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Zuversicht Langsam kam der graue Schleier wieder

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HopeDiesLast
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Hallo zusammen Smile,
ich bin neu hier im Forum, war aber schon ein paar Tage ohne Registrierung unterwegs und habe dabei gesehen, dass sich hier viele tolle und hilfsbereite Menschen austauschen und gegenseitig helfen. Das hat mich sehr beeindruckt!

Ich möchte mich erstmal vorstellen. Ich bin 30 Jahre alt und kämpfe seit 5 Jahren mit Depressionen. Aktuell habe ich die 4. Episode Traurig Zu meinen Hobbies gehören mein Hund, Mountainbiken, Wandern, Skifahren. Ich habe eine tolle Freundin, die mich sehr unterstützt in meiner aktuell schweren Zeit, eine tolle Mutter und Schwester die immer für mich da sind. Darauf bin ich sehr stolz und dankbar! Auch zu meinem Vater habe ich guten Kontakt, allerdings trennten sich meine Eltern als ich 12 war, weil er eine neue Frau kennengelernt hat. Er war früher schon oft nicht für mich da sowohl emotional, als auch physisch, weil er dauernd gearbeitet hat oder unterwegs war.

Nun zum eigentlichen Thema: Leider bin ich wieder langsam und schleichend in eine depressive Phase gerutscht und hänge mitten drin. Alles begann ca. im Mai/Juni. Zu Kriegsbeginn (März) habe ich ukrainische Flüchtlinge bei mir zuhause aufgenommen. Es hat irgendwann zunehmend gemenschelt und leider verhielt sich die Familie immer rücksichtsloser. Meine Rückzugsorte wie das Wohnzimmer oder der Garten waren dauernd in Beschlag und so bin ich abends häufig früh in mein Zimmer bzw. Bett gegangen. Irgendwann hab ich dann Themen auf sachliche Art und Weise angesprochen und es wurde dadurch distanzierter. Zusätzlich hab ich zu dem Zeitpunkt extern noch viel geholfen und habe einen 40 Stunden Job, der mich auch sehr gefordert hat. Mittlerweile ist die Familie weg und es ist allgemein ruhiger geworden, weil ich mich auch einfach wieder zurücknehmen musste, da der Schleier immer grauer wurde und ich immer schwerer aus dem Bett kam. Auch Arbeiten fiel mir zunehmend schwerer aber ich tue es noch, weil ich die Struktur brauche, sonst versumpfe ich komplett. Hier hab ich aber im Moment keine stressige Zeit, sondern kann mich auch mal ausruhen. Ich versuche Dinge zu unternehmen an Freizeitsachen mit Freunden teilzunehmen, aber naja wie ihr selber wisst, gehts manchmal einfach nicht, weil es zu viel ist.

Therapeutisch bin ich in guten Händen und auch medikamentös eingestellt. Die aktuelle Episode ist zum Glück nicht so heftig wie meine letzte. In der letzten bin ich freiwillig in eine Klinik, hat leider nicht wirklich viel geholfen Traurig

Nun meine aktuellen Gedanken: Meine Angst ist, dass es nicht mehr aufhört. Ich habe mir ein so tolles Leben seit der letzten Phase aufgebaut und ich habe so Angst, dass alles in sich zusammenfällt (Beziehung, Struktur, Arbeit etc.). Traurig Es ist manchmal echt zum Haare raufen und ich verstehe es nicht. Ich bin ein emotionaler Roboter in der dunklen Phase und bin auch emotional irgendwie von der Welt abgeschnitten. Der Trigger kann die Familie gewesen sein, die ich aufgenommen habe, weil die Konstellation wie damals zuhause war, nachdem mein Vater komplett gegangen ist. Auch dass es einfach zu viel war, was ich getan habe ohne Ruhepausen.

Ich weiß, dass ich schon 3mal rausgekommen bin und es einfach dauert, bis wieder eine gute Phase kommt. Aber es fällt mir so schwer es auszuhalten.

Mich würde sehr freuen, wenn ihr mit mir eure Erfahrungen teilt und eure Einschätzung. Ich möchte mich nicht selber so unter Druck setzen aber ich erwische mich immer wieder in der Erwartungshaltung, dass es sofort besser ist, weil ich einfach Dinge wieder mit meiner Freundin genießen möchte etc.

