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Trennung weil der Partner depressiv ist?

Karolala

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Hallo zusammen!

Nachdem ich meinen Mann nun 7 Jahre kenne und er in den letzten drei Jahren so richtig "schön" in die Depression geschlittert ist (war vor ca. 10 Jahren schon mal in Behandlung deswegen) habe ich langsam die Nase voll!

Letztes Jahr hat er seinen Job verloren und ist dann irgendwann auf mein drängen in eine stationäre Behandlung gegangen. Danach geht es stetig aufwärts (ich habe ja nun andere Menschen zum Vergleich kennengelernt) und trotzdem haben wir immer wieder Hänger durchzustehen. Ich weiß ja, dass es nicht alles wieder gut wird und auch, dass das nicht so schnell geht aber ich fühle mich halt einfach manchmal wie der letzte Mensch.

Letztens sass ich vor ihm und habe geheult und gesagt, dass ich auch nicht mehr kann (denn ausser Wäsche waschen und staubsaugen bleibt alles an mir hängen) hat er nur gesagt, dass ich dann vielleicht auch mal einen Therapeuten aufsuchen müsste...
Oh Mann!

Wahrscheinlich hat er Recht, aber ich finde, dass es ihm doch auch (auch durch mich) manchmal zu einfach gemacht wird. Klar braucht alles seine Zeit und die Seele sieht man nicht bla, bla, bla. Aber mir scheint auch nicht jeden Tag die Sonne aus dem A... und ich finde schon, dass man von einem erwachsenen
Menschen auch mal erwarten darf, dass er sich ein wenig zusammenreißt. Ja, ja, ich weiß, das darf ich von einem Depressiven nicht verlangen - ich muß das aber auch machen!!! Am liebsten würde ich auch nur noch zuhause abhängen, aber das bringt uns dann wohl auch nicht weiter, oder?

Klar ist er ne arme Wurst, aber ich finde manchmal, dass in Foren, Artikeln... immer der Erkrankte als "Unantastbar" hingestellt wird. Ich finde inzwischen, dass die Therapeuten vielleicht auch mal auf den Tisch hauen sollten.

Ich werde mir jetzt in HH mal eine Angehörigengruppe suchen und dann denke ich muss ich mir einfach einen Termin setzen und dann mal an mich denken. Ist halt aber lästig, weil ich es dann schon so kommen sehen, dass ich auch unsere Trennung und Wohnungssuche etc. organisieren kann. Er ist ja krank...

Würde mich freuen zu hören, ob es hier auch Menschen gibt, die auch manchmal hinschmiessen möchten, oder ob es welche gibt die ihren Erkrankten dann verlassen haben.
LG
Karola

13.06.2011 17:28 • #1


Bäumchen

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Zitat von Karolala:
Wahrscheinlich hat er Recht, aber ich finde, dass es ihm doch auch (auch durch mich) manchmal zu einfach gemacht wird. Klar braucht alles seine Zeit und die Seele sieht man nicht bla, bla, bla. Aber mir scheint auch nicht jeden Tag die Sonne aus dem A... und ich finde schon, dass man von einem erwachsenen

Menschen auch mal erwarten darf, dass er sich ein wenig zusammenreißt. Ja, ja, ich weiß, das darf ich von einem Depressiven nicht verlangen - ich muß das aber auch machen!!! Am liebsten würde ich auch nur noch zuhause abhängen, aber das bringt uns dann wohl auch nicht weiter, oder?

Klar ist er ne arme Wurst, aber ich finde manchmal, dass in Foren, Artikeln... immer der Erkrankte als "Unantastbar" hingestellt wird. Ich finde inzwischen, dass die Therapeuten vielleicht auch mal auf den Tisch hauen sollten.


Hallo,
Ich denke darüber anders als Betroffene.

Nur weil jemand psychisch krank ist, muss man nicht alles von ihm fern halten. Die richtige Dosierung macht den Unterschied aus. Vorallem ist in einer Partnerschaft das Geben und Nehmen wichtig und wenn dann immer nur eine Seite gibt und die Andere nimmt, dann funktioniert es nicht auf dauer.

Es ist natürlich klar, dass wenn dein Mann in stationärer Behandlung ist, er sicherlich nicht zu Hause für einen den Haushalt auch noch übernehmen kann, aber wenn er dann zu Hause ist, kann er sicherlich auch das andere tun ohne dass es aufdringlich wirkt. Bei mir und meinem Freund funktioniert es sehr gut, in dem wir zum Bsp. wenn er hier ist, den Haushalt zusammen machen, sprich er geht mir zur Hand beim Kochen oder wenn ich die Wäsche hole, legt er sie mit mir gemeinsam zusammen ohne mich dabei wie ein rohes Ei zu behandeln.

