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Abwärtsspirale im Leben - wie durchbrechen?

Azura

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Ich habe das Gefühl, dass ich mich seit 4-5 Jahren auf einer dauernden Abwärtsspirale im Leben befinde - und das mit mir eigentlich nur noch gemacht wird, anstatt dass ich mache.

Richtig schlimm wurde es, als ich mich von meinem Mann für einen anderen Mann getrennt habe - der sich im Nachhinein als ziemlicher Narzisst und absolut beziehungsunfähig rausgestellt hat. Nun waren wir aber eine doch recht lange Zeit (fast 4 Jahre) zusammen, und es war sicher auch nicht alles immer schlecht. Allerdings habe ich selbst bemerkt, dass ich aus einer selbstbewussten jungen Frau, die ihr Leben im Griff hat und total selbstbestimmt ist, zum Beifahrer wurde, der darauf wartet, wie andere agieren um zu reagieren, die hofft, nirgends anzuecken und sich möglichst unauffällig zu verhalten und es allen Recht zu machen.

Da ich in der Zeit dieser Beziehung sehr viel alleine war (auf Grund oben genannter Gründe und Jobbedingt) habe ich mich recht schnell nach dem er die Beziehung beendet hat, dazu entschieden, wieder zu daten. Das tut mir auch am Anfang gut, ich öffne mich für die Menschen, freue mich über neue Bekanntschaften - und dann kommt die Ablehnung. Ist das ein generelles Problem der Menschheit oder bin ich einfach zu "doof" oder zu "gut"? Wie auch immer, ich kann einfach nicht nachvollziehen, wie es Menschen schaffen, innerhalb von Wochen wirklich eine Verbindung zu jemandem aufzubauen (Nachrichten im Minutentakt, Telefonate, Treffen), nur um sich dann sang- und klanglos zurückzuziehen? Warum macht man sowas?

Ich nehme alles furchtbar persönlich - ich weiß das, aber ich kann es nicht abstellen. Ich sehe jede Reaktion auf mich als Ablehnung meiner Person. Im Grunde weiß ich, ich bin eine hübsche, attraktive Frau, ich bin studiert und sehr erfolgreich in meinem Job - ich weiß das alles, und dennoch kann ich diese Gefühle nicht ablegen.

Hinzu kommt, dass sich auch mein Freundeskreis recht stark minimiert. Ich nahm an, das läge am Alter, aber wer weiß. Ich habe ein paar sehr gute Freunde, aber die wohnen fast ausschließlich weit weg.
Ich kann überhaupt nicht mit Konflikten umgehen - sie zerreißen mich. Kein Schlaf ohne Schlaftabletten, und sicher 3-4 mal die Woche ein Glas Wein, anders schaffe ich es nicht.

Ich vernachlässige Pflichten in der Freizeit, es wundert mich, dass ich es bisher weiter auf die Arbeit schaffe. Jede Belastung oder jedes Problem wird zur Zerreißprobe für mich - ich habe das Gefühl, wenn noch was oben drauf kommt, dann bin ich ganz am Ende.
Nur leider kommt immer mehr dazu, mehr Probleme, weniger soziale Kontakte, wieder Menschen, die mich so sehr verletzen, dass ich es kaum ertragen kann.

Oh je, das wurde jetzt ein ganz schönes Mimimi.

Ich habe mich entschieden, mich hier anzumelden, da ich schon in einem sehr netten Forum schreibe, aber viele Menschen persönlich kenne und mittlerweile immer die Angst habe, es könnte gegen mich verwendet werden. Vielleicht totaler Blödsinn, aber wer weiß.

Ich habe mich angemeldet, da ich es aus dem anderen Forum als durchaus hilfreich empfinde, wenn man niederschreiben kann.

Grüße, Azura

07.12.2018 09:26 • x 2 #1


ulysses

Hallo Azura,
schön dass du dein Mimimi hier ablädst. So bin ich nicht der einzig neue hier.
Deine Problematik ist wohl eher eine die vielen einschliesslich mir selbst bekannt ist. Es gibt da so viel zu sagen dass ich das im ersten Anlauf zurück stelle da ich ja mit mir selbst in Konflikt gerate und aufpassen muss dass ich gerecht werte. Aber keine Angst - es werden sich recht bald andere Mitglieder melden.
Bis dahin: Kopf hoch ...

