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Angst ohnmächtig zu werden

Mimi-Lou

Mimi-Lou

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Hallo
Ich habe mich entschieden hier anzumelden um gleichgesinnte zu finden.
Kurz zu meinen aktuellen Problemen in mir kommt immer das Gefühl auf gleich ohnmächtig zu werden. Genaue Situationen die dazu führen kann ich momentan nicht beschreiben.
Ich mache seit einiger Zeit eine Verhaltenstherapie indem diese Probleme mit meinem Gefühlen besprochen werden und ich für eine Weile auch Linderung verspüre. Vielleicht hat ja der ein oder andere noch ein paar Tipps für mich.
erstmalig traten die Symptome 2016 auf es hat eine Weile gedauert bis ich einordnen konnte was mit mir los ist.

Viele Grüße Mimi

07.03.2019 17:55 • x 2 #1


Frederick1

Frederick1

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liebe Mimi Lou,

ich wünsche dir von Herzen ein gutes ankommen hier im Forum. Das dir der Austausch helfen kann, neue Erfahrungen, neue Motivation für dich, neue Hoffnung und noch viel viel mehr.

Du das Gefühl ohnmächtig zu werden kenne ich aus meinem Leben. Aber ich wurde noch nie ohnmächtig. Meine Gefühle haben mich getäuscht. Gefühle sind wirklich etwas gutes und schönes, aber sie können dich auch täuschen. Deshalb brauchen wir als zweites Standbein auch unseren Verstand, unser klares Denken.

Nur in dieser Kombination, Verstand und Gefühl komme ich der Wahrheit meines Lebens näher.

Und dann diese ganzen Ratschläge, du denkst zu depressiv, denkst zu pessimistisch, denke besser und positiver, dann geht es dir auch wieder besser.

Doch meine Depression, meine mangelnder Antrieb, meine Ängste usw., da liegen die Wurzeln viel tiefer.

Helfen kann uns nur meine ich, wenn wir unsere Probleme an der Wurzeln packen, den tiefen Grund meiner Depression heraus finden.

Das wichtigste Standbein für mich ist, das Vertrauen und die Liebe zu mir selbst. Wenn du dich geliebt und angenommen fühlst, hast du mehr Vertrauen zu dir selbst, und das macht dich glücklicher, aber auch zufriedener in deinem Leben.

Weil du ein wertvoller Mensch bist, das du dir selbst vertrauen, dich lieben und annehmen. Das macht dich innerlich stärker, du kannst viel besser laufen, selbst bei Wind und Sturm.

Und selbst, wenn du von anderen Menschen, deinen Eltern, keine tiefe Liebe, Annahme und Wertschätzung bekommen hast, darfst du dir das selbst immer wieder schenken. Du darfst achtsam mit dir umgehen, dich wert schätzen.


in guten Gedanken für dich,

viele liebe Grüße,


Frederick

08.03.2019 17:11 • x 2 #2


Mimi-Lou

Mimi-Lou


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Danke für die schnelle und umfangreiche Antwort.

LG Mimi

08.03.2019 17:43 • #3


mutmacher

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ja kenne ich -- nennt sich PANIKATTACKE

08.03.2019 18:10 • x 1 #4


Matt_iu

Matt_iu

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Hallo Mimi-Lou,

es ist zunächst gut zu wissen, dass du professionelle Hilfe in Anspruch nimmst. Kommst du mit der Therapie auch voran?

Ich bemühe mich, dir eine angemessene Antwort zu geben, trotz der dünnen Beschreibung, die du uns wissen lässt. Ohnmachtsgefühle- und Gedanken haben vielfältige Ursachen, wichtig ist jedoch, dass du dich in eine Therapie begeben hast. Wenn ich dir allgemein zum Begriff antworten würde, hättest du am Ende einen Artikel zu lesen, den sicher auch woanders nachschlagen könntest, deshalb schreibe ich dir aus meiner ganz persönlichen Erfahrung, die dir eine mögliche Seite der Ohnmacht vermittelt.

Vor einigen Jahren hatte ich einen unnötigen aber konsequenten Unfall gehabt, der mir vor Augen führte, auf welchem ängstlichen und nervösen Boden mein Charakter gründet und wie geringfügig meine Fähigkeiten zur Bewältigung von Belastungssituationen und mein Selbstvertrauen waren. Ohne viel darüber nachzudenken, war mir oft klar, dass ich zwar schüchtern bin, diese Unsicherheit jedoch durch bestimmte (unbewusste sowie) bewusste Verhaltensweisen verdecken konnte, um in der Menge nicht aufzufallen und die meisten zwischenmenschlichen Konflikte und Stresssituationen zu bewältigen erwähnenswert: Angst vor dem Fliegen, vor Ertrinken in geschlossenen Räumen, vor Abstürzen und vor Gewalt und Schmerz, den ich nicht abwenden könnte. Zudem war ich schon immer introvertiert in der Art, über vieles nachzudenken und tagträumend und grübelnd die Zeit zu verbringen. Bei dem erwähnten Unfall hatte ich meine (ich nenne sie der Einfachheit halber) 1. Panikattacke. Außerdem eine immense Angst vor dem Tod. Es folgten ein Krankenhausaufenthalt und eine kurze psychiatrische Aufnahme. Danach hatte ich ein halbes Jahr Ruhe.

