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Angst vor Abhängigkeit bei Antidepressivas

Sanna2017

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Hallo, Ich bin neu in diesem Forum und möchte kurz beschreiben, was mir Probleme macht. Ich leide seit 3 Jahren an Angst- und Panikattacken. Seit 1,5 Jahren gehe ich zur Psychotherapie und seit Juni 207 erfolgt eine zusätzliche medikamentöse Therapie, die ich immer abgelehnt habe, aber nach einer schwerden Angst- und Panikattacke dann doch im Juni 2017 begonnen habe. Zunächst abends - wegen monatelanger Schlaflosigkeit- 15 mg Mirtazapin. Schlaf war sofort ok., aber die Ängste nur leicht besser. Dann Steigerung der Dosis auf 30 mg. Mit dieser Dosis treten die Angst- und Panikattacken nur noch selten auf und in abgeschwächter Form. In so einem Fall habe ich gleichzeitig Tavor 0,5 mg von der Psychiaterin für den Bedarfsfall bekommen. Seit ca. August 2018 bemerkte ich dann morgens beim Aufwachen Unruhe, Magenprobleme, leichte Angst vor dem Tag, Antriebs- und Lustlosigkeit. diese Zustände belasten mich sehr und treten nach wie vor fast täglich auf. Dagegen nehme ich dann 0,5 mg Tavor, wenn ich es überhaupt nicht aushalte. Mit dieser Dosierung komme ich dann so über den Tag und bin froh, wenn es Abend wird, da ich ich dann wesentlich besser fühle. Ich denke, dass diese Symptome eine leichte Depression ist, meine Psychiaterin allerdings meint, das sei ein Morgentief. Ich muss noch hinzufügen, dass ich unter Hashimoto leide seit Jahren und seit September 2017 erst medikamentös mit L-Thyrox behandelt werde. Meine Hoffnung war, dass damit die anderen

Beschwerden (s.o) sich bessern würden. Aber bisher leider keine Anzeichen!!! Gedanken mache ich mir nun aber auch wegen des Antidepressivas und der Tavor. Ich habe Angst vor Abhängigkeit. Wie bemerkt man diese? Kann mir jemand Tipps geben? Ich möchte nicht mein Leben lang diese Medikamente nehmen.

Ich bin dankbar für alle Tipps und Anregungen.

Sanna 2017

10.01.2018 16:02 • #1


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Edelle:

Hallo Sanna,

ich bin ebenfalls neu hier und befinde mich in einer Schlafmittel-Abhängigkeit, aus der ich mich gerade zu befreien versuche. Alle Psychomittel können es in sich haben und bergen leider die Gefahr einer Gewöhnung. Auch beim Absetzen kann es schwierig werden, das scheint sehr unterschiedlich zu sein.

Du fragst, wie man es merkt. Die Anzeichen sind sehr unterschiedlich, je nachdem, was man einnimmt. Wenn Du Dich unruhig, nervös und ängstlich fühlst, kann das durchaus mit den Medikamenten zusammenhängen, vielleicht damit, dass die Wirkung nachlässt und der Organismus "Nachschub" verlangt. Leider löst ein Aufdosieren oder ein Umsteigen auf ein anderes Medikament oft nicht das Problem, sondern kann es noch verschärfen. Die Schilddrüsenstörung kommt bei Dir hinzu, und Hashimoto kann ebenfalls solche Symptome hervorrufen, das lässt sich schwer beurteilen. Wie sind denn Deine Werte, sind sie aktuell und die SD gut eingestellt?

Viele Grüße,
Edelle

26.02.2018 13:37 • x 1 #2


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von Sanna2017 » 21.03.2018, 17:34

Hallo Edelle,

vielen danke für deine Antwort. ja, ich weiß, dass der Körper evtl. nach dem Medikament verlangt, wenn Unruhe, Angst oder ein undefinierbares Körpergefühl eintritt. Es heißt ja auch, dass man langsam die Dosis verringern soll bis man auf 0 ist. aber ich nehme am Tag 1/2 Tablette wenn mich die Angst nicht loslässt. Dann eine paar Tage keine. Ich habe die halbe auch schon mal halbiert und genommen. Hat dann auch mal geklappt, so dass ich das Gefühl hatte, es hilft. Aber ich kann die Dosis nicht mehr verringern. Bislang verlangt mein Körperer zum Glück noch keine höhere Dosis.