07.12.2018 10:57 • x 2 #2


Riu13

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Hallo Azura,
wie gut, dass hier alle so tapfer sind und sich nicht unterkriegen lassen. Auch du nicht. ..
Du schreibst, dein Lebenspartner war Narzist. Wie hast du das gemerkt und wie ist es dir gelungen, dich zu lösen.
Vor allem aber, wie geht es dir heute damit, wenn du zurück blickst?
Liebe Grüße Riu

07.12.2018 15:05 • x 2 #3


Frederick1

Frederick1

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liebe Azura,

auch von mir ein ganz herzliches Willkommen im Forum. Ich möchte dir hier von Herzen wünschen, das du Antworten auf deine Fragen bekommst, und das du hier gute Beziehungen findest. Denn gerade Freundschaften, gute soziale Beziehungen, können uns in der Depression ganz arg helfen.

In einer gesunden Familie, wie ich sie mir auch schon gewünscht habe, entsteht eine intensive Beziehung, Zuneigung, Anteilnahme am anderen, und Unterstützung.

Das wir aufeinander eingehen, miteinander reden,miteinander teilen, füreinander sorgen. Niemand ist isoliert, schaut nur auf sich. Menschen die ermutigen, Menschen die Hilfe, Liebe und Trost bekommen, und das im unterschiedlichen Wechseln.

Wer so aufwächst, so leben kann, der muss nicht so mit den Depressionen leben. Gute Beziehungen sind das Schönste was es im Leben gibt, aber auch Verletzlichste, Enttäuschungen, du hast dich in einem Menschen getäuscht, Trennungen.

Und vielleicht wieder Versöhnung, sich einander vergeben. Also ich bin ja auch nur ein Mensch, habe meine Schwächen und Fehler, aber sich in einer Beziehung wieder versöhnen, vergeben, einen Neuanfang wagen, das sind eine der besten Erfahrungen in meinem Leben, liebe Azura. Da darf ich auch aus meinen eigenen gemachten Fehlern lernen.

Das wir als Menschen in der einer Beziehung nicht zu früh aufgeben, außer es geht echt nicht mehr.

Am Anfang bist du romantisch verliebt, du meinst den Menschen gefunden zu haben, der dich nie enttäuscht. Doch aus dem Traumpartner wird eines Tages ein normaler Mensch, und das tut weh. Ein Mensch mit Launen und Schwächen, ein Mann der nicht immer gut drauf ist. Aus Angst davor, mein Hochgefühl, mein Glück könnte ein Ende haben, bin ich bereit, berechtigte Bedenken aus dem Weg zu räumen.

Leider gibt es in der Beziehung keine Garantie. Man weiß, das der andere auch seine Schwächen hat, auch wenn der Himmel noch voller Geigen zu hängen scheint.

Das sind alles schöne Dinge, die wir genießen dürfen, aber ich musste es lernen, auch meinen Verstand wieder zu gebrauchen. Und du meinst, in einer neuen Beziehung wird alles besser.

Für mich drückt sich echte Liebe vor allem durch Wertschätzung aus. Das ist mehr als Lob und Anerkennung. Es geht um den gegenseitigen Respekt, den wir einander bezeugen, gerade auch in den Kleinigkeiten unseres Alltags.

Wie ich rede, wie wir unterschiedliche Meinungen austauschen, wie ich zuhöre.

Ich wünsche dir von Herzen, dass du dich immer wieder selbst annehmen und lieb haben kannst, Achtung vor dir selbst haben darfst. Ich meine, nur wenn du Liebe und Achtung vor dir selbst hast, hast du die auch vor anderen Menschen.

Es kommt so vieles auf uns selbst an, du darfst dein Leben bestimmen, dir immer wieder selbst bewusst sein, das du ein wertvoller Mensch bist.

Und so wünsche ich dir hier einen guten und wertvollen Austausch für dich,


viele liebe Grüße und gute Gedanken wünschen dir,


Frederick und Hund.

07.12.2018 17:40 • x 2 #4


ulysses

Zitat von Azura:
... und dann kommt die Ablehnung. Ist das ein generelles Problem der Menschheit oder bin ich einfach zu "doof" oder zu "gut"? Wie auch immer, ich kann einfach nicht nachvollziehen, wie es Menschen schaffen, innerhalb von Wochen wirklich eine Verbindung zu jemandem aufzubauen (Nachrichten im Minutentakt, Telefonate, Treffen), nur um sich dann sang- und klanglos zurückzuziehen? Warum macht man sowas?


