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Zuversicht Langsam kam der graue Schleier wieder

HopeDiesLast

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Hallo zusammen ,
ich bin neu hier im Forum, war aber schon ein paar Tage ohne Registrierung unterwegs und habe dabei gesehen, dass sich hier viele tolle und hilfsbereite Menschen austauschen und gegenseitig helfen. Das hat mich sehr beeindruckt!

Ich möchte mich erstmal vorstellen. Ich bin 30 Jahre alt und kämpfe seit 5 Jahren mit Depressionen. Aktuell habe ich die 4. Episode Zu meinen Hobbies gehören mein Hund, Mountainbiken, Wandern, Skifahren. Ich habe eine tolle Freundin, die mich sehr unterstützt in meiner aktuell schweren Zeit, eine tolle Mutter und Schwester die immer für mich da sind. Darauf bin ich sehr stolz und dankbar! Auch zu meinem Vater habe ich guten Kontakt, allerdings trennten sich meine Eltern als ich 12 war, weil er eine neue Frau kennengelernt hat. Er war früher schon oft nicht für mich da sowohl emotional, als auch physisch, weil er dauernd gearbeitet hat oder unterwegs war.

Nun zum eigentlichen Thema: Leider bin ich wieder langsam und schleichend in eine depressive Phase gerutscht und hänge mitten drin. Alles begann ca. im Mai/Juni. Zu Kriegsbeginn (März) habe ich ukrainische Flüchtlinge bei mir zuhause aufgenommen. Es hat irgendwann zunehmend gemenschelt und leider verhielt sich die Familie immer rücksichtsloser. Meine Rückzugsorte wie das Wohnzimmer oder der Garten waren dauernd in Beschlag und so bin ich abends häufig früh in mein Zimmer bzw. Bett gegangen. Irgendwann hab ich dann Themen auf sachliche Art und Weise angesprochen und es wurde dadurch distanzierter. Zusätzlich hab ich zu dem Zeitpunkt extern noch viel geholfen und habe einen 40 Stunden Job, der mich auch sehr gefordert hat. Mittlerweile ist die Familie weg und es ist allgemein ruhiger geworden, weil ich mich auch einfach wieder zurücknehmen musste, da der Schleier immer grauer wurde und ich immer schwerer aus dem Bett kam. Auch Arbeiten fiel mir zunehmend schwerer aber ich tue es noch, weil ich die Struktur brauche, sonst versumpfe ich komplett. Hier hab ich aber im Moment keine stressige Zeit, sondern kann mich auch mal ausruhen. Ich versuche Dinge zu unternehmen an Freizeitsachen mit Freunden teilzunehmen, aber naja wie ihr selber wisst, gehts manchmal einfach nicht, weil es zu viel ist.

Therapeutisch bin ich in guten Händen und auch medikamentös eingestellt. Die aktuelle Episode ist zum Glück nicht so heftig wie meine letzte. In der letzten bin ich freiwillig in eine Klinik, hat leider nicht wirklich viel geholfen

Nun meine aktuellen Gedanken: Meine Angst ist, dass es nicht mehr aufhört. Ich habe mir ein so tolles Leben seit der letzten Phase aufgebaut und ich habe so Angst, dass alles in sich zusammenfällt (Beziehung, Struktur, Arbeit etc.). Es ist manchmal echt zum Haare raufen und ich verstehe es nicht. Ich bin ein emotionaler Roboter in der dunklen Phase und bin auch emotional irgendwie von der Welt abgeschnitten. Der Trigger kann die Familie gewesen sein, die ich aufgenommen habe, weil die Konstellation wie damals zuhause war, nachdem mein Vater komplett gegangen ist. Auch dass es einfach zu viel war, was ich getan habe ohne Ruhepausen.

Ich weiß, dass ich schon 3mal rausgekommen bin und es einfach dauert, bis wieder eine gute Phase kommt. Aber es fällt mir so schwer es auszuhalten.

Mich würde sehr freuen, wenn ihr mit mir eure Erfahrungen teilt und eure Einschätzung. Ich möchte mich nicht selber so unter Druck setzen aber ich erwische mich immer wieder in der Erwartungshaltung, dass es sofort besser ist, weil ich einfach Dinge wieder mit meiner Freundin genießen möchte etc.

Liebe Grüße und ich freue mich auf eure Antworten und den Austausch!

26.10.2022 10:28 • #1


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hlena

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Erst einmal willkommen im Forum.
Ich finde,du tust so viel und im Grunde,weißt du Bescheid.
Du weißt auch,daß die Depression Zeit braucht.
Gib dir diese Zeit.
Auf mich machst du einen ungeduldigen Eindruck.
Also gib dir die Zeit,die du brauchst.
Natürlich verstehe ich deine Bedenken,irgendwann ist dieser Zustand auch vorbei

26.10.2022 11:06 • x 1 #2



Hallo HopeDiesLast,

Zuversicht Langsam kam der graue Schleier wieder

x 3#3


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Jedi

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Zwei Punkte die mir in Deinem Beitrag auffielen;
-
Zitat von HopeDiesLast:
kämpfe seit 5 Jahren mit Depressionen.