Sicherlich gibt es bei mir auch Phasen, wo ich einfach mich zu nichts aufgerafft bekomme und einfach auch mal der Haushalt liegen bleibt, aber dann ist es halt so und keiner regt sich darüber auf, so lange es nicht für immer so bleibt. Sich gegenseitig Vorwürfe zu machen bringt da einen sicherlich nicht weiter. Dann wird halt das Essen mal bestellt, statt selber gekocht und die Wäsche kann auch mal 2 Tage warten.

Ich drück dich mal aus der Ferne und schieb dir eine Portion Kraft rüber

13.06.2011 18:21 • #2


ellhoo

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Hallo Karola,

ich kann dich sehr gut verstehen und habe eine Ahnung wie du dich fühlen musst.

Ich habe etwas ganz ähnliches durchgemacht, mein damaliger Freund war auch depressiv und hat eine stationäre Behandlung gemacht, in die ich auch große Hoffnung gesteckt habe. Nach der stationären Therapie hat er dann die noch eine ambulante Therapie gemacht.

Ich hatte aber das Gefühl, dass sich bei ihm gar nichts getan hat, er einfach auf einem Level stehen geblieben ist. Vielleicht habe ich auch den Fehler gemacht und ihm zuviel abgenommen und in Watte gepackt. Ich habe Vollzeit gearbeitet und war jeden Tag ca. 12 Stunden aus dem Haus und habe mich dann noch fast alleine um den Haushalt gekümmert, weil er sich nicht in der Lage dazu fühlte.

Ich habe mich um alles gekümmert und mich dabei vergessen, habe nur noch für Arbeit und Haushalt gelebt. Das ganze endetet dann mit einem Hörsturz, der zum Glück nicht sehr schlimm war, mir aber doch gezeigt hat, so gehts nicht weiter. Irgendwann war ich dann an einem Punkt an dem ich nicht mehr konnte und habe mich dann erstmal selber in die Hände eines Therapeuten begeben. Mit seiner Hilfe habe ich dann erkannt, dass es so nicht mehr weiter gehen kann und so kam es dann zur Trennung.

Es ist mir nicht leicht gefallen, diesen Schritt zu gehen, denn so musste ich ihn ja auch gehen lassen und ich war mir absolut nicht sicher, ob er das schafft. Aber es war für mich der einzige Weg mich selbst wiederzufinden, wieder zu mir zu finden.

Aber jeder ist da unterschiedlich, ich habe mich mit runterziehen lassen, habe mich für ihn aufgeopfert und auch lange Zeit nicht erwartet das was von ihm zurückkommt, aber irgendwann braucht jeder Mensch mal was zurück. Und wenn das nicht passiert, muss man Konsequenzen ziehen, auch wenn es einem schwer fällt. Ich hatte das Gefühl meinem Freund zu verraten, schließlich habe ich ihm ja zu Beginn gesagt, dass ich das alles mit ihm durchstehe und mir war bewusst, dass das nicht immer einfach wird, aber so schwer hätte ich nicht gedacht.

Auch wenn es bei mir nicht geklappt hat, wir es nicht gemeinsam geschafft haben seine Depression durchzustehen, heißt das nicht, dass es immer so laufen muss. Bei uns hat es nicht sein sollen. Wichtig ist nur, dass du dich selbst nicht verlierst und du dir selbst treu bleibst. Höre in dich hinein.

Im nachhinein, weiß ich, ich hätte ihm mehr zutrauen sollen und nicht immer versuchen sollen alles vom ihm fernzuhalten, was ihn belasten könnte und dazu gehören auch die eigenen Gefühle.

Ich drücke euch die Daumen.

Ellen

13.06.2011 21:19 • #3


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Trefusis

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Liebe Karolala,

diese Geschichte kommt mir sehr bekannt vor und somit kann ich mit dir mitfühlen.