Ob doof oder zu gut habe ich mich auch lange gefragt. Die Antwort lautet: Anders!
'Die Anderen' handeln Beziehungen heute nur ab und beenden diese bevor sie vom anderen beendet wird was ihnen ein Gefühl der Ablehnung bescheren würde. Viele lassen sich von vornherein auf keine Beziehung mehr ein weil sie Angst davor haben und das für sie deshalb mit Stress verbunden ist. Ich dar selbst habe damit aufgehört mich um andere zu bemühen.

Anders sein ist in Ordnung. Man muss es nur erkennen und akzeptieren. Ich bin anders und habe meine Werte bewusst gelebt. Es hat mich meinerseits in eine zunehmende Abwärtsspirale gebracht die mich aber nicht daran hindert glücklich und zufrieden allein zu leben. (Meine derzeitigen Depressionen und Angstzustände rühren nicht von daher sondern aus einer jahrelangen Überlastung.)

Eine Antwort wie es gelingt diese Abwärtsspirale zu verlassen ohne die richtigen Menschen an der Seite und einer Gesellschaft die nach oben hin durchlässig für anders gestrickte Menschen ist habe ich nicht. Deshalb Azura kann ich dein Problem auch nicht auflösen, sorry. Ich wünsche dir aber dass du lernst damit um zu gehen, in einer Weise dass du ein menschenwürdiges Leben wiederfindest.

07.12.2018 18:23 • x 2 #5


Frederick1

Frederick1

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hallo,

aufgeben finde ich ist das schlimmste was wir da machen können.Egoismus, Eigennutz, die uns einreden, ich bin mehr, besser, intelligenter, weiser, klüger usw als andere. Wir müssen unser Selbstbild nicht übersteigern. Es ist so leicht überheblich zu werden, und sich zuviel auf sich selbst einzubilden.

Egal, wie begabt ich als Mensch bin, eine besonnene Selbsteinschätzung kann mich als Mensch vor manchem bewahren.

Welches Lebensgefühl habe ich. Das ich nicht verstanden werde, ausgenutzt werde, was muss oder kann ich da ändern.

Wo lebe ich in Balance, im Einklang mit mir selbst?

Was habe ich davon, wenn ich mich verhalte, wie man sich verhält? Wenn ich alle Erwartungen von Menschen erfüllen muss, weil ich zu wenig Vertrauen zu mir selbst habe?

Wichtig finde ich, nicht zu schnell aufzugeben, sondern im Leben immer wieder zu lernen.


"Ich habe gelernt im Leben zu lernen,

habe Gutes und Schlechtes erlebt,

und manchmal da wollte ich nicht länger mehr leben,

weil das Leben mir so sinnlos und ungerecht erschien.


Aber alles das Erlebte habe ich gespeichert in mir, und es macht mich zu dem Menschen, der ich heute bin.

Und ich glaube, es muss doch irgendwie möglich sein, im Frieden zu leben, wieder einmal glücklich zu leben, neu anzufangen. Ja vielleicht ist schlecht, aber doch nicht alles.


liebe Grüße,

Frederick und Hund.

07.12.2018 18:53 • x 1 #6


Frederick1

Frederick1

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hallo,

jetzt muss ich doch noch was sagen. Natürlich ist die Depression eine von den schlimmsten Dingen die es überhaupt gibt.

Und es verwundert mich, wie wütend ich da werden kann. Weil ich auch jahrelang Wut und Zorn geschluckt habe. Depression ist auch verdrängte verdrängte Wut und Überanpassung, um des lieben Friedens willen, der aber gar kein Friede ist.

Deshalb musste ich es auch lernen, über meine Gefühle zu sprechen. Wer nicht über seine Gefühle reden kann, der kann nicht erwarten, das ihn andere Menschen verstehen.

Es fällt uns schwer uns abzugrenzen, wir vermeiden es, Bitten anderer Menschen abzuschlagen, leiden unter Verlust der Liebe und Harmonie,. So sind wir oft Marionetten in den Händen anderer Menschen. So verbindet sich meine Wut gegen mich selbst, mit der Wut zu anderen Menschen, eine ganz schlimme Situation.

