Arbeitgeber und Freunde über Burnout informieren?

Doc123

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Hallo Liebe Leidensgenossen,
ich habe lange in diesem Forum gelesen, bevor ich mich dazu entschliessen konnte mich bei euch zu Registrieren.
Ich glaube das ich bei euch gut aufgehoben bin.
Da ich mal wieder vor lauter Grübelei nicht schlafen kann möchte ich euch mal kurz meine Leidensgeschichte Erzählen, und ein paar Fragen an euch richten.
Ich leide seit einem Jahr an Depresionen und Burn Out Syndrom, was ich erst seit drei Wochen weiss das es so ist. denn bis dahin hatte ich immer nur gedacht mein Gott bin ich fertig ich kann mich zu nichts Aufraffen, alles fällt mir schwer, kann nicht mehr richtig schlafen, habe Panik vor den kleinsten Konflikten, kann keine Entscheidungen mehr treffen ohne in Panik und Angst zu fallen. Habe keine Lust mehr mich mit jemandem zu Unterhalten, vernachlässige meine Freunde, lass mich am telefon verläugnen, lasse mir Ausreden einfallen damit ich mich nicht mit meinen Freunden Treffen muss. Und auf die Arbeit kann ich mich gar nicht mehr Konzentrieren, habe sogar Panik vor jedem neuen Arbeitstag. Kenn ihr das wenn ihr Montags zur Arbeit geht das man dann schon Betet das es bald Freitag ist ?
Na, ja und dann kommen auch noch die Körperlichen Beschwerden wie Druckgefühl in der Brust, Durchfall, Herzrasen, Kopfschmerzen, und das ständige Gefühl von Angst im Magen.
Aber was erzähle ich euch da? ich könnte noch tausend anderer Psychische und Körperliche Probleme aufzählen, aber die kenn Ihr ja auch alle zu genüge.
Ich bin wegen all diesen sachen vor 3 Wochen zu meinem Hausartzt gegangen,der mich sofort zu einem Neurologen/Psychotherapeut überwiesen, der mir dann die Diagnose Depressionen und Burn-Out Syndrom vor dem Kopf gehauen hat. Ich war wie am Boden zerstört, und bin nun noch fertiger wie ich es eh schon war. Er hat mich erst einmal bis zum Jahresende aus dem Beruflichen verkehr gezogen, und mit mir sofort einen Antrag auf REHA gestellt.
Nun hätte ich ein Paar fragen an euch die mir auf dem Herzen Liegen,
Soll ich meinen Verwanten,Freunden,und Arbeitgeber über meine Krankheit aufklären ? Da mir diese Krankheit selber Peinlich ist, und ich mich deswegen auch sehr schäme, würde ich das lieber für mich behalten. anders herum ist es auch nicht schön von mir Menschen die ich mag zu belügen.
Habt Ihr eigentlich auch erst nicht richtig gemerkt das ihr euch verändert, und das Ihr immer Kranker werdet, bis es zu spät war ?
So, für heute lasse ich es erst einmal gut sein, möchte euch ja nicht auf den Geist gehen, Ihr habt schliesslich ja auch mit euren Sorgen zu tun.
Ich würde mich riesig auf Antworten von euch freuen.

LG
DOC

16.12.2008 01:48 • #1


Peace

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Dem Arbeitgeber wirst du es sagen müssen.

Peinlich darf es aber nur dem lieben Herrn Chef sein. Wer ist denn dran schuld, dass du überlastet bist, hmmmm?

Nutze die Ruhepause mit gutem Gewissen, du hast sie offensichtlich verdient. Sei froh, dass du nicht in dem Zustand arbeiten gehen musst.

Ich habe meine (mittelschwere?) Depression zuerst nicht erkannt, aber später schon. Ohne ärztliche Hilfe, einen Psychologen kann ich mir nicht leisten. Zuallererst habe ich mir dann das Recht zugestanden, auch in der Seele krank zu werden, nachdem mein Körper vorher sehr krank gewesen ist. Es geht mir heute besser, aber noch nicht gut. Fühle mich wie jemand, der nach einer heftigen Grippe langsam wieder mehr Kraft gewinnt.

16.12.2008 02:06 • #2



Hallo Doc123,

Arbeitgeber und Freunde über Burnout informieren?