Mein Ex-Freund, mit dem ich insgesamt knapp 2 1/2 Jahre zusammen war, war - wie ich - depressiv.
Wir waren auch örtlich zusammengeschweisst, denn wir verbrachten unsere Zeit in der selben Berufsausbildung und ausserdem lebten wir im selben Internat (wenn auch in diversen Gebäuden).
Am Anfang war noch alles gut, aber es wurde schlimmer und schlimmer.
Ich erinnere mich nur ungern an die unzähligen Besuche, die ich bei ihm machen wollte und er hat mich immer weniger empfangen. Er hat einfach die Tür abgeschlossen, mich sowie seine Freunde weder erwidert noch von selbst kontaktiert. Das konnte tagelang so gehen, mal auch ein-zwei Wochen lang und jedesmal, wenn ich merkte, dass er zum x-ten Male unentschuldigt in der Arbeit fehlte, tat es weh.
Vorbei die Zeit, als ich mich noch drauf freuen konnte, ihn zu sehen.
Auch an Geburtstagen verhielt er sich oft so.

Klar, er machte das nicht einfach nur so und ich verstand das ja, immerhin hatte und habe auch ich Depressionen. Nur gehe ich damit eben anders um und er kapselte sich mit der Zeit immer mehr ab.
Ich hab so ziemlich alles versucht, um ihn aus seinem Loch rauszuholen. Ich habe dabei auch versucht, nicht als aufdringliche Stalkerin, die niemanden in Ruhe lässt, daherzukommen. Doch die Mühe war oft umsonst. Es war ein Trauerspiel. Ich bot ihm an, mit mir über alles, was ihn bedrückte, zu reden (und selbst, wenn er einfach jemanden zum Zuhören brauchte). Ich blieb in Kontakt mit seinen besten Freunden und therapeutischen Betreuungspersonen, um so evtl. einen Erfolg erzielen zu können. Oft habe ich Briefe unter seinen Türschlitz in sein Zimmer geschoben. Keine Ahnung, ob er sie je gelesen hat.

Jedenfalls waren sehr schmerzhafte lange Episoden dabei. Ich habe den Glauben zwar nicht aufgegeben, dass eine Beziehung zwischen zwei Depressiven immer noch funktionieren kann, aber auch ich hatte da leider Pech. Ich möchte nicht wissen, wie es in einem gemeinsamen Haushalt ausgesehen hätte mit uns beiden.

Also, liebe Karolala, tut mir leid, wenn ich dich mit dieser Geschichte bombadiere, aber ich wollte nur, dass du weisst, dass es anderen Menschen in einer Beziehung so geht. Dass sie sich anstrengen und dabei Rückschläge erfahren müssen.
Ich kann nur hoffen, dass es mit euch irgendwann bergauf geht und deine Mühen wertgeschätzt werden. Aber verzichtet weiterhin nicht auf Hilfe von aussen.

18.06.2011 11:14 • #4


kelvin

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Laut Deiner Zeilen, scheinen "2 Welten" aufeinanderzustürzen.

Zitat:
Letztens sass ich vor ihm und habe geheult und gesagt, dass ich auch nicht mehr kann (denn ausser Wäsche waschen und staubsaugen bleibt alles an mir hängen) hat er nur gesagt, dass ich dann vielleicht auch mal einen Therapeuten aufsuchen müsste...

Dein Mann.... der sich selbst hängen lässt, keine Motivation für Nichts finden mag. Zumindest dann, wenn seine Worte getreu sind, wie Du sie geschrieben hast.

Zitat:
Menschen auch mal erwarten darf, dass er sich ein wenig zusammenreißt. Ja, ja, ich weiß, das darf ich von einem Depressiven nicht verlangen - ich muß das aber auch machen!!! Am liebsten würde ich auch nur noch zuhause abhängen, aber das bringt uns dann wohl auch nicht weiter, oder?

Unverständnis auf Deiner Seite. Weil auch Du schwere Zeiten offenbar durchleben musst.


Die erste Frage, die sich mir stellt: gibt es bei euch noch ein Zusammenleben? Sprich: gegenseitige Unterstützung, Anteilnahme, ... Respekt... sprich: gleichgestelltsein
Eher nicht, oder?


Zu Deinem Mann: versuche wirklich mal 4 Wochen nichts zu tun. Alle Verantwortung von Dir fernzuhalten. Probleme!? - Macht nichts, bleibe einfach liegen.
Mit der Zeit wird Dein Selbstwertgefühl im Nichts verschwinden. Antriebslosigkeit ist vorprogrammiert und Träume verblassen. "Schön" ist etwas Anderes. Vor allem dann, wenn auch an die Auslöser des Verhalten sich nicht rangewagt wird. Und wenn dann noch so Sprüche kommen, wie "Reiß Dich mal zusammen"... wird es was in den wenigsten Fällen helfen. Das zumindest ist meine Erfahrung.