Ich traue mich auch nicht, mit meiner Psychologin darüber zu sprechen geschweige denn mit der Psychiaterin. Habe dann Angst, dass ich kein Rezept mehr bekomme. Denn schon die Schachtel nur in der Tasche oder im Arzneischrank zu haben, macht mich ruhiger und gelassener.

Ja. und dann die Hashimoto. Die ruft natürlich auch einige Symptome hervor. Ich werde mit L-Thyrox behandelt seit 6 Monaten. Meine Werte vom 01.03.diesen Jahres habe ich leider noch nicht. Also tappe ich zurzeit noch im Dunkeln.

Das Mirtazapin nehme ich erst mal weiter abends 30 mg ein. Ich denke, dass mir das auch hilft. Über das Ausschleichen irgendwann mal habe ich mir da noch keine Gedanken gemacht.

Nun werde ich erstmal auf die Laborergebnisse warten. Ich werde mich dann noch mal melden.

Liebe Grüße
Sanna

22.03.2018 11:06 • x 1 #3


robbi

robbi

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Die Angst ist berechtigt. Meine Mutter kommt nicht davon los. Ich wäre wohl auch so ein Kandidat, der leicht davon abhängig wird. Aus einem Tag werden zwei und ruck zuck will und kann man nicht mehr ohne. Mir ist es schon schwer gefallen von Hogga Night loszukommen. Ich habe gelegentliche Schlafstörungen und es ist einfach zu verlockend, wie ein Baby zu schlafen. Vor 4 Jahren habe ich Cipralex / Escitalopram 10mg verschrieben bekommen. Für 3 Wochen habe ich es genommen und selbst in dieser kurzen Zeit hat sich ein Gewöhnungseffekt eingestellt. Da ich nicht gerne zum Arzt gehe und ich ja ansonsten nicht dran komme, war diese Phase irgendwann wieder vorbei. zum Glück.

Grüßle

24.03.2018 09:50 • x 2 #4


Edelle

Edelle

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Hallo Robbi,

da hast Du Glück gehabt, denke ich. Es gibt ein großes Forum im I-Net, in dem von nichts als von massiven Absetzschwierigkeiten die Rede ist, das kann einem bei jedem einzelnen Medikament schon angst machen.

Es ist sicher richtig, sehr vorsichtig mit all dem zu sein, aber die Alternative erscheint einem manchmal wie die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Grüße, Edelle

26.06.2018 07:56 • x 2 #5


Sanna2017


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An alle die zu diesem Thema etwas geschrieben haben,
ich dachte bisher, mit o,25 mg Tavor diese ausschleichen zu können. Bisher kam ich gut damit hin. Seit letzten Montag habe ich wieder Angst- und Panik und in der Nacht zum Dienstag hatte ich eine Panikattacke mit Herzrasen, Todesangst, Zittern, frieren etc.
war in der Notaufnahme. Es wurden die Herzenzyme und CRP und noch einige Blutwerte kontrolliert. Alles bestens! Zu Beginn der Attacke habe ich 0,25 mg Tavor genommen und keine Besserung bemerkt. Im KH habe ich dann von der Ärztin 0,5 Tavor bekommen und dann wurde ich ruhiger, die Ängste waren nicht mehr so groß. Aber wenn ich bei einem Arzt mich in der Situation aufgehoben fühle, tritt in der Regel gleich eine Besserung meines Zustandes ein. Nach 3 Stunden war ich dann wiederzu Hause und bin nach knapp 4 Stunden Schlaf dann arbeiten gegangen (ist ein Ehrenamt in einem KH). Dort kam ich gut zurecht ohne weitere Medikation.
Ich habe dann am Abend des gleichen Tages zunächst im Wohnzimmer tief geschlafen vor Erschöpfung und die Nacht auch noch bis morgesn 8.30. Nun habe ich Angst vor einer erneuten Attacke, denke immer daran, wie furchtbar ich das erlebt habe. Schon die Gedanken lösen bei mir ein Unwohlsein aus, so dass ich denke, ich nehme 1/4 Tavor und es wird dann besser. Aber es wurde nicht besser. Die letzte Nacht habe ich zwar durchgeschlafen (Mirtazin 30 mg. abends weiterhin), aber die Unruhe am Tag ist echt nicht
gut zu ertragen. Jetzt ist in mir die Angst, dass mein Zustand genau wie vor ca. 1,5 Jahren sich wiederholt. Genau das Gefühl habe ich eben zurzeit. Ich habe momentan eine ziemliche seelische Belastung - mein Sohn heiratet und das nimmt mich sehr mit. Ist ein komisches Gefühl. Vielleicht war das der Auslöser für die erneute Panikattacke (letzte war vor 1,5 Jahren). Wenn ich daran denke, wie lange ich gebraucht habe, um relativ normal wieder Leben zu können, bin zienlich verzweifelt und möchte das nicht noch einmal durchmachen.
Auf meine Frage im KH, was ich machen soll, sollte ich wieder sone Attacke bekommen - Antwort: Tavor nehmen.
Ja, und ich will aber unbedingt diese Krücke nicht mehr benötigen müssen. Wo finde ich Hilfe? Habe mir schon den Kopf zermartert, aber mir fällt nichts ein. Vielleicht hat jemand eine Idee oder hat selbst schon mal so ein Problem loswerden wollen.