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nix-geht

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Hallo Doc123,

ich kann mich meinem Vorredner nicht anschließen. Für Deinen Arbeitgeber bist Du krank, fertig!
Deiner Familie und Deinen Freunden solltest Du Dich anvertrauen.
Depression ist heute eine Volkskrankheit die leider noch immer mit zu vielen Klischees behaftet ist.

Gruß nix-geht (mein Name ist Programm)

16.12.2008 02:21 • #3


angiehh

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Moin Doc,
was du schreibst, spricht mir aus der Seele... wenn du meine Geschichte liest, wirst du eine 100%ige Übereinstimmung der körperlichen Symptome entdecken. Nur dass ich die Diagnose Burn out bzw. Depressionen noch nicht schwarz auf weiss habe. Mein Hausarzt ist da etwas zurückhaltender. Auch den Psychologen habe ich noch vor mir, da bekomme ich dieses Jahr wohl keinen Termin mehr.
Die Anst vor jedem neuen Arbeitstag kenne ich zur Genüge... Zuhause komme ich jeden Morgen nicht vom WC runter und kaum bin ich im Büro, gehts dann so richtig los. Wenn es dann (täglich!) stressig wird, muss ich ca. 6-8 x zur Toi. Nun bin ich zum Glück auch bis Ende 08 krank geschrieben. Mal sehen, wie es dann weitergeht. Auch dieses ausgebrannt sein und mit niemandem abends mehr reden wollen, ist schrecklich. Selbst wenn ne Freundin anruft, ist mir das zu viel.

Und zum, Theman peinlich... ich hab mich auch noch nicht geoutet. Ist irgendwie schwierig zu sagen he Leute, ich bin n Psycho... Auf der anderen Seite ist es in unserer Firma kein Einzelfall, wie ich weiß. Außerdem haben die Chefs doch auch Mitschuld, wenn es den Mitarbeitern so schlecht geht oder?

Tja, du siehst, du bist nicht allein.
Apropos allein, wie geht dein Partner mit der Situation um? Hast du da Unterstützung?

LG
Angie

16.12.2008 08:08 • #4


Martina

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Hallo Doc,
die ganzen Symptome kenne ich nur zu genau.
Du mußt Deinem Arbeitgeber übrigens nicht sagen, was Dir fehlt.
Zitat von Doc123:
Da mir diese Krankheit selber Peinlich ist, und ich mich deswegen auch sehr schäme, würde ich das lieber für mich behalten.

Es muß Dir nicht peinlich sein, für ein gebrochenes Bein schämst Du Dich ja auch nicht. Ich habe auch sehr lange darüber nachgedacht, wie ich nach aussen mit der Krankheit umgehen soll. Ich habe für mich entschieden, dass nur einige wenige Menschen wissen, dass ich Depressionen habe. Die meisten Menschen, die damit noch nie zu tun hatten, haben dafür leider nicht das rechte Verständnis. Und will einfach nicht abgestempelt werden. Ich nehme es niemanden übel, wenn er nicht versteht - man versteht es ja selber kaum. Aber ich mag das auch nicht diskutieren. Und ich würde zur rasenden Wildsau, wenn hinter meinem Rücken dumm gequatscht würde.
Das ist aber nur meine ganz persönliche Meinung, andere Betroffene gehen damit anders um.

