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Angst vor beruflicher Überforderung

Martin-

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Vielleicht kennt das Folgende jemand in ähnlicher Form und kann mir Input geben, wie ich damit umgehen kann, bzw. was ihr/ihm geholfen hat:

Ich bin mittlerweile selbständiger Programmierer (mitte 40) und habe am Telefon oder in Kundenbesprechungen immer damit zu kämpfen, dass ich mir bei jeder Anforderung gleich Horrorszenarien ausmale, wie schwierig das werden könnte (logisch nicht nachvollziehbar). Manchmal werde ich richtig pampig und schäme mich dann dafür. Da greift eben sofort eine Art Abwehrmechanismus und ich fühle mich vollkommen machtlos dagegen, selbst wenn ich ganz ohne Angst rein gehe, dass es wieder passieren könnte, passiert es trotzdem.

Ich habe noch nie jemanden vergrault deswegen, weil die Leute anscheinend merken, dass das nicht böse gemeint ist, aber für mich selber ist das schon ein gehöriges Problem. Dadurch wird viel an Möglichkeiten blockiert. Wenn ich dann mal angefangen habe, die Aufgabe zu erledigen und einen Überblick habe, was konkret zu tun ist, dann vergeht die Angst auch recht schnell. Im Hintergrund laufen dann die Selbstvorwürfe ab, warum ich denn jetzt wieder 'grundlos' so abweisend war.

Früher war das nicht so und hat eventuell angefangen, als mein damaliger Arbeitgeber mich in eine Position gesteckt hat, in der ich tatsächlich überfordert war. Ich war damals ganz einfacher Programmierer und sollte plötzlich Fachabteilungen in Themen beraten, von denen ich eigentlich keine große Ahnung hatte. Da war damals auch eine Besprechung mit mindestens 5 Leuten, die mich mit Fragen bombardiert haben und ich musste bei jeder Frage mit weiß ich nicht antworten, oder hab irgendwas rum gestottert, was ihnen auch nicht weiter geholfen hat. Das ist aber jetzt schon mindestens 8 Jahre her. Es war aber damals ein echter Alptraum und ich konnte abends nichtmal heim, weil es in einer Auslandsgesellschaft war und ich dann allein in mein Hotel zurück musste. Wie im falschen Film war das.

Vorab schonmal Danke für eure Beiträge!

05.02.2020 15:11 • #1


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ZeroOne

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Hi @Martin- !

Das kenne ich auch. Beruflich und privat.

Wenn sich das tatsächlich schon länger manifestiert hat, dann könntest du vielleicht mal über eine Psychotherapie nachdenken, um u.a. zu recherchieren, ob da tatsächlich traumatische Erlebnisse in deiner beruflichen Vergangenheit liegen, die dich heute blockieren. Das wird aber nicht von heute auf morgen umsetzbar sein.

Um kurzfristig was gegen das immer weitere Hineindrehen in diese Panikspiralen zu unternehmen, gibt es u.a. ein paar Tricks aus der Verhaltenstherapie.

Mir hat z.B. manchmal geholfen, die Situation geistig zu eskalieren: mir auszumalen, was im worst case passieren könnte, wenn ich wirklich alles verbocke und alles schief geht, was nur schief gehen kann und was danach die Konsequenzen wären. Am Ende stand dann meist die Erkenntnis, dass es keinen Weltuntergang geben wird, selbst wenn ich es gegen die Wand fahre.

Eine andere Technik geht in die gleiche Richtung, nur dass du dabei den Sachverhalt gedanklich für dich derart übertreibst und ins Lächerliche ziehst, dass du ihn am Ende nicht mehr ernst nimmst. Das sollte man allerdings nicht bei Themen anwenden, die tatsächlich übelst ins Auge gehen können.

Es gibt noch viele, weitere verhaltenstherapeutische Krücken, die in solchen Situationen weiterhelfen können. Google ist da wie immer ein guter Freund und Helfer.
Ich persönlich bin allerdings kein überzeugter Verfechter der Verhaltenstherapie, auch wenn damit schnell (scheinbare) Erfolge erzielt werden können. Für mich persönlich muss es an die Wurzel des Problems gehen, aber das dauert eben - und bis dahin versuche ich, im Hier und Jetzt zu leben.

LG
ZeroOne

05.02.2020 16:44 • x 3 #2


Martin-

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Hallo @ZeroOne !
das mit dem Übertreiben ist ein guter Hinweis, danke!
Ist mir auch schonmal aus Versehen passiert und dann stand ich vorm Spiegel und hab gelacht.
Damit werd ich auf jeden Fall mal experimentieren.

05.02.2020 16:57 • #3

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