Du kannst noch viele Jahre mit der Depression kämpfen (wobei ich das Wort,kämpfen), für eine falsche
Bezeichnung halte, denn damit befindest Du Dich mit deiner Situation im Dauerstress.
Unsere Depressions-Erkrankung möchte von uns nicht bekämpft werden, sondern angenommen
u. als einen Teil von uns akzeptiert werden.
Sie möchte Heilung erfahren, indem wir uns in einer therapeutischen Begleitung mit ihr beschäftigen,
soweit, bis wir die Depression geheilt haben oder mit ihr einen guten Umgang gefunden haben.
Somit meine Antwort dazu, höre auf dagegen anzukämpfen, sondern nimm sie an, auh als einen Teil von Dir
u. lass Dir professionell helfen !
-----------------------------------------
Zitat von HopeDiesLast:
Ich möchte mich nicht selber so unter Druck setzen aber ich erwische mich immer wieder in der Erwartungshaltung,

Erwartungshaltungen lösen immer einen gewissen Druck aus, weil man ja etwas erwartet.
Nun hat die Erwartung eine kleine Schwester u. die heißt, Enttäuschung u. die ist dann sehr präsent,
wenn sich Deine/ unsere Erwartung nicht erfüllt !
So versuche Dich von Deiner Erwartungshaltung zu lösen u. bleibe achtsam Deinem Denken u. Handeln
gegenüber.

26.10.2022 11:54 • x 1 #3


HopeDiesLast

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@hlena vielen Dank für deine Antwort!

Ja, du hast Recht, ich tue sehr viel und manchmal glaub ich zu viel, sodass ich mir kaum Pausen gönne, damit ich den Zustand nicht so merke Mit dem ungeduldigen Eindruck hast du definitiv nicht unrecht, leider bin ich allgemein schon immer sehr ungeduldig. Vielleicht auch einfach wegen der Angst, dass der Zustand bleibt.

@jedi auch dir vielen Dank für deine Antwort! Du hast Recht, kämpfen ist die falsche Bezeichnung und das tue ich wahrscheinlich oft. Danke, für den Hinweis. Das vergesse ich oft. Kämpfen kostet einfach sehr viel Energie. Therapeutisch bin ich zum Glück in guter Behandlung schon seit mehreren Jahren. Darf ich dich fragen, wie du deine Depression angenommen hast? Ist es dann, dass du dir gut zuredest, wenn du einen schlechten Tag hast und auch akzeptierst, dass manche Dinge einfach nicht funktionieren? Oder was ist für dich annehmen?

Danke schon mal

27.10.2022 08:44 • #4


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Jedi

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Zitat von HopeDiesLast:
Oder was ist für dich annehmen?

Annahme deutet für mich, dass ich wahrnehme an einer Depression erkrankt zu sein.
Weiter bedeutet es für mich, dass die damit einhergehenden Einschränkungen ich akzeptiere u.
nicht dagegen bin, dass es diese Einschränkungen gibt.
Das Therapie, Selbsterkenntnis bedeutet u. ich damit aufhöre, mich für meine Vergangeheit auch noch selbstverurteile.
Mein nicht Perfekt sein anzuerkennen, als ein Teil von mir !
Überhaupt eine Akzeptanz gegenüber meiner Person entwickelt u. anzuerkennen, wie man ist !

27.10.2022 11:11 • x 1 #5


HopeDiesLast

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Das sind sehr schöne Worte. Vielleicht bin ich bei diesem
Prozess noch am Anfang, trotz der vielen schlechten Phasen, die ich bis jetzt hatte.

Einschränkungen sind ein gutes Wort, ich glaube das sind die Dinge, die ich noch nicht so akzeptiert habe. Nur ein Beispiel: Ich war erst auf einer Feier und es macht mich einfach fertig, wenn alle gut gelaunt sind und ein Bierchen oder Aperol trinken. Und mir ist so garnicht zu feiern zu Mute, sondern am liebsten bin ich dann in solchen momentan zuhause..

Anderes Beispiel: Keine Lust, keinen Antrieb auf seine Hobbies zu haben. Das ist für eigentlich mir das Schlimmste. Meinst du solche Einschränkungen?

27.10.2022 12:46 • #6


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Jedi

8873
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Zitat von HopeDiesLast:
ein Beispiel: Ich war erst auf einer Feier und es macht mich einfach fertig, wenn alle gut gelaunt sind und ein Bierchen oder Aperol trinken. Und mir ist so garnicht zu feiern zu Mute, sondern am liebsten bin ich dann in solchen momentan zuhause..

Das kenne ich doch auch u. fand mich dann oft fremd in der Partygemeinschaft.
Doch war es richtig, dass man hingeht u. teilnimmt, damit man sich nicht zu sehr Isoliert,
denn das ist Gift für die Depression.
Habe da dann auch nie so getan, alles würde es mir gut gehen, war eher still u. habe mich unauffällig verhalten.
Muss aber auch sagen, dass es auch gut war, dies mit der Depression nicht zu lange Geheim zuhalten,
so kamen dann auch nicht so dumme Fragen wie, Geht es Dir nicht gut oder Sei doch keine Spaßbremse.