Bin dankbar für jede Antwort !

Ich kann das immer noch nicht mit dem Danke geben oder erhalten !

28.06.2018 16:21 • #6


Edelle

Edelle

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Hallo,

das klingt für mich wie eine Anpassungsstörung an die Gegebenheiten des Lebens. Die habe ich auch!

Vielleicht erwarten wir da einfach zu viel von uns? Nämlich dass wir alle Veränderungen unverzüglich verkraften und locker damit umgehen. Ich denke aber, es braucht jeweils Zeit, um sich drauf einzustellen.

Medikamente sind uns bestenfalls eine Krücke; psychologische Hilfe, um es aufzuarbeiten, ist gut.

Ich nehme seit neuestem Trimipramin, um schlafen zu können. Ist für mich das kleinere Übel, Aber auf die Dauer möchte ich auch wieder ohne PP meine Schlaflosigkeit bewältigen.

Grüße, E.

28.06.2018 17:23 • x 1 #7


U45

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Beim Suchen nach normalen physiologischen Komponenten des Morgentiefs bin ich auf diese Beiträge gestossen. Sie sind noch aktuell, vermute ich?

Meine Erfahrungen nach einer ziemlich heftigen Angstattacke vor drei Jahren, die sich schon länger mit Schlafstörungen angekündigt hatte, sind eindeutig: "Keine Psychopharmaka!" Glücklicherweise hatte ich immer eine Abneigung gegen "Krücken" und hatte auch keine Schlafmittel genommen. Alles von diesem Weg führt in die Abhängigkeit und zu kaum zu ertragenden Entzugssymptomen, wenn man den Weg verlassen und einen anderen versuchen will. Dazu kommt, dass das "Medikationshopping" die Therapie verlängert und zu Frustration und Selbstaufgabe führen kann. Zweiter glücklicher Umstand war mein offener Umgang mit der Krankheit.

Meine Hilfe kam von traditioneller chinesischer Medizin (TCM) und einem langsamen Umbau der ganzen Lebensführung. Akute Hilfe war Akupunktur, daneben Einhaltung einer Schlafhygiene und Umstellung der Ernährung. Schließlich längerfristig eine Verhaltenstherapie zur Erkundung der Prägungen und Schutzstrategien, die als Kind erworben wurden und heute das Leben meist unerkannt schwierig machen. Dabei erwarb ich mir ein paar Techniken zur Entspannung. Auch wichtig ist körperliche Anstrengung im Tageslicht oder eine 10.000 Lux-Lampe.

Zu den Stichworten ein paar Tipps:
- Akupunktur: möglichst einen gründlich ausgebildeten Arzt suchen, z. B. DÄGFA
- Ernährung: morgens eine heisse Suppe. Lernen, wie es die Chinesen machen.