Liebe Grüße und ich freue mich auf eure Antworten und den Austausch! Smile

#1


52 Antworten ↓
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FckDepression
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Guten Abend HopeDiesLast et al.,

vielen Dank für deinen Thread und den damit verbundenen Mut darüber zu sprechen.
Ich lese schon etwas länger mit und hab mich jetzt mal aufgerafft mich anzumelden und meine Geschichte runter zu schreiben.
Tatsächlich hat mich dein erster Beitrag gepackt, weil wir ungefähr gleich alt sind, ähnliche Hobbys und die gleiche Krankheit teilen.

Ich bin männlich, 28 Jahre alt, arbeite eigentlich Vollzeit im Büro. Seit 3 Jahren leide ich an Depressionen, aktuell die 3. Phase. Ich spiele Eishockey, treffe eig. gerne meine Freunde, habe einen tollen Hund der mich vor die Tür bringt und mir bedingungslose Liebe schenkt. Ich liebe die Berge und damit auch das Skifahren und Wandern. Außerdem koche und grille ich gerne, trinke gerne Kaffee - ich bin ein Genussmensch. Very Happy Eine wunderbare Freundin ist an meiner Seite, wir wohnen zusammen in einer Eigentumswohnung und sie hat für mich und meine Krankheit Verständnis, wofür ich so dankbar bin. Zu meinen Eltern pflege ich ein gutes Verhältnis.

Klingt für mich nach einem tollen Leben, wenn da nicht zum Herbst hin die Depression an der Tür klopfen würde - und ich öffne ihr.

Es begann vor 3 Jahren mit den Corona-Einschränkungen. Mein Leben habe ich immer gelebt, war viel unterwegs, hatte meinen Sport, tolle Freunde, schöne Urlaube, einen guten Arbeitgeber. Von heute auf morgen ging es ins Homeoffice, anfangs cool, ich konnte nebenbei einiges privates machen. Doch irgendwie hat sich privates und berufliches sehr vermischt, mein Leben spielte sich hauptsächlich in einem Raum ab, arbeiten, essen, entspannen. Dann der Lockdown, der private Ausgleich ist weggebrochen und ich kam außer zum Einkaufen kaum noch vor die Tür (da hatte ich noch keinen Hund). Damit kam meine erste Depression, ich bin dann ziemlich schnell zu einer privaten Praxis für Psychotherapie - diese hat meine geschilderten Probleme nicht als Depression bezeichnet, mich aber trotzdem für einiges an Geld behandelt. Irgendwo war ich froh, Hilfe zu haben, aber im Rückblick hat diese Therapie mich nicht weiter gebracht. Eigentlich hat sie mich nur zur Arbeit motiviert und mir eingeredet, dass es irgendwo in meiner Vergangenheit ein Problem gab. Über den Sommer danach war ich wieder gut drauf und hatte Lebenslust. Währenddessen kam ich bei der Therapie in eine Gruppe, die mich sehr runtergezogen hat. Kommen war Pflicht, Urlaub nur in den Praxisferien - wenn man mal fehlte, wurde das von der "Therapeutin" in der Gruppe vorwurfsvoll angesprochen.

Zum Herbst hin dann meine 2. Depression, Suizidgedanken, keine Freude an nichts, keine Gefühle, Konzentrationsprobleme auf Arbeit, kam morgens nicht aus dem Bett, viele Grübelgedanken, normale Alltagsdinge wie Haushalt, Briefe etc. wurden auf einmal unmöglich. Soziale Kontakte die ich eigentlich gerne habe, waren für mich plötzlich eine Qual. Glücklicherweise hat mein Hausarzt mich schnell zu einem Psychiater:in geschickt. Hier nun die offizielle Diagnose Depression. Beängstigend, aber meine Probleme hatten endlich einen Namen. Ich habe dann 4 verschiedene Therapeut:innen ausprobiert, es hat viel Kraft und Zeit gekostet, aber ich wollte diesmal wirklich, dass ich in gute Hände komme. Ich war 3 Monate arbeitsunfähig, mit Medikamenten (Sertralin und Promethazin) und letztendlich einer toller Therapeutin, war ich Anfang 2022 wieder arbeitsfähig und der "alte", sprich wieder Spaß am Leben.
Es lief alles wunderbar, wie vorher. Neben dem Bürojob habe ich sogar noch nebenbei ein bisschen als Ausgleich als Barista gearbeitet, weil ich Spaß dran hatte und es ein guter Ausgleich zur Computerarbeit war. Zu keinem Zeitpunkt habe ich mich überlastet oder unglücklich gefühlt. Die Medikamente habe ich nach Absprache ausschleichen lassen und die Therapie nicht mehr notwendig.