27.10.2022 18:22 • x 2 #7


anir

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@HopeDiesLast

Hallo HopeDiesLast

Du machst viel.
Warum?
Allerdings glaubte ich auch stehts wieder in mein eigentliches Leben, das ohne Depression,
schlüpfen zu können.
Ging nicht mehr.
Die Akzeptanz dessen war ein längerer Weg für mich.
Das Annehmen meiner D. ist jedesmal schwer.
Doch wenn ich draußen bin, hab ich wieder was dazu gelernt.
Jede D. vergeht, diese Erfahrung hast du gemacht.
Und doch, wenn man wieder drinsteckt, glaubt man das nicht.
Ich hab jedes Mal Sorge, ob ich da wieder rauskomme.
Und doch seit 22 Jahren schaffe ich es.
Die Erkrankung betrifft deinen Körper, deinen Geist, deine Seele und deine Gefühlswelt.
Das ist soviel zusammen.
Gut ist es, du hast ein gutes Team um dich herum und kannst das zulassen.
Und nun, habe Geduld mit dir.
Alles Gute

28.10.2022 04:48 • x 2 #8


HopeDiesLast

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@Jedi ja, man ist einfach häufig mit Sprüchen konfrontiert von erweiterten Freunden, denen man das mit der Depression garnicht erzählen möchte, wie z.B. lach doch mal. Oder letztens hat man mir sogar in einer Situation mal mit den Fingern ins Gesicht gelangt und die Mundwinkel nach oben gezogen. Ich weiß nicht, ob’s dann besser ist zu sagen, dass es mir aktuell nicht gut geht oder was man tun soll. Natürlich würde ich gerne zu solchen Feiern gehen, aber das macht mir im Voraus schon zu schaffen.

@anir
Das hab ich mich auch gefragt. Zum Start der Phase habe ich mich hauptsächlich für die Kriegsflüchtlinge eingesetzt bzw. schon fast aufgeopfert. Jeden Tag war ich abends nach der Arbeit helfen, hab meinen Hund versorgt und bin abends tot müde ins Bett gefallen. Eigentlich bis ich eines Tages gemerkt habe, dass der Schleier kommt. Ich weiß nicht, warum ich es nicht früher gesehen habe, dass es zu viel ist. Vielleicht hab ich das aus der vorletzten Phase noch nicht gelernt und mich sozusagen wieder selber vergessen?
Du hast Recht, man lernt jedes Mal dazu, siehe meinen Satz vorher. Danke für deine Worte! Ich versuche mich in Geduld zu üben!

Ich tue mich nur so schwer mal zu „pausieren“, mich zum Beispiel einfach mal ab 17 Uhr nach der Arbeit spazieren zu gehen und dann auf die Couch. Couch und Entspannung geht immer erst ab 20 Uhr so wirklich.

28.10.2022 09:29 • #9


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Jedi

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Zitat von HopeDiesLast:
Natürlich würde ich gerne zu solchen Feiern gehen, aber das macht mir im Voraus schon zu schaffen.

Kann Dich da sehr gut verstehen. Es muss auch nicht jede Feier sein, zu der man dann hingeht u.
doch wäre es hilfreich, sich nicht ganz zu verschließen/ einzuschließen.
Kommt villt. dann auch auf die eigene Tagesform der Depression an.
Doch sich ganz auszuschließen, ist bei einer Depression kontraproduktiv u. das eigene Leid, was man empfindet,
erfährt nicht selten dadurch eine Verstärkung.
-----------------------------------------------------------
Zitat von HopeDiesLast:
wie z.B. lach doch mal.
Oder letztens hat man mir sogar in einer Situation mal mit den Fingern ins Gesicht gelangt und die Mundwinkel nach oben gezogen.

Das mit den Fingern u. die Mundwinkel hochzuziehen, dass geht gar nicht , dass ist für mich Übergriffig
werden. Das würde ich mir auch verbieten u. das ohne weitere Erklärung dazu !

Nun, lach mal wieder, kann man so oder so interpretieren - manchmal ist es gar nict so böse gemeint,
kommt aber bei einem so an. Ist natürlich nicht schön, so etwas zu hören u. doch kann es auch eine Übung
sein, es einfach mal zu ignorieren. Wird sicher nicht immer so gut klappen - einfach mal ausprobieren !
------------------
Zitat von HopeDiesLast:
Ich weiß nicht, ob’s dann besser ist zu sagen, dass es mir aktuell nicht gut geht

Sicher ist es besser es zu sagen !
Dies verbergen wollen oder irgendeine Ausrede zu erfinden, kostet sehr viel an Energie u. selbst spürt man auch,
dass verbergen oder Ausreden zu erfinden einem auch nicht gut tun - man kommt es dann manchmal
selbst schäbig vor.

Doch sicher ist es Problematik, die man so wirklich nicht braucht !

29.10.2022 13:51 • #10


HopeDiesLast

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Danke @Jedi für deine Antwort! Ich hab leider etwas gebraucht um zu antworten. Die letzten Tage waren etwas schwer.

Das stimmt und das versuche ich auch. Ich möchte mich nicht zurückziehen. Vergangenes Wochenende war ich auch auf einer Feier und für meine Verhältnisse relativ lange.

Das lach mal wieder ist für mich auch nicht so schlimm, war nur der Tropfen auf dem heißen Stein nach der Mundwinkelaktion.

Naja, momentan beschäftigt mich sehr mein eigenes Verhalten. Ich kenne das schon aus meiner letzten Phase. Ich versuche es zu vermeiden, allein zu sein. Am wohlsten fühle ich mich, wenn irgendjemand in meiner Nähe ist (Freundin oder Familie) zum Reden und schaue, dass ich sofern es sich vermeiden lässt, nicht allein bin. Das ist wie so eine Vermeidungsstrategie und sozusagen die Angst vor der Angst, dass es noch weiter bergab gehen könnte. Ich weiß garnicht, was ich davon habe, außer Gesellschaft. Das habe ich komischerweise nur in der depressiven Phase. Wenn es mir gut geht, sieht das anders aus. Da hab ich überhaupt kein Problem allein zu sein.