- Schlafhygiene: Kein Mittagsschlaf/1 Std vorm Schlafen kein Bildschirm (!)/ Nicht lange ohne Einschlafen im Bett wälzen, sondern aufstehen, ein ruhiges Buch lesen, einen Kräutertee trinken und ins Bett, wenn Müdigkeit kommt/ Im Bett nur Schlafen oder Lieben, nicht Lesen oder Fernsehen, Radio hören usw/ Zur Entspannung und zum Einschlafen Atemübung "Atem aushalten" / Körper in physiologische Entspannungslage bringen, d.h. Rückenlage, Knierolle, Nackenkissen, Unterarme stützen./Achtsamkeitsübungen/ Grübeln unterbrechen mit Erinnerungen aufrufen. es gibt unendlich viel, was keine Nebenweirkungen hat.

- Therapeuten finden. Ich habe mich bei Berliner Ausbildungsinstituten beworben, da bekommt man schnell einen Lerntherapeuten, der unter Supervision arbeitet.
- Körper anstrengen: z.B. Nordic Walking, Schwimmen, Radfahren, Theraband, Muskelaufbau durch Training, Rudern, stehend Paddeln. das bringt außer den guten psychischen Effekten auch bessere Körperlichkeit. Schrittzähler (!) 10.000 Schritte täglich

Ich höre jetzt mal auf, man kann viel mehr dazu schreiben.
U45

28.01.2019 09:03 • x 3 #8


Juju

Juju

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Zitat von U45:
Beim Suchen nach normalen physiologischen Komponenten des Morgentiefs bin ich auf diese Beiträge gestossen. Sie sind noch aktuell, vermute ich?

Meine Erfahrungen nach einer ziemlich heftigen Angstattacke vor drei Jahren, die sich schon länger mit Schlafstörungen angekündigt hatte, sind eindeutig: "Keine Psychopharmaka!" Glücklicherweise hatte ich immer eine Abneigung gegen "Krücken" und hatte auch keine Schlafmittel genommen. Alles von diesem Weg führt in die Abhängigkeit und zu kaum zu ertragenden Entzugssymptomen, wenn man den Weg verlassen und einen anderen versuchen will. Dazu kommt, dass das "Medikationshopping" die Therapie verlängert und zu Frustration und Selbstaufgabe führen kann. Zweiter glücklicher Umstand war mein offener Umgang mit der Krankheit.

Meine Hilfe kam von traditioneller chinesischer Medizin (TCM) und einem langsamen Umbau der ganzen Lebensführung. Akute Hilfe war Akupunktur, daneben Einhaltung einer Schlafhygiene und Umstellung der Ernährung. Schließlich längerfristig eine Verhaltenstherapie zur Erkundung der Prägungen und Schutzstrategien, die als Kind erworben wurden und heute das Leben meist unerkannt schwierig machen. Dabei erwarb ich mir ein paar Techniken zur Entspannung. Auch wichtig ist körperliche Anstrengung im Tageslicht oder eine 10.000 Lux-Lampe.

Zu den Stichworten ein paar Tipps:
- Akupunktur: möglichst einen gründlich ausgebildeten Arzt suchen, z. B. DÄGFA
- Ernährung: morgens eine heisse Suppe. Lernen, wie es die Chinesen machen.

- Schlafhygiene: Kein Mittagsschlaf/1 Std vorm Schlafen kein Bildschirm (!)/ Nicht lange ohne Einschlafen im Bett wälzen, sondern aufstehen, ein ruhiges Buch lesen, einen Kräutertee trinken und ins Bett, wenn Müdigkeit kommt/ Im Bett nur Schlafen oder Lieben, nicht Lesen oder Fernsehen, Radio hören usw/ Zur Entspannung und zum Einschlafen Atemübung "Atem aushalten" / Körper in physiologische Entspannungslage bringen, d.h. Rückenlage, Knierolle, Nackenkissen, Unterarme stützen./Achtsamkeitsübungen/ Grübeln unterbrechen mit Erinnerungen aufrufen. es gibt unendlich viel, was keine Nebenweirkungen hat.