Jetzt kam im August/September wieder schleichend die 3. depressive Phase. Gleiche Symptome wie in der zweiten. Glücklicherweise hatte ich nun jetzt schon Ansprechpartner (Psychiater:in & Therapeut:in) bei denen ich schnell in Behandlung kam. Trotzdem auch für mich ein völliger Rückschlag, ich dachte, ich habe es im Griff... Ich nehme nun wieder Medikamente und bin jede Woche bei der Gesprächstherapie. Es geht langsam Berg auf, aber gut würde ich meinen Zustand nicht nennen. Ich bin jetzt auch schon seit 7 Wochen krank geschrieben.
Mir tut es tatsächlich gut, wenn die Arbeit in der Phase wegfällt. Durch die Konzentrationsschwierigkeiten mache ich mir auf der Arbeit totalen Druck, ich funktioniere nicht mehr wie gewohnt und das belastet mich total. Auch im Privaten funktioniere ich nicht mehr. Durch die Arbeitsunfähigkeit fällt damit wenigstens etwas Druck weg. Mein AG ist zum Glück sehr nachsichtig. Trotzdem mache ich mir auch viele Gedanken über die Zukunft, es macht mir Angst, immer wieder Phasen zu haben, in denen ich nicht mehr Leistungsfähig bin, nicht mehr der zu sein, der ich gerne bin. Ich lasse mein Team auch nur schwer im Stich, irgendwann akzeptiere ich die Situation und sage mir, dass ich am Ende nur für mich Verantwortlich bin und erstmal wieder Gesund werden sollte. Aber ich habe auch die Angst, dass es nicht mehr aufhört und dass alles in sich zusammenfällt (Arbeit, Beziehung, Freunde etc.).

Mir hilft mein Sport, auch wenn ich keine Lust habe, geht es mir danach besser. Die Therapie hilft mir auch. Sonst gehe ich viel raus, das tut mir gut. Ich kann mir aktuell wieder sagen, dass es mit der Zeit auch wieder gut wird und ich mein Leben wieder genießen kann. Ich höre viele Podcasts über psychische Gesundheit, gehe zu einer Gesprächsgruppe, lese sehr viel und versuche eigentlich so wenig Zeit wie möglich am Bildschirm zu verbringen. Erfahrungsberichte helfen mir irgendwie, zu wissen, dass man damit nicht alleine ist. Thorsten Sträters und Kurt Krömers Bücher haben mir zum Beispiel sehr gefallen - es kann wirklich jeden treffen. Selber gehe ich mittlerweile sehr offen mit der Erkrankung um, ich habe einfach keine Kraft, die Fassade aufrecht zu erhalten, es wäre alles gut...

Oh man, sorry für den langen Beitrag - wo fang ich an und wo höre ich auf? Ich höre jetzt einfach auf und mehr ergibt sich bestimmt durch Fragen bzw. Rückmeldungen.

Viele Grüße, passt auf euch auf!

17.11.2022 23:57 • x 1 #39


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Hallo HopeDiesLast,

Zuversicht Langsam kam der graue Schleier wieder

x 3#3


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FckDepression
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Servus @HopeDiesLast,

