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Angst vor Veränderungen

Valachord
Hallo euch allen. Zu meiner Person ich bin männlich, 41 Jahre alt und hatte 2008 schon einmal eine Krise. Warum bin ich hier? Ich musste meine Wohnung wegen Reparaturarbeiten verlassen war nun drei Wochen in Urlaub bei meinem Vater (500 km weit weg). Da die Wohnung nicht fertig ist muss ich in eine Ersatzwohnung oder Hotel. Sogar eine neue Wohnung könnte ich bekommen also eigentlich alles ok. Leider nicht, denn plötzlich bekam ich wie 2008 Panik und begann hemmungslos zu heulen. Das war vor vier Stunden und klingt kaum ab. Bei dem Gedanken an eine fremde Umgebung bekomme ich Angst, ich kann nicht in Hotels schlafen und auch vor drei Jahren an der Nordsee in einem Ferienhaus ging gar nichts. Dazu kommt daß ich große Angst habe allein zu sein. Mein Vater hält sich viel bei mir auf da er 2009 einen leichten Schlaganfall hatte. Wir unterstützen uns wo wir nur können, aber wenn er mal nicht mehr ist dann wird es sehr schwer für mich das zu verarbeiten. So das soll es erst Mal sein.

08.07.2019 21:15 • x 4 #1


Rowi
Lieber Valachord,
herzlich Willkommen hier im Forum und Danke für deinen Beitrag.
So wie du das schreibst klingt das nach einer für dich sehr belastenden und schwer händelbaren Situation. Es ist gut das du dich mitteilst und so auch Hilfe suchst.
Hast du denn bei deiner Panikattacke 2008 Hilfe gesucht bzw. die Unterstützung geholt?
Das Weinen ist sicher für dich auch gerade eine starke Belastung, sie es als ein Zeichen des wachrüttelns und der inneren Reinigung. Es ist in Ordnung in so einer Situation zu weinen.
Wenn ich das richtig gelesen habe dann leben dein Vater und du 500km weit entfernt obwohl ihr euch gegenseitig stüzt. Warum wohnt ihr nicht näher beieinander?
Was genau stört dich an einem Hotelzimmer bzw. einer Ferienwohnung? Ist es nur das du die Umgebung nicht kennst und eine andere Ordnung herrscht oder noch etwas anderes? Wäre es möglich dich Schrittweise an die neue Umgebung zu gewöhnen mit Unterstützung?
Wie ist es mit dem Gedanken an eine Psychotherapie die dir hilfe mit deiner Panik klar zu kommen?

Ich weiß das sind jetzt sehr viele Fragen und du musst sie auch nicht alle beantworten, wenn das dir gerade zu viel ist, aber das sind so die Gedanken die mir durch den Kopf gegangen sind als ich deinen Beitrag gelesen habe.
Ich weiß aus Erfahrung wie schlimm Panik sich anfühlt und das dieses Gefühl dann noch mehr Angst produziert.
Für mich war es wichtig das ich mich damit an einen Psychotherapeuten und Psychiater gewendet habe.

Ich wünsche dir erst einmal das du ein wenig zur Ruhe kommen kannst und dann den Weg für dich findest der sich gut anfühlt.

LG
Rowi

09.07.2019 07:22 • x 3 #2


Valachord
Ich war damals beim Psychiater, aber wirklich geholfen hatte der nicht wirklich, bis auf Medikamente.
Wie soll ich das beschreiben? Ich habe einfach totale Panik vor neuen Situationen/Menschen/Gegenden. Ich brauche lange um mich auf neues einzustellen und das ist gerade das Problem. Es passiert einfach alles zu schnell. Innerhalb einer Woche muss ich mein vertrautes Umfeld verlassen, um in einer völlig fremden Umgebung zu bleiben. Das kann kurz sein, aber auch dauern. Ich weiß das klingt albern aber allein der Gedanke bringt mich total aus der Fassung. Mein Vater möchte nicht in meine Ecke ziehen und bleibt daher in unserer alten Wohnung, hält sich aber viel bei mir auf! Wir beide haben nur noch uns und das wird irgendwann mal ein großes Problem für mich, denn ich habe keine Freunde (früher war das anders aber sind alle umgezogen) durch meine Arbeitszeiten habe ich nur ein zwei Kollegen mit denen man ein bisschen Kontakt hat. Mehr aber auch nicht! Dazu kommt das ich durch einige Erfahrungen kaum jemand an mich ranlasse.

