mit mir aufgenommen und mir erzählt, meine Ex würde sich immer selber als Opfer darstellen um materielle Vorteile zu erhalten (oder einfacher ausgedrückt: sie hätte mich nur ausgenutzt).

Die ganze Geschichte treibt mich leider immer tiefer zurück in die Depression, ohne dass ich bis jetzt einen Weg gefunden habe, dies zu verhindern. Es ist schon ein paar Wochen her nun, aber ich habe jetzt erst die Kraft gefunden darüber zu schreiben.

Das Tho

21.09.2011 19:50 • #13


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JeanLucca

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Hallo Tho.

Zitat von Tho:
Es ist schon ein paar Wochen her nun, aber ich habe jetzt erst die Kraft gefunden darüber zu schreiben.
Das kann ich gut verstehen und mir würde es wohl auch so gehen. Zumindest kenne ich es von mir, dass ich mich verzogen habe wenn ich verletzt wurde und meine Wunden heimlich geleckt habe.

Zitat von Tho:
Die ganze Geschichte treibt mich leider immer tiefer zurück in die Depression, ohne dass ich bis jetzt einen Weg gefunden habe, dies zu verhindern.
Das ist wirklich eine ziemlich schräge Geschichte in die Du da eingebunden bist.

Mein erster Gedanke war, wie ich mich in der Situation fühlen würde. Ich würde unendlich verletzt sein. Sauer. Darüber das sie mir etwas vorgespielt hat. Darüber das sie nicht ehrlich war. Ich würde wütend sein das sie das mit mir gemacht hat. Und ich würde diese ganzen Gefühle nicht zeigen! Verschlucken. Dann würde ich dauernd denken wie ich mit der Situation umgehe - wie ich sie nicht verliere obwohl ich das Verhalten von ihr ablehne. Bei mir wäre das die grosse Angst vor dem Verlassenwerden. Das diese Angst grösser ist als zu meiner Wertevorstellung zu stehen. Ja, so habe ich tatsächlich lange Zeit meines Lebens gehandelt und bin davon krank geworden.

Hast Du jemanden mit dem Du sprechen kannst? Dem Du erzählen kannst wie Du Dich fühlst

Lieben Gruß, JeanLucca

22.09.2011 08:25 • #14


Tho

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Hall JeanLucca,

ja ich konnte schon mit jemanden darüber sprechen. Leider hat es mir bisher noch nicht die Seele leichter gemacht.

Ein Zurück wird es nicht geben, der Vertrauensbruch ist zu groß. Ich bin er der Situation, dass ihre Schwester sie in einem ganz schlechten Licht darstellt. Beweise für diese ganzen Anschuldigungen habe ich keine, von den Fakten kann sowohl ihre Schwester als auch meine Ex mit ihren Versionen der Geschichten die Wahrheit sagen. Ich weiß wirklich nicht wem ich glauben soll.

Dieses Misstrauen frisst sich leider auch in meinen Alltag und lässt mich von den Menschen wieder mehr Abstand nehmen.

Das Tho

22.09.2011 09:13 • #15


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StenDunkan

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Diese Situation ist ja nun wirklich sehr schwierig für dich. Was sagt dir den dein Gefühl wie du handeln sollst? Was wäre ein erster Impuls auf die Frage: 'wem von den beiden glaubst du eher?'

Wenn du nach deiner Inneren Stimme handelst, gehst du auf jeden Fall den Weg den du für richtig hältst.
Ich denke, das du dich abgrenzt und versucht dich sozusagen 'selbst in Sicherheit zu bringen' ist ein guter Anfang. Wenn du an der ganzen Geschichte kaputt gehst ist damit ohnehin niemandem geholfen.

So eine ähnliche Situation kenne ich auch aus eigener Erfahrung und weiß, wenn du zu wenig auf dich selbst achtest, besteht die große Gefahr das alles den Bach runter geht.

Wenn du dich erst einmal für eine Weile zurück ziehst, hast du auch die Möglichkeit die Gesamtsituation mit etwas Abstand in einem anderen Licht zu sehen. Das könnte dir auch helfen Klarheit zu bekommen.

Was mir persönlich sehr genutzt hat: ich habe angefangen Tagebuch zu schreiben - alle Gedanken und Gefühle aufzuzeichnen. Oft kam es dann dazu, wenn ich diese Tagebucheinträge später erneut nach gelesen habe, das ich mich wunderte warum ich manches nicht klarer sehen konnte. Vor allem habe ich mich oft über meine eigenen Gefühle und Gedanken gewundert, welche eingeengt durch die damalige Subjektivität, nicht selten übertrieben waren oder gar an der Realität vorbei gingen.

22.09.2011 11:00 • #16


Tho

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Hallo StenDunkan,

ich weiß wirklich nicht wem von beiden ich glauben soll. Ich habe nur das Gefühl, dass mir die Schwester nicht die ganze Wahrheit sagt. Ich versuche, wie bereits geschrieben, zu beiden den Kontakt zu meiden und sobald ich meine Sachen habe werde ich ihn ganz abbrechen.

Auch wenn ich mich hier im Forum herum treibe, ich bin nicht der Typ, der gerne schreibt. Ein Tagebuch wäre nichts für mich.

Mein Therapeut meint, es wäre das beste wenn ich mich nun in meinen Beruf wieder stürzen würde (bin zur Zeit arbeitslos). Vielleicht lenkt mich das ab, muss es nur schaffen, dass ich mich wieder 8 Stunden konzentrieren kann.

Das Tho

22.09.2011 18:04 • #17

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