Habt ihr da eine Idee, was dahinter stecken könnte oder was ich dagegen tun könnte?

03.11.2022 14:02 • x 1 #11


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Jedi

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Zitat von HopeDiesLast:
Das habe ich komischerweise nur in der depressiven Phase.

Villt. liegt es daran, dass man in einer depressiven Phase sich verletztlichen fühlt u. da tut
es gut,wenn man einen Menschen in seiner Nähe weiß !
-----
Zitat von HopeDiesLast:
Wenn es mir gut geht, sieht das anders aus.

Dann fühlt man sich seelisch u. psychisch stabiler, Widerstandsfähiger u. das wäre für mich auch
eine Erklärung, die ich Nachvollziehen kann.

04.11.2022 15:06 • x 1 #12


HopeDiesLast

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Hm ja, die Erklärung ist plausibel. Ich habe nur manchmal das Gefühl, wie ein Kind zu agieren, weil ich am liebsten in dieser Phase garnicht allein bin.

Ich muss mich leider etwas „ausheulen“ auch, wenn ich in der Realität momentan leider nicht kann, aber ich muss es wenigstens niederschreiben. Ich bin aktuell mit meiner Situation überfordert und besondere Angst habe ich davor, dass ich aus diesem Nebel nicht mehr rauskomme. Auch wenn ich weiß, dass es schon drei mal besser geworden ist. Ich arbeite nach wie vor normal und merke aber, dass ich mich nicht zu 100% konzentrieren kann und Aufgaben zum Teil sehr fordernd oder überfordernd für mich sind. Bisher hat es niemand gemerkt, dass ich in einem Loch bin. Ich möchte mich auch nicht krank schreiben lassen, da ich sonst zuhause komplett versumpfe, nicht aufstehe und so weiter.

Mein Privatleben ist so naja aktuell, ich versuche mich zu wichtigen Dingen aufzuraffen aber eigentlich ist mir nur nach Couch und in den Fernseh schauen, obwohl es mir dabei nicht besser geht und ich weiß, dass es mich nicht weiterbringt. Aus meiner letzten Phase bin ich gekommen, in dem ich weitergemacht habe und nicht aufgegeben habe. Den Balast, den ich noch bis vor 2 Monaten hatte, habe ich nicht mehr. Die Familie ist ja weg. Ich frage mich dauernd, ob ich irgendetwas ändern muss?

04.11.2022 16:07 • #13


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Jedi

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Zitat von HopeDiesLast:
Ich habe nur manchmal das Gefühl, wie ein Kind zu agieren, weil ich am liebsten in dieser Phase garnicht allein bin.

Nun, wir alle haben noch so ein innees Kind in uns - das verletzt ist - sich nicht verstanden u. gesehen fühlt, uvm. !
Diese Gefühle können auch in unserem Erwachsensein wiedrr präsent sein u. dann fühlt es sich an,
wie ein Kind zu agieren.
------------------------------
Zitat von HopeDiesLast:
Auch wenn ich weiß, dass es schon drei mal besser geworden ist.

Das ist wichtig, Dir dies immer wieder bewusst zu machen !
---------------------------------------------------------------------------------
Zitat von HopeDiesLast:
Aus meiner letzten Phase bin ich gekommen, in dem ich weitergemacht habe
und
nicht aufgegeben habe.

Darin stecken schon gute Antworten für Dich !
-------------------------------------------------------------------------
Zitat von HopeDiesLast:
Ich frage mich dauernd, ob ich irgendetwas ändern muss?

Villt. nicht unbedingt ändern u. doch sich daran erinnern u. bewusst machen, was Du geschrieben hattest u.
ich hier nochmal herauszitiert habe.

04.11.2022 16:25 • x 1 #14


anir

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@HopeDiesLast

Guten Morgen, HopeDiesLast

Wie ein Kind agieren.
Ja, daß kenne ich auch an mir.
Wenn ich in der D. bin.
Weil dann ganz viel von mir wegbricht.
Ich bin dann eine ganz andere.
Ich kann nicht mehr kommunizieren, denn ich kann mich nicht erinnern was ich sagte.
Die Pseudo-Demenz, schlägt so was von zu.
Ich schweige dann am liebsten.
Ich lehne jegliche Kontakte, die nicht sein müßen, ab. Mein Umfeld weiß Bescheid, daß ich D. habe. Ich melde mich dann ab.
Die letzte D. dauerte 9 Monate.
9 Monate isoliete ich mich total von allem.
Ich mache es mir so schwer, um mit meiner Situation besser umgehen zu können.
Mir bringt es nichts, dann mit anderen zusammen zu sein.
Da werden Fragen gestellt, die ich nicht beantworten kann.
Mein logisches Denken versagt.
Meine Erinnerung, wie irgendwas früher war, ist nicht vorhanden.
Ich kann nicht mehr lesen, da ich mir keinen Inhalt merke.
Ich habe eine gute Konzentration, damit hat es nichts zu tun.
Ich kann in der D. einfach nichts mehr abspeichern.
Ich muß mir alles aufschreiben, das ist so müssig.
Jeder findet seinen eigenen Weg.
Ich habe meinen gefunden und werde es immer so machen.