- Therapeuten finden. Ich habe mich bei Berliner Ausbildungsinstituten beworben, da bekommt man schnell einen Lerntherapeuten, der unter Supervision arbeitet.
- Körper anstrengen: z.B. Nordic Walking, Schwimmen, Radfahren, Theraband, Muskelaufbau durch Training, Rudern, stehend Paddeln. das bringt außer den guten psychischen Effekten auch bessere Körperlichkeit. Schrittzähler (!) 10.000 Schritte täglich

Ich höre jetzt mal auf, man kann viel mehr dazu schreiben.
U45



Super Beitrag!
Danke dafür!
Für mich könntest Du noch mehr schreiben!

28.01.2019 17:11 • #9


U45

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.gern, Juju, welcher Bereich der Thematik ist Dir wichtig?

Mein Hintergrund: Ich habe nach 40 Jahren selbständiger Kleingewerbetätigkeit aus vermeintlich heiterem Himmel eine mittelschwere Depressionsepisode erlebt und deshalb mein Gewerbeleben abgeschlossen. Seitdem arbeitete ich an der Therapie und lebe jetzt recht gut mit den Resten der Symptome. Andere Kenntnisse als meine Erfahrungen habe ich nicht.

U45

28.01.2019 17:38 • #10


Alexandra2

Alexandra2

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Hallo Sanne,
Woher kommt die Schlaflosigkeit? Passiert immer dasselbe, wenn Du zu Bett gehst?
Du kannst Dir ein anderes Medikament zur Beruhigung verschreiben lassen und es 1/2 Stunde vorm Zubettgehen nehmen, gute Erfahrungen hab ich mit Quetiapin gemacht, es dröhnt mich nicht zu.
Tavor macht sehr schnell abhängig! Daher bröselt eine eingeschweißte Notfalltablette Tavor im Portemonnaie vor sich hin
Alle Schlafmittel verhindern/ erschweren die REM- Phasen in denen wir uns erholen. Ich würde nichts nehmen, eher ausprobieren womit Du richtig müde wirst, coffeinhaltige Getränke bis max 8 Stunden vorm Zubettgehen nimmst und auch mal eine Nacht gar nicht schlafen (24 Stunden nicht).
Zur Tiefenentspannung habe ich sehr gute Erfahrungen mit Meditation gemacht. Es dauert etwas, bis man in die tiefe Entspannung gelangt, aber dann herrlich .

28.01.2019 18:28 • #11


Juju

Juju

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Zitat von U45:
.gern, Juju, welcher Bereich der Thematik ist Dir wichtig?

Mein Hintergrund: Ich habe nach 40 Jahren selbständiger Kleingewerbetätigkeit aus vermeintlich heiterem Himmel eine mittelschwere Depressionsepisode erlebt und deshalb mein Gewerbeleben abgeschlossen. Seitdem arbeitete ich an der Therapie und lebe jetzt recht gut mit den Resten der Symptome. Andere Kenntnisse als meine Erfahrungen habe ich nicht.

U45


Mich interessiert einfach so alles, was Du probiert hast, dass es Dir besser ging. Einfach Deine Geschichte. Vielleicht eröffnest Du ja ein eigenes Thema.
Liebe Grüße.

28.01.2019 19:01 • #12


U45

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Guten Morgen,
juju, meine Geschichte ist nicht so wichtig, ich steuere lieber bei, was ich aus meinen Erfahrungen für allgemein nützlich halte.

Zuerst, was ich in meinem ersten Beitrag vergessen hatte: Angst vor Abhängigkeit ist wirklich geboten. Ich habe eine Nachbarin, die das Ausschleichen versucht. Sie ist schon sechs Monate dabei und wird nicht fertig mit den Symptomen. Lest mal im net, was über Tavor beim NetDoktor steht und jedem muss klar sein, dass die erste Tablette, die hilft, zur psychischen und die weiteren zur physischen Abhängigkeit führen müssen. Warum soll man nicht misstrauisch werden, wenn man unter den Nebenwirkungen das findet, was die Tablette heilen soll.