meine aktuelle Situation ist die folgende. Es geht langsam Berg auf, d.h. es gibt weniger ganz schlechte Tage, hauptsächlich neutral und zwischendurch mal ein guter Tag. Sprich Suizidgedanken plagen mich nicht mehr, auch die Grübelei ist weniger geworden. Mir fällt es immer noch schwer aufzustehen und Dinge anzufangen. Putzen, kochen, organisatorisches im privaten sind irgendwie eine Hürde. Sonst sind das alles Sachen, die ich normalerweise problemlos nebenbei erledige, aber in der Depression sind das teilweise unlösbare Aufgaben, für die die Kraft fehlt. Durch das zusammenleben mit meiner Freundin, trete ich mir aber selber etwas in den Hintern um hier wenigstens zu Unterstützen - ich kann und will mich nicht ganz gehen lassen und hab das Pflichtgefühl, meine vollzeitberufstätige Freundin zu entlasten, wenn ich schon Zuhause bin. Ich glaube, wenn ich keine Freundin hätte, würde ich hier eher verwahrlosen, es wäre mir egal. Sonst ist es morgens meist schlechter als abends. Generell ist mein Selbstwert am Anfang der Depression gleich Null, dieses kommt auch langsam wieder. Das macht es aber zum Beispiel auch schwierig unter Leute oder sogar Freunde zu gehen, die Lachen und eine tolle Zeit haben wollen, ich hab dann immer das Gefühl ich zieh die Stimmung runter, kann nicht wirklich mitreden oder Themen auf den Tisch bringen, weil es mir eigentlich schei. geht und ich einfach komplett interessenlos bin.
Mir fällt es gerade irgendwie etwas schwer, meinen aktuellen Zustand in Worte zu packen, da es gerade alles etwas im Wandel zum positiven ist.
Jedenfalls habe ich mich jetzt auch damit abgefunden, dass ich erst im neuen Jahr wieder in die Arbeit einsteige, damit ist der Druck jetzt auch etwas weg. Am Anfang dachte, 2 Wochen dann geht das schon wieder und immer so weiter. Bis ich gecheckt habe, es ist die Zeit welche ich mir nehmen muss.

Ich habe nie gerne gelesen, durch die Depression habe ich es lieben gelernt. Aber in den guten Phasen habe ich dafür weniger Zeit und Interesse. Generell Sachbücher über die Krankheit. Aktuell habe ich einen genialen Roman, so hat mich noch kein Buch gepackt - "Shantaram".

Ja ich bin nicht so funktionsfähig und gut drauf, das merkt und weiß meine Freundin auch. In jeder Phase dachte ich mir, wie lang macht sie das noch mit. Wir reden viel darüber, sie versteht, dass ich das mache, was ich kann. Wenn ich Ruhe brauche, darf ich mir diese nehmen. Wir gehen auch oft zusammen raus an die frische Luft oder lecker essen, auch wenn ich es in der harten Zeit nicht so genießen kann wie sonst. Die Vernunft sagt mir immer, es ist gut was ich mache, aber fühlen kann ich es dann leider nicht wirklich. Ich habe aber auch gelernt in dieser Zeit "Nein" zu sagen, beispielsweise wenn wir irgendwo eingeladen sind, und mir geht es psychisch dreckig, dann muss sie leider alleine gehen - ich will sie nicht mit runter ziehen, auch wenn sie es schade findet dass ich sie nicht begleite, ist es dann manchmal für mich das beste.
Wie geht deine Freundin damit um?

Das mit der schlechten Homeoffice Routine bin original ich... Und auch das subjektive Gefühl nicht mehr gut und leistungsfähig genug zu sein, kenne ich. Objektiv betrachtet ist es glaube ich nicht so. Ich selber weiß, ich hätte mehr schaffen oder Dinge besser machen können, aber ich wurde nie getadelt von Kollegen oder Chefs.
Ich bin auch generell ein kleiner Perfektionist und wenn ich etwas mache, dann richtig - das kollidiert natürlich mit meiner subjektiven Wahrnehmung.

Ich glaube in meiner Jugendzeit habe ich tatsächlich auch schon so Tendenzen zur Depression gehabt. Aber irgendwie haben die Eltern einen genug in den Ar. getreten, nach dem Motto, ich hab auch nicht immer Lust dies und jenes zu tun. Zu der Zeit habe ich mir aber auch keine Zeit zum reflektieren oder nachdenken gegeben. Ich war viel mit Freunden unterwegs, wir haben gefeiert, Alk. getrunken, gezockt und auch ziemlich häufig gek. . War also dauernd auf Achse, entweder um die schlechten Gefühle zu unterdrücken oder halt weil ich auch Bock drauf hatte. Die Zeit will ich nicht missen, wir hatten eine Menge Spaß. Aber irgendwie wird man ja auch erwachsen - vielleicht es ist auch die Verantwortung die man mit der Zeit trägt. In der Depression kommen dann auch Gedanken, ob ich den richtigen Job mache. Meine Berufung ist es nicht, aber mir fällt auch keine ein. Es gibt immer positives und negatives. Aber vor dem Bildschirm sitzen gibt mir in der Depression auch so viel Zeit zu grübeln, dass ich am liebsten was handwerkliches machen würde, aber da passen dann andere Dinge nicht. Ist die Depression vorbei, finde ich meine Arbeit an sich okay, und die Firma und Kollegen sind wirklich toll. Und am Ende gehe ich arbeiten um mir meine Wünsche und Hobbys zu erfüllen. In einer Zeit "wo einem alle Möglichkeiten gegeben sind", hinterfragt man natürlich alles. Aber ganz ehrlich, in meiner Depression ist mir selbst die Auswahl im Supermarkt zu viel.