05.11.2022 07:04 • x 1 #15


HopeDiesLast

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@Jedi Danke! das ist nur das, was so viel Kraft kostet. Wie ich schon geschrieben habe, ist jeder Arbeitstag für mich schwierig. Aber das wäre der Tag auch ohne Arbeit, ich würde versumpfen. Das schräge ist, in meiner letzten Phase, war ich über 3 Monate krank geschrieben und in einer Klinik, die mir leider therapeutisch nicht viel geholfen hat. Aber ich habe sehr tolle Leute kennengelernt Danach habe ich mit einer Wiedereingliederung zurück in den Job gefunden, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt noch in der schweren Depression steckte. Jeder Tag war ein Kampf, jeder Tag war schwer und irgendwann kam das Licht am Ende des Tunnels. Warum, kann ich nicht sagen. Was habe ich gemacht?Versucht meinen Alltag zu bewältigen, gearbeitet und Sport so gut es geht. Manchmal frage ich mich, ob ich mich durch die Arbeit tiefer arbeite. Aber ich weiß, dass sie mir eigentlich Spaß macht und ich weiß, dass ich ohne die Arbeit komplett meine Struktur verliere. Jedes Mal drehe ich mich im Kreis bei diesen Gedanken, was gut für mich ist und was nicht. Ich kann nur die Erfahrungen aus den letzten Phasen nehmen.

@anir danke! wie ist das bei dir genau? Du isolierst dich in der Zeit komplett? Geht deine Depression wieder von „selber“ vorbei oder was tust du dagegen? Ich verstehe die Depression noch nicht ganz, wie sie funktioniert Das würde mich sehr interessieren! Vergessen tue ich in der Zeit auch sehr viel, gefühlt ist mein Hirn wie ein Sieb.

05.11.2022 12:13 • x 1 #16


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Jedi

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18423
Zitat von HopeDiesLast:
zurück in den Job gefunden, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt noch in der schweren Depression steckte.

Das stelle ich mir hart u. sehr schwierig vor.
--
Zitat von HopeDiesLast:
Jeder Tag war ein Kampf, jeder Tag war schwer

Das kann ich nachvollziehen u. verwundert mich dann auch nicht.
---------
Zitat von HopeDiesLast:
irgendwann kam das Licht am Ende des Tunnels.
Warum, kann ich nicht sagen.
Was habe ich gemacht?

Ist villt. auch gar nicht so wichtig. Doch irgendetwas, wenn auch unbewusst hast Du getan,
was Dir geholfen hat, wieder ein Licht am Ende des Tunnels wahrnehmen zu können.
-------
Zitat von HopeDiesLast:
Jedes Mal drehe ich mich im Kreis bei diesen Gedanken,
was gut für mich ist und was nicht.
Ich kann nur die Erfahrungen aus den letzten Phasen nehmen.

Genau, dass sind so auch meine Erfahrungen, die Erfahrungen, die ich bewusst machen konnte,
habe ich mir aufgeschrieben u. es hatte mir später, bei der Frage, was hat mir geholfen, was gut getan,
eine Antwort darauf zu finden.

05.11.2022 14:56 • x 1 #17


anir

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@HopeDiesLast

Guten Morgen, HopeDiesLast.

Ich versuche mir Gutes zu tun und mich von allem was mir nichts bringt total abzugrenzen.
Das hilft mir am allerbesten.
Ich Gehe täglich alleine spazieren.
Fahre mit dem Auto zu einem Ort und gehe meinen Weg.
Ich frage mich nicht, ob ich dazu Lust habe, denn dann würde ich nicht gehen.
Ich mach es einfach und sage mir, Bewegung und frische Luft tun gut, Ende.
Ich gehe einkaufen.
Es dauert eine halbe Ewigkeit bis alles im Wagen ist, wegen der Pseudo-Demenz und
trotz Zettel.
Danach fühle ich mich nicht besser, es ist einfach nur von mir gemacht, Ende.
Ich spiele Kartenspiele online, um die Stunden des Tages zu füllen. Es klappt, Es ist mir aber alles egal.
Ich schreibe meinen Tagesablauf auf, sammel alles und wenn die D. zuende ist, übertrage ich
alles ins Tagebuch, das ich seit fast 40 Jahren führe.
Außerdem schreibe ich gerade jetzt ein Buch für mir, ein Gute Zeiten Buch. Ein Buch das mir in der D. helfen soll.
Da schreibe ich alle Beobachtungen von mir, bezüglich der D., rein.
Wie sie kommt, welches Ausmaß sie hat, ich schreibe rein, daß ich keine Angst zu haben brauche, das auch
diese D. wieder geht, (wie auch alle anderen, die ich hatte). Ich spreche mir gut zu im Buch.
Allerdings passiert es leider auch, daß ich das, was ich geschrieben habe, dann kaum noch glaube in der D. .
Mein Mann besitzt nicht die Gabe mir gut zu zusprechen, daher mein Buch.
Er begleitet mich, ja.
Ich sage zu ihm, mach einfach das, was ich sage,(das ist nicht viel).
Ich bin der Geduldigere von uns beiden.
Und ich warte ab.
Ich sitze es aus.
Ich gehe zu meiner lieben Therpeuthin in kurzen Abständen, als auch zu meinem Psychiater.
Selbst mein Bruder soll mich dann nicht besuchen kommen.
Ich telefoniere nicht.
So, ists bei mir und ich werdee es immer so weiter machen, so Gott will.