In der nicht mehr neuen Diskussion über ganzheitliche oder traditionelle (westliche) Medizin sehe ich die Argumente der ersten als überzeugender an. Wenn Depression anzeigt, dass im Leben etwas falsch gelaufen ist, halte ich es für logisch, das Leben zu ändern, wenn man es erkennt. Es kommt auf den eigenen Anteil an der Heilung an. Andere haben das besser formuliert, als ich es kann, aber den Weg halte ich für den besseren, der eher hilft und nicht in Sackgassen von Tablette-Nebenwirkung-Tablette dagegen-.usw führt.

Dabei ist es durchaus nicht Doktrin, keine Medikamente zu nehmen, aber nur im Notfall und nicht solche, die an den Rezeptoren der klassischen Psychopharmaka ansetzen. Das hat mir mein Akupunkteur auf Reisen empfohlen - richtig ist die Beobachtung, dass sowas in der Tasche schon hilft, dann kann es auch bis zum Bröseln drinnen bleiben. Ich suche mal den Namen der Tropfen raus.

Was hat mir geholfen (chronologische Reihenfolge):
- offener Umgang mit der Krankheit
- Offenheit für alle Therapieansätze
- Schlafhygiene und Entspannungsübung/Atem aushalten
- Akupunktur
- Handarbeit (mit Holz oder im Garten)
- Achtsamkeitsübungen
- Verhaltenstherapie

Erleichternd war meine feste soziale Einbindung. Partnerin, Kinder, Enkel, Geschwister, Freunde, auch Leidensgenossen und nicht so enge Bekannte und Gespräche mit allen von Ihnen haben besonders vor Beginn der Therapie geholfen und auch Hinweise gegeben, worüber ich nachdenken sollte. Ebenfalls hilfreich war, dass ich wohl kein Suchttyp bin - kein Rauchen, kein Trinken, kein Suchtspielen - sondern eher ein Genusstyp.

Weil ich "Atem aushalten" als immer zuverlassig helfend beim Einschlafen erlebt habe, beschreibe ich das jetzt:
Hinlegen auf den Rücken, Knie- und Nackenrolle, Unterarme etwas unterstützen, überhaupt alles bequem herrichten (Ruhe, Dunkelheit). Anfangs kann man beim Atmen mitzählen (z.B. über den Herzschlag), es ist aber nicht wichtig.

In drei Stufen (Bauch-Brust-Lungenspitzen) tief einatmen und dann die Luft ohne Druck ausströmen lassen. Das eigentlich entspannende geschieht, wenn die Luft raus ist, nämlich nicht sofort wieder einatmen, sondern abwarten, solange man ohne Mühe kann. Das fällt anfangs etwas schwer, geht aber besser, wenn man gelernt hat, dass das Gefühl, einatmen zu müssen noch keine Atemnot ist.

Das Nichteinatmen sollte etwa doppelt so lange dauern, wie das Einatmen. Alles zusammen sind vier Zeiteinheiten, eine für Atem holen, eine für Atem auslassen und zwei für Atem aushalten. Ich schreibe eigens nicht von Atem anhalten, weil alles wie von selbst geschehen soll. Man merkt auch, dass man im Verlauf der Übung den Atem immer länger aushalten kann, das ist gut so, wenn man es nicht so weit treibt, keuchend einatmen zu müssen - eben locker wie von selbst.

Der Effekt ist, dass ich mit der Beobachtung des Atems die kreisenden Gedanken unterbreche. Es ist zugleich eine Achtsamkeitserfahrung. Diese Übung kann man auch machen, wenn man tagsüber Beklemmungsgefühle hat - auch im Sitzen oder stehen - ich hab´s im Flugzeug gemacht. Ich hoffe, es hilft jemandem. Guten Tag
U45

29.01.2019 09:30 • x 1 #13


Juju

Juju

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Danke, U45.

29.01.2019 11:35 • #14


Ex-Mitglied

Zitat von U45:
Ich höre jetzt mal auf, man kann viel mehr dazu schreiben.


Immer gerne mehr - Ich setz mir auch gleich ein Lesezeichen - damit ich das später noch mal alles ganz genau durchlesen kann.
Und wenn du ganz viel schreiben kannst - dann auch gerne einen eigenen Thread wo man alles gesammelt lesen kann

30.01.2019 11:45 • #15




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