Liebe Grüße von Heulsuse

16.12.2008 14:20 • #5


Doc123

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Hallo zusammen,
vielen Dank das ihr so schnell und zahlreich auf meinen Beitrag geantwortet habt.
Ich möchte dazu noch noch folgendes anbringen.
Ihr habt da nicht so ganz recht das der Arbeitgeber an meiner Krankheit schuld ist, ich glaube daran bin ich selber schuld.
Zur erklärung : Ich bin seit 8 Jahren Betriebsratsmitglied, und meiner meinung und auch meiner Kollegen recht erfolgreich.
Seit anderthalb Jahren habe ich mich auf drängen meiner Kollegen zum Vorsitzenden wählen lassen.
Das hat mir auch spaß gemacht, dann kamen mit der Zeit immer mehr Ehrenämter auf mich zu, wie Z.b. GBR- Sicherheitsbeauftragter,Mitglied im Wirtschaftsausschuß, Ersthelfer, und Mitglied im Arbeitsschutzauschuß, ferner bin ich noch im Sozialauschuß und Mobbingbeauftragter, und zu guterletzt muss ich ja auch noch meinen Job machen, denn ich bin ja kein Freigestellter Betriebsrat.
Am Anfang habe ich ja auch alles gut in die reihe bekommen, aber irgendwann habe ich gemaerkt das es doch ganz schön Kraft kostet meine 150 Mitarbeiter zu vertreten, und meinen Job zu machen. Erst ging es ja mit dem Erholen ja gut, ich hangelte mich von Urlaub zu Urlaub. Dann kam aber jetzt der Punkt das ich mich nicht mehr Erholen konnte, und keine neue Kraft sammeln konnte. Also im Großen und ganzen bin ich selber an meinem zustand schuld. Nun liege ich am Boden und habe nicht mal mehr Kraft für mich.
Mein Psychater sagte mir auch ich habe mich immer nur um andere gekümmert, und habe leider mich selber vergessen.
Ihr habt ja recht es müsste mir nicht Peinlich sein das ich diese Krankheit habe, aber 80% aler Menschen halten solch eine Krankheit doch für Psycho. Besonders Ältere Menschen, man kenn doch die Sprüche Stellt euch nicht so an, was sollen wir denn erst mal sagen,wir hatten es doch noch viel schwerer wie Ihr u.s.w.
Also bin bin ich noch mit mir am Hadern wem und ob ich jemandem etwas davon Erzähle.
Ich bin nur unendlich Froh das meine Frau so stark hinter mit steht,und mich unterstützt.
Was dann aber die nächsten Probleme verursacht, denn wenn ich länger Krankgeschrieben werde und aus der Lohnfortzahlung komme, werden wir es auch Finanziell sehr schwer in die Reihe bekommen. Dann muss meine ganze Familie wegen mir auch noch darunter leiden. Nur wegen mir könnten wir dann auf einen Finanziellen Ruin hinsteuern, und unser Häuschen verlieren. Somit könnte ich dann die ganze Familie zerstören.
Sorry, das ich das so schreibe, aber das sind leider im moment meine Sch.... Gedanken die mich nicht mehr in Ruhe lassen.
So, nun will ich aber aufhören mit dem Gejammer.
Wenn ihr noch Fragen an mich habt,oder ich vergessen habe euch auf irgend etwas zu Antworten, dann sagt es mir einfach.
Danke das es euch giebt !!!

LG
DOC

16.12.2008 17:17 • #6


Martina

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Hallo Doc,
mach Dich mal von dem Gedanken frei, jemand wäre Schuld an Deiner Erkrankung. Von Schuld kann da gar keine Rede sein. Natürlich hast Du Dich überfordert und nicht gut genug auf Dich acht gegeben, aber das hat mit Schuld NICHTS zu tun. Die genannten Attribute zeichnen uns hier fast alle aus, wir denken meist erst an alle anderen und zu allerletzt an uns selber. Und oft ist es dann erstmal zu spät - wir sind krank!

Zitat von Doc123:
Was dann aber die nächsten Probleme verursacht, denn wenn ich länger Krankgeschrieben werde und aus der Lohnfortzahlung komme, werden wir es auch Finanziell sehr schwer in die Reihe bekommen. Dann muss meine ganze Familie wegen mir auch noch darunter leiden. Nur wegen mir könnten wir dann auf einen Finanziellen Ruin hinsteuern, und unser Häuschen verlieren. Somit könnte ich dann die ganze Familie zerstören.

Dass Du Sorge um Eure finanzielle Zukunft hast, kann ich gut verstehen . Mein Mann ist wegen Burn-Out-Syndrom sogar gekündigt worden. Über unsere Finanzen möchte ich gar nicht sprechen. Aber Gesundheit ist wichtiger als alles andere. Wichtiger als Geld und auch wichtiger als ein Haus. Selbst wenn Ihr das Haus verlieren SOLLTET (was ja noch gar nicht feststeht), das zerstört doch nicht die ganze Familie. Wenn es nicht anders geht, kann man auch in einer Wohnung leben. Solange die Ehe oder Beziehung intakt ist, geht alles.
Sieh mal nicht ganz so schwarz.