Oft richte ich meine Aggression gegen mich selbst, und auch gegen andere, das macht depressiv.

Es geht darum, meine Gefühle raus zu lassen, sie nicht zu unterdrücken.

Wenn ich meine negativen Gefühle wie Wut, Angst, Schuld lange verdränge, verliere ich den Kontakt zu ihnen.

Wut zu empfinden, Zorn, Hass, Neid usw ist nicht schlimm. Aber wenn ich es nicht wahrhaben will, vor mir und anderen Menschen verstecke, dann kommt oft die Depression. Jede Verdrängung hat ihren Preis.

Wenn ich so tut ich es kann, mit mir selbst und meinen Mitmenschen im ehrlichen Frieden leben kann, das ist für mich der beste Schutz gegen meine Depression, da habe ich selbst noch viel zu lernen. Loslassen können, auch die Menschen die mich verletzt haben. Menschen die mich verletzt haben, loslassen, mich mit meinem Leben versöhnen. Nicht nur andere Menschen sind schuld an meiner Depression, oft auch ich selbst. Warum habe ich mich immer so ausnutzen lassen usw...

Meiner Lebenswahrheit ehrlich in die Augen sehen, nicht verdrängen................es muss an das Licht, die dunkle Depression muss an das Licht........................

Deshalb, wir wollen nicht aufgeben, die Abwärtsspirale wollen wir aufhalten!


viele liebe Grüße,

Frederick mit Hund.

07.12.2018 19:21 • x 1 #7


Azura


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Vielen Dank für eure konstruktiven und aufmunternden Beiträge, ich freue mich sehr.

Zitat von Frederick1:
Und vielleicht wieder Versöhnung, sich einander vergeben. Also ich bin ja auch nur ein Mensch, habe meine Schwächen und Fehler, aber sich in einer Beziehung wieder versöhnen, vergeben, einen Neuanfang wagen, das sind eine der besten Erfahrungen in meinem Leben, liebe Azura. Da darf ich auch aus meinen eigenen gemachten Fehlern lernen.


Weder sind wir in Streit auseinander gegangen, noch habe ich irgendwelche negativen Gefühle für meinen Partner. Es war seine Entscheidung, sich zu trennen, ich wäre trotz all seiner "negativen" Eigenschaften mit ihm zusammen geblieben.

Zitat von Frederick1:
Es fällt uns schwer uns abzugrenzen, wir vermeiden es, Bitten anderer Menschen abzuschlagen, leiden unter Verlust der Liebe und Harmonie,. So sind wir oft Marionetten in den Händen anderer Menschen. So verbindet sich meine Wut gegen mich selbst, mit der Wut zu anderen Menschen, eine ganz schlimme Situation.


Genauso empfinde ich das auch - aber es ist auch das Gefühl, dass es daneben geht, egal, wie ich es mache. Ob ich mich nun abgrenze oder versuche es jedem Recht zu machen, es geht immer schief.

Zitat von ulysses:
Ich dar selbst habe damit aufgehört mich um andere zu bemühen.


Tja, an dem Punkt bin ich leider auch mittlerweile, nur macht das eben irgendwann auch sehr einsam.

Zitat von Riu13:
Du schreibst, dein Lebenspartner war Narzist. Wie hast du das gemerkt und wie ist es dir gelungen, dich zu lösen.
Vor allem aber, wie geht es dir heute damit, wenn du zurück blickst?


Gemerkt habe ich das in der Tat recht schnell. Er war immer sehr auf sich selbst bedacht, hat viel über sich selbst gesprochen und das auch sehr gerne, er hat jeden Konflikt am Ende so dargestellt, als sei es meine Schuld (und zwar so, dass ich mich auch Schuld fühlte!) und so dass ich immer wieder diejenige sein musste, die um Vergebung bittet - obwohl ich an den meisten Konflikten kaum oder zumindest nicht hauptsächlich "Schuld getragen" habe.

Mir geht es nicht gut mit der Trennung, ich bin sehr unglücklich. Auf der einen Seite fiel eine kleine Last von meinen Schultern, weil ich nicht dauernd auf seine Anrufe oder Nachrichten warten muss oder dass er mal nach Hause kommt - ja, das war eine Erleichterung, aber im Großen und Ganzen habe ich diesen Menschen sehr geliebt und tue das wohl auch immer noch.