06.11.2022 06:43 • x 1 #18


HopeDiesLast

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@Jedi es war auch unheimlich schwierig. In meiner vorletzten Phase habe ich den Job angefangen, hatte Panikattacken, Angst es nicht zu schaffen, war extrem verunsichert, ob ich geeignet bin etc. Ich wusste aber, dass ich die Probezeit bestehen wollte und mir die Arbeit eine wichtige Struktur und zusätzlich einen Sinn gibt. Mich wundert es immer noch, dass niemand etwas gemerkt hat zum damaligen Zeitpunkt. Auch ein wichtiger Punkt war, dass ich zum damaligen Zeitpunkt Berufseinsteiger war und Fuß fassen wollte. Dass jeder Tag schwer war ist kein Wunder, das waren aber auch die Tage, wo ich nicht gearbeitet habe. Ich bin nicht in die Gänge gekommen, bin sehr spät aufgestanden, bin in meinen Gedanken versumpft und war froh, als es Abend war.

Kann gut sein, dass es garnicht wichtig ist, zu wissen, was ich getan habe. Eigentlich habe ich nie großartig etwas verändert, außer versucht Energiefressende Sachen/Personen zu streichen und doch steht man immer wieder davor und überlegt, an welchem Knopf man drehen muss, damit die Depression besser wird. Jobwechsel, andere Hobbies.

Gute Idee, sich das aufzuschreiben. Ich habe es wahrscheinlich nur noch nicht gemacht, weil ich jedes Mal hoffe, es bleibt mir irgendwann erspart. Ich habe mal 6min Tagebuch geführt aber es dann irgendwann eingestellt.

Darf ich eigentlich fragen, ob du auch an wiederkehrenden Depressionen leidest oder wie das bei dir ist? Danke für deine Kommentare, dafür bin ich sehr dankbar!

@anir diese Sachen kenne ich zu gut. Einfach irgendwas tun, weil man weiß, dass es gut ist, spazieren gehen, Sport etc. obwohl man eigentlich garkeine Lust hat. Und trotzdem hinterfrage ich jedes Mal, was es überhaupt bringt, es zu tun.

Eine Frage, die mich sehr interessiert: Wie geht dein Mann mit deinen Depressionen um, hält er bedingungslos zu dir?

Was mir total schwer fällt, ist mal zu entspannen. Ich erlaube mir es zum Beispiel nicht, an einem Sonntag wie heute, mal einfach auf der Couch zu liegen. Obwohl ich gestern unterwegs war und es auch anstrengend war. Kennt ihr das auch? Ich denke immer, wenn ich auf der Couch liege und mal fernsehe oder lese, macht es die Phase auch nicht besser.

06.11.2022 15:58 • #19


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Jedi

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Zitat von HopeDiesLast:
Darf ich eigentlich fragen, ob du auch an wiederkehrenden Depressionen leidest oder wie das bei dir ist?

Natürlich gab es immermal wieder depressive Episoden, die aber in meinem Fall, sehr milde ausgefallen waren.
Mir hilft dabei sehr die Achtsamkeit, mit der ich mich intensiv beschäftigt habe.
In meinem Fall dann, gebe ich solchen Episoden dann kaum Raum, um sich zu entwickeln.
Nun muss ich sagen, dass ich doch schon recht lange von einer solchen Episode verschont geblieben bin.
-------------------
Zitat von HopeDiesLast:
an welchem Knopf man drehen muss, damit die Depression besser wird.

Jobwechsel, andere Hobbies.

Also, ich habe nie an einen Knopf geglaubt, der die Depression heilen kann.
Intensive therapeutische Begleitung u. die Achtsamkeit waren für mich da die wichtigen Element.
Jobwechsel u. Hobbies können hilfreich sein. Sicher ist aber auch, dass eine Depression einen Jobwechsel
nicht immer verbessert u. Hobbies sollten einem auch wirklich Spaß machen u. nicht, damit man ein
Hobbie hat.

06.11.2022 16:29 • x 2 #20


anir

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@HopeDiesLast

Hallo HopeDiesLast

Mein Mann hält so gut zu mir wie er es eben kann.
Er ist 10 jahre älter, in seinem Leben wenig, aber auch ernsthaft erkrankt.
In seiner Familie kennt man keine D.
Da macht man eine Faust im Sack.
Da stellt man sich mal nicht so an.
Da geht man durch..........................
Bla, Bla, Bla, Bla........................................
Es dauerte bis er mich ein wenig verstand.
Heute sind wir so weit, das es ist wie es ist und bei einer neuen Episode,
wirsts auch wieder klappen, gesünder zu werden.
Ich will dann einfach nur meine Ruhe und das beachtet er, meistens.

08.11.2022 05:38 • #21


HopeDiesLast

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@anir @Jedi danke für eure tollen Nachrichten! Ich hab wieder etwas gebraucht zu antworten. Die letzten zwei Tage haben mich sehr viel Kraft gekostet. Auch wenn ich zum
Teil selber dran schuld war, weil ich ungeplant in die Arbeit musste, weil ich ein Update für meinen arbeitsrechner verpasst habe und von zuhause nicht arbeitsfahig war.