Ich muss auch erwähnen, dass meine Erziehung zwiegespalten war, weil durch keine konkreten Wertvorstellungen vermittelt. Mein Vater war streng, oberflächlich und gewalttätig in Form von Handschlägen bei Ungehorsam oder Regelverstoß. Meine Mutter hatte in meiner Kindheit auch ab und zu die Hand gehoben, war aber dazu liberal, bevormundend und meinem Vater hörig.
Ein halbes Jahr nach dem Vorfall wurde mir von Tag zu Tag bewusster, wie schwach ich bin und wie groß meine Angst vor Ereignissen ist, die ich nicht steuern kann. Ich entwickelte verschiedene Ängste, vor allem aber vor meinen inneren Vorgängen, wie Herzrasen, Kopfschmerzen, leichtem Schwindel. Die Liste der Symptome, vor denen ich mich plötzlich ängstigte, war lang und meine Gedanken kreisten nahezu pausenlos um sie herum und die Ereignisse, in denen sie auftreten könnten. Die Panikattacken häuften sich, mein Körper war ständig auf Alarmbereitschaft; der Teufelskreislauf war da und immer diese Angst vor Dingen, die passieren könnten, vor der Ohnmacht. Ich fühlte mich vollständig gelähmt von ihr, von dem Gefühl, dem Schrecken, das mir bevorstehen könnte und von dem Gedanken, ihn (den Schrecken) nicht abwenden zu können.

Die Ohnmacht, von der ich schreibe, ist sehr eng mit meinem neurotischen und unsicheren Charakter verbunden, das aus der Hilflosigkeit und Widersprüchlichkeit meiner Kindheit und Jugendzeit entstand. Wenn der Unfall diese labile, bzw. zerbrechliche Seite an mir nicht hervorgebracht hätte, dann hätte ein anderes Ereignis dazu geführt. Der Aufwand, den ich seitdem für die Lösungssuche verbuche, ist groß und von Erfolg gezeichnet. Ich denke, dass jede Therapie nur so gut ist, wie man sie und die feinen Zusammenhänge verinnerlicht und nur begrenzt wirkt, wenn man die Einstellung hat, die Störung wäre ein Päckchen, das man dem Therapeuten abgeben kann. Ich habe gelernt, meine mentale Kraft für vernünftige Gedanken und Methoden zu investieren, statt über Katastrophen zu grübeln: besonders an meinem Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen zu arbeiten; besonders im Hinblick auf die mit Angst verbundenen Situationen; beides führt zur Selbstwirksamkeit. Es ist das Gewissen und das Gefühl, in Situationen an seine eigenen Fähigkeiten zu glauben und sie anzuwenden. Meine Ohnmachtsgefühle hatten sich von der Unsicherheit genährt, die ich in vielen Situationen zeigte oder verdeckte. Also fing ich aktiv damit an, mit allen notwendigen Situationen zu arbeiten, vor denen ich fürchtete, ich würde in ihnen ohnmächtig werden. Diese Konfrontationstherapie hat viele Vorteile, aber ohne mir bei alledem näher zu kommen, gleichsam mein Wesen besser kennenzulernen, hätte ich es auch nicht weit gebracht. Das erfordert viel Offenheit sich selbst gegenüber und viel Geduld.

Meine Vorstellung von Ohnmacht hat sich im Laufe der Zeit radikal verändert, so wie das Verständnis von meinem Ich. Wenn ich heute eine Angstattacke oder Ohnmachtsgefühle erlebe, wehre ich mich nicht dagegen, denn sie haben kaum mehr die Intensität, mich zu beeinflussen sie kommen so schnell, wie sie gehen und ihre Häufigkeit nimmt mit jedem Monat ab. Was ich meine ist, dass von so etwas wie der Ohnmacht bedrückt zu werden und unter ihr zu leiden, nicht nur eine Schwäche meines Körpers bedeutete, sondern mir auch mein Verhältnis meines Wesens zur Außenwelt deutete.

Durch viel Geduld, Akzeptanz und Achtsamkeit deute ich heute meinen Körper und die Symptome anders, ich stärke meinen Geist und und betrachte meine Gefühle nicht mehr als bloße unbeeinflussbare Tatsachen meiner Natur.

Vielleicht kannst du einen positiven Schluss für dich daraus entnehmen, ich wünsche dir in jedem Falle alles Gute,

bis bald.

08.03.2019 22:23 • x 4 #5


Mimi-Lou

Mimi-Lou


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Ganz vielen Dank für den Einblick in deine ganz persönliche Geschichte.

Sobald ich mich besser sortiert habe schreibe ich noch was zu meiner Geschichte.
Bin damit eben angefangen und merkte schnell das es ein ziemliches durcheinander ist.
Auch nicht schlecht somit habe ich ein Aha Effekt gehabt mit der Aufgabe mich erstmal in Ruhe zu sortieren.

Liebe Grüße Mimi

08.03.2019 23:22 • x 3 #6




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