Liebe Grüße von Heulsuse

16.12.2008 18:19 • #7


Doc123

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Hallo Heulsuse,
vielen Dank für deine aufmunteren Worte.
Du hast ja sicherlich recht mit dem was Du da sagst, aber im Moment geht mir halt der ganze Mist ( Sorry ) durch den Kopf.
Aber ich werde versuchen mir deine Worte zu Herzen zu nehmen.
Ich möchte noch einmal auf deine Zeilen zurückkommen wo Du beschrieben hast das es Dir auch nicht leicht fiel anderen deine Krankheit mitzuteilen. Ich bin auch noch darüber am Nachdenken ob und wen ich davon Erzählen werde. Die meisten werden es sowiso nicht verstehen, manche werden es zur kenntnis nehmen, und manche werden ungläubig mit dem Kopf schütteln. Mit all dem könnte ich ja Leben, aber ich habe nicht die Kraft mich vor jedem zu Erklären, und wie Du es auch so schön gesagt hast ständig darüber zu Diskutieren.
Ich werde aber über kurz oder lang nicht darum herum kommen mich zu Outen.
Wenn ich es getan habe,und es Dich Interessiert kann ich Dich ja über die Reaktionen Informieren.
Nochmals vielen Dank für deine guten Worte und Antworten.
Ich wünsche Dir noch eine Gute Nacht.

LG
DOC

17.12.2008 00:30 • #8


sek

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Guten Abend Doc,

fragen sie doch ihren Arzt oder Apotheker Sorry, kleiner Scherz

Eben, nicht gar so selten, daß in helfenden Berufen oder Menschen, welche unter einem Helfersymptom leiden, eine Depression entwickeln.
Habe gelesen, daß du im Betriebsrat etc. pp bist.
Somit hast du wahrscheinlich auch denn Hang hierzu ???
Ja irgendwo menschlich und nachvollziehbar, jedoch müssten oder sollten diese Probleme eben auf der Arbeit bleiben....
Dies kannst du mit einer gezielten Psychotherapie jedoch hinbekommen...

Keine Ahnung, denn müssen mußt du erst einmal gar nichts bzw. (fast nichts).
Ob es nun so sinnvoll oder auch nötig ist deinen Arbeitgeber deine Diagnose(n) zu sagen ???
Kommt vielleicht auf die zwischenmenschliche Beziehung an, welche du zu deinem AG hast.
Rein rechtlich / gesetzlich bist du nun nicht verpflichtet deinen AG deine Diagnose mitzuteilen.

In Bezug auf Familie, Bekannte und Freunde, kann ich dir auch nur schwer einen Ratschlag geben.
Kommt auf diese persönlich an.
Haben oder hatten diese evtl. schon einmal Kontakt zu Depressiven ?
Sind diese aufgeklärt und uneingenommen?

Möchte dir hier keine Angst machen, jedoch ist es leider oftmals so, daß die Depression für Außenstehende nicht erkennbar ist.
Somit wird diese Erkrankung bei Nichtwissenden, auch leider nicht akzeptiert, wie ein Beinbruch oder eine läppische Erkältung z. B..
Auch schriebst du ja selbst, daß psychische Erkrankungen leider immer noch sehr stigmatisiert sind und eben bei älteren Mitmenschen ...

Verstehe dich jedoch schon, daß du klar Schiff machen möchtest, denn auf Dauer gesehen fällt es doch irgendwo auf und auch werden vielleicht manche bemerken, daß du im Moment nicht arbeiten gehst. Die geplante Reha, würde auch Fragen aufwerfen...

Finanzielle Katastrophen etc.pp können jedoch immer Folge einer Erkrankung sein.
Hierdurch bedarfs keiner Depression oder einer anderen psychiatrischen Erkrankung, oder?

Keine tröstende Worte von mir, jedoch kann es im schlimmsten Falle, eine ganze Weile dauern, bis man oder frau wieder voll leistungsfähig ist

Möchte dir an´s Herz legen, jetzt schnell in Therapie zu gehen, auf deine behandelnden Ärzte und Therapeuten hören und nicht wegen finanziellen und sonstiger Verantwortung, versuchen so weiter zu wurschteln.

Bin sicherlich kein Hellseher, jedoch weiß ich aus eigener Lebensgeschichte, wohin dies führen kann...
Verstehe deine Sorgen und Argumente vollkommend, jedoch an einer Krankheit erkrankt zu sein, heißt eben auch leider krank zu sein.