Ich hoffe der Text ist verständlich, irgendwie springen meine Gedanken gerade etwas. Garnicht so einfach es schriftlich in Worte zu fassen ohne direktes Gespräch...

Stay strong

18.11.2022 19:19 • x 1 #47


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hlena
Erst einmal willkommen im Forum.
Ich finde,du tust so viel und im Grunde,weißt du Bescheid.
Du weißt auch,daß die Depression Zeit braucht.
Gib dir diese Zeit.
Auf mich machst du einen ungeduldigen Eindruck.
Also gib dir die Zeit,die du brauchst.
Natürlich verstehe ich deine Bedenken,irgendwann ist dieser Zustand auch vorbei

x 1 #2


Jedi
Zwei Punkte die mir in Deinem Beitrag auffielen;
-
Zitat von HopeDiesLast:
kämpfe seit 5 Jahren mit Depressionen.

Du kannst noch viele Jahre mit der Depression kämpfen (wobei ich das Wort,"kämpfen"), für eine falsche
Bezeichnung halte, denn damit befindest Du Dich mit deiner Situation im Dauerstress.
Unsere Depressions-Erkrankung möchte von uns nicht bekämpft werden, sondern angenommen
u. als einen Teil von uns akzeptiert werden.
Sie möchte Heilung erfahren, indem wir uns in einer therapeutischen Begleitung mit ihr beschäftigen,
soweit, bis wir die Depression geheilt haben oder mit ihr einen guten Umgang gefunden haben.
Somit meine Antwort dazu, höre auf dagegen anzukämpfen, sondern nimm sie an, auh als einen Teil von Dir
u. lass Dir professionell helfen !
-----------------------------------------
Zitat von HopeDiesLast:
Ich möchte mich nicht selber so unter Druck setzen aber ich erwische mich immer wieder in der Erwartungshaltung,

Erwartungshaltungen lösen immer einen gewissen Druck aus, weil man ja etwas erwartet.
Nun hat die Erwartung eine kleine Schwester u. die heißt, "Enttäuschung" u. die ist dann sehr präsent,
wenn sich Deine/ unsere Erwartung nicht erfüllt !
So versuche Dich von Deiner Erwartungshaltung zu lösen u. bleibe achtsam Deinem Denken u. Handeln
gegenüber.

x 1 #3


H
@hlena vielen Dank für deine Antwort!

Ja, du hast Recht, ich tue sehr viel und manchmal glaub ich zu viel, sodass ich mir kaum Pausen gönne, damit ich den Zustand nicht so merke Traurig Mit dem ungeduldigen Eindruck hast du definitiv nicht unrecht, leider bin ich allgemein schon immer sehr ungeduldig. Vielleicht auch einfach wegen der Angst, dass der Zustand bleibt.

@jedi auch dir vielen Dank für deine Antwort! Du hast Recht, kämpfen ist die falsche Bezeichnung und das tue ich wahrscheinlich oft. Danke, für den Hinweis. Das vergesse ich oft. Kämpfen kostet einfach sehr viel Energie. Therapeutisch bin ich zum Glück in guter Behandlung schon seit mehreren Jahren. Darf ich dich fragen, wie du deine Depression angenommen hast? Ist es dann, dass du dir gut zuredest, wenn du einen schlechten Tag hast und auch akzeptierst, dass manche Dinge einfach nicht funktionieren? Oder was ist für dich annehmen?

Danke schon mal Smile

#4


Jedi
Zitat von HopeDiesLast:
Oder was ist für dich annehmen?