Ich möchte einfach mal ein kurzes Update geben über meine aktuellen „Problemchen“. Der Morgen bis ca. früher Nachmittag ist für mich die schlimmste Zeit. Morgens komme ich durch frühes erwachen sehr schwer aus dem Bett, wodurch ich erst spät mit meinen Aufgaben anfange, wie mit dem
Hund gassi gehen (spät = 8 Uhr). Dadurch fange ich auch erst spät an zu arbeiten und mache mir die ersten Vorwürfe, warum ich nicht eher aufgestanden bin. Geplagt von Konzentrationsmangel arbeite ich dann und versuche einigermaßen meine Aufgaben zu erledigen. Klappt mal besser mal schlechter. Ab Nachmittag bin ich dann konzentrierter. Nach wie vor ist es aber für mich keine Alternative, nicht zu arbeiten. Es gibt mir einfach Struktur.
Ich kann nicht mal sagen, wo es herkommt aber ich fühle mich allgemein überfordert, sowohl im Privaten (Einkaufen, Gassi gehen, Essen machen etc.) als auch in der Arbeit. Zum Glück hatte ich gestern Einzel und heute Gruppentherapie, denn meine Hoffnung, dass es besser wird, war die letzten Tage so gering, weil ich einfach nicht weiß, was es besser macht

09.11.2022 21:24 • #22


anir

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@HopeDiesLast

Hallo, HopeDiesLast.
In der tiefen D. weiß ich auch nicht, was die Situation bessert macht.
Da es ein läangerer oder sogar langer Prozez ist.
Außerhalb der D. , mache ich Schönes und merke gleich, wie schön und gut es mir tut.
Und noch im Nachhinein denke ich dran und gute Gefühle stellen sich ein.
In der D. ist das gaaaaaaaaaaaaaaannnnnnnnnnnnnnnnnnnnnzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzz
anders.
Da gibt es keine Gefühle, da ich keine empfinde.
Ich muß es mir dann sagen.
Spazieren gehen ist gut. Bewegung und frische Luft sind gut.
Wenn ich es gemacht habe, kommt nur hoch,
ja, ich war jetzt spazieren, Ende.
Doch ich weiß das mittlerweile und doch ist und bleibt die Zeit in der D. , die
schwierigste in meinem kleinen Leben.

10.11.2022 05:46 • x 1 #23


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hlena

29255
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3232
In der D. hilft mir nur Ablenkung und Bewegung.
Struktur hilft mir auch.
Da ich nicht mehr arbeite,halte ich einige Termine strikt ein.
In der D.gibt es nur negative Gefühle,wenn überhaupt.

10.11.2022 10:31 • x 1 #24


HopeDiesLast

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@anir
@hlena dir erstmal herzlichen Dank, dass du in meinen Thread gefunden und auch geantwortet hast!

Es ist schön zu sehen, dass ich hier Leute habe, die mir helfen
Eine Frage, die mir brennend auf dem Herzen liegt, wenn ihr immer wieder Episoden habt: Wie schafft ihr es dann jedes Mal aus der Episode raus? Ist es eher der Faktor Zeit, also Zeit heilt alle Wunden in Kombination mit Therapie?

Und eine andere Frage: In der Depression kommt mir der Tag so unheimliche lange vor. Fällt es euch dann genauso schwer, den Tag zu „überstehen“? Und wie strukturiert ihr euch? Ich bin immer schon sehr früh wach und schaffe es dann so gegen 8 Uhr aus dem Bett. Ich denke mir immer, warum soll ich eher aufstehen zu der Jahreszeit und versuche es im Bett zu genießen. Keine chance, die Gedanken kreisen noch mehr..

10.11.2022 11:21 • #25


anir

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@HopeDiesLast

Guten Morgen, HopeDiesLast.
Bei mir ist es die Zeit.
Die D. fordert ihre Zeit ein.
Ich weiß nie wie lange die Zeit braucht um mit der Episode fertig zu sein, daß ist zermürbend.
Sachen die sonst schön waren, sind es in der D. nicht mehr.
In dieser Phase etwas zu bearbeiten, da ich glaube mein Leben in einer Art verändern zu müssen,
muß ich aufsparen für nach der D. .
In der D. reicht es aus, das Beste draus zu machen. (Nach der D. erfolgt die Bearbeitung).
Da ich dann nicht weiß was das ist, mache ich einfach was.
Ich kenne die Struktur der Tagesklinik und halte mich an solche Sachen.
Lange im Bett liegen, mache ich auch, glaube aber, daß das nicht gut ist, also beende ich das.
Stehe gerädert auf, nach der Einnahme von Tavor, und beginne meinen Tag.
Ätzend. Versuche in kein Gedankenkarusell zu kommen.
Lenke mich ab.
Computerkartenspiele klappen bei mir, zwar langsam, doch ich hab ja Zeit.
Gehe täglich spazieren, koche mir was, manchmal, puzzele viel.
Mache Riesenbilder Ministeck.
Über 8000 Teile, die schmücken meine Wände.
Jeder schaut für sich, was am besten möglich ist.
Ich isoliere mich total.
Telefoniere nicht mehr, da ich mir das Gespräch nicht merken kann, auch nicht das, was ich gerade sagte.
Kann nicht mehr lesen, da der Inhalt nicht abzuspeichern ist.