Es können mir noch so viele Menschen sagen, dass ich froh sein soll, dass er mich verlassen hat, dass die Beziehung mich nicht erfüllt hat (was auch stimmt), und das ganz sicher bald jemand kommt, mit dem ich glücklich werde (das glaube ich leider überhaupt nicht) - ich habe einfach das Gefühl, seit der Trennung mein Leben nicht mehr auf die Reihe zu bekommen, mich selbst und mein Umfeld zu vernachlässigen und sehe einfach keine Perspektive mehr.

Vielleicht mag es daran liegen, dass ich mir vorgestellt habe, mit diesem Menschen alt zu werden, die Welt zu bereisen, schöne Dinge zu erleben. Und sich davon zu verabschieden, das bekomme ich einfach nicht hin. Wir haben so viele schwere Zeiten zusammen durchgemacht inkl. meiner Scheidung, dass ich einfach dachte, wenn wir das geschafft haben, schaffen wir alles. Noch dazu kam die Trennung ja völlig überraschend für mich, es gab keinen Auslöser wie einen Streit oder das einer von uns den anderen belogen oder betrogen hätte. Er stand einfach vor der Tür und sagte mir, dass es vorbei wäre. Und das als Geschenk zu meinem Geburtstag on top.

10.12.2018 11:49 • x 1 #8


Riu13

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Hallo. ..
Danke für deine offenen Gedanken und dass du sie in Worte fasst.
Wie du schreibst, kann ich mir vorstellen, dass du diesen Zustand kaum aushälst. Wie lange ist eure Trennung her und hast du nochmal was von ihm gehört? Hattest du das Gefühl, dass er zu Beginn eurer Beziehung ein anderer war , in der Literatur wird das Verhalten eines Narzisten als " Lover bomb" bezeichnet.
Ich weiß, dass es dir jetzt noch nicht gelingt, es so zu sehen aber ein Narzist ist psychisch krank und egal, was du gemacht hättest, du hättest ihn nicht heilen können. Er hätte dir Stück für Stück deine Persönlichkeit genommen. ..
Liebe Grüße zu dir

10.12.2018 19:03 • x 3 #9


Frederick1

Frederick1

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liebe Azura,

diese Gefühle, diese Gedanken, es geht alles schief, du die kenne ich in meiner Depression auch, liebe Azura. Die müssen aber nicht immer der Wahrheit entsprechen. Oder solche inneren Botschaften, sei perfekt, sei bei allen beliebt, sei in jeder Lage stark usw..Diese inneren Dinge beflügeln nicht nur, sie können dich auch einengen. Dir die Freude an deinem Leben rauben.

Oder alle Menschen sind gut. Das stimmt meiner Meinung nach auch nicht so. Weil ich es an mir selbst merke, das ich auch nicht nur gut bin, sondern auch meine Schwächen habe.

"Es war seine Entscheidung sich zu trennen". Gut das du da keine negativen Gefühle hast. Nur das er dich einfach stehen lässt wie ein Auto, da hätte er ja mal mit dir darüber reden können. Vielleicht warst du gut zu gut für ihn, und das hat er brutalst ausgenutzt.

Aber als Mensch hast du doch auch deine Bedürfnisse, die musst du nicht immer verstecken. Und wir Menschen sind vom ersten Tag unseres Lebens an, auf Beziehung ausgerichtet, wie ein Baby zu seiner Mutter. Wir brauchen ein DU, ein Gegenüber, das dir nahe ist, dem du vertrauen kannst, bei dem du dich geborgen fühlst.

Ja wir Menschen sind verschieden. Oh und deshalb ist es ja oft so schwer, dass wir uns einander verstehen, so gut es geht miteinander auskommen.

Aber wir haben alle das Bedürfnis nach Annahme, Anerkennung, Verständnis und Liebe. Und um dich geliebt und anerkannt zu fühlen, bist du auf die Einfühlung und die liebevolle Wertschätzung deiner Mitmenschen angewiesen.

Ja deine Selbstannahme, dein Selbstvertrauen ist auch ganz wichtig für dich, aber allein genügt sie meiner Meinung nach nicht.

Je näher ein Mensch in deinem Leben bei dir ist, um so bessere und tiefer kann er deine ganz persönlichen Bedürfnisse erfüllen. Dieser Mensch, oder diese Menschen tragen dazu bei, das du glücklich und so zufrieden wie möglich leben darfst.