Annahme deutet für mich, dass ich wahrnehme an einer Depression erkrankt zu sein.
Weiter bedeutet es für mich, dass die damit einhergehenden Einschränkungen ich akzeptiere u.
nicht dagegen bin, dass es diese Einschränkungen gibt.
Das Therapie, Selbsterkenntnis bedeutet u. ich damit aufhöre, mich für meine Vergangeheit auch noch selbstverurteile.
Mein nicht Perfekt sein anzuerkennen, als ein Teil von mir !
Überhaupt eine Akzeptanz gegenüber meiner Person entwickelt u. anzuerkennen, wie man ist !

x 1 #5


H
Das sind sehr schöne Worte. Vielleicht bin ich bei diesem
Prozess noch am Anfang, trotz der vielen schlechten Phasen, die ich bis jetzt hatte.

Einschränkungen sind ein gutes Wort, ich glaube das sind die Dinge, die ich noch nicht so akzeptiert habe. Nur ein Beispiel: Ich war erst auf einer Feier und es macht mich einfach fertig, wenn alle gut gelaunt sind und ein Bierchen oder Aperol trinken. Und mir ist so garnicht zu feiern zu Mute, sondern am liebsten bin ich dann in solchen momentan zuhause..

Anderes Beispiel: Keine Lust, keinen Antrieb auf seine Hobbies zu haben. Das ist für eigentlich mir das Schlimmste. Meinst du solche Einschränkungen?

#6


Jedi
Zitat von HopeDiesLast:
ein Beispiel: Ich war erst auf einer Feier und es macht mich einfach fertig, wenn alle gut gelaunt sind und ein Bierchen oder Aperol trinken. Und mir ist so garnicht zu feiern zu Mute, sondern am liebsten bin ich dann in solchen momentan zuhause..

Das kenne ich doch auch u. fand mich dann oft fremd in der Partygemeinschaft.
Doch war es richtig, dass man hingeht u. teilnimmt, damit man sich nicht zu sehr Isoliert,
denn das ist Gift für die Depression.
Habe da dann auch nie so getan, alles würde es mir gut gehen, war eher still u. habe mich unauffällig verhalten.
Muss aber auch sagen, dass es auch gut war, dies mit der Depression nicht zu lange Geheim zuhalten,
so kamen dann auch nicht so dumme Fragen wie, "Geht es Dir nicht gut" oder "Sei doch keine Spaßbremse".

x 2 #7


A
@HopeDiesLast

Hallo HopeDiesLast

Du machst viel.
Warum?
Allerdings glaubte ich auch stehts wieder in mein eigentliches Leben, das ohne Depression,
schlüpfen zu können.
Ging nicht mehr.
Die Akzeptanz dessen war ein längerer Weg für mich.
Das Annehmen meiner D. ist jedesmal schwer.
Doch wenn ich draußen bin, hab ich wieder was dazu gelernt.
Jede D. vergeht, diese Erfahrung hast du gemacht.
Und doch, wenn man wieder drinsteckt, glaubt man das nicht.
Ich hab jedes Mal Sorge, ob ich da wieder rauskomme.
Und doch seit 22 Jahren schaffe ich es.
Die Erkrankung betrifft deinen Körper, deinen Geist, deine Seele und deine Gefühlswelt.
Das ist soviel zusammen.
Gut ist es, du hast ein gutes Team um dich herum und kannst das zulassen.
Und nun, habe Geduld mit dir.
Alles Gute

x 2 #8


H
@Jedi ja, man ist einfach häufig mit Sprüchen konfrontiert von erweiterten Freunden, denen man das mit der Depression garnicht erzählen möchte, wie z.B. lach doch mal. Oder letztens hat man mir sogar in einer Situation mal mit den Fingern ins Gesicht gelangt und die Mundwinkel nach oben gezogen. Ich weiß nicht, ob’s dann besser ist zu sagen, dass es mir aktuell nicht gut geht oder was man tun soll. Natürlich würde ich gerne zu solchen Feiern gehen, aber das macht mir im Voraus schon zu schaffen.

@anir
Das hab ich mich auch gefragt. Zum Start der Phase habe ich mich hauptsächlich für die Kriegsflüchtlinge eingesetzt bzw. schon fast aufgeopfert. Jeden Tag war ich abends nach der Arbeit helfen, hab meinen Hund versorgt und bin abends tot müde ins Bett gefallen. Eigentlich bis ich eines Tages gemerkt habe, dass der Schleier kommt. Ich weiß nicht, warum ich es nicht früher gesehen habe, dass es zu viel ist. Vielleicht hab ich das aus der vorletzten Phase noch nicht gelernt und mich sozusagen wieder selber vergessen?
Du hast Recht, man lernt jedes Mal dazu, siehe meinen Satz vorher. Danke für deine Worte! Ich versuche mich in Geduld zu üben!