11.11.2022 06:59 • #26


HopeDiesLast

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Hallo ihr ,
es hat mal wieder länger gedauert, bis ich es geschafft habe zu schreiben.
Ich hatte ein sehr schönes Wochenende, an dem ich die schwere nicht so gespürt habe. Zusätzlich hatte ich das Gefühl, dass es sich etwas bessert. Der Wochenanfang war auch noch in Ordnung. Gestern habe ich mich nach langer Zeit mal wieder zum Sport aufgerafft und es hat sich danach sehr gut angefühlt! Ich habe eingekauft, was für mich auch normal eine Hürde ist.

Leider hat sich heute wieder der Schleier wieder sehr bemerkbar gemacht und ich bin erst spät aus dem Bett gekommen und habe erst spät zum arbeiten angefangen. Fühle mich allein und habe Angst, dass es nicht aufhört.

Ich verstehe es irgendwie nicht. Wenn ich das Gefühl habe, ich mache Fortschritte kommen plötzlich wieder drei Schritte zurück.

durch die schlechten Phasen zwischendurch, habe ich mittlerweile das Gefühl, ich merke garnicht mehr, wann ich Fortschritte mache und wann nicht. Kennt ihr das auch und wie ist das bei euch?

Danke schon mal!

16.11.2022 10:56 • #27


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Marylu

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Hallo in die Runde,
habe gerade mit viel Interesse den Thread gelesen und mich in vielem wiedergefunden.
Ich hatte meine erste schwere Phase 2007, meine zweite 2009 und seit dem zwei leichtere Episoden.
Ich war einmal in der Klinik, einmal bei der Reha und habe zwei Therapien gemacht. Ich gehe 4x im Jahr zu meinem Psychiater, hauptsächlich um meine Medikamente abzuholen.
HopeDiesLast, nimmst du Medikamente?
Das ist für mich ein wesentlicher Punkt, weswegen ich aus der Episode raus und nicht wieder so schwer rein kam. Wie Jedi schreibt, finde ich auch Achtsamkeit sehr wichtig, arbeite aber noch daran. Ich bin immer noch dabei, mich oft zu schnell zu übernehmen, wenn es mir gut geht und dann wird's wieder schlechter. Allerdings habe ich mir schon viele Dinge vorgenommen, die ich relativ gut umsetze.
Das Annehmen der D. finde ich auch sehr schwer, da dieses depressive Gefühl so dominant ist.
Hab einen schönen Abend.

16.11.2022 16:52 • x 1 #28


HopeDiesLast

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Hallo @Marylu ,
freut mich, dass du den Weg in meinen Thread gefunden hast! Danke auch für deine Offenheit im Umgang mit deiner Krankheit. Ich dachte nach meiner dritten Phase (war die schwerste), dass ich es geschafft habe. Aber leider kam wie bei dir eine 4. hinzu. Wie lang hat bei dir die Erholung immer gedauert?

Ja, ich nehme Medikamente. Bevor die Phase angefangen hat, habe ich versucht zu reduzieren, weil es mir so gut ging. Zu dem Zeitpunkt habe ich Venlafaxin 150mg genommen und dann auf 75mg reduziert. Als ich dann gemerkt habe, dass es schlechter wird nach ca. 1-2 Monaten, habe ich sofort wieder auf 150mg erhöht. Nach Rücksprache mit meiner Psychiaterin nun auf 187,5mg erhöht. Aber ich hänge da nun seit ca. 5 Monaten drinnen. Ich hatte auch sonst immer das Gefühl, dass die Medis nur bedingt helfen, habe davor Escitalopram in meiner zweiten Episode genommen. Aber bei mir hat sich Besserung nie wie bei Antidepressiva beschrieben nach 4-6 Wochen eingestellt, sondern gefühlt ist es nach einer Gewissen Zeit einfach Schritt für Schritt leichter geworden. So war es bis jetzt immer. Die dritte Phase hat knapp 1 Jahr gedauert.

Was macht du bzgl. Achtsamkeit genau?

Ich wünsche dir/euch auch einen schönen Abend! Und freue mich auf deine Antwort!

16.11.2022 17:07 • #29



Hallo HopeDiesLast,

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Jedi

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Zitat von Marylu:
Das ist für mich ein wesentlicher Punkt, weswegen ich aus der Episode raus und nicht wieder so schwer rein kam.

Das Thema Medis ist immer ein schwieriges u. ich würde Dir zustimmen, dass Medis gut helfen dabei,
aus depressive Episoden raus u. nicht mehr so schnell hineinzugeraten !
------------
Zitat von Marylu:
finde ich auch Achtsamkeit sehr wichtig, arbeite aber noch daran.

Die alltägliche Achtsamkeit ist wirklich kein HokusPokus, sondern es sind die Momente u.
die können sehr kurz nur sein, wenn man ganz dabei, was man gerade tut oder wo man ist.
Wer gerade dabei ist, sein Abendbrot zu machen u. bleibt ganz bei dieser Tätigkeit, praktiziert schon
Achtsamkeit.
Was eben uns dabei häufig stört, dass sind die ungebetenden Gedanken, die uns von dem eigentlichen Tun,
sich das Abendbrot zu machen, davon wegzieht.
Es ist Bewusstmachung u. etwas Übung, dass ist das ganze Geheimnis der Achtsamkeit.
Achtsam ohne zu Beurteilen oder zu Bewerten !

16.11.2022 17:14 • x 1 #30

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