Eine Depression ist eine ernstzunehmende Erkrankung, auch wenn wir nicht im Rollstuhl mit Bandagen und Verbänden sitzen.
Dies ist eben oftmals das hinterhältige an dieser Erkrankung

Oftmals kann es auch gut möglich sein, mit Antidepressiva und Kopf durch die Wand, ohne Rücksicht auf die körperlichen Anzeichen, seine Leistung zu fahren.
Mit viel Mühe läßt sich eine gewisse Zeit, daß Leistungspensum kompensieren und durchhalten. Es ist durchaus möglich eine Maske zu tragen.
Jedoch nimmt dies immer mehr ab, meist bleibt dann zusätzlich irgendetwas auf der Strecke (privat oder beruflich), um dem Leistungsniveau gerecht zu werden.... Von dem Erkrankten ganz zu schweigen, der sich in einem Teufelskreislauf bewegt, einen Kampf mit der Dame in Schwarz führt, denn er in den meisten Fällen, wohl irgendwann verlieren wird.
Es kann dann ganz tragisch, von (fast) heute auf morgen, ziemlich schwarz aussehen...

Aber warum sich hier Vorwürfe machen ???
Es handelt sich um eine Erkrankung , wenn auch nicht sofort sichtbar.

Wie oft habe ich meinen Nervenklempner darauf hingewiesen, daß es wirklich eine unterstützende Maßnahme sein würde, wenn ein psychisch Erkrankter, einen Kopfverband, zusätzlich zu seiner Therapie und den Antidepressiva tragen müsste

Am besten von Anfang an akzeptieren und mitarbeiten!!!
Das Ignorieren von Krankheitssymptomen, bringt längerfristig gesehen nichts, weiß ich aus eigener Erfahrung , leider kommt meine Krankheitseinsicht zu spät
Ob ich es jedoch anders machen würde, wenn ich das Rad zurückdrehen könnte ??? Momentan würde ich sagen: Auf alle Fälle

Ja, wie du nun schreibst, es entstehen hierdurch sch... Gedanken. Auch Zukunfts- und Existenzängste etc. pp

Deshalb gibt es so ein Forum, denn diese Erkrankung ist keine Seltenheit und es wird für die Zukunft eine Zunahme erwartet.
Die Folgen die durch diese unsichtbare Erkrankung enstehen können , ob nun psychisch, physisch, familiär, privat, beruflich usw.

Ich wünsche dir alles Gute und dennoch eine schöne Adventszeit mit deiner Familie

sek

17.12.2008 00:45 • #9


Martina

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Hallo Doc,
Zitat von Doc123:
Ich möchte noch einmal auf deine Zeilen zurückkommen wo Du beschrieben hast das es Dir auch nicht leicht fiel anderen deine Krankheit mitzuteilen. Ich bin auch noch darüber am Nachdenken ob und wen ich davon Erzählen werde.
Es gab in meinem Verwandtenkreis Diskussionen um eine Schwägerin, die einen Psychologen besucht hat. Die Kommentare, die da gefallen sind, möchte ich hier nicht wiederholen . Das Gerede fand natürlich statt, als die Schwägerin noch nicht mal dabei war. Und es wußte auch miemand, als welchem Grund sie beim Psychologen war. Aber das Blabla darum war furchtbar. Von meiner Behandlung wußte noch niemand. Und damals habe ich für mich beschlossen, dass es auch so bleibt. Von meiner Erkrankung wissen nur 4 Menschen. Das ist mein Mann, mein Sohn und 2 Bekannte, die selber betroffen sind.

Wenn ich mitbekäme, dass hinter meinem Rücken so dummes Zeug geredet würde, wie bei meiner Schwägerin, würde ich ausrasten . Und dann würden Dinge gesagt, die man besser für sich behält , Du verstehst schon?

Aber da muß jeder den richtigen Weg für sich finden. Zu diesem Thema ist hier im Forum schon einiges geschrieben worden und andere Betroffene gehen damit viel offener um als ich.

Liebe Grüße von Heulsuse

17.12.2008 19:00 • #10


GreenTara

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Hi an Alle,

niemand braucht sich für die diagnose depressionen zu schämen! Wißt ihr wie hoch die Dunkelziffer der depressiv erkankten ist??? Heutzutage braucht man sich wahrlich nicht mehr zu schämen, das war vor 10/15 Jahren noch anders.

Ich persönlich kann es verstehen, wenn man sich nicht outen will. Bei mir wissen es auch nur die engsten Familienangehörige und 2 Freundinnen. Bei allen anderen hätte ich auch die Angst, dass sie mich dann meiden. Mein Arbeitgeber weiß nichts davon - denke ich zumindest - ob sie in den Akut-Phasen etwas ahnten, weiß ich nicht.