Vielleicht kann auch eine Paartherapie hilfreich sein. Damit ihr euch aussprechen könnt - vorausgesetzt, dass noch immer eine Liebe vorhanden ist. "Die Liebe" wird es nicht mehr sein, weil es dafür kein richtiges Miteinander mehr zu geben scheint. Falls ihr aber an die Zeit anknüpfen wollt, wo die Liebe... der Antrieb plötzlich zerbrach, dann lernt euch neu kennen. Jeder für sich und ihr euch gegenseitig.

Vor allem: Dein Mann sich selbst. Grundbedürfnisse kennenlernen, Selbstbewusstsein aufbauen. Stärken und Schwächen finden.... damit das Selbstbewusstsein stabil bleiben kann. Und dass vielleicht in einer längeren stationären Therapie, damit ihr auch einen Abstand zueinander gewinnen könnt. Ob die Zeit zu lang war oder ihr doch noch einander vermisst und bereit seid, eine neue Chance zu wagen.

Hoffentlich könnt ihr gemeinsam ein neues Leben aufbauen.


PS: Insgesamt handel aber bitte (natürlich) so, wie Du es für richtig hälst und für Dich "stimmig" ist. Wut kann lähmen... manchmal aber auch antreiben. Es kommt darauf an, wie viel Mut noch in der Person steckt. So, wie Du es schreibst, ist Wut allerdings eher Gift für ihn, da er gar keinen Halt zu scheinen hat. (Alk., Fernseher, ect. ist kein Halt, sondern Flucht). Trotzdem brauchst Du nicht verständnisvoll bleiben, wenn Du das nicht fühlst. Dann aber ist eine Trennung die bessere Variante, damit er sich vielleicht doch noch in eine ggf. Langzeittherapie begeben wird.


Zudem: "Reiß Dich zusammen"... das ist eine Redewendung, womit keinerlei "Werkzeuge" genannt wurden....
Situationen/Krisen besser auszuhalten, dazu bedarf es jedoch Selbsterfahrungswerte, die innerhalb einer Therapie/Klinik/Selbsthilfegruppe gesammelt werden können....

18.06.2011 14:37 • #5


Kämpfer

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Hallo,
ehrlich gesagt war ich ganz schön betroffen, als ich Deine Zeilen gelesen habe.
Betroffen deswegen, weil ich es zum kleinen Teil nachempfinden kann, aber zum größten Teil nicht.
Mein Partner ist seit über 20 Jahren depressiv, mal mehr, mal weniger ---- ich hatte auch zig mal den Wunsch und den Gedanken abzuhauen, alles hinzuschmeißen und zu flüchten ---- getan, ghabe ich es nicht.
Ich liebe ihn und werde es zusammen mit ihm durchstehen, auch wenn es nicht einfach ist.
Ja, als Partner wird man mehr als einmal an seine Grenzen gebracht, man fühlt sich hilflos, wütend, traurig und unendlich alleine --- aber es gibt einem auch ausreichend Kraft, um weiter zu machen.
Ich bin durch die Hölle gegangen, aber ich habe ihn auch immer mit dem Herzen gesehen und die Liebe war nie weg, was auch sehr viel ausmacht.
An besonders schlimmen Tagen, habe ich Rotz und Wasser geheult, habe überlegt, wo ich hinrennen kann und dann habe ich dieses Forum gefunden!
Ich habe für mich einen Weg gefunden, einen gewissen Abstand zu dieser Krankheit zu bekommen, der Weg dorthin war sehr lang und steinig, aber es hat sich gelohnt.
Ja, ich mußte und muß vieles mit mir selber ausmachen, den Alltag alleine bewältigen, Probleme so herunter brechen, das es für ihn aushaltbar ist und manches gar nicht erst ansprechen --- es ist nicht leicht, aber es hat mich auch in gewisser Weise nach vorne gebracht.
Das Leben mit einem psyisch kranken Menschen ist alles andere als einfach, aber es gibt auch gute Zeiten und die bauen mich immer wieder auf.
Ja, wir gesunden Menschen werden gefordert und keiner verschont uns von und mit den Alltagsproblemen, aber ich persönlich, will auch gar nicht geschont werden ---- ich will leben, mit allen was da zu gehört.
Ich muß vieles für ihn mitentscheiden, manches alleine erledigen und manchmal hätte ich so gerne einen starken Menschen an meiner Seite ---- aber es ist nun mal nicht so.
Stark finde ich meinen Partner trotz alledem, denn wer hält schon über 20 Jahre so ein seelisches Tief aus ---- ich weiß nicht, ob ich es schaffen würde.
Vielleichtkannst Du ja auch einen Weg finden, der Dir so einiges leichter macht und vielleicht schaffst Du es auch, die Krankheit, als Krankheit zu sehen ----- ich wünsche Dir, jede Menge Kaft dazu,
es grüßt Dich
Kämpfer