Ich tue mich nur so schwer mal zu „pausieren“, mich zum Beispiel einfach mal ab 17 Uhr nach der Arbeit spazieren zu gehen und dann auf die Couch. Couch und Entspannung geht immer erst ab 20 Uhr so wirklich.

#9


Jedi
Zitat von HopeDiesLast:
Natürlich würde ich gerne zu solchen Feiern gehen, aber das macht mir im Voraus schon zu schaffen.

Kann Dich da sehr gut verstehen. Es muss auch nicht jede Feier sein, zu der man dann hingeht u.
doch wäre es hilfreich, sich nicht ganz zu verschließen/ einzuschließen.
Kommt villt. dann auch auf die eigene Tagesform der Depression an.
Doch sich ganz auszuschließen, ist bei einer Depression kontraproduktiv u. das eigene Leid, was man empfindet,
erfährt nicht selten dadurch eine Verstärkung.
-----------------------------------------------------------
Zitat von HopeDiesLast:
wie z.B. lach doch mal.
Oder letztens hat man mir sogar in einer Situation mal mit den Fingern ins Gesicht gelangt und die Mundwinkel nach oben gezogen.

Das mit den Fingern u. die Mundwinkel hochzuziehen, dass geht gar nicht Wut , dass ist für mich Übergriffig
werden. Das würde ich mir auch verbieten u. das ohne weitere Erklärung dazu !

Nun, "lach mal wieder", kann man so oder so interpretieren - manchmal ist es gar nict so böse gemeint,
kommt aber bei einem so an. Ist natürlich nicht schön, so etwas zu hören u. doch kann es auch eine Übung
sein, es einfach mal zu ignorieren. Wird sicher nicht immer so gut klappen - einfach mal ausprobieren !
------------------
Zitat von HopeDiesLast:
Ich weiß nicht, ob’s dann besser ist zu sagen, dass es mir aktuell nicht gut geht

Sicher ist es besser es zu sagen !
Dies verbergen wollen oder irgendeine Ausrede zu erfinden, kostet sehr viel an Energie u. selbst spürt man auch,
dass verbergen oder Ausreden zu erfinden einem auch nicht gut tun - man kommt es dann manchmal
selbst schäbig vor.

Doch sicher ist es Problematik, die man so wirklich nicht braucht !

#10


H
Danke @Jedi für deine Antwort! Ich hab leider etwas gebraucht um zu antworten. Die letzten Tage waren etwas schwer.

Das stimmt und das versuche ich auch. Ich möchte mich nicht zurückziehen. Vergangenes Wochenende war ich auch auf einer Feier und für meine Verhältnisse relativ lange.

Das lach mal wieder ist für mich auch nicht so schlimm, war nur der Tropfen auf dem heißen Stein nach der Mundwinkelaktion.

Naja, momentan beschäftigt mich sehr mein eigenes Verhalten. Ich kenne das schon aus meiner letzten Phase. Ich versuche es zu vermeiden, allein zu sein. Am wohlsten fühle ich mich, wenn irgendjemand in meiner Nähe ist (Freundin oder Familie) zum Reden und schaue, dass ich sofern es sich vermeiden lässt, nicht allein bin. Das ist wie so eine Vermeidungsstrategie und sozusagen die Angst vor der Angst, dass es noch weiter bergab gehen könnte. Ich weiß garnicht, was ich davon habe, außer Gesellschaft. Das habe ich komischerweise nur in der depressiven Phase. Wenn es mir gut geht, sieht das anders aus. Da hab ich überhaupt kein Problem allein zu sein.

Habt ihr da eine Idee, was dahinter stecken könnte oder was ich dagegen tun könnte?

x 1 #11


Jedi
Zitat von HopeDiesLast:
Das habe ich komischerweise nur in der depressiven Phase.

Villt. liegt es daran, dass man in einer depressiven Phase sich verletztlichen fühlt u. da tut
es gut,wenn man einen Menschen in seiner Nähe weiß !
-----
Zitat von HopeDiesLast:
Wenn es mir gut geht, sieht das anders aus.