Ic h wurde 1999 schon mal gekündigt wg. meiner Krankheit - das ist möglich in kleinen Betrieben. Seitdem bin ich ein gebranntes Kind. Seit 6 Jahren arbeite ich allerdings in einer größeren Firma, die sozial sehr angagiert ist. Gottseidank bin ich relativ stabil und leiste gute arbeit. Selbst bei einem totalan Absturz hätte ich auch keine Angst - denn die Diagnose muß Dein Arbeitgeber nicht wissen. Bei kleinen Betrieben natürlich ein Problem, wenn man für Monate ausfällt.

Übrigends muß ich sagen, dass ich die Leute (da gibt es einige die ich nennen könnte) sehr schätze, die sich geoutet haben. Vielleicht weil ich weiß wie sie sich fühlen???
Ich habe trotzdem gemerkt, dass sehr viele Leute Verständnis für einen aufbringen - allerdings bin ich halt einfach der Typ der insgeheim viel von privaten Dingen für sich behält. Das ist eine Lebensweisheit für mich: Je weniger die anderen von mir wissen, desto weniger angreifbar bin ich für sie! Reiner Selbstschutz einfach!

Sei getrost - es verstehen Dich mehr Menschen als Du denkst - allerdings höre auf Dein Gefühl, wenn Du die Sache für Dich behalten magst, dann tu es - es geht auch niemanden was an!

Wünsche dir alles Gute,

lg

17.12.2008 19:21 • #11


Doc123

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Ein liebes Hollo an alle,
erst einmal vielen,vielen Dank für eure lieben und aufmunternden Antworten.
Ich bin unheimlich Froh das es dieses Forum giebt,und damit natürlich auch euch.
Denn es tut schon unheimlich gut wenn man weiß, da ist jemand der kann einen verstehen.
So, ich habe euch ja versprochen das ich euch mitteilen werde wie die Reaktionen derer war bei denen ich mich geoutet habe.
Ich habe festgestell, das ältere Menschen wie z.b. mein Vater damit überhaupt nicht klarkommen, und es gar nicht verstehen. Das was ich dort zu hören bekam war nur sei kein Waschlappen, stell dich nicht so an, was sollen denn deine Kinder von dir denken? u.s.w.
Na ja, das hat zwar sehr weh getan, aber ich hatte nie ein gutes Verhältnis zu meinen Vater, deswegen, es giebt schlimmeres.
Dann habe ich mich noch bei meinem Schwager und meiner Bekannten geoutet, die diese Krankheit auch schon durchgemacht haben, und die reagierten sofort damit, jetzt weisst Du wie ich gelitten habe und was ich durchmachen musste, bei mir war aber noch dies und jenes dabei.
Ich kam gar nicht dazu denen alles zu erklären, denn nach zwei worten von mir, und schon haben sie mir ihre lange leidensgeschichte bis ins kleinste detail erzählt.
Dann habe ich es gestern meinen Besten Freund erzählt, und das erste was er gesagt hat war Was kann ich tun ? , wie kann ich dir helfen? , was kann ich dir gutes tun ?
Er hat sich in ruhe angehört was mit mir los ist, und hat obwohl er von Depressionen und Burn-Out noch nicht viel weiß, hat er volles verständnis gezeigt.
Da war ich wirklich gerührt, so das ich echt anfing zu heulen.
Dann ist da noch die sache mit dem Arbeitgeber, in der Firma wo ich beschäftigt bin arbeitet auch noch viel Verwandschaft von mir, also wird es eh über kurz oder lang der Arbeitgeber erfahren.
Und ausserdem steht auf der Krankmeldung ja der Arzt drauf der mich Krankgeschrieben hat.
In diesem Fall steht dort Nervenarzt und Psychotherapie Dr......
Und unsere Personalcheffin ( Personalabteilung ) war letztes Jahr auch Psychisch krank und in der Reha, deswegen kann sie sich das schon denken was mit mir ist.
Also habe ich für mich entschieden das ich ,bei Nachfrage einfach die Wahrheit sage das ich Wegen Depressionen und Burn-Outsyndrom in Behandlung bin. Ich glaube die Gerüchte die rumgehen würden wenn ich gar nichts sagen würde wären schlimmer.

@ Heulsuse, dir möchte ich noch beipflichten das ich genauso wie ausrasten würde wenn so schlecht hinter meinem Rücken geredet würde. Deswegen werde ich auch bei Nachfragen nicht lügen und ehrlich Antworten, vieleicht kann man es ja dadurch verhindern.Und Danke nochmal für deine netten Worte.