18.06.2011 17:57 • #6


Karolala

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Hallo zusammen!

Ja, es ist wohl inzwischen eher Verantwortungsbewußtsein, dass mich hier verharren läßt...

Und die Faulheit an der Situation etwas zu ändern - ist halt ja einfacher zu jammern...

Wahrscheinlich muß ich tatsächlich an der Situation etwas ändern - er wird es ja nicht... (Ich hab halt dann aber schon jetzt den Gedanken, dass ich dann ja auch seinen Umzug/Auszug regeln kann, weil er wird hier in der Wohnung sitzen bleiben bis man ihn rausträgt. Da er außerdem schlecht mit Geld umgehen kann bin ich ja als Verdiener auch noch für ihn haftbar - sicher, sind Ausreden und Vorstellungen, die noch nicht bewiesen sind. Sie vermitteln mir aber kein gutes Gefühl.

Schlimm ist halt für mich, dass er mit den Leuten, mit denen er in der Klinik war z. B. auf Konzerte/Flohmärkte etc. gehen kann und bei mir dann die Panik schiebt (hat nämlich auch Angst vor Menschen und Panikattacken). Das läßt mich dann halt auch daran zweifeln, ob ich wirklich eine Hilfe bin. Wahrscheinlich mache ich ihm auch Angst, weil ich ja soooo tough bin... Bin ich ja auch nur, weil wir sonst zwei Häufchen Elend wären...

So, genug gejammert... Schönen Abend!

18.06.2011 22:00 • #7


Sonnenblume20

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Hallo Karolala,

aus Deinen Beiträgen ist deutlich herauszulesen, dass Du ziemlich wütend auf Deinen Mann bzw. die Depression bist.
Ich schreibe jetzt hier nicht als Angehörige, sondern als Betroffene, kann aber auch nachvollziehen, dass es Angehörige oftmals schwer haben.

Manche Aussagen von Dir finde ich aber nicht so fair.

Zitat von Karolala:
und ich finde schon, dass man von einem erwachsenen

Menschen auch mal erwarten darf, dass er sich ein wenig zusammenreißt.

Eine Depression entsteht langsam und schleichend. Glaub mir, dass sich ein depressiver Mensch vor Ausbruch der Krankheit schon ziemlich oft und immer wieder zusammen reißt, vielleicht auch währenddessen noch. Aber gerade das "Zusammenreißen" funktioniert in bestimmten Stadien der Krankheit (auch wenn der Mensch erwachsen ist) nicht mehr. Ich schreibe das aus eigener Erfahrung.
Und das immerwährende Zusammenreißen, obwohl es einem schon nicht gut geht, kann dazu führen, dass es einem stetig schlechter oder eben auf Dauer auch nicht besser geht.

Wie die Situation mit Deinem Mann genau ist, kann ich ja nicht beurteilen, dafür weiß ich fast nichts über Euch, aber ich wollte hier einfach auch mal aus Sicht einer Betroffenen schreiben.

Zitat von Karolala:
aber ich finde manchmal, dass in Foren, Artikeln... immer der Erkrankte als "Unantastbar" hingestellt wird.

Vielleicht hast Du das aus Deiner Wut heraus geschrieben, aber kein Erkrankter ist unantastbar. Und es gibt auch ganz viele verschiedene Stadien dieser Krankheit. Wenn es ganz schlimm ist, dann ist der depressive Mensch gar nicht belastbar und kann nicht viel bewältigen. In anderen Stadien ist er vielleicht wieder belastbarer, das hängt ganz von seinem Zustand ab.
Es ist natürlich oft nicht nachvollziehbar, weil man die Depression körperlich "nicht beweisen" kann, sie ist von außen nicht zu sehen. Deswegen ist dieses "Nichtkönnen" für außenstehende natürlich schwer nachzuvollziehen.
Um mal einen Vergleich zu ziehen: einen Menschen mit gebrochenem Bein schickt man ja auch nicht zu einem Marathonlauf.