Ein Mensch, den du gut kennst, zum Beispiel eine Freundin, die du lange kennst, und mit dir durch dick und dünn geht. Die da ist, wenn du sie brauchst, die dir hilft, nicht allein sein zu müssen, die dich schätzt, usw..

Menschen, die dich schätzen und lieben, die in irgendeiner Weise deine innersten Bedürfnisse befriedigen, die dich kenne und lieben.

Leider gibt es auch Probleme in unseren Beziehungen. Der oder die andere ist mehr auf seinen eigenen Gewinn, auf seinen eigenen Vorteil bedacht, als auf deinen Vorteil.

Statt der Ausgewogenheit von nehmen und geben, die gute Beziehungen ausmachen, dominiert die eigene Selbstsucht,
ich will mehr nehmen als ich gebe. Aber das zerstört die Beziehung.

Aber auch, wenn du dann noch in der Beziehung bleibst, wenn du nur noch die Gebende bist..

Aus Angst, wieder allein leben zu müssen, Angst vor dem Verlust von Sicherheit, Zugehörigkeit, wie wirst du damit wieder fertig.

Deshalb darfst und musst du zu deinen eigenen Bedürfnissen und deinen Gefühlen klar stehen, und sie auch sagen.

Deshalb meine ich, ist deine Beziehung zu dir selbst viel wichtiger, als wie die Beziehung zu anderen Menschen. Du musst dich von keinem Menschen ausnutzen lassen, aber es liegt viel an dir selbst. Du bist deines Glückes eigener Schmied.

Denn du bist gut und wertvoll, so wie du bist. Du bist gut genug. Du genügst. Du musst nicht nur geben, sondern du darfst auch nehmen, aus Liebe zu dir selbst. Und du darfst auch LIebe empfangen. Du musst dich nicht immer aufopfern.

Wenn du anderen Menschen mehr gibst als dir selbst, gibst du ihnen eigentlich weniger.

Du musst anderen keine Liebe geben, um selbst Liebe zu bekommen. Die Liebe die du zu dir selbst haben darfst, ist viel wichtiger. Aus der Liebe zu dir selbst, Liebe zu deinen Beziehungen.

Aber ich kann dich da gut verstehen liebe Azura, weil ich das aus meinem eigenen Leben kenne. Du und da müssen wir echt feste auf uns aufpassen.


in guten Gedanken für dich,

viele liebe Grüße,


Frederick

10.12.2018 19:20 • x 1 #10


ulysses

Zitat von Azura:
und das ganz sicher bald jemand kommt, mit dem ich glücklich werde (das glaube ich leider überhaupt nicht)

Das glaube ich auch nicht. Du musst erst mal wieder freisein für jemand. Wenn du versuchst sofort wieder eine Beziehung einzugehen kann das nur scheitern.


Zitat von Azura:
- ich habe einfach das Gefühl, seit der Trennung mein Leben nicht mehr auf die Reihe zu bekommen, mich selbst und mein Umfeld zu vernachlässigen und sehe einfach keine Perspektive mehr.

Vielleicht mag es daran liegen, dass ich mir vorgestellt habe, mit diesem Menschen alt zu werden, die Welt zu bereisen, schöne Dinge zu erleben. Und sich davon zu verabschieden, das bekomme ich einfach nicht hin. Wir haben so viele schwere Zeiten zusammen durchgemacht inkl. meiner Scheidung, dass ich einfach dachte, wenn wir das geschafft haben, schaffen wir alles.


Die schönen Dinge sollen auch nicht vergessen werden. Sie geschahen zu einer schönen Zeit und diese bewahre dir bitte.
Wenn du jetzt dein Leben nicht so wirklich auf die Reihe bekommst ist das nur normal. Setze dich dich bitte damit nicht noch zusätzlich unter Druck.
Du warst verliebt (wohl immer noch) und musst nun von den Glückshormonen runter, diesem Coktail der dir das Leben leicht und unbeschwert gemacht hat (mal von den Ärgernissen durch Partner ab gesehen) was wirklich nicht einfach ist und mit einem Entzug verglichen werden kann.
Glaube bitte nicht dass mit dir irgend etwas nicht stimmt. Dein Zustand, deine Gedanken, deine Verfassung an sich sind absolut normal und in Ordnung so. Eine Trennung für den Teil von dem sich getrennt wird ist kein Pappenstiel und die Bewältigung bedarf ihrer Zeit. Ich könnte dir jetzt schreiben was da so eine übliche Zeit wäre bis du wieder vorsichtig bereit für eine neue Beziehung wärest ... tue dies aber nicht