@ sek, auch an dich nochmal einen besonderen dank für deine aufmunternden worte.

Und natürlich auch nochmals Dank an alle die Geantwortet haben.

Liebe Grüße
DOC

18.12.2008 13:59 • #12


Doc123

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Hallo Liebe Mitleidenden,
Ich wollte mich noch einmal kurz zu diesem Thema äussern, weil ich mittlerweile einige Erfahrung gesammelt habe mit dem Outen.
Also, bei den Älteren Menschen stößt man nur auf Unverständnis, für die ist diese Krankheit nur eine Entschuldigung um nicht Arbeiten zu müssen.
Die meisten anderen nehmen es zwar zur Kenntnis, aber denken sich darüber ihr eigenes Ding.
Bei denen die es auch schon mal hatten, ist es so wie ich es schon vorher mal geschrieben habe, nur das es bei manchen zu einem Wettstreit ausartet, in der Richtung bei mir war es noch viel schlimmer, ich hatte eine höhere Dosierung der Medi´s, Ich musste jede woche zum Psycho, du nur alle zwei Wochen, u.s.w. ( Einfach Ekelhaft )!
Und dann hatte ich gerade ein Telefonat, das mir endgültig die Entscheidung gebracht hat mich nicht weiter zu Outen, b.z.w mich nicht mehr mit anderen darüber zu Unterhalten.
Und zwar hatte ich gerade meinen Kegelbruder ( Vorstand ) angerufen und gesagt das ich weiterhin noch nicht zum Krgeln komme.
Da er wissen wollte warum, habe ich ihn über meinen Zustand Informiert. Zu hören bekam ich dann Das habe ich ja noch nie gehört, Du hörst dich doch ganz normal an, man hört ja nichts das du Krank bist, das ist doch bestimmt nur Einbildung .
Was ist nur aus unsere Gesellschaft geworden, wo sind denn die Werte geblieben die, den Menschen auszeichnet, wie zum z.b. Menschlichkeit, Nächstenliebe, Sozialverhalten ?
Jeder denkt nur noch an sich, überall wird man nur noch belogen und betrogen, es giebt keine Ehrlichkeit mehr, jeder denkt nur noch an seinen Profit u.s.w.
Ich weiss nur, wenn ich nicht meine Super Frau und meinen besten Freund hätte, wüsste ich nicht was mich hier noch halten könnte.
In diesem Sinne.....
Liebe Grüße
Doc

12.01.2009 12:27 • #13


angiehh

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Hallo Doc,
auch ich habs vom Hausarzt und von der Psychotherapeutin nun schwarz auf weiß: mittelschwere Depression auch Burn-out genannt. So, und nun bin ich seit heute bis auf weiteres krank geschrieben und musste das ja irgendwie meinem Arbeitgeber beibiegen. Hab also angerufen und mich krank gemeldet mit der Begründung, dass meine Beschwerden wohl psychischer Natur sind und die Ärzte mich bis auf weiteres aus dem Verkehr ziehen. Tja, habe zwar beim Telefonat viel Verständnis erfahren, weiß aber nicht, was ich davon halten soll, da meine Vorgesetzten mich in der Vergangenheit (siehe mein Bericht Hallo erstmal vom Dezember 08) schwer enttäuscht haben. Ich bin mir auch noch nicht schlüssig, bei wem ich mich outen werde und bei wem nicht. Ich hab vorhin auch noch mit einer befreundeten Kollegin gesprochen und ihr gesagt, dass ich unter burn out leide. Sie hat zwar gemeint, sie hätte das schon geahnt, aber da sie auch ihren Mund nicht halten kann, gehe ich mal davon aus, dass Outen gar nicht mehr nötig sein wird, wenn ich wieder in die Firma zurückkomme... Hinterher hab ich gedacht, ich hätte das Gespräch besser sein lassen...

Egal, jetzt sehe ich erst mal zu, dass es mir besser geht. Und das sollte auch für dich oberste Priorität haben. Gerade wenn man sich so sehr um andere kümmert und um deren Wohlergehen, bleibt man selbst irgendwann auf der Strecke. Und Dank oder den silbernen Lorbeerkranz erhält man eh nicht. So what? Jeder ist ersetzbar, auch wenn man sichs nicht eingestehen will. Klingt verbittert, bin ich momentan auch. Ich kanns nicht glauben, dass ich vor 3 Jahren noch ein fröhlicher, optimistischer, beigeisterungsfähiger Mensch war...