Aber glaub mir, ich als depressiver Mensch bin in meiner zeitweise "Nichtbelastbarkeit" nicht glücklich, eher sehr unglücklich, denn ich würde sehr gerne ganz in meiner Kraft stehen und alles im Alltag immer bewältigen können.

Zitat von Karolala:
Ich finde inzwischen, dass die Therapeuten vielleicht auch mal auf den Tisch hauen sollten.

Was Du genau jetzt damit meinst, das könntest Du ja vielleicht nochmal beschreiben. "Meinst Du, mit der Keule drauf und womöglich mit dem Satz: "Jetzt reißen Sie sich doch auch mal zusammen?"
Glaub mir, wenn das funktionieren würde, dann würde man das auch tun! Aber genau über diesen Satz habe ich ja weiter oben schon geschrieben.
Kein Therapeut packt einen depressiven Menschen unnötig in Watte. Je nachdem wie der aktuelle Zustand ist, wird der Patient langsam wieder dahin geführt, dass er mit der Zeit immer mehr Aufgaben erledigen kann.
Aber das geht auch nur langsam und oft auch mit zwischenzeitlichen Rückschritten, leider, auch wenn es für einen, der die Krankheit noch nicht am eigenen Leib erlebt hat, nicht nachvollziehbar ist. Bei einer Depression braucht man viel Geduld. Es gibt kein Zeitraster, wann ein Mensch dann wieder gesund ist.

Ich habe, wie ein Vorschreiber, bei Dir auch das Gefühl, dass Du die Krankheit Deines Mannes nicht akzeptieren oder annehmen kannst.
Und natürlich musst Du auch für Dich sorgen. Wenn tatsächlich die Liebe erloschen ist, oder der Zustand für Dich nicht mehr aushaltbar ist, dann sorge für Dich und ziehe nötigenfalls die Konsequenzen.

18.06.2011 22:56 • #8


Karolala

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Hallöchen!

Natürlich ist es so wie ihr es beschrieben habt. Der Depressive kann nichts dafür. Das weiß ich ja.

Ich finde halt, dass er mit vielen Dingen allein gelassen wird bzw. darauf gebaut wird, dass da irgendjemand ist der ihm hilft. Ich möchte seine Partnerin sein und nicht seine Krücke oder seine medizinische Assistenz. Z. B. wurde er aus der Klinik entlassen ohne einen Anschlusstherapeuten zu haben. Ich hatte ihn 3 Wo vor der Entlassung schon gebeten, dass er den Ärzten sagt sie sollen sich doch bitte für ihn drum kümmern bzw. mir sagen was zu tun ist damit ich da was arrangieren kann. Er wurde dann mit einer Liste von ca. 200 Ärzten in unserer Stadt entlassen und dem Hinweis, dass er die doch mal abtelefonieren soll - wie ihr wisst sind Depressive ja gradezu hochmotiviert und das ja auch, wenn sie 198 Absagen bekommen, weil erst in 4 Monaten wieder was frei ist. Glücklicherweise hat seine Krankenkasse so einen Modellversuch, dass er dann nach 6 Wochen einen Therapieplatz hatte. Da war natürlich ein Grossteil der Motivation aus der Klinik weg...

Jetzt hat er 1x pro Woche Therapie und den Rest lebt er mein Leben (aufstehen, duchen, frühstücken, abendessen, fernsehen allein oder zu zweit = weil abends spazierengehen oder so will er ja nicht..., Bett) mit. Die, die mit ihm in der Klinik waren und ohne Partner sind haben teilweise fast gar keinen Rhythmus mehr... Da weiß ich ja dann wieder, dass es ihm gut geht bzw. besser als anderen. Ist nur auch nicht toll sich immer mit Menschen zu messen denen es schlechter geht als einem selbst.