Und das mit der immer noch anhaltenden und nicht enden wollenden Liebe ist auch eher normal.
Wenn eines deiner Kinder einen riesigen Sch@iss baut und du dieses Kind vom Hof jagst und nie nie nie wieder sehen willst wird dein Kind doch immer dein Kind bleiben und du wirst es immer noch lieben. Kann also sein dass deine Liebe nie wirklich endet ohne dass du deshalb gleich einen Dachschaden hast oder etwas aufarbeiten musst.
Und die Trauer die jetzt in der Sache liegt muss auch abgearbeitet werden. Das ist immer so bei Trauer.

Na ja, ehe ich einen Roman schreibe ... es wird schon werden ... mache dich nur nicht selbst fertig.

10.12.2018 19:50 • x 1 #11


Azura


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Zitat von Riu13:
Hattest du das Gefühl, dass er zu Beginn eurer Beziehung ein anderer war , in der Literatur wird das Verhalten eines Narzisten als " Lover bomb" bezeichnet.
Ich weiß, dass es dir jetzt noch nicht gelingt, es so zu sehen aber ein Narzist ist psychisch krank und egal, was du gemacht hättest, du hättest ihn nicht heilen können. Er hätte dir Stück für Stück deine Persönlichkeit genommen. ..


Ja, so in etwa kann ich das in der Tat bestätigen. Es war tatsächlich so, dass es am Anfang eigentlich kein Entkommen für mich gab, er hat mich so sehr dahinein gezogen... Immerhin wird dadurch die Stimme etwas leiser, die mir sagt, dass ich mein ganzes Leben zerstört habe und jetzt dafür bekomme, was ich verdiene - zurecht.
Denn mein lieber Kollege half mir sehr weiter in dem er sagte, er frage sich in solchen Situationen immer, ob er sich mit den zu dem bestimmten Zeitpunkt vorliegenden Informationen hätte anders entscheiden können oder wollen, und wenn die Antwort nein lautet, dann denkt er nicht weiter darüber nach.
Muss aber auch erstmal klappen.
Und ja, ich habe große Teile meiner Persönlichkeit in dieser Beziehung gelassen. Selbstbewusstsein, Stolz, Kraft und Mut und jeglichen Optimismus für die Zukunft - und wahrscheinlich eben auch die Chance auf Nachwuchs zum Beispiel, was ich als sehr belastend empfinde.

Zitat von Frederick1:
Nur das er dich einfach stehen lässt wie ein Auto, da hätte er ja mal mit dir darüber reden können. Vielleicht warst du gut zu gut für ihn, und das hat er brutalst ausgenutzt.


Ja, das versuche ich mir auch zusagen, aber dann kommt wieder die Stimme: du warst einfach nicht gut genug. Nicht schön genug, nicht intelligent genug, nicht dünn genug, nicht elfenhaft genug... einfach nicht genug.

Zitat von Frederick1:
Ein Mensch, den du gut kennst, zum Beispiel eine Freundin, die du lange kennst, und mit dir durch dick und dünn geht. Die da ist, wenn du sie brauchst, die dir hilft, nicht allein sein zu müssen, die dich schätzt, usw..


Ja, nur leider hat sich meine einzige Freundin (über 20 Jahre sind wir befreundet), nun auch abgewendet. Ich weiß nicht, ob ich wütend sein soll, da sie mich in dieser Situation alleine lässt, oder ob ich traurig sein soll. Alle meine anderen Freunde wohnen weit weg. Dieses Wochenende bin ich dann Notfallmäßig zu einer geflüchtet, aber das kann ja auch nicht eine Lösung auf Dauer sein.

Zitat von ulysses:
Glaube bitte nicht dass mit dir irgend etwas nicht stimmt. Dein Zustand, deine Gedanken, deine Verfassung an sich sind absolut normal und in Ordnung so. Eine Trennung für den Teil von dem sich getrennt wird ist kein Pappenstiel und die Bewältigung bedarf ihrer Zeit.