09.07.2019 11:49 • x 2 #3


Rowi
Lieber Valachord,
es klingt absolut nicht albern.
Ich möchte dich wirklich ermutigen eine Psychotherapeutische Therapie (Verhaltenstherapie) in angriff zu nehmen und mit dieser Hilfe dein Leben wieder zu stabilisieren auch in hinblick auf deine Zukunftsangst wie es weiter geht wenn dein Vater als Unterstützung weg bricht.
Aus meiner eigenen Erfahrung heraus braucht es viel Zeit um zu lernen mit seiner Angst und Panik umzugehen. Es ist in Ordnung sich diese Zeit zu nehmen.
Lass dich erst einmal krank schreiben, schau das du mit deinem Vater zusammen eine Tagesstruktur für dich findest die dich entlastet und etwas von dem Druck nimmt. Tu dir etwas gutes mit dem du dich wohl fühlst. Sprich auch mit deinem Hausarzt offen über deine Befürchtungen, er kann dann besser einschätzen wie er dir am besten helfen kann und dann wenn die Zeit dazu gekommen ist kannst du dich mit der Unterstützung eines Therapeuten an deine Ängste wagen.

LG
Rowi

09.07.2019 12:08 • x 3 #4


Valachord
Ich war heute beim Arzt hier im Urlaub und bin erstmal 10 Tage krankgeschrieben + Beruhigungstabletten. Wenn ich wieder zu Hause bin soll ich auch zu meinem Hausarzt und krieg wahrscheinlich ne Überweisung. Muss ich wohl echt angehen das Thema aber erst wenn diese Situation mit der Wohnung ausgestanden ist.

10.07.2019 16:01 • x 2 #5


ZeroOne
Hi Valachord!

Ich finde deine Entscheidung toll, das Thema anzugehen! Mit einer Therapeutensuche kannst du schon jetzt, z.B. über die Homepage der Kassenärztlichen Vereinigung deines Bundeslandes beginnen, wenn du den Nerv und die Zeit dafür findest, da die Wartezeiten leider bei Wochen und Monaten liegen.

Auf jeden Fall macht es Sinn, sich schon jetzt auf die Zukunft vorzubereiten, wenn für dich bereits jetzt klar ist, dass du mit Veränderungen zu kämpfen hast, auch wenn diese noch nicht direkt heute anstehen.

Ich drücke dir die Daumen!

LG
ZeroOne

10.07.2019 16:22 • x 3 #6


Valachord
Hallo danke für eure netten Worte! Geht euch das auch so, das wenn so ein Anfall passiert ihr die Sachen die eben noch toll waren, euch dann abschrecken? Ich meine damit zb.das Buch was ich gerade am Lesen war kann ich momentan nicht mehr anfassen weil dann ich dann sofort verkrampfte. Oder ein Film usw. Drück ich mich verständlich aus? Lg

11.07.2019 19:16 • #7


Rowi
GUten Morgen Valachord,
du meinst wenn du eine Panikattacke bekommst das dann dein Hirn alles was sich mit der Situation vernetzen lässt mit Angst oder einem unguten Gefühl besetzt?
Ja kenne ich und ist an sich auch eine natürliche Schutzreaktion des Körpers, weil er möchte ja nicht mehr das du in diese "Gefahrensituation" kommst.
Das Ding ist unser Hirn kann nicht sehen ob nun ein Tiger vor dir steht und diese Panik auslöst oder es eben ein anderer Angstauslöser ist, wie bei mir z.B. die Überweltigende Atmosphäre des Supermarktes.
Dein Gehirn reagiert nur auf den Botenstoffcocktail der bei der Panik ausgeschüttet wird und reagiert dann sozusagen automatisch.
Die vielen kleinen Synapsen und dein Hirn müssen also wie du auch erst lernen, hey davor brauch ich ja wenn ich das so und so mache gar keine Angst haben.
Ist ein längerer Prozess und klappt wenn du ein Helferteam hast (Therapeut, Angehörige, Freunde). Dein Helferteam kann sich in der Zeit auch erst entwickeln, dass muss nicht fix sofort da sein.
Ich habe am Anfang z.B. auch nur meinen Therapeuten und meinen Partner gehabt, jetzt hat sich das auf einen Teil meiner Familie und zwei Freunde ausgeweitet.

Vielleicht hilft es dir wie mir, die Panik mal so zu betrachten, das sie passiert, weil sie dir sagen möchte: "Hey so wie das ist möchte ich das für dich nicht mehr, das strengt zu sehr an, änder bitte etwas damit es dir besser geht und ich nicht mehr so oft den roten Knopf drücken muss."

LG
Rowi

12.07.2019 06:41 • x 3 #8


ZeroOne
Hi Valachord!

@Rowi hat das super beschrieben!

Ich denke auch, dass es zwar normal ist, dass das Gehirn andere, vermeintlich weniger wichtige Dinge (wie angenehme Freizeitaktivitäten) zurückstellt und nicht mehr mit der entsprechenden Hingabe und Freude aufnimmt, wenn an anderer Stelle "Gefahr in Verzug" ist.

Andererseits sind aber u.a. diese kleinen Ablenkungen und Belohnungen genau das, was wir zum Ausgleich brauchen und sollten daher nicht über den Tellerrand fallen.