Es stimmt, dass ich die Krankheit nicht akzeptieren kann bzw. kann ich einige Auswüchse nicht akzeptieren. Wenn ich frage "machen wir ..." sagt er freudestrahlend ja" bis zum Tag der Aktion sagt er selbst von sich aus, dass er sich drauf freut und an dem Tag geht es ihm dann schlecht und wir können die Sache nicht machen. Das finde ich mir gegenüber unfair! Mehrfach habe ich ihm schon gesagt, dass er doch dann von Anfang an sagen soll, dass er unsicher ist. Dann freue ich mich wenigstens nicht drauf sondern warte ab. So sagt er ja und ich denke dann doch "mal sehen, ob das was wird"

Naja, mal sehen was die Zeit bringt

LG

19.06.2011 10:44 • #9


Kämpfer

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Hallo,
ich habe das Gefühl, das Du mit einer gewissen Eifersucht zu kämpfen hast ----- Dein Partner ist krank und nicht belastbar -- Du bist gesund und mußt vieles alleine schaffen!
Ja, das ist alles andere als gut, aber auch nicht so unlösbar.
Schaue mal in Dich hinein, fühlst Du noch Liebe in Dir?
Mein Partner macht auch Zusagen, die dann nicht eingehalten werden, ich habe mich daran gewöhnt, er macht das, was er leisten kann ---- an manchen Tagen nichts, an anderen Tagen viel!
So lange Du seine Erkrankung nicht akzeptieren kannst, so lange wirst Du kämpfen müssen!
Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und Zuversicht, ich habe gemerkt, das ich, seit ich nicht mehr kämpfe, wesentlich leichter mit der Situation umgehen kann,
es grüßt Dich
Kämpfer

19.06.2011 12:03 • #10


Sonnenblume20

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Zitat von Karolala:
Ich möchte seine Partnerin sein und nicht seine Krücke oder seine medizinische Assistenz.

Das ist gut zu verstehen, denn vor der Krankheit warst Du eine Partnerin und er Dir ein Partner, dem eben noch alles möglich war.
Jetzt ist es nicht mehr so und das tut weh bzw. macht Dich auch ein Stück weit wütend, weil vieles an Dir alleine hängen bleibt.
Wenn einer in einer Partnerschaft krank wird, bleibt leider einiges an dem anderen hängen. Da würde dann der Satz greifen: "In guten wie in schlechten Zeiten".
Das ist sicherlich eine große Belastungsprobe für die Partnerschaft.
Und Du musst jetzt schauen, ob das für Dich tragbar ist.

Zitat von Kämpfer:
Schaue mal in Dich hinein, fühlst Du noch Liebe in Dir?

Das ist ein guter Ansatzpunkt, vielleicht hilft Dir das weiter, zu entscheiden, möchte ich das noch mit tragen, weil ich ihn liebe, oder ist da gar kein Gefühl mehr für ihn.

Zitat von Karolala:
Mehrfach habe ich ihm schon gesagt, dass er doch dann von Anfang an sagen soll, dass er unsicher ist.

Das ist ein Punkt, wo ich Dir recht gebe. Ich habe zwar keinen Partner, aber doch ein paar Leute um mich herum, die auch mal was mit mir machen wollen. Ich habe die meisten Leute über meine Krankheit aufgeklärt und so treffe ich in schlechten Zeiten Verabredungen immer mit einem Fragzeichen. Ich sage von vornherein, gerade wenn ich mich festlegen soll, ob ich ein oder zwei Wochen später etwas machen soll, dass ich gerne mitmachen würde, aber nicht weiß, wie es mir in einer Woche so geht. Und dass ich zur Not kurz vorher absagen muss, wenn ich merke, dass es eben nicht geht.

Das haben eigentlich alle akzeptiert.
Wenn Du aber doch um die Auswirkungen der Krankheit, auch wenn Du sie nicht akzeptieren kannst, weißt, dann könntest Du doch für Dich sorgen, indem Du für den Notfall, wenn es bei Deinem Mann dann nicht geht, mit einer anderen Person das, was Du gerne machen wolltest, unternimmst.

Zitat von Karolala:
Es stimmt, dass ich die Krankheit nicht akzeptieren kann bzw. kann ich einige Auswüchse nicht akzeptieren

Zu verstehen ist das ja, weil es die Partnerschaft doch einschränkt, aber wenn Du die Krankheit nicht mit allen Facetten akzeptierst, dann werdet ihr beiden es immer schwer haben. Für Deinen Mann wird es auch nicht leicht sein, wenn er merkt, eigentlich akzeptierst Du ihn mit der Krankheit nicht.Für ihn wird es sich so anfühlen, dass Du IHN als ganzes nicht akzeptierst, denn die Krankheit gehört im Moment zu ihm, die kann er nicht abschütteln.

Wenn ich merke, dass meine Mitmenschen meine Krankheit nicht akzeptieren, mich womöglich dafür verurteilen, dann ziehe ich mich von denen zurück. Denn ich kann, auch wenn ich es noch so gerne würde, im Moment nicht die sein, die sie gerne hätten. Die Erwartungen, die "nichtbetroffene" an mich haben, kann ich leider nicht erfüllen.

19.06.2011 13:28 • #11


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JeanLucca

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Hallo Karolala.

Du beschreibst ja ziemlich Eindrucksvoll wie Du Dich als Angehöriger fühlst. Ich kann Dich schon verstehen und mich ein Stück weit reinfühlen. Nun bin ich zwar selbst ein Betroffener und lebe nicht in einer Beziehung. Aber ich habe tatsächlich schon mal darüber nachgedacht wie es bei mir wäre wenn ich meinen Partner pflegen müsste. Das kommt daher, weil ich beruflich damit zu tun habe und sehr viel Kontakt mit pflegenden Angehörigen habe. Die Frage hat sich für mich erstmal erledigt, da ich aus anderen Gründen jetzt keinen Partner mehr habe.

Zitat von Karolala:
Ich möchte seine Partnerin sein und nicht seine Krücke oder seine medizinische Assistenz.
Total verständlich. Die Krankheit hat ja ungefragt eine Säule der Partnerschaft um ein gutes Stück verschoben. Niemand wird auf so einen Fall vorbereitet. Erst wenn es soweit ist muss "man" sich damit auseinandersetzen. Erst dann zeigt sich was die Partnerschaft aushält.

Ich kann mir auch gut vorstellen wie zermürbend es ist wenn man das Gefühl hat ständig zu geben und nur Verletzungen zurückbekommt. Irgendwie herrschen ja noch Erwartungen an eine funktionierende Partnerschaft wie sie einmal war. Und die Hoffnung das es wieder so sein wird. Wie gesagt, ich habe keine Erfahrung als Angehöriger - ich stelle es mir nur vor.
Die Krankheit Deines Mannes anzunehmen ist das Eine, die Konsequenz im Alltag zu ertragen ist das Andere. Ich glaube Du liebst ihn noch und wirst einen Weg für Dich finden die Beziehung auf eine andere Säule zu stellen mit der Du leben kannst. Du bist ja gerade dabei.

Jetzt hab ich soviel geschrieben, und dabei wollte ich von einem Erlebnis berichten. Ich sehe grad das Sonnenblume20 es genauso sieht. Ich habe meinem Vater von meiner Krankheit erzählt. Erst war er sehr verständnisvoll, aber auch unsicher. und dann hat er irgendwann gesagt: "Mensch, Du bist doch ein erwachsener Mann" Tjoa, das hat mich ziemlich verletzt und ich habe mich bis Heute von ihm zurückgezogen. Ich kann einfach die bisherigen Erwartungen nicht erfüllen und möchte nicht verletzt werden. und ich möchte nicht schuldig sein das ich Krank bin.

Ich wünsche Dir viel Kraft

Liebe Grüsse, JeanLucca

19.06.2011 14:00 • #12


Ex-Mitglied

04.10.2019 09:33 • #13


Ex-Mitglied

Hallo und guten Morgen,
ich kann dir nicht sagen, was du tun sollst . Ich weiß aber aus eigener Erfahrung, dass Beziehungen oftmals in Phasen verlaufen. Vielleicht hat er eine dunkle Zeit, die wieder vorübergeht. Vielleicht ist es auch so, dass etwas in ihm hochkommt, dass auf seiner Seele schon lange liegt. Liebe kann helfen . Wenn du überfordert bist, spürst du die Liebe vielleicht gerade nicht mehr. Tu etwas für dich. Das ist wichtig. In solchen Lebenssituation - ähnlich deiner - bin ich mehr am beten, als sonst. Beten . Gespräche mit Gott. Aber ich weiß nicht, ob du das auch tust.
Was helfen könnte: gute Gedanken. Aufbauende Gedanken . "Ich schaffe das". "Ich gebe ihm Zeit zu heilen" "Ich liebe mich" "Ich gebe uns eine Chance"
Es heißt nicht umsonst : in guten, wie in schlechten Zeiten.
S. ist wichtig. Aber vielleicht kannst du eine Weile verzichten. Dass man eher einen starken Mann toll und anziehend findet, ist klar. Liebe sieht aber ins Herz . Schau in dein Herz .
Ich wünsche dir Kraft zu bestehen, Liebe im Herzen, um (euch beide) zu heilen .
Alina

04.10.2019 11:06 • x 1 #14

Pfeil rechts




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