Machs gut
Angie

12.01.2009 13:23 • #14


Doc123

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Hallo liebes Forum !

@ Nina – Du hast sicherlich recht damit das es doch noch Menschlichkeit gibt, aber ich bin schon so oft und viel von Menschen enttäuscht worden, besonders jetzt wo es mir schlecht geht.
Sei es die Negativen Äußerungen beim Outen, oder beim nachfragen zu Helfen.
Weißt Du, ich habe mein Lebenlang versucht zu Helfen, für andere da zu sein, in der Not bei zu stehen u.s.w. , und als Dank bekam man dann wenn es denen wieder besser geht einen Tritt in den A…..
Du kennst doch bestimmt das Lied „ Man muss ein Schwein sein auf dieser Welt“ ? , da ist was Wahres dran, denn solche Menschen scheinen Glücklicher zu sein und kommen besser durchs Leben.
Wenn Du aber versuchst so durchs Leben zu gehen wie es sich wirklich für einen guten Menschen gehört, ist man nur auf der Verliererseite und man wird Krank.
Aber ich werde versuchen mir meine Menschlichkeit zu bewahren.
Vielleicht hast Du ja Recht, und es ist so wie Du es geschrieben hast, aber im Moment habe ich den Glauben an unserem großen Ball verloren.


@ Angie- Ja, das mit dem Outen ist schon eine Sache für sich, ich habe auch Nächtelang darüber Nachgedacht wie und ob und wen ich mich Oute, und wie Du ja aus meiner Geschichte lesen kannst ging es Gründlich in die Hose. Vielleicht ist es besser wenn Du dich erst mal bei denen Outest wo Du glaubst das man dich versteht. Dann hast Du einen viel Positiveren Anfang hast, und nicht gleich nur Enttäuschungen.
Sonst geht es Dir so wie mir, ich habe es wohl bei den Falschen probiert.
Bei meinem Arbeitgeber habe ich mich nicht geoutet, ich habe Ihm nur gesagt das ich für längere zeit Krankgeschrieben bin und das ich es Erklären werde wenn ich wieder da bin.
Da aber in der Firma mehrere Verwandte von mir Arbeiten, werden wohl auch schon genug Gerüchte und Informationen die Runde machen.
Ich finde es Prima dass du den Optimismus hast, und versuchst die Kraft aufzubringen nur noch an Dich zu denken, um wieder Gesund zu werden.
Ich Drücke dir ganz feste die Daumen das Du wieder der Mensch wirst der Du mal warst.

Vielen Dank euch beiden das Ihr mir geantwortet habt.
Ich wünsche dem ganzen Forum Gute Besserung !!!

Liebe Grüße
Doc

Am ende des Tunnels ist Licht, ja, es ist das Leuchtschild „Sackgasse“
( Das ist im Moment mein Lieblingsspruch )

14.01.2009 13:27 • #15


Martina

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Hallo doc,
Zitat von Doc123:
Du kennst doch bestimmt das Lied „ Man muss ein Schwein sein auf dieser Welt“ ? , da ist was Wahres dran, denn solche Menschen scheinen Glücklicher zu sein und kommen besser durchs Leben.
Wenn Du aber versuchst so durchs Leben zu gehen wie es sich wirklich für einen guten Menschen gehört, ist man nur auf der Verliererseite und man wird Krank.
Aber ich werde versuchen mir meine Menschlichkeit zu bewahren.

Genau so ist das für mich auch! Als Schwein könnte ich nicht durch das Leben gehen. Ich bleibe bei meiner Menschlichkeit und meinem Helfersyndrom.

14.01.2009 13:48 • #16



Hallo Doc123,

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Doc123

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Hallo zusammen,
Hallo Heulsuse,

Das finde ich Prima, das Du genauso drüber denkst wie ich.
Dann wünsche ich Dir und mir das wir weiterhin die Kraft haben uns die Menschlichkeit und das Helfen zu bewahren, ohne das wir nochmals deswegen Krank werden.
Ich glaube man muss einen guten Mittelweg gehen, wo man sich das Gute bewahrt, und dabei nicht Krank wird.
Hoffentlich lernt man so etwas in der Reha auch !!

Ich wünsche euch allen und Dir ein Schönes Wochenende, und Gute Besserung euch allen. !

Liebe Grüße
Doc

17.01.2009 11:01 • #17

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