Dann fühlt man sich seelisch u. psychisch stabiler, Widerstandsfähiger u. das wäre für mich auch
eine Erklärung, die ich Nachvollziehen kann.

x 1 #12


H
Hm ja, die Erklärung ist plausibel. Ich habe nur manchmal das Gefühl, wie ein Kind zu agieren, weil ich am liebsten in dieser Phase garnicht allein bin.

Ich muss mich leider etwas „ausheulen“ auch, wenn ich in der Realität momentan leider nicht kann, aber ich muss es wenigstens niederschreiben. Ich bin aktuell mit meiner Situation überfordert und besondere Angst habe ich davor, dass ich aus diesem Nebel nicht mehr rauskomme. Auch wenn ich weiß, dass es schon drei mal besser geworden ist. Ich arbeite nach wie vor normal und merke aber, dass ich mich nicht zu 100% konzentrieren kann und Aufgaben zum Teil sehr fordernd oder überfordernd für mich sind. Bisher hat es niemand gemerkt, dass ich in einem Loch bin. Ich möchte mich auch nicht krank schreiben lassen, da ich sonst zuhause komplett versumpfe, nicht aufstehe und so weiter.

Mein Privatleben ist so naja aktuell, ich versuche mich zu wichtigen Dingen aufzuraffen aber eigentlich ist mir nur nach Couch und in den Fernseh schauen, obwohl es mir dabei nicht besser geht und ich weiß, dass es mich nicht weiterbringt. Aus meiner letzten Phase bin ich gekommen, in dem ich weitergemacht habe und nicht aufgegeben habe. Den Balast, den ich noch bis vor 2 Monaten hatte, habe ich nicht mehr. Die Familie ist ja weg. Ich frage mich dauernd, ob ich irgendetwas ändern muss?

#13


Jedi
Zitat von HopeDiesLast:
Ich habe nur manchmal das Gefühl, wie ein Kind zu agieren, weil ich am liebsten in dieser Phase garnicht allein bin.

Nun, wir alle haben noch so ein innees Kind in uns - das verletzt ist - sich nicht verstanden u. gesehen fühlt, uvm. !
Diese Gefühle können auch in unserem Erwachsensein wiedrr präsent sein u. dann fühlt es sich an,
wie ein Kind zu agieren.
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Zitat von HopeDiesLast:
Auch wenn ich weiß, dass es schon drei mal besser geworden ist.

Das ist wichtig, Dir dies immer wieder bewusst zu machen !
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Zitat von HopeDiesLast:
Aus meiner letzten Phase bin ich gekommen, in dem ich weitergemacht habe
und
nicht aufgegeben habe.

Darin stecken schon gute Antworten für Dich !
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Zitat von HopeDiesLast:
Ich frage mich dauernd, ob ich irgendetwas ändern muss?

Villt. nicht unbedingt ändern u. doch sich daran erinnern u. bewusst machen, was Du geschrieben hattest u.
ich hier nochmal herauszitiert habe.

x 1 #14


A


Hallo HopeDiesLast,

x 4#15


A
@HopeDiesLast

Guten Morgen, HopeDiesLast

Wie ein Kind agieren.
Ja, daß kenne ich auch an mir.
Wenn ich in der D. bin.
Weil dann ganz viel von mir wegbricht.
Ich bin dann eine ganz andere.
Ich kann nicht mehr kommunizieren, denn ich kann mich nicht erinnern was ich sagte.
Die Pseudo-Demenz, schlägt so was von zu.
Ich schweige dann am liebsten.
Ich lehne jegliche Kontakte, die nicht sein müßen, ab. Mein Umfeld weiß Bescheid, daß ich D. habe. Ich melde mich dann ab.
Die letzte D. dauerte 9 Monate.
9 Monate isoliete ich mich total von allem.
Ich mache es mir so schwer, um mit meiner Situation besser umgehen zu können.
Mir bringt es nichts, dann mit anderen zusammen zu sein.
Da werden Fragen gestellt, die ich nicht beantworten kann.
Mein logisches Denken versagt.
Meine Erinnerung, wie irgendwas früher war, ist nicht vorhanden.
Ich kann nicht mehr lesen, da ich mir keinen Inhalt merke.
Ich habe eine gute Konzentration, damit hat es nichts zu tun.
Ich kann in der D. einfach nichts mehr abspeichern.
Ich muß mir alles aufschreiben, das ist so müssig.
Jeder findet seinen eigenen Weg.
Ich habe meinen gefunden und werde es immer so machen.

x 1 #15

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