Danke. Es ist tatsächlich das erste Mal für mich, dass ich der Verlassene und nicht die Verlassende bin. Ich hätte gedacht, das kränkt mich in meinem Stolz, aber Stolz ist da gar keiner mehr.

11.12.2018 08:23 • x 1 #12


ulysses

Zitat von Azura:
Ich vernachlässige Pflichten in der Freizeit ...
Jede Belastung oder jedes Problem wird zur Zerreißprobe für mich ...
ich habe das Gefühl, wenn noch was oben drauf kommt, dann bin ich ganz am Ende.
... immer mehr dazu, mehr Probleme, weniger soziale Kontakte, wieder Menschen, die mich so sehr verletzen ...


Ja. Ist mir alles hinreichend bekannt. Vielleicht nicht aus Trennungsgründen - das ist ein Kapitel von noch ganz anderer Güte für mich - aber aus einer jahrelangen Überlastung heraus. Manchmal kann man es sich einfach nicht aussuchen.
Ich könnte dich zu texten wegen dieser, deiner Problematik aber davon hast du nichts. Wenn es für dich hilfreich ist das nieder zu schreiben was dich quält dann nur zu. Du wirst hier zumindest sehr gut verstanden. Und wenn du zum Vergleich mal was wissen willst und Auskünfte benötigst kannst du auch eine PN schicken.

11.12.2018 11:33 • x 1 #13


Sonne1121

Sonne1121

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Liebe @Azura

Am wichtigsten scheint mir, dass du eine Psychotherapie machst, wenn du nicht bereits schon dran bist. Ich weiss, es gibt lange Wartezeiten, aber je eher du dich darum kümmerst, desto schneller kommst du dran. Zudem gibt es Krisendienste. Es ist jetzt wichtig, dass du nicht noch weiter in die Spirale kommst, sondern weiterhin arbeiten kannst. Ich denke, dass du deine Symptome mit der richtigen Behandlung gut in den Griff bekommst und sich auch deine starke Verletzlichkeit wieder normalisiert. Es ist das schlechteste, aus lauter Angst vor Ablehnung gänzlich auf jede Art von Beziehung zu verzichten. Denn das macht einsam und wir sind soziale Wesen.
Noch was: @JuliaW Hat ganz viele tolle Bücher und Methoden verlinkt, die sehr hilfreich sind. Such mal ihre Beiträge.

Alles Gute, und es geht wieder bergauf!

11.12.2018 13:48 • x 1 #14


la-crima

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Zieht es dich wirklich zu einen Mann, der dir das Gefühl gibt, du bist an allem schuld und nicht gut genug? Der keinen Skrupel hat, dich an deinem Geburtsag einfach so zu verlassen?

Ich finde sein Verhalten kommt mies rüber und "Fieslinge" kann es nur solange geben, wie es Leute gibt, die es mit sich machen lassen. Deswegen ist das Opfer auch immer gleichzeitig Täter. Man unterstützt das krankhafte Verhalten des anderen durch Passivität, man hofft, dass dieser dann bei einem bleibt, weil man meint, man hält es alleine nicht aus. Man will den anderen also an sich binden und lässt ihm dafür seine Schwächen durchgehen.
Es ist nicht so, dass Fieslinge es genießen, ein "Opfer" gefunden zu haben, dass sein seltsamens Verhalten mitmacht. Es ist für beide Seiten unprofitabel. Der "Fiesling" hat offensichtlich ein Problem, an das er arbeiten müsste, aber wenn er einen Menschen findet, der ihm nicht spiegelt, dass sein Verhalten gar nicht geht sondern sich für ihn in die Opferrolle begibt, dann ist ihm nicht gedient. Und dir auch nicht.
Vielleicht ist es gar nicht gut, wenn du jetzt nach einem Partner Ausschau hältst, solange du Gefahr läufts, dich wieder in ungesunde Verbindungen zu begeben.
Ich würde versuchen, zunächst eine gute Beziehung zu mir selbst aufzubauen. Alles, was mich belastet, reduzieren. Liebevoll mit mir umgehen und wenn sich das etabliert hat, dann ziehe ich auch Menschen in mein Leben, die auch eine gute Beziehung zu sich selbst ( und somit zu anderne) haben.

11.12.2018 14:03 • x 2 #15




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