In Therapien kann man u.a. sehr gut lernen, wie das mit dem Belohnen funktioniert und wie man das für sich nutzen kann, wenn es entsprechende Situationen in Leben zu meistern gilt. Auch kann man in diesem Rahmen lernen, wieder bewusster und intensiver diese Dinge zu genießen.

Ich - ganz persönlich - habe auch schlechte Tage, an es mir nicht gelinkt, mich auf Ablenkung, Freizeitvergnügungen, etc. einzulassen, freue mich dann aber darüber, dass mir diese Dinge ja nicht davon laufen, so lange ich sie nicht aus den Augen verliere: das Buch, oder die DVD stehen auch morgen noch im Regal, nur muss ich mir darüber bewusst sein und sie dann auch mal rausholen.

LG
ZeroOne

12.07.2019 08:51 • x 6 #9


Valachord
Nachdem ich gestern mit dem Senior Chef von meiner Firma telefoniert habe ( bin da seit 20 Jahren wir kennen uns also ne Weile) bin ich zumindest eine Sorge los da ich mir Zeit nehmen soll um wieder einigermaßen in die Spur zu kommen. Dazu versuche ich mich auf eine Sache zu konzentrieren und dabei das Gefühlschaos auszublenden, klappt nicht immer aber zumindest hab ich heute ein bisschen lesen können. Nur schlafen das will einfach nicht klappen. Der Psychologe damals sagte, bei mir fehlt der Ausschaltknopf, ich kann einfach nicht abschalten. Übrigens find ich es echt klasse das sich hier jemand meldet!Lg

12.07.2019 18:39 • x 1 #10


ZeroOne
Hi Valachord!

Das sind doch tolle Neuigkeiten, dass du mit deinem Chef ein gutes Gespräch hattest und du dir wegen dem Job aktuell keinen Druck machen musst! Das ist schon mal die "halbe Miete"! Sowas ist in der Berufswelt nicht selbstverständlich und über so ein Erlebnis darf man sich freuen.

Gerade, was das Schlafen und den fehlenden "Ausknopf" betrifft, ist es gut, in den Händen eines guten Facharztes (Psychiaters) zu sein. Bei manchen helfen schon natürliche Sachen aus dem Dro. (Baldrian, Johanneskraut, etc.). Meist müssen aber schon verschreibungspflichtige Medikamente ran und das müssen dann auch nicht unbedingt klassische Schlafmittel mit Abhängigkeitspotential sein. Oft helfen z.B. Neuroleptika. Aber damit kennen sich die Fachärzte besser aus.

Langfristig kann man beim Thema Schlaf auch gut im Rahmen der Therapie (KVT) profitieren, wo die "Schlafhygiene" durchgegangen werden und man mit Skills, Ritualen, etc. oft einiges erreichen kann, damit evtl. Medikamente abgesetzt werden können.

LG
ZeroOne

14.07.2019 08:43 • x 3 #11


Monesie
Hallo Valachord,
Ich konnte auch monatelang nicht schlafen und habe immer noch Probleme damit. Was mir etwas geholfen hat war die Routine. Ich nehme eine L-Tryptophan 500mg, eine Aminosäure, am Abend, dann erfolgt das Aufschreiben, was in meinem Kopf schwirrt und Autogenes Training und Ruhe. Falls es nicht klappt kommt nach 2 Stunden die heisse Milch mit Honig oder Kakao mit Lavendel zum Einsatz. Das lässt mich meistens 4-5 Stunden schlafen. Es hat 2 Wochen gedauert bis es mir etwas besser ging. Vielleicht hilft es dir auch? Ach, wenn du jemanden hast, der dich feste drückt vor dem Schlafen, das hilft auch.
Etwas Lustiges lesen, z.B Hägar, der Schreckliche, hilft auch zum Abschalten.
Einfach mal versuchen.
LG Monesie

15.07.2019 08:43 • x 2 #12


Valachord
Danke euch allen, bin noch ein wenig länger krankgeschrieben worden, samt Überweisung zum Seelenklempner. Ich versuche es vor dem Schlafen mit (ja lacht ruhig) Videos von verrückten Nymphensittichen. Bringen mich wenigstens zum lachen.

15.07.2019 16:42 • x 1 #13


ZeroOne
Hi @Valachord !

Zitat von Valachord:
Ich versuche es vor dem Schlafen mit (ja lacht ruhig) Videos von verrückten Nymphensittichen.


Och. es gibt Leute, die gucken vor dem Schlafen ganz andere "Videos"!



LG
ZeroOne

15.07.2019 16:49 • x 4 #14


Jedi
Zitat von ZeroOne:
es gibt Leute, die gucken vor dem Schlafen ganz andere "Videos"!

15.07.2019 17:00 • #15




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