Auswahl der richtigen Therapie

Hallo,

ich habe mich nun endlich entschieden, eine Therapie zu machen, um meine sozialen Phobien anzugehen. Dabei habe ich nun mehrere Erstgespräche wahrgenommen. Bei allen Therapien wird es in Richtung Verhaltenstherapie gehen und erste Diagnosen wurden in Richung soziale Phobien (Verdacht) gestellt.

Nun muss ich mich kommende Woche für eine Therapie entscheiden, bin mir aber sehr unsicher, auch weil ich bisher keine Erfahrungen mit Therapien habe.

Therapieplatz 1:
Hier hatte ich bisher drei Gespräche, in denen vor allem Anamnese gemacht worden ist (also auch Ausfüllen und Besprechen der klassischen Fragebögen). Ich konnte viel von mir und meinen auch akuten Situationen erzählen, die Therapeutin hat mir allerdings dann trotzdem auch so Standardfragen gestellt, einfach um alles abzuwägen (also auch im Bereich der Zwänge z.B., depressives Verhalten etc.).
Zur Therapeutin konnte ich sofort ein ziemlich vertrautes Verhältnis aufbauen, sehr sympathisch und wir sind auch von unserem Humor her auf einer Wellenlänge. Vorausschauend wird es eine Langzeittherapie werden, bei der wir vor allem viel sprechen und dann gucken müssen, an welchen Stellen gearbeitet werden kann.
Die Therapeutin hat mir einen Platz angeboten, hätte also Kapazitäten - aber ich müsse bald Bescheid geben.

Therapieplatz 2:
Hier gab es bisher nur zwei Termine. Dabei hatte die Therapeutin ein etwas anderes Vorgehen. Auch hier konnte ich viel von mir erzählen und meine aktuelle Situation schildern. Die Therapeutin ging dann danach oft in eine Metaebene und hat mich versucht aus ihrer Sicht zu spiegeln (Wie sieht sie mich, wie schätzt sie meine Probleme ein). Im zweiten Gespräch hatte ich ein sehr akutes Probleme, was ich ihr schildern musste (Beziehungskonflikt), so dass wir direkt darüber gesprochen haben und es erstmal keine Anamnese an sich gab. Im Gegensatz zur ersten Therapeutin hat diese hier mehr von ihrer Methodik gezeigt und mit mir bereits an Sachen gearbeitet, ist mit mir Konzepte durchgegangen.
Wenn ich mich für diesen Platz entscheide, würde es dann die kommenden Wochen mit Anamnesegesprächen/Fragebögen weitergehen und dann ab Februar wahrscheinlich mit der richtigen Therapie (auch Langzeittherapie). Hier hat mir die Therapeutin in Aussicht gestellt, dass es eine Mischung aus Einzeltherapie und Gruppentherapie sein wird - Gruppe, um mich auch zu konfrontieren mit meinen Ängsten und etwas offener zu werden. Die Therapeutin scheint etwas ganzheitlicher zu sein und in Richtung Embodiment zu gehen.

Aus den Konzepten und Gesprächen der zweiten Therapeutin konnte ich mir bisher mitnehmen, was natürlich daran liegt, dass wir wenig Anamnese und mehr konkret gearbeitet haben schon. Von der Sympathie her liegen beide gleich, wobei ich mit der ersten Therapeutin mehr gewitzelt habe und da eben auch einen sehr zeitnahen Therapieplatz hätte.

Ich bin mir dennoch unsicher. Wahrscheinlich kann man mir hier auch gar nicht weiterhelfen oder mir zu etwas raten, weil das letztendlich meine Entscheidung ist.
Ich wollte aber dennoch meine Schwierigkeiten teilen. Vielleicht habt ihr ja Erfahrungen. Danke!

05.01.2020 11:00 • #1


Hallo Noes, das stimmt, entscheiden kannst du nur selber.
Wäre ich jetzt exakt in deiner Situation, würde mein Bauchgefühl spontan für die erste Therapeutin sprechen. Für mich ist die passende Wellenlänge beim Humor ein ganz wichtiges Kriterium, weil ich daraus sehr viel Energie und Motivation ziehen kann.

Deine Schilderung klingt für mich aber ein bisschen so, als ob du bei der zweiten Therapeutin mehr ernsthaftes Arbeiten und damit bessere Erfolgsaussichten siehst. Ist das so, oder habe ich das falsch interpretiert?
Wenn du das so siehst, ist es für dich richtig. Ich bin überzeugt, dass ganz viel die eigene Einstellung ausmacht, mit der man in eine Therapie geht. Dein Gefühl 'das passt für mich' bewirkt ja vor allem, dass du dich auf die Therapie einlässt.

Abgesehen davon kannst du schließlich noch wechseln, wenn du merkst, das ist es doch nicht. Ich glaube, man hat erstmal fünf Probestunden, war das nicht so?

Liebe Grüße
ViolettaM

05.01.2020 12:36 • #2


Zitat von ViolettaM:
man hat erstmal fünf Probestunden,

Oder sind die mit deinen Terminen schon erledigt?

05.01.2020 12:38 • #3


Zitat von ViolettaM:
Oder sind die mit deinen Terminen schon erledigt?


Hey! Danke dir für deine Antwort.
So richtig weiß ich das gar nicht mit den Probestunden leider. Das bisher waren erst mal so diese typischen Kennenlerntermine.
Also auch mit der zweiten Therapeutin kann ich zwischendurch mal witzig sein und die scheint mir auch sympathisch. Es ist eher schwierig, weil ich bei er ersten eben bisher wenig von der eigentlichen Therapiearbeit mitbekommen habe, bei der zweiten einen ziemlich guten Einblick mitnehmen konnte, dafür aber keine Anamnese so richtig.
Zudem habe ich mich bei der zweiten Therapeutin ein bisschen besser verstanden gefühlt, sie konnte mich gut spiegeln. Bei der ersten Therapeutin hatte ich zunächst auch das Gefühl, ihre Diagnose - die sie vor allem auf ausgefüllten Fragebögen und den zwei Gesprächsterminen zog - hat mich dann aber ein wenig verwirrt. Sie meinte dann auch selbst, dass sie sich etwas unsicher ist und man im Verlauf der Therapie dann gucken müsste, wo es bei mir hingeht. Die zweite Therapeutin, so hatte ich das Gefühl, hat schnell verstanden, wo die Baustellen sind.
Allerdings lasse ich mich da auch schnell beeinflussen von sowas.

Aber ja, letztendlich muss ich die Entscheidung für mich treffen - wo ich mich wohler fühle.

05.01.2020 